10 Mai

Musikperlentaucher - Tauchgang #13

Kategorie: Back to the Roots — Jahrgang: 20106 Kommentare

Last Man in Europe - A Certain Bridge

Die Ein­flüsse sind unüber­hör­bar, jedoch sind Last Man in Europe mit ihrem Stück, das 1981 erschien der Zeit eine Weile vor­aus und legen schon jetzt den Grund­stein für das, was man spä­ter wohl Dark­wave oder auch Cold­wave nen­nen würde. Benannt nach einem der Original-Titel des Orwell Klas­si­kers 19841 wurde sie mit ihrer als Sin­gle gedach­ten Platte bei Coc­teau Records unter Ver­trag genom­men und pro­du­zier­ten lei­der nur diese eine Sin­gle. Schade eigent­lich. Über die Band wurde nicht viel über­lie­fert, aus­ge­dehnte Recher­che im Netz blieb bis jetzt erfolg­los und doch hat das Stück auf der 7″ Platte bis heute Kult-Status und Sammlerwert.

Engelsstaub - Victim of Love

Obwohl die Ver­bin­dung mit der Droge Angel­dust auf der Hand liegt, gehts es der 1992 in Kas­sel gegrün­de­ten Band mehr um den eso­te­ri­schen Ansatz. Was Mark Hoff­mann, der von der Band Les Fleurs Du Mal stammte, zunächst als Solo­pro­jekt ange­dacht war endete mit sei­ner Schwes­ter Silke Hoff­mann in der For­ma­tion, die mit Vic­tim of Love eine Under­ground Hit der Szene form­ten. Auch ich konnte mich Anfang der 90er der Magie des Stü­ckes nicht ent­ziehe. Das 1993 erschie­nene Debüt­al­bum Mal­leus Male­fi­carum zählt daher zu den Geheim­tips der Szene. Kis­sed by God (Video) oder auch Fal­len Angel füll­ten regel­mä­ßig die Tanz­flä­chen. Es liegt wohl am sub­ti­len und ein­dring­li­chen Cha­rak­ter der rau­hen Songs, die dem Neo­folk oder Darkwave-Genre eine ganze neue Rich­tung zei­gen. Das Werk Ignis Fatuus: Irr­lich­ter knüpfte an den Erfolg an und ent­hält mit Vic­tim of Love den größ­ten Erfolg der Band. Zwei wei­tere Alben folg­ten, doch seit 2002 ist es ruhig gewor­den. Es wurde zwar ein neues Album für 2010 ange­kün­digt, bis jetzt steht aber noch kein offi­zi­el­ler Ter­min fest.

Skeletal Family - This Time

»I don’t care what people say. I’m not gonna hide away. Tomor­row, Today, i don’t care what people say.« Lebens­weis­heit, Ein­stel­lung, Auf­fas­sung? Seht es wie ihr wollt. Mir spricht die Ske­l­etal Family damit aus der Seele. 1985 auf dem Album Futile Com­bat ver­öf­fent­licht erreichte der Song erst Jahre spä­ter mein Gehör, denn obwohl ich die Ske­l­etal Family für Pro­mi­sed Land immer geliebt habe, machte eine chro­ni­sche lee­rer Geld­beu­tel wei­tere Käufe unmög­lich. This Time hat übri­gens die ein­drucks­volls­ten und stil­si­chers­ten Ein­lei­tung die je mein Ohr erreicht hat. So treff­si­cher schafft es kaum ein ande­rer Song das Genre Mitte der 80er  zu defi­nie­ren. Spä­tes­tens wenn Anne-Marie Hurst aber zum Mikro­fon greift, schei­den sich aber die Geis­ter. Nicht bei mir, doch beim Geschmack vie­ler Gesprächs­part­ner. Die Klang­qua­li­tät des Video ist zwar eher beschei­den und ver­lockt gerade zum Kauf des Songs oder des Albums.

