24 September

Carla, Die Schock-Friseuse

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene — Jahrgang: 200926 Kommentare

Carla-die-SchockfriseuseEs gibt wie­der neues von der Front der Jugend­zeit­schrif­ten. Bes­ser gesagt altes neu ent­deckt, denn wie das so in der Jugend mit den Zeit­schrif­ten ist, hat man meis­tens sowieso keine Knete sich wel­che zu kau­fen und wenn weiß man deren Wert, den sie in 20 Jah­ren viel­leicht ein­mal haben wer­den, noch gar nicht abzu­schät­zen. Umzüge, müt­ter­li­che Ent­sor­gungs­wut oder natür­li­cher Ver­schleiß sind ebenso Gründe vor­zei­ti­gen Ver­lus­tes. So auch mit Carla, der Schock-Friseuse, die 1985 Thema war.

»Stellt euch vor, Ihr kommt zum Fri­seur und seht Euch plötz­lich die­ser schwarz geklei­de­ten Gestalt gegen­über: Sie nennt sich „Ratte” oder „Dead Child”, läuft mit Pries­ter Talar, bleich­wei­ßem Gesicht und pech­schwar­zen, knie­lan­gen Haa­ren herum. Manch­mal flicht sie auch ein paar aus­ge­kochte Hüh­ner­kno­chen in die Mähne oder behängt sich mit Rosen­krän­zen. Selbst in der ver­rück­ten Mün­che­ner Waver-Szene ist Carla, so heißt die­ses Mäd­chen rich­tig, einer der schrills­ten Vögel.«

Carla wurde übri­gens in den nächs­ten Aus­ga­ben eine Son­der­se­rie gewid­met und eine Foto-Love-Story insze­niert, deren Wahr­heits­ge­halt ich natür­lich nicht über­prü­fen kann, für eine Kon­takt­auf­nahme über einen der bekann­ten Wege bin ich aber immer bereit. Im fol­gen­den schleppt man die arme Carla in die Innen­stadt und lässt sich von zufäl­lig anwe­sen­den gleich­alt­ri­gen unter die Lupe nehmen.

Ange­glotzt wird Carla natür­lich ziem­lich oft. „Die Tou­ris­ten, Japa­ner oder Amis, die knip­sen gleich drauf los. Man­che Leute beschimp­fen mich, man­che sagen: „Ist ja geil, wie du aus­siehst!” oder „Du hast ja echt Mut” oder „Das gefällt mir”. Vier junge Leute, die Carla zufäl­lig auf der Straße begeg­net sind, haben fol­gen­des gesagt:

Tamara (16): »Ja, schlecht find” ich das nicht, wie sie aus­sieht. Die weiße Schminke, die gefällt mir nicht, die ist eklig. Aber die Haare sind gut. Den Kno­chen, den sie da ins Haar gebun­den hat, den find” ich ja wider­lich. Ist das ein Hüh­ner­kno­chen oder was?«

Carla: »Ich kauf” immer Hähn­chen im Wie­ner­wald, echt. Die ess” ich, die Kno­chen koche ich aus. Warum fin­dest du das eklig?«

Tamara:»Also, irgend­wie ist das graus­lig. Nee, so was würd” ich nicht machen. Was soll denn das? Kno­chen im Haar…«

Mar­tin (19): »Also, ich find” sie ganz gut. Mutig, wie sie rum­läuft. Ich möcht” zwar keine sol­che Freun­din, die fällt ja total auf. Aber so auf Dis­tanz, also doch, ich akzep­tiere das schon. Ihre lan­gen Haare, die sind ja affen­geil. Lange Haare find” ich sowieso gut. Wenn sich die Gele­gen­heit erge­ben würde, würde ich sie auch anspre­chen, in einem Café oder so. Also nicht anma­chen, son­dern anspre­chen. Ich würd” sagen, daß ich sie stark finde.«

