7 Juni

Die Sonne brennt heiß: Mein kleines WGT Tagebuch (2)

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Gebäude des MDRSams­tag, 22. Mai 2010: Die Nacht war viel zu kurz, aber Früh­stück gibt es nur bis 10 Uhr. Das Bild von ver­schla­fe­nen Gruf­ties die schwarz geklei­det durch den Früh­stücks­raum schlur­fen ent­schä­digt für die Ent­beh­run­gen der Nacht. Heute werde ich ein zwei Inter­views durch­füh­ren und bin schon ent­spre­chend auf­ge­regt und ver­su­che mich noch ein­mal the­ma­tisch vor­zu­be­rei­ten. Wir fah­ren erst mal ins Zen­trum, wol­len die Moritz­bas­tei besu­chen und uns unter die Leip­zi­ger Bevöl­ke­rung mischen um die Sehens­wür­dig­kei­ten der Stadt zu besu­chen. Ein tol­les Bild, über­all gibt es schwarze Ansamm­lun­gen die das Stadt­bild ent­schie­den beein­flus­sen. Offen­bar ver­wirrt zei­gen sich andere Besu­cher von Leip­zig, sind aber nicht scheu die fremde und schwarz geklei­de­ten Men­schen in ihre Stadt­be­sich­ti­gung mit einzubeziehen.

Hätte ich doch eine Kopf­be­de­ckung mit­ge­nom­men, es ist noch nicht ganz Mit­tag und ich spüre schon wie sich mein Kopf bedenk­lich erhitzt. Pünkt­lich treffe ich auf Guld­han mit dem ich mich in die Innen­stadt setze um beim freund­li­chen Inder zum Inter­view ein Was­ser zu ver­zeh­ren, sehr span­nend vir­tu­elle Bekannt­schaf­ten mit reel­len Ein­drü­cken zu ver­knüp­fen. Es ist Mit­tag, das rie­sige Gebäude des mdr spen­det auch kei­nen Schat­ten, wir ver­zie­hen uns in den Kel­ler der Bas­tei um ein paar kalte Getränke zu uns zu neh­men und meine Stirn­syn­ap­sen vor Über­hit­zung zu bewah­ren. Über­all dunkle Gestal­ten, die sich hier ver­bor­gen in der Kühle der alten Gemäuer sicht­lich woh­ler füh­len als auf der Ober­flä­che. Ich weiß nun, warum man das WGT nicht Wave-Gotik-Festival nennt. Es ist keins. Leip­zig ist über Pfings­ten der größte Treff­punkt für schwarze Gemein­de­mit­glie­der aus aller Welt, die Musik ist ein ange­neh­mes Bei­werk aber nicht der Mit­tel­punkt. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


5 Juni

Jetzt schminken sich auch unsere Jungs!

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Deutsch­land 1984: „Letzte Trend­mel­dung! Bis­her nur in Lon­don, nun auch bei uns: Jetzt schmin­ken sich auch unsere Jungs. Zwi­schen Flens­burg und Kon­stanz tra­gen sie in der Disco ihre Kriegs­be­ma­lung zur Schau. Ver­we­gene wagen sich der­art geschmückt auch in die Schule oder in die Lehr­stelle.” Die Idole der Jugend machen es vor: Schminke bei Män­nern fällt auf, nie waren die Mög­lich­kei­ten viel­fäl­ti­ger das Umfeld zu pro­vo­zie­ren. Adam Ant oder Boy George machen es vor, wie man durch den Exzes­si­ven Gebrauch von Schminke den eige­nen Style maxi­miert. Jahre spä­ter nannte man die­ses Phä­no­men New Roman­tic und war eben so schnell vor­bei wie es kam, doch in den Jugend­kul­tu­ren ließ es seine Spuren.

In der Gothic-Szene ver­zich­tete man wei­test­ge­hend auf Farbe, son­dern kon­zen­trierte sich auf den Kon­trast zwi­schen Schwarz und Weiß und den dezen­ten Ein­satz von roten Lip­pen. Ganz so wie Robert Smith es den Fans zeigte. Wäh­rend des­sen mach­ten sich die eige­nen Eltern große Sor­gen, wel­chen Weg ihr Sohn nun ging und der Streit um die Schminke und Bade­zim­mer­ho­heit war unter Geschwis­tern vor­pro­gram­miert. Die ers­ten Geh­ver­such mit dem Kajal der Schwes­ter ende­ten nicht sel­ten mit blu­ti­gen Augen, weil man wie­der ein­mal vom Lid abge­rutscht war. Die männ­li­che Moto­rik ist ja auch nicht unbe­dingt geeig­net und fein­mo­to­ri­sche Gesichts­ver­zie­rung aus­zu­füh­ren. Nicht sel­ten endete so machen Schmin­kor­gie des eige­nen Kin­des bei der örtli­chen Familienberatung.

