12 Juli

Man in Black: Johnny Cash

Kategorie: Back to the Roots — Jahrgang: 20109 Kommentare

Nicht immer bekommt man Ant­wor­ten dort, wo man sie ver­mu­tet. Nicht immer haben die, die Fra­gen stel­len, auch wirk­lich nach Ant­wor­ten gesucht.

In den frü­hen 70er frag­ten begann Country-Sänger Johnny Cash nur noch in schwar­zer Klei­dung auf­zu­tre­ten, was im extre­men Gegen­satz zu dem stand, was andere Musi­ker die­ses Genre in ihren kitschig-bunten Hem­den dar­stell­ten. Cash, der sich unan­ge­passt und rebel­lisch in einem Genre bewegte das einen Teil des ame­ri­ka­ni­schen Way-of-Life sym­bo­li­siert, blieb sich und sei­ner Sicht der Dinge treu und sorgte so selbst dafür, das man ihn Ende der 80er als Künst­ler der Country-Szene igno­rierte.  Mitte der 90er star­tet er dann ein von Rick Rubin pro­du­zier­tes Come­back, in der er unter dem Titel »Ame­ri­can Recor­dings« sei­ner düs­te­ren Grund­in­ten­tion folgt.

Bis zu sei­nem Tod 2003 ver­öf­fent­licht er vier Alben die von den Sym­pto­men sei­ner Krank­heit geprägt den Unter­gang einer Legende beglei­ten. Auch in die­sen letz­ten Wer­ken vor sei­nem Tod wid­met er sich den dunk­len Berei­chen des mensch­li­chen Lebens. Cover­ver­sio­nen des NIN Klas­si­kers Hurt oder dem Song The Mercy Seat von Nick Cave setz­ten ein wei­te­res Zei­chen sei­nes Schaf­fens und der Nähe zu unan­ge­pass­ten The­men am Rande der Gesellschaft.

Im Som­mer 1971 ver­öf­fent­lichte er den Song Man in Black aus dem gleich­na­mi­gen Album  um sei­nem Publi­kum zu erklä­ren, warum er nur noch schwarz trug:

[dailymotion]http://www.dailymotion.com/video/x7qbof_johnny-cash-man-in-black_music[/dailymotion]

Well, you wonder why I always dress in black,
Why you never see bright colors on my back,
And why does my appearance seem always have a somber tone.
Well, there's a reason for the things that I have on.

I wear the black for the poor and the beaten down,
Livin' in the hopeless, hungry side of town,
I wear it for the prisoner who has long paid for his crime,
But is there because he's a victim of the times.

Post­hum erschien 2006 die fünfte »Ame­ri­can Recor­dings« das durch die Legende erho­ben erneut auf Platz 1 der Country-Alben Charts schießt und genau das erreichte zuletzt das Album »Man in Black« im Jahre 1971. 2010 erschei­nen unter dem Bei­na­men »Ain’t no Grave« die letz­ten ver­blie­be­nen Werke der »A Hund­red High­ways« Ses­sion. Manch­mal muss man sich auch mit Din­gen beschäf­ti­gen, die absurd erschei­nen um Ant­wor­ten auf Fra­gen zu bekom­men, die ande­ren absurd erschei­nen.  Schwarz war seine Klei­dung, Schwarz war seine Bürde, Schwarz wurde sein Schicksal.

[dailymotion]http://www.dailymotion.com/video/x2csqe_johnny-cash-hurt_music[/dailymotion]

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Back to the Roots
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9 Kommentare

  1. Ich hätte nicht erwar­tet, Johnny Cash in die­sem Blog zu tref­fen. :-) Eine wun­der­bare Ein­la­dung, ein­mal über den Tel­ler­rand hin­aus­zu­schauen. Mit der Musik konnte ich mich zwar nie anfreun­den, aber ich trauere sol­chen Künst­lern nach, die ihre »Stimme« und ihre Popu­la­ri­tät auch dazu genutzt haben, auf gesell­schaft­li­che Miss­stände hin­zu­wei­sen. Selbst (oder gerade) in der Gothic Szene dre­hen sich Publi­kum und Künst­ler heute häu­fig nur um sich selbst und ihre eige­nen Abgründe. Mei­ner Mei­nung nach war letz­te­res nicht der Grund dafür, dass sich eine Schwarze Szene gebil­det hat. Ich stimme auch fol­gen­der Erklä­rung aus Wiki­pe­dia nicht zu, die ver­mut­lich mitt­ler­weile zur all­ge­mei­nen Mei­nung gewor­den ist:

    Schwarz ist Sym­bolfarbe der Gothic-Szene für Klei­dung und Out­fit. Sie ist Aus­druck von Ernst­haf­tig­keit, Dun­kel­heit und Mys­tik, aber auch für Hoff­nungs­lo­sig­keit und Leere, Melan­cho­lie, und hier für den Bezug zu Trauer und Tod.

