2 Februar

Musikperlentaucher - Tauchgang #01

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 200912 Kommentare

In selbe Horn zu bla­sen ist schon rein hygie­nisch bedenk­lich und sollte auch beim Blog­gen mit Vor­sicht genos­sen wer­den. Die Idee jeden Monat etwas Musik vor­zu­stel­len ist sicher­lich nicht mehr die jüngste, des­halb bleibt auch nur zuzu­ge­ben, das ich mir Inspi­ra­tion bei Konna und free­Q­net geholt haben, man möge mir ver­zei­hen. Ich möchte aber einen ande­ren Weg gehen und lie­ber Musik und Titel vor­stel­len, die nicht allen geläu­fig sind und doch groß­ar­tige Musik­per­len der Ver­gan­gen­heit sind. Seit sich der Punk Ende der 70er auch in Deutsch­land eta­blierte und jeder Musik machen konnte der wollte, schos­sen Krea­tive aus allen Ecken, grün­de­ten Bands und brach­ten eine unzäh­lige Menge von Songs her­aus, die vol­ler Ener­gie den Muff der Gene­ra­tio­nen abzu­le­gen ver­su­chen. Punk war der Dün­ger, der wäh­rend der 80er neue Musik­rich­tun­gen sprie­ßen ließ und dafür sorgte, das sich neben dem Main­stream viele kleine Flüsse for­mier­ten, von denen die Breite Masse jedoch nicht all­zu­viel mit­be­kom­men hat.

Für Musik­be­geis­terte ist dies viel­leicht eine anre­gende Reise durch die eigene Samm­lung, es gibt immer wie­der Lie­der auf mei­nen CDs die ich ver­ges­sen oder noch nie gehört habe, seit­dem ich diese kon­se­quent digi­ta­li­siere ist die Wahr­schein­lich­keit zwar grö­ßer gewor­den, aber den­noch schlum­mer viele unent­deckte Per­len unter der Ober­flä­che. Vor­teil: Vie­len Alben und Sam­pler die Stü­cke ent­hal­ten die hier vor­ge­stellt wer­den, sind oft güns­tig auf bekann­ten Ver­triebs­we­gen zu bekom­men. Es würde mich freuen, Feed­back zu bekom­men und eigene Erfah­run­gen mit den Lie­dern zu schildern.

Phillip Boa & The Voodooclub - Diana

Das erst­mals 1985  auf dem Album Phi­lis­ter erschie­nene Lied Diana erin­nert sofort an einige alte Stü­cke von Joy Divi­sion und hat doch eine ganz eigene Lei­den­schaft. Obwohl Phil­lip Boa damit nie wirk­li­chen kom­mer­zi­el­len Erfolg hatte, avan­cierte das Stück zum Under­ground Hit der Inde­pen­dent und Gothic Szene. Der kul­tige Auf­tritt in der Deutsch­land­halle 1991 ist Zeit­zeuge der Boa Fas­zi­na­tion, bei dem hun­derte Gruf­ties zum Stück rocken. Als unbe­que­mer Musi­ker von der Zeit­schrift Musik­ex­press zum »sym­pa­thi­schen Arsch­loch« erho­ben erlangte er als einer der weni­gen deut­schen Indie­mu­si­ker auch inter­na­tio­na­len Ruhm und zur deut­schen Ant­wort auf den ver­stor­be­nen Ian Cur­tis. Die Album­ver­sion ist rein musi­ka­lisch übri­gens ein Spur bes­ser gelun­gen als die Live-Performance.

Q-Lazzarus - Goodbye Horses

Den meis­ten wird das Cover des Songs von Psy­che geläu­fi­ger sein als das Ori­gi­nal von Q-Lazzarus. Bekannt und berühmt wurde das Stück als Teil des Sound­tracks zu dem Film »Das Schwei­gen der Läm­mer« in dem der Cha­rak­ter des Mas­sen­mör­ders Buf­falo Bill zu eben die­sem Lied tanzt wäh­rend sein Opfer in der Grube kau­ert. Szene, Film und Song sind dar­auf­hin regel­recht legen­där gewor­den und durf­ten in kei­ner Play­list der Under­ground Clubs feh­len. Das die Stimme zu einer Frau gehört wäre mir sicher­lich ent­gan­gen, hätte ich mich nicht vor eini­ger Zeit dar­über Infor­miert, denn ohne diese Tat­sa­che hält man die ehe­ma­li­gen Taxi­fah­re­rin Q-Lazzarus locker für einen Kerl.

