28 Februar

WGT 2011 - Gezielte Provokation eines unpolitischen Treffens?

Kategorie: Ansichtssache, Schwarze Szene — Jahrgang: 201121 Kommentare

Offizieller Banner des WGTNach­dem 2009 eine schwarze Sonne auf der Obsorge-Karte für hohe Wel­len der Empö­rung sorgte, stand auch das WGT 2010 unter einer zwei­fel­haf­ten Sym­bo­lik. Am 19. Februar erhielt ich von Kat­rin G. eine Nach­richt, in der sie von der Ver­wen­dung frag­wür­di­ger Zitate auf der aktu­el­len Home­page des Wave-Gotik-Treffen 2011 spricht. Schon wie­der? In der dar­auf fol­gen­den Woche habe ich mich nach einem Schrift­wech­sel mit Kat­rin und dem Gespräch mit eini­gen Ver­trau­ten damit begon­nen, für einen Arti­kel zu recher­chie­ren. Nach reif­li­cher Über­le­gung ent­schied ich mich für eine Ver­öf­fent­li­chung, gerade weil ich bereits durch mei­nen Arti­kel Umstrit­tene Riefenstahl-Ästhetik auf der WGT Karte 2010? bereits Par­tei ergrif­fen habe, wohl­weis­lich, das ich mich auch die­ses mal einer ange­reg­ten Dis­kus­sion stel­len muss.

Steht das WGT unter einem poli­ti­schen Stern? Ist das nur ein Spiel mit der Pro­vo­ka­tion?  Ist die Ver­wen­dung zwei­fel­haf­ter Sym­bole und Zitate immer schon ein Teil der Szene gewe­sen? Sor­gen die Steine die wir in Was­ser schmei­ßen letzt­end­lich sogar dafür das es in Zukunft kein WGT mehr geben wird?

Doch zunächst die Fak­ten. Auf der offi­zi­el­len Inter­net­seite des WGT erschei­nen unter der Rubrik »Tref­fen Welt­bo­ten« seit Januar 2011 regel­mä­ßige Ankün­di­gun­gen über die Zusa­gen von Bands, vor denen jeweils in ecki­gen Klam­mern einige Worte zu lesen sind, die von unten nach oben gele­sen den Beginn eines Zitats von Ernest Renan bilden:

Vernunft und Wissenschaft sind Erzeugnisse der Menschheit, aber die Vernunft unmittelbar dem Volke beizulegen und sie inmitten dieses Volkes zu realisieren - das ist eine Chimäre. Es gehört nicht zum Wesen der Vernunft, dass sie von aller Welt verstanden wird. Wenn eine solche Einweihung Platz greifen sollte, so wäre sie auf alle Fälle doch nicht durch eine Form der niederen Demokratie möglich, die dahin zu führen scheint, dass jede feinere Kultur und jede höhere Ordnung ausgelöscht werden. Der Grundsatz, dass die Gesellschaft allein für das Wohlergehen und die Freiheit der Individuen besteht, die sie bilden, stimmt auch nicht mit dem Vorhaben der Natur überein, wonach allein die Art in Betracht gezogen und das Individuum geopfert wird.

Wer war Ernest Renan? Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler, der von 1823 bis 1892 in Frank­reich lebte und wirkte war neben sei­ner Tätig­keit als Gelehr­ter der Aca­dé­mie fran­caise auch His­to­ri­ker, Archä­loge, Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­ler und Ori­en­ta­list1 und machte vor allem durch pro­vo­kante und unter­schwel­lig ras­sis­ti­sche Ver­öf­fent­li­chun­gen auf sich auf­merk­sam. »Auch in den Schrif­ten Ernest Ren­ans geht das Gespenst der „Rasse“ um. Obwohl per­sön­lich kein Anti­se­mit und Ras­sist, sind seine Schrif­ten gera­dezu heim­ge­sucht vom Begriff der Rasse. Er spricht von ihr, wenn er von dem genie der Natio­nen und Indi­vi­duen spricht; er nimmt auf sie Bezug, um die Ungleich­heit der Zivi­li­sa­tio­nen zu erklä­ren. Einige der größ­ten Ras­sis­ten haben des­halb Renan zusam­men mit Gobi­neau als einen ihrer Grün­der­vä­ter rekla­mie­ren kön­nen.»2

Doch nicht die grenz­wer­tige Aus­sage sei­ner Texte macht die Sache pro­vo­ka­tiv, son­dern viel­mehr der Inhalt des von ihm ver­wen­de­ten Zitats im Zusam­men­hang mit einer Ver­an­stal­tung wie dem Wave-Gotik-Treffen in Leip­zig. Im Prin­zip stellt Renan die Demo­kra­tie in Frage und bezwei­felt die Fähig­keit des Vol­kes, eine sol­che auf­recht erhal­ten oder auf den Weg zu brin­gen. Es erscheint mir ange­sichts der Ent­wick­lun­gen in Ägyp­ten, Libyen und Tune­sien wie ein Hohn auf die Staats­form, in der das Volk durch freie Wah­len seine Regie­rung bestimmt. Auch wenn der Inhalt eines sol­chen Zitats dis­ku­ta­bel erscheint, sind Ban­dan­kün­di­gun­gen ein frag­wür­di­ger Weg damit zu beginnen.

Cor­ne­lius Brach, Pres­se­spre­cher des WGT, sagt in einem Inter­view mit einer Leip­zi­ger Zei­tung über umstrit­tene Bands: »Brach macht sich auch keine Sor­gen um die bei­den Auf­tritte der ita­lie­ni­schen Klang­künst­ler von „Kir­lian Camera” und den Apo­ca­lyp­tic Fol­kern von „Sol Invic­tus” (..) In die­sem Sek­tor gibt es Bands, die weit­aus pro­ble­ma­ti­scher sind und wir gucken genau dar­auf, dass keine polit­schen Aus­sa­gen ver­mit­telt wer­den, in wel­cher Rich­tung auch immer.»3 Offen­bar gilt das nicht für das Tref­fen selbst, denn hier sorgt man 2011 wie­der für eine Pro­vo­ka­tion auf dem Rücken einer poli­ti­schen Bot­schaft.  In einem Inter­view aus dem Jahre 2010 mit der Seite pentanox.eu ant­wor­tet man: »Klare Ansage von uns ist: Wir wol­len keine Poli­tik beim WGT, in wel­cher Rich­tung auch immer.«

Wie­der ein­mal bleibt frag­lich, was man den tat­säch­lich mit einem sol­chen Zitat errei­chen möchte. Die Argu­men­ta­tion zur Ver­wen­dung der schwar­zen Sonne auf der Obsorge-Karte aus dem Jahre 2009 kann jeden­falls nicht mehr grei­fen: »Eine Dis­kus­sion über die Ver­wen­dung des Sym­bols ist ja nach­voll­zieh­bar. Sie ist aber der­art unsach­lich aus­ge­ar­tet, daß wir uns daran nicht mehr wei­ter betei­li­gen woll­ten. Für uns han­delte es sich ledig­lich um ein künst­le­ri­sches Gestal­tungs­ele­ment und damit ohne poli­ti­sche Aus­sage.»4