    Wir haben in den 80ern ange­fan­gen Schwarz zu tra­gen, weil wir einen Gegen­pol zur Friede-Freude-Eierkuchen-Idylle setz­ten woll­ten, die ange­sichts gesell­schaft­li­cher und (umwelt-) poli­ti­scher The­men ein­fach lächer­lich war.

    Es herrschte sicher eine gewisse End­zeit­stim­mung, die mit rein­spielte, weil sich die Super­mächte damals ganz aus­drück­lich mit Atom­bom­ben bedroh­ten und wir ange­sichts des Reak­tor­un­glücks in Tscher­no­byl in der Pra­xis wuss­ten, was das heißt. Das Wald­ster­ben war ein wei­te­res Thema und viele viele andere Dinge, über die wir damals nach­ge­dacht haben, weil wir nicht 256 Fern­seh­pro­gramme, 300 Spie­le­kon­so­len und ein prall mit Fun-Mist gefüll­tes Inter­net hatten,die uns ablenk­ten. Inso­fern kann ich das mit dem »Tod und Trauer« und mit der »Hoff­nungs­lo­sig­keit und Leere« viel­leicht noch unter­schrei­ben, aber so ist es in der Defi­ni­tion wahr­schein­lich nicht gemeint.

    Mit »wir« meine ich hier natür­lich nur mein per­sön­li­ches Umfeld damals und »meine« schwarze Szene in den 80ern. Andere mögen andere Erfah­run­gen gemacht haben.

    In Eng­land waren es unter ande­rem gesell­schafts­po­li­ti­sche The­men, die zum schwar­zen Pro­test führ­ten. In ande­ren Regio­nen waren es viel­leicht wie­der andere Gründe, aber ich wage zu behaup­ten, dass es immer haupt­säch­lich um die »Außen­welt« ging und nicht um die »Innen­welt«, in der man sich heute so gerne wälzt. Schwarze Klei­dung war im Kern eine Ver­wei­ge­rungs­hal­tung, an die­sem Wahn­sinn der Gesell­schaft teil­zu­neh­men. Wohl­ge­merkt: Ganz zu Beginn!

    Johnny Cash ist mit sei­ner Aus­sage in »Man in Black« die­sem ursprüng­li­chen Gedan­ken wesent­lich näher als der Groß­teil der Mit­glie­der der heu­ti­gen Schwar­zen Szene.

  2. mit dem mann hatte ich echte »start­schwie­rig­kei­ten«, aber inzwi­schen höre ich seine stü­cke sehr gerne. und die ame­ri­can recor­dings haben wirk­lich sehr gute lie­der drin, auch wenn ich auch diese immer nur aus­schnitts­weise hören kann.

  3. Vom Herrn Cash habe ich immer wie­der gehört, aber ich habe keine Ahnung ob ich jemals eines sei­ner Lie­der gehört habe, habe mich nie mit ihm beschäf­tigt.
    Aber dein Arti­kel macht auf jeden Fall Lust dar­auf, mal etwas über den Tel­ler­rand zu bli­cken, wie Orphi so schön sagt.

    @Orphi:
    »Wir haben in den 80ern ange­fan­gen Schwarz zu tra­gen, weil wir einen Gegen­pol zur Friede-Freude-Eierkuchen-Idylle setz­ten woll­ten, die ange­sichts gesell­schaft­li­cher und (umwelt-) poli­ti­scher The­men ein­fach lächer­lich war.«

    Sehr schön, das mal aus dem Munde von jeman­dem bestä­tigt zu wis­sen, der dabei war ^^ Das war näm­lich genau meine Ein­schät­zung der Sach­lage, die ich auch an der Uni in einem Gothic-Seminar (haupt­säch­lich Lite­ra­tur) ver­ar­gu­men­tiert habe.
    Es wun­dert mich jeden­falls nicht, dass eine junge Gene­ra­tion in der Endzeit-Stimmung des Kal­ten Krie­ges ähnli­che Welt­an­sich­ten und düs­tere Kunst her­vor­ge­bracht hat wie vor 250 Jah­ren die Roman­ti­ker. Widerum Was­ser auf meine Müh­len, dass der Begriff »gothic« (wenn viel­leicht auch fast zufäl­lig) doch sehr tref­fend wie­der­ver­wen­det wurde.