In gut unter­rich­te­ten Gruftie-Kreisen sprach man lie­be­voll von tot­schmin­ken, denn die mit wei­ßer Thea­ter­schminke appli­zierte Blässe im Gesicht und die schwarz umran­de­ten Augen erin­nert an die blasse Farbe ver­stor­be­ner Men­schen, die ja kurio­ser­weise bunt geschminkt wurde um bei offe­nen Sär­gen den gewohn­ten Anblick des Ver­stor­be­nen zu wah­ren. Ergänzt wurde der Style durch teil­weise frak­tale Ver­zie­run­gen der Augen­par­tie oder dem nach­zeich­nen der ent­fern­ten Augenbrauen.

Schwarz­ro­man­ti­ker fokus­sie­ren damit auch den Look des Adels und bezie­hen sich auf das Mit­tel­al­ter, denn hier half die Haut­farbe dabei den Stand eines Men­schen zu erken­nen. Die „edle Blässe” war oft­mals den adli­gen vor­be­hal­ten, die ja zum hüten ihrer Reich­tü­mer das Haus sel­ten ver­lie­ßen, wäh­rend das gemeine Volk ein Tätig­keit im Freien nach­ging, was unwei­ger­lich zu einer gewis­sen Bräune führt. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


1 Juni

Archiv der Jugendkulturen: Szene trifft Forschung

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Szene trifft ForschungJugend­kul­tu­ren sind der Spie­gel der Gesell­schaft und der zeigt bekannt­lich immer wie­der ein ande­res Bild. Sie sind immer schon Quelle inno­va­ti­ver Denk­an­sätze gewe­sen und zei­gen Welt­an­schau­un­gen, denen man selbst als Erwach­se­ner treu bleibt. Ein ande­rer Weg sich zu klei­den und Musik abseits des Main­stream sind typi­sche Identifikationsmerkmale.

Viele Stu­den­ten inten­si­vie­ren ihre Szene Zuge­hö­rig­keit wäh­rend des Stu­di­ums und machen diese auch — je nach Stu­di­en­rich­tung — zum Thema ihrer Arbei­ten in dem sie wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen schrei­ben, Dis­ser­ta­tio­nen ver­fas­sen oder auch Diplom– oder Magis­ter­ar­bei­ten dar­über ver­fas­sen. Doch was nüt­zen alle diese Gedan­ken wenn die keine Platt­form fin­den auf denen sie ver­brei­tet wer­den? Die meis­ten Arbei­ten wer­den von Pro­fes­so­ren und Gut­ach­tern gele­sen und ver­stau­ben danach in den Kam­mern der Universitäten.

Ges­tern kam eine Mail des Archivs der Jugend­kul­tu­ren, die sich genau mit die­sem Pro­blem beschäf­tigt und die ich ein­fach auf­grei­fen möchte, weil ich die Idee dahin­ter ein­fach gut finde und neu­gie­rig bin, wie andere unter wis­sen­schaft­li­chen Vor­zei­chen über die Szene denken.

Aus­zug aus der Pres­se­mit­tei­lung des Archivs der Jugend­kul­tu­ren:

Das Ber­li­ner Archiv der Jugend­kul­tu­ren ver­öf­fent­licht wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten von Stu­die­ren­den, wenn sie Jugend­sze­nen erfor­schen - und zahlt den jun­gen For­sche­rIn­nen sogar 2.000 Euro Hono­rar. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


29 Mai

Rohre so groß wie Geschützbatterien: Mein kleines WGT Tagebuch (1)

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Rohre so groß wie die von Geschütz­bat­te­rien alles ver­nich­ten­der Kriegs­schiffe zie­len auf schwarz geklei­dete Men­schen und ent­schei­den mit einem Knopf­druck über Hot or Not. Man könnte nei­disch wer­den bei so pro­fes­sio­nel­lem Kamera-Equipment und wil­li­gen Prot­ago­nis­ten die sich ganz und gar der Kamera hin­ge­ben. Alle nam­haf­ten Musik­me­dien ent­sen­den ihre geneig­ten Redak­teure um mit spit­zer Feder über die Bands zu schrei­ben die die­ses Jahr so zahl­reich ein­ge­la­den wur­den. Aber wäh­rend sich die Schrei­ber in arg­wöh­ni­scher Selbst­herr­lich­keit das Unver­ständ­nis über die Dar­bie­tun­gen von der Seele schrei­ben um dann mög­lichst objek­tiv über das sub­jek­tivste der Welt schrei­ben — das Emp­fin­den für Musik — über­lege ich, wie man die Ein­drü­cke mög­lichst elo­quent ver­ar­bei­ten könnte.