Kat­rin, die mir die Nach­richt schickte, schreibt in ihrer E-Mail: »Sicher kei­ner der Künst­ler, der im Kon­text die­sen Tex­tes für das WGT bestä­tigt wird, ist danach gefragt wor­den, ob ihm das recht ist. Und es geht eben nicht um einen abs­trak­ten Text, der einen unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang zum WGT hat, son­dern um einen politisch-philosophischen Text, der die Demo­kra­tie als Gesell­schafts­form in Frage stellt und von einer höhe­ren Ord­nung aus­geht. Wenn die Ver­an­stal­ter des WGT mei­nen, sich in die­ser Form poli­tisch äußern zu müs­sen, dann sol­len sie dies in einem Rah­men tun, der das WGT an sich nicht frag­wür­dig erschei­nen lässt. Und dass sie dies nach den Din­gen, die sie ja schon öfter in Dis­kus­sio­nen gebracht haben, nicht tun, deu­tet für mich mehr als nur dar­auf hin, dass das ganz bewusst so plat­ziert wird und sicher nicht nur ich werde das als Pro­vo­ka­tion emp­fin­den…«

Gezielte Pro­vo­ka­tion?

2009 sorgte die Ver­wen­dung der schwar­zen Sonne für Ent­rüs­tung, der sich selbst einige Künst­ler in Form eines offe­nen Brie­fes an den Ver­an­stal­ter Luft mach­ten — im offi­zi­el­len Forum des WGT wur­den ganze Dis­kus­sion dazu ein­fach gelöscht5. In einem Ant­wort­schrei­ben von Sven Bor­ges und Mike Schor­ler ver­sucht man zu rela­ti­vie­ren und behaup­tet aber­mals: »…denn kei­ner von uns Kul­tur­schaf­fen­den hat in irgend­ei­ner Weise das Ansin­nen, mit der Ver­an­stal­tung WGT poli­ti­sche Ziele zu ver­fol­gen.»6

2010 glänzt der Ver­an­stal­ter dann wie­der durch Schwei­gen, keine Aus­sage über die Gestal­tung des Karte oder die Ver­kaufs­stände des VAWS. In der der ange­reg­ten Dis­kus­sion inner­halb der schwar­zen Szene in den Foren des WGT oder auch hier bei Spon­tis ist immer wie­der zu ent­neh­men, das sich Sze­ne­an­hän­ger in zwei Lager auf­tei­len. Die, die das Spiel mit dem Feuer als Pro­vo­ka­tion emp­fin­den und in die, die Pro­vo­ka­tion als Teil der schwar­zen Szene selbst betrachten.

Man möchte anneh­men, das der Ver­an­stal­ter auch 2011 wie­der ver­sucht, durch Pro­vo­ka­tion den Grad der Auf­merk­sam­keit zu erhö­hen. Um dem Ver­an­stal­ter die Mög­lich­keit zu geben etwas zu den Schluss­fol­ge­run­gen zu sagen, habe ich am 21.02.2011 in einer E-Mail an die Betrei­ber der Inter­net­seite, die Tref­fen & Fest­spiel­ge­sell­schaft für Mit­tel­deutsch­land mbH um eine Stel­lung­nahme gebe­ten, die bis zum heu­ti­gen Zeit­punkt unbe­ant­wor­tet blieb, statt­des­sen wurde das Zitat an fol­gen­den Tagen unbe­ein­druckt fortgeführt.

Das ver­wen­den von Zita­ten vor den Ban­dan­kün­di­gun­gen hat dar­über hin­aus Tra­di­tion: 2008 beschäf­tigte man sich mit dem Gra­nat­ap­fel der grie­chi­schen Mytho­lo­gie, bevor man sich ent­schloss die Inde­xie­rung durch Archiv-Dienste zu unter­bin­den. Es scheint sich um ein Spiel zu han­deln, in dem man unbe­dacht Zitate wählt, wäh­rend sich der Ver­an­stal­ter zurück­lehnt und zuschaut. Die Ein­ar­bei­tung ist sub­til und unauf­fäl­lig, vie­len der Besu­cher fällt es gar nicht erst auf, das sich über­haupt ein Zitat dahin­ter ver­birgt. Aber nach 2009 und auch 2010 schauen viele Szene-Mitglieder und Besu­cher genauer hin.

Das Ver­hal­ten der Ver­an­stal­ter legt den Schluss nahe, die Pro­vo­ka­tion ist Teil einer geziel­ten Kam­pa­gne, das Tref­fen popu­lä­rer zu machen. Doch auch die Rück­be­sin­nung auf eine kon­tro­verse Grund­hal­tung des Szene gerade zu Beginn des WGT liegt nahe. Es drängt sich die Frage auf ob das tat­säch­lich ein legi­ti­mer Weg ist, Dis­kus­sio­nen anzu­re­gen und wohl mög­lich Reak­tio­nen von Stadt oder Poli­tik zu provozieren.

Reak­tio­nen der schwar­zen Szene

Es erschien logisch, das nicht nur Kat­rin der Text auf­ge­fal­len war und auch andere das Thema auf­grei­fen wür­den, ein ent­spre­chen­der Bei­trag im Forum des WGT ließ nicht lange auf sich war­ten. Unter dem Thread »Wahl des dies­jäh­ri­gen Motiv­spruchs — musste das denn sein?« stieß User Soli­taire ein mehr­sei­tige Dis­kus­sion los, in der auf oben beschrie­bene Lager stieß: »Du gehörst doch zu denen, die das WGT ohne­hin boy­kot­tie­ren, also mußt Du Dir über irgend­wel­che Motiv­sprü­che wohl kaum den Kopf zer­bre­chen.« (User melitta_dilemma) war da zu lesen, aber den­noch scheint die Zahl derer, die sich pro­vo­ziert füh­len, grö­ßer: »Ich frage mich immer mal wie­der, ganz unab­hän­gig von Bedeu­tung und Sinn die­ser Geschich­ten, ob es im Sinn der Orga­ni­sa­to­ren liegt, die Besu­cher so lange zu rei­zen und zu tes­ten, bis sie ihr Fes­ti­val zu Grunde gerich­tet haben.« (User Melly) Sind es die Kri­ti­ker die ein Fes­ti­val zu Grunde rich­ten kön­nen, oder sind es die, die schweig­sam dane­ben ste­hen? Auch die nach der Löschung kri­ti­scher Thre­ads 2009 ent­stan­dene Dis­kus­sion auf labellos.de flammt wie­der auf.

