18 März

Too much Future - Ost!Punk

 

Von eben die­ser Zeit berich­tet Cars­ten Fie­be­lers Doku­men­ta­tion Too much Future — Ost!Punk,  der bereits 2007 fer­tig­ge­stellt wurde. Darin erzäh­len zwei Frauen und vier Män­ner von ihren unter­schied­li­chen Lebens­ent­wür­fen, deren Gemein­sam­keit der Schnitt­punkt Punk ist die sich alle wäh­rend ihrer Zeit mit der Frei­heits­be­rau­bung durch den Staat DDR aus­ein­an­der­set­zen muss­ten. Wäh­rend die Punk im Wes­ten gegen die Atom­kraft pro­tes­tier­ten und ihre Abnei­gung gegen den Staat offen­bar­ten, war das Leben des Punk im Osten des Lan­des geprägt von dem ewi­gen Zwie­spalt und der Grat­wan­de­rung zwi­schen Pro­vo­ka­tion und Knast. Der Film lebt dabei von den sehr leb­haft erzähl­ten Geschich­ten und den Ein­spie­lun­gen von Video­schnip­seln und Super-8-Filmen die­ser Zeit. Inter­es­sant ist jeder ein­zelne, das was er ein­mal war steht nicht immer in Har­mo­nie mit dem, was aus den sech­sen gewor­den ist.

Neben Jür­gen Tei­pels Buch Ver­schwende deine Jugend zeigt diese Doku­men­ta­tion den feh­len­den Teil der Gesamt­deut­schen Geschichte des Punk. Die eigent­lich völ­lig glei­chen Ideen in ver­schie­de­nen staat­li­chen Sys­te­men zu sehen, hat ihren ganz eige­nen Reiz und erwei­tert den eige­nen Hori­zont. Die Aus­wahl der Prot­ago­nis­ten des Films erscheint nicht zufäl­lig sehr exklu­siv, denn schon im Vor­feld hat sich das Team um die Doku­men­ta­tion inten­siv mit Men­schen und Per­sön­lich­kei­ten befasst und prä­sen­tiert mit den Inter­view­part­nern einen fei­nen Schnitt durch die alte und neue Punk­szene der DDR.

Bei Good!Movies ist der Film für rund 13€ zu bestel­len, Google lie­fert die Mäu­se­ki­no­ver­sion, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte und die hier in vol­ler Länge zu sehen ist. Für jeden Inter­es­sier­ten oder Ehe­ma­li­gen gehört die­ser Film aber zum Pflicht­pro­gramm und sollte in kei­nen spieß­bür­ger­li­chen EX-Punk Regal feh­len. Die DVD Ver­sion ergänzt die Doku­men­ta­tion mit vie­len der zu Grunde geleg­ten Film im Ori­gi­nal­for­mat und Inter­views mit den Regis­seu­ren, sowie zahl­rei­chen exklu­si­ven Fotos.

Film: ost!Punk — too much future — Doku­men­tar­film 2007
Regie: Cars­ten Fie­be­ler, Michael Boehlke
Dar­stel­ler: Cor­ne­lia Schleime, Colo­nel, Daniel Kai­ser, Bernd Stra­cke, Mita Scha­mal, Mike Göde
Lauf­zeit: 93 Minuten

Die Doku­men­ta­tion gibt es übri­gens bei Google Video in vol­ler Länge zu sehen, es langt zwar nur für ein Mäu­se­kino, reicht aber um einen ver­nünf­ti­gen Ein­blick zu bekom­men und sich nicht nur auf den mage­ren Trai­ler zu ver­las­sen. (via Kraft­fut­ter­mi­sch­werk)

(Bild­quelle: Ama­zon)

23 Februar

Aufbruch in die Endzeit

Aufbruch in die Endzeit

Wenn wir der Musik­in­dus­trie glau­ben schen­ken, bestand New Wave in Deutsch­land Anfang der 80er aus Nena, Hubert Kah und Geier Sturz­flug und nannte sich Neue Deut­sche Welle. Doch hin­ter dem Begriff ver­birgt sich viel mehr als nur ein Musik­genre oder eine plumpe Mode­er­schei­nung und außer­dem glau­ben wir der Musik­in­dus­trie grund­sätz­lich erst­mal gar nichts. New Wave sym­bo­li­siert den Wil­len zur musi­ka­li­schen Ver­än­de­rung, denn man ent­deckte, das jeder und alles Musik machen kann. Aus einer Mischung von Dile­tan­tis­mus, Krea­ti­vi­tät und Talent ent­stand die New Wave Bewe­gung auch in Deutsch­land. Wenn man so möchte ist die aus­lö­sende Sub­kul­tur der Punk, der in einer Neuen Welle der Musik die Welt und Deutsch­land flu­tete. Für mich jeden­falls ist das die größte musi­ka­li­sche Revo­lu­tion seit Rock’n’Roll.

