30 März

Molybdän: Katharina Henot - Hexenwahn in Köln

Ein Bild von Raimond Spekking

©Rai­mond Spek­king / CC-BY-SA-3.0

Vor 385 Jah­ren wurde die als Hexe beschul­digte Katha­rina Henot in Köln Mela­ten ver­brannt. Die bekannte und ange­se­hene Post­meis­te­rin aus Köln wurde von einer Nonne der Hexe­rei bezich­tigt. Die Gerüchte um die Patri­zi­er­witwe ver­brei­te­ten sich schnell und trotz zahl­rei­cher Ver­tei­di­gungs­schrif­ten ver­an­lasste der Rat der Stadt Köln ihre Inhaftierung.

Katha­rina Henot wurde ange­klagt und gefol­tert, gestand jedoch nie die Taten, die ihr zur Last gelegt wur­den. Nach der dama­li­gen Rechts­spre­chung hätte sie frei­ge­las­sen wer­den müs­sen, doch Gerech­tig­keit war ein Luxus, der Henot nie zuteil wurde. Katha­rina Henot wurde am 19. Mai 1627 erdros­selt, der durch Fol­ter ver­krüp­pelte Leich­nam anschlie­ßend verbrannt.

Die nach dem gleich­na­mi­gen Metall benannte Band Molyb­dän erin­nert in ihrem Stück »Katha­rina Henot« an die schreck­li­che Tat und ver­wen­det im Text einige Pas­sage aus den his­to­ri­schen Pro­zess­ak­ten. Molyb­dän, das sind Beate Rade­ma­cher (Gesang), Kars­ten Vor­werk (Key­board) und Phil­lip Paru­sel (Schlag­zeug), die ihre von Gothic und Metal beein­flusste Musik sym­pho­nic Rock nen­nen. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


2 März

Woyzeck von David Bösch - Wahnsinnig gut!

Die Handlung des StückesDie Bühne im Sie­ge­ner Apollo Thea­ter wird durch einen eiser­nen Vor­hang von der Zuschau­er­tri­büne abge­schirmt. Das Licht geht aus, das Publi­kum ver­stummt. Es ist stock­dun­kel. Die Tür des Sei­ten­ein­gangs öffnet sich. Eine Krea­tur hinkt in den Raum, raucht und bleibt vor dem eiser­nen Vor­hang ste­hen. Sie sieht aus wie eine Mischung aus Mumie und Bran­don Lee in »The Crow«. Sie ist mit einer Licht­er­kette umwi­ckelt und wird so zum ein­zi­gen Blick­punkt in der Fins­ter­nis des Raums. Sie refe­riert über vie­hi­sche Ver­nunft und ver­nünf­tige Vie­hig­keit und pus­tet den Vor­hang auf.

»Meine Her­ren, meine Her­ren! Sehen Sie die Krea­tur, wie sie Gott gemacht.

Die erste Szene zeigt Woyzeck, der mit gigan­ti­schen Schnü­ren durch eine Haube an der Decke fest­ge­macht ist. Die Szene erin­nert mich an Giger-Bilder. Das Büh­nen­bild ist schlicht und düs­ter — fast gänz­lich schwarz, gekrönt von einem rie­si­gen Loch, über dem der Him­mel liegt, den nie­mand sehen kann. Der Dok­tor belei­digt Woyzeck und quält ihn mit Strom­stö­ßen, bis Woyzeck schließ­lich zusammenbricht.

Nein, ich möchte natür­lich keine Nach­er­zäh­lung die­ses Thea­ter­stücks schrei­ben. Aber allein der Ein­stieg die­ser Woyzeck Insze­nie­rung von David Bösch war ein Meis­ter­stück. Die Cha­rak­tere im Stück sind abge­ris­sen, melan­cho­lisch, des­il­lu­sio­niert, kalt, ver­rückt. Man bekommt den Ein­druck, in eine sur­rea­lis­ti­sche Science-Fiction-Welt zu schauen. Ich habe auf Youtube ein Video  der Auf­füh­rung gefun­den: Den gan­zen Arti­kel lesen… »