15 März

Kinder des New Grave - O.Children

Kategorie: Dunkle Klänge, Tintenkleckse — Jahrgang 2010

Die Band o.childrenImmer wenn man glaubt, man hat alles gehört und alles gese­hen und ist gerade dabei sich auf sei­ner Mischung aus Weis­heit und Alters­starr­sinn aus­zu­ru­hen, kommt ein neuer Song um die Ecke geschli­chen und haut dich aus den Pikes. Die britisch-französische Band O.Children hat mit ihrem Debüt Dead Disco Dance schon kleine Wel­len schlu­gen und mit zahl­rei­chen Auf­trit­ten ihrer Wahl­hei­mat Lon­don schon dafür sorg­ten das eben diese Debüt aus­ver­kauft ist, sind wie­der da — dies­mal mit ihrem neuen Gänsehaut-Titel Ruins.

Der opti­sche Ein­druck ent­spricht so gar nicht den Vor­stel­lun­gen gän­gi­ger Kli­schees wenn man im Zuge von Post-Punk und New Wave von einer Band spricht, die viele an Joy Divi­sion oder die Sis­ters of Mercy erin­nert. Sän­ger Tobias O’Kandi der mit sei­ner tie­fen Stimme schon am ehes­ten Ian Cur­tis ent­spricht, sieht sich aber lie­ber in den Fuß­stap­fen von Bau­haus: „I have a very deep voice, and with my deep voice I thought I could have more range by using it in that way. We never said, we want to sound like joy divi­sion; we want to sound like Bau­haus or anything.1 Aber anstatt in den tie­fen Spu­ren zu ver­sin­ken, geht man neben­her, wenn auch in die glei­che Richtung.

Der Band­name O.Children, der von einem Song der Bad Seeds inspi­riert wurde und die Musik, deren Sound zwi­schen den Sis­ter und Bau­haus schwankt inspi­rierte die eng­li­sche Presse bereits zur Schaf­fung eines neuen Genre, dem New Grave, dem Tobias aber so gar nicht gerecht wer­den möchte. „Its cool they’re get­ting a second wave, what with films and movies going out, and ever­yone is cal­ling us new grave, but that’s not we deci­ded to be it just tur­ned into the sound we have which is defi­ni­tely influ­enced by the post punk bands, gothic as well but were not try­ing to be like them, we’re just try­ing to be a good pop band with dar­ker ele­ments.2

Nach­dem sich Andi Sleath (Schlag­zeu­ger) und bereits Ein­gangs erwähn­ter Tobias O’Kandi in der New Rave For­ma­tion Bono must Die ver­such­ten, grün­de­ten sie zusam­men Gaut­hier Ajar­rista (Gitarre) und Harry James (Bass) im Juni 2009 die O.Children um nach eini­gen Auf­trit­ten im Sep­tem­ber ihr auf 300 Stück limi­tier­tes Debüt Dead Disco Dan­cer zu ver­öf­fent­li­chen. Für ihren neu­es­ten Streich, den Song Ruins suchte man sich ein Abbruch­rei­fes Gebäude, das Andi Sleath auf dem Blog des Labels Deadly Pepole beschreibt: „Gene­ra­tors broke, I inha­led asbe­stos. Three dif­fe­rent hi fi’s refu­sed to play our song. And after­wards I took these pic­tures on my own…my band laug­hed at me for it but no one was brave enough to ven­ture where I went.” Und tat­säch­lich ver­strömt das Video genau das, was der Song erwar­ten lässt. Die Mischung aus Geheim­nis­vol­len und Ver­gan­ge­nem gepaart mit eine äußerst bril­lan­ten Stück schmeckt mir beson­ders gut.

Jetzt aber genug gere­det, Video abspie­len, Gän­se­haut bekom­men und Kommentieren.

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Nach­schlag? Im Round­house waren sie Live zu sehen und am 19. April erscheint das Album, eine aus­führ­lich Rezen­sion gibt es dann wie­der bei Spon­tis zu lesen.

(Bild­quelle: Guy Ste­phens — Deadlypeople.co.uk)
  1. Inter­view auf dem Blog Sur­vive the Jive vom 9. Sep­tem­ber 2008 []
  2. Ref:1 []

7 Kommentare

  1. Huiui, na das gefällt doch!
    Genau meine Kra­gen­weite, aber das ist ja schon nor­mal, wenn ich einem Musik­tipp von Robert nachgehe :)

    Ich frage mich aller­dings gerade irgend­wie, warum es im Wave– und Post-Punk-Umfeld so wenige Leute mit afri­ka­ni­schen Wur­zeln gibt. Fällt mir hier erst so rich­tig auf…