Zum Abschluss: Bevor ich mit dem nun 13. Tauch­gang des Musik­per­len­tau­chers beende, möchte ich auf eine ähnlich Serie bei Karn­stein und sei­nen Otranto-Archiven hin­wei­sen. Im Ohr­wur­malarm, den er mit einem Bild tref­fend in Szene setzt, wid­met er sich eben­falls alten Wave– und Gothic Klas­si­kern die er sich zwar ein­zeln, aber aus­führ­lich zu Gemüt führt. So gibt es im aktu­el­len Bei­trag eine Exkur­sion in die Schweiz, nach­dem er mit Psy­che in Mis­te­riöse Tie­fen kroch.

  1. Aus dem eng­li­schen Wiki­pe­dia zum Orwell-Roman 1984: »The Last Man in Europe was one of the ori­gi­nal tit­les for the novel, but, in a 22 Octo­ber 1948, let­ter to publis­her Fre­de­ric War­burg, eight months before publi­ca­tion, Orwell wrote him about hesi­ta­ting bet­ween The Last Man in Europe and Nine­teen Eighty-Four;yet War­burg sug­gested chan­ging the Man title to one more com­mer­cial.« []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Back to the Roots
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6 Kommentare

  1. Song 1: Cool, erin­nert mich an SoM und Joy Divi­sion in einem Song!
    Song 2: naja, bei »eso­te­risch« schalte ich grund­sätz­lich ab, trotz­dem hab ich es mir ange­hört, lei­der nichts.
    Song 3: Da kann die Qua­li­tät so schlecht sein wie sie will, es ist wunderschön

  2. @Vizioon: Stimmt, Song 2 ist etwas Gen­re­über­grei­fend und daher Geschmacks­sa­che. Ist so eine Mischung aus Neo­folk und Dark­wave irgend­wie. (Find ich jedenfalls)

  3. kann mich nur Vizioon anschlie­ßen.
    Wobei mir beson­ders der 1.Song gefällt. Wirk­lich schade das da nicht mehr von denen gibt.
    So jetzt werde ich mir mal den Ohr­wur­malarm anschauen.

  4. @funkygog: Aber mach nicht zu laut um diese Uhr­zeit, nach­her glau­ben deine Nach­barn du fei­erst eine schwarze Messe :)

    Zu »Last Man in Europe« — Auch Infor­ma­tio­nen zu die­ser Band sind mehr als dünn gestreut. Ich habe bei Erstel­lung die­ses Arti­kels inten­siv bei Google gewühlt und par­al­lel in mei­nem Zeit­schrif­ten­ar­chiv nach­ge­schla­gen. Die Band ging wohl wie sie kam. Schade, da gebe Dir völ­lig recht.

  5. Oh, vie­len lie­ben Dank — für die Erwäh­nung ebenso wie für deine musi­ka­li­schen Per­len. Ich kenne noch kei­nen der Songs, genau genom­men kenne ich die ers­ten bei­den Bands nicht ein­mal, aber nach einem ers­ten Rein­hö­ren gefällt mir das alles schon wie­der aus­ge­spro­chen gut ^^

    Am Rande erwähnt geht es in mei­ner Serie aber tat­säch­lich um meine Ohr­wür­mer. Wenn ich einen Song mehr als einen Tag im Kopf hatte und es etwas halb­wegs Inter­es­san­tes dar­über zu erzäh­len gibt (oder ich das Ganze für aus­rei­chend unbe­kannt halte), erst dann schreibe ich auch dar­über. Daher ist es auch immer nur einer :)

  6. @Karnstein: Das es »nur« einer ist und um dei­nen aktu­el­len Ohr­wurm han­delt ist auch gut so. Ich finde wenn sich jemand krea­tiv damit befasst alte und even­tu­ell unge­hörte Klas­si­ker auf­zu­be­rei­ten immer bes­ser, als Songs in lust­lo­ser Rei­hen­folge auf­zu­rei­hen. Und da unser Musik­ge­schmack in wei­ten Tei­len überein­stimmt, ist die Wahr­schein­lich­keit sehr hoch, das einer dei­ner Ohr­wür­mer sich auch bei mir ein­nis­tet. Und damit wäre für mich dann der Zweck erfüllt. Manch­mal hört man Songs, die man zwar in sei­ner Plat­ten­samm­lung hat, aber noch nie auf­ge­legt hat ;)

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