Sampler die ich kaufen würden, meint Karnstein wenn er von seiner Zusammenstellung für einen Sampler unter dem Motto Dunkle Deutsche Welle — Deutschsprachiges aus der Gruft spricht. Schmerzlich vermisst er Konzepte, die dem schwarzen Ableger der deutschen Sprache huldigen und dies auf Sampler, Partys und Discotheken einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Und er hat recht. Wie recht er hat.
Wirft man ein Ohr in deutsche Tanztempel, so erhält man schnell den Eindruck, schwarze Musik ist ein englisches Phänomen und wenn sich mal etwas deutschsprachiges auf die Tanzflächen verirrt, so ist das nicht unbedingt das, was man sich wünschen würde. Bei so mancher stampfenden Techno-Produktion die sich in einer schwarzen Hülle in die Ohren der Zuhörer beißt, würde man eher von einer konsequenten Vernichtung der deutschen Sprache sprechen können. Dabei bietet kaum eine andere Sprache so viele Wörter, die dem Text so unglaubliche Möglichkeiten einräumen etwas auszudrücken. Es muss ja nicht immer gleich Lyrik oder Poesie sein, denn es gibt noch so viel dazwischen was auf »Schrei mich an, das find ich schön, ich werd ganz geil, von dem Gestöhn, sei pervers und sei obszön, wenn du vom Ficken sprichst, ist das so schön»1 verzichten kann.
Natürlich weiß ich nicht, ob eben diese Intention hinter Karnstein’s Artikel liegt, aber ich finde die Idee einfach gut. Ich möchte das ganze aber nicht zeitlich vermischen, sondern konzentriere mich zunächst auf ein unrepräsentative Auswahl deutschsprachiger und weitestgehend unbekannter Lieder, die in den 80er entstanden sind, denn ich würde gerne das Projekt von Karnstein durch die drei wichtigen Dekaden erweitern. Ich würde auch nicht exklusiv von »schwarzer Musik« sprechen, sondern eher von Liedern, die durch die erst später benannte Szene »Grufties« oder auch »Waver« vereinnahmt wurden. Das Genre »Dunkle Deutsche Welle« passt daher schon sehr gut. Ehrlicherweise muss ich zugeben, das die meisten Lieder eigentlich durch mich vereinnahmt wurden, denn sich greifen das auf, was ich unter »DDW« verstehe.
Dunkle Deutsche Welle - Muttersprachliches aus der Gruft - Die wilden 80er
- Stricher — Morgen
- Xmal Deutschland — Blut ist Liebe
- Nichts — Tango 2000
- Malaria! — Kaltes klares Wasser
- DAF — Der Mussolini
- Einstürzende Neubauten — Yü-Gung
- Grauzone — Träume mit mir
- Lichtblick — Intensivstation
- Der Fluch — Werwolf
- Ideal — Erschießen
- Die Ärzte — Schlaflied
Anmerkung: Obwohl Karnstein kein Projekt daraus machen wollte, werfe ich meine Interpretation zurück und fordere Leser und Blogger auf, eine ähnliche Liste zu machen. Ob ihr auch nach Dekaden sortiert oder dir ursprüngliche Idee aufgreift bleibt euch überlassen.
(Bildquelle: Davecube@flickr)
- Aus dem Lied Koprolalie von Agonoize auf dessen Verlinkung ich einfach mal verzichte [↩]



hat bereits 227 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. September 2010 um 20:16:
Klasser Aktion!
Toll mal ein paar alte Lieder auf deutsch hören zu können.
:)
hat bereits 52 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. September 2010 um 01:03:
Also, Herr Sponti, dunke Lieder passt ja nicht wirklich!
Profil waren meines Wissens eine Mod Band aus Düsseldorf (dat Ding neben Ihnen) und hatten mit schwarzer Szene herzlich nix zu tun. Wenn mir jemand die Maxis von Profil schenken möchte, … , ich suche schon seit geraumer Zeit danach.
Nichts waren natürlich auch strikt NDW und treten heute ja auch wieder live auf. Mit neuer Sängerin, etc.! Wenn man über die Alben von Nichts geht, dann haben auch die nicht so richtig viel mit Dunkler Deutscher Welle zu tun. Da könnte man ja auch problemlos »Piefke, Paffke und die Jungs aus der Dunkelkammer« dazu zählen.
DAF hätte ich noch akzeptiert, sind aber seltsamerweise nicht erwähnt. Der unsägliche Witt auch nicht! Grauzone kann ich auch akzeptieren, obwohl ein Blick auf das Gesamtwerk der Herrschaften, diese auch als talentierte Kunsthippies entlarvt. Auch wenn sie irgendwann von »kaltem Eis« gesungen haben. … Schweizer halt! … Die können nicht über die Copacabana singen.
Im Großen und Ganzen kann ich das so akzeptieren (wenn Du die Ärzte raushaust) aber bitte nicht unter dem Titel »Dunkle Deutsche Welle«
Der frisch verlobte Schattenzwerg (http://schattenzwerg.wordpress.com) als ausgewiesener Spezialist für »die anderen Bands« hat bestimmt so einiges zu bieten was noch unter »Dunkler Deutscher Welle« fallen könnte. In diesem Fall wohl aus dem Osten.
Und ich arbeite momentan auch an einem Artikel über die deutschsprachige Musik in den Achtzigern. Allerdings dauert das noch etwas. Schließlich haben wir ja nie Zeit!
