7 Dezember

Musikperlentaucher - Tauchgang #10

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 20098 Kommentare

Skeletal Family - Promised Land

Ein kal­ter Dezem­ber in Keigh­ley 1982. In der eng­li­schen Klein­stadt in West York­shire tref­fen sich Anne-Marie Hurst, Stan Green­wood, Roger Nowell, Ian Tay­lor und Steve Crane und grün­den die Ske­l­etal Family (ske­lett­ar­tige Fami­lie). Die cha­ris­ma­ti­sche Front­frau gibt der Band ihre ein­zig­ar­tige Stimme und der Sound ist so typisch für den Goth der 80er. Miss Big Hair, wie ich Anne-Marie lie­be­voll wegen ihrer tol­len Fri­su­ren nenne wech­selte 1986 in ihr neues Pro­jekt Ghost Dance und konnte in den kur­zen 3 Jah­ren ein Zei­chen set­zen, an das die neu besetzte Band nie her­an­rei­chen sollte, die sich nach zahl­rei­chen Umbe­set­zun­gen auf­löste. 2002 wurde die Ske­l­etal Family neu gegrün­det und ver­öf­fent­lichte mit neuer Sän­ge­rin 2009 das Album »Love, Hope & Des­pair«. Das Lied »Pro­mi­sed Land« ist eins mei­ner unzäh­li­gen Lieb­lings­lie­der, die mich immer wie­der auf’s neue begeis­tern aber nur einen Aus­schnitt eini­ger groß­ar­ti­ger Alben sind. Wer die Fami­lie noch nicht kennt, sollte unbe­dingt nach den Alben »Futile Com­bat« (1985) oder »Burning Oil« (1984) Aus­schau halte, die mei­ner Mei­nung die Bes­ten der Band sind.

DAF - Der Mussolini

Wup­per­tal 1978. Die Stadt ist bekannt für ihre musi­ka­li­schen Talente… Nein, eigent­lich nicht. Aber zu die­sem Zeit­punkt grün­dete sich hier DAF, die Deutsch-Amerikanische Freund­schaft. Rück­bli­ckend sind sie die Initia­to­ren des Elek­tro­punk, der EBM und der ers­ten deut­schen Wave-Welle. Damals hielt man sie nur für zwei wei­tere Spin­ner, die höchs­tens in Punk-Kreisen Aner­ken­nung fan­den und aus expe­ri­men­tel­ler Musik spä­ter auch kom­mer­zi­elle Erfolge zau­ber­ten. Ihre Texte waren immer schon pro­vo­kant dif­fus. Das Stück Der Mus­so­lini bringt die Kraft und Ener­gie die mit den äußerst kon­fu­sen Sprech­t­ex­ten har­mo­niert gut auf den Punkt. Heute wer­den sie als musi­ka­li­sche ein­fluss­rei­che Band gehan­delt die nicht nur den mini­ma­lis­ti­schen Sound des spä­ten Wave kenn­zeich­ne­ten, son­dern auch Vor­rei­ter der neuen Deut­schen Welle und des Techno sind, obwohl sie von des­sen Inhalts­lo­sig­keit mei­len­weit ent­fernt sind. »Das ist ein Stück, bei dem es um die Aus­tausch­bar­keit von Ideo­lo­gien han­delt […] Es wäre für uns ganz ein­fach gewe­sen zu sagen: »Wir sind gar keine Nazis!« Aber das haben wir eben nicht gesagt. Das woll­ten wir auch nicht.»1. Ein Stück­chen deut­sche Musik­ge­schichte gepaart mit Vergangenheitsbewältigung.

