Selten wird mir ein Buch so vollmundig angekündigt wie das Werk Schattenwelt von Dave Thompson. Der englische Autor und Musikjournalist gehört zu einem der fleißigsten Schreiber der alternativen Musikszene und brachte schon in frühen 80ern Fanzines und Bücher heraus, mit diesem Buch möchte er die Entstehung des Gothic Rock anhand seiner Helden und Legenden nachzeichnen. Ich habe mich 424 Seiten durch die sehr gute Übersetzung von Kirsten Borchardt gewühlt und mir ein eigenes Bild von dem Buch gemacht, über das der Zillo schrieb: “Einen definitiveren Überblick über die Geburt der schwarzen Szene wird es wohl nicht mehr geben.”
Das Buch zeichnet den Verlauf der schwarzen Szene sehr genau nach und beginnt etwa 1976 mit den ersten Live-Auftritten von Siouxsie & The Banshees und eröffnet die musikalische Chronik mit Iggy Pop und seinem legendärem Album The Idiot, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Sehr detailliert beschreibt Thompson das Erscheinen sämtlicher Protagonisten auf der Bühne des Gothic Rock und konzentriert sich dabei auf die Hauptdarsteller und ihre musikalischen Projekte. Als sich The Cure, Bauhaus und Joy Division vom fast schon etablierten Punk lösen sucht man förmlich nach einem neuen Oberbegriff, der den Bands der ersten Stunden anheften wird wie eine Tätowierung. Mit The Mission, The Damned und The Sisters of Mercy macht er die Bewegung dann eindeutig zu einem englischen Phänomen, woran vereinzelte Ausflüge mit The Birthday Party, Christian Death oder den Fields of the Nephilim nichts ändern können. Der Wechsel zwischen den vielen parallelen Entwicklungen ist mitunter etwas umständlich und konfus geraten, so das man als Leser immer wieder reflektieren muss, in welchem Teil der Zeit man sich befindet. …lese den ganzen Artikel
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Robert @ 20:18
Frei nach ihrem eigenen Motto “Es geht Voran!” veröffentlichen die Prototypen des deutschen Punk Fehlfarben ihr neues Album Glücksmaschinen. Auf 34 Minuten geben sich die älteren Herren die Ehre. Ein Punkalbum in Punklänge, auf das wesentliche reduziert. “Diese siebzig-Minuten-CDs gehen mir sowieso auf den Sack. Man muss nicht immer alles ausreizen, was ein Medium hergibt.“, so Peter Hein in einem Interview bei Spiegel-Online. Und tatsächlich, noch bevor ich das Album in den Händen halten kann, verspricht das Preview und die digitale Version genau das, was in den letzten paar Jahren verloren gegangen zu sein scheint. Die Sympathie, die ich für die Fehlfarben empfinde, begründet sich eben auf dieser Art die Realität zu empfangen und zwar so wie sie ist. Auch musikalisch sind sie im Jetzt angekommen, denn sie zeigen sich deutlich elektronisch-moderner, ohne jedoch dem Punkrock abzuschwören.
Hein, dessen Leben erschreckend realistisch und “unpunkig” abgelaufen ist, lebt jetzt in Wien nachdem er seine Stelle bei Rank Xerox dem Stellenabbau opfern musste. “Hartz IV wollte ich nicht, also bin ich aus Deutschland weggegangen, nach Wien. Ich habe nicht gesagt: Ich geh jetzt nicht mehr arbeiten, weil ich doch noch Popstar werde, auf die alten Tage.” Nach der Entscheidung 2002 wieder Musik zu machen und einige glücklosen Alben hat man sich jetzt dem Produzenten Moses Schneider (Tocotronic, Beatsteaks) anvertraut und das neue Album eingespielt, eine Single ausgekoppelt, ein Video gedreht und eine Tour geplant. Das Konzept scheint gelungen, mir jedenfalls gefällt das, was ich vom neuen Album schon hören konnte sehr gut. Es scheint überraschend wie viel Energie frei wird, angesichts der älteren Herren in Style der 70er Jahre Tapeten. Doch alles andere wäre eine Lüge gewesen, die Lüge die eigenen Wurzeln auszublenden und die Lüge das Jetzt nicht als musikalischen Entwicklung zu akzeptieren. …lese den ganzen Artikel
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Robert @ 18:12
Hans ist Darsteller in einer Show bei einem Zirkus und eigentlich glücklich mit Frieda verlobt. Als die neue Trapezkünstlerin Cleopatra im Zirkus beginnt, verliebt sich Hans unsterblich. Er macht ihr trotz Friedas Warnungen Geschenke, Komplimenten und Höflichkeiten die Cleopatra zwar heuchelnd annimmt, sich aber hinter Hans’ Rücken über ihn lustig macht, denn Hans ist kleinwüchsig. Für Sie ist das alles nur ein Spiel, bis sie von einer bevorstehenden Erbschaft erfährt, durch die Hans vermögend wird. Zusammen mit ihrem Mann Hercules schmiedet sie einen heimtückischen Plan. Cleopatra und Hans heiraten und schon auf der Hochzeit macht sich Cleopatra über die Freaks des Zirkus lustig, als Hercules versucht Hans zu vergiften um so dem Erbe habhaft zu werden öffnet ihm das die Augen. Er und die anderen Freaks schwören Rache.
