28 Februar

Top 10 der außergewöhnlichsten Sänger (2)

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 20094 Kommentare

#5 — Bruce Springsteen

Der Inbe­griff der ame­ri­ka­ni­scher Rock Kul­tur wurde 1949 in New Jer­sey gebo­ren und trägt den Spitz­na­men The Boss, den er von sei­nen Mit­mu­si­kern erhielt, weil zu den Anfän­gen die Gage gleich nach den Auf­trit­ten selbst aus­zahlte. Trotz dem Wider­stand sei­ner Eltern ist Springs­teen im Alter von 16 erst­mal in der Band Cas­ti­les zu hören und legt dort den Grund­stein für eine bis heute unge­bro­chene Kar­riere. Mit sei­nem drit­ten Album Born to Run gelang ihm 1975 der Durch­bruch, die große musi­ka­li­sche Spann­weite sei­ner Büh­nen­auf­tritte nann­ten Kri­ti­ker Wall of Sound, die ihn auch auf die Titel­seite des Time-Magazines brachte. 1984 machte er sich mit dem Album Born in the U.S.A. selbst zum Super­star, denn dar­auf waren 7 spä­tere Top Ten Hits ver­eint. Er machte sich damit zur Gal­le­ons­fi­gur Ame­ri­kas, auf die sich auch Barack Obama wäh­rend sei­nes Wahl­kamp­fes 2008 ver­ließ. Springs­teen zeigte sich immer poli­tisch enga­giert was ihn im eige­nen Land kri­ti­sche Stim­men bescherte, sei­ner Kar­riere aber nie gescha­det haben. Mit zwei gran­dio­sen Bei­trä­gen zu Sound­tracks (Phil­adel­phia, Dead Man Wal­king), die beide einen Oscar ern­te­ten, unter­mau­erte er sei­nen fes­ten Platz in der Ame­ri­ka­ni­sche Musik­ge­schichte.  Mit 60 Mil­lio­nen ver­kauf­ten Ton­trä­ger zählt er zu einem der kom­mer­zi­ell erfolg­reichs­ten Musi­ker über­haupt. Seine Stimme ist immer prä­sent und beherrscht den Rock genauso wie gefühl­volle Bal­la­den, seine leicht schnodd­rige Art und das bewusste Nuscheln in man­chen Songs machen seine Wur­zeln aus dem Coun­try & Blues deut­lich.  Obwohl ich sicher­lich noch einige mehr sei­ner gran­dio­sen Live-Auftritte hier prä­sen­tierte könnte, habe ich mich für I’m on Fire (Paris 1985) ent­schie­den. Wer die schöne Ein­lei­tungs­rede über­sprin­gen möchte, spule vor, bis der Mar­ker 2:00 zeigt.

#4 — Jimmy Somer­ville (Bron­ski Beat)

Jimmy Somer­ville, der 1961 in Glas­gow gebo­ren wurde besticht durch zwei Eigen­schaf­ten, die ihn unver­wech­sel­bar machen. Seine Stimme, die man auch Falsett-Stimme1 nennt und durch sei­nen offe­nen Umgang mit der eige­nen Homo­se­xua­li­tät. Zusam­men mit Steve Bron­ski und Larry Stein­ba­chek grün­dete er 1983 Bron­ski Beat, die 1984 dann gleich mit ihrer Debüt-Single Small­town Boy ihren erfolg­reichs­ten Song prä­sen­tier­ten, der sich 30 Wochen in den deut­schen Charts hielt. Für viele junge Schwule war die­ser Song in der Mitte der 80er das Schlüs­sel­er­leb­nis, das eigene Coming-Out2 zu ini­zi­ie­ren. Schon 1986 ver­ließ Somer­ville die Band um sich angeb­lich stär­ker poli­tisch zu enga­gie­ren, die Grün­dung der Com­mu­nards, die aus­schließ­lich Cover­ver­sio­nen oder unpo­li­tit­sche Songs ver­öf­fent­lich­ten war dem­nach für alle über­ra­schend. Somer­ville ist bis heute als Solo­künst­ler unter­wegs und konnte Anfang der 90er auch einige inter­na­tio­nale Erfolge ver­bu­chen, 2005 erschien sein letz­tes Album Home Again. Seine Stimme in Small­town Boy gibt dem Song erst die not­wen­dige Rich­tung, sie fun­giert als eigen­stän­di­ges Instru­ment. Sie inten­si­viert die Bedeu­tung der Geschichte, die die­ser Song zu erzäh­len hat. Bis heute gehört die­ser Song gesun­gen von Jimmy Somer­ville zu meine Favo­ri­ten, vor allem die Maxi­ver­sion des Lie­des ver­an­lasst mich immer wie­der zu aus­gie­bi­gen Tanzexzessen.

