Die spinnen, die Gothics: « –Hör da mal rein. Lacrimosa, das ist Gothic-. Ich hab reingehört, und wusste ab dem Zeitpunkt dass ich Gothic scheiße finde.« (Bild: Mikl Olivier — CC by-nc-nd, Text: Otranto-Archive)
14 März
Spontis Wochenschau #7/11
Während Japan im Zorn der Natur zu ersticken droht, sitze ich hier vor meinem Rechner und überlege, wie ich die Gedanken dazu in Worte fassen könnte. Ein polemisches Pamphlet auf die Kernkraft? Es wird sich manifestieren, versprochen. Und immer dann, wenn eine Stimme so laut erscheint, das sie alles zu übertönen vermag, scheint der Rest der Welt leise verharrend auf den Teil ihrer Aufmerksamkeit zu warten.
Und damit ihr nicht warten müsst, habe ich bereits um siebten Male ein Paket geschnürt aus dem was objektiv oder subjektiv in der Favoritenlisten des Google-Readers gelandet ist, wie immer kommentiert und begutachtet. Wem es noch nicht aufgefallen sein sollte, die Wochenschau hat auch ein neues Artikelbild. Für die, die wissen was da im Hintergrund zu sehen ist, gibt es ein virtuelles Fleißkärtchen.
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8 März
Männlich dominierte Szene sucht: Östrogen - bitte melde dich.
Die Gothic-Szene ist eindeutig männlich dominiert. Jedenfalls auf der Bühne. Das klingt logisch, denn die Szene selbst zählt nach einschlägiger Fachliteratur und eigener Erfahrung mehr Frauen als Männer. Die Konsequenzen: Auf der Bühne dominiert das männliche Geschlecht als Überbringer des Gothic-Gedankens. Werfen wir ein Blick in die aktuellen Deutschen Alternative Charts, scheint sich das Bild zu bestätigen. Deine Lakaien, Schandmaul, Blutengel, Hocico oder auch der auferstandene Robert Smith, der bei den Crystal Castles behauptet, er sei nicht verliebt. Alles Bands, bei denen ein Mann als schwarze Galionsfigur die überwiegend weibliche Szene begeistert.
Heute ist Weltfrauentag und tatsächlich gönne ich den Frauen eine Szene, in der sie dominieren. Ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, ich möchte noch mehr Frauen! Vor allem auf der Bühne, denn da sieht es ziemlich männlich aus. Adrian Hates, Ville Valo, Johan Edlund, Chris Pohl oder Sven Friedrich — es regiert dunkles, düsteres, androgynes und blasses Testosteron, Frauen werden meist in die zweite Reihe verbannt oder sind dazu verdammt, lasziv zu präsentieren wie eine weiblich dominierte Szene auszusehen hat. Östrogene, die weiblichen Sexualhormone, sind am Mikrofon unterrepräsentiert. Den ganzen Artikel lesen… »
3 März
Mit Worten: Treffpunkt Domplatte Reloaded
Treffpunkt Domplatte? Genau, über zu einem Bild der Kölner Domplatte aus dem Jahre 1993 gab es eine ausgedehnt fantastische Diskussion zum Thema »Virtuelle Domplatten«. Welch ein Zufall, dass Pixella in der letzten Woche ein Video von eben diesem (?) Treffen auf YouTube entdeckte, das ich euch nicht vorenthalten kann. Inhaltlich sicher nicht besonders wertvoll, da es hauptsächlich aus unkommentierte Impressionen besteht, zeigt es jedoch die Stimmung und Faszination dieser Tage sehr deutlich. Man kam einfach hin, quatschte, knüpfte Kontakte und genoss die verwirrten Blicke der übrigen Dom Besucher.
Ich garniere das ganze mit Auszügen aus euren Kommentaren, das habt ihr nun davon. Wenn ich das irgendwas aus dem Zusammenhang gerissen haben sollte, so bitte ich das im Vorfeld nicht zu entschuldigen. Den ganzen Artikel lesen… »
1 März
Warum die Helden Helden sind
Als aufstrebende Pop-Band hat man es nicht leicht. Der ganze Erfolgsdruck, die Lust auf mehr, das haschen nach Aufmerksamkeit und Popularität. Die Verlockungen sind groß, ein Auftritt in der BILD-Zeitung riecht nach Ruhm und Anerkennung. Es gibt viele, die sich Rückgratlos der Popularitätsmaschinerie beugen, die einem Management folgen, das nur daran denkt den größtmöglich Nutzen für sich selbst zu erhalten, Profit zu machen, der Aspekt Kunst wird ausgeblendet. Ich bin der Meinung, das Unheilig hier als leuchtend schwarzes Beispiel glänzen.
