19 November

Musikperlentaucher - Tauchgang #09

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 200912 Kommentare

Faces of Sarah - All that is Divine

Ja genau. Daran habe ich auch gleich gedacht und die Ähnlich­keit ist ver­blüf­fend, doch wei­ter hören lohnt sich. Die Ähnlich­keit mit den Sis­ters of Mercy ist erstaun­lich und sicher ein biss­chen so gewollt. Doch The Faces of Sarah sind eine recht junge Band aus Eng­land, die sich dem Goth­rock ver­schrie­ben haben. Mit ihrem Grün­dungs­jahr 1999 sind sie wohl die jüngs­ten Per­len mei­ner Tauch­gänge, pas­sen aber so ganz und gar zu mei­nen per­sön­li­chen Ansprü­chen. Nick Schultz, der sich als Front­mann auch für den Gesang ver­ant­wort­lich zeigt, bringt mit sei­ner Stimme die Sache und das 80er Fee­ling auf den Punkt. In Eng­land sind sie durch das Whitby Fes­ti­val längst popu­lär und wer­den von vie­len als legi­time Nach­fol­ger der Sis­ters gehan­delt, die den Stil wei­ter­ent­wi­ckel­ten. Die Bio­gra­phie ist kurz und gibt nicht viel her, umso bes­ser das man sich noch etwas inten­si­ver mit der Band beschäf­tigt, finde ich zumin­des­tens. Der Song All that is Divine (All das ist gött­lich) bringt die Stär­ken voll zu Gel­tung. Wer doch lie­ber die Sis­ters hört, kann sich wei­ter unter bedie­nen, den Namen der Band sollte man sich aber merken.

Diva Destruction - The Broken Ones

Jung und unver­braucht klingt auch Diva Destruc­tion, die sich nicht nur so anhört son­dern mit ihrer Grün­dung 1998 die zweit­jüngste Band mei­ner Tauch­gänge sind. Die Band aus den USA war ursprüng­lich als Solo­pro­jekt von Front­frau Debra Fogarty geplant, die sich im Laufe der Zeit eini­ger Musi­ker bediente die mit ihren Ein­flüs­sen jedes der bis­her 3 erschie­nen Alben beein­flus­sen. Fogarty, die eine klas­si­sche Gesangs­aus­bil­dung genoss und auch das Piano beherrscht lässt sich in ihrem schaf­fen schwer ein­ord­nen. Dun­kel und Düs­ter sind die meis­ten ihrer Texte, die Musik schwankt aber zwi­schen Death Rock und Dark Wave. Ein Bei­spiel für die Wavige Aus­rich­tung ist das Stück The Bro­ken Ones, des­sen tie­fen Syn­t­hie­tep­pi­che eine fast ope­ra­len Stimme tra­gen und den Song in einen inter­es­san­ten Kon­text stel­len. Der Text sollte man sich übri­gens auf der Zunge zer­ge­hen las­sen und am bes­ten mehr­fach hören, ich jeden­falls musste das ein oder andere Wort erst­mal nach­schla­gen. »Por­no­gra­phy expo­sed, Inno­cence unro­bed, Mas­tur­bate your empti­ness, For­ni­cate your sel­fish­ness…« Eine Inter­pre­ta­tion ins Deut­sche dürfte inter­es­sant aus­fal­len. Aber sie erreicht was sie errei­chen will, düs­te­rer und tanz­ba­rer Sound, fast mys­ti­sche Texte.

The Sisters of Mercy - Marian

Einer mei­ner wich­tigs­ten Songs der Sis­ters ist das Stück Marian. 1985 auf dem Album First and Last and Always her­aus­ge­kom­men, schlich es sich 1986 im zar­ten Alter von 12 in meine Gehör­gänge und exis­tierte nur auf einem mei­ner Mixtapes. Das Band lei­erte nach einer Zeit und gab dem Song noch ein biss­chen mehr Eldritch als über­haupt drin war. Als ich das Stück dann ein paar Jahre spä­ter noch­mals auf der Tanz­flä­che hörte war ich fas­zi­niert. Dem gro­ßen Erfolg in Deutsch­land ist es wohl zu ver­dan­ken, das ein Teil des Tex­tes in Deutsch gesun­gen wird, was ich als 12 jäh­ri­ger natür­lich toll fand, ver­stand ich ja sonst kein Wort. »Was ich kann und was ich könnte, weiss ich gar nicht mehr, gib mir wie­der etwas schö­nes, zieh mich aus dem Meer, Ich höre dich rufen Marian, Kannst du mich schreien hören? Ich bin hier allein, ich höre dich rufen Marian, ohne deine Hilfe ver­liere ich mich in die­sem Ort«. Jetzt ver­stand ich den Text zwar, konnte mir aber immer noch kei­nen Reim drauf machen. Wer ist Marian? Und warum ruft er? Ertrinkt er gerade im Meer und warum braucht er seine Hilfe? Schlauer war ich jetzt auch nicht, doch die Musik fand ich toll. Sorry für die Prosa, aber ich denke über die Sis­ters ist schon (zu)viel geschrie­ben wor­den. Fas­zi­nie­rend, das die immer noch mit den glei­chen Songs auf­tre­ten und dabei nur noch einen Abklatsch ihrer selbst dar­stel­len. Hier­mit warne ich vor dem Genuss eines aktu­el­len Sis­ters Kon­zert, die hätte bes­ser auf­ge­hört als es am schöns­ten war. Sie präg­ten einen Musik­stil, sie präg­ten einen Klei­dungs­stil, sie präg­ten eine ganze Jugend­be­we­gung und sie präg­ten mich, was kann man noch mehr errei­chen? Ok, von Scoo­ter geco­vert zu wer­den hebt die Band natür­lich in den Musik-Olymp, ich vergaß.