Clau­dia (19) und Jörg (18): »Das Mäd­chen sieht unge­wöhn­lich inter­es­sant aus. Nicht bloß so’n Waver, son­dern man merkt, daß sie sich Gedan­ken über ihr Out­fit gemacht hat.«

Clau­dia: »Aber ich möchte ihr nicht in einer Gruppe mit meh­re­ren sol­chen Typen begeg­nen. Da hätt” ich Angst, echt. Ich glaub”, die machen andere Leute an. Nicht gerade gewalt­tä­tig, aber daß sie einen ver­koh­len oder dumm anre­den, das befürchte ich schon. Daß sie kirch­li­che Gegen­stände trägt — ein Pries­ter­ge­wand oder manch­mal Kreuze, wie ihr sagt, das find” ich ja echt geschmack­los. Was soll denn das?«

Carla: »Das sagen viele Quiet­schies. Das ist mir egal. Laß sie doch.«

Clau­dia: »Aber die Carla hat bestimmt Phan­ta­sie, Geschmack. Da sie Fri­seuse ist — also ich würde mich sofort wie­der von ihr fri­sie­ren las­sen. Wär bestimmt mal „ne neue Idee.«

Jörg: »Um Got­tes wil­len. So „ne Freun­din möcht” ich aber nicht. Wenn du so ankämst, mit so kahl­ge­scho­re­nen Schlä­fen — also da liefe nichts mehr. Echt.«

Fazit: Ein Spie­gel­bild die­ser Zeit, das kann ich so bestä­ti­gen und natür­lich auch im Zusam­men­hang mit einer deut­li­chen Unreife der Prot­ago­nis­ten. Inter­es­sant sind auch die neuen Begriff­lich­kei­ten, die ich in die­sem Zusam­men­hang noch nicht so gehört habe. »Quiet­schies« kommt viel­leicht von Quietsch­bunt und Hüh­ner­kno­chen in den Haa­ren habe ich per­sön­lich auch noch nicht erlebt. Das aber ein Gruf­tie wie Carla so in der Innen­stadt von Mün­chen betrach­tet wird, ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass wäre heute mit Sicher­heit auch noch so.  Es wird aber wie­der ein­mal deut­lich wie sehr man die Szene auf das Out­fit her­un­ter­re­du­ziert und somit eher als Mode­rat­ge­ber denn als Jugend­ma­ga­zin anzu­se­hen ist. Wenn Carla das mal lesen sollte, bitte melde Dich!

(Bild+Textzitate: Bravo, Aus­gabe um 1986)

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Vergangenheit, Schwarze Szene
Schlagwort: , ,

Verwandte Artikel

26 Kommentare

  1. Ich liebe diese Bei­träge, der letzte war auch schon toll. Ich denke eigent­lich jede Szene die sich optisch von der Masse abhebt, stürzt man sich aufs Out­fit. Ist am ein­fachs­ten, und gerade bei die­ser Szene wird es ja sonst recht schnell sehr kom­plex, da eine Ideo­lo­gie glück­li­cher­weise fehlt.
    Hm, aber offen­sicht­lich gehörte man als Gruf­tie in den 80’er zu den bes­ser geklei­de­ten Men­schen. Das hat schon der letzte Bei­trag gezeigt ^^ Die Haare, toll!

    Hm, ver­koh­len, inter­es­san­tes Wort *g*

  2. Ich brau­che unbe­dingt mehr Pluderhosen :)

  3. Mehr davon! Davon kann man heut­zu­tage ja noch was ler­nen. Zumin­dest was das Schmin­ken angeht. Diese Fledermausflügel-Augen sehen klasse aus.
    & als die Arti­kel erschie­nen sind, war ich noch zu jung bzw noch gar nicht auf der Welt.

  4. @Atanua: Ob man damals bes­ser geklei­det war… Auf jeden Fall war man krea­ti­ver :) Einen gut ange­zo­ge­nen Gruf­tie erkennt man übri­gens an der Unterwäsche :)

    @von Karn­stein: Plu­der­hose brau­che ich auch wie­der. Hast du eine gute Quelle?

