19 Februar

Gothic-Country?

Kategorie: Back to the Roots — Jahrgang: 20127 Kommentare

Gothic und Coun­try, wie passt das zusam­men? Man erin­nert sich an Auf­tritte der Sis­ters of Mercy, deren Stil auf viele Zuschauer wirkte, wie die Kopie eines bil­li­gen Spaghetti-Western. Kra­gen­hem­den, große Hüte, Biker-Boots und Leder­ja­cken. Doch was so aus­sah, hörte sich nicht so an. Gothic-Rock und Coun­try, wie passt das zusam­men? Gast­au­tor Piet Noir will ein wenig Licht ins Dun­kel brin­gen und zeigt, dass auch musi­ka­li­sche Ver­knüp­fun­gen vor­han­den sind und stellt Bands vor, die ver­su­chen eine Sym­biose aus dem her­zu­stel­len, was bei den meis­ten zunächst ein Stirn­run­zeln erzeugt.

Gothic-Country?

Dass Wes­tern und Gothic zusam­men pas­sen kann, wis­sen wir spä­tes­tens seit dem Erfolg der Fields of the Nephilim. Doch über das Out­fit hin­aus ist für die meis­ten eine Kom­bi­na­tion die­ser bei­den Musik­rich­tun­gen kaum vor­stell­bar. Doch es gibt sie! Zum größ­ten­teil unbe­ach­tet vom euro­päi­schen Kon­ti­nent hat sich rund um die Stadt Den­ver und den USA etwas ent­wi­ckelt, was heute größ­ten­teils als „Gothic Ame­ri­cana“ bekannt ist, sel­te­ner auch tat­säch­lich unter „Gothic Country“.

Als Begrün­der zäh­len 16 Hor­se­power, Slim Cessna´s Auto Club und Jay Munly (ers­tere und letz­ter sind auch Mit­glied bei Slim Cessna´s Auto Club). Wenn­gleich die Band „The Gun Club“ (mit der groß­ar­ti­gen Patri­cia Mor­ri­son, spä­ter bei „The Sis­ters of Mercy“ und „The Dam­ned“) bereits in den 80ern „Post Punk“ mit Country-Elementen kreuzte. Nicht umsonst wird sie von vie­len Bands aus dem „Gothic Americana“-Umfeld als große Inspi­ra­tion angesehen.

Als sich das Genre „Alter­na­tive Coun­try“ kurz „alt-country“ immer wei­ter ent­wi­ckelte, mix­ten eben diese Künst­ler ihrer Musik Gothic-Elemente bei und schrie­ben Texte über Apo­ka­lypse, Einsamkeit, Liebe, Reli­gion usw.  16 Hor­se­power, die Band wel­che sich Anfang/Mitte der neun­zi­ger grün­dete, wurde bereits mit ihrem ers­ten Album als „Gothic Coun­try“ beti­telt (wohl eine Art „Eldritch-Effekt“). Mas­ter­mind hin­ter 16 HP war David Eugene Edwards. Als Kind eines christ­li­chen Pre­di­gers machte er erste musi­ka­li­sche Erfah­run­gen in der Kir­che. Auch heute noch bekennt er sich zum Chris­ten­tum, was an man­chen Tex­ten auch klar zum Vor­schein kommt. Trotz des Country/Folk Hin­ter­grunds inter­es­sierte er sich auch für Bands aus dem Post Punk Bereich, wie z. B. Joy Divi­sion, Nick Cave & The Bad Seeds und Sonic Youth1.

Ein­fluss sol­cher Bands mit ihren zum Teil düs­te­ren Klang­wel­ten hat­ten nach­hal­ti­gen Ein­fluss auf das Schaf­fen von David Eugene Edwards. 16 HP lös­ten sich 2005 auf. Das Nach­fol­ge­pro­jekt heißt „Woven Hand“ und geht musi­ka­lisch in eine ähnli­che Rich­tung. Selt­sa­mer­weise sind uns die Öster­rei­cher schon etwas vor­aus, da sie Kon­zert­fo­tos von Woven Hand bereits auf ihrer Home­page füh­ren http://www.gothic.at/fotoalbum/403. Da hat Deutsch­land noch etwas aufzuholen.