Auf Face­book erschien die Seite Für ein schwar­zes WGT (Gegen uner­wünschte poli­ti­sche Ein­flüsse), die in Bild und Wort noch­mal anschau­lich zusam­men­fasst, was in den letz­ten 3 Jah­ren pas­sierte. In einem Appell heißt es: »Wir wol­len ein Fes­ti­val der Zusam­men­kunft, unge­trübt durch etwaige Ver­wen­dung von Sym­bo­len frem­den­feind­li­cher Grup­pie­run­gen oder anti­se­mi­ti­scher Schrift­stel­ler. Dabei ist uns gleich, wel­cher poli­ti­schen Strö­mung diese ent­stam­men. Es ist nicht der geeig­nete Ort und sie gehö­ren dort nicht hin.«

Anders als bei den letz­ten Malen hat der Ver­an­stal­ter Gele­gen­heit VOR dem Tref­fen Stel­lung zu bezie­hen, zu ant­wor­ten oder zu rea­gie­ren. Frag­lich bleibt ob er davon Gebrauch machen wird oder ob sich die Geschäfts­füh­rer Görnert, Bor­ges und Schor­ler wei­ter­hin in Schwei­gen üben. In mei­ner Inten­tion liegt es sicher nicht, das Tref­fen in irgend­ei­ner Art und Weise zu boy­kot­tie­ren, im Gegen­teil. Das Wave-Gotik-Treffen ist einige ein­zig­ar­tige Ver­an­stal­tung die die meis­ten von uns wenigs­tens ein paar Tage zusam­men­führt. Pro­vo­ka­tion ist immer schon ein Bestand­teil der Szene gewe­sen, genau wie das Hin­ter­fra­gen gege­be­ner Sachverhalten.

»Wer in der Demo­kra­tie schläft, erwacht in der Dik­ta­tur.« 7 Mit einem Zitat von Her­mann Gla­ser möchte ich diese Arti­kel been­den und bin neu­gie­rig, wel­che Mei­nung ihr euch gebil­det habt. Fin­det ihr die Ver­wen­dung eines sol­ches Zitats unpro­ble­ma­tisch? Ist das WGT ein unpo­li­ti­sches Tref­fen? Sollte der Ver­an­stal­ter Stel­lung bezie­hen? Gehört Pro­vo­ka­tion ein­fach dazu?

(Bild­quelle: Inter­net­seite des WGT — Offi­zi­el­ler Ban­ner)
  1. Arti­kel bei Wiki­pe­dia: Ernest Renan, abge­ru­fen am 29.02.2011 — http://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Renan []
  2. Schäbler, Bir­git: Reli­gion, Rasse und Wis­sen­schaft. Ernest Renan im Dis­put mit Jamal al-Din al-Afghani. In: The­men­por­tal Euro­päi­sche Geschichte (2007),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2007/Article=274 []
  3. Inter­view mit WGT Pres­se­spre­cher Cor­ne­lius Brach in der Leip­zi­ger Inter­net Zei­tung vom 15.04.2010 von Daniel Thal­heim — http://www.l-iz.de/Kultur/Musik/2010/04/Festivals-2010-Wave-Gotik-Treffen-Cornelius-Brach-im-Interview.html []
  4. Inter­view mit der Seite pentanox.de zum WGT 2010 –http://pentanox.eu/index.php?c=inti&f=showinti&id=15 []
  5. Vom Mythos des Unpo­li­ti­schen in der Gothic-Szene, Ste­fan Kubon 26.06.2010 unter der Rubrik »Rechts­ex­tre­mis­ten und Braune Waren auf reddok.de — http://www.redok.de/content/view/1684/36/ []
  6. Offe­ner Brief der Band ASP an die Ver­an­stal­ter des WGT, die Tref­fen & Fest­spiel­ge­sell­schaft für Mit­tel­deutsch­land mbH — http://www.thetalesofasp.com/de/wgtstatement.html []
  7. Ama­deu Anto­nio Stif­tung — Initia­ti­ven für Zivil­ge­sell­schaft und demo­kra­ti­sche Kul­tur, Arti­kel »Was tun bei rechts­ex­tre­men Sprü­chen im Klas­sen­zim­mer«, abge­ru­fen am 28.02.2011 — http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/projektfoerderung/gefoerderte-projekte/demokratische-arbeit/rechte-parolen/ []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache, Schwarze Szene
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21 Kommentare

  1. Ich bekomme den Zusam­men­hang zwi­schen Pro­vo­ka­tion (in klas­si­schem Sinn der Szene) und dem Zitat nicht hin. Wen soll­ten die Orga­ni­sa­to­ren mit die­sen Zei­len denn pro­vo­zie­ren wol­len? Wenn über­haupt, dann doch die Besu­cher des Fes­ti­vals, die sich ein­mal mehr über­le­gen, ob sie wirk­lich Lust haben, die Ver­an­stal­ter durch ihre Teil­nahme zu unter­stüt­zen. Andere Leute kön­nen sich wohl kaum pro­vo­ziert füh­len, da sie das Zitat ver­mut­lich noch nicht ein­mal ansatz­weise mit­be­kom­men — die Dis­kus­sio­nen schon gar nicht. Besu­cher zu ver­grau­len, ist nicht unbe­dingt eine kluge Stra­te­gie für Ver­an­stal­ter. Selt­sa­mer­weise blei­ben die Reak­tio­nen der »Kun­den« mal wie­der nur im theo­re­ti­schen Bereich. Empö­rung ja, aber das war es dann auch.

    Man muss nicht ein­mal inhalt­lich über das Zitat oder über Ernest Renan spre­chen. Darum geht es gar nicht. Die Frage ist viel ein­fa­cher: Was soll das überhaupt?

    Ein poli­ti­sches Zitat (ganz egal wel­ches) steht in kei­nem Zusam­men­hang mit einem Freizeit-Festival. Es passt zu einem poli­ti­schen Event, zu einer Podi­ums­dis­kus­sion oder kann das Motto einer ein­zel­nen — dar­auf aus­ge­rich­te­ten — kulturellen/künstlerischen Ver­an­stal­tung (Aus­stel­lung, Thea­ter­stück etc.) sein. Der Anspruch wäre in die­sen Fäl­len, sich kri­tisch mit einer Aus­sage aus­ein­an­der­zu­set­zen und sie zu diskutieren.

    Zu einem so breit gefä­cher­ten Ange­bot ohne poli­ti­sche Aus­rich­tung — wie auf dem WGT — passt ein poli­ti­sches Zitat vorne und hin­ten nicht.

    Ein Motto ist ein Leit­ge­danke. Wiki­pe­dia: Ähnlich dem Wahl­spruch einer Per­son soll das Motto Ziel und Anspruch des fol­gen­den Wer­kes umreißen.

    So what? Was soll das also? Viel­leicht hilft doch nur ein Boykott.

  2. »Ein poli­ti­sches Zitat (ganz egal wel­ches) steht in kei­nem Zusam­men­hang mit einem Freizeit-Festival. Es passt zu einem poli­ti­schen Event, zu einer Podi­ums­dis­kus­sion oder kann das Motto einer ein­zel­nen — dar­auf aus­ge­rich­te­ten — kulturellen/künstlerischen Ver­an­stal­tung (Aus­stel­lung, Thea­ter­stück etc.) sein. Der Anspruch wäre in die­sen Fäl­len, sich kri­tisch mit einer Aus­sage aus­ein­an­der­zu­set­zen und sie zu diskutieren.