    @Eis.Prinzessin: Schön das du her­ge­fun­den hast, ich werde dich mit wei­te­ren Arti­keln zum Thema zufrie­den­stel­len, ver­spro­chen. Schmin­ken war so eine Sache, jeden­falls bei mir, ich bin da sehr grob­mo­to­risch — daher ver­zichte ich meist auf aus­ge­fal­lene Kunstwerke :)

  5. Jaaaa, damals war die »Szene« um Län­gen krea­ti­ver als heute. Vor allem machte es in den 80ern Spaß, sich auch als Junge zu schmin­ken — Boy George, Steve Strange, Marc Almond, Adam Ant mach­ten es vor und es pro­vo­zierte herr­li­cher­weise noch so viel mehr als heute… ;o)

    Zum Thema Plu­der­ho­sen habe ich was inter­es­san­tes unter dem Arti­kel »Wave ist eine Lebens­ein­stel­lung« gepos­tet — ein­fach mal reinschauen…

  6. Zum Thema Pluderhosen:

    Ich habe mir kürz­lich eine in irgend­ei­nem Laden für Teenie-Mädels gekauft. New Yor­ker, Orsay, irgend­wie sowas in der Rich­tung, weiß ich nicht mehr genau, war in einem grö­ße­ren Ein­kaufs­zen­trum mit vie­len Läden.

    Ist aller­dings nicht das schönste Modell… Sieht mir jetzt doch irgend­wie zu sehr nach Jogging-Hose aus… Es müsste doch auch wel­che in schö­ne­rem Schnitt geben… so ganz nor­mal mit Knöp­fen, Hosen­stall und Gür­tel­schlau­fen, und nicht ein­fach nur so ein bil­li­ges Gummizug-Ding…

  7. @Markus: Eine sehr span­nende Zeit, gerade die Blitz­kids rund um den New Roman­tic waren ja wahre Para­dies­vö­gel. Das Stück Fade to Grey von Steve Strange him­self (hier mit Visage) bringt die Sache so herr­lich auf den Punkt. »Man soll auf­hö­ren wenn es am schöns­ten ist«, trifft hier voll­kom­men zu. Ich glaube eine Neu­auf­lage würde nur noch ein bil­li­ger Abklatsch wer­den können :)

    @von Karn­stein: Ich habe eine aus Lon­don mit­ge­bracht, die aber auch ohne die von Dir beschrie­be­nen Attri­bute aus­kom­men muss, wenigs­ten gibt es einen guten Zug zum zuschnü­ren, aber wirk­lich mit­hal­ten kann das nicht, konnte ich mich so gar nicht mit anfreun­den, hab sie dann mei­ner guten Freun­din über­las­sen, weil sie mir zudem auch noch zu klein gewe­sen ist. War aber ein Eti­kett drin, so das ich noch­mal nach­se­hen sollte, ob man da nicht noch andere Sachen bekom­men kann.

  8. Und ich dachte schon, daß ich der ein­zige Samm­ler von 80er Jahre Bra­vos wäre. Die Bravo mit die­sem Arti­kel hatte ich auch kürz­lich in der Hand.

    Bleibt also nur noch die Frage: Was macht Carla eigent­lich heute? … Und schön, daß ihr alle noch in Plu­der­ho­sen passt!

  9. Viel­leicht sollte man auf die­ser Basis alte Arti­kel aus­tau­schen und die Bestände koor­di­nie­ren, viel­leicht erspart das eini­ges an Suche­rei. Ich hatte mal an einen The­ma­ti­schen Index gedacht, in dem die Bravo’s nach Datum/Inhalt sor­tiert sind, muss mich mal daran setzen.

    Wenn ich die Mög­lich­keit hätte, Carla zu errei­chen würde ich es tun, die Bravo zeigt sich in sol­chen Fäl­len nicht son­der­lich koope­ra­tiv. Mei­ner Schät­zung nach müsste Carla jetzt etwa 40 sein, oder?