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Klänge
Schlagwort: ,

Verwandte Artikel

12 Kommentare

  1. marian ist und bleibt ein glanz­stück der sis­ters. viele andere lie­der von ihnen tref­fen nicht so mei­nen geschmack, aber die­ses hat irgend­was — und ja, der deut­sche teil trägt bestimmt dazu bei!

  2. Sis­ters und Diva Destruc­tion höre ich eh rauf und run­ter, und auf das Wis­sen um eine Scooter-Coverversion von »Marian« hätte ich auch ver­zich­ten kön­nen ^^
    Aber vie­len vie­len Dank für »Faces of Sarah«! Hab ich noch nie gehört und find sie super :)

  3. @tobi: Aber wer oder was ist Marian? Das Netz konnte mir die Frage bis jetzt noch nicht beant­wor­ten. Manch­mal wünschte ich mir ein Tele­fon, mit dem ich kurz nach­fra­gen könnte. :)

    @von Karn­stein: Du magst Scoo­ter etwa nicht? Immer­hin der Urhe­ber der neuen deut­schen Natio­nal­hymne :D

  4. Robert, spä­tes­tens als ich das erste mal die­ses fürch­ter­li­che »Tan­zen oder Ficken«-Lied auf einer SCHWARZEN Ver­an­stal­tung gehört habe, konnte ich es mir nicht neh­men las­sen, bei all zu dümm­lich tech­no­ider Club­mu­sik (à la Ago­no­ize, Straftanz, Stein­kind,…) hin und wie­der ein lau­tes »Hyper! Hyper!« aus­zu­sto­ßen.
    Meist nur in mei­nen Gedan­ken, zuge­ge­ben … aber nur meist ;)
    Ich denke, das sagt über meine Hal­tung zu Scoo­ter alles ^^

  5. die erste marian die mir ein­fällt ist »lady marian« bei robin hood ;)

  6. @Karnstein: Auch wenn ich Scoo­ter nicht lei­den kann, weder als Künst­ler noch als Men­schen, so muss ich ihnen zuge­ste­hen sich hart­nä­ckig in der Musik­welt zu hal­ten und genau zu wis­sen was die breite Masse hören möchte. Immer­hin sind sie ein Stück deut­scher »Kul­tur« wenn­gleich das Wort doch im Ver­gleich etwas hinkt.

    @tobi: Wobei ich gerade Rät­sele, ob es sich bei Marian um eine Frau oder einen Mann han­delt, schließ­lich ist Mari­anne die eigent­lich deut­sche Form, oder wie? Aber da es ein Mann singt, gehe ich zunächst von einer Frau aus.

  7. naja, warum sollte man eigen­na­men über­set­zen? die frau heisst marian, und damit ja nicht im deut­schen auto­ma­tisch mari­anne. ein deut­scher wil­helm heisst durch betre­ten eng­lisch­spra­chi­gen bodens ja auch nicht aut­ma­tisch william.

  8. Im Eng­li­schen müsste zwar »Marion« für beide Geschlech­ter in Frage kom­men, aber »Marian« scheint mir rein weib­lich zu sein.
    Und da ich den Song immer ein­fach für einen Love­song gehal­ten habe (wenn natür­lich auch einen reich­lich dra­ma­ti­schen und goti­schen) und man ja dann doch meist den Men­schen erstein­mal Hete­ro­se­xua­li­tät zuschreibt, hielt ich es immer für einen Song an eine Frau…

  9. @tobi: Du hast natür­lich recht, ich suche nur nach einer plau­si­blen Erklärung :)

    @Karnstein: Der männ­li­che Cou­sin mei­ner Herz­al­ler­liebste heißt eben­falls Marian, ich halte das per­sön­lich für einen Unis­ex­na­men. Love­song? Hmm… Schwie­rig. Viel­leicht kei­ner im klas­si­schen Sinne, denn dazu geht er viel zu sehr in Rich­tung Tod. Für mich geht es viel mehr um Ein­sam­keit im eigent­li­chen oder im men­ta­len Sinne. Ich glaube depres­sive Men­schen füh­len sich ange­spro­chen, wenn das Meer ihre Gefühle reprä­sen­tiert. Ich finde es schwie­rig dem Song eine echte Rich­tung zu geben.

  10. Ich bin wahr­lich kein Scooter-Fan, habe den Link zum Video leicht ange­wi­dert aber aus rei­ner Neu­gierde ange­klickt.
    Ich finde die Ver­sion gar nicht mal so übel — wir reden hier von Scoo­ter! also dafür…

  11. Wenn du möch­test, das ich dei­nen Kom­men­tar irgend­wann lösche um dein Geständ­nis zu ver­ber­gen, bist du schief gewi­ckelt :) fun­ky­gog mag Scoo­ter, fun­ky­gog mag Scoo­ter, fun­ky­gog mag Scoo­ter *hänsel*

  12. Wie soll ich das mei­nen Enkel­kin­dern erklä­ren?
    Hier­mit ändere ich meine Iden­ti­tät! fun­ky­gog wer ist das?

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?