  2. Auf jeden Fall ein hüb­scher Sound.
    Gefällt mir immer mehr, je öfter ich es hör’. :)

    Ich glaub, ich ent­wi­ckel mich hier zum Blog­mit­le­ser. ;D

  3. @Karnstein: Die Frage habe ich mir auch gestellt. Rein sub­jek­tiv lie­gen die Prio­ri­tä­ten der dun­kel­häu­ti­gen Bevöl­ke­rung deut­lich im R’n’B, Rap, Hip Hop oder auch im Jazz, Soul und Funk. Viel­leicht weil das schon immer so gewe­sen ist, man erin­nere sich an die ers­ten musi­ka­li­schen Grö­ßen der USA im Bereich des Soul. Inter­es­sant finde ich in die­sem Zusam­men­hang, das die Skinhead-Kultur die letzte wirk­li­che Misch­kul­tur gewe­sen ist, bevor man sich dort radi­ka­li­sierte oder im Punk auf­ging. Viel­leicht liegt auch der Abgren­zungs­ge­danke nahe, denn weiße Kids müs­sen sich in wei­ßen Län­dern von ihres­glei­chen Abgren­zen, schwarze Kids wer­den und wur­den oft­mals pau­schal ausgegrenzt.

    @TheRisen: Das freut mich natür­lich sehr, zum einen sind mir Men­schen mit glei­chen musi­ka­li­schen Vor­lie­ben sowieso sym­pa­thisch und zum zwei­ten freut es mich, wenn auch einer liest was ich so verzapfe :)

  4. Vie­len Dank für die­sen Tipp. Ich bin noch nicht ganz über­zeugt, weil ich so sub­til den Ein­druck habe, dass der Sän­ger seine Stimme so tief setzt, dass es gewollt klingt. Das mag ich nicht so. Könnte aber an der Ablen­kung durch das Video lie­gen. Ich denke, ich werde es mir mal über Kopf­hö­rer rich­tig anhö­ren. Die Musik ist jeden­falls klasse.

  5. @Orphi: Es bleibt natür­lich abzu­war­ten, wie sich die Band ent­wi­ckelt und wie authen­tisch der Sän­ger wirk­lich ist. Wenn es sich bei der Art des Gesangs um eine Sei­fen­blase han­delt, kann diese nicht lange hal­ten. Bin gespannt was das Album hergibt.

  6. Anläss­lich der Dis­kus­sion über die „wahre Szene”, alte und neue Strö­mun­gen und Ver­klei­dun­gen oder Nicht-Verkleidungen zu spä­ter Stunde noch zwei Tintentklecks-Vorschläge. Ein­fach, um an die Anfänge der Szene zu erin­nern. Es gibt ja viel­leicht jün­gere Leser, die diese Bands nicht ken­nen oder nicht wis­sen, dass das die Urvä­ter der New Wave Bewe­gung waren. Logi­scher­weise kön­nen sie dann auch nicht nach­voll­zie­hen, was die Älte­ren eigent­lich immer zu Meckern haben. Ich fänd ent­spre­chende Por­taits des­we­gen ganz nett.

    Public Image Limited (Übri­gens die erste Sin­gle, die ich mir in mei­nem damals noch jun­gen Leben über­haupt gekauft habe)

    http://www.youtube.com/watch?v=6aumejrcEHs

    Tal­king Heads

    http://www.youtube.com/watch?v=-io-kZKl_BI

    So und nun halte ich mich mit Kom­men­ta­ren erst­mal zurück, sonst hol ich noch Vizioon ein. :-)

  7. @Orphi: Gute Vor­schläge, ich werde mir eine ent­spre­chende Tintenklecks-Umsetzung über­le­gen, denn als Por­trät im klas­si­schen Sinne war das eigent­lich nie ange­dacht, es über­schnei­det sich aber mit einer Idee, die ich schon län­ger hege und har­mo­niert des­halb in einem völ­lig neuen und span­nen­den Kontext.

Schreibe einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich)

Hilfe zur Kommentareingabe?

Du kannst folgende xHTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Kommentaren ? Wenn der Haken in der Checkbox gesetzt ist, dann wirst du über neue Kommentare via E-Mail informiert. Der Versand erfolgt nur, wenn du die URL in der Bestätigungs-E-Mail genutzt hast oder schon Abonnent bei Spontis bist.

Ein Bild von Dir? (Avatare): Auf Gravatar.com kann man sich mit seiner E-Mail-Adresse registrieren und ein Bild hochladen, dann erscheint dieses Gravatar hier und in vielen weiteren Blogs.

Spamschutz: Wenn dein Kommentar nicht gleich erscheint, kann es sein das er im Spam-Ordner gelandet ist. Das passiert auch wenn du zuviele Links auf einmal benutzt.

Trackbacks/Pingbacks/Tweetbacks

  1. deadlypeople schreibt:

    For those who read Ger­man, a great review. RT @TopsyRT: Kin­der des New Grave — O.Children http://bit.ly/ci7Yap