Wie ich bereits gebloggt habe, ist die Präsenz des Grafen nahezu allgegenwärtig. Für viele war das der Grund, der Musik von Unheilig den Rücken zu kehren, weil man seine Ideale verraten sah. Erst jüngst erschien im Zillo ein Unheilig-Special, das sich mit dem Phänomen des Grafen und unterschwellig mit der Kommerzialisierung auseinandersetzte. Auch andere Künstler wurde dazu befragt, doch wer klare Worte zum Thema Kommerz lesen wollte sollte enttäuscht werden.
»Kaum erreicht ein sendungsbewusster Musiker der Szene ein größeres Publikum, wird „Verrat” geschrien, als wäre die Idee eines guten Songs Szeneeigentum (…) Ich wünsche dem Grafen, dass er sich nicht an den Versuchungen der Massenindustrie vergiftet…«((Aus dem Artikel: Unheilige Stimmen, Zillo — Das Musikmagazin, Februar 2011, S. 28)) (Bruno Kramm) Zu spät, viel zu Spät. Das Gift zeigt bereits erste Auswirkungen, die Kontaktlinsen sind darin bereits aufgelöst. Den ganzen Artikel lesen… »
28 Februar
WGT 2011 - Gezielte Provokation eines unpolitischen Treffens?
Nachdem 2009 eine schwarze Sonne auf der Obsorge-Karte für hohe Wellen der Empörung sorgte, stand auch das WGT 2010 unter einer zweifelhaften Symbolik. Am 19. Februar erhielt ich von Katrin G. eine Nachricht, in der sie von der Verwendung fragwürdiger Zitate auf der aktuellen Homepage des Wave-Gotik-Treffen 2011 spricht. Schon wieder? In der darauf folgenden Woche habe ich mich nach einem Schriftwechsel mit Katrin und dem Gespräch mit einigen Vertrauten damit begonnen, für einen Artikel zu recherchieren. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für eine Veröffentlichung, gerade weil ich bereits durch meinen Artikel Umstrittene Riefenstahl-Ästhetik auf der WGT Karte 2010? bereits Partei ergriffen habe, wohlweislich, das ich mich auch dieses mal einer angeregten Diskussion stellen muss.
Steht das WGT unter einem politischen Stern? Ist das nur ein Spiel mit der Provokation? Ist die Verwendung zweifelhafter Symbole und Zitate immer schon ein Teil der Szene gewesen? Sorgen die Steine die wir in Wasser schmeißen letztendlich sogar dafür das es in Zukunft kein WGT mehr geben wird? Den ganzen Artikel lesen… »
20 Februar
Tagebuch: Stille ist Luxus
Das Hotelzimmer ist stickig. Ich öffne das Fenster um den Raum mit frischer Luft zu fluten, ich schaue in den Raunheimer Nachthimmel, atme tief durch und beobachte einige Flugzeuge im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Kein schöner Ort zum leben. Das Hotel bietet alle Annehmlichkeiten, ein großes Bett, eine überteuerte Minibar, ein Badezimmer mit Badewanne und Dusche. Auf dem Kopfkissen trohnt das obligatorische Bonbon, das sich geschmacklich zwischen eingeschlafenen Füßen und einem Hauch Orange bewegt.
Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Bestimmt ein heimlicher Schachzug der niedergelassenen Zahnärzte. Sie verleiten den erschöpften Besucher nach dem abendlichen Zähneputzen zum Konsum eines Bonbons oder eines Stückes Schokolade. Der schafft es natürlich gerade noch die vermeintliche Aufmerksamkeit des Hauses zu naschen, bevor sich der Schlaf über seine Augen legt. Und nachts, ja nachts hat dann der Zucker genügend Zeit sich durch den Zahnschmelz zu fressen und den Zähnen zuzusetzen, bis der von Schmerzen gepeinigte Hotelgast dann irgendwann den Zahnarzt aufsuchen muss. Raffiniert! Sollen die doch lieber eine von diesen kleinen Flaschen Wasser auf das Kopfkissen legen, bevor daraus ein alter Tropfen wird, denn ich bin sicher, für 3,50€ benutzt man lieber den Wasserhahn. Den ganzen Artikel lesen… »
17 Februar
6 Youtube-Filme, die beweisen, dass Gothic im Mainstream angekommen ist
Ja, die Meldung ist nicht neu. Gothic ist Trend und alles, was irgendwie schwarz aussieht, wird inzwischen als Gothic Look bezeichnet — egal, ob Paris Hilton drin steckt oder Lady Gaga. Aber die Auswüchse des Gothic Trends haben mittlerweile Dimensionen erreicht, die so absurd sind, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Hier sechs Youtube-Fundstücke. Den ganzen Artikel lesen… »
16 Februar
Cyber: Nur noch eine Mode?
Ihre Welt ist bunt bis schwarz, ihre Musik laut und schnell. Als Verschmelzung einer Gothic-Attitüde und der technoiden Musikform die man fälschlicherweise als Industrial bezeichnete, entwickelt sich etwas, das zunächst einige Clubs im Ruhrgebiet eroberte und schließlich auf Festivals und auch dem WGT einen festen Platz ergatterte. Hier sorgten sie nicht allein wegen ihres Musikgeschmacks und der Art sich zu kleiden für Aufsehen und ungeahntes Konfliktpotential. Handelt es sich um eine eigenständige Szene oder ist es nur ein Trend?
Zu meinem Artikel Subkultur! Cybergothic, in dem ich versuchte die Verkettung der Szenen und den Hintergrund der Cyber zu ergründen, erhielt ich mittlerweile über 100 Kommentare die sich mit der Frage beschäftigen, was Cyber den nun eigentlich ist, woher es kommt und was es darstellt. Eine abschließende und definierende Antwort steht noch immer aus, doch vielleicht ist die auch bald nicht mehr notwendig.
Potential für die Entwicklung einer eigenständigen Kultur sehe ich persönlich nicht, zu oberflächlich agiert der Großteil dieser Szene, zu partyorientiert zeigen sich deren Mitglieder. Es scheint so, als gäbe es zu wenig Interesse, der eigenen Szene Hintergründe zu vermitteln und Sichtweisen zu verleihen. Den ganzen Artikel lesen… »
14 Februar
Tagebuch: Frankfurt spielt ein falsches Spiel
Frankfurt, 14.02.2011 — Während die Schaufenster das Fest der Liebenden propagieren, herrscht am Bahnhof emsiges Treiben. »Möchten Sie nicht Blumen kaufen? Heute ist Valentinstag!« Schon wieder ein Fest um Geld zu scheffeln. The Grabbing Hands grab all they can. Ungeduldig warten die Reisenden auf ihre Züge, Infostände ersticken im Stimmengewirr der Sprachen, die Mitarbeiter kämpfen wacker.
Draußen strecken die Wolkenkratzer ihre knochig glänzenden Finger in den diesigen Himmel der einbrechenden Nacht. Sie lachen den alten Mann auf der Parkbank aus, der sich zum Schutz vor der Kälte mit Zeitungen und Kartons eingehüllt hat und schläft. Die gelbe Leuchtreklame der Commerzbank wirft ein schales Licht auf die Falten in den Gesichtern der Menschen die mit eisigen Blicke über die Straßen hetzen.
Frankfurt spielt ein falsches Spiel.
Gegenseitiges Desinteresse und Arroganz sind die Meßlatten des Erfolgs. Die traurige Verkäuferin die Prospekte verteilen muss lächelt, als ich freundlich ablehne und Ihr in die Augen blicke. Der junge Mann am Ausgang einer Passage der die vermeintlich erfolgreichen verabschieden soll ist verwirrt, als ich ihm einen schönen Abend wünsche. Nein, das jemand antwortet, darauf war er nicht vorbereitet. Warum hilft eigentlich niemand der Frau mit ihrem Maxi-Cosi die sich eine defekte Rolltreppe hinauf quält?
Geld macht nicht glücklich, sondern einsam. Die Kluft zwischen Menschen und sozialen Schichten ist nirgens offensichtlicher als in Frankfurt. Die Finanzmetropole hatte viele Gesichter. Die meisten sind häßlich.




