27 Oktober

The Prodigy - Invaders must Die (Remix)

Kategorie: Dunkle Lichtblicke — Jahrgang: 20098 Kommentare

invaders must die - special editionJa, selbst­ver­ständ­lich weiß ich, dass das Album schon län­ger auf dem Markt ist. Ich bin nur eben etwas lang­sa­mer und außer­dem gibt es gerade aktu­ell noch­mals eine neue 2 CD + 1 DVD Spe­cial Box die mich noch­mal daran erin­nert hat mei­nen Senf zum Album nie­der­zu­schrei­ben. Das passt natür­lich auch in die ver­län­gerte Tour der Bri­ten und zeigt wie­der ein­mal, das die mit allen Mar­ke­ting­was­sern gewa­schen sind und den Hals nicht voll bekom­men können.

Ich weiß jetzt gar nicht genau wann ich die ers­ten Berüh­rungs­punkte mit der Musik der unge­wöhn­li­chen Bri­ten hatte, ich glaube es war das Stück Out of Space, das im Win­ter 1992 meine Gehör­gänge erreichte. Obwohl es musi­ka­lisch in eine deut­lich andere Rich­tung strebte, als die sonst von mir bevor­zug­ten Musik­stile, bin ich den Eng­län­dern über all die Jahre immer treu geblie­ben und war fas­zi­niert von dem Ein­falls­reich­tum und den immer wie­der neuen Rich­tun­gen in die sie sich ent­wi­ckel­ten. Nach­dem die ers­ten Alben noch recht ravige Klänge behei­ma­te­ten, ist man einer kon­ti­nu­ier­li­chen här­te­ren Gang­art gefolgt. Spä­tes­tens mit dem Stück Fire­star­ter vom Album The Fat of the Land läu­tete man eine andere Gang­art ein.

Dem folgte nun auch der jüngste Streich, Inva­ders must Die. Kri­ti­ker bescher­ten dem Album durch­wach­sene Beur­tei­lun­gen, denn die meis­ten hat­ten wohl etwas ande­res erwar­tet. Aber das ist genau die Eigen­schaft von The Pro­digy, die ich schät­zen gelernt habe. Tue das uner­war­tete und scheiße auf das was andere von Dir möch­ten. Nach einige Stü­cken, die schon vorab im Netz und den Medien ver­teilt wur­den zün­dete man die kom­plette Bombe im Februar die­ses Jah­res. Nach anfäng­li­chen Unken­ru­fen sind die Kri­ti­ken jetzt auch deut­lich bes­ser gewor­den, denn The Pro­digy muss man ein­fach lie­ben ler­nen. Kurio­ser­weise kenne ich viele Men­schen aus der schwar­zen– und Gothic­szene, die eine Lei­den­schaft für die Band tei­len, auch bei denen die dem Genre EBM eher abge­neigt sind. Hier kann man die Musik von The Pro­digy aber auch nicht wirk­lich ein­ord­nen. Lange Rede, kur­zer Sinn, jetzt wird auf Play gedrückt:

Wie bei den ande­ren Pro­digy Alben auch, gefal­len mir per­sön­lich auch die­ses mal nicht alle Stü­cke. Der gleich­na­mige Titel Inva­ders must Die, mit dem das Album eröff­net wird, gefällt mir lei­der nicht so rich­tig. Omen macht seine Sache da schon deut­lich bes­ser, was sofort ins Ohr schlägt, sind die Retro-Synthie’s, die man von vie­len älte­ren Stü­cken gewohnt ist. Das Stück ist unter­bro­chen von Gesangs­tei­len die jedes­mal wie­der im typi­schen Big-Beat Regen enden. Mit Thun­der folgt dann eines mei­ner Favo­ri­ten. Groß­ar­tige Bass­line, ver­zerrte Gitar­ren gepaart mit einem recht ein­fa­chen Text und einer schö­nen gesam­pel­ten Melo­die, die in den typi­schen Pro­di­gy­klän­gen har­mo­nisch auf­geht. Herr­lich. Colours geht das wie­der etwas in eine neue Rich­tung und ist schnel­ler und rauer ein­ge­spielt und erschließt sich nicht gleich dem Zuhö­rer. Die 8-bit-Sound Anlei­hen machen ihre Sache gut, kön­nen dem Stück aber nicht aus dem Durch­schnitt empor hel­fen. Take me to the Hos­pi­tal ist ein Kra­cher, als das Live auf dem Mera Luna 2009 zu hören war, trennte sich die Fan-Gemeinde in Spreu und Wei­zen. Ein sehr kör­per­li­ches Gefühl, das für man­che sicher im Kran­ken­haus geen­det haben dürfte. Gleich dahin­ter schon wie­der einer mei­ner Favo­ri­ten, Warrior’s Dance, das deut­lich ruhi­ger beginnt und sei­nen Span­nungs­bo­gen so ange­nehm lang­sam spannt, bis es in einer Break-Beat Orgie seine Höhe­punkte fei­ert. Erst­klas­sig, spä­tes­tens hier hat sich das Album schon gelohnt. Run with the Wol­ves klingt zunächst etwas unty­pisch, leuch­tet dann aber ein und erin­nert mich etwas an das Vor­gän­geral­bum. Gefällt mir nicht so, ebenso wie der über­flüs­sige Reprise von Omen, den man prima als Tea­ser des eigent­lich Songs lau­fen las­sen kann. World’s on Fire ist irgend­wie blöd, kann ich mich gar nicht anfreun­den, auch das fol­gende Piranha ist nicht mein Geschmack. Der Schluss des Album heißt Stand up und ist eine Chill-Out-Hommage an das mehr als kraft­volle Album.