    Genau so sehe ich das auch. Die Frage nach dem »Was soll das?« bleibt zu klä­ren. Die Pro­vo­ka­tion ergibt sich nicht durch das Zitat allein, son­dern durch seine Ver­wen­dung als Teil der Ban­dan­kün­di­gun­gen in kryp­ti­scher Form auf der Inter­net­seite des Wave-Gotik-Treffens. Ziel die­ses Arti­kels ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Frage ob Poli­tik über­haupt Platz auf einem sol­chen Fes­ti­val hat (wie du schon beant­wor­tet hast) und was man damit errei­chen möchte.

    Doch auch im Zitat steckt Pro­vo­ka­tion, die nicht nur durch sei­nen Inhalt ent­steht son­dern auch durch seine Quelle, doch das ist nicht zen­tra­ler Gegen­stand die­ses Artikels.

  3. Zitate besit­zen einen ent­schei­den­den Defekt: Sie wer­den zitiert. Die­ses muss zwar nicht wei­ter tra­gisch sein, wenn das Zitat als her­me­tisch geschlos­sene Ein­heit im Raum steht.
    Doch viele Zitate wur­den aus dem Zusam­men­hang geris­sen und las­sen sich ohne den dazu­ge­hö­ri­gen Kon­text sehr leicht miss­ver­ste­hen.
    Dar­win bei­spiels­weise fiel dem zum Opfer. Einige sei­ner nicht ganz so men­schen­freund­li­chen The­sen wer­den ihm nun vor­ge­wor­fen, ohne auf seine dar­auf fol­gen­den Sätze ein­zu­ge­hen, in denen er das gesagte rela­ti­vierte und als reine Theo­rie dar­stellte, die mit prak­ti­zier­ter Ethik nie zu ver­ein­ba­ren sein wird.
    Und auch jenes Zitat von Renan scheint mir doch mehr zu einem gan­zen Auf­satz gehö­ren. Ergo, es fehlt das Gesamt­bild für eine Ana­lyse. Betrach­tet man die Worte völ­lig los­ge­löst, so erscheint mir das wie eine Trotz­re­ak­tion zu dem gan­zen Wind, der die letz­ten bei­den Jahre gebla­sen wor­den war. Da die Kern­aus­sage des ers­ten Tei­les unge­fähr soviel sagt wie: Ver­nunft und Pöpel, ein guter Scherz. Mit ande­ren Wor­ten: Redet nur, ihr seid eh ein biss­chen blöd, da nur die ande­ren unsere Absicht ver­ste­hen können.

    […]son­dern um einen politisch-philosophischen Text, der die Demo­kra­tie als Gesell­schafts­form in Frage stellt und von einer höhe­ren Ord­nung ausgeht.[…]

    Ob Renan die Demo­kra­tie ansich in Frage stellt, geht aus den Wor­ten nicht her­vor. Er spricht von der »Form der nie­de­ren Demo­kra­tie« Das lässt nicht nur den Schluss zu, dass er Demo­kra­tie für ein nie­de­res Wesen hält, son­dern, dass er inner­halb der Demo­kra­tie eine nie­dere Form der Aus­le­gung unter­schei­det. Eine Form, die es nicht wür­dig ist, höhere Demo­kra­tie genannt zu wer­den und zu kri­ti­sie­ren sei. Wie gesagt, die Unvoll­kom­men­heit, der Defekt des Zita­tes.
    Neben­bei erwähnt war auch Schil­ler der Ansicht, dass Ver­nunft nur bei weni­gen zu fin­den sei. Und auch Pla­tons Staats­u­to­pie hatte die Ver­nunft nicht im Volke lie­gen, son­dern in der Herr­schafts­elite der Phi­lo­so­phen. Was ich damit sagen will. Es geht nicht um Renan. Selbst wenn ein Zitat von Schil­ler oder Pla­ton genom­men wor­den wäre, hätte man Grund für Kri­tik sehen können.

    Renan Grund­satz­ge­dan­ken mit dem Recht des Stär­ke­ren und der allei­ni­gen Erhal­tung der Art ist natürlich…ungünstig gewählt. Da kann man deu­ten wie man will, die Aus­sage bleibt für ein sol­ches Fes­ti­val idio­tisch.
    Es sei denn…man wollte den Sinn als Kri­tik umge­kehrt ver­ste­hen. Näm­lich, dass man sich in einer Gemein­schaft bewegt und dort nun ein­mal das Indi­vi­duum geach­tet wer­den sollte. Doch kann man sol­ches Inter­pre­ta­ti­ons­ver­mö­gen und Quer­denk­ar­beit für ein Fes­ti­val­motto abverlangen?

    Ich will jetzt auch keine Dis­kus­sion über Sinn und Unsinn, über Rechts und Links, Oben und Unten vom Zaun bre­chen. Am Ende trete ich wie­der jeman­den so auf den Schlips, dass die­ser emo­tio­nal­ge­bun­dene Unhöff­lich­kei­ten absen­det. Und die­ses passt nie gut in das Gesamt­bild.
    Man kann Renan auf­grund sei­ner Äuße­run­gen kri­ti­sie­ren, darf man nach heu­ti­ger Men­ta­li­tät auch. Aber ebenso hat man das Recht bei sei­nen Äuße­run­gen den Grand an Epo­chen­prä­gung abzu­zie­hen, der damals nun ein­mal in den Köp­fen drin­nen war.
    Aris­to­te­les war über­zeug­ter Chau­vi­nist. Nicht wenige antike Phi­lo­so­phen sahen die Skla­ven­hal­tung als den Sta­tus Quo, der nicht zu hin­ter­fra­gen wert war. Das war nun mal die Grund­men­ta­li­tät.
    Und Renan war auch nur ein Mensch und dem­nach auch dumm genug, den dama­li­gen Zeit­geist nach­zu­plap­pern. Und Anti­se­mi­tis­mus war damals modern, es war im Kom­men, gehörte fast zum guten Ton. Jede Epo­che hat dahin­ge­hend Dreck am Ste­cken. Man kann sich auch ein­mal sel­ber tes­ten und über­le­gen, wel­che per­sön­li­che Gedan­ken­prä­gung viel­leicht in 200 Jah­ren nur noch ableh­nen­des Kopf­schüt­teln verursacht.

    Somit sollte die Frage nicht nach dem Wie sein, son­dern nach dem Warum. Und da schließe ich mich euch bei­den orphi / Robert an. Das Fes­ti­val beteu­ert seine poli­ti­sche Neu­tra­li­tät. Die Schwarze Sonne war naiv gewählt, kann aber noch als neu­tra­les Gestal­tungs­ele­ment durch­ge­hen. Mit zuge­drück­ten Augen.
    Frü­her schieb ich mein gro­ßes »S« auch unpas­send zackig. Kommt vor. Das Rie­fen­stahl­bild ist reine Inter­pre­ta­tion und Asso­zia­tion. Es kann auf Rie­fen­stahl bezo­gen wer­den, muss aber nicht.

