11 August

Reingehört: Charles de Goal - Restructuration

Spontis Thema

Nicht schon wie­der. Die Liste der Bands, die sich nach eini­gen erfolg­rei­chen Jah­ren in den 80er auf­lös­ten um dann in den letz­ten 5 Jah­ren auf wun­der­same Weise auf­er­ste­hen, ist lang gewor­den.  In der Regel schwan­ken diese soge­nann­ten Reuni­ons zwi­schen pein­li­chen Live-Auftritten mit auf­ge­wärm­ten, unin­spi­rier­tem Mate­rial und dem „Ist ja ganz nett”-Gefühl das sich breit macht, wenn die Idole von einst ihre Klas­si­ker zum Bes­ten geben. Meist folgt dann die Ernüch­te­rung, denn die ursprüng­li­che Begeis­te­rung die man bes­ten­falls der eige­nen Erin­ne­rung ent­nimmt, stellt sich eigent­lich nie ein.

Eine Umstruk­tu­rie­rung die nahezu spur­los an mir vor­bei ging, war die von Charles de Goal, den fran­zö­si­schen Cold­wave Pio­nie­ren der frü­hen 80er, die mit „Restruc­tu­ra­tion” 2008 eine neues Album auf den Weg brach­ten. Als ich jüngst dann das Stück Deca­dence auf dem Sam­pler Pagan Love Songs Vol.2 ent­deckte, war meine Neu­gier geweckt und so habe ich spon­tan meine Samm­lung, die eigent­lich nur aus dem Erst­lings­werk Algo­ryth­mes (1980) besteht um Restruc­tu­ra­tion (2008) erweitert.

Mein erste Begeg­nung mit den Fran­zo­sen hatte ich mit dem legen­dä­ren Stück Expo­si­tion, das ich Anfang der 90er in irgend­ei­nem schwar­zen Club hörte und die mir Ohren und Ver­stand für das mir noch unbe­kannte Genre des Cold-Wave öffnete.  Charles de Goal, das war eigent­lich 1979 ein Solo-Projekt von Patrick Blain, der zuvor mit der Band C.O.M.A. bereits ein Album her­aus­ge­bracht hatte. Mit Syn­the­si­zer, Gitarre, Bass und Schlag­zeug formte er das, was man spä­ter Cold-Wave taufte. Mini­mal­elek­tro­ni­sche Klänge und Beats, das auf­flam­mende Post-Punk-Genre als Atti­tüde ent­wi­ckelte sich dar­aus ein Sound, der unter­kühlt und zurück­hal­tend wirkt um letzt­end­lich doch den Hörer zu fas­zi­nie­ren. 1986 war es dann auch schon wie­der vor­bei. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


29 Juli

Grufties - Jugendkultur in Schwarz

Spontis Thema

Eine Sisy­phus­ar­beit ist das akri­bi­sche Ana­ly­sie­ren des Gruf­tie– oder viel­leicht bes­ser ver­ständ­lich Gothic-Stils in all sei­nen nach außen hin sicht­ba­ren Merk­ma­len. Zu recht bemän­geln Kri­ti­ker, das man sich einer Jugend­kul­tur und ins­be­son­dere der Gothic-Szene nicht allein von die­ser Seite aus näher kann um sie über­haupt als sol­che zu erfas­sen und in Ansät­zen greif­bar zu machen. Man bezwei­felt sogar, das dies über­haupt mög­lich ist.

2000 machen sich Doris Schmidt und Heinz Jana­lik daran, die bis dahin bekann­ten Erschei­nungs– und Aus­drucks­for­men der Gruf­ties zu erfas­sen. Das sie dabei den wesent­li­chen Kern nicht errei­chen ist ihnen bewusst: „Wer als Außen­ste­hen­der Erkennt­nisse über jugend­kul­tu­relle Sze­nen gewin­nen will, um Ver­ste­hen und Ver­ständ­nis als Grund­lage für humane Koexis­tenz zu ent­wi­ckeln, muss in einen vor­be­halt­lo­sen und viel­sei­ti­gen Dia­log mit den Reprä­sen­tan­ten der Szene tre­ten, wohl wis­send, dass ein Beob­ach­ter von außen die von den Jugend­li­chen gezo­ge­nen Gren­zen aner­ken­nen muss und des­halb in gewis­ser Weise immer außer­halb ver­blei­ben wird.

