13 September

Dunkle Deutsche Welle - Die wilden 80er

Kategorie: Back to the Roots — Jahrgang: 20108 Kommentare

Sam­pler die ich kau­fen wür­den, meint Karn­stein wenn er von sei­ner Zusam­men­stel­lung für einen Sam­pler unter dem Motto Dunkle Deut­sche Welle — Deutsch­spra­chi­ges aus der Gruft spricht. Schmerz­lich ver­misst er Kon­zepte, die dem schwar­zen Able­ger der deut­schen Spra­che hul­di­gen und dies auf Sam­pler, Par­tys und Dis­co­the­ken einer brei­te­ren Öffent­lich­keit vor­stel­len. Und er hat recht. Wie recht er hat.

Wirft man ein Ohr in deut­sche Tanz­tem­pel, so erhält man schnell den Ein­druck, schwarze Musik ist ein eng­li­sches Phä­no­men und wenn sich mal etwas deutsch­spra­chi­ges auf die Tanz­flä­chen ver­irrt, so ist das nicht unbe­dingt das, was man sich wün­schen würde. Bei so man­cher stamp­fen­den Techno-Produktion die sich in einer schwar­zen Hülle in die Ohren der Zuhö­rer beißt, würde man eher von einer kon­se­quen­ten Ver­nich­tung der deut­schen Spra­che spre­chen kön­nen. Dabei bie­tet kaum eine andere Spra­che so viele Wör­ter, die dem Text so unglaub­li­che Mög­lich­kei­ten ein­räu­men etwas aus­zu­drü­cken. Es muss ja nicht immer gleich Lyrik oder Poe­sie sein, denn es gibt noch so viel dazwi­schen was auf  »Schrei mich an, das find ich schön, ich werd ganz geil, von dem Gestöhn, sei per­vers und sei obs­zön, wenn du vom Ficken sprichst, ist das so schön»1 ver­zich­ten kann.

Natür­lich weiß ich nicht, ob eben diese Inten­tion hin­ter Karnstein’s Arti­kel liegt, aber ich finde die Idee ein­fach gut. Ich möchte das ganze aber nicht zeit­lich ver­mi­schen, son­dern kon­zen­triere mich zunächst auf ein unre­prä­sen­ta­tive Aus­wahl deutsch­spra­chi­ger und wei­test­ge­hend unbe­kann­ter Lie­der, die in den 80er ent­stan­den sind, denn ich würde gerne das Pro­jekt von Karn­stein durch die drei wich­ti­gen Deka­den erwei­tern.  Ich würde auch nicht exklu­siv von »schwar­zer Musik« spre­chen, son­dern eher von Lie­dern, die durch die erst spä­ter benannte Szene »Gruf­ties« oder auch »Waver« ver­ein­nahmt wur­den. Das Genre »Dunkle Deut­sche Welle« passt daher schon sehr gut. Ehr­li­cher­weise muss ich zuge­ben, das die meis­ten Lie­der eigent­lich durch mich ver­ein­nahmt wur­den, denn sich grei­fen das auf, was ich unter »DDW« verstehe.

Dunkle Deutsche Welle - Muttersprachliches aus der Gruft - Die wilden 80er

  1. Stri­cher — Morgen
  2. Xmal Deutsch­land — Blut ist Liebe
  3. Nichts — Tango 2000
  4. Mala­ria! — Kal­tes kla­res Wasser
  5. DAF — Der Mussolini
  6. Ein­stür­zende Neu­bau­ten — Yü-Gung
  7. Grau­zone — Träume mit mir
  8. Licht­blick — Intensivstation
  9. Der Fluch — Werwolf
  10. Ideal — Erschießen
  11. Die Ärzte — Schlaflied

Anmer­kung: Obwohl Karn­stein kein Pro­jekt dar­aus machen wollte, werfe ich meine Inter­pre­ta­tion zurück und for­dere Leser und Blog­ger auf, eine ähnli­che Liste zu machen. Ob ihr auch nach Deka­den sor­tiert oder dir ursprüng­li­che Idee auf­greift bleibt euch überlassen.