Eigentlich sollte das ein Film werden um das Verständnis für Andersartigkeit und Behinderungen zu fördern, doch 1932 erreicht der Film genau das Gegenteil. Regisseur Tod Browning, der selbst mehrere Jahre mit solchen Freaks im Zirkus lebte, war seiner Zeit voraus. Der Film wurde in verschiedenen US-Bundestaaten verboten, in Großbritannien stand er über 30 Jahre lang auf dem Index. Brownings Karriere die 1931 mit der Verfilmung von Bram Stokers Dracula (mit dem legendären Bela Lugosi in der Hauptrolle) ihren Höhepunkt erreicht hatte, endete abrupt. …lese den ganzen Artikel
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Robert @ 12:00
Das Journal der Jugendkulturen ist eine Fachzeitschrift des Archivs der Jugendkulturen von dem ich bereits in einem älteren Artikel berichtet habe. Das Journal erscheint mittlerweile jährlich und ist eigentlich mehr als der spießige Titel zunächst vermuten lässt. Nennen wir es eine jugendkulturelle Rückblende und Aussicht auf das, was in Jahren vielleicht einmal legendär erscheint.
Niemand kann wirklich erfassen, was in einer Jugendbewegung vorgeht, wohin sie führt und woraus sie sich entwickelt, es mag vermessen klingen eine Bewegung in Wort und Schrift zu fassen, denn im Sinne des Wortes ist sie damit bereits zum Stillstand gekommen. Wenn jedoch einen ernst gemeinten Versuch gibt das zu erfassen, muss man in einem Atemzug vom Archiv der Jugendkulturen sprechen. Für die Konservierung von Jugendszenen aller Art ist es bereits jetzt schon eine Institution.
Die Ausgabe Nummer 14 vom Dezember 2009 beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Jugendszenen im Ausland und bietet in 4 Artikel einen Querschnitt durch lateinamerikanische Kulturen und zeigt eine wärmere Interpretation bereits bekannter Kulturen. In seinem Artikel “¡Patria o muerte! oder No Future!? – Beobachtungen zu Jugend und Staat in Kuba” [PDF] gibt Thorsten Eßer einen Eindruck von einem Land, in dem sich zwischen Kommunismus, Bürgerkrieg, Reformen und Zensur eine Jugendkultur formt die nicht müde wird den Kampf für ihre Rechte voranzutreiben.
So wundert es nicht, das der Artikel mit einem Zitat von Che Guevara eröffnet wird: „Von besonderer Bedeutung ist die Jugend, denn sie ist die formbare Tonerde, aus der man den neuen Menschen erschaffen kann, der frei ist von den Erblasten der Vergangenheit.“ Leider konnte die kubanische Jugend den Zielen nicht folgen und so schließt sein Artikel: “Che Guevaras „Neuer Mensch“ hingegen, der sich selbstlos und ohne materielle Interessen für das Gemeinwohl engagiert und sich sogar opfert, wenn es sein muss, bleibt auch auf Kuba eine Utopie.” …lese den ganzen Artikel
» Journal der Jugendkulturen #14 «
Robert @ 19:05
Wo wir schonmal beim Thema sind, sagte ich mir und erinnerte mich an die zahlreichen Beiträge die sich um die Skinhead-Kultur drehten oder das Thema zu mindestens tangierten. Es liegt auf der Hand die Problematik allgegenwärtig ist und den eigentlichen Wurzeln nicht gerecht werden können. Doch leider vermögen Artikel immer nur einen Teil der Neugierigen zum umdenken zu bewegen, zu interessieren oder für weitere Recherchen zu begeistern. Das ist wie das lesen in einer Zeitung, macht auch nicht jeder, manch anderer zieht sich seine Informationen lieber aus Hörfunk oder Fernsehen. Was läge da mehr auf der Hand, das Thema noch einmal in audio-visueller Form, also als Video, zu behandeln. Gerade im Hinblick auf die Nazi-Problematik gibt es noch viel zu klären.
