15 März

Kinder des New Grave - O.Children

Kategorie: Dunkle Lichtblicke — Jahrgang: 20107 Kommentare

Die Band o.childrenImmer wenn man glaubt, man hat alles gehört und alles gese­hen und ist gerade dabei sich auf sei­ner Mischung aus Weis­heit und Alters­starr­sinn aus­zu­ru­hen, kommt ein neuer Song um die Ecke geschli­chen und haut dich aus den Pikes. Die britisch-französische Band O.Children hat mit ihrem Debüt Dead Disco Dance schon kleine Wel­len schlu­gen und mit zahl­rei­chen Auf­trit­ten ihrer Wahl­hei­mat Lon­don schon dafür sorg­ten das eben diese Debüt aus­ver­kauft ist, sind wie­der da — dies­mal mit ihrem neuen Gänsehaut-Titel Ruins.

Der opti­sche Ein­druck ent­spricht so gar nicht den Vor­stel­lun­gen gän­gi­ger Kli­schees wenn man im Zuge von Post-Punk und New Wave von einer Band spricht, die viele an Joy Divi­sion oder die Sis­ters of Mercy erin­nert. Sän­ger Tobias O’Kandi der mit sei­ner tie­fen Stimme schon am ehes­ten Ian Cur­tis ent­spricht, sieht sich aber lie­ber in den Fuß­stap­fen von Bau­haus: »I have a very deep voice, and with my deep voice I thought I could have more range by using it in that way. We never said, we want to sound like joy divi­sion; we want to sound like Bau­haus or anything.»1 Aber anstatt in den tie­fen Spu­ren zu ver­sin­ken, geht man neben­her, wenn auch in die glei­che Richtung.

Der Band­name O.Children, der von einem Song der Bad Seeds inspi­riert wurde und die Musik, deren Sound zwi­schen den Sis­ter und Bau­haus schwankt inspi­rierte die eng­li­sche Presse bereits zur Schaf­fung eines neuen Genre, dem New Grave, dem Tobias aber so gar nicht gerecht wer­den möchte. »Its cool they’re get­ting a second wave, what with films and movies going out, and ever­yone is cal­ling us new grave, but that’s not we deci­ded to be it just tur­ned into the sound we have which is defi­ni­tely influ­enced by the post punk bands, gothic as well but were not try­ing to be like them, we’re just try­ing to be a good pop band with dar­ker ele­ments.»2

Nach­dem sich Andi Sleath (Schlag­zeu­ger) und bereits Ein­gangs erwähn­ter Tobias O’Kandi in der New Rave For­ma­tion Bono must Die ver­such­ten, grün­de­ten sie zusam­men Gaut­hier Ajar­rista (Gitarre) und Harry James (Bass) im Juni 2009 die O.Children um nach eini­gen Auf­trit­ten im Sep­tem­ber ihr auf 300 Stück limi­tier­tes Debüt Dead Disco Dan­cer zu ver­öf­fent­li­chen. Für ihren neu­es­ten Streich, den Song Ruins suchte man sich ein Abbruch­rei­fes Gebäude, das Andi Sleath auf dem Blog des Labels Deadly Pepole beschreibt: »Gene­ra­tors broke, I inha­led asbe­stos. Three dif­fe­rent hi fi’s refu­sed to play our song. And after­wards I took these pic­tures on my own…my band laug­hed at me for it but no one was brave enough to ven­ture where I went.« Und tat­säch­lich ver­strömt das Video genau das, was der Song erwar­ten lässt. Die Mischung aus Geheim­nis­vol­len und Ver­gan­ge­nem gepaart mit eine äußerst bril­lan­ten Stück schmeckt mir beson­ders gut.

Jetzt aber genug gere­det, Video abspie­len, Gän­se­haut bekom­men und Kommentieren.

Nach­schlag? Im Round­house waren sie Live zu sehen und am 19. April erscheint das Album, eine aus­führ­lich Rezen­sion gibt es dann wie­der bei Spon­tis zu lesen.