Und hier auch ein­mal eine Band mit Front­frau „Tarantella“

Da ich Cross­over von tra­di­tio­nel­ler düs­te­ren Musik mit ande­ren Stil­rich­tun­gen all­ge­mein sehr inter­es­sant finde, bin ich umso glück­li­cher eine der­ar­tige – in mei­nen Augen sehr frucht­bare - Kom­bi­na­tion gefun­den zu haben. Falls jemand auf den Geschmack gekom­men sein sollte. Es gibt auf last.fm ein Gothic Ame­ri­cana tag Radio und bei der eng­lisch­spra­chi­gen Aus­gabe von Wiki­pe­dia wird die­ser Begriff auch auf­ge­fürt mit ein paar dem­ent­spre­chen­den Bands. Bleibt zu hof­fen, dass sich wei­ter­hin sol­che Per­len abseits von Pseudo-Düster-Techno auf­tun und auch in Deutsch­land ankommen.

(Bild­quelle: http://www.jungle-records.demon.co.uk/bands/nephilm.htm)

  1. Quelle: Medi­en­dienst­leis­tun­gen Ralf G. Poppe,  http://www.medien-poppe.de/artikel-7.html []

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Interessiert sich für alle Bereiche dunkler Kunst. Von Film, Literatur bis zur Musik. Es gilt nicht irgendwelches Rudelverhalten zu übernehmen sondern alle Kunstrichtungen die zusammengehören, endlich wieder zusammenzuführen. Auch wenn dies durch das Wirken von schwarzen Bravos und politisch fragwürdigen Seiten stark erschwert wird. Motto: Schwarze Vielfalt statt grauem Einheitsbrei. Du findest mich auch auf Facebook .

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7 Kommentare

  1. Die Fans der Fields stan­den im Zwi­schen­fall der 80er immer ober­cool in der Ecke und hat­ten ihre Män­tel mit Mehl bestäubt um noch post­a­po­ka­lyp­ti­scher auszusehen!*g*

  2. Davon hatte ich auch schon mal gehört, mich aber nie näher damit beschäf­tigt. Ich kann mich daran erin­nern, dass The Trif­fids in den 80ern als »Coun­try Wave« bezeich­net wur­den. Ob es da Zusam­men­hänge gibt? *schulterzuck*

  3. Das ist ja sehr cool! *notier*

  4. Ein inspi­rie­ren­der Bei­trag! Da sind einige Anre­gun­gen dabei für meine Play­list »Alte Män­ner mit Gitar­ren«. Neben den Fields, den Sis­ters und Nick Cave tum­meln sich dort auch Jonny Cash oder New Model Army. Ein biss­chen Lager­feu­er­ro­man­tik und dabei so melan­cho­lisch, dass es einem die Trä­nen in die Augen treibt…

  5. Wieso selt­sa­mer­weise?? *gg*
    Woven Hand sind bei uns so etwa im Zwei­jah­res­t­akt zu Gast und wer­den vor allem vom etwas älte­ren Goten­pu­bli­kum sehr gern besucht. Daß es erst jetzt auch end­lich mal Kon­zert­pho­tos auf gothic.at gibt, ist eigent­lich eine Schand”. ;-)

  6. @Alwa: Da habt ihr »uns« ein­deu­tig was vor­aus! Piet erwähnte das ja bereits in sei­nem Arti­kel. Ich finde die leicht unter­schied­li­chen Aus­rich­tun­gen der Genre im deutsch­spra­chi­gen Raum sowieso inter­es­sant, ich glaube ich sollte öfter mal über die Grenze gucken, in Öster­reich gibt es ja eben­falls ein sehr solide und gut ver­netzte Szene, von der man sicher noch etwas ler­nen kann.

  7. Män­ner in Leder­kluft gepaart mit stil­si­che­rem düs­te­ren Cross­over? Hey, ich bin dabei ;-) Ab und zu höre ich — neben den Fields — auch gerne Bands aus dem Gothabilly-Bereich wie »Ghoul­town« oder »The Cramps«.

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