Als ich ein paar Bekannten davon erzählte, dass ich am vergangenen Wochenende zum Amphi 2011 nach Köln fahren werde, entlockte ich ihnen den zynischen Kommentar: »Du fährst also zum deinem schwarzen Karneval nach Köln!« Ich war bestürzt, entrüstet und zur Gegenargumentation bereit. Ich holte tief Luft und bereite mich darauf vor, einen längeren Vortrag darüber zu halten, was Kleidung und Styling für mich bedeuten, als ich einen Augenblick inne hielt und nachdachte.
Hatten sie denn wirklich Unrecht? Wie viel Wahrheit schlummert in dieser unbedachten Bemerkung über das Festival in der Domstadt?
Mit guten Vorsätzen und einer optimistischen Grundhaltung machte ich mich also auf, mögliche Vorurteile auszuräumen und das Klischee des schwarzen Karnevals zu entkräften. Das diese Mission zum Scheitern verurteilt sein sollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Als ich gemeinsam mit Sabrina am Tanzbrunnen saß und die flanierenden Besucher des Festivals betrachtete, stolperten meine Gedanken in die Vergangenheit. Unweigerlich stellte sich mir die Frage, ob es früher möglich gewesen wäre, dass Leute im weißen Lack-Krankenschwester-Kostüm, Leute mit Wikinger-Mützen aus Stoff, Leute mit Jeck-is-Jut-Shirts, Leute mit neonfarbenen Plastikhaaren, Leute mit Uniformen oder Leute mit Schulterdrachen und Spongebob-Sweatshirts in der Darkwave-Disko aufgetaucht wären.
Mit fortschreitender Uhrzeit und steigendem Alkoholpegel schloss sich die Frage an, ob es damals schon so war, dass Grufties ihren Müll in die Blumenbeete schmissen, laut gröhlend die Songs ihrer Bands verulkten oder völlig besoffen die Treppen runter torkelten. Ist es schon immer so gewesen, dass Leute mit Camouflage-Hosen und nacktem Oberkörper durch den Regen stolzierten und leicht bekleidete Mädchen mit Plastikröcken barfuß über den mit Müll übersäten Boden stapften? Den ganzen Artikel lesen… »








