7 Januar

ZDF Doku: Schwarz vor Augen

Ver­glei­che ich die Medi­en­be­richte über die Gothic-Szene der letz­ten 20 Jahre vor dem geis­ti­gen Auge, fällt mir auf, das die Skep­sis und Ableh­nung einer Art von Auf­merk­sam­keit und Akzep­tanz gewi­chen ist, die zwar immer gewünscht wurde, aber letzt­end­lich die Szene ihrer Grund­lage beraubt. Auf dem ZDF Info­ka­nal gab es 2009 eine Mini­reihe zu den Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, in der man sich den größ­ten Jugend­kul­tu­ren wid­met und diese ver­sucht dar­zu­stel­len. In dem Bericht Schwarz vor Augen geht es um die Gothic-Szene. Grund genug, einen Blick dar­auf zu werfen.

Gleich das erste State­ment der Szene beschreibt eigent­lich das Vor­der­grün­dige Pro­blem: »Die Gothic-Szene ist nach wie vor eine der häu­figs­ten miss­ver­stan­de­nen Jugend­kul­tu­ren. Szene-Anhänger erfah­ren immer wie­der Dis­kri­mi­nie­run­gen und wer­den fälsch­lich mit Vor­ur­tei­len wie Todes­sehn­sucht oder Sata­nis­mus kon­fron­tiert.« Aber das gilt nicht nur für die breite Öffent­lich­keit, son­dern auch für die Medien. Denn hier wird das mitt­ler­weile akzep­tierte Ver­hal­ten der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben in dem man die Sen­sa­ti­ons­geil­heit der Men­schen befrie­digt, jeden­falls bei den pri­va­ten Sen­dern. Ob es die öffentlich-rechtlichen mei­ner Mei­nung nach bes­ser machen und ihren Bil­dungs­auf­trag erfül­len, wird sich her­aus­stel­len. »Die Szene ent­stand Anfang der 1980er Jahre aus dem Post-Punk und New-Wave Umfeld. Zu den ers­ten Szene-Bands gehör­ten »The Cure« und »Sioux­sie and the Bans­hees«.« Wenn man so möchte, stimmt das natür­lich. Hier zitiert man eigent­lich nur die Presse, die sei­ner­zeit den Begriff Gothic erst schuf und Bands der Zeit die­ser Kate­go­rie ein­fach zuord­ne­ten. Die Wahr­heit ist das natür­lich nicht. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


5 Januar

Schwarze Zeitzeugen - Nick aus Norwich

Als ich Nick Stone unter sei­nem Nick­name Osborne Vil­las auf flickr ent­deckte und in einem kur­zen Mail­aus­tausch um ein Inter­view bat, wusste ich noch nicht wor­auf ich mich ein­ge­las­sen hatte. Der wort­ge­wal­tige Nick beschrieb aus­führ­lich über seine Zeit in den frü­hen 80ern, in der ein Teil von etwas war, was heute als die Wur­zeln des Gothic ange­se­hen wird.  Bei der Über­set­zung des Tex­tes war klar,  ich brau­che Hilfe. Glück­li­cher­weise fand sich schnell jemand, der mit mir den kom­ple­xen Text durch­ge­gan­gen ist. Her­aus­ge­kom­men ist eines der aus­führ­lichs­ten und viel­leicht ehr­lichs­ten Inter­views über diese Zeit, die — wie auch immer man sie nen­nen mag — den Grund­stein für das legte, was wir heute schwarze Szene nennen.

Nick ist 44 Jahre alt und lebt in Nor­wich, das etwa 160km nörd­lich der bri­ti­schen Haupt­stadt Lon­don liegt, in der er auch gebo­ren wurde. Als er 3 Jahre alt war, ist er mit sei­nen Eltern in eine Klein­stadt in direk­ter Nach­bar­schaft zu Nor­wich gezo­gen. Er besuchte ein Gym­na­sium für Jun­gen, das wie alle Orte in den spä­ten 70ern zwi­schen Punk und Heavy Metal pola­ri­sier­ten. »Punk und New Wave habe ich immer bevor­zugt, habe aber immer wie­der ein paar Streif­züge zum Metal unter­nom­men.«

