17 Februar

Fehlfarben - Glücksmaschinen

Kategorie: Dunkle Klänge — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Neues Album der Fehlfarben - GlückmaschinenFrei nach ihrem eige­nen Motto »Es geht Voran!« ver­öf­fent­li­chen die Pro­to­ty­pen des deut­schen Punk Fehl­far­ben ihr neues Album Glücks­ma­schi­nen. Auf 34 Minu­ten geben sich die älte­ren Her­ren die Ehre. Ein Pun­kal­bum in Pun­klänge, auf das wesent­li­che redu­ziert. »Diese siebzig-Minuten-CDs gehen mir sowieso auf den Sack. Man muss nicht immer alles aus­rei­zen, was ein Medium her­gibt.«, so Peter Hein in einem Inter­view bei Spiegel-Online. Und tat­säch­lich, noch bevor ich das Album in den Hän­den hal­ten kann, ver­spricht das Pre­view und die digi­tale Ver­sion genau das, was in den letz­ten paar Jah­ren ver­lo­ren gegan­gen zu sein scheint. Die Sym­pa­thie, die ich für die Fehl­far­ben emp­finde, begrün­det sich eben auf die­ser Art die Rea­li­tät zu emp­fan­gen und zwar so wie sie ist. Auch musi­ka­lisch sind sie im Jetzt ange­kom­men, denn sie zei­gen sich deut­lich elektronisch-moderner, ohne jedoch dem Punk­rock abzuschwören.

Hein, des­sen Leben erschre­ckend rea­lis­tisch und »unpun­kig« abge­lau­fen ist, lebt jetzt in Wien nach­dem er seine Stelle bei Rank Xerox dem Stel­len­ab­bau opfern musste. »Hartz IV wollte ich nicht, also bin ich aus Deutsch­land weg­ge­gan­gen, nach Wien. Ich habe nicht gesagt: Ich geh jetzt nicht mehr arbei­ten, weil ich doch noch Pop­star werde, auf die alten Tage.« Nach der Ent­schei­dung 2002 wie­der Musik zu machen und einige glück­lo­sen Alben hat man sich jetzt dem Pro­du­zen­ten Moses Schnei­der (Toco­tro­nic, Beatsteaks) anver­traut und das neue Album ein­ge­spielt, eine Sin­gle aus­ge­kop­pelt, ein Video gedreht und eine Tour geplant. Das Kon­zept scheint gelun­gen, mir jeden­falls gefällt das, was ich vom neuen Album schon hören konnte sehr gut. Es scheint über­ra­schend wie viel Ener­gie frei wird, ange­sichts der älte­ren Her­ren in Style der 70er Jahre Tape­ten. Doch alles andere wäre eine Lüge gewe­sen, die Lüge die eige­nen Wur­zeln aus­zu­blen­den und die Lüge das Jetzt nicht als musi­ka­li­schen Ent­wick­lung zu akzep­tie­ren. »Wir war­ten, ihr habt die Uhr — wir die Zeit«, passt so ganz zu der Stim­mung die der Song ver­brei­tet. Ein Leben seine Ideale anzu­stre­ben ohne das Leben selbst als Ideal zu sehen, ist genau nach mei­nem Geschmack. Auch die Texte der rest­li­chen Lie­der sind viel­schich­tig, ohne dabei ins lyri­schen zu drif­ten oder sich mit Pole­mik zu schmü­cken. Wer also mal wie­der ein Stück deut­sche und ehr­li­che Musik haben möchte, sollte sich das Album unbe­dingt näher anschauen, ehr­li­cher Post­punk­rock­sound mit wavi­gen Anlei­hen und extre­mer Tanz­bar­keit.  Alles wei­tere gibt es auf der Inter­net­seite der Fehl­far­ben oder auf der ent­spre­chende Rubrik beim Label tape­te­re­cords.

(Bild­quelle: Kim Frank, Tape­te­re­cords)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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