    Doch die­ses Zitat, dass vom Wort­laut her defi­ni­tiv nicht ande­res als poli­tisch ori­en­tiert ist, ist auf einem unpo­li­ti­schen Fes­ti­val deplat­ziert. Egal wel­cher Inhalt. Warum lei­tet man die Inter­pre­ten­aus­wahl mit einem Dik­tum ein, dass die The­men »Unver­nunft der Masse«, »nie­dere Demo­kra­tie« und »Gesetz der Natur« beinhal­tet. Wenn das nicht poli­tisch ori­en­tiert ist…was dann.
    Kein Leit­satz von Anar­chie, Dik­ta­tur, kei­ner von Faschis­mus oder Kom­mu­nis­mus hat auf einem erklärt unpo­li­ti­schen Fes­ti­val etwas zu suchen.

    In die­sem Sinne, die Are­nen auf und lasst die Spiele begin­nen. Der Kampf der Gladia…Kommentatoren.

  4. Hab mir schon gedacht, dass das nur eine Frage der Zeit ist, bis das Thema hier­her fin­det ;)
    Ich selbst schenke dem Zitat eigent­lich keine Beach­tung. Wenn die Ver­an­stal­ter rechts sind, sol­len sie es halt sein, jeder wie er will. Ich geh haupt­säch­lich wegen der Musik aufs WGT. Im Zwei­fels­fall zahl ich lie­ber Geld an Leute die mei­nen sie müss­ten irgend­wel­che poli­ti­schen Bot­schaf­ten rüber­brin­gen und seh dafür ein paar echt gute Bands, anstatt sinn­los irgend­was zu boykottieren.

  5. Guld­han schrieb: »Zitate besit­zen einen ent­schei­den­den Defekt: Sie wer­den zitiert. Die­ses muss zwar nicht wei­ter tra­gisch sein, wenn das Zitat als her­me­tisch geschlos­sene Ein­heit im Raum steht. Doch viele Zitate wur­den aus dem Zusam­men­hang geris­sen und las­sen sich ohne den dazu­ge­hö­ri­gen Kon­text sehr leicht missverstehen.«

    Ja, Zitate gewin­nen einen neuen und ande­ren Kon­text, wenn man sie aus dem Zusam­men­hang Ihres Ursprun­ges reißt. Heißt: Das Zitat Renan´s (man darf gespannt sein, an wel­cher Stelle die WGT Ver­an­stal­ter es enden las­sen wer­den…) steht so wie es eben les­bar ist auf der Seite des WGT und so, wie es in den News­let­tern ver­brei­tet wird im unmit­tel­ba­ren Kon­text zum WGT. Dass das Zitat ein poli­ti­sches ist, dar­über wird ver­mut­lich Einig­keit beste­hen und dass die Masse der Künst­ler und Besu­cher des WGT kei­ner­lei poli­ti­sche Ziele mit ihrer Teil­nahme am WGT ver­fol­gen, dürfte auch unstrei­tig sein. Ein Ver­an­stal­ter, wel­cher durch die Dis­kus­sio­nen der ver­gan­ge­nen Jahre für die­ses Thema sen­si­bi­li­siert sein MUSS (!), und wel­cher sich hier und da dahin­ge­hend posi­tio­niert hat, ein unpo­li­ti­sches Event zu ver­an­stal­ten, hat gegen­über sei­nen Gäs­ten (Besu­chern wie Künstlern)ein beson­de­res Maß an Ver­ant­wor­tung und dass die­ses mit Füßen getre­ten wird und wie­der­mal und auf eine sehr abstruse Art und Weise in eine wie auch immer gear­tete poli­ti­sche Trick­kiste gegrif­fen wird, ist der pure Hohn gegen­über jener Men­schen, die an die­sem Tref­fen teil­neh­men. Und natür­lich ist das Ganze wie­der so defi­zil ver­packt, dass man inhalt­lich über ant­s­e­mi­ti­sche Ansätze stol­pern muss, wel­che aber im Nach­hin­ein mit einem Ach­sel­zu­cken sei­tens der Ver­an­stal­ter ent­kräf­tet wer­den kön­nen, da man ja ganz schlau mal auf die tat­säch­li­chen Zusam­men­hänge und Ursprünge von Aus­sa­gen oder Moti­ven zurück­grei­fen kann und ein Ernest Renan ja in sei­ner Zeit lebte und man das in die­sem Kon­text sehen muss oder eben eine Leni Rie­fen­stahl eine Künst­le­rin war, die poli­tisch eher des­in­ter­es­siert war. Fakt bleibt: Das WGT steht nun unter dem Motto eines min­des­tens zwei­fel­haf­ten poli­ti­schen Zitats, wel­ches Besu­chern und Künst­lern glei­cher­ma­ßen quasi als Flagge in die Hand gedrückt wird…

    Schat­ten schrieb: »Ich selbst schenke dem Zitat eigent­lich keine Beach­tung. Wenn die Ver­an­stal­ter rechts sind, sol­len sie es halt sein, jeder wie er will. Ich geh haupt­säch­lich wegen der Musik aufs WGT. Im Zwei­fels­fall zahl ich lie­ber Geld an Leute die mei­nen sie müss­ten irgend­wel­che poli­ti­schen Bot­schaf­ten rüber­brin­gen und seh dafür ein paar echt gute Bands, anstatt sinn­los irgend­was zu boykottieren.«

    Tja… genau dar­auf bauen wohl auch die Orga­ni­sa­to­ren. Der Masse wirds egal sein. Das Motto bleibt trotz­dem und instru­men­ta­li­siert jeden, der auf die­sem Fes­ti­val zuge­gen ist — ob es ihm nun bewußt ist oder nicht, ob er dahin­ter steht oder nicht. Des­we­gen finde ich es wich­tig, dass man offen Stel­lung bezieht und sich dar­über aus­tauscht. Wel­che Schlüsse jeder Ein­zelne dar­aus für sich zieht, bleibt letzt­lich ja jedem selbst über­las­sen. Aber es ist aus­ge­spro­chen und es ist im Bewußtsein.

    Denn wie Robert schon schrieb: »»Wer in der Demo­kra­tie schläft, erwacht in der Dik­ta­tur.«« und ich möchte anfü­gen: »Die Gleich­gül­tig­keit ist wie das Eis an den Polen: Sie tötet alles.« (Bal­zac) Danke, dass Du Dich die­ser The­ma­tik ange­nom­men hast, Robert.