Spä­ter besuchte er eine Kunst­uni­ver­si­tät, die er aber schon nach kur­zer Zeit wie­der ver­ließ um in einer Kunst­ga­le­rie zu arbei­ten. Heute ist er als Gra­fik Desi­gner tätig, seine Hob­bies sind bei­spiels­weise die Foto­gra­fie. Nick ist ver­hei­ra­tet und hat 4 Kin­der im Alter zwi­schen 9 und 19 Jah­ren. Das Inter­esse an der Musik hat er seit damals nie wirk­lich ver­lo­ren, obwohl sein Geschmack sich immer wei­ter­ent­wi­ckelt hat und er sich nach einer Weile auch ande­ren Musik­rich­tun­gen zuzu­wen­den. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


21 November

Schwarze Zeitzeugen - Rosa aus New England

Portrait von RosaNach mei­nem Abste­cher auf die bri­ti­sche Insel, auf dem ich mit Melissa aus Lon­don sprach, habe ich mich nun auf eine vir­tu­elle Reise nach New Eng­land gemacht um mit der Por­tu­gie­sin Rosa zu spre­chen. Rosa ist 1967 in Por­tu­gal gebo­ren, zog aber schon im zar­ten Alter von 2 Jah­ren in die USA. In einer por­tu­gie­si­schen Gemein­schaft in New Eng­land ist sie auf­ge­wach­sen. Sie hat einen aus­ge­spro­che­nen Hang zu Foto­gra­fie, was unzäh­lige Bil­der auf ihrem Flickr-Account bele­gen. Gut für mich, denn so fand ich in ihrem Album auch einige Inter­es­sante Bil­der aus den 80ern, die mich erst auf die sym­pa­thi­sche Rosa auf­merk­sam gemacht haben.

Obwohl sie rein optisch eher Extra­va­gant erscheint, ist sie dem dunk­len Lebens­stil treu geblie­ben »Mein Herz wird immer Goth sein…« und treibt sich immer noch auf Mit­tel­al­ter­märk­ten und wil­den 80er Party’s herum. Ihr Klei­der­schrank wird erst sein neus­tem von far­bi­gen Kla­mot­ten kon­ta­mi­niert.  Die Arbeit als Daten­bank­ad­mi­nis­tra­to­rin einer gro­ßen Ver­si­che­rung sieht sie als Lebens­un­ter­halts­si­che­rung, in ihrer Frei­zeit ist sie voll und ganz für ihren bei­den Kin­der und den Ehe­mann da, den sie 1997 ganz in weiß gehei­ra­tet hat. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


18 November

...die sind eben so - Jugend 83

Die sind eben soIch bin ja immer auf der Suche nach den Quellen der Vorurteile und nach den Subkulturen der Neuzeit und immer wieder fasziniert, was sich so alles entdecken lässt. Fußball ist ja bekanntlich der Deutschen liebster Sport, unzählige Anhänger in allen Jahrzehnten sprechen eine deutliche Sprache. Fußballfans werden sie genannt. Sie stehen treu zu ihrem Verein, fiebern, zittern und feiern in alle Lebenslagen. Sie tragen das Geld in die Kassen der Vereine und sorgen erst für die typische Stimmung in einem Stadion, die wirklich atemberaubend ist, davon habe ich mich selbst einige male überzeugen können.

Natürlich gibt es auch eine dunkle Seite des Fußballs, die mit den Hooligans und der dritten Halbzeit ihre Höhepunkte feiern. Klar das dieser "Trend" aus dem Mutterland alles Szenen, aus England stammt, in denen die Hooligans schon in den 70er ihr Unwesen trieben. Ziel dieser Fans: Adrenalin aufbauen und auch gleich wieder abbauen, körperlich. In der dritten Halbzeit trifft man sich mit rivalisierenden Hooligans aus anderen Städten und kloppt sich auf die Mütze. Meist außerhalb des Stadions. Das es sich dabei nicht immer um hirnlose Volltrottel handelt, habe ich gelernt. Manche machen das ganz bewusst und haben auch noch Spaß dran.