  4. @von Karn­stein
    Ich wüsste gerne, warum die Roman­ti­ker vor 250 Jah­ren düs­tere Kunst her­vor­ge­bracht haben und wel­che Welt­an­sich­ten dahin­ter­steck­ten. Ich hab mich damit — wenn über­haupt — nur sehr ober­fläch­lich beschäf­tigt. Kannst du da ein gutes Buch empfehlen?

  5. @Orphi: was denn nun, Friede-Freude-Eierkuchen, oder Endzeitstimmung?

    Zu Cash: ich habe mich an sei­ner Musik ver­sucht, aber im gro­ßen und gan­zen kann ich mit ihm nichts anfangen.

  6. End­zeit­stim­mung bei uns und Friede-Freude-Eierkuchen bei den anderen.

  7. @Orphi: Ja Johnny Cash ist wirk­lich eine unge­wöhn­li­che Wahl, doch wie du bereits sagst, finde ich auch das er mit sei­ner The­ma­tik in sei­nen Songs näher am schwar­zen Grund­ge­dan­ken ist, als man­cher Künst­ler oder Sze­ne­an­ge­hö­ri­ger von heute. Fängt man an sich mit den Tex­ten der Musik zu beschäf­ti­gen und Wert dar­auf zu legen wie die Bot­schaft ist, kommt man an Cash gar nicht mehr vor­bei, auch wenn seine Musik Geschmacks­sa­che ist. Rein musi­ka­lisch ten­diere ich da Rich­tung tobi, nicht aller Lie­der finde ich musi­ka­lisch ansprechend.

    Als die Spiel­plätze leer waren und wir im Super­markt kei­nen Salat mehr kau­fen konn­ten, war die Kata­stro­phe von Tscher­no­byl näher als es heute jeder Krieg im »ent­fern­ten« Aus­land ist. Inter­net und breite Medien fehl­ten um das Pro­blem zu rela­ti­vie­ren, wir waren alle ver­ängs­tigt. Ich glaube hier habe ich ange­fan­gen Musik zu hören, die die Pro­bleme the­ma­ti­sier­ten und die mir das Gefühl gaben, die Gefühle in mir zu kana­li­sie­ren. Schwarze Kla­mot­ten habe ich erst spä­ter getra­gen und nicht unbe­dingt wegen der gesell­schafts­po­li­ti­schen Sicht­weise, die kam erst spä­ter (bei mir).

    Ich habe schwarz getra­gen, weil ich das, was Depe­che Mode oder The Cure auf der Bühne dar­stell­ten gut fand und weil ich das Neon-Zeitalter der Extrem gemus­ter­ten Zei­ten Anfang der 90er ein­fach nur schreck­lich fand und meine ästhe­ti­sche Anders­ar­tig­keit pro­vo­ka­tiv zum Aus­druck brin­gen wollte. »Ihr fin­det mich lächer­lich? Guckt erst­mal in den Spiegel!«

  8. Coun­try ist zwar eigent­lich über­haupt nicht so meins, aber seine Ein­stel­lung (und auch die der ande­ren hier ;) ) zu schwarz gefällt mir sehr, und sogar die Musik ist mehr Goth als das meis­ten von heute ;)

  9. @Schatten: Ein paar Wer­ken von Cash kann man sich ein­fach nicht ent­zie­hen, so geht es mir jeden­falls. Das wächst viel­leicht mit dem Alter, ich will nicht behaup­ten, das man Cash UNBEDINGT lie­ben muss oder seine Werke gehört haben muss. Aber aus­pro­bie­ren sollte man seine Musik schon, sonst kann man nicht beur­tei­len ob man was ver­passt oder ob seine Mei­nung rich­tig ist.

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