Bevor im mir das Buch bei Ama­zon bestellt habe, kam ich nicht daran vor­bei, die Kri­ti­ken der Leser zu stu­die­ren, die sich bis dahin dem Buch genä­hert haben. Die durch­weg schlech­ten Kri­ti­ken lie­ßen min­des­tens eine Sache erah­nen, ent­we­der wur­den Erwar­tun­gen nicht erfüllt weil das Buch dafür nicht geeig­net ist, oder die gestell­ten Erwar­tun­gen waren ein­fach falsch, wir wer­den sehen und erfah­ren warum Bril­len die Mas­ken der Gruf­ties sind. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


15 Juli

Punk - No One is Innocent

Spontis Thema

Gudrun Gut 1978Als Kunst den Punk infi­zierte. Das war meine erste Wor­tas­so­zia­tion als ich bei Nerd­core über den kos­ten­los vefüg­ba­ren Aus­stel­lungs­ka­ta­log Punk — No One is Inno­cent der Kunst­halle Wien gestol­pert bin. Beein­druckt zeigt ich mich jedoch vom Inhalt des recht umfang­rei­chen Wer­kes. Künst­ler neh­men in der Geschichte des Punks einen ganz inter­es­san­ten Stel­len­wert ein, denn Künst­ler und Mode­ma­cher waren es, die die Ener­gie der Jugend­kul­tur für sich ent­deck­ten und so man­chen Punk– und Post-Punk Act in den frü­hen 80er zu einer Ver­nis­sage erho­ben und sich mit der Non-Konformität und ver­meint­li­chen Avant­garde umga­ben. Daher betrachte ich das Phä­no­men „Kunst” in Jugend­kul­tu­ren als zwie­späl­tig und Missverstanden.

Umso erfreu­ter war ich, das Punk als sol­ches nun eine künst­le­ri­sche Betrach­tung erhält, die es durch­aus ver­dient hat. Der Aus­stel­lungs­ka­ta­log wie er hier genannt wird, kann mit durch­aus beein­dru­cken­den Foto­gra­fien und Tex­ten ver­schie­de­ner Auto­ren punk­ten und wird dem Wort „Kata­log” als sol­cher nicht gerecht. Allein das Bild auf dem Cover, das Gudrun Gut von Mala­ria! zeigt, als sie etwa 1978 von ihrer Schwes­ter Anja abge­lich­tet wird, hat meine Neu­gier geweckt, denn bei Gut han­delt es sich nicht um einen Punk im klas­si­schen Sinne.

Die Kunst­halle selbst schreibt dazu: „…Punk inter­es­siert uns als Kunst­halle im Anschluss an die Gitarren-Ausstellung Go Johnny Go! (2003) und die künst­le­ri­sche Refle­xion des Sum­mer of Love (2006) weni­ger als musi­ka­li­sches Phä­no­men, denn als Geste der Nega­tion, als eine Pforte der Wahr­neh­mung, durch die man ein­tritt in ein Reich der chif­frier­ten Bot­schaf­ten: Signal to Noise…

Link zum kom­plet­ten Kata­log (240 Sei­ten, 220 Abbil­dun­gen) als kos­ten­los ver­füg­bare PDF Den gan­zen Arti­kel lesen… »


25 April

Cass - Ein wahre Geschichte

Spontis Thema

Durch Zufall habe ich den Film Cass in die Hände bekom­men, von dem ich zunächst nicht wusste, wo ich ihn ein­ord­nen sollte. Ich hatte zwar schon einige Filme und Doku­men­ta­tio­nen über das Phä­no­men Hoo­li­gan gese­hen, lei­der konnte mich bis jetzt keine Über­zeu­gen. Ob es die­ser Film bes­ser macht? Den meis­ten Umset­zun­gen wie bei­spiels­weise Hoo­li­gans mit Eli­jah Wood lei­den unter dem dürf­ti­gen Hin­ter­grund der Drehbuchautoren.

Etwas anders sind die Hin­ter­gründe die­ses Film. Cass ver­folgt die Lebens­ge­schichte des bri­ti­schen Auto­ren Cass Pennant, der über seine Leben als Hoo­li­gan meh­rere Bücher ver­fasst hat. Pennant wächst im Lon­don der 50er Jahre auf, in einer Zeit wo er auch in Eng­land wegen sei­ner Haut­farbe und sei­ner Her­kunft dis­kri­mi­niert wird. Als  Adop­tiv­kind einer klas­si­schen eng­li­schen Fami­lie wächst er zwi­schen zwei Fron­ten auf, im Her­zen ein Eng­län­der wird er doch von ande­ren zum Opfer des Ras­sis­mus degra­diert. Mit der Mit­glied­schaft in der ICF (Inter City Firm), einer Hooligan-Gruppierung um den eng­li­schen Fuß­ball­ver­ein West Ham United, ändert sich sein Leben. Mit Gewalt und Hass ver­schafft er sich den Respekt, der ihm so lange ver­wehrt blieb und wird trotz sei­ner schwar­zen Haut­farbe zu einer der Schlüs­sel­fi­gu­ren die­ser Hooligan-Bande. Als Pennant inhaf­tiert wird, beginnt er damit seine Erleb­nisse auf­zu­schrei­ben. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