Die DVD Auf­bruch in die End­zeit — 1980 New Wave Hit Explo­sion ist eine Video Doku­men­ta­tion über diese Musik in Deutsch­land und ist eine Samm­lung von Kurio­sen Live-Auftritten, Inter­views und Musik­vi­deos die­ser Zeit, die zu einer ein­zig­ar­ti­gen und sehr pun­ki­gen Col­lage zusam­men­ge­fügt wur­den und damit eine sehr authen­ti­sches Werk die­ser Zeit dar­stel­len. Was Jür­gen Tei­pel mit sei­nem Werk Ver­schwende deine Jugend begann, fin­det hier sei­nen media­len Abschluss in Ton und Bild. Sein Vor­wort bringt dabei den Zeit­geist und die Idee die­ser Zeit auf den Punkt: Den gan­zen Arti­kel lesen… »


16 Februar

This is England

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Ein lan­wei­li­ger Juli 1983 in einer eng­li­schen Küs­ten­stadt. Für den 12jährigen Shaun begin­nen die gro­ßen Ferien. Sie wer­den für den Jun­gen zu einer prä­gen­den inne­ren Reise die sowohl kul­tu­rell als auch per­sön­lich einige Über­ra­schung bereit­hält.
Sein Vater ist im Jahr zuvor im Falk­land­krieg gegen Argen­ti­nien gefal­len. Wer­den Shaun noch seine Mut­ter haben diese Fami­liäre Kata­stro­phe ganz bewäl­ti­gen kön­nen. Bei sei­nen gleich­alt­ri­gen Mit­schü­lern und Nach­bars­kin­dern ist Shaun wegen sei­nes agres­si­ven Ver­hal­tens Aus­sen­sei­ter. Eine zufäl­lige Begeg­nung mit Woody und sei­ner Skinhead-Gang, die den jun­gen in ihre Gemein­schaft auf­neh­men soll jedoch weit­rei­chende Kon­se­quen­zen haben.

Dort erhält der Junge das seit dem Tod des Vaters ver­misste Gemein­schafts­ge­fühl wie­der, erlebt Abend­teuer und den ers­ten Kuß eines Mäd­chens. Doch aus der anfangs eher harm­lo­sen Grup­pie­rung wird eine andere, als der frisch aus dem Gefäng­nis ent­las­sene Combo auf­taucht. Mit sei­ner rechts­ra­di­ka­len Gesin­nung mani­pu­liert und spal­tet er die Gruppe in zwei Lager. Shaun lässt sich auf seine Seite zie­hen und gerät in einen Stru­del aus Ras­sis­mus, Ver­zweif­lung und Gewalt. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


14 Februar

Gothic Beauty Magazine #27

von Robert ForstKategorie: Wortkunst1 Kommentar

gothic-magazine

Andere Län­der, andere Sit­ten heißt es. Das es nicht nur in Deutsch­land Gruf­ties gibt, dürfte mitt­ler­weile als All­ge­mein­wis­sen gel­ten, aber wie es dort nun wirk­lich aus­sieht weiß ich auch nicht. Wollte ich aber wis­sen, des­halb habe ich mir eine Reihe Aus­län­di­scher Zeit­schrif­ten besorgt um den Blick über den Tel­ler­rand zu wagen. Das Gothic Beauty Maga­zine, das ges­tern bei mir ein­ge­trof­fen ist, brauchte erstaun­li­cher­weise nur 4 Tage von der Bestel­lung bis zur Aus­lie­fe­rung in mei­nem Brief­kas­ten, was ich als opti­mal ein­stu­fen würde, das krie­gen deut­sche Ver­sen­der auch nicht bes­ser hin.

