7 Dezember

Musikalische Tintenkleckse

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 20093 Kommentare

Tintenklecks RorschachTin­ten­kleckse? Das sind diese lus­ti­gen Bil­der frak­ta­ler Gebilde, die mög­li­chen Pati­en­ten vor die Nase gehal­ten wer­den um zu sehen, wie sie dar­auf rea­gie­ren. Der nach dem Schwei­zer Ror­schach benannte Test, der aus eben die­sen Tin­ten­kleck­sen besteht hat aber nichts damit zu tun. Meine Defi­ni­tion oder auch Deu­tung die­ses Begrif­fes ist eine andere.

Betrach­ten wir die Gothic­szene als Summe vie­ler Sub­kul­tu­ren die einst dem Post-Punk ent­sprun­gen sind, so haben wir heute einen rie­si­gen Topf mit einer schwärz­li­chen Flüs­sig­keit die wir jetzt der Ein­fach­heit hal­ber ein­mal »Szene« nen­nen. Nimmt man die Pipette der musi­ka­li­schen Krea­ti­vi­tät und füllt sie mit etwas die­ser Szene um sie dann auf ein Stück Papier zu tröp­feln das man anschlie­ßen fal­tet und auf­klappt, erhält man ein ver­wäs­ser­tes unwirk­li­ches und sehr blas­ses Bild einer Band oder eines Künst­lers. Lang­wei­lig und unförmig

Hin­ter­grund

Hin­ter­grund die­ser Annahme ist, das viele krea­tive Acts der Neu­zeit aus der Szene selbst ent­stam­men und auf­grund man­geln­der Alter­na­ti­ven beschlie­ßen, ihre eigene Musik zu machen. Zu den Anfän­gen der Szene war es ein ganz schö­nes Stück Arbeit, sich even­tu­ell Mit­mu­si­ker zu beschaf­fen und seine Musik popu­lär zu machen. Die Spreu vom Wei­zen trenn­ten die, die den Bands die Mög­lich­keit ein­räum­ten, Live zu spie­len und ein Publi­kum für sich zu erobern. Heute ist das ein biss­chen anders. Es ist viel leich­ter gewor­den, Musik zu machen. Com­pu­ter, Cas­ting­agen­tu­ren und Inter­net eröff­nen ganz neue Mög­lich­kei­ten der Selbst­dar­stel­lung, doch es ist auch viel schwe­rer gewor­den die Spreu vom Wei­zen zu tren­nen, denn die, die vor­se­lek­tier­ten, gibt es nun nicht mehr. Das führt dazu, das Unmen­gen an Bands prä­sent sind in denen die wah­ren (schwar­zen) Per­len unter­ge­hen. Die Musik­in­dus­trie steu­ert ihren Teil dazu bei. Schnell und bil­lig zu ver­mark­tende Bands wer­den gegrün­det, die den Musik­ge­schmack eines Publi­kums erfül­len sol­len, das sich sel­bige Indus­trie durch eben diese Hand­ha­bung vor gerau­mer Zeit selbst geschaf­fen hat. Fran­ken­stein ver­langt nach Musik.

Es braucht wie­der Destil­la­teure ohne (oder mit gerin­gem) kom­mer­zi­el­len Hin­ter­grund, die wie­der das her­aus­pi­cken was ihnen gut und rich­tig erscheint. Musik die dem eige­nen Geschmack ent­spricht, die man gut fin­det, die Inhalt hat, die super klingt. Ohne mir anma­ßen zu wol­len eine anstän­dige Destil­la­tion durch­zu­füh­ren möchte ich den­noch mei­nen Teil dazu bei­tra­gen. Wie das geht?

Destil­lat

Tropfen des DestillatesKom­men wir zurück zu dem Topf mit der schwärz­li­chen Flüs­sig­keit. Ich stelle die­sen Topf auf eine Koch­platte und beginne damit, die wäss­ri­gen Anteile zu ver­duns­ten. Die Ener­gie dafür fin­det sich im Bekann­ten­kreis und den Gruf­tiefreun­den, dem Inter­net selbst und zuwei­len sogar auf ambi­tio­nier­ten Tanz­flä­chen. Nach einer Weile bil­det sich ein Boden­satz, der Raben­schwarz ist. Ich brau­che nun keine Pipette der musi­ka­li­schen Krea­ti­vi­tät mehr, son­dern meine eigene und viel ein­fa­chere, denn das was im Topf übrig bleibt ist kon­zen­trier­tes musi­ka­li­sches Talent. Ich lasse den Trop­fen auf ein Blatt Papier fal­len, falte es sorg­fäl­tig um dann zu sehen was dar­aus gewor­den ist. Ein Kon­trast­rei­ches Bild vol­ler Facet­ten und kla­ren Struk­tu­ren, die Sicht­weise der Zuhö­rer bestimmt dabei, was es wird. Etwas gutes, oder etwas schlechtes.