13 April

Roman Rutkowski: Das Charisma des Grabes

Spontis Thema

BuchcoverEine Jugend­be­we­gung wis­sen­schaft­lich zu beschrei­ben ist ein Para­do­xon, denn der Ver­such eine Bewe­gung zu beschrei­ben schei­tert meist an der Bewe­gung selbst. Mit sei­nem Buch Das Cha­risma des Gra­bes — Ste­reo­typ und Vor­ur­teile  in Bezug auf jugend­li­che Sub­kul­tu­ren am Bei­spiel der schwar­zen Szene star­tet Roman Rut­kow­ski einen ernst­haf­ten Ver­such. Im Rah­men sei­ner Magis­ter­ar­beit ent­stand dabei ein rund 180 Sei­ten lan­ges Werk, das sich ganz beson­ders mit den Vor­ur­tei­len und Ste­reo­ty­pen beschäf­tigt, die der schwar­zen Szene hin­ter her­lau­fen wie ein treuer Hund. Okkul­tis­mus und Sata­nis­mus, Todes­sehn­sucht und Sui­zid­ge­fähr­dung sowie der schlei­chende Rechts­ra­di­ka­lis­mus wer­den hier von Rut­kow­ski sach­lich erläu­tert. Das Buch ver­sucht aus den spär­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen wis­sen­schaft­li­cher Arbei­ten einen Kon­sens zu bil­den und den mit eige­nen Nach­for­schun­gen und Schluss­fol­ge­run­gen anzureichern.

Die Ein­lei­tung liest sich daher schlep­pend und durch­leuch­tet das Phä­no­men der Jugend­be­we­gung als sol­ches, das mei­ner Mei­nung nach eigent­lich gar nicht wis­sen­schaft­lich zu erfas­sen ist, son­dern immer nur ein Ver­such sein kann etwas zu unver­ständ­li­ches zu ergrün­den um es sei­ner Mythen zu berau­ben oder es ein­fach nur ver­ständ­lich zu machen. Den­noch schätze ich den Wert sol­cher wis­sen­schaft­li­cher Arbei­ten, die immer auch Vor­lage für andere Werke sein kön­nen, die sich der Grund­la­gen bedie­nen um diese wei­ter zu ver­fol­gen. Idea­ler­weise natür­lich dann, wenn sach­lich und gut recher­chiert sind und eine tat­säch­li­che Zeit­auf­nahme der Bewe­gung dar­stel­len. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


25 Februar

Schattenwelt - Helden und Legenden des Gothic Rock

Spontis Thema

Schattenwelt - Dave ThompsonSel­ten wird mir ein Buch so voll­mun­dig ange­kün­digt wie das Werk Schat­ten­welt von Dave Thomp­son. Der eng­li­sche Autor und Musik­jour­na­list gehört zu einem der flei­ßigs­ten Schrei­ber der alter­na­ti­ven Musik­szene und brachte schon in frü­hen 80ern Fan­zines und Bücher her­aus, mit die­sem Buch möchte er die Ent­ste­hung des Gothic Rock anhand sei­ner Hel­den und Legen­den nach­zeich­nen. Ich habe mich 424 Sei­ten durch die sehr gute Über­set­zung von Kirs­ten Bor­chardt gewühlt und mir ein eige­nes Bild von dem Buch gemacht, über das der Zillo schrieb: „Einen defi­ni­ti­ve­ren Über­blick über die Geburt der schwar­zen Szene wird es wohl nicht mehr geben.

Das Buch zeich­net den Ver­lauf der schwar­zen Szene sehr genau nach und beginnt etwa 1976 mit den ers­ten Live-Auftritten von Sioux­sie & The Bans­hees und eröff­net die musi­ka­li­sche Chro­nik mit Iggy Pop und sei­nem legen­dä­rem Album The Idiot, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Sehr detail­liert beschreibt Thomp­son das Erschei­nen sämt­li­cher Prot­ago­nis­ten auf der Bühne des Gothic Rock und kon­zen­triert sich dabei auf die Haupt­dar­stel­ler und ihre musi­ka­li­schen Pro­jekte. Als sich The Cure, Bau­haus und Joy Divi­sion vom fast schon eta­blier­ten Punk lösen sucht man förm­lich nach einem neuen Ober­be­griff, der den Bands der ers­ten Stun­den anhef­ten wird wie eine Täto­wie­rung. Mit The Mis­sion, The Dam­ned und The Sis­ters of Mercy macht er die Bewe­gung dann ein­deu­tig zu einem eng­li­schen Phä­no­men, woran ver­ein­zelte Aus­flüge mit The Birth­day Party, Chris­tian Death oder den Fields of the Nephilim nichts ändern kön­nen. Der Wech­sel zwi­schen den vie­len par­al­le­len Ent­wick­lun­gen ist mit­un­ter etwas umständ­lich und kon­fus gera­ten, so das man als Leser immer wie­der reflek­tie­ren muss, in wel­chem Teil der Zeit man sich befin­det. Den gan­zen Arti­kel lesen… »