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(Bild­quelle: Pro­digy)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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8 Kommentare

  1. Also ich kann grad »Warrior’s Dance« ja über­haupt nicht lei­den, weil sie da mit dem typisch nöli­gen weib­li­chen 90s-Euro-Dance-Gesang den Retro­bo­gen für mich ein­deu­tig über­spannt haben. Der Rest des Albums war ja aber dage­gen total mein Fall. Aber die Geschmä­cker gehen eben aus­ein­an­der. Inter­es­sant ist nur immer wie­der, wie viele Leute doch wirk­lich Pro­digy hören, obwohl sie mit ähnlich gear­te­ter Musik sonst nix anfan­gen können.

  2. Ja, das finde ich eben­falls erstaun­lich. Ich habe schon die unter­schied­lichs­ten Szene-Vertreter ken­nen­ge­lernt, die alle­samt The Pro­digy als gemein­sa­men Nen­ner ange­ben kön­nen. Wir sind das beste Bei­spiel, denn eigent­lich haben wir einen unter­schied­li­chen Geschmack (siehe Warrior’s Dance) und doch fin­den wir das Album gut, sehr erstaunlich :)

  3. hmm, bis auf oben genann­tes »out of space« und »fire­star­ter« kenn ich nicht wirk­lich groß was von pro­digy, aber die zwei haben sie gut gemacht — auch wenn mad­ness oder peter tosh »out of space« für mich coo­ler spie­len! jaja, alle klauen beim ska/reggae ;)

  4. @Robert: Stimmt!

    @tobi: Peter Tosh und Mad­ness haben’s aber wie­derum auch nur geco­vert! Das Ori­gi­nal war »Chase the Devil« von Max Romeo (Pro­du­ziert von Lee Scratch Perry), aus dem auch das Sample bei »Out Of Space« stammt.

  5. was meine aus­sage ja nicht ändert, ist max romeo ja nun auch ein­deu­tig als ras­ta­künst­ler in die ska/reggae-ecke einzuordnen.

    aber danke für den hin­weis beet­freeq, kannte bis­her als älteste ver­sion die von peter tosh. wie sagte lenin: ler­nen, ler­nen, lernen.

  6. @tobi: So ist es, es klauen zwar nicht alle in die­sem Genre, aber gerne bedient man sich ein­gän­gi­gen Sam­ples. Solange es wenigs­tens krea­tiv wei­ter­ver­wen­det wird, oder anstän­dig dar­ge­bo­ten wird, habe ich auch nichts dage­gen. Die Ver­sion von Mad­ness ist übri­gens klasse, die kannte ich noch nicht.

    @beetFreeQ: Zu Peter Tosh finde ich auch nichts, ist offen­bar auch auf kei­nem sei­ner Alben ent­hal­ten. Dafür habe ich beim stö­bern die wohl schlech­teste Cover­ver­sion gefunden.

  7. zu peter tosh kann ich dann nur sagen: böses inter­net, böses :)

    und zu der mad­ness ver­sion, das ist von der »dan­ger­men s.1″, wo mad­ness nur gei­les aus alten ska­ta­gen covert — sehr gei­les album!

  8. Ich wollte dich auch nicht wider­le­gen — nur ein paar Infos dazu packen ;)

    Biste dir aber sicher, dass Peter Tosh es auch gesun­gen hat? Wenn ich danach bei Google suche, bekomme ich nur diverse nicht ganz legale Down­loads und ein Youtube-Video, das aber falsch mit »Peter Tosh — Out Of Space« beti­telt ist, denn das ist die Ver­sion von Max Romeo.

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