  10. Uff, ich glaube die Index­er­stel­lung wäre mir zu mühsam!

    Wir könn­ten ja mal einen kol­lek­ti­ven Auf­ruf nach Carla star­ten! Defi­ni­tiv über 40. Kurz­zei­tig dachte ich, die Per­son in der Kutte wäre Bono Vox a.k.a. Carla, die Schock-Friseuse.

  11. @Postpunk: Wie rum muss ich denn das Bild hal­ten um Bono Vox darin zu erken­nen? :)
    Ich denke, ich werde mich in einem Index ver­su­che, ich sehe sonst keine andere Mög­lich­keit ent­spre­chende Arti­kel bei Bedarf zu fil­tern. Oder hast du eine andere Methode? Neben der Bravo habe ich auch noch einige 77–85 Aus­ga­ben des Musikexpress.

  12. Musik­ex­press bin ich auch dabei. Wir sind ja kürz­lich umge­zo­gen und die Freude im Hel­fer­kreis war in der Tat sehr groß als neben den alten 80er Bravo-Sammlungen auch noch die Smash Hits, Melody Maker, NME aus den 80ern geschleppt wer­den durf­ten. Vom Gewicht her, hat aber die Spex-Sammlung wohl am meis­ten auf die Waage gebracht! ;-)

  13. Respekt mein Lie­ber. Damit hälst du die wich­tigs­ten Geschichts­bü­cher der 80er Jahre in den Hän­den. Aber das Sam­meln liegt uns in den Adern, damals haben wir noch mit Fuß­ball­bil­der geschnib­belt um unsere Alben zur WM 1986 zu fül­len. Ich glaube ich habe Mara­donna nach­her wie­der gewalt­sam entfernt :)

  14. Ahja, die Carla.
    Die auch hier inter­viewt wurde, nehm ich mal an:

  15. Schö­ner Link, vie­len Dank! Meinst du wirk­lich das es sich dabei um Carla han­delt? Ich bin mir da immer noch ein wenig unschlüs­sig. Lei­der ist die Seite zum Ori­gi­nal­film mehr oder weni­ger sehr suspekt. Sie wirkt auf mich wie Abzo­cke pur. Man müsste her­aus­fin­den, wann und wer diese Repor­tage gemacht hat.

  16. Zum Thema: Dass die Leute in der Szene heute nicht mehr so indi­vi­dua­lis­tisch und krea­tiv sind wie frü­her, muss sich doch nicht auf jede Per­son über­tra­gen las­sen kön­nen. ;) Ich kenne da auch einige, die dem heu­ti­gen »Szene-Standard« nicht ent­spre­chen und ihr eige­nes Ding durch­zie­hen. Aber jedem, wie ihm beliebt.

    Ach ja, ich ver­gaß: Es scheint sich wirk­lich um diese Carla zu han­deln. In dem Bericht wer­den ja noch andere Jugend­li­che inter­viewt, viel­leicht hilft das ja weiter.

  17. Liebe Shai­n­aMar­tel, du hast schön zusam­men­ge­fasst was der Kon­senz der Szene­ent­wick­lung ist. Lei­der geht durch die mitt­ler­weile über­trie­bene Indi­vi­dua­li­tät viel vom Gemein­schafts­ge­fühl ver­lo­ren. Ich finde es sub­jek­tiv schwe­rer heute ernst­zu­neh­mende Kon­takte inner­halb der Szene zu knüp­fen. »Frü­her« (auch wenn da NICHT unbe­dingt alles bes­ser war) kam man an den typi­schen loka­len Sze­ne­treff­punk­ten viel leich­ter ins Gespräch.

    Gerne würde ich Carla heute noch ein­mal ken­nen­ler­nen und mit ihr viel­leicht ein Inter­view füh­ren. Zum einen aus rei­ner Neu­gier zum ande­ren ver­mute ich hin­ter der media­len Fas­sade doch eini­ges an Hintergrund.

