22 Juni

Musikperlentaucher - Tauchgang #04

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 20096 Kommentare

The Sister of Mercy - Adrenochrome

Die Väter des Gothic-Rock mit einer Band­har­mo­nie wie eine Sinus­kurve gehört sicher­lich zu den ein­fluss­rei­che­ren Bands der 80er Jahre. Der sehr eigene Stil aus dem düs­te­ren Gesang von And­rew Eldritch und der größ­ten­teils gelun­ge­nen Mischung aus Gothic, Rock und New Wave zeich­nen sich mei­ner Mei­nung nach Ver­ant­wort­lich für den gro­ßen Erfolg, den die Band Mitte der 80er Jahre fei­erte. Der Band­name The Sis­ters of Mercy (SoM) ist eine Anleh­nung an Leo­nard Cohens gleich­na­mi­gen Song und steht im eng­li­schen ebenso für eine umgangs­sprach­li­che Aus­drucks­form für Pro­sti­tu­ierte und hat weni­ger mit dem Orden der Barm­her­zi­gen Schwes­ter zu tun. Die SoM dis­tan­zie­ren sich heute von der Gothic Bewe­gung, deren Zuge­hö­rig­keit ihnen von Jour­na­lis­ten ange­hef­tet wor­den ist. Klingt plau­si­bel, schließ­lich sprach zu die­ser Zeit noch nie­mand von Gothic. Nach­dem sich die Band einige male trennte um gleich wie­der eine Reunion zu fei­ern sind sie seit 1996 wie­der zusam­men und tre­ten auf. Erstaun­li­cher­weise immer noch mit den alten Stü­cken, denn seit 1993 (!)  ist kein offi­zi­el­les Album mehr erschie­nen. So wir­ken die altern­den Schwes­tern heute wie Auf­zieh­männ­chen und wer­den wohl nie wie­der an alte Erfolge anknüp­fen. Aus bes­se­ren Zei­ten habe ich das gran­diose Stück Adre­no­chrome herausgesucht.

New Model Army - Vagabonds

Machen wir einen klei­nen Abste­cher in die Indie-Ecke und tref­fen dort auch gleich die bekann­teste Inde­pen­dent Band Euro­pas, die New Model Army. Die haben jetzt nichts mit mili­tä­risch ange­hauch­ten Tarn­fle­cken­fe­ti­schis­ten zu tun, son­dern gel­ten als strenge Kriegs­geg­ner die sich wäh­rend des Falk­land­krie­ges durch ent­spre­chen­den Ein­satz einen Namen mach­ten. Der Name New Model Army ent­stand durch die gleich­na­mige repu­bli­ka­ni­sche Revo­lu­ti­ons­ar­mee Oli­ver Crom­wells, die 1645 erst­mals von sich reden machte. Die mitt­ler­weile seit 29 Jah­ren exis­tie­rende Band aus Eng­land blickt auf eine sehr aktive Live-Karriere zurück, kein Indie-Festival ohne die schon Mitte/Ende der 80er als Head­li­ner geführte Band, der 1986 mit dem Song 51st State der große Durch­bruch gelang.  Die Band über­zeugt durch kraft­volle Stü­cke mit kräf­ti­gem Gitar­ren­sound, das mit dem Spiel der Vio­line so prima har­mo­niert. Die Folk-Einflüsse haben mei­ner Mei­nung nach den Stil der Band in eine sehr ange­nehme Rich­tung ent­wi­ckelt, ein ein­druck­vol­les Bei­spiel ist das 1989 erschie­nene Vag­abonds (Land­strei­cher). Großartig.

Tears for Fears - Mad World

Oft kopiert, nie erreicht. Das fällt mir spon­tan zu die­sem Stück ein, denn obwohl Gary Jules mit sei­nem Akus­ti­schen Cover 2003 die Charts stürmte, ist Mad World ein abso­lu­ter New Wave Klas­si­ker. Obwohl der Band­name Tears for Fears auf dem Buch des ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten Arthur Janov beruht und viele Texte auf sei­nen The­men beru­hen, ist davon in den Stü­cken nicht viel zu spü­ren. 1981 grün­de­ten Roland Orz­a­bal und Curt Smith die Band, die für eini­ges Auf­se­hen in der New Wave Szene sorg­ten. Vie­len zu popu­lär ori­en­tiert fei­erte die Band den­noch große Char­ter­folge und konnte 1984 mit Shout in den meis­ten Top 10 der Welt punk­ten. 1990 trennte sich die Band wie­der, konnte aber bis dahin einige tolle Alben ver­öf­fent­li­chen. Zu dem Stück Mad World habe ich eine ganz beson­dere Bezie­hung, den die im Video gezeig­ten Tanz­schritte (2:22) hatte ich als 9-jährigen voll drauf und auch heute noch erwi­sche ich mich dabei bei dem Stück auf der Tanz­flä­che mit den Armen zu fuchteln.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Klänge
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6 Kommentare

  1. Robert mein Held … ich weiss nicht wie lange ich nach Vag­abonds gesucht habe … ich kannte das Lied, fand es geil, nur wusste ich nicht mehr von wem es war. Danke Dir :)

    Zu Mad World … Geschmack­sa­che aber die Ver­sion von Michael And­rews & Gary Jules gefällt mir bes­ser als das Original ;)

  2. Hab die 2:22 gerade hin­ter mir und stelle mir Dein Geschrie­be­nes gerade bild­lich vor *bigs­mile* … soll­tes es in die­sem Leben mal zu einem rea­len Tref­fen kom­men, hoffe Dich über­re­den zu kön­nen … *dumdidum*

  3. Jau, bei Tears for Fears werd ich gerne zum Pop­per *grins*

  4. Robert, dir ist doch mit dei­nen Bei­trä­gen klar, dass du unse­ren Itunes-Umsatz ankur­belst? *g*

  5. Eine sehr schöne Aus­wahl ist das! New Model Army sind mir seit­dem ich sie letz­tes Jahr auf der Kie­ler Woche live gese­hen hab, auch sehr ans Herz gewach­sen. Vag­abonds ist ein abso­lu­ter Klas­si­ker. Die bei­den ande­ren genann­ten Songs aber auch!

  6. @Stoffel: Auf wenn ich einer Live­prä­sen­ta­tion nicht abge­neigt bin, fürchte ich, das ich dei­nen Ansprü­chen nicht genü­gen würde, viel­leicht sollte ich vor­her noch vor dem Spie­gel trai­nie­ren. Schön das ich Dir ein Lied eröff­nen konnte, das du schon lange gesucht hast. Viel­leicht sollte ich eine Kon­takt­börse eröff­nen: Erzähl mir dei­nen Traum und ich sage Dir die pas­sende Musik :)

    @Stephan: Pop­per waren aber eine ganze Zeit vor dem Song, wusste gar nicht das es in den 80er noch Pop­per gege­ben hat. Oder warst du einer? :D

    @Mysti: Schön das ich euch zum Erwerb der ent­spre­chen­den Musik ani­mie­ren konnte :) Viel­leicht sollte man gerade auf­grund des­sen die Regle­men­tie­rung der YouTube Videos durch lächer­li­che »Rech­te­ver­let­zun­gen« überdenken.

    @beetFreeQ: Ich glaube die New Model Army muss in ihrer Band­ge­schichte schon 42.244 mal auf­ge­tre­ten sein. Eine prima Live­band, die mir auf der Bühne gar noch bes­ser gefällt als auf einem Ton­trä­ger. Schön das es Dir gefal­len hat ;)

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