#3– Fred­die Mer­cury (Queen)

Fred­die Queck­sil­ber wurde 1946 als Sohn indi­scher Eltern auf San­si­bar gebo­ren, die 1964 vor der dor­ti­gen Revo­lu­tion flüch­te­ten und nach Lon­don zogen. Wäh­rend sei­nes Stu­dium ent­wi­ckelte sich sein Inter­esse für Kunst und Musik der er mit der Band Queen 1970 einen Namen gab. Die­ses Gele­gen­heit ergriff der gebür­tige Far­rokh Bul­sara sei­nen Namen in Fred­die Mer­cury zu ändern. Nach einer Bezie­hung zu Mary Aus­tin bekannte er sich zu Homo­se­xua­li­tät und war nach einige wei­te­ren Bezie­hun­gen bis zu sei­nem Tod 1991 mit Jim Hut­ton zusam­men. Nach den ers­ten Alben Queen und Queen II ver­öf­fent­lich­ten sie 1975 den Song Bohe­mian Rhap­sody und setz­ten damit zu einem unglaub­li­chen Höhen­flug an. Sei­nen Zenit erreichte Queen 1985–1989 in denen sie einen Zuschau­er­re­kord nach dem ande­ren bra­chen. Bei dem legen­dä­ren Live Auf­tritt im Lon­do­ner Wem­bley Sta­dium 1986 sol­len 150.000 Fans dabei gewe­sen sein. Als er gemein­sam mit Queen 1990 den Brit Award für her­aus­ra­gende Leis­tun­gen erhielt, war er schon von der Krank­heit schwer gezeich­net, am 23. Novem­ber 1991 unter­rich­tete er die Presse von sei­ner Krank­heit AIDS und ver­starb nur einen Tag spä­ter im Alter von 45 Jah­ren. Man soll auf­hö­ren wenn es am schöns­ten ist, bekommt dadurch eine völ­lig neue Bedeu­tung, denn nach oder durch sei­nen Tod erreich­ten die Werke von Queen Kult­sta­tus. Seine Stimme war immer glas­klar und unver­wech­sel­bar, sein gran­dio­ser Bei­trag zum Film High­lan­der Who wants to Live Fore­ver machte ihn zu eine mei­ner Iko­nen, seine meist selbst geschnei­der­ten Out­fits und sein Auf­tre­ten machen aus ihm einer der außer­ge­wöhn­lichs­ten Sänger.

#2 — Axl Rose (Guns N” Roses)