  18. Viel­leicht lag es auch daran, dass die »Szene« damals noch nicht so ver­mischt war wie heute? Heute kann man von einer »Gothic-Szene« ja gar nicht mehr spre­chen, bei dem, was sich da alles tum­melt, wie schon gesagt wurde. Man fin­det ja kei­nen ein­zi­gen gemein­sa­men Nen­ner mehr, von einem Lebens­ge­fühl ganz zu schweigen.

    Man beachte, dass das bei mir alles reine Spe­ku­la­tion ist, ich war damals ja nicht dabei. ;-)

    Aber ich fände es auch inter­es­sant, dar­über einen noch genaue­ren Bericht zu lesen, sollte »Carla« irgend­wie auffindbar/kontaktierbar sein. :)

  19. Viel­leicht spielt die Ver­mi­schung eine Rolle — bes­ser gesagt sie spielt eigent­lich eine ganz ent­schei­dende Rolle, denn durch über­trie­bene Stil­viel­falt kom­men viele unter­schied­lich Cha­rak­tere in die Szene, die the­ma­tisch, visu­elle, ästhe­tisch und spi­ri­tu­ell nicht kom­pa­ti­bel sind. Soll hei­ßen: Ein Gruf­tie kann in der Regel mit einem Cyber nicht viel anfan­gen und hat auch oft wenig Gemein­sam­kei­ten. Und genau die sind ja die Basis um ins Gespräch zu kom­men. Lei­der wird das oft mit Arro­ganz verwechselt.

  20. Den Bericht aus der Bravo kenne ich auch noch. Habe damal alles um die Waver-Szene ver­schlun­gen. Tja, da gab es noch kein Inter­net. Apropo: ASRia­ne­rin hat einen Link zu Youtube ein­ge­stellt. Mei­ner Mei­nung nach ist das die Carla aus der Bravo, die da inter­viewt wurde — hat auch den unver­kenn­ba­ren Münch­ner Akz­tent. Ist schon krass, was die Leute ihr damals alles an den Kopf gewor­fen haben. Ich fand sie immer mutig und wollte auch immer ein wenig »Carla« sein.

  21. @MadameMel: Hast du Carla um ihren Mut oder ihre Style bewun­dert? Für vie­len Jugend­li­che ist das »anders sein« ja zunächst eine ein­zige Mut­probe, denn sich bewusst von den ande­ren abzu­he­ben bedeu­tet teil­weise Ableh­nung und Spott, im schu­li­schen und fami­liä­ren Umkreis. Ich denke Jugend­li­che wol­len nicht unbe­dingt »Goth« sein, son­dern zunächst »anders« — Gothic erscheint mir dabei zunächst als eine Art Werk­zeug. Wie siehst du das?

  22. @Robert
    Da stimme ich dir zu, wahr­schein­lich wollte ich mich von den Eltern bzw. von den Erwach­se­nen etwas abhe­ben und mein eige­nes Ding machen. Ich fand Carla zum einen wegen der Optik und zum ande­ren wegen ihres Mutes, im All­tag mit den Kla­mot­ten rum­zu­lau­fen, total klasse. Ich hätte mich aller­dings nie gewagt, solch ein extre­mes Sty­ling zu haben. Ich hatte meine Schlä­fen nur mode­rat abra­siert, sodass das Deck­haar in der Schule drü­ber war und man davon eigent­lich nichts merkte. Vor dem Dis­co­be­such habe ich mir dann ordent­lich Zucker­was­ser in die Haare geschmiert, damit sie so wild wie bei Robert Smith aus­sa­hen. Das war halt etwas anders als meine bra­ven Stre­ber in der Klasse und ich wolte zu den Lang­wei­lern nie gehö­ren. Ich habe halt per­sön­lich — wgen Sty­ling, Musik, Lebens­ein­stel­lung — zu den »Goth« hin­ge­zo­gen gefühlt und nicht z.B. zu den Punks (zu ver­wahr­lost) oder Pop­pern (zu geleckt). Da muss ich echt sagen, dass meine Eltern dahin­ge­hend tole­rant waren, waren sie selbst in den 60er »Hip­pies« mit lan­gen Haa­ren. Mein Vater hat berich­tet, dass er wegen die­sen lagen Haa­ren mal in einem Oden­wäl­der Dorf mit Stei­nen bewor­fen wurde. Auch böse Paro­len hät­ten sie zu hören bekom­men. So hat jede Zeit ihre rebel­li­sche Jugend die sich von der vor­an­ge­gan­ge­nen Gene­ra­tion abhe­ben wol­len. Mal sehen, was sich dann mein Sohn ein­fal­len lässt;-)

