8 Mai

Von der Leyen zurück in die Mülltonne

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 200910 Kommentare

Die Sper­rung von Kin­der­por­no­sei­ten ist in aller Munde und wird in Deutsch­land heiß dis­ku­tiert. Grund genug für einige Poli­ti­ker unqua­li­fi­zierte State­ments zu tref­fen, die neben Halb­wahr­hei­ten auch eine Menge Gene­ral­ver­ur­tei­lun­gen ent­hal­ten. Am Bei­spiel von Ursula von der Leyen wird deut­lich, wie unsere aktu­elle Regie­rung mit den neuen Medien und Tech­no­lo­gien über­for­dert ist.  Der Wahl­kampf steht ins Haus, die Grü­nen haben heute mit ihrem Par­tei­tag begon­nen, man kämpft um jede Minute Aufmerksamkeit.

»Nur ver­sierte Internet-Nutzer mit kri­mi­nel­ler Ener­gie könn­ten künf­tig Sper­run­gen von Sei­ten mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Inhalt umge­hen, hofft von der Leyen.»1 Eine sehr medi­en­wirk­same Aus­sage, die für viele Inter­net­nut­zer Mei­nungs­bil­den­der Zünd­stoff ist, denn viele Nut­zer wis­sen doch wie ein­fach man sich die Sache mit der Sper­rung machen will. Auf ver­schie­de­nen Video­platt­for­men wird ein­drucks­voll dar­ge­stellt, wie man diese Sperre kin­der­leicht in 30 Sekun­den umge­hen kann, damit ver­kommt diese Sperre zur Phrase. Es ist noch gar nicht so lange her, das die Minis­te­rin als Gast von Wet­ten, dass…? in eine Müll­tonne stieg2, schade das sie da wie­der raus­ge­kom­men ist.


Nicht das mich jemand falsch ver­steht, Kin­der­por­no­gra­fie ist das schlimmste, was sich einige Men­schen seit Beginn der Zeit­re­chung aus ihren kran­ken Hir­nen gedrückt haben.  Das steht aber auch nicht zur Dis­kus­sion. Viel­mehr möchte die Regie­rung einen Geset­zes­ent­wurf durch­drü­cken, der es dem BKA ermög­licht Inter­net­sei­ten zu indi­zie­ren, vom Pro­vi­der sper­ren zu las­sen und die Besu­cher zu pro­to­kol­lie­ren.

Und das alles nur für den Wahl­kampf. Unser Grund­recht auf Infor­ma­ti­ons­frei­heit ist gefähr­det, denn was die­ser schwam­mige Geset­zes­ent­wurf dar­über hin­aus ermög­licht ist furcht­ein­flö­ßend.  Das die Maß­nah­men zur Sper­rung der Inter­net­sei­ten nicht aus­reicht und mit­tels weni­ger ein­fa­cher Hand­griffe umgan­gen wer­den kann, kann man unter ande­rem bei der Hasen­farm sehr ein­drucks­voll nach­le­sen. Eine Sper­rung von Inter­net­sei­ten hat nahezu kei­nen Ein­fluß auf die kör­per­li­che und see­li­sche Unver­sehrt­heit miß­brauch­ter Kin­der, son­dern ist nur ein wei­tere Zeuge für die Unfä­hig­keit eini­ger Poli­ti­ker adäquat auf die neuen Medien zu reagieren.

  1. Quelle: Regie­rung will Por­no­sei­ten blo­ckie­ren in der Net­zei­tung []
  2. Quelle: Rund­schau Online — Minis­te­rin steigt in die Müll­tone [Bild] vom 14.12.08 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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10 Kommentare

  1. Deckel zuschwei­ßen (von der Müll­tonne) und ab mit der Frau ins nächste End­la­ger! Die und Schäuble…

  2. Ich ver­stehe nicht, wieso die Sper­rung von Kinderporno-Seiten die Infor­ma­ti­ons­frei­heit gefähr­det. Ins­be­son­dere, wenn man sie so ein­fach umge­hen kann. Mal abge­se­hen davon, daß ich, wenn ich es könnte, die Umge­hungs­ver­fah­ren über­wa­chen würde.

  3. Die Infor­ma­ti­ons­frei­heit wird durch die Sper­rung von Kin­der­por­no­sei­ten auch nicht gefähr­det, aber die Gesetze die das ermög­li­chen tun es. Wer über­wacht die Nut­zung der Daten beim Pro­vi­der, wer über­wacht das BKA? Das Gesetz und das Prin­zip gefähr­det die Infor­ma­ti­ons­frei­heit. Außer­dem wird mit der Sper­rung rein gar nicht erreicht. Damit wird der Bevöl­ke­rung sug­ge­riert, das Pro­blem sei aus der Welt. Aus den Augen aus dem Sinn. Die Sei­ten exis­tie­ren aber nach wie vor.