Kontrast - Einheitsschritt

Der Inde­pen­dent Klas­si­ker der eigent­lich auf jeder guten Party gespielt wird ist schon ein ganz eige­nes Stück­chen Musik, weil es die schwarze Szene dort packt, wo es weh tut. An der eige­nen Eitel­keit. Die offen­sicht­li­che Iro­nie und die gute Por­tion Schwarz­hu­mor ent­geht den meis­ten Zuhö­rer, so das es nicht wei­ter ver­wun­der­lich ist, wenn das Stück auf unter­schied­lichste Kri­ti­ken stößt. »Gerade zu »Ein­heits­schritt« haben wir die ver­schie­dens­ten State­ments zu hören bekom­men — von abso­lu­ter Begeis­te­rung bis hin zur größt­mög­li­chen Ver­ach­tung und der Frage, was wir uns denn ein­bil­den wür­den, die Schwarze Szene so zu ver­un­glimp­fen. Ich finde nach wie vor, dass Iro­nie ein sehr pas­sen­des Stil­mit­tel ist, um auf Dinge auf­merk­sam zu machen, über die man sich geär­gert hat2 Im Falle eini­ger schwar­zen Split­ter­grup­pen mag man ver­mu­ten, das es wirk­lich 3 Schritte vor und 4 Schritte zurück geht, aber das nur am Rande. Die 1992 gegrün­dete Band nannte sich ursprüng­lich ISECS und änderte 1999 ihren Namen in Kon­trast, daher das Stück Ein­heits­schritt unter dem Namen ISECS ent­stan­den und ent­zieht sich dem Zuhö­rer viel­leicht aus Man­gel an Quel­len. (Inter­net­seite der Band)

  1. Aus einem Inter­view mit der Inter­net­seite Treff­punkt Schwarz vom 17. Okto­ber 2008 mit Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl []
  2. Aus einem Inter­view des Ter­ror­ver­la­ges mit der Band Kon­trast und in die­sem Fall dem Sän­ger und Tex­ter Roberto vom 22.01.2009 []

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Klänge
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8 Kommentare

  1. Kannte ich alles noch nicht. Werd mal rein­hö­ren, auch wenn ich bezweifle das ich mich dann noch fes­seln­der damit befas­sen werde. Aber komi­scher­weise habe ich nun ein Bedürf­niss auf Daft Punk Oo

  2. Hallo Äwe, erst­mal Glück­wunsch zu Num­ber Eleven ;)

    Ich gestehe, die Musik­aus­wahl trifft nicht so sehr dei­nen Geschmack, aber meine nächste Aus­wahl werde ich sicher­lich in Deine Rich­tung ori­en­tie­ren, schließ­lich hast du bei last.fm auch ein Bedürf­niss geweckt.

  3. Haha das zweite und das dritte Lied lie­fen das letzte Mal in der End­sta­tion, und ich hatte so Mühe bei Ein­heits­schritt nicht laut los zu lachen…Jedenfalls wollte ich bei Gele­gen­heit mal nach den bei­den Lie­dern suchen, und siehe da, du nimmst mir net­ter­weise die ganze Arbeit ab =)

    »Pro­mi­sed Land« ist eben­falls einer mei­ner Lieb­lings­lie­der, eig­net sich auch ganz gut als Klin­gel­ton, den man auch wirk­lich hört…

    LG

  4. @ Robert, das finde ich super nett von dir ^^ Meine alten Posts waren übri­gens unter Cute­n­ews erreich­bar. Das war halt nicht bei blog­ger kom­pa­ti­bel ^^ des­we­gen wurd alles gelöscht.

  5. @Atanua: Siehst du, das nett man inter­na­tio­nale Zusammenarbeit :)

    @Äwe: Wie schade. Ich sichere meine Bei­träge von Zeit zu Zeit in XML For­mat (geht bei WP mit Expor­tie­ren) um im Falle eines Fal­les bequem die Daten vor­zu­hal­ten. Kann man wenigs­tens bei Blog­ger exportieren?

  6. @Robert. Ja das kann man ^^

  7. Shit, ich sollte noch öfter bei dir rum­stö­bern. Dabei habe ich jetzt das geile Stück von DAF ent­deckt. Ach… was haben wir damals danach gezappelt.

  8. @Äwe: Goth sei Dank!

    @Mysti: Soll­test du, ehr­lich jetzt :) Und ich sollte meine Kom­men­tare zügi­ger Beant­wor­ten *gg*

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