1 Oktober

Das neue Cure Gefühl

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene — Jahrgang: 20094 Kommentare

das neue cure gefühl teaserThe Cure werden ja immer als Referenz des Gruftiseins herangezogen, obwohl das natürlich sehr engstirnig ist und nicht unbedingt der Wahrheit wenngleich auch dem damaligen Zeitgeist entspricht. In meiner jüngst erschienen Artikelbetrachtung The Cure - Rabenschwarz und total verrückt wurde euch ja schon näher gebracht, was es mit The Cure aus Sicht der Bravo überhaupt auf sich hat. Skandalöse Geheimnisse wurden gelüftet und auch einige Kommentatoren haben sich dazu hinreißen lassen, Hardcore verdächtige Ansichten zu publizieren.

Jetzt legt man mehr Wert auf die Fans, die so einem Cure Konzert beiwohnen und dem was da so alles vor der Bühne abgeht. Es stellt sich heraus, das dieser Artikel dann auch noch skandalöser und aufdeckender ist als sein direkter Vorgänger. Wirklich unfassbar, was hier über die Fans dieser nun wirklich großartigen Band geschrieben wird. Neugierig?

Als wären die Toten aus ihren Gräbern gestiegen, um sich zu einem irren Maskenball zu versammeln, so kommt man sich Konzertsaal bei The Cure vor. Und zwar schon, bevor Robert Smith & Co sich überhaupt blicken ließen. Die Fans der Band stehen auf gruselige Aufmachung.

das neue cure gefühlKalk­weiß geschminkte Gesich­ter, schwarz umrän­derte Augen, blut­rot geschminkte Lip­pen. Dazu lange Män­tel und Talare, natür­lich in tiefs­tem Schwarz. Ledig­lich die Kru­zi­fixe, die die Cure-Fans um den Hals tra­gen, geben einem das beru­hi­gende Gefühl, daß man kei­nem blut­sau­gen­dem Vam­pir oder ande­rem Gespenst begeg­net ist. Was die Fri­sur angeht, ist neu­er­dings der velän­gerte Blockhead mit ca. 10 cm lan­gen, senk­recht nach oben getrimm­ten Haa­ren angesagt. (damit meint die Bravo den klas­si­schen Flat­top, also aus­ra­sierte Sei­ten zu kur­zen und senk­rech­tem Deck­haar, das man hier län­ger wach­sen lässt und mit Haar­spray auf­tou­piert, Anm.d.Blg.) So düs­ter die Leute aus­se­hen, ver­gli­chen mit frü­he­ren Cure-Tourneen, scheint sich ihre Stim­mung deut­lich gebes­sert zu haben.

Vor Trauer tief­hän­gende Mund­win­kel und Ohren sieht man prak­tisch nicht mehr. In der Halle wird geki­chert und getanzt. Freunde begrü­ßen sich mit herz­li­cher Umar­mung, statt mit einem Seuf­zer und regungs­lo­ser Miene wie vor drei Jah­ren zu den här­tes­ten Gruf­ti­zei­ten. Ähnlich auf­ge­taut ist Robert und mit ihm seine ganze Truppe. Ihr dröh­nen­des Lachen hört man schon den gan­zen Flur ent­lang, wenn man sich der Cure-Garderobe nähert. Die Jungs amü­sie­ren sich über Robert, der sich als Stim­men­imi­ta­tor betä­tigt. In die­sem Job ist er übri­gens fast genauso stark wie im Schrei­ben von Songs.

Der Show­start mit Hor­ror­tö­nen aus der Quardro­an­lage (des­sen Funk­tion ich mir gerade nicht bewusst bin, Anm.d.Blg.) und einem über­di­men­sio­na­len Mund auf einer Kino­lein­wand, der immer den Ein­druck erweckt, als würde er im nächs­ten Augen­blick sämt­li­che Fans in der ers­ten Reihe ver­schlin­gen, kann Angst ein­flö­ßen. Doch sobald der Vor­hang fällt und Robert ins Mikro heult, geht die Post und nicht der Lei­chen­wa­gen ab. Mit Songs wie »The Kiss«, »Why can’t I be you«, »Love Cats« oder »The Dream« brin­gen The Cure die Leute auf Tanz­tempo 180.