Die The­men­be­rei­che sind über­sicht­lich ange­ord­net und decken den gan­zen Inter­es­sen­be­reich eines Sze­ne­gän­gers ab. Fashion — Beschäf­tigt sich mit neuen Desi­gner und Mode­la­bels und zei­gen in 4 Aus­ge­wähl­ten Arti­kel ver­gan­gene und neue Trends [1, 2]. Show­case — Eine Form von Aus­stel­lung, in der nicht nur Kla­mot­ten, son­dern vor allem künst­le­ri­sche aus­ge­legte Arti­kel die unzäh­li­gen Sei­ten Dunk­ler Kunst beleuch­ten, zu fin­den sind. Span­nend ist in die­sem Zusam­men­hang, das die Ame­ri­ka­ner wohl eine Lei­den­schaft für Gothic Pup­pen haben, das ist jetzt kein abwer­ten­des Wort für Frauen son­dern für eigen­wil­lige Barbie-Verschnitte im Gothic Style. Wer sich selbst über­zeu­gen möchte, sollte ein­mal evangelineghastly.com oder begoths.com besu­chen, die in der Zeit­schrift vor­ge­stellt wer­den. Auch Skell­ra­mics, eine Manu­fak­tur für Geschirr mit Toten­köp­fen ist sehr inter­es­sant. Unter Life­style fin­den sich Arti­kel ver­schie­de­ner Auto­ren, die das schwarze Leben in all sei­nen Varia­tio­nen zei­gen, in die­ser Aus­gabe einen tol­len Arti­kel über mexi­ka­ni­sche Fried­höfe und die Kurz­ge­schichte A night in the Boneyard (Eine Nacht auf dem Fried­hof). Pro­file gibt es nicht nur über Men­schen wie eine ame­ri­ka­ni­sche Gothic Künst­le­rin, son­dern auch über den Film Repo! — The Gene­tic Opera und die Ser­pen­ti­nes, eine Gothic-Bauchtanz Truppe aus Port­land (siehe Bild). Den gan­zen Arti­kel lesen… »


10 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1990-2005

von Robert ForstKategorie: WortkunstKeine Kommentare

In Deutsch­land schlie­ßen sich etwa 20 bis 25 Pro­zent der Jugend­li­chen Sze­nen — Jugend­kul­tu­ren — an, doch jeder zweite sym­pa­thi­siert mit ihnen. Sie wol­len nicht wirk­lich voll und ganz dazu­ge­hö­ren, fin­den aber die Mode und die Musik »cool« und neh­men als Zaun­gäste immer wie­der an sze­ni­schen Events teil. Sze­ne­an­ge­hö­rige, vor allem natür­lich Musi­ker, DJs und Mit­ar­bei­tern von Maga­zi­nen sind wich­tige Trend­set­ter und Mei­nungs­füh­rer ihrer Generation.

Der Zweite Band der Reihe Zeit­bil­der ist bewusst auf die Zeit nach der Wende gelegt, denn diese Zeit war nicht nur eine Zeit des Wan­dels für Gesell­schaft, Poli­tik und Staat, son­dern auch für die Jugend aus Ost und West. Wäh­rend es im ers­ten Band mehr um die Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land geht, endet der zweite Band mit einem abschlie­ßen­den Fazit. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


9 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

von Robert ForstKategorie: Wortkunst3 Kommentare

Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewor­de­ner Scho­ko­rie­gel — zumin­des­tens rein Geis­tig.  Die BPB hat es sich zur Auf­gabe gemacht, Infor­ma­tio­nen über Poli­tik, Kul­tur und Geschichte auf­zu­be­rei­ten und in zahl­rei­chen Publi­ka­ti­ons­rei­hen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unter der Reihe Zeit­bil­der, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugend­kul­tur erschie­nen, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte.