“Erst gegen Ende der 70er Jahre mit der Krise und der Entstehung der Punkbewegung radikalisieren sich die Street-Kids. Angezogen vom rebellischen, vom provozierenden – eine neue Generation von Skinheads.” Ein gefundenes Fressen für rechtsextreme Gruppierungen, die den jugendlichen politische Ideologien vermitteln und diese als Instrument der Aufmerksamkeit missbrauchen. Um ihre Ziele durchzusetzen greift man auf Gewalt und Aggressivität zurück und kanalisiert diese unter Parolen die jeder versteht und mitfühlen kann, die Kids aus den einfache Arbeiterschichten lassen sich vom Gedanken “Ausländer Raus!” leicht anstecken, denn das eigene Zuhause leidet unter der Arbeitslosigkeit der späten 70er.
Die Doku Skinhead Attitude greift genau diese Problematik auf und bringt den Konflikt zwischen dem eigentlichen Skinhead-Gedanken und der Realität auf den Punkt. Der Film von Daniel Schweitzer wurde 2005 als bester Dokumentarfilm gefeiert. Zu recht. Neben zahlreichen Skinheads kommen vor allem die Musikerlegenden Laurel Aitken oder auch Jimmy Pursey von Sham 69 zu Wort, denn Musik ist das grundlegende Element der Skinheads. “Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnen würde…“ Die zahlreichen Szene-Angehörigen die zu Wort kommen verleihen der Doku die Spur Authentizität, für die es wohl den Preis erhalten hat. …lese den ganzen Artikel
» Dokumentation: Skinhead Attitude «
Robert @ 18:39
Köln, Alter Wartesaal. Die in fades Licht gehüllte Tanzfläche ist dicht von den sogenannten Grufties besiedelt, Frisuren formen ein erstaunliches Bild das der Skyline eine Metropole ähnelt. Glockengeläut und der Klang einer Orgel bildet den Eröffnungs-Choral in der Samstags Disco des Alten Wartesaals in Köln. Der Chor der nun die ehrwürdigen Mauern unter den Gleisen des Hauptbahnhofs zu Köln durchflutet wirft ein bizarres Licht auf die Menschen die sich im Schein der bunten Lampen tummeln. Sollte das etwa eine besonders moderne Form der christlichen Glaubensausübung sein?
Für den Außenstehenden ist die Kombination aus schweren Kreuzen, die man als Schmuck trägt und den größtenteils schwarzen Klamotten schwer zu verdauen. Für die Jugendlichen, die sich an diesem Samstag Abend in der Discothek treffen ist es das ganz eigene Verständnis von Ästhetik und nur Mittel zum Zweck die Aufmerksamkeit seines Umfelds auf sich zu lenken. Madonna hat es schließlich in ihrem 84er Video zu Like a Virgin vorgemacht, Billy Idol bringt mit seinem Video zu White Wedding die Szenetypischen Stil-Elemente auf den Punkt. Ein hämmernder Beat und sprühende Funken zereißen die andächtige Stimmung, die Jugendlichen tanzen wild zum treibenden Rhythmus der Musik…
Folgen die Künstler nun der Strömung der Jugend, oder identifizieren sich die Kids vor der Bühne mit den Künstlern in dem sie ihren Style aufnehmen? Die Frage lässt sich nicht abschließend klären, doch das ist auch nicht das, was Thomas Schmitt mit seinem Film erreichen möchte. Die Einleitung erklärt: “…Kids aus der Samstags-Disco des Alten Wartesaals, die schriller und exotischer gestylt denn je „No Future“ blöd finden und auf eine geregelte Zukunft hoffen. „Etwas richtiges werden“ wollen sie alle – am liebsten Modedesigner. Protest ist passé auch bei den jungen Kulturschaffenden aus der Szenekneipe Wave… “. Fünf Jahre zuvor, also 1980 drehte Schmitt ein Video mit dem Titel Randale & Liebe, das die deutschen Ausläufer der Punk-Bewegung zeigt, die mit ihrem Protest die Fesseln der eigenen Vergangenheit abschütteln wollen und hoffen das kalte und graue System mit Protest zu ihren Gunsten zu lenken. Die Jugend 1985 zeigt da ein anderes Bild und ist offenbar auf ihr Aussehen fixiert und schert sich nicht mehr um politische Inhalte. …lese den ganzen Artikel
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Robert @ 23:01