3 September

Tintenkleckse: The Sunday Reeds

Kategorie: Dunkle Lichtblicke — Jahrgang: 20103 Kommentare

Ich gebe zu, nach The Birth­day Party mir lange nichts ver­nünf­ti­ges mehr aus Aus­tra­lien zwi­schen die Kopf­hö­rer gekom­men. Ich gebe auch zu, dass sicher­lich einige Grup­pie­run­gen dabei sein wer­den, die ich bewusst und unbe­wusst ver­passt habe — aber das Leben macht keine Pause, für nie­man­den. Es wird wie­der Zeit die schwarze Tinte zu neh­men um sich von des­sen Ergeb­nis auf einem wei­ßen Blatt Papier beein­dru­cken zu lassen.

Der Trop­fen fällt, sorg­fäl­tig falte ich das Blatt und betrachte das Werk: The Sun­day Reeds

Nach­dem die Aus­tra­lier Romana Ash­ton und Drew Jones aus Mel­bourne auf ihrem Debüt-Album »Drow­ning in History« noch als Duo zu sehen sind, haben sie sich inzwi­schen mit Andy Daw­son einen fes­ten Drum­mer zuge­legt um ihr Defi­ni­tion von Musik auf Live unter die Men­schen zu tra­gen.  Kunst spielt bei den Aus­tra­li­ern ein wich­tige Rolle, so ist Sun­day Reed eine Art Schutz­pa­tro­nin der Kunst, denn schon in den 30er und 40er Jah­ren unter­stütze sie aus­tra­li­sche Künst­ler bei ihrer Arbeit.  Romana Ash­ton hat in Lite­ra­tur und Kul­tur­stu­dien pro­mo­viert und gibt zu, die­ses Ein­flüsse nicht ver­ste­cken zu wol­len »I care just as much about wri­t­ing music/lyrics as I do about the kind of clips we make and the „feel” of the band. I have a PhD in liter­ary and cul­tu­ral stu­dies so I can never be, you know, some kind of roman­ti­ci­zed high­school rock „n” roll drop out. I’m not, so I’m not going to pre­tend to be.»1

Die eigene Mess­latte liegt hoch. Der Sound der Band erin­nert stark an die 80er Jahre und las­sen sich wohl mit einem Mas­hup aus New Wave, Post-Punk und Sho­egaze beschrei­ben, der in das musi­ka­li­sche Erbe von »The Jesus and Mary Chain«, »The Pixies« oder auch »The Vel­vet Under­ground« erin­nern ohne jedoch das­selbe noch ein­mal zu ser­vie­ren.  Das Stück »Walk Away« mit dem ich jede Berüh­rungs­angst abge­legt habe, ist neben dem melan­cho­li­schen Tenor ein Stück, das alle klang­li­chen Ele­mente sau­ber von­ein­an­der trennt um am Ende doch stim­mig zu klingen.

Auch rein visu­ell möchte man sich nicht auf fal­sche Fähr­ten locken las­sen und hat sich mit Tris­tan Davies einen ambi­tio­nier­ten Foto­gra­fen mit ins Boot geholt, der mit »Walk Away« auch seine ers­ten fil­mi­schen Rei­sen unter­nimmt. Kein schlechte Wahl wie ich meine, sie ver­hel­fen der Band, die beim bri­ti­schen Indie-Label Squir­rel­re­cords unter­ge­kom­men ist, zu einen sehr anspre­chen­den Auf­tritt. Auch in Sachen Abwechs­lung kön­nen die Aus­tra­lier punk­ten, das Stück »Hand­gun to my Heart« mit deut­li­chen Anlei­hen an alte Ramo­nes oder The Cramps Klas­si­ker schleicht sich wie ein Ohr­wurm zwi­schen die Syn­ap­sen. Nicht still und heim­lich, son­der rau und laut — eine gutes Pen­dant zum getra­ge­nen »Walk Away«.

Neh­men wir ein­mal von Szene-Einordnungen Abstand, zumal Romana selbst dar­über sagt: »I would have to say that there really isn’t a „scene” so to speak in Aus­tra­lia. Maybe it is because the popu­la­tion is rela­tively small and cities so far apart. It means that it is hard to get a strong scene going. It sucks really and it seems that in spite of glo­ba­liza­tion Australia’s geo­gra­phi­cal loca­tion still does define it’s cul­ture. We find that there’s just a real lack of style or app­re­cia­tion of style.« Umso schwie­ri­ger wird es letzt­end­lich sei­nen eige­nen Platz zu fin­den, aber umso ein­fa­cher sich selbst zu verwirklichen.

The Sun­day Reeds: Eigene Home­page, Pro­fil bei MyS­pace (auch Bildquelle)

  1. Alle Zitate stam­men aus einem Inter­view mit dem Hea­ring Voices Maga­zin vom Dezem­ber 2009 — THE SUNDAY REEDS Inter­view (ger­man & english) []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Lichtblicke
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3 Kommentare

  1. @ Robert: Nice. Gab es nicht mal »Walk away« von den Sis­ters? Und Dei­nen letz­ten Satz ver­stehe ich nicht, wie will man denn sei­nen Platz fin­den, ohne sich selbst zu ver­wirk­li­chen?
    Und off-topic: Warum gibt es in letz­ter Zeit so wenig Kom­men­tare? Ich fühle mich fast genö­tigt, zu jedem Thema etwas zu schrei­ben, auch wenn ich nicht zu jedem Thema etwas sinn­vol­les bei­tra­gen kann. Macht mich gerade nicht wirk­lich fröhlich.…

  2. Rich­tig, gab es schon von den Sis­ters of Mercy, ist aber kein Cover soweit ich das nach­voll­zie­hen kann. Mein letz­ter Satz erklärt sich wie folgt: Ohne wirk­lich musi­ka­li­sche Sze­nen in Aus­tra­lien fällt es den Sun­day Reeds wohl schwer, den Platz für ihre Musik zu fin­den. Auf der ande­ren Seite ist man dann aber auch nicht in einem begriff­lich musi­ka­li­schen Kor­sett ein­ge­schnürt, son­dern hat alle Frei­heit sich selbst neu zu entdecken.

    Zu Off-Topic: Gute Frage. Die Anzahl der Leser hat (rein sta­tis­tisch) nicht abge­nom­men, son­dern ist kon­stant. Ich kann Dir diese Frage auch nicht beant­wor­ten, ich denke ich halte meine Arti­kel offen, so das es noch genü­gend Dis­kus­si­ons­be­darf gibt ohne dabei auf Infor­ma­tion zu ver­zich­ten. Kann natür­lich auch sein das ich etwas über­sehe, umso schö­ner wäre es, wenn die Leser dazu ihr Feed­back geben wür­den. Dann würde es sicher­lich auch Dir wie­der Spaß machen zu kom­men­tie­ren. Eine Nöti­gung soll nicht dabei sein :)

  3. Naja, mit der Frei­heit schafft man sich doch sei­nen Platz, weil man neu ist? Viel­leicht?
    @Robert: Eine direkte Nöti­gung besteht natür­lich nicht. Ich lese es wirk­lich gerne, daß die Zahl der Leser kon­stant ist.
    Mit »genö­tigt« meinte ich etwas ande­res: Eine »0« bei den Kom­men­ta­ren mag ich nicht.

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