(Bild­quelle: Davecube@flickr)
  1. Aus dem Lied Koprola­lie von Ago­no­ize auf des­sen Ver­lin­kung ich ein­fach mal ver­zichte []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Back to the Roots
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8 Kommentare

  1. Klas­ser Aktion!
    Toll mal ein paar alte Lie­der auf deutsch hören zu kön­nen.
    :)

  2. Also, Herr Sponti, dunke Lie­der passt ja nicht wirk­lich!
    Pro­fil waren mei­nes Wis­sens eine Mod Band aus Düs­sel­dorf (dat Ding neben Ihnen) und hat­ten mit schwar­zer Szene herz­lich nix zu tun. Wenn mir jemand die Maxis von Pro­fil schen­ken möchte, … , ich suche schon seit gerau­mer Zeit danach.

    Nichts waren natür­lich auch strikt NDW und tre­ten heute ja auch wie­der live auf. Mit neuer Sän­ge­rin, etc.! Wenn man über die Alben von Nichts geht, dann haben auch die nicht so rich­tig viel mit Dunk­ler Deut­scher Welle zu tun. Da könnte man ja auch pro­blem­los »Piefke, Paffke und die Jungs aus der Dun­kel­kam­mer« dazu zählen.

    DAF hätte ich noch akzep­tiert, sind aber selt­sa­mer­weise nicht erwähnt. Der unsäg­li­che Witt auch nicht! Grau­zone kann ich auch akzep­tie­ren, obwohl ein Blick auf das Gesamt­werk der Herr­schaf­ten, diese auch als talen­tierte Kunsthip­pies ent­larvt. Auch wenn sie irgend­wann von »kal­tem Eis« gesun­gen haben. … Schwei­zer halt! … Die kön­nen nicht über die Copaca­bana singen.

    Im Gro­ßen und Gan­zen kann ich das so akzep­tie­ren (wenn Du die Ärzte raus­haust) aber bitte nicht unter dem Titel »Dunkle Deut­sche Welle«

    Der frisch ver­lobte Schat­ten­zwerg (http://schattenzwerg.wordpress.com) als aus­ge­wie­se­ner Spe­zia­list für »die ande­ren Bands« hat bestimmt so eini­ges zu bie­ten was noch unter »Dunk­ler Deut­scher Welle« fal­len könnte. In die­sem Fall wohl aus dem Osten.

    Und ich arbeite momen­tan auch an einem Arti­kel über die deutsch­spra­chige Musik in den Acht­zi­gern. Aller­dings dau­ert das noch etwas. Schließ­lich haben wir ja nie Zeit!

  3. @Postpunk: Lie­ber Herr Post­punk, natür­lich haben sie Objek­tiv völ­lig recht. Wie ich aber aus mei­nem eige­nen Bei­trag zitie­ren darf:

    »Ich würde auch nicht exklu­siv von „schwar­zer Musik” spre­chen, son­dern eher von Lie­dern, die durch die erst spä­ter benannte Szene „Gruf­ties” oder auch „Waver” ver­ein­nahmt wur­den.[…] Ehr­li­cher­weise muss ich zuge­ben, das die meis­ten Lie­der eigent­lich durch mich ver­ein­nahmt wur­den, denn sich grei­fen das auf, was ich unter „DDW” ver­stehe.«

    Ich bringe das gerne aber in dem Zusam­men­hang unter Dunkle Deut­sche Welle zusam­men, weil ich das so emp­finde. Ich habe mit zar­ten 16 ganz in schwarz und auf Gruftie-Partys dazu getanzt, des­halb »ver­ein­nahmt«. Und schaut man sich heute die Play­lis­ten ein­schlä­gi­ger Ver­an­stal­tun­gen an, so tau­chen einige Lie­der immer wie­der auf.

    Gerade Nichts schrie­ben in einem Inter­view in der OX (#87, Dez. 2009): »Wir beka­men eine Anfrage für einen Auf­tritt auf einem Gruftie-Festival in Öster­reich. In die­ser Szene wer­den wir seit 30 Jah­ren gehört, auf jeder Party läuft »Tango 2000″, die­ses Stück hat in der Szene einen hohen Stel­len­wert.« Daher ist hier von einer Ver­ein­nah­mung durch die schwarze Szene zu sprechen.

    Möchte man von einer strik­ten Kate­go­ri­sie­rung spre­chen, so hast du natür­lich recht. Nichts, Pro­fil, DAF, Ideal, Fehl­far­ben und natür­lich die Ärzte waren keine »Gruftie-Bands«, obwohl Bela B. als sol­cher bezeich­net hat, wäh­rend man Farin Urlaub als Waver ein­sor­tie­ren könnte.