  23. Inter­es­san­ter Punkt. Machen tole­ran­ter Eltern erst die Ver­wand­lung als Goth mög­lich? Ich würde sage, sie begüns­ti­gen diese Ent­wick­lung. Ich war 14 als ich von mei­ner Mut­ter Geld für den Fri­sör bekam, ein Bild von Mar­tin Gore aus der Bravo aus­schnitt um damit zum Fri­sör zu eilen. Nun sah ich fast so aus wie mein Idol, zu Hause gab es dafür erst mal eine Ohrfeige.

    Meine Ent­wick­lung wurde objek­tiv betrach­tet eher behin­dert, als geför­dert oder als neu­tral betrach­tet. Ich denke der Ein­fluss der Eltern ist vor­han­den aber nicht unbe­dingt maß­geb­lich für eine Szene­ent­wick­lung. Bleibt abzu­war­ten, womit dein Sohn dich über­rascht. Nicht unwahr­schein­lich das er als »Pop­per« daher­kommt um dem alter­na­tive Lebens­stil sei­ner Mut­ter Rebel­lion zu bieten ;)

  24. @Robert
    *lach* Ich werde dir dann in ein paar Jah­ren dar­über berich­ten, falls deine — äußerst gelun­gene — HP noch online ist. Macht Spaß. Danke auch für deine Net­ti­quette; man spürt, dass du mit tie­fer Seele dabei bist.

    Ein ableh­nen­des Ver­hal­ten der Eltern kann das Kon­träre bei den Kin­dern bewir­ken, so wie es anschei­nend bei dir der Fall war. För­de­rung ist natür­lich gut, ist aber auch durch­aus lang­wei­li­ger, als sich gegen ein »Ver­bot« oder ein »Anders­den­ken« zu widersetzen.

  25. @Madame Mel: Ich gelobe als Chro­nist mei­ner eige­nen Arti­kel diese HP solange es mir mög­lich ist, online zu hal­ten. Inter­es­san­ter­weise sprichst du damit einen Punkt an, der mich gerade beschäf­tigt, wenn ich über alte Arti­kel fliege und denke, »au weia«. Aber nichts da, hier wird nichts gelöscht, es reicht schon, wenn andere sich stän­dig von geschrie­be­nem ver­ab­schie­den um mit einer Zeit zu gehen, die sie schon längst über­holt hat.

    Kom­men­tare wie Deine ermu­ti­gen mich dazu und ich hoffe dich auch wei­ter­hin mit dem ein oder ande­ren Arti­kel aus der Reserve zu locken ;)

  26. Oh mein Goth…hab gerade Carla in echt gefunden…*total fasziniert*

    http://www.youtube.com/watch?v=3xSmXuzcTa0

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?

Trackbacks

  1. […] Anzahl alter Zeit­schrif­ten inten­siv gesich­tet um wei­ter­hin so qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Bei­träge wie Carla die Schock­fri­seuse prä­sen­tie­ren zu kön­nen. Außer­dem habe ich mich inten­si­ver um meine Pro­file in den sozialen […]