Fehlfarben - Paul ist tot

Als Pio­niere des deut­schen Punk gel­ten Fehl­far­ben schon seit lan­gem, die Liste der Band­mit­glie­der liest sich wie das Who is Who der deut­schen Punk­szene Ende der 70er (u.a. Peter Hein, Tho­mas Schwe­bel und Mar­kus Oeh­len). Nach­dem die Künst­ler aus ihren Ursprungs­pro­jek­ten (Mit­tags­pause, Char­leys Girls) Fehl­far­ben form­ten wurde der Anspruch zwar deut­lich kom­mer­zi­el­ler, hat sich aber den­noch sei­nen Punk Cha­rak­ter bewahrt. Paul ist tot mutierte zum Klas­si­ker der Band und ist deut­lich vom New Wave der frü­hen 80er beein­flusst. Für ein Mit­schwim­men auf der Neuen Deut­schen Welle war das Stück wohl ein­deu­tig zu düster-melancholisch und ist so über Punk und Gruf­tie­clubs nie hinausgewachsen.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Klänge
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12 Kommentare

  1. Och, ist doch nix ver­kehrt daran, sich seine Inspi­ra­tion bei ande­ren zu holen. Und in Sachen Musik­ge­schmack sind Konna, du und ich glaub ich auch eigen­stän­dig genug, dass wir uns nicht gegen­sei­tig in die Quere kom­men und man bei jedem was Inter­es­san­tes ent­de­cken kann! Phil­lip Boa müsste ich mir z.B. auch mal drin­gend öfter anhören!

  2. Was? Q-Lazzarus ist eine Frau???
    Bin ich wohl auch drauf reingefallen…Dachte immer, das sei ein Kerl…

    Hach ja…Fehlfarben… Die sta­chen in den Acht­zi­gern so schön aus der brei­ten Masse um Nena & Co. hervor.

    Ich mochte NDW-mäßig mehr die etwas Abge­dreh­te­ren und Mor­bi­den: Joa­chim Witt, Foyer des Arts, Extra­breit aber auch Kraft­werk.
    Oder eben Punk in Rein­form: Peter and the Test Tube Babies…

  3. Also Fehl­far­ben kenne ich noch, die ande­ren sind mir jetzt nicht wirk­lich ein Begriff, aber die Songs sind schon klasse, habe gerade mal rein gehört. Sind wahre Fund­stü­cke, die man viel­leicht nicht unbe­dingt kennt, aber auf jeden Fall sind sie gut gelungen.

  4. @BeetFreeQ: Schön das du das so siehst. Lei­der kommt der Inspi­ra­ti­ons­ge­danke in der Blo­go­sphäre viel zu kurz. Wer etwas ähnli­ches macht wie andere gilt als nicht mehr Uni­que. Die­ser Gedanke ist wahr­schein­lich Ergeb­nis der Copy&Paste Blog­ger, die Inhalt kopie­ren anstatt ihn zu inter­pre­tie­ren und mit eige­nen Gedan­ken zu wür­zen.
    @Lilly: Dachte ich auch immer, erst als in mei­nem Hirn die Ver­bin­dung Q-Lazzarus=Frau eta­bliert war, erschien mir der Gesang plötz­lich wesent­lich weib­li­cher. Foyer des Arts, Kraft­werk und Punk in Rein­form hätte ich Dir jetzt gar nicht zuge­traut, habe meine Fehl­ein­schät­zung aber schon durch die aktu­elle ersetzt.
    @Martin: Du soll­test unbe­dingt mehr Musik hören, kannst ja dazu ent­spannt auf dei­nen Was­ser­bet­ten flanieren ;)

  5. Wo ich gerade Phil­lip Boa lese: Bist du im März zufäl­lig auch auf dem Boa Kon­zert in der Bochu­mer Matrix?
    Weil dann würde man sich wohl mit hoher Wahr­schein­lich­keit sehen.