(Bild­quelle: Guy Ste­phens — Deadlypeople.co.uk)
  1. Inter­view auf dem Blog Sur­vive the Jive vom 9. Sep­tem­ber 2008 []
  2. Ref:1 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkle Lichtblicke

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7 Kommentare

  1. Huiui, na das gefällt doch!
    Genau meine Kra­gen­weite, aber das ist ja schon nor­mal, wenn ich einem Musik­tipp von Robert nachgehe :)

    Ich frage mich aller­dings gerade irgend­wie, warum es im Wave– und Post-Punk-Umfeld so wenige Leute mit afri­ka­ni­schen Wur­zeln gibt. Fällt mir hier erst so rich­tig auf…

  2. Auf jeden Fall ein hüb­scher Sound.
    Gefällt mir immer mehr, je öfter ich es hör”. :)

    Ich glaub, ich ent­wi­ckel mich hier zum Blog­mit­le­ser. ;D

  3. @Karnstein: Die Frage habe ich mir auch gestellt. Rein sub­jek­tiv lie­gen die Prio­ri­tä­ten der dun­kel­häu­ti­gen Bevöl­ke­rung deut­lich im R’n’B, Rap, Hip Hop oder auch im Jazz, Soul und Funk. Viel­leicht weil das schon immer so gewe­sen ist, man erin­nere sich an die ers­ten musi­ka­li­schen Grö­ßen der USA im Bereich des Soul. Inter­es­sant finde ich in die­sem Zusam­men­hang, das die Skinhead-Kultur die letzte wirk­li­che Misch­kul­tur gewe­sen ist, bevor man sich dort radi­ka­li­sierte oder im Punk auf­ging. Viel­leicht liegt auch der Abgren­zungs­ge­danke nahe, denn weiße Kids müs­sen sich in wei­ßen Län­dern von ihres­glei­chen Abgren­zen, schwarze Kids wer­den und wur­den oft­mals pau­schal ausgegrenzt.

    @TheRisen: Das freut mich natür­lich sehr, zum einen sind mir Men­schen mit glei­chen musi­ka­li­schen Vor­lie­ben sowieso sym­pa­thisch und zum zwei­ten freut es mich, wenn auch einer liest was ich so verzapfe :)

  4. Vie­len Dank für die­sen Tipp. Ich bin noch nicht ganz über­zeugt, weil ich so sub­til den Ein­druck habe, dass der Sän­ger seine Stimme so tief setzt, dass es gewollt klingt. Das mag ich nicht so. Könnte aber an der Ablen­kung durch das Video lie­gen. Ich denke, ich werde es mir mal über Kopf­hö­rer rich­tig anhö­ren. Die Musik ist jeden­falls klasse.

  5. @Orphi: Es bleibt natür­lich abzu­war­ten, wie sich die Band ent­wi­ckelt und wie authen­tisch der Sän­ger wirk­lich ist. Wenn es sich bei der Art des Gesangs um eine Sei­fen­blase han­delt, kann diese nicht lange hal­ten. Bin gespannt was das Album hergibt.

  6. Anläss­lich der Dis­kus­sion über die »wahre Szene«, alte und neue Strö­mun­gen und Ver­klei­dun­gen oder Nicht-Verkleidungen zu spä­ter Stunde noch zwei Tintentklecks-Vorschläge. Ein­fach, um an die Anfänge der Szene zu erin­nern. Es gibt ja viel­leicht jün­gere Leser, die diese Bands nicht ken­nen oder nicht wis­sen, dass das die Urvä­ter der New Wave Bewe­gung waren. Logi­scher­weise kön­nen sie dann auch nicht nach­voll­zie­hen, was die Älte­ren eigent­lich immer zu Meckern haben. Ich fänd ent­spre­chende Por­taits des­we­gen ganz nett.

    Public Image Limited (Übri­gens die erste Sin­gle, die ich mir in mei­nem damals noch jun­gen Leben über­haupt gekauft habe)

    Tal­king Heads

    http://www.youtube.com/watch?v=-io-kZKl_BI

    So und nun halte ich mich mit Kom­men­ta­ren erst­mal zurück, sonst hol ich noch Vizioon ein. :-)

  7. @Orphi: Gute Vor­schläge, ich werde mir eine ent­spre­chende Tintenklecks-Umsetzung über­le­gen, denn als Por­trät im klas­si­schen Sinne war das eigent­lich nie ange­dacht, es über­schnei­det sich aber mit einer Idee, die ich schon län­ger hege und har­mo­niert des­halb in einem völ­lig neuen und span­nen­den Kontext.

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Trackbacks

  1. deadlypeople schreibt:

    For those who read Ger­man, a great review. RT @TopsyRT: Kin­der des New Grave — O.Children http://bit.ly/ci7Yap