    »Dunkle Deut­sche Welle« ist daher eher als Zusam­men­fas­sung des­sen zu ver­ste­hen, was in den 80er ver­mut­lich (teil­weise auch belegt) auf »Gruftie-Parties« gespielt wurde und heute auch immer noch läuft. Dabei zählt für die Gruf­ties eher auch die Song-Thematik, Bedeu­tung und eben ein gewis­ser Kult­sta­tus. Das gilt für das »Schlaf­lied« genauso wie für »Berüh­ren« oder auch »Tango 2000″.

    Ich bin mir sicher, du hast mich dahin­ge­hend miss­ver­stan­den oder fehl­in­ter­pre­tiert. Deutsch­spra­chige Musik in den 80ern ist ja dank der NDW (blei­ben wir jetzt strikt beim Genre) ja ein wei­tes Feld, auch Punk wurde ja dann auch ein­ge­deutscht und bie­tet ein Fülle an deutsch­spra­chi­gem Mate­rial, daher freue ich mich sehr auf dei­nen Beitrag.

  4. Ich bevor­zuge eng­li­sche Texte, weil ich in der Lage bin, diese fast kom­plett aus­zu­blen­den. Bei den deut­schen Tex­ten besteht das Pro­blem, daß ich sie ver­ste­hen kann, und wenn ich sie ver­stehe, wün­sche ich mir meis­tens, daß ich sie nicht ver­stan­den hätte. Weil mir das oft als sinn­lo­ses Wort-aneinander-Gereihe vorkommt.

  5. Schön, dass meine Idee auf mehr oder min­der inter­es­sierte Ohren stößt ^^
    Meine Inten­tion hin­ter all dem war natür­lich auch nicht, einen »Sam­pler« mit für die Szene gemach­ter Musik zusam­men­zu­stel­len (wie viele Bands machen das schon?), son­dern ein­fach deutsch­spra­chi­gen Kram, den ich deut­scher Grufti als düs­ter emp­finde, gerne höre und der groß­teils auch mal auf schwar­zen Par­tys zu hören ist (nur eben reeee­la­tiv selten).

    Wobei ich sagen muss, dass auf der gran­dio­sen »Hor­ror High­school« (http://www.horror-highschool.de/) am Sams­tag recht viel deutsch­spra­chi­ger Kram lief (für mich z.B. Grau­zone) und ich über einen mir bis dato völ­lig unbe­kann­ten Song gestol­pert bin, der wohl genau unter die Kate­go­rie »ver­ein­nahmt« fällt, näm­lich »Fan fan fana­tisch« von Rhein­gold:
    http://www.youtube.com/watch?v=Cwmub7it6fg
    Die­ser sym­pa­ti­sche Waver mit der tol­len 80er-Frisur ist jeden­falls auch bös dazu abge­gan­gen, wenn ich das so dümm­lich sagen darf ^^

  6. @Vizioon: Ver­stehe, du legst Wert auf die Musik und nicht auf den Text. Dar­über hin­aus hast du natür­lich recht, viele Texte würde man lie­ber nicht ver­ste­hen, bevor man sich wie­der über Pseu­do­ro­ma­tik, Möch­te­gern­ly­rik und Fast-Food Poe­sie aufregt.

    @Karnstein: Kannst du bitte mal mit dem Erzeu­gen eines stän­di­gen Reiz über­mä­ßi­gen Spei­chel­flus­ses auf­hö­ren? Ich kann nicht für eine guten Party stän­dig 250km Ent­fer­nung zurück legen. Ich will sowas auch! :) Was habe ich statt des­sen? Fuch­tel­ra­ver und Knick­licht­gruf­ties *seufz* und nein, ich bin über­haupt nicht frustriert ;)

  7. @Robert: Fehlt bei Dei­nem Post nicht ein Wort? Z.B. auf­regt, freut, wun­dert, ärgert?
    Und ja, die Musik ist mir viel wich­ti­ger als der Text. Obwohl es schön ist, wenn sich Text und Musik ergän­zen.
    Ich liebe z.B. »Adie­mus: Songs of Sanc­tuary«, weil es eigent­lich kei­nen Text gibt, und es sich doch so gut anhört.

  8. @Vizioon: Habe es gefun­den. Das Wort war unter den Schreib­tisch gefal­len, glück­li­cher­weise bin ich nicht drauf­ge­tram­pelt. Habe es auf­ge­ho­ben und wie­der in den Kom­men­tar ein­ge­fügt. Danke für den Hinweis.

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