In den letzten Tagen geisterte immer wieder ein Wort durch meinen Feed-Reader das mich zunächst neugierig machte. Pro-Ana (Wikipedia) bezeichnet man hauptsächlich junge Mädchen und Frauen, die sich einem extremen Schlankheitsideal unterwerfen und sich über das Internet über eben dieses Schlagwort vernetzen. Ana leitet sich ab vom der Bezeichnung der Krankheit Anorexia nervosa, der Magersucht. Die Assoziation mit dem Namen Anna ist gewollt, denn Anna ist das imaginäre Vorbild dieser Mädchen. Der Brief von Ana ist die Bibel der Magersüchtigen Mädchen, die immer weiter abnehmen möchten – bis zum Tod.
Ihre Schwester Pro-Mia endet oft in ähnlicher Weise. Die unter dem bekannteren Namen verbreitete Sucht der Bulemie (Bulimia nervosa) oder auch Ess-Brechsucht genannt veranlasst die Mädchen dazu, sich gleich nach dem Essen den Finger in den Hals zu stecken, damit von der soeben aufgenommenen Nahrung nichts auf die Figur schlägt. Vor ein paar Wochen kam dann noch der neu geplante Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf, der unter anderem die Zensur von solchen Internetseiten fordert und damit vor allem junge Mädchen vor Nachahmung schützen soll. Ich habe anschließend einiges darüber gelesen, leider machte keiner der Texte die Sache für mich verständlich.
Moonica brachte die Sache in ihrem Blog Fly me to the Moon für mich auf den Punkt. Moonica war selbst einmal Essgestört und leidet heute immer noch unter den Folgen dieser Sucht, in ihrem Beitrag Start: Über mich schildert sie: “Mit ca 12 hat bei mir alles angefangen. Einfach fett fühlen wäre viel zu leicht gewesen. Ich wollte einfach nur unsichtbar sein. Nicht immer das perfekte Mädchen sein müssen, dass ich trotzdem nach wie vor geblieben bin. Verschwinden, wie ein Strich in der Landschaft – wollte ich. Die Folgen waren mir zu dem Zeitpunkt egal. Irgendwann war es mir auch egal, ob ich gesehen werde [...] Wieso ich raus bin? Freunde und Spiegel.” …lese den ganzen Artikel
» Nur noch Haut und Knochen, von Ana, Mia und Xiu Xiu «
Robert @ 12:37
Nomen est Omen? Die Bedeutung eines Wortes hängt immer von dessen Einsatzzweck ab. Ein Stuhl wird auch noch in 1000 Jahren einen Stuhl beschreiben, weil das Wort eine simple und recht unveränderliche Sache beschreibt. Beschreibt aber ein Wort eine Chronologie, also eine Zeitspanne, Epoche oder ein zeitliche definiertes Ereignis, wird die Sache schon deutlich schwieriger. Dehnt man das noch auf Personen in einem Jugendkulturellen oder musikalischen Zusammenhang aus wird es beinahe abstrakt und lässt sich nicht mehr so einfach ableiten. Das Bild für das Wort Gothic ist eben nicht nur schwarz, sondern beinhaltet unzählige Möglichkeiten darauf zu blicken, manchmal muss man einen Schritt zurück treten und das ganze Bild betrachten.
Ich möchte versuchen die Ursprünge des Wortes Gothic in all seinen Formen zu beleuchten, sei es als Begriff für eine Szene, eine Jugendbewegung, eine Musikrichtung, einen Bausstil, für Literatur, einen Lebensstil, ein Zeitalter oder sogar der Begriff für ein Volk, die Goten. Im heutigen ersten Teil dieses Artikel beleuchte ich die musikalische Herkunft und die Übertragung des Wortes auf reelle Personen, denn dies ist meine ganz persönliche Sicht der Dinge. …lese den ganzen Artikel
» Gothic – Die Geschichte eines Wortes (1) «
Robert @ 04:12
Heute wurde Bettina Köster als Act auf dem Wave-Gotik-Treffen 2010 in Leipzig offiziell bestätigt. Bettina Köster? Etwas ungläubig war ich bereits beim Verfassen der Zusammenfassung schwarzer Sommer ja schon, denn die Dame, über die John Peel mal gesagt hat sie sei die “Königin der Geräusche”, ist jedenfalls für mich keine Unbekannte. Doch wer ist die burschikose Frau auf dem Bild?
