1 Mai

Vita Nigra – Eine Dokumentation über das Leben in Schwarz

Vita Nigra - Leben in SchwarzEs gibt unzählige Dokumentationen und Reportagen über die Gothic-Szene und ganze Bücher beschreiben das, was einst als Jugendkultur begann. Manche Macher versuchen sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen, andere versuchen eine Erklärung zu finden und wieder andere malen ein möglichst sensationslüsterndes Bild um mit uns, den “Gothics”, Einschaltquoten zu generieren. Wie soll man auch etwas in 45 Minuten oder auf 300 Seiten beschreiben, dass seit über 30 Jahren wächst und gedeiht? Zumal jedes neueste Machwerk auf die Szene selbst trifft, die selbstverständlich alles bezweifelt, weil sie fürchtet, sich in eine Schublade stecken zu lassen.

Eine E-Mail brachte mich zum Staunen. Inga Siebert, 23 Jahre alt und seit knapp 9 Jahren Szene-Mitglied, möchte sich mit der Dokumentation “Vita Nigra” eben dieser Aufgabe stellen und eine Facette der Szene darstellen: “Hallo, ich bin gerade fleißig dabei eine Dokumentation über die schwarzromantische Szene zu erstellen. Diese wird extrem umfangreich sein und mindestens eine Stunde dauern.“ Die Dunkelromantiker, die ihre Wurzeln ebenfalls in den 80er Jahren finden dürften, von jemandem beschrieben, der sich erst seit 2004 zur Szene zählt? Der Alt-Gruft, der unzählige Bücher gewälzt hat und elitär die Nase rümpft spricht aus mir: “Niemals! Wie anmaßend!”, doch der extrem neugierige und leidenschaftliche Szenegänger freut sich: “Endlich eine frische Herangehensweise!” Ich bin verwirrt, doch die Neugier gewinnt. Eindeutig. Grund genug, einmal nachzuhaken, wer hinter der Dokumentation, die Ende Mai veröffentlicht werden soll, steckt. Den ganzen Artikel lesen… »


30 März

Molybdän: Katharina Henot – Hexenwahn in Köln

Ein Bild von Raimond Spekking

©Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0

Vor 385 Jahren wurde die als Hexe beschuldigte Katharina Henot in Köln Melaten verbrannt. Die bekannte und angesehene Postmeisterin aus Köln wurde von einer Nonne der Hexerei bezichtigt. Die Gerüchte um die Patrizierwitwe verbreiteten sich schnell und trotz zahlreicher Verteidigungsschriften veranlasste der Rat der Stadt Köln ihre Inhaftierung.

Katharina Henot wurde angeklagt und gefoltert, gestand jedoch nie die Taten, die ihr zur Last gelegt wurden. Nach der damaligen Rechtssprechung hätte sie freigelassen werden müssen, doch Gerechtigkeit war ein Luxus, der Henot nie zuteil wurde. Katharina Henot wurde am 19. Mai 1627 erdrosselt, der durch Folter verkrüppelte Leichnam anschließend verbrannt.

Die nach dem gleichnamigen Metall benannte Band Molybdän erinnert in ihrem Stück “Katharina Henot” an die schreckliche Tat und verwendet im Text einige Passage aus den historischen Prozessakten. Molybdän, das sind Beate Rademacher (Gesang), Karsten Vorwerk (Keyboard) und Phillip Parusel (Schlagzeug), die ihre von Gothic und Metal beeinflusste Musik symphonic Rock nennen. Den ganzen Artikel lesen… »


2 März

Woyzeck von David Bösch – Wahnsinnig gut!

Die Handlung des StückesDie Bühne im Siegener Apollo Theater wird durch einen eisernen Vorhang von der Zuschauertribüne abgeschirmt. Das Licht geht aus, das Publikum verstummt. Es ist stockdunkel. Die Tür des Seiteneingangs öffnet sich. Eine Kreatur hinkt in den Raum, raucht und bleibt vor dem eisernen Vorhang stehen. Sie sieht aus wie eine Mischung aus Mumie und Brandon Lee in “The Crow”. Sie ist mit einer Lichterkette umwickelt und wird so zum einzigen Blickpunkt in der Finsternis des Raums. Sie referiert über viehische Vernunft und vernünftige Viehigkeit und pustet den Vorhang auf.

“Meine Herren, meine Herren! Sehen Sie die Kreatur, wie sie Gott gemacht.

Die erste Szene zeigt Woyzeck, der mit gigantischen Schnüren durch eine Haube an der Decke festgemacht ist. Die Szene erinnert mich an Giger-Bilder. Das Bühnenbild ist schlicht und düster – fast gänzlich schwarz, gekrönt von einem riesigen Loch, über dem der Himmel liegt, den niemand sehen kann. Der Doktor beleidigt Woyzeck und quält ihn mit Stromstößen, bis Woyzeck schließlich zusammenbricht.

Nein, ich möchte natürlich keine Nacherzählung dieses Theaterstücks schreiben. Aber allein der Einstieg dieser Woyzeck Inszenierung von David Bösch war ein Meisterstück. Die Charaktere im Stück sind abgerissen, melancholisch, desillusioniert, kalt, verrückt. Man bekommt den Eindruck, in eine surrealistische Science-Fiction-Welt zu schauen. Ich habe auf Youtube ein Video  der Aufführung gefunden: Den ganzen Artikel lesen… »