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit dem ers­ten Band der Reihe, der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, die nahezu jeden Leser inter­es­sie­ren dürf­ten, denn jeder ist schließ­lich mal jung gewe­sen. Es geht aber nicht um die Jugend schlecht­hin, son­dern um die Min­der­hei­ten, deren Ein­fluss auf die große Mehr­zahl der Gleich­alt­ri­gen, die sich mit kei­ner Jugend­kul­tur im gan­zen iden­ti­fi­zie­ren kann, nicht unter­schätzt wer­den sollte. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


4 Februar

Skin - Hass war sein Ausweg

cover_dvd_big1979, irgendwo in den Nie­der­lan­den. Die anfangs den Punks nahe ste­hen­den Skin­heads radi­ka­li­sie­ren sich immer mehr nach rechts. Dem 17jährigen Fran­kie, Sohn eines jüdi­schen KZ-Überlebenden, ist gar nicht rich­tig klar, auf wen er sich da ein­ge­las­sen hat. Die neuen Kum­pel haben ihn ein­fach mit­ge­nom­men. Jetzt weiß er wenigs­tens, wo er hin­ge­hört, bekommt Aner­ken­nung und Auf­merk­sam­keit. Das konn­ten ihm sein schwer trau­ma­ti­sier­ter Vater und die kranke Mut­ter nicht geben. Die Bin­dun­gen zu sei­ner Fami­lie und sei­nem bis­he­ri­gen Leben zer­rei­ßen immer mehr. Bis es zu einer Kata­stro­phe kommt, die Fran­kie zum Mör­der macht …

Die nie­der­län­di­schen Skin­heads, geprägt von Ursprün­gen der Bewe­gung in den mul­ti­kul­tu­rel­len Arbei­ter­vier­teln East Lon­dons, sind eine pro­le­ta­ri­sche und poli­tisch links Ori­en­tierte Jugend­kul­tur, die ein­deu­tige Par­al­le­len zu den Punks auf­weist. Zusam­men­halt und Loya­li­tät, die Fran­kie inner­halb sei­ner Fami­lie ver­misst, fin­det er hier. Zusam­men mit sei­nem schwar­zen Freund Jef­frey macht er die Nach­bar­schaft unsicher.

Faschis­ten sehen in der Gewalt­be­rei­ten und labi­len Skin­head­szene den idea­len Nähr­bo­den für ihre ideo­lo­gi­schen Ideen. Unzu­frie­den­heit mit sich selbst und dem des­in­ter­es­sierte Vater, sowie der Tod sei­ner Mut­ter las­sen in Fran­kie Hass und Aggres­sion wach­sen, die er inner­halb der Nazi-Skin Szene aus­le­ben kann. Er teilt nicht die Beweg­gründe der Szene, schmückt sich aber den­noch mit ihren Sym­bo­len um dazu­zu­ge­hö­ren. Der Film endet in einer Tra­gö­die. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


30 Januar

Volkmar Kuhnle: Gothic-Lexikon

von Robert ForstKategorie: Wortkunst2 Kommentare

gothic-lexikonDas habe ich dir vor­her gesagt, warum hörst du nicht auf mich? Nicht das mir die Mei­nung die­ses Men­schen nicht wich­tig gewe­sen wäre, aber ich muss es erst immer am eige­nen Leib erfah­ren, mich sozu­sa­gen selbst gei­ßeln. Natür­lich rein geis­tig. Ein Ange­bot bei gro­ßen Inter­net­ver­sand­haus für 2€ weckte meine Auf­merk­sam­keit und so sollte es sein, dass eben jenes Gothic-Lexikon von Volk­mar Kuhnle nach einer Woche den Weg in mei­nen Brief­kas­ten fand.

Auf 337 Sei­ten schickt sich Herr Kuhnle an, die Welt der Gothic in Worte zu packen, diese zu erklä­ren und alpha­be­tisch anein­an­der­zu­rei­hen. Das erste was ins Auge des Betrach­ters fällt sind die teils mise­ra­blen Bil­der der beschrie­be­nen The­men, die oft­mals wie schlecht hoch­ge­pi­xelte Kleinst­bil­der wir­ken, die aus Zeit­schrif­ten aus­ge­schnit­ten wur­den. Die Kurz­be­schrei­bung auf der Rück­seite des Ein­ban­des lau­tet ver­hei­ßungs­voll: Gothic ist mehr als nur der Trend einer geheim­nis­vol­len Jugend-Szene. Geschichte und Gegen­wart der Gothic-Kultur wer­den in die­sem Lexi­kon erst­mals aus­führ­lich beschrie­ben. Für Szene-Insider wie für Inter­es­sierte. Begin­nen wol­len wir aber vorne, den in der Regel beginnt man dort ein Buch zu lesen.

