Wie in meinem Artikel über Musik Online: Von Urlaub und Jobs geschrieben habe, werden die Künstler in vielen Fällen durch die extrem niedrige Preisstruktur und Kostenverteilung über den Tisch gezogen und müssen sich dem Preisdiktat unterwerfen. Umso überraschter war ich deshalb, als ich die Meldung Apples iTunes ändert seine Preisstruktur in meinem Feed gelesen habe. Groß angekündigt wurde da nichts, sondern lediglich auf der diesjährigen Mac World Expo 2009 in der Fußnote erwähnt.
Demnach entfernt Apple nicht nur den größten Teil des DRM, sondern passt auch die Kostenstruktur auf seiner Plattform iTunes an. Obwohl ich skeptisch war, wollte eine hartnäckige Spur von Hoffnung nicht weichen. So war es dann umso interessanter, was ich auf anderen Seiten darüber lesen konnte:
Ab April diesen Jahres werden einzelne Songs dann entweder für 69 Cent, 99 Cent oder 1,29 Euro angeboten. Bislang galt hier der Pauschalpreis von 99 Cent. Damit geht Apple auf die Forderungen der Musiklabels ein. Es sollen generell deutlich mehr Songs im 69-Cent-Bereich als bei 1,29 Euro liegen. Alben kosten weiterhin 9,99 Euro. (via grafiker.de)
Somit folgt die Ernüchterung gleich im Anschluss an den Lichtblick. Wieder einmal spricht man von den Forderungen der Musiklabels, die sicherlich nicht unbedingt dafür bekannt sind, ihre Mehreinnahmen auf die Künstler umzulegen. Stattdessen kommt es den Kunden im Schnitt sogar günstiger als vorher, da deutlich mehr Songs für 69 Cent zu haben sind. Von Umsatzeinbußen und Raubkopierer ist kurioserweise nichts mehr zu hören. Apple entfernt sogar noch den DRM-Schutz.
Ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk? Kurzfristig ein Gewinn für uns Konsumenten, langfristig leidet dadurch die Qualität der Musik und Retortenmusik mit gecasteten Gesichtern beherrscht bald den Markt, weil es realen Künstlern immer schwieriger gemacht wird, kommerziellen Erfolg zu haben und ihr tägliches Brot mit der Musik zu bestreiten.



hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Januar 2009 um 22:56:
Sich immer erst mal an die eigene Nase packen: Wenn man sich als Künstler auf Labels einlässt und die Monopolisierung einer Industrie indirekt unterstützt, dann darf man hinterher nicht heulen, wenn das eigene Konto leer ist.
Gerade Herr Urlaub und Band dürften sich doch eines entsprechenden Bekanntheitsgrads erfreuen ihre Musik selbst zu vertreiben. Wenn natürlich jede Band in großen Labels und iTunes das kurzfristige, schnelle Geld sieht, dann können sie wegen mir gern auf der Nase landen.
Ok, DÄ sind bei iTunes nicht zu finden, trotzdem kann ich die Aufregung nicht nachvollziehen. Wer die Preise eigentlich selbst stimmen kann aber andere bestimmen lässt, der darf doch nicht drüber meckern.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Januar 2009 um 16:40:
Bands, die sich freiwillig an ein Major Label verkaufen dürfen sich nicht über die vermeintlich schlechte Bezahlung wundern, da gebe ich Dir recht. Leider überstrahlt die Präsenz der so vermarkteten Künstler andere, kleinere (faire) Labels. Natürlich diktieren die Preise der Grossen die Preiserwartungen der Mainstream Kundschaft. Wenn ein Lied von XYZ 99 Cent kostet, darf es von ABC auch nur 99 Cent kostet. Eine einleuchtende Rechtfertigung für höhere Preise findet man gegenüber dieser Kundschaft wohl nicht.
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Januar 2009 um 04:20:
Mathe mal einfach:
Band verkauft ein Lied über iTunes für 99 Cent und erhält 8 Cent
Band verkauft ein Lied über die eigene Website, für 50 Cent und erhält 50 Cent
Natürlich muss man bei der letzten Möglichkeit die Serverkosten abziehen, aber das sollte sich für die Band trotzdem noch lohnen. Bleibt wohl aber Wunschdenken, dass die Bands die Labels zu Hartz IV verdonnern.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Januar 2009 um 18:42:
Gutes Beispiel, auch wenn ich die Rechnung etwas zu einfach finde. Im Grunde hast du aber Recht, Bands sollten vielmehr die Möglichkeiten nutzen, die Ihnen das Internet bietet und sich nicht nur auf das Verkaufen über die klassischen Vertriebswege konzentrieren. Es gibt auch schon einige Bands die das so machen, leider verkaufen sich viele Künstler viel zu oft an die Major Labels um Ruhm und Popularität zu steigern.
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Januar 2009 um 22:32:
Natürlich ist die Rechnung übersimplifiziert. Trotzdem bleibt der Kern meiner Meinung nach richtig und auch wenn ich damit allein auf weiter Flur stehe: Ich kaufe lieber für 99 Cent bei ätunes oder auf anderen Bandwebsite, lade dort dann auch nur mit 100kb/s runter lass dass ich auch nur einen Cent an Musik-Zersetzer wie Nuclear Blast und ähnliche Knebelvertragschreiber zu zahlen.