Die Ant­wort? Gar nicht. Ich ver­su­che es über­haupt erst nicht. Ich habe schlechte Bil­der gemacht und nie­mand ist für meine Kom­pakt­ka­mera ste­hen geblie­ben. Ver­su­che, etwas objek­tiv zu erfas­sen sind an sub­jek­ti­ven Emo­tio­nen klag­los geschei­tert. Aber viel­leicht soll es auch gar nicht anders sein. Trotz­dem habe ich das Ver­lan­gen etwas von dem zu erzäh­len was ich erlebt habe und möchte bewusst von knall­har­ten Fak­ten abwei­chen um das zu erfas­sen was das WGT viel­leicht zu dem macht, was es ist. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


26 Mai

Pressestimmen zum Wave-Gotik-Treffen 2010

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Nach­dem mein Bei­trag aus dem letz­ten Jahr so posi­tiv auf­ge­nom­men wurde, möchte ich auch die­ses Jahr kurz zusam­men­tra­gen, was die Presse so über das Pfingst­wo­chen­ende in Leip­zig zu berich­ten weiß. Die­ses Jahr sticht vor allem eine Per­son her­aus, Cor­ne­lius Brach, der als Pres­se­spre­cher der Tref­fen & Fest­spiel­ge­sell­schaft für Mit­tel­deutsch­land im Namen des WGT auf­tritt, der nahezu von allen Medien in immer glei­chen Flos­keln zitiert wird. Ein paar Pres­se­be­richte habe ich trotz­dem zusam­men­ge­tra­gen. Ich bin gespannt wel­che Fülle an Mate­rial noch in den nächs­ten Wochen ver­ar­bei­tet wird. Der Anzahl der Foto­ap­pa­rate und deren Aus­lö­se­häu­fig­keit müsste es dem­nächst nur so wim­meln von Auf­nah­men. Auch ich werde mich mit einem Bericht über das WGT in den nächs­ten Tagen anschlie­ßen um die Tage aus mei­nen Augen zu spie­geln und dabei in gewohn­ter Weise wie­der andere Wege beschrei­ten, als man es viel­leicht erwar­ten dürfte. Es gilt unglaub­lich viele Ein­drü­cke zu ver­ar­bei­ten, Zeit sich die Ein­drü­cke „pro­fes­sio­nel­ler” anzuschauen:

Die Leip­zi­ger Volks­zei­tung berich­tet: „Leip­zig. Nach vier Tagen ist am Mon­tag das 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leip­zig zu Ende gegan­gen. Etwa 20.500 Besu­cher tauch­ten die Stadt vier Tage lang in schwarz. Knapp 200 Szene-Künstler mit ihren Dar­bie­tun­gen stan­den auf dem Pro­gramm des tra­di­tio­nel­len „Fami­li­en­tref­fens“, das jedes Jahr zu Pfings­ten tau­sende Anhän­ger düs­te­rer Musik nach Leip­zig zieht.”  und bringt damit die Sache sach­lich in ihre Zei­tung. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


25 Mai

Umstrittene Riefenstahl Ästhetik auf der WGT Karte 2010?

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WGT 2010 EintrittskarteEigent­lich hatte man gehofft, das sich die Ver­an­stal­ter des WGT nach der Dis­kus­sion um das Sym­bol der schwar­zen Sonne auf der Obsor­ge­karte zum WGT 2009 geschick­ter ver­hal­ten hät­ten, aber das Gegen­teil scheint der Fall zu sein wenn man den Gerüch­ten glau­ben schen­ken möchte. Aber was ist dran an die­ser Behaup­tung? Auf der Karte des dies­jäh­ri­gen Wave-Gotik-Treffen sind in den Flü­geln des Schmet­ter­lings zweite nackte Men­schen dar­ge­stellt, die offen­sicht­lich im Tanze die Kör­per stre­cken und die Arme in die Luft wer­fen und die einem Bild, das ver­mut­lich aus Leni Rie­fen­stahls Film Olym­pia stammt zum ver­wech­seln ähnlich sieht.  (Anmer­kung: Den Scan die­ser Ein­tritts­karte habe ich auch Gründe der Sicht­bar­keit in Farbe und Sät­ti­gung mani­pu­liert)

Leni Rie­fen­stahl, die sich vor allem im drit­ten Reich als Film­re­gis­seu­rin und Foto­gra­fin einen Namen machte, gehört zu einer der umstrit­tens­ten Künst­le­rin­nen die­ser Zeit. Nicht nur wegen ihrer per­sön­li­chen Bezie­hung zu Adolf Hit­ler son­dern auch und vor allem wegen ihrer fil­mi­scher Werke, denen rück­bli­ckend vor­ge­wor­fen wird, natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideo­lo­gien zu glo­ri­fi­zie­ren. Die von Rie­fen­stahl geschaf­fene Ästhe­tik, gut gebaute Kör­per in der Bewe­gung und beim Sport abzu­lich­ten waren stil­prä­gen­des Mit­tel, das vor allem im Film Olym­pia 1938 umge­setzt wurde, der auch heute noch inter­na­tio­nale Aner­ken­nung erfährt. Das TIME-Magazin wählte den Film in die bes­ten 100 Filme aller Zei­ten1, die Film­be­wer­tungs­stelle Wies­ba­den kenn­zeich­nete die DVD als „beson­ders wert­voll„2. Den gan­zen Arti­kel lesen… »

  1. Olym­pia, Parts 1 and 2 (1938). Film­kri­tik von Richard Cro­liss und Richard Schi­ckel im TIME Maga­zine, 2005 []
  2. Olym­pia der Film, Wiki­pe­dia Ein­trag zum Film []