Vor Fans, die ihn und vor allem sein Finster-Image von frü­her rich­tig ernst und als Vor­bild neh­men, hat der Cure-Chef regel­recht Angst. In Ame­rika und Frank­reich tauch­ten Fans auf, die sich einen Grab­stein und den Satz »The Cure for Eter­nity« (The Cure für die Ewig­keit) auf die Glatze täto­wiert hat­ten. Robert gru­selte sich so, daß er nur noch mit dem Rücken zu ihnen spie­len konnte.

Er fin­det, daß gerade er mit sei­nen zahl­lo­sen Macken und Marot­ten denk­bar unge­eig­net als Vor­bild für jemand ande­ren ist. Er gilt selbst heute noch in sei­ner Fami­lie als abso­lu­ter Spin­ner. Den Rie­sen­er­folg von The Cure führt er auf sein unglaub­li­ches Glück zurück. Nicht jeder selt­same Vogel macht Karriere.

Fazit: Die Gruf­ties lachen? Sie umar­men sich zu Begrü­ßung? Mein Welt­bild des Kin­der­fres­sen­den und schwarz geklei­de­ten Buh-Menschen ist dahin. Selbst die Hel­den der Szene The Cure lachen ganz unge­niert. Ganz anders als zu den Zei­ten als täto­wierte Glatz­köpfe mit Grab­stei­nen schmück­ten um ihren Ido­len zu hul­di­gen. Glück­li­cher­weise ver­schlingt der über­di­men­sio­nale Mund zuerst den Pres­se­gra­ben, der ja bekannt­lich immer vor der ers­ten Reihe ist. Mahlzeit!

Tanz­tempo 180 ist mir ein biss­chen suspekt, wenn man damit auf den Puls der (weib­li­chen) Fans anspielt kann das schon stim­men, für die heute oft genannte Zahl der bpm (Beats per Minute) wohl eher nicht, das klingt dann eher so wie hier in die­sem Video bei YouTube (ankli­cken auf eigene Gefahr). Bei sol­chen ver­glei­chen und Plat­ti­tü­den ver­läuft mir immer der Kajal. Da steige ich doch lie­ber in mei­nen Lei­chen­wa­gen und ab geht die Post!

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene
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4 Kommentare

  1. Ich hab einen gan­zen Ord­ner voll von sol­chen Berich­ten über The Cure. Teil­weise wirk­lich sehr schräg.Deinen vor­her­ge­gan­ge­nen Bericht über The Cure ist auch dabei Ich glaube ich muss auch mal mei­nen Scan­ner fit machen.*g*

  2. Das soll­test du unbe­dingt mal machen, sol­che alten Arti­kel müs­sen für die Nach­welt erhal­ten und zugäng­lich gemacht wer­den, finde ich jetzt mal wirk­lich so :) Mir macht es jeden­falls einen höl­li­schen Spaß durch die alten Zeit­schrif­ten zu wüh­len und inter­es­san­tes raus­zu­pi­cken. Ist viel­leicht eine jah­re­lang unter­drückte Sammelleidenschaft?

  3. Ist halt nur eine Frage ob man das über­haupt ver­öf­fent­li­chen darf, wegen Copy­right und so.

  4. Das stimmt, dar­über habe ich mir auch schon Gedan­ken gemacht. Lei­der habe ich im Netz keine wirk­lich ein­deu­tige Ant­wort auf die Frage gefun­den, da das ja über das eigent­lich Zitat­recht deut­lich hin­aus geht. Auf der ande­ren Seite han­delt es sich natür­lich um rund 20 Jahre alte Arti­kel, die auch so gar nicht mehr von den Ver­la­gen pro­du­ziert und ver­kauft wer­den, wodurch natür­lich erst­mal kein mate­ri­el­ler Scha­den ent­steht. Sicher­lich wird sich aber ein Anwen­dungs­fall fin­den, bei dem ich ein Gesetz tan­giere. Und selbst­ver­ständ­lich werde ich auch bei ent­spre­chen­der Post den/die Arti­kel ent­fer­nen. Aber wie gesagt, du hast recht, die Frage bleibt prin­zi­pi­ell offen. Viel­leicht schreibe ich die Bravo ein­fach mal an?

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