Wil­liam Bruce Rose wurde 1962 gebo­ren und erfuhr mit 17, daß sein leib­li­cher Vater die Fami­lie 1964 ver­ließ und in einer Band namens Axl spielte. Anfang der 80er zog es ihn nach Los Ange­les, wo er neben sei­ner Liebe zum Alko­hol auch die Lei­den­schaft für Musik ent­deckte. Zusam­men mit sei­nem Schul­freund Izzy Strad­lin grün­dete er die Guns N’Roses. Mit ihrem Album Appe­tite for Destruc­tion gelang ihnen 1987 der Durch­bruch, der in einem unver­gleich­li­chen Höhen­flug erst 1993 wie­der enden sollte, als sich die Band­mit­glie­der nahezu kom­plett zurück­zo­gen. Ledig­lich Axl Rose ver­blieb als Grün­dungs­mit­glied und konnte einige neue Musi­ker um sich scha­ren, mit denen aber nie wie­der an die gro­ßen Erfolge Anfang der 90er anknüp­fen konnte. Die bei­den Alben Use your Illu­sion I & II gehö­ren zu den High­lights und bescher­ten Guns N” Roses rund 100 Mil­lio­nen ver­kaufte Plat­ten welt­weit. Die Frage, die sich mir per­sön­lich immer gestellt hat: Kann Axl Rose sin­gen oder nur gut schreien? Seine Stimme ist so ein­zig­ar­tig wie sei­ner Per­son selbst und schwer zu beschrei­ben, sie geben den Stü­cken der Band aber erst die ent­spre­chende Aus­drucks­kraft. Para­dise City ist mein per­sön­li­ches Schlüs­sel­er­leb­nis, mit den musi­ka­lisch ein­drucks­vol­len Bei­trä­gen zum Film Ter­mi­na­tor II hat er sich ein Denk­mal gesetzt.  Obwohl Axl Rose mit Guns N” Roses auch heute noch aktiv ist, blei­ben kom­mer­zi­elle Erfolge aus. Nach eini­gen Ehe­ver­su­chen, unzäh­li­gen Dro­gen– und Alko­hol­ex­zes­sen lebt Axl Rose heute sehr zurück­ge­zo­gen in einer Villa in Malibu. Das Stück Kno­ckin on Hea­vens Door in Wem­bley 1992 ist ein Klassiker.

#1 — Kurt Cobain (Nirvana)

Das aus Kurt Donald Cobain ein­mal eine Generations-Ikone wer­den sollte, konnte bei sei­ner Geburt 1967 nie­mand ahnen. Seine Lebens­ge­schichte liest wie die eines Seri­en­kil­lers: Im Alter von 8 lie­ßen sich sein Eltern schei­den, damit der unter der Schei­dung lei­dende Kurt schla­fen konnte bekam er damals schon Rita­lin, 3 Ver­wandte begin­gen Sui­zid und als Jugend­li­cher fand er die Lei­che eines Nach­bar­jun­gen an einem Baum. Viele Strei­te­reien inner­halb der Fami­lie ver­an­lass­ten ihn zum 10fachen Fami­li­en­wech­sel in 4 Jah­ren. Auf­grund chro­ni­scher Magen­pro­bleme begann er früh damit Schmerz­mit­tel zu neh­men und gilt seit 1990 als Hero­in­ab­hän­gig. Nach einem geschei­ter­ten Sui­zid­ver­such in Rom, erschoss er sich 1 Monat spä­ter, dem 8. April 1994 in Seatle, damit auch nichts schief­ge­hen konnte spritzte er sich noch eine 3fache Über­do­sis Heroin. Die Aus­drucks­form sei­ner Gedan­ken war schon immer die Musik, so grün­dete er 1987 mit 2 Schul­freunde Nir­vana, die 1991 mit Smells Like Teen Spi­rit vom Album Never­mind ihren größ­ten Erfolg fei­er­ten, der Rest ist Legende. Sie eta­blierte ein neues Genre im Main­stream, den Grunge und gel­ten als ein­fluss­reichste Rock­band der 90er. Kurt Cobains Stimme war dabei schon immer ein zen­tra­ler Punkt der Musik und ist fas­zi­nie­rend und Ener­gie­ge­la­den, die Texte sei­ner Songs reich­ten von Lyrik bis zu Hirn­ver­brannt und waren stets indi­vi­du­ell. Die Cover­ver­sion des Lead Belly Klas­si­kers About a Girl die sie 1993 anläss­lich einer MTV Unplug­ged Ses­sion zum bes­ten gaben, ist ein schö­nes Bei­spiel für Kurt Cobains Qua­li­tä­ten als Sän­ger und sein Auf­tre­ten als Mensch.

