Es wird Herbst – genau die richtige Zeit, um an meinem Roman weiterzuarbeiten, der nun schon viel zu lange in der Schublade liegt. Die Figuren, die mir seit Ewigkeiten im Kopf herum spuken, wollen Leben eingehaucht bekommen, sie brauchen ein Äußeres, innere Konflikte, Macken und Persönlichkeit. Was macht die Schreiberline also in so einer Situation?
Ganz klar: Sie fährt zu einer Esoterikmesse, um sich inspirieren zu lassen. Zumindest dachte ich, dass es eine gute Idee ist. Skurrile Charaktere, verrückte Ideen und eine Portion Spiritualität – ideal zur Inspiration. Nach der Rückkehr dann die bittere Erkenntnis: Die Realität ist bekloppter als alles, was man sich ausdenken kann.
Spirituelle Rückenschule, geistige Wirbelsäulenaufrichtung, Gedankendiät, spirituelles Coaching zur Transformation, Vitamine aus der Luft, heilendes Kristallwasser – mit jedem Stand mit jedem „Heiler“ mit jedem Infoblatt eine neue Möglichkeit, sich zu befreien, Blockaden zu lösen, Erkenntnisse zu gewinnen, gesünder, erleuchteter, schöner und vor allem ärmer zu werden. Wer seine Seele in höhere Gefilde heben möchte, der muss erst einmal tief in die Tasche greifen.

Das 21. Wave-Gotik-Treffen ist Geschichte und bevor die Klamotten in die Wäsche kommen, die Pikes geputzt werden und die Bilder im Kopf verblassen, werden noch schnell Erinnerungen, Eindrücke und Erlebnisse in Worte gepackt. Wie jeder persönliche Rückblick ist auch dieser hochgradig subjektiv und garantiert nicht vollständig. Dafür aber vielleicht etwas differenzierter als die Berichte in den – gefühlt – 3 Millionen Zeitungen, die vom größten Kostümfest Deutschlands sprechen und Fotos von Cybers mit der Bildunterschrift „Medusa-Outfit“ versehen.