Es gibt spezielle Konstellationen in der Bundesliga, die besonders prickelnd sind, gerade weil sie in der Vergangenheit immer wieder traurige Höhepunkte setzen. Borussia Mönchengladbach gegen den 1.FC Köln beispielsweise, oder auch Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Von diesem Ruhrpottderby handelt auch die Dokumentation "...die sind eben so" aus dem Jahre 1983.

Zwischen Krawallen und Schlägereien in beiden Lagern zeigt man auch Fanclubs beider Seiten, die in ihren Vereinsheimen ihre Meinung zum Besten geben, die mit Verlaub gesagt, sprachlos macht. "Das ganze blau-weiße Getümmel», so ein Fan von Dort­mund über Schalke, »sollte man ein­fach aus­rot­ten.« Und ein Schal­ker Fan meint: »… das Emblem, der Toten­kopf mit Stahl­helm, soll ein biss­chen an die SS erin­nern, da wir poli­tisch fast alle total rechts gerich­tet sind. Wir has­sen Aus­län­der wie die Pest, weil sie zu viel hier sind und wol­len den dicken Mecki hier machen, genau wie die Dort­mun­der.« Den gan­zen Arti­kel lesen… »


7 November

Schwarze Zeitzeugen - Melissa aus London

graveyard 1984, big hair and purple lipstickMelissa ist 39 Jahre alt und lebt in Lon­don, auf­ge­wach­sen ist sie in einer klei­nen Stadt in Wiltshire im Süd-Westen Eng­lands. In Devi­zes, so wie der kleine Ort heißt, ist es kein Zucker­schle­cken anders zu sein als die ande­ren und schon gar nicht, wenn man auch noch so aus­sieht. Melissa war ein Gothic, jeden­falls würde man sie heute so bezeich­nen. Frü­her gab es noch kei­nen Begriff und ein­ord­nen las­sen wollte man sich sowieso nicht. Schwarze Haare, schwarze Kla­mot­ten, Schminke, Haar­spray und spitze Schuhe waren die Merk­male, an denen man Melissa und ihre Freunde erkannte. In Maga­zi­nen fand sie ihre Vor­bil­der Dani­elle Dax und Poi­son Ivy Sie trie­ben sich auf Fried­höfe rum und hör­ten Musik nach Punk.

»Es ging eigent­lich nie darum in einer Szene zu sein« sagt Melissa heute, »son­dern nur darum seine Haare senk­recht zu stel­len.« Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit war kein gewoll­tes Phä­no­men, son­dern eine Zuord­nung. Viel­leicht wird die Szene von damals idea­li­siert, schö­ner und all­um­fas­sen­der dar­ge­stellt, als sie wirk­lich war. 1988 ver­ließ sie den klei­nen Ort und zog nach Lon­don, sie arbei­tet als Illus­tra­tor und Ani­ma­teu­rin und gibt darin auch Unterricht.

Melissa war unbe­wuss­ter Teil einer Jugend­be­we­gung, die man heute als Gothic bezeich­net, dabei ging es ihr nur um Indi­vi­dua­lis­mus und darum, so zu sein wie man wollte. Es ist schwie­rig, eigene Ver­glei­che zu einer Szene zu zie­hen, die es unter die­sem Namen zunächst gar nicht gege­ben hat. Gothic ist ein Begriff, der Mitte, eher Ende der 80er Jahre zu fin­den war und des­halb ist es umso schwie­ri­ger sich darin zu defi­nie­ren. Ich führte ein Inter­view mit Melissa und war zuge­ge­be­ner­ma­ßen über­rascht, wie sie auf meine Frage ant­wor­tete. Schön wenn meine Erwar­tungs­hal­tung über den Hau­fen gewor­fen wird und ich etwas neues dazu­ler­nen kann. Melissa ist der erste Teil mei­ner Inter­view­reihe Schwarze Zeit­zeu­gen. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


26 Oktober

Die Gruftis - Liebe, Frieden und Harmonie?