Es muss wohl 1978 gewesen sein, als drei Frauen beschlossen für die weibliche Seite des Punk zu sorgen und die Band Mania D zu gründen. Bettina Köster, Gudrun Gut und Beate Bartel standen jedoch für eine neue und experimentellere Art der Musik und waren eher Teil der aufkommenden New Wave Bewegung, obwohl eine Einordnung auch hier schwer fällt. Als Teil einer neuen Emanzipation wollten sich die Berlinerinnen jedoch nicht einspannen lassen, sondern brachten etwas sehr persönliches und eigenes an Tag, was sie schnell in Berliner Underground Kreisen berühmt machte.
1981 gründeten Gudrun Gut und Bettina Köster die Band Malaria! und holten sich Manon Pepita Duursma dazu, die als Gitarristin beim Nina-Hagen Projekt OUT bereits Erfahrungen gesammelt hatte. Zusammen mit Christine Hahn und Susanne Kuhnke entwickelten sie dann eine sehr unterkühlte Form des New Wave, das man später dem Dark-Wave zuordnete und als tanzbare Avantgarde-Musik auch in Künstlerkreisen schwer angesagt war. Auf einer Tournee in Brüssel entwickelte man den Song Kaltes klares Wasser als Teil eines Live-Programms, das sich aber zum Underground-Knüller entwickelte und Mitte der 90er von den Chicks on Speed in seine populäre Version erhoben wurde. Trotz ihrer musikalischen Bandbreite wurden sie diesen Song nie wieder los, der so perfekt repräsentiert, was hinter der neuen Deutschen Welle wirklich steckt. …lese den ganzen Artikel
» Kaltes, klares Wasser – Bettina Köster beim WGT 2010 «
Robert @ 18:24
Als heute die ersten wirklich warmen Sonnenstrahlen mein Gesicht trafen, schien mir die Frage, welches Festival ich dieses Jahr besuchen sollte näher als je zuvor. Doch die Auswahl gestaltet sich schwierig. Nicht nur in ihrer Art und Weise unterscheiden sich die Festivals, sondern auch in ihrer musikalischen Auswahl. Während sich das WGT ungewohnt breit gefächert zeigt, sind die Haupt-Headliner der schwarzen Szene wohl ASP, The Sisters of Mercy, Front 242, In Extremo, Placebo und allen voran Unheilig, die offenbar keinen Termin versäumen möchten, ihr neues Album unter die Leute zu bringen. Der erstaunlichste Headliner sind wohl eindeutig die Sisters of Mercy, die es trotz Jahren ohne neues Material immer noch schaffen, zu besten Zeit auf der Bühne zu stehen. Auch viele aufgelöste Bands geben sich zu diesen Zeiten eine neue Chance und überraschen das Lineup mit faszinierenden Einträgen, Gene Loves Jezebel, Bettina Köster oder auch Alien Sex Fiend.
Die Auswahl der vorgestellten Festivals ist eher subjektiv und bewusst breit gefächert. Genreorientierte Festivals, wie beispielsweise das mittelalterliche Schlosshof-Festival oder das Burgvolk bleiben zunächst außen vor, ebenso das rein elektronisch orientierte E-tropolis. Für eine Übersicht aller in Deutschland veranstalteten Festivals empfehle ich den Festivalhopper. Ich habe mich bemüht, alle Künstler auf MySpace zu verlinken, damit ihr entsprechende Hörproben finden könnt, die euch bei Unbekanntheit der Band sicherlich weiterhelfen werden. Fehlende oder fehlerhafte Links werden von Zeit zu Zeit ergänzt bzw. verbessert. …lese den ganzen Artikel
» Schwarzer Festivalsommer 2010 «
Robert @ 21:19
Ich weiß gar nicht mehr wie lange ich mich immer wieder enttäuscht darüber aufrege, das hier in unserer Provinzmetropole in Sachen schwarze Musik sehr wenig statt findet. Und wenn sich dann doch überraschenderweise etwas bewegt, sagt mir keiner Bescheid. Das Leben ist hart und grausam. Als ich heute die fälligen Getränke für die kommende Woche besorgte und gedankenverloren an einer Ampel auf Grün wartete, schweifte mein Blick durch die Umgebung. Spontane Aufmerksamkeit erregte ein Plakat, das auf einem Schaltkasten geklebt war und auf dem in großen Buchstaben Gothic zu lesen war. Kaum hatte ich realisiert was das bedeuten konnte, hupte es hinter mir und ich konnte mir gerade noch “La Bougie” einprägen. Klar das ich vor dem heimischen Rechner erstmal herausfinden musste, worum es sich geht.