  6. Eben aus die­sem Grund gibt es nun eine Facebook-Gruppe mit einem offe­nen Brief an die Geschäfts­füh­rer der Tref­fen & Festspielgesellschaft

    http://www.facebook.com/fuer.ein.schwarzes.wgt?ref=ts

  7. Erst­mal vor­weg, ich kenne Leute die die schwarze Sonne tra­gen. Ich mag die »Riefenstahl«-Ästhetik und höre »umstrit­tene« Bands wie am Bei­spiel oben KC und SI. Die schwarze Szene hat glück­li­cher­weise keine poli­ti­sche Richt­li­nie. Und das ist auch gut so. Des­halb haben sol­che Zitate, wie auch die schwarze Sonne nichts auf dem WGT zu suchen. Bei dem Rie­fen­stahl Bild hab ich ehr­lich gesagt kein Pro­blem, da nicht poli­tisch. Da ist es auch egal ob Ham­mer und Sichel oder schwarze Sonne. Mit bei­den würde man Men­schen auf den Schlips tre­ten und warum muss man da auf einem unpolitisch-ausgerichteten Tref­fen tun?

    Man sollte nichht alle über einen Kamm sche­ren. Da sind wir uns denke ich alle schnell einig. Und auch die Facebook-Gruppe finde ich nicht so toll, weil da auch irgend­was von Neo­fa­schis­mus bei der schwar­zen Sonne steht, was auch weit her­ge­holt ist. Es ist doch schön, dass auf dem Fes­ti­val der Uni­form­trä­ger neben dem Iro-Träger sich amü­siert (ohne jetzt hier irgend­wel­che poli­ti­schen Extre­men rein­in­te­pre­tie­ren zu wol­len). Ich bin auch kenne auch Linke, Kon­ser­va­tive, Libe­rale und Grüne. Wo ist das Problem?

    Ist aber eben schon komisch, dass die »Pro­vo­ka­tion« immer nur Anspie­lung auf EINE Rich­tung beinhal­tet. Achja und warum sich so viele wegen dem VAWS Stand so auf­re­gen kann ich auch nicht nach­voll­zie­hen. Wenn sie wirk­lich keine Stand­ge­büh­ren zah­len ist das was ande­res (und schon wie­der eine poli­ti­sche Rich­tung die auf einer Ver­an­stal­tung die­ser Art nichs zu suchen hat), aber was ist das Pro­blem an deren Anwesenheit?

    Wenn einem alles egal ist und es nur um die Bands geht, ist das mei­nes Erach­tens auch sehr igno­rant und trau­rig. Ich würde auch auf kein Fes­ti­val der Lin­ken oder NPD gehen, auch wenn da The Cure spie­len wür­den. Es gibt so viele poli­ti­sche Sicht­wei­sen inner­halb der schwar­zen Szene und da ist es nur ver­ständ­lich, wenn sich man­che ein­fach nur ange­pisst fühlen…

  8. Ich rege mich jedes Jahr wie­der aufs Neue über diese WGT-Veranstalter auf. Nicht, dass sie die Orga nicht im Griff hät­ten, das schon. Aber was soll immer die­ser braun ange­hauchte Scheiß?? Ich kann dar­über nach­den­ken wie ich will, mir fällt kein Grund ein, warum sie mit schwar­zen Son­nen und poli­ti­schen Zita­ten auf ihrer ätzen­den 10 Jahre alten Web­seite rumhan­tie­ren. Mich macht das rich­tig wütend! Ich liebe das WGT, es ist ein Fes­ti­val in mei­ner Hei­mat und ich freue mich immer schon zig Monate vor­her drauf. So eine sinn­lose Neben-Propaganda hat das WGT nicht ver­dient und auch nicht nötig. Warum von den eige­nen Ver­an­stal­tern?? Wer soll eigent­lich auf diese sub­tile Art pro­vo­ziert werden?

    DAs frag ich mich jedes­mal, wenn wie­der sowas hoch­poppt. Ich kann es nicht ver­ste­hen — es macht kei­nen Sinn, warum die Ver­an­stal­ter immer wie­der mit „ver­steck­ten Signa­len” sol­che Unruhe hin­ein­brin­gen. Egal in wel­che Rich­tung ich denke und aus wel­cher Sicht ich es beleuchte. Das ein­zige könnte noch die von dir, Robert, erwähnte Rück­be­sin­nung auf eine kon­tro­verse Geis­tes­hal­tung der Szene frü­her gewe­sen sein. Aber von der Rich­tung geht das hier eher zurück in die Zei­ten, als die Ver­an­stal­ter von Thron­stahl und Josef Klumb noch höchst­per­sön­lich den Auf­tritt zuge­si­chert haben (2000)…

    Ich kann es nicht ver­ste­hen und ich will es auch gar nicht erklärt bekom­men. Die sol­len es ein­fach unter­las­sen! Es hat auf dem WGT nichts zu suchen und mit Gothic nichts zu tun. Retro ist ja fein, aber nicht immer ten­den­zi­ell in diese Ecke. Da sie das schein­bar aber nicht kön­nen, bin ich wei­ter­hin der Mei­nung wie auch damals schon bei der Sache mit ASP: da steckt Absicht und Pla­nung und kein »aus Ver­se­hen« dahinter.

    Lei­der beginnt hier immer mein „inne­res Dilemma”: mache ich mich mit­schul­dig oder stimme ich etwas zu, wenn ich dann trotz­dem teil­nehme? Denn die hal­ten mich nicht davon ab! Am Ende sind es immer noch wir Besu­cher, die das WGT zu dem machen, was es ist.

  9. @Epitaph
    Es ist nicht so, dass mir alles egal ist. Auf ein ein­deu­tig poli­ti­sches und/oder extre­mis­ti­sches Event würde ich auch nicht gehn. Aber solange das bei einem Sprüch­lein auf irgend­ner Karte etc. bleibt, seh ich nicht was daran falsch sein soll, das Fes­ti­val zu besu­chen und ein paar schöne Tage zu haben.
    Das man­che Leute ein Pro­blem mit dem Zitat haben kann ich gut nach­voll­zie­hen, aber in die­sem spe­zi­el­len Fall stört es mich per­sön­lich nicht weiter.

    Aller­dings finde ich den Letz­ten Satz, unab­hän­gig von den ande­ren, »Der Grund­satz, dass die Gesell­schaft allein für das Wohl­er­ge­hen und die Frei­heit der Indi­vi­duen besteht, die sie bil­den, stimmt auch nicht mit dem Vor­ha­ben der Natur überein, wonach allein die Art in Betracht gezo­gen und das Indi­vi­duum geop­fert wird.« auf einer Ver­an­stal­tung wie dem WGT, wo eigent­lich jeder anders aus­se­hen will, arg fehl am Platz.

    Und natür­lich gehört die­ses Zitat, wie Shan Dark es schon pas­send sagt, nicht aufs WGT, aber mei­ner Mei­nung nach, ist das jetzt auch kein Welt­un­ter­gang, wo es jetzt eh schon da ist.

  10. Also mir ist Von Thron­stahl auf dem WGT viel lie­ber als irgend­et­was, was jeden direkt betrifft, wie etwas auf der Karte oder bei den Ankündigungen.