Junge Welt - Grufties: Liebe, Frieden HarmonieNach dem letzten Negativbeispiel "Die Gruf­ties nah­men mir meine Toch­ter« ein Aus­hän­ge­schild für schlechte Presse dar­stellt, habe ich heute ein Bei­spiel, das es tat­säch­lich bes­ser macht und zeigt, das man sich auch anders mit der Mate­rie aus­ein­an­der­set­zen kann. Und noch bevor irgend­wel­che Unken rufen: Nein, die Junge Welt, aus der die­ser Arti­kel hat nicht das geringste mit brau­nen Ideo­lo­gien und rech­ten Rand­er­schei­nun­gen zu tun, auch wenn der Titel einer gleich­na­mi­gen Zeit­schrift der Hitler-Jugend, die von der NSDAP her­aus­ge­ge­ben wurde, gleicht. Der Titel der Zeit­schrift oder seine Gesin­nung hat im übri­gen auch nichts mit dem Arti­kel selbst zu tun, den sollte man ein­fach mal lesen und seine ver­meint­li­chen Ideo­lo­gi­schen Beden­ken bei­seite legen.

Schwarz­ge­wan­det, augen­um­schat­tet und Haare, die zu Berge ste­hen — so wan­deln sie durch die Nacht. Die »Schwar­zen« — düs­ter, schön und bleich. Ihre Kla­mot­ten sind tot-schick. Schwarze wal­lende Gewän­der. Sie tan­zen. Sis­ters of Mercy, The Cure, Sioux­sie & The Bans­hees. Zeit­lu­pen­ar­tige Bewe­gun­gen bei den langsam-meditativen Stü­cken. Traum­wand­le­ri­sche Kör­per­a­ra­bes­ken. Oder ein­fach nur: drei Schritte vor, drei zurück. Las­zi­ves Schlen­kern mit den Armen. Vor vier, fünf Jah­ren tauch­ten die schwarz-gewandeten Gestal­ten mit den umschat­te­ten Augen und den durch­ge­styl­ten Haa­ren in eini­gen Jugend­clubs in Berlin-Hohenschönhausen auf. Natür­lich nicht aus dem Nichts, son­dern wie so man­ches — von Eng­land inspi­riert. Irgend jemand fühlte sich bei ihrem Tan­zen unbe­dingt an das Schau­feln von Toten­grä­bern erin­nert. »Tan­zen hat unheim­lich viel mit mei­nen Stim­mun­gen zu tun«, sagt mir Nora (20) im »Life-Club«, dem Wochen­end­treff der Gruf­tis in Berlin-Friedrichshain. »Du denkst, wir ste­hen nur so da. Aber da ist viel­leicht gerade so ein Gefühl, eine Erin­ne­rung. Die genieße ich. Das Gefühl trägt mich, lei­tet meine Bewe­gun­gen.« Sie sind Indi­vi­dua­lis­ten in der Bewe­gung und Klei­dung. Ihre Emp­fin­dun­gen unter­strei­chen sie: ob Umhang mit Vam­pir­kra­gen oder ohne, Mönchs­kutte mit Kor­del oder Grab­schleife, ob Pum­pho­sen oder sei­dene, spit­zen­be­setzte Blu­sen. Wie über­all wird auch hier viel abge­guckt und selbst­ge­macht. Wich­tigste Regel: schwarz muss es sein. Die Schnal­len­stie­fel sind natür­lich auch schwarz und spitz. Ihre Länge vari­iert. Schwere sil­berne Ket­ten und Ringe mit Sym­bo­len wie Kru­zi­fixe (auch umge­dreht getra­gen), Fle­der­mäuse, Schlan­gen, Toten­schä­del, Dämo­nen­mas­ken bil­den das Bei­werk. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


16 Oktober

Die Grufties nahmen mir meine Tochter

Grufties nahmen mir meine Tochter - Titel und EinleitungIn der Tat, das ist unser liebs­tes Hobby: Unschul­dige Töch­ter poten­ti­ell ver­zwei­fel­ter Müt­ter ent­füh­ren und sie unter unse­ren Klauen auf die dunkle Seite der Macht zu zie­hen. Dies ist das Geständ­nis, die Gruf­ties haben Ana­kin Sky­wal­ker zu dem gemacht was er heute ist. Darth Gruf­tie. Heute ist er zwar untreu gewor­den und mit sei­ner lus­ti­gen Maske ein­deu­tig zu den Cybers über­ge­lau­fen, aber was soll’s, Han Solo war sowieso viel cooler.