Das La Bougie war mir noch aus Zeiten bekannt als es sich noch Spö nannte und Heimat der in Mönchengladbach schon legendären Brennpunkt Partys war. Mehrfach wechselte es den Besitzer, benannte sich um, schloss und öffnete seine Pforten jährlich. Nach einer großen Renovierung wechselte aber das Publikum von Alternativ in Richtung bunt und ein jugendlich buntes Publikum wurde angesprochen.
Black is Back! Ab heute, den 13.02.2010 soll es wieder losgehen. Im La Bougie am Grenzlandstadion findet jetzt jeden 2. Samstag im Monat eine Gothic Party statt. Unter der Überschrift Themes for Dark Cities tummeln sich die angekündigten Musikrichtungen Gothrock, EBM, 80er, Industrial, Mittelalter und Synthpop. Ich bin gespannt und werde gleich heute mal vorbeischauen, denn Gelegenheiten muss man am Schopfe ergreifen, wer weiß wie lange die Sache gut geht. Der schwarze Shop Triple C aus Rheydt zeigt sich offensichtlich für die Party verantwortlich, ein Laden bei dem ich auch häufiger mal vorbei schaue und der mich immer wieder durch die freundliche Besitzerin Gabi Tayebi lockt.
Ich bin jedenfalls gespannt was mich erwartet und bin froh mir ein Bild über die heimische Szene machen zu können, die ich abgesehen von zahlreichen Wochendgrufties für sehr überschaubar halte. Ob das Programm auch musikalisch meine Erwartungen erfüllen kann bleibt abzuwarten, ebenso das Spö selbst. Das letzte mal das ich dagewesen bin, dürfte gute 10 Jahre zurückliegen und ich wäre froh wieder öfter vorbei schauen zu können und eine monatliche Alternative zu meiner Gurkerei ins Ruhrgebiet zu finden. Einen Vermerk in den Veranstaltungskalender bei Spontis, dem Dunkeltanz ist bereits erledigt.
…lese den ganzen Artikel
» Party: Themes for Dark Cities «
Robert @ 21:13
Deutschland 1996, die Gothic-Szene befindet sich im inneren Wandel. Von der Ursprüngen ist nicht mehr viel zu spüren immer mehr Stile drängen in die nunmehr schwarze Szene, die Begrifflichkeit Gothic ist nur noch ein Wort. Der Stern beleuchtet die deutschen Jugendszenen, in der 7. Folge sind die Grufties an der Reihe. Der Stern, der sich schon in der Vergangenheit immer wieder einen Namen mit kontroversen Veröffentlichungen gemacht hat und einige Minuspunkte in Sache Enthüllungsjournalismus für sich verbuchen kann, wagt sich an die Jugendszenen. In den 80er erst das umstrittene Bild vom toten Barschel, dann der unglaublich große Reinfall mit den Hitler-Tagebüchern. Das kann ja heiter werden.
“Sie mögen Grabesstimmung und düstere Musik, sind eitel und selbstverliebt. Grufties sind Nachtmenschen. Sadomaso ist schwer angesagt. Schwarz ist ihr Outfit, aber nicht mehr ihre Stimmung. Der größte Horror für einen Gruftie ist es, wie ein Spießer zu leben.” Mir fällt gleich beim Untertitel auf, das wir in Sachen Gruftie-Journalismus ein neues Stadium erreichen, die polemische Oberflächenrecherche. Schon in diesem einen Satz wird die Ausrichtung des Artikels klar, die Vermischung von Fakten, Wahrheiten und Oberflächlichkeiten die durch die Protagonisten des Artikels immer wieder spitzen in die Tiefe schlägt. Ich mag tatsächlich die sakrale Stimmung, eine gewisse Eitelkeit lässt sich auch nicht verleugnen und Nachtmensch bin ich sowieso. Sadomaso war meiner Meinung nach nie schwer angesagt sondern nur ein weiteres Stilelement und wurde nur von außen in die Szene projiziert. Schwarz sind auch meine Klamotten und meine Stimmung auch mal bunt. Das kann ja eine lustige Polemik-Collage werden. …lese den ganzen Artikel
» Selbstmord ist out – Das Leben ist cool «
Robert @ 23:44