  1. Fal­sett (ital. »künst­lich, falsch« ist die Bezeich­nung für ein Gesangs­re­gis­ter und eine beson­dere Form der Stimm­nut­zung. Man nennt sie auch Kopf­stimme, da die Stimm­bän­der nur am Rande genutzt wer­den. []
  2. Coming-out (von engl. »to come out of the clo­set«, wört­lich: Aus dem Klei­der­schrank her­aus­kom­men) bezeich­net pri­mär den indi­vi­du­el­len Pro­zess, sich sei­ner eige­nen gleich­ge­schlecht­li­chen Emp­fin­dun­gen bewusst zu wer­den, dies gege­be­nen­falls dem nähe­ren sozia­len Umfeld mit­zu­tei­len []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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4 Kommentare

  1. Bin hin und weg von dei­nen Recher­chen!
    Finde mit Recht, dass Kurt Cobain der Spit­zen­rei­ter ist. Und eigent­lich musste er zwang­läu­fig so enden, wenn man seine trau­rige Lebens­ge­schichte liest…

  2. In der Über­schrift hast du »Fred­die« falsch geschrie­ben, zwi­schen Queen II und BoR­hap kam noch Sheer Heart Attack, und ich hätte Fred­die natür­lich auf der 1 pla­ziert, aber ansons­ten ein schö­ner Bei­trag. :) (Und natür­lich deine per­sön­li­che Rangfolge.)

  3. Ich muss ja geste­hen, dass ich Fred­die Mer­cury bzw. Queen nie wirk­lich etwas abge­win­nen konnte und auch Bruce Springs­teen ist mir nie als beson­ders außer­ge­wöhn­lich in Erschei­nung getre­ten, aber dafür ist es ja auch deine Liste und nicht meine (viel­leicht sollte ich es dir ein­mal gleich tun und eine eigene Liste machen, wenn ich wie­der etwas mehr Zeit habe).
    Muss Lilly aber mal bei­pflich­ten, die Recher­che ist wirk­lich erstklassig! :)

  4. @Lilly: Vie­len Dank für die Blu­men. Ich kann und möchte nicht nach­voll­zie­hen was Cobain zum einen oder zum ande­ren bewo­gen hat. Es wird nur immer wie­der deut­lich wie nahe Genie und Wahn­sinn bei­sam­men lie­gen.
    @CIMDDWC: Danke für den Hin­weis, habe das selbst­ver­ständ­lich kor­ri­giert. Zwi­schen dem gefühl­ten rich­tig und der wirk­lich rich­ti­gen lie­gen manch­mal Wel­ten. Das mit dem Album dazwi­schen wusste ich nicht, werde ich aber auch ergän­zen. Offen­sicht­lich lie­gen unsere sub­jek­ti­ven Geschmä­cker nicht all­zu­weit aus­ein­an­der, schließ­lich tren­nen beide ja nur 2 Plätze.
    @Konna: Auch dir danke ich für die loben­den Worte, den Blu­men nehme ich nur von Frauen :) Fred­die ist und bleibt Geschmacks­sa­che, das stimmt, ich kenne auch viele gleich­alt­rige die eine ganze Weile ihrer Kind­heit mit Queen ver­bracht haben und sie trotz­dem nicht mögen. Ich habe an Queen und Fred­die immer die musi­ka­li­sche Viel­falt bewun­dert, die erste bewusste Berüh­rung mit Queen hatte ich 1986 als High­lan­der in die Kinos kam. Ich war 12 und habe meine Schwes­ter, die da schon 20 war, ange­fleht mich mit­zu­neh­men ins Kino, denn bei Erschei­nen war der Film ab 16 Jah­ren frei­ge­ge­ben. Nachts habe ich mich dann unter der Bett­de­cke ver­steckt :)
    @Christian: Opern­sän­ger lie­gen lei­der nicht in mei­ner Geschmack­li­chen Band­breite, sind aber sicher­lich auch außer­ge­wöhn­lich und haben einen Platz in (d)einer Top 10 mit Sicher­heit ver­dient. Viel­leicht nimmst du das als Anreiz mal eine eigene Top 10 oder Top 5 zu erstel­len, über einen Track­back, dem ich fol­gen kann, würde ich mich freuen.

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