Ich habe mich immer schon gefragt, wo die Kli­schees und Vor­ur­teile eigent­lich her­kom­men. Nach eini­ger Recher­che ist mir auf­ge­fal­len das es nicht die Masse der ver­öf­fent­li­chen Arti­kel ist, son­dern viel­mehr das Medium (in die­sem Fall die Zeit­schrift) und des­sen Ver­brei­tungs­grad (Auf­lage) über das die Nach­richt ver­brei­tet wird aus­schlag­ge­bend ist. UNSERE Illus­trierte berich­tet 1991 über den Fall von Elfriede Schulz und ihrer Toch­ter Clau­dia, die spur­los ver­schwun­den ist. Blitz­schnell wird sie in den Fän­gen der Gruf­ties ver­mu­tet, die zu die­ser Zeit und vor allem nach der Wende in Ber­lin ihr Unwe­sen treiben.

Elfriede Schulz (53), eine Kran­ken­schwes­ter aus Berlin-Friedrichshain ist ver­zwei­felt. Seit August ’91 hat sie ihre Toch­ter Clau­dia (13) nicht mehr gese­hen! Nachts fahre ich im Bett hoch. Schweiß­ge­ba­det. Habe Alp­träume. Sehe Clau­dia dalie­gen. Tot. Ermor­det. Mein armes Kind! Meine Kleine! Mein Nesthäkchen…«

Den gan­zen Arti­kel lesen… »


15 Oktober

Synthiepop & New Romantic

summer of the 80sBald hätte ich ver­ges­sen den Sum­mer of the 80s fort­zu­set­zen was ange­sichts des aktu­el­len Herbs­tes wohl mehr als sträf­lich anzu­se­hen ist. In der 2. Folge der Doku­men­ta­ti­ons­reihe geht es um zwei recht gegen­sätz­li­che The­men. Syn­t­hie­pop und New Romantic.

Wäh­rend Syn­t­hie­pop zum Mas­sen­kom­pa­ti­blen Medium auf­steigt, begin­nen sich tech­ni­sche Inno­va­tio­nen auch im Out­fit ihrer Anhän­ger zu spie­geln. Die Poli­ti­sie­rung der spä­ten 70er schlägt in eine voll­kom­mene Ästhe­ti­sie­rung um, an des­sen Spitze sich gestal­ten wie Steve Strange oder auch Boy George drän­gen. Ein Hauch von Kar­ne­val zieht durch die Club-Szene, vor allem im berühm­ten Lon­do­ner Blitz!-Club trifft sich die modisch extreme Advant­garde. Frei nach dem Motto: »Jetzt schmin­ken sich auch die Jungs« wird das gesamte modi­sche Geschlech­ter­kon­zept unse­rer Gesell­schaft auf den Kopf gestellt. Annie Lennox von den Euryth­mics prä­sen­tiert sich im Hosen­an­zug, wäh­rend Boy George nicht von einer Frau zu unter­schei­den ist.

Die Musik die­ser Zeit ist mini­ma­lis­tisch und beschränkt sie auf Klänge aus Syn­the­si­zern und Drum­com­pu­tern, die mit immer neuen Melo­dien den Markt erobern. Ame­rika ist out, Europa ist in. Nicht Ame­rika über­flu­tet den hie­si­gen Markt mit neuen Pro­duk­tio­nen son­dern umge­kehrt. Duran Duran erobert den Kon­ti­nent, Depe­che Mode fül­len das Rose­bowl Sta­dium — lange nach­dem die Beat­les und die Rol­ling Sto­nes für eine zweite bri­ti­sche Inva­sion sorgte.

Den gan­zen Arti­kel lesen… »


11 Oktober

Gruftis - die den Tod zum Gott erheben

Bild vom Zeitungsausschnitt mit SchlagzeileJetzt gibt’s was auf den Deckel. Den Sarg­de­ckel natür­lich, denn in einem im Okto­ber 1991 erschie­ne­nen Arti­kel eines Boulevard-Magazins wer­den die Gruf­tis mit dem Frei­tod jun­ger Men­schen in Ver­bin­dung gebracht. Die­ses mal ver­lässt man sich nicht nur auf den Autor des Arti­kels, son­dern holt sich auch noch Exper­ten mit an Bord, die zu dem Thema etwas sagen können.