Als Ursprung der Gothic Musik wird dort unter ande­rem Kraft­werk genannt, die viel­leicht elek­tro­ni­sche Pio­niere waren, aber mit Gothic Musik nicht wirk­lich etwas zu hat­ten. Auch die angeb­li­che S/M-Musik als Sub­genre konnte ich nicht nach­voll­zie­hen, auch das wir aus unse­rer nega­ti­ven Grund­ein­stel­lung zur Roman­tik fin­den, halte ich für ein Gerücht.  Der Rest des Buches han­delt von Begrif­fen, die für die Szene und die Musik rele­vant sein sol­len, dabei han­delt es sich aber nur um eine Zusam­men­stel­lung von Beschrei­bun­gen über Bands und Künst­ler, die Wiki­pe­dia sicher bes­ser hin­be­kommt. Dazwi­schen fin­den sich dann immer wie­der lieb­lose Ein­streu­un­gen unglaub­lich düs­te­rer Begriffe: Den gan­zen Arti­kel lesen… »


26 Januar

Le Petit Mort - Sex, Drugs und Mukoviszidose

von Robert ForstKategorie: WortkunstKeine Kommentare

Buchcover von le petit mortJörn Ranisch, der seit sei­ner Lehre von allen »Pfeffi« genannt wird, wurde 1969 in Greifs­wald gebo­ren und gehört seit den spä­ten 80ern zu der auch in der DDR exis­tie­ren­den Gothic oder Gruftie-Szene an. In sei­ner Auto­bio­gra­phie Le Petit Mort erzählt er von guten und nega­ti­ven Erfah­run­gen mit der Szene und der übri­gen Gesell­schaft, vom trot­zi­gen Auf­be­geh­ren gegen staat­li­che Bevor­mun­dun­gen und seine lebens­be­dro­hende Krank­heit, vom Spaß am Leben in der düster-melancholischen Welt der schwar­zen Subkultur.

Als Pfeffi in der Mitte der 80er durch seine Muko­vis­zi­dose den Anschluss zur rest­li­chen Jugend in der DDR ver­lor und aus­ge­grenzt wurde, inter­es­sierte er sich mehr und mehr für alter­na­tive Jugend­sze­nen, in denen Aus­gren­zung und Anders­sein zum Leben gehört. Im Lehr­lings­in­ter­nat ent­wi­ckelte er zuneh­men­des Inter­esse für die Punk und Gruf­tie Szene und erfuhr so Zuge­hö­rig­keit zu einer Cli­que. Seit nun­mehr 20 Jah­ren lebt er als Gruf­tie unter Punks, Skin­heads und ande­ren unan­ge­pass­ten Jugend­li­chen. Eine Zeit der Frei­heit und der Selbst­ver­wirk­li­chung, abseits kom­mer­z­ori­en­tier­ter Spie­ßer und Doppelmoral.

Bücher, die ver­meint­li­che Innen­an­sich­ten einer Szene ver­mit­teln wol­len, gibt es wie Sand am Meer. Mit lächer­li­chen Ver­su­chen den Reiz der Szene zu erklä­ren, zu erfas­sen oder zu beschrei­ben hält sich Jörn Ranisch gar nicht erst auf und hebt sich damit posi­tiv vom Ein­heits­brei selbst­er­nann­ter Gothic-Bibeln ab. Das Buch ist eine akri­bi­sche Auf­lis­tung sei­nes Lebens mit allen Höhen und Tie­fen die ihm sein Umfeld oder seine Krank­heit beschert hat. Seine unver­blümte und direkte Schreib­weise machen das Buch zu einer ange­neh­men Lek­türe die kein auf­ge­schla­ge­nes Fremd­wör­t­er­le­xi­kon zum ver­ste­hen benö­tigt. Die Paa­rung mit Sar­kas­mus und Wort­krea­ti­vi­tät (»Schicht­kot­zen«) machen  aus die­sem Werk eine der bes­ten Innen­an­sich­ten der deut­schen (und ost­deut­schen)  Gothic Szene. Dar­über hin­aus zeigt es die Wende aus der Sicht eines Jugend­li­chen, Leben mit einer Behin­de­rung aus der Sicht eines Behin­der­ten und Deutsch­land aus der Sicht eines Grufties.

Jörn Ranisch mit TotenkopfNach­dem ich das Buch gele­sen hatte, erschien mir mein Leben als zu kurz um alles das nach­zu­ho­len, was Jörn Ranisch erlebt hat. Es wird deut­lich, dass unser Leben das wich­tigste Geschenk ist, das wir jemals bekom­men haben — den Tod täg­lich vor Augen lebte er sei­nen Leben so, wie es der ein oder andere gern leben würde.