  6. Kann ich noch nicht mit Sicher­heit sagen, von wol­len kann nicht die rede sein, aber bei der Masse guter Kon­zerte und Fes­ti­vals muss man auch ein biss­chen die Finan­zen im Auge behalten ;)

  7. Ganz sicher ist es bei mir auch noch nicht. Ich über­lege noch, weil Diens­tags und so. Aber die Wahr­schein­lich­keit ist groß xD. Und so teuer ist es ja nicht ;).

  8. Sorry, dass ich so lange geschwie­gen habe, aber die Kälte hat mich abge­hal­ten. ;)
    Wollte auch nur sagen, dass ich es ganz und gar nicht schlimm finde, wenn man sich Inspi­ra­tion holt. Im Gegen­teil emp­finde ich das sogar immer als Bestä­ti­gung. Darum werde ich bei mei­nem nächs­ten Mixtape auch auf dei­nen Bei­trag hin­wei­sen.
    Und wie beet­FreeQ schon rich­tig bemerkt, heben wir uns doch alle noch ganz gut von­ein­an­der ab. Du tauchst in die Ver­gan­gen­heit– wäh­rend ich meis­tens ja neuere unbe­kannte Musik vor­stelle und beet­FreeQ hält sich in einem ganz ande­ren Genre auf — wun­der­bar.
    Aber Q-Lazzarus klingt wirk­lich männ­lich, wäre ich ohne deine Info wohl auch nicht drauf gekom­men, dass es sich hier um eine Frau han­delt.
    Von dei­ner Zusam­men­stel­lung kannte ich nur Fehl­far­ben, was daran liegt, dass ich vor ein paar Jah­ren inten­siv mit Deutsch­punk ver­traut gemacht wurde. :)

    Bin gespannt auf wei­tere Tauchgänge!

  9. hmm, hab über konna hier­her gefun­den, aber bei der musik­aus­wahl fühl ich mich hier dich direkt wohl! »paul ist tot« ist einer der geni­als­ten deut­schen titel der 80er!

  10. @Konna: Vie­len Dank für dei­nen Hin­weis in den Konna Music Mixtapes No.22 ;) Was bedeu­tet ver­traut gemacht wur­dest? Man hat dich ein­ge­sperrt und zum Hören von Deutsch­punk gezwun­gen? Ich glaube man sollte sich öfter mal zwin­gen las­sen, etwas neues zu hören. So geht es mit zwar nicht Musik­rich­tun­gen, aber mit Künst­ler oder Bands.
    @Tobi: End­lich mal jemand, der dem Titel seine nötige Ehre zukom­men lässt. Lei­der geht viel zu viel gute Musik im bekann­ten Ein­heits­brei der NDW unter, aber wofür gibt es schließ­lich meine Musikperlen?

  11. Dass ich »ver­traut gemacht wurde« heißt, dass meine Ex-Freundin mich an diese Musik her­an­ge­führt hat, da sie selbst Punk war/ist. Ein­ge­sperrt wurde ich glück­li­cher­weise nicht, aber das ist auch nicht nötig, ich bin immer offen für etwas Neues, gerade was Musik angeht, gibt es auch abseits der gewohn­ten und bevor­zug­ten Gen­res immer mal etwas Gutes zu entdecken. :)

  12. Dann hoffe ich natür­lich, das die Musik nicht Tren­nungs­grund gewe­sen ist und lobe mir die Offen­heit neue Musik zu ent­de­cken. Schließ­lich ist das wie mit dem Essen, über das was man nicht gekos­tet hat, sollte man sich kein Urteil erlau­ben. Lei­der gibt es doch zuviele die dem Motto »Was der Bauer nicht kennt isst er nicht.« treu bleiben.

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Trackbacks

  1. […] ich wird er aber aber seine ganz per­sön­li­chen Musik­per­len aus der Ver­gan­gen­heit fischen. In der ers­ten Aus­gabe gibt es Musik von Phil­lip Boa & The Voo­doo­club, Q-Lazzarus und Fehl­far­ben auf die Ohren. Schaut […]