1 März

Kaltes, klares Wasser - Bettina Köster beim WGT 2010

Kategorie: Dunkle Klänge, Schwarze Szene — Jahrgang: 20102 Kommentare

Bild von Bettina KösterHeute wurde Bet­tina Kös­ter als Act auf dem Wave-Gotik-Treffen 2010 in Leip­zig offi­zi­ell bestä­tigt. Bet­tina Kös­ter? Etwas ungläu­big war ich bereits beim Ver­fas­sen der Zusam­men­fas­sung schwar­zer Som­mer ja schon, denn die Dame, über die John Peel mal gesagt hat sie sei die »Köni­gin der Geräu­sche«, ist jeden­falls für mich keine Unbe­kannte. Doch wer ist die bur­schi­kose Frau auf dem Bild?

Es muss wohl 1978 gewe­sen sein, als drei Frauen beschlos­sen für die weib­li­che Seite des Punk zu sor­gen und die Band Mania D zu grün­den. Bet­tina Kös­ter, Gudrun Gut und Beate Bar­tel stan­den jedoch für eine neue und expe­ri­men­tel­lere Art der Musik und waren eher Teil der auf­kom­men­den New Wave Bewe­gung, obwohl eine Ein­ord­nung auch hier schwer fällt. Als Teil einer neuen Eman­zi­pa­tion woll­ten sich die Ber­li­ne­rin­nen jedoch nicht ein­span­nen las­sen, son­dern brach­ten etwas sehr per­sön­li­ches und eige­nes an Tag, was sie schnell in Ber­li­ner Under­ground Krei­sen berühmt machte.

1981 grün­de­ten Gudrun Gut und Bet­tina Kös­ter die Band Mala­ria! und hol­ten sich Manon Pepita Duursma dazu, die als Gitar­ris­tin beim Nina-Hagen Pro­jekt OUT bereits Erfah­run­gen gesam­melt hatte. Zusam­men mit Chris­tine Hahn und Susanne Kuhnke ent­wi­ckel­ten sie dann eine sehr unter­kühlte Form des New Wave, das man spä­ter dem Dark-Wave zuord­nete und als tanz­bare Avantgarde-Musik auch in Künst­ler­krei­sen schwer ange­sagt war. Auf einer Tour­nee in Brüs­sel ent­wi­ckelte man den Song Kal­tes kla­res Was­ser als Teil eines Live-Programms, das sich aber zum Underground-Knüller ent­wi­ckelte und Mitte der 90er von den Chicks on Speed in seine popu­läre Ver­sion erho­ben wurde. Trotz ihrer musi­ka­li­schen Band­breite wur­den sie die­sen Song nie wie­der los, der so per­fekt reprä­sen­tiert, was hin­ter der neuen Deut­schen Welle wirk­lich steckt.

Zusam­men mit Sioux­sie and the Bans­hees, New Order oder auch Birth­day Party gelang­ten sie zu Aner­ken­nung auch in der schwar­zen Szene. Mitte der acht­zi­ger Jahre zog Kös­ter nach New York, hier pro­du­zierte sie einen Doku­men­tar­film über das Regime in Burma Ana­tomy of Ter­ror. Neben den Medium Film ver­sucht sich die Mul­ti­ta­len­tierte Kös­ter auch als Buch­au­to­rin. Mit Mar­tin Schacht arbei­tete Kös­ter, die heute in New York, Wien und Ita­lien lebt, zuletzt an dem Buch “Man­da­lay Moon”, erschie­nen bei Rowohlt im Som­mer 2007.

Ihre große Lei­den­schaft, die Musik, hat sie nie wirk­lich abge­legt und ist seit ihrer erfolg­rei­chen Zeit bei Mala­ria! immer wie­der in musi­ka­li­schen Pro­jek­ten zu fin­den, zuletzt machte sie mit der Band Auto­ner­vous 2007 von sich reden, bei der sie zusam­men mit Jes­sie Evans von The Vanis­hing mehr Per­for­mance als Musik, mehr Krach als Klang und mehr Kunst als Kom­merz. Und jetzt, ja jetzt lese ich, das Bet­tina Kös­ter beim WGT auf­tre­ten wird, was ich per­sön­lich für eine groß­ar­tige Idee halte und mich zusätz­lich ermu­tigt, dort hin­zu­fah­ren. Mir ist sie als Teil der schwar­zen Geschichte jeden­falls gut in Erin­ne­rung geblie­ben — Stü­cke wie das 1985 erschie­nene You, You sorg­ten für einen blei­ben­den Eindruck.

Was darf man erwar­ten? Eine schrul­lige ältere Dame mit Mund­har­mo­nika? Wer­den die unter­schied­li­chen Gene­ra­tio­nen in schwarz über­haupt etwas damit anfan­gen kön­nen? Einen Vor­ge­schmack lie­fert sie uns in ihrem MyS­pace Pro­fil, ich bleibe gespannt. Wer mehr über Mala­ria erfah­ren möchte kann bei m-enterprise fün­dig wer­den, wer mehr über ihr neues Album, das wohl­mög­lich der Grund für die neue Prä­senz ist wis­sen möchte, schaut beim Label Asi­nella Records vorbei.

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(Bild­quelle: MyS­pace Pro­fil von Bet­tina Kös­ter)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Klänge, Schwarze Szene
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2 Kommentare

  1. »Mitte der acht­zi­ger Jahre zog Kös­ter nach New York, hier pro­du­zierte sie einen Doku­men­tar­film über das Regime in Burma Ana­tomy of Ter­ror« — danke! *g*

  2. Der 2010 abge­sagte Auf­tritt wird wohl in die­sem Jahr nach­ge­holt. Zumin­dest ist Bet­tina Kös­ter mit einem Pro­gramm aus Malaria!-Stücken ange­kün­digt (Sonn­tag um 19 Uhr in der Sixtina).

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