Das muss jeder für sich selbst ent­schei­den. Aber es lohnt sich das Bild zu betrach­ten, denn schließ­lich besteht es aus dem, was bereits jemand gefil­tert oder kon­zen­triert hat, nach sei­nem eige­nen Geschmack, mit viel Hin­gabe oder auch ein­fach einem Bauch­ge­fühl. Ver­lasst euch nicht auf das, was Kri­ti­ker oder Charts euch vor­gau­keln, ver­lasst euch auf euren Geschmack. Blog­ger sind sol­che Fil­ter, die meis­ten, die sich in mei­ner Blo­grolle tum­meln, haben auch etwas für Musik übrig und meine Erfah­rung hat gezeigt, das die Tin­ten­kleckse ande­rer Blog­ger, die einen glei­chen Geschmack haben und die­selbe musi­ka­li­schen Vor­lie­ben tei­len, IMMER einen genauen Blick wert sind. Stel­len wir wie­der unpo­pu­läre, unbe­kannte Musik vor, die UNS gefällt. Die, die unse­ren Geschmack tei­len, wer­den es uns danken.

Umset­zung

Unter dem Schlag­wort Musik­per­len­tau­cher fin­det ihr hier Musik älte­rer Tage, die im Grunde genom­men einen Teil mei­nes Geschmacks dar­stel­len, in der ich mich auf für meine Begriffe unbe­kann­tere oder unpo­pu­lä­rere Musik kon­zen­triere, deren Exis­tenz ich gerne noch­mals in Gedächt­nis rufen möchte. Mitt­ler­weile gibt es dort schon eine Aus­wahl von rund 30 Per­len zu begut­ach­ten sind, wer wis­sen will was ich sonst noch höre, wirft einen Blick in mein Pro­fil bei last.fm. Unter dem Schlag­wort Tin­ten­kleckse stelle ich euch dem­nächst das Destil­lat zur Ver­fü­gung, meine per­sön­li­chen Tin­ten­kleckse und der Grund für die­sen Arti­kel. Mor­gen geht es um eine Band names Lei­chen­liebe, ich ver­spre­che, die Arti­kel wer­den kurz und knapp. Viel­leicht bin ich etwas zu phi­lo­so­phisch und bestimmt zu aus­schwei­fend, aber manch­mal ist das Bedürf­nis sich mit­zu­tei­len ein­fach zu ver­lo­ckend. Eure Meinung?

(Bild­quelle: Wiki­pe­dia, 96dpi/flickr.com)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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3 Kommentare

  1. Schön beschrie­ben, einen ähnli­chen Gedan­ken­gang hatte ich auch schon ^^ Ich glaube gerade jetzt, wo in den bekann­ten Musik­zeit­schrif­ten sowieso nur noch Bands auf­tau­chen, die man sowieso irgend­wie schon kennt, sind Blogs wie deine wirk­lich die Rettung.

    Mir blieb frü­her nichts ande­res übrig als auf eigene Faust zu suchen, bei alter Musik ist das nicht so das Problem,da sich schlech­tes Zeug meis­tens nicht bis heute hal­ten konnte. Aber bei neuen Sachen ist es wirk­lich manch­mal anstren­gend sich durch den gan­zen Mist zu wühlen…vielleicht hör ich des­we­gen vor allem eher ältere Musik…

    Freu mich auf dein Destillat =)

  2. Das ist der bis­her beste und tief­grün­digste Blog­ein­trag den ich zum Thema Musik gele­sen habe. Ich bin echt hin und weg. In jedem Satz kann man deine Liebe zum Detail erken­nen. Schön das es noch Men­schen gibt, die sich so Gedan­ken über die­ses thema machen.

    Lei­der ist es ja auch heut­zu­tage so, das mehr auf den Life­style wert­ge­nom­men wird, als auf die Musik. Und wenn wir gerade von ver­mark­ten­den Bands spre­chen, hat das immer einen Teil Psy­cho­lo­gie intus. Es wer­den ganz gewählt die Per­so­nen gewählt, wel­che auf jeden Fall anzie­hend auf ihre Kun­den (sol­che sind wir halt) wirken.

    Und du hast Recht. Blog­ger die den sel­ben Musik­genre wie ich bevor­zu­gen, besu­che ich beson­ders oft und lese ihre Ein­träge genauer. bzw ich schreibe inten­si­vere Kommentare.

    Ich suche gerne auf Mys­pace oder LastFm nach neuen Bands, oder frage Freunde nach neuen ent­de­ckun­gen, aber im Grunde hab ich die letzte Mei­nung ob ichs mag oder nicht^^

    Da ste­hen andere auch noch unter Gruppenzwang.

  3. @Atanua: Ich werde ver­su­chen, wei­ter­hin ein Destil­lat zu lie­fern, möchte aber kei­nen fes­ten Zeit­rah­men pro­phe­zeien. Ich stimme Dir aber abso­lut zu, in Zeit­schrif­ten, auf Fes­ti­vals und auch in Dis­co­the­ken wer­den immer die glei­chen Bands »her­um­ge­reicht« die mit dem eigent­li­chen Kern der Bewe­gung nichts mehr zu tun haben.

    @Äwe: Vie­len Dank für deine schwar­zen Blu­men, ich fühle mich geehrt. Die Suche ist jedoch immer schwie­rig und lang­wie­rig, denn im Inter­net gibt es bekannt­lich alles, man muss nur wis­sen wie man suchen muss. Wenn ich zu vir­tu­ell Gleich­ge­sinn­ten Kon­takt auf­ge­nom­men habe geht es mir ähnlich wie Dir, ich lese regel­mä­ßig und inten­si­ver als bei ande­ren »The­men­frem­de­ren« Sei­ten. Bei mir kommt auch immer noch die Stim­mung dazu, wenn ich mies drauf bin, finde ich natür­lich ten­den­zi­ell melan­cho­li­schere Musik bes­ser. Musik ist und bleibt eben doch Gefühlssache.

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