    PS Das Zitat wurde nicht wei­ter­ge­führt, ob das an den Pro­tes­ten lag?

    »> Es gehört nicht zum Wesen der Iro­nie, von allen ver­stan­den zu wer­den. «< klingt schon nach ner Reak­tion, wäre ja begrüßenswert

  11. zu Epi­taph:

    […]Also mir ist Von Thron­stahl auf dem WGT viel lie­ber als irgend­et­was, was jeden direkt betrifft, wie etwas auf der Karte oder bei den Ankündigungen.[…]

    Das Pro­blem ist, dass sol­che Dinge in den Kri­ti­ken gerne ver­all­ge­mei­nert wer­den. Eine Anwe­sen­heit von Von Thron­stahl oder dem VAMS-Verlag gehen nun ein­mal nicht nur auf den zurück der inter­es­siert davor steht, son­dern auf jeden Besu­cher, selbst wenn die­ser die­sen Gestal­ten den Fin­ger gezeigt hatte. Somit betrifft das jeden direkt.

    Gerade Thron­stahl bzw. die Figur des Klumb hatte auf dem Tref­fen nichts zu suchen. Man kann als Inter­pret die­ser Sparte von mir aus eine rechte Mei­nung haben. Wenn man diese nicht in der Musik hin­ter­legt und auch sonst wie die Klappe hält ist das zu tole­rie­ren. Immer­hin herrscht hier noch das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung. Und rechts sein heißt ja nicht gleich­zei­tig auch natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ten­den­zen zu pfle­gen. Auch wenn fast alle Rech­ten dumm genug sind die­ses zu ver­knüp­fen.
    Doch wer sich offen­kun­dig damit schmückt und sogar Sym­pa­thie zu sol­chen Pam­phlet wie »Pro­to­kolle der Wei­sen von Zion« kundtut…der hat defi­ni­tiv den Knall nicht gehört. Und darf nicht dazu bei­tra­gen, dass sich irgend­wel­che links­ra­di­kale Pole­mi­ker bestä­tigt füh­len und von neuen mit dem Abson­dern ihre Kam­pa­gnen die halbe Szene in den Dreck zie­hen.
    Da sol­che Gestal­ten nach wie vor wis­sens­re­sis­tent und immun gegen Erkennt­nisse sind. Ein Aspekt der jeder poli­ti­schen Radi­ka­li­tät inne­wohnt, ganz gleich wel­ches Him­mels­rich­tung. Denn wer Kir­lian Camera nach nun 30 Jah­ren noch immer als grenz­wer­tig oder rechts ein­stuft, der sollte lie­ber wei­ter mit sei­nen Grou­pies spie­len, anstatt den Welt­ver­bes­se­rer oder poli­tisch inter­es­sie­ren zu mimen.

    […]PS Das Zitat wurde nicht wei­ter­ge­führt, ob das an den Pro­tes­ten lag?

    »> Es gehört nicht zum Wesen der Iro­nie, von allen ver­stan­den zu wer­den. «< klingt schon nach ner Reak­tion, wäre ja begrüßenswert[…]

    Dem­nach sollte die­ses Motto wirk­lich zur Inter­pre­ta­tion und zum Quer­den­ken auf­ru­fen. Schön und gut. Aber wel­che Erwar­tung setzt denn der Ver­an­stal­ter in die breite Masse der Besu­cher? Die Wie­der­be­le­bung einer Szene der Dich­ter und Den­ker? Falls die­ses in dem Grad ein­mal der Fall gewe­sen sein sollte, liegt das defi­ni­tiv in der Ver­gan­gen­heit.
    Da könnte die Jah­res­aus­gabe des Play­boys auch mit einem Zitat von Schwar­zer oder die BILD mit einem von Nietz­sche ein­ge­lei­tet wer­den. Das würde ebenso ver­stan­den werden.

    Wenn jeden­falls jemand auf einem sol­chen Groß­fes­ti­val Poli­tik und Pro­vo­ka­tion ver­brei­ten sollte, dann soll­ten das die Inter­pre­ten sein. Da die meis­ten davon, gegen­über dem Durch­schnitts­teil­neh­mer, noch immer wis­sen was sie tun. Wohl­ge­merkt: die meis­ten.
    Der Ver­an­stal­ter jeden­falls sollte dahin­ge­hend Neu­tra­li­tät üben, egal wie es ihn unter den Nägeln brennt. Schließ­lich kann er mit­tels der Inter­pre­ten­aus­wahl seine Aus­sa­gen trans­por­tie­ren. Oder als Pri­vat­per­son inner­halb von Inter­views seine Mei­nung kundtun.

  12. Ich stelle noch­ein­mal fest: Mir per­sön­lich geht es nicht um den Hin­ter­grund eines Ernest Renan, son­dern ledig­lich um die Ver­wen­dung poli­ti­scher Anspie­lun­gen, die zu kei­nem ungüns­ti­ge­ren Zeit­punkt hät­ten gewählt wer­den kön­nen. Ich möchte mich Guld­han unein­ge­schränkt anschliessen:

    Der Ver­an­stal­ter jeden­falls sollte dahin­ge­hend Neu­tra­li­tät üben, egal wie es ihn unter den Nägeln brennt.

    Ein klare Grund­hal­tung des Ver­an­stal­ters in Form eines State­ments würde doch rei­chen. Künst­le­ri­sche Frei­heit geniesst nur der, der sich künst­le­risch betä­tigt, das kann nicht für die Ver­an­stal­ter eines Fes­ti­vals gelten.

    Ich finde das WGT groß­ar­tig, die Orga­ni­sa­tion macht wirk­lich gute Arbeit. Das stand zu kei­nem Zeit­punkt zur Dis­kus­sion. Und das so viele Men­schen Kri­tik üben zeigt doch, die Szene ist auf­merk­sam und nicht blind, das spricht mei­ner Mei­nung nach für die Szene. Weg­schauen, Mund hal­ten, igno­rie­ren kann nicht der rich­tige Weg sein.

  13. Der Ver­such der Ver­an­stal­ter, das WGT auch für die bedau­erns­werte Rand­gruppe der Nazis salon­fä­hig zu machen, nervt mich auch. Das führt bei mir dazu, dass ich mich genö­tigt fühle, als Teil­neh­mer des WGT poli­tisch Stel­lung zu bezie­hen. Die Anti-Nazi-Button werde ich also wie­der an jedem Out­fit tra­gen, auch wenn sie eigent­lich nicht zum Out­fit gehören.

    Ich kann das nur emp­feh­len: Am Sams­tag­nach­mit­tag zum Neo­folk in den Volskpa­last gehen und als Kra­gen­spie­gel durch­ge­stri­chene Haken­kreuze oder Äpfel (www.apfelfront.de) tra­gen. Damit ist man sofort Lieb­ling des Tages bei der ver­sam­mel­ten Fan­ge­meinde! Ich gebe es zu, ich habe nichts gegen Provokation :-)

  14. @tobikult: Was kann an der Wahr­heit pro­vo­ka­tiv sein? Und ja, Pro­vo­ka­tion gehört in die Hände der Künst­ler und der Besu­cher, nicht in die Hände eines Ver­an­stal­ters. Denn sonst wir­ken Markt­stände oder auf Auf­tritte bestimm­ter Bands wie eine Szene aus »Frau­en­tausch« in dem Mann bewusst Streit­hähne in die Arena schickt und zusieht, wie sie sich die Augen auspicken.