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. September 2010 um 18:28:
@Postpunk: Lieber Herr Postpunk, natürlich haben sie Objektiv völlig recht. Wie ich aber aus meinem eigenen Beitrag zitieren darf:
»Ich würde auch nicht exklusiv von „schwarzer Musik” sprechen, sondern eher von Liedern, die durch die erst später benannte Szene „Grufties” oder auch „Waver” vereinnahmt wurden.[…] Ehrlicherweise muss ich zugeben, das die meisten Lieder eigentlich durch mich vereinnahmt wurden, denn sich greifen das auf, was ich unter „DDW” verstehe.«
Ich bringe das gerne aber in dem Zusammenhang unter Dunkle Deutsche Welle zusammen, weil ich das so empfinde. Ich habe mit zarten 16 ganz in schwarz und auf Gruftie-Partys dazu getanzt, deshalb »vereinnahmt«. Und schaut man sich heute die Playlisten einschlägiger Veranstaltungen an, so tauchen einige Lieder immer wieder auf.
Gerade Nichts schrieben in einem Interview in der OX (#87, Dez. 2009): »Wir bekamen eine Anfrage für einen Auftritt auf einem Gruftie-Festival in Österreich. In dieser Szene werden wir seit 30 Jahren gehört, auf jeder Party läuft »Tango 2000″, dieses Stück hat in der Szene einen hohen Stellenwert.« Daher ist hier von einer Vereinnahmung durch die schwarze Szene zu sprechen.
Möchte man von einer strikten Kategorisierung sprechen, so hast du natürlich recht. Nichts, Profil, DAF, Ideal, Fehlfarben und natürlich die Ärzte waren keine »Gruftie-Bands«, obwohl Bela B. als solcher bezeichnet hat, während man Farin Urlaub als Waver einsortieren könnte.
»Dunkle Deutsche Welle« ist daher eher als Zusammenfassung dessen zu verstehen, was in den 80er vermutlich (teilweise auch belegt) auf »Gruftie-Parties« gespielt wurde und heute auch immer noch läuft. Dabei zählt für die Grufties eher auch die Song-Thematik, Bedeutung und eben ein gewisser Kultstatus. Das gilt für das »Schlaflied« genauso wie für »Berühren« oder auch »Tango 2000″.
Ich bin mir sicher, du hast mich dahingehend missverstanden oder fehlinterpretiert. Deutschsprachige Musik in den 80ern ist ja dank der NDW (bleiben wir jetzt strikt beim Genre) ja ein weites Feld, auch Punk wurde ja dann auch eingedeutscht und bietet ein Fülle an deutschsprachigem Material, daher freue ich mich sehr auf deinen Beitrag.
hat bereits 257 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. September 2010 um 20:10:
Ich bevorzuge englische Texte, weil ich in der Lage bin, diese fast komplett auszublenden. Bei den deutschen Texten besteht das Problem, daß ich sie verstehen kann, und wenn ich sie verstehe, wünsche ich mir meistens, daß ich sie nicht verstanden hätte. Weil mir das oft als sinnloses Wort-aneinander-Gereihe vorkommt.
hat bereits 126 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. September 2010 um 03:13:
Schön, dass meine Idee auf mehr oder minder interessierte Ohren stößt ^^
Meine Intention hinter all dem war natürlich auch nicht, einen »Sampler« mit für die Szene gemachter Musik zusammenzustellen (wie viele Bands machen das schon?), sondern einfach deutschsprachigen Kram, den ich deutscher Grufti als düster empfinde, gerne höre und der großteils auch mal auf schwarzen Partys zu hören ist (nur eben reeeelativ selten).
Wobei ich sagen muss, dass auf der grandiosen »Horror Highschool« (http://www.horror-highschool.de/) am Samstag recht viel deutschsprachiger Kram lief (für mich z.B. Grauzone) und ich über einen mir bis dato völlig unbekannten Song gestolpert bin, der wohl genau unter die Kategorie »vereinnahmt« fällt, nämlich »Fan fan fanatisch« von Rheingold:
http://www.youtube.com/watch?v=Cwmub7it6fg
Dieser sympatische Waver mit der tollen 80er-Frisur ist jedenfalls auch bös dazu abgegangen, wenn ich das so dümmlich sagen darf ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. September 2010 um 10:37:
@Vizioon: Verstehe, du legst Wert auf die Musik und nicht auf den Text. Darüber hinaus hast du natürlich recht, viele Texte würde man lieber nicht verstehen, bevor man sich wieder über Pseudoromatik, Möchtegernlyrik und Fast-Food Poesie aufregt.
@Karnstein: Kannst du bitte mal mit dem Erzeugen eines ständigen Reiz übermäßigen Speichelflusses aufhören? Ich kann nicht für eine guten Party ständig 250km Entfernung zurück legen. Ich will sowas auch! :) Was habe ich statt dessen? Fuchtelraver und Knicklichtgrufties *seufz* und nein, ich bin überhaupt nicht frustriert ;)
hat bereits 257 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. September 2010 um 20:44:
@Robert: Fehlt bei Deinem Post nicht ein Wort? Z.B. aufregt, freut, wundert, ärgert?
Und ja, die Musik ist mir viel wichtiger als der Text. Obwohl es schön ist, wenn sich Text und Musik ergänzen.
Ich liebe z.B. »Adiemus: Songs of Sanctuary«, weil es eigentlich keinen Text gibt, und es sich doch so gut anhört.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. September 2010 um 10:53:
@Vizioon: Habe es gefunden. Das Wort war unter den Schreibtisch gefallen, glücklicherweise bin ich nicht draufgetrampelt. Habe es aufgehoben und wieder in den Kommentar eingefügt. Danke für den Hinweis.