Beson­ders inter­es­sant finde ich die­ses mal die Ver­mi­schung von Pole­mik, Fak­ten und blan­kem Unsinn der wie­der an einer Per­son auf­ge­han­gen wird um sie dann auf eine ganze Jugend­be­we­gung zu pro­ji­zie­ren. Es ist immer wie­der erschre­ckend, wie leicht man Men­schen fin­det, die einem das erzäh­len was man hören möchte. Schnell wer­den noch ein paar naive Freunde zusam­men­ge­trom­melt und schon gibt es ein prima Grup­pen­foto, viel­leicht sogar direkt beim Bestat­ter, da gibt es die not­wen­di­gen Austat­tungs­ge­gen­stände. Behaupte ich jetzt mal ein­fach so. Aber was hat uns der Arti­kel zu erzählen?

»3 Tote in 30 Tagen — Was treibt so viele junge Men­schen ins Reich der Schat­ten? In Leip­zig wur­den Toten­schä­del aus der Gruft der Fami­lie Knaur geraubt. In Chem­nitz schlach­te­ten Jugend­li­che Kat­zen und opfer­ten sie dem Teu­fel. In Suckow fei­er­ten »Gruf­tis« schwarze Mes­sen mit Toten­ge­sän­gen zu Rock­mu­sik. In Frei­tal schließ­lich lie­ßen sich bin­nen einer Woche drei junge Män­ner vom Zug über­rol­len — insze­niert als mar­ka­bre Todesrituale.«

Schon beim lesen des ein­lei­ten­den Tex­tes wird klar, hier wur­den Schlag­zei­len mit­ein­an­der ver­knüpft bei dem nur in einer expli­zit von Gruf­tis die Rede ist, doch der Text­auf­bau und die Wort­wahl brin­gen die ande­ren eigent­lich zusam­men­hang­lo­sen Zei­len in einen ande­ren Kon­text. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


6 Oktober

Cure gegen Hosen - Waver, Grufties, Punks

rock am see 1989Wir schrei­ben das Jahr 1989. Auf dem jähr­lich statt­fin­den­den Fes­ti­val Rock am See, das jähr­lich in Kon­stanz am Boden­see statt­fin­det, tref­fen sich zu die­sem Zeit­punkt unzäh­lige Waver, Punks und Gruf­ties, was in ers­ter Linie am Line-Up lie­gen mag: The Cure, Die Toten Hosen, The Mis­sion, The Sug­ar­cu­bes (Ex-Band von Björk) und Shel­leyan Orphan locken rund 23.000 Fans bei 30 Grad in das Bodenseestadion.

Auch die Zeit­schrift Pop­corn nimmt sich der Sache an und schreibt den Arti­kel Cure gegen Hosen — Happy Toge­ther: Waver, Gruf­ties, Punks obwohl hier nie wirk­lich gegen­sätz­li­ches auf­ein­an­der­trifft, eher ver­wand­tes. So heißt es dann im Unter­ti­tel auch völ­lig rich­tig Glück­lich zusam­men. Hier war man wegen der Musik, nicht wegen dem Rah­men­pro­gramm, vom WGT sprach zu die­sem Zeit­punkt noch nie­mand, schließ­lich sollte die Mauer erst spä­ter fal­len. Rock am See war zu die­sem Zeit­punkt das größte alter­na­tive Fes­ti­val im Süden der Repu­blik, für mich zu die­sem Zeit­punkt lei­der unerreichbar.

Meers­burg am Boden­see, 20. Mai, 12 Uhr Mit­tags — bei 30 Grad im Schat­ten ste­hen die Autos Stoß­stange an Stoß­stange vor dem Fähr­an­le­ger Rich­tung Kon­stanz. 23.000 Fans sind auf dem Weg ins Boden­see­sta­dion, viele Rock­freaks haben inzwi­schen schon mehr als acht Stun­den Fahrt hin­ter sich. Doch die Stim­mung ist trotz­dem rie­sig, beglei­tet vom Sound aus den Auto­ra­dios erreicht sie schon auf der Fähre einen ers­ten Siedepunkt.

Den gan­zen Arti­kel lesen… »