Le Petit Mort bedeu­tet wört­li­che Der kleine Tod, steht im Fran­zö­si­schen aber für einen Orgas­mus. Damit beschreibt er unter ande­rem die Dua­li­tät in sei­nem ereig­nis­rei­chen Leben, denn eigent­lich muss Ranisch jeden Tag mit sei­nem Tod rech­nen, die durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung eines an Muko­vis­zi­dose erkrank­ten Men­schen hat er bereits deut­lich über­schrit­ten, sein Lebens­hun­ger ist dabei unge­bro­chen, seine sexu­el­len Phan­ta­sien viel­fäl­tig und seine Krea­ti­vi­tät groß­ar­tig. Autor Jörn Ranisch lebt (immer noch) in Ber­lin, ist 38 Jahre und ist als Yoran Nesh auf sei­ner Inter­net­seite zu genie­ßen. Außer­dem enga­giert er sich noch für das Pro­jekt Cul­ture on the Road und infor­miert Jugend­li­che was es heißt, Gothic zu sein.

Dass seine 422 Sei­ten starke Auto­bio­gra­phie nicht allen gefal­len hat, zei­gen 8 geschwärzte Text­pas­sa­gen, die der Ver­lag nach Pro­zes­san­dro­hung bede­cken musste. Als Aus­gleich hat Pfeffi die Erst­auf­lage von 3000 Bücher alle per­sön­lich signiert. Das Buch ist beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren erschie­nen und für 18€ zu haben, von denen sich wirk­lich jeder Cent lohnt.

(Bild­quelle: Yoran Nesh)

22 Januar

Klaus Farin: Über die Jugend

von Robert ForstKategorie: Wortkunst5 Kommentare

essays_lEiner Auk­tion bei E-Bay habe ich zu ver­dan­ken, das ich Ende 2008 eine Ori­gi­nal­aus­gabe des von Klaus Farin ver­fass­ten Buches Über die Jugend und andere Krank­hei­ten gekom­men bin. Das Buch ist beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren in Ber­lin erschie­nen und bie­tet auf rund 120 Sei­ten Essays und Reden des 50-jährigen Ber­li­ners aus den Jah­ren 1994 — 2008. Klaus Farin arbei­tet als Lei­ter des Archiv der Jugend­kul­tu­ren, ist Lek­tor und Initia­tor des Pro­jek­tes Cul­ture on the Road. Aus unzäh­li­gen Vor­trä­gen und Lesun­gen hat er die Quint­es­senz in die­ses kleine Buch geschrieben.

Das Buch bie­tet daher keine durch­ge­hende Geschichte son­dern ist ein lose Samm­lung von Vor­trä­gen, Kom­men­tare und andere Bei­träge  zu zen­tra­len The­men sei­ner Arbeit wie der Medi­en­dar­stel­lung von Jugend, Rechts­ex­tre­mis­mus, Jugend­ge­walt und Kri­mi­na­li­tät, Jugend­kul­tu­ren & Dro­gen sowie eine Ein­füh­rung in die Prin­zi­pien und prak­ti­sche Arbeit des Archiv der Jugendkulturen.

Es wird deut­lich, das Auf­klä­rungs­ar­beit selbst in Berei­chen nötig ist, von denen man eher eine vor­ur­teils­freier Her­an­ge­hens­weise erwar­tet hätte. So wun­dert es nicht, das viele sei­ner Reden bei Jugend­ar­bei­tern, Sozi­al­ar­bei­ter und Päd­ago­gen auf offene Ohren sto­ßen, den trotz eines brei­ten Fach­wis­sens über Kin­der– und Jugend­ar­beit fehlt vie­len der prak­ti­sche Bezug zu den ein­zel­nen Sze­nen und der Jugend­kul­tur im All­ge­mei­nen. Immer wie­der weist Farin dar­auf hin, mit den Mit­glie­dern der Szene direkt und unvor­ein­ge­nom­men in Kon­takt zu tre­ten, als sei­nen Bezug aus Fach­bü­chern und staat­li­chen Ana­ly­sen zu zie­hen. Den gan­zen Arti­kel lesen… »