22 Januar

Klaus Farin: Über die Jugend

Kategorie: Auseinandergesetzt,Druckerschwärze — Jahrgang 2009

essays_lEiner Auk­tion bei E-Bay habe ich zu ver­dan­ken, das ich Ende 2008 eine Ori­gi­nal­aus­gabe des von Klaus Farin ver­fass­ten Buches Über die Jugend und andere Krank­hei­ten gekom­men bin. Das Buch ist beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren in Ber­lin erschie­nen und bie­tet auf rund 120 Sei­ten Essays und Reden des 50-jährigen Ber­li­ners aus den Jah­ren 1994 — 2008. Klaus Farin arbei­tet als Lei­ter des Archiv der Jugend­kul­tu­ren, ist Lek­tor und Initia­tor des Pro­jek­tes Cul­ture on the Road. Aus unzäh­li­gen Vor­trä­gen und Lesun­gen hat er die Quint­es­senz in die­ses kleine Buch geschrieben.

Das Buch bie­tet daher keine durch­ge­hende Geschichte son­dern ist ein lose Samm­lung von Vor­trä­gen, Kom­men­tare und andere Bei­träge  zu zen­tra­len The­men sei­ner Arbeit wie der Medi­en­dar­stel­lung von Jugend, Rechts­ex­tre­mis­mus, Jugend­ge­walt und Kri­mi­na­li­tät, Jugend­kul­tu­ren & Dro­gen sowie eine Ein­füh­rung in die Prin­zi­pien und prak­ti­sche Arbeit des Archiv der Jugendkulturen.

Es wird deut­lich, das Auf­klä­rungs­ar­beit selbst in Berei­chen nötig ist, von denen man eher eine vor­ur­teils­freier Her­an­ge­hens­weise erwar­tet hätte. So wun­dert es nicht, das viele sei­ner Reden bei Jugend­ar­bei­tern, Sozi­al­ar­bei­ter und Päd­ago­gen auf offene Ohren sto­ßen, den trotz eines brei­ten Fach­wis­sens über Kin­der– und Jugend­ar­beit fehlt vie­len der prak­ti­sche Bezug zu den ein­zel­nen Sze­nen und der Jugend­kul­tur im All­ge­mei­nen. Immer wie­der weist Farin dar­auf hin, mit den Mit­glie­dern der Szene direkt und unvor­ein­ge­nom­men in Kon­takt zu tre­ten, als sei­nen Bezug aus Fach­bü­chern und staat­li­chen Ana­ly­sen zu ziehen.

Wer beim Inter­net Buch­ver­sen­der stö­bert, fin­det mehr Ange­bote zu Aqua­ri­en­kunde als Jugend­kul­tur. Zum Glück schwimmt in die­sem ver­nach­läs­sig­ten Bereich ein dicker Fisch: Klaus Farin. (West­deut­sche All­ge­meine Zeitung)

Seine Texte sind sehr gut ver­ständ­lich, inter­es­sant und auf­schluss­reich und hel­fen dabei seine eige­nen Sicht­wei­sen neu zu über­den­ken. Lei­der ist das Buch viel zu kurz gera­ten und war inner­halb von 2 Nach­mit­ta­gen gele­sen. Das Hard­co­ver und der Ein­band machen einen hoch­wer­ti­gen Ein­druck. Das blaue Lese­bänd­chen ist prak­tisch, ist aber auf­grund der Kürze des Buches arbeits­los. Wer sich für unsere Jugend und die Ansich­ten des Herrn Farin inter­es­siert, seit die­ses Buch für 12€ ans Herz gelegt. Man bekommt es direkt beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren.

Inhalt:

  • Die am lau­tes­ten schreien, sind am wenigs­ten gefähr­det. Die ‚Anti-Antifa‘ ver­öf­fent­licht eine „Fahn­dungs­liste” ihrer Gegner.
  • Zur Abwechs­lung mal Punks. Cha­os­tage in Hannover
  • Ter­ror der Idio­ten. Oder: Wie dubiose „Anti­fas” ein anti­fa­schis­ti­sches Skin­head­fes­ti­val verhinderten.
  • Mobile Jugend­ar­beit — zwi­schen pro­fes­sio­nel­lem Han­deln und sozia­ler Feuerwehr?”
  • Zur Misere der deut­schen Jugendforschung
  • Sind Jugend­kul­tu­ren eigent­lich Jun­gen­kul­tu­ren? — Ein Gen­der ori­en­tier­ter Ein­blick in Jugendkulturen
  • Mit­wir­kung und Par­ti­zi­pa­tion — wol­len Jugend­li­che das überhaupt?”
  • Jugend­kul­tu­ren & Drogen
  • Kein Refu­gium für Couch­po­ta­toes. Die ästhe­ti­sche Pra­xis in Jugendkulturen
  • Das Archiv der Jugend­kul­tu­ren. Por­trät einer (lei­der) ein­ma­li­gen Einrichtung

5 Kommentare

  1. Seh ich das rich­tig: Bekommt in dem Buch die Antifa ver­bal eins auf den Deckel?

  2. Das siehst du rich­tig. Schlecht orga­ni­sierte Anti­fas tref­fen auf gut orga­ni­sierte Skin­heads, die KEINE Neo­na­zis sind, son­dern die ein anti­fa­schis­ti­sches Skin­head­fes­ti­val feiern :)

  3. Gibt es auch Anti­fas die nicht schlecht orga­ni­siert sind und nicht im so ganz maka­ber aus­ge­drückt das linke Gegen­stück zu den rechts­ex­tre­men Voll­idio­ten sind? Viel mehr als „Haut die Nazis tot” und „Wir machen ne Gegen­demo und wer­fen Steine” hab ich von denen noch nicht gehört, von dem eigent­lich dem Faschis­mus zuzu­ord­nen­den Grund­ge­dan­ken dem Rest der Welt ihre linke Welt­sicht auf­zu­drü­cken red ich bes­ser mal nicht.

  4. Wie der Grund­ge­danke schon sagt, sind beide poli­ti­schen Ein­stel­lun­gen extrem — links oder rechts. Ich mache mir ein wenig Sor­gen über die ver­mit­telte gesell­schaft­li­che Bot­schaft, wenn der soge­nannte Otto-Normal-Bürger rein optisch beide Grup­pen nicht aus­ein­an­der­hal­ten kann und nicht nach­voll­zie­hen wer da warum Steine auf jemand anders wirft. So geht doch der Grund­ge­danke — Wach­rüt­teln der All­ge­mein­heit — total ver­lo­ren. Sol­che Nega­tiv­bei­spiele sind zwar sel­te­ner und wer­den nur durch die Boulevard-Presse hoch­ge­pusht, über­schat­ten aber die unzäh­li­gen Posi­tiv­bei­spiele. Wenn es nach mir gehen würde, gäbe es die Bild-Zeitung nicht mehr ;)

  5. Mit Presse hat meine Mei­nung über die Antifa wenig zu tun, aus­schließ­lich mit per­sön­li­cher Erfah­rung. Die besagt, dass über­all wo die Antifa auf­taucht Ärger ent­steht. Und wie ich bereits bei einem ande­ren Bei­trag geschrie­ben hatte: Ich halte es für kom­plet­ten Mist mit 10.000 Mann gegen 50 Nazis zu demonstrieren.

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