  15. Sel­ten soviel Quark gelesen!

    Da hat Renan im 19. Jahr­hun­dert also von »Rasse« geschrie­ben? Toll, und nun? Das war in der dama­li­gen Zeit ein durch­aus gän­gi­ger Begriff, eine durch­aus gän­gige Ein­tei­lung in For­schung und Wis­sen­schaft.
    Viel­leicht soll­ten einige Men­schen sich auch mal darum bemü­hen Hin­ter­gründe voll­stän­dig dar­zu­stel­len. Würde Renan heute publi­zie­ren, stün­den diese Begriffe wohl nicht mehr im Text.

    Wäre Imma­nuel Kant auch zu ver­teu­feln weil er die Worte »Rasse« und »Neger« benutzte?

    Aber natür­lich ist es ein­fa­cher den Zei­ge­fin­ger zu heben und häss­li­che Unter­stel­lun­gen zu ver­brei­ten.
    Geschichte, Spra­che und Kul­tur sind aus der Zeit her­aus zu betrach­ten und nicht mit nach­träg­li­cher Moral/Ethik. (Auch wenn die Wis­sen­schaft sich wei­ter ent­wi­ckelte und zu »moder­ne­ren« Ergeb­nis­sen gekom­men ist.)

  16. @ProfBienlein: »Sel­ten soviel Quark gele­sen!« Das scheint mir das Pro­blem zu sein, du hast nicht wirk­lich gele­sen, son­dern den Text über­flo­gen und Dir ein vor­schnel­les Urteil gebildet.

    Es geht mit­nich­ten um den Begriff der Rasse, noch um das Renan-Zitat als sol­ches. Es geht nur um die Ver­wen­dung eines sol­chen poli­tisch moti­vier­ten Zitats im Rah­men des WGT 2011. Es ist nicht Auf­gabe des Ver­an­stal­ters Dis­kus­sio­nen zu len­ken oder zu för­dern, son­dern das sollte den dar­stel­len­den Künst­lern über­las­sen wer­den, die sich mit ihrer Dar­bie­tung direkt einem mög­li­cher­weise kri­ti­schen Publi­kum beugen.

    Wenn nie­mand sagt was er meint, wie soll man dann Unter­stel­lun­gen unter­bin­den? Liegt es nicht in der Sache der Pro­vo­ka­tion Reak­tio­nen aus­zu­lö­sen? Ist es ein­fa­cher den Zei­ge­fin­ger zu erhe­ben und zu sagen was man denkt, oder ist es ein­fa­cher den Mund zu hal­ten, den Kopf in den Sand zu ste­cken und hin­zu­neh­men was uns zum Kon­sum kre­denzt wird?

  17. Bla…bla..bla kann ich da nur sagen. Ich finde es immer wie­der erstaun­lich, dass es einige Per­so­nen gibt, die mei­nen, Ihre Mei­nung immer wie­der extro­ver­tie­ren zu müs­sen und der Mei­nung sind, Ihre geis­ti­gen Ergüsse müss­ten dis­ku­ta­bel sein nur der Dis­kus­sion wegen. Haupt­sa­che, mal was ver­meint­lich geist­vol­les dazu sagen zu kön­nen. Dabei erken­nen Sie dann gar nicht, wie lächer­lich sich diese Per­so­nen dann machen. Ich finde bei sol­chen Arti­keln immer, dass man die Per­son dahin­ter erst ein­mal genauer beleuch­ten sollte. Denn auch hin­ter die­sem Arti­kel ver­steckt sich ein ganz bestimm­tes Inter­esse. Nur, ob die­ses Inter­esse »mora­lisch« bes­ser als der Inhalt die­ses Arti­kels bleibt zu bezwei­feln. Fakt für mich ist, dass hier aus einer Maus ein Ele­fant gemacht wer­den soll und das aus den bereits ein­gangs erwähn­ten Gründen.

  18. Dann heiße ich dich in dem Rei­gen der von dir ange­klag­ten Men­ta­li­tät willkommen.

  19. @electrowerk: Mir ist nicht klar gewor­den, warum Du die­sen Arti­kel kom­men­tiert hast. Es geht doch gar nicht um Nage– und Rüsseltiere.

  20. @electrowerk: Danke für deine Ansicht. Nicht seine Mei­nung zu sagen wäre als der bes­sere Weg? Die Ver­an­stal­ter selbst, allen voran Michael Brun­ner haben immer wie­der betont, »dass der Besu­cher kri­tisch sein soll und immer hin­ter­fra­gen sollte, was er sieht«, nichts ande­res machen wir hier in die­sem Arti­kel und der daran anschlie­ßen­den Diskussion.

    Nicht ganz ver­stehe ich, was du mit »beleuch­ten« meinst — ich ver­folge mit die­sem Arti­kel genau oben genann­ten Zweck. Wach­sam zu blei­ben und kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, was man nicht ver­steht oder sieht. Ich mache dar­aus Arti­kel und lasse mir von den Kom­men­ta­to­ren dabei hel­fen, ein Bild zu for­men, Ansich­ten auf­zu­zei­gen, zu rela­ti­vie­ren oder Hin­ter­gründe herauszufinden.

    Das ich das ganze öffent­lich mache und es gleich­sam kri­ti­sche, wie bei­pflich­tende Besu­cher gibt zeigt mir doch, wie wich­tig das Thema einige ist und wie gehalt­voll und anre­gend Dis­kus­sio­nen dazu sein können ;)

  21. Also mal ganz ehr­lich ihr vie­len Kom­men­ta­to­ren und dis­ku­tie­ren­den, wie lange wer­den sol­che »Pro­vo­ka­tio­nen« fort­ge­setzt wenn kei­ner sie beach­tet?
    Mei­ner Mei­nung nach sind sämt­li­che Dis­kus­sio­nen über irgend wel­che Zitate abso­lut sinn­frei. Mann sollte sich mal die Frage stel­len, »Hab ich die Per­son auch rich­tig ver­stan­den oder hat er sich nur unglück­lich aus­ge­drückt?«. Wie oft habt ihr denn schon mit eurem gesprächs­part­ner anein­an­der »vor­bei« gere­det?
    aus die­sem Grund regt euch nicht über Zitate auf wenn ihr keine Gedan­ken lesen könnt!
    Im Sinne des Wgt’s wer­den Sym­bo­lik und Zitate wie­der zum eigent­li­chen Sinns zurück geführt und dar­auf auf­merk­sam zu machen das Sym­bo­lik auch stark miss­braucht wird.

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