  4. Rich­tig, die Sei­ten exis­tie­ren nach wie vor. Zumin­dest wird damit den uner­fah­re­nen Nut­zern der Zugang ver­wehrt. Das finde ich eigent­lich schon mal gut. Der Rest ist ein poli­ti­sches Pro­blem, denn wenn man wollte, könnte …nein, kann jeder Schritt im Inter­net nach­voll­zo­gen wer­den.
    Daten der Pro­vi­der? Wohl eine Frage des Gel­des.
    BKA? Poli­tik! Wenn man will geht alles.

  5. Man muss aber nicht alles hin­neh­men. Ich finde hier wird Medi­en­wirk­sam Wahl­kampf gemacht und vor­schnell Gesetze und Beschlüsse erlas­sen, die mehr scha­den als das sie nüt­zen. Uner­fah­rene Benut­zer? Ich unter­stelle hier­mit, das es sich bei Pädo­phi­len und sol­che die es wer­den wol­len um erfah­rene Nut­zer han­delt, denn schließ­lich sind sie in der Lage sich ent­spre­chend im Inter­net zu ver­net­zen. Wie man die Sperre umgeht kann man mitt­ler­weile bei Youtube anschauen. Uner­fah­rene Nut­zer wird der Zugang ver­wehrt, gleich­zei­tig wer­den sie kri­mi­na­li­siert und ihren Daten erfasst. Gerade uner­fah­rene Nut­zer kli­cken mal schnell vor­ei­lig einen Link, ver­tip­pen sich bei einer Adresse oder was auch immer.

    Ich denke die Poli­tik sollte damit begin­nen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Sei­ten mit ent­spre­chen­dem Inhalt soll­ten gelöscht wer­den und da sie meist in ande­ren Län­dern lie­gen, müs­sen ent­spre­chende Zusam­men­ar­bei­ten her. Die Stra­fen für der­ar­ti­ges soll­ten ent­spre­chend auf­ge­stockt wer­den um ent­spre­chend abzuschrecken.

    Daten der Pro­vi­der? Die Ver­gan­gen­heit hat gezeigt, das mit per­sön­li­chen Daten sehr viel Schind­lu­der betrie­ben wird. Abmahn­wel­len, Tele­komskan­dal und Spit­zel­af­färe. Des­halb müs­sen klare Rege­lun­gen her, wie mit per­sön­li­chen Daten ver­fah­ren wird. Selb­stän­dig han­delnde Behör­den ohne Kon­trolle waren in der deut­schen Ver­gan­gen­heit immer wie­der Schmelz­tie­gel für Perversitäten.

    Das Inter­net ist eine recht­li­che Grau­zone, die Poli­tik ist dabei sie in ihren Far­ben zu streichen!

  6. Sehe ich etwas anders, denn mit der Sper­rung wird die Kri­mi­na­li­sie­rung eher ver­hin­dert, denn nur wenn man ver­sucht, die Sper­rung zu umge­hen steckt etwas dahin­ter.
    Und ich bin etwas über­rascht… die Daten­auf­zeich­nung und Aus­wer­tung in Fir­men gibt es schon, seit die Mög­lich­keit besteht. Das ist abso­lut nichts neues, und ich bin ver­wun­dert, daß das nun ein Skan­dal sein soll. OK, klei­ner Medi­en­skan­dal, aber das wird sich, mei­ner Mei­nung nach, nicht groß­ar­tig ändern.

  7. Das Haupt­pro­blem ist, dass man ruck­zuck, hat die Polemik-Tante erst­mal ihr Gesetz durch­ge­bracht, so ziem­lich jede Seite aus dem Netz neh­men kann ohne groß zu fra­gen. Por­nos? Nicht mit der CDU! Warez? Ganz beson­ders böse! Achja, da hat einer was gegen Rot/Grün — der bloggt nicht mehr für Deutsch­land. Zen­sur und Über­wa­chung — wer in dem Zusam­men­hang nicht ans dritte Reich und die Stasi denkt (war frü­her alles bes­ser?), der muss wohl erst den Stern auf der Jacke haben um zu begrei­fen, dass er sich zu spät gewehrt hat.

  8. Ja, viel­leicht bin ich etwas naiv, mit geht es nur um Kin­der­por­nos.… ich stimme def­in­tiv zu, daß dann mehr ohne Begrün­dung gesperrt wer­den kann als not­wen­dig… und ich mag eigent­lich den Bezug zum drit­ten Reich nicht, denn das ist unzeitgemäß!

  9. Unzeit­ge­mäß? Warum? Weil es schlimm aber wahr ist?
    Mei­ner Ein­schät­zung nach steu­ern wir auf eine Zeit zu, in der mün­dige Bür­ger ent­mün­digt wer­den. Ich fange mal ganz direkt beim Knei­pen­be­sit­zer und dem Rauch­ver­bot an, gehe wei­ter über das Ver­bot von Kil­ler­spie­len, mache wei­ter mit Über­wa­chungs­ka­me­ras an öffent­li­chen Plätze, gehe kurz beim Rat­haus vor­bei und lasse mei­nen bio­me­tri­schen Aus­weis erneu­ern und lasse bald schon mei­nen Fin­ger­ab­druck inkl. dem gene­ti­schen Fin­ger­ab­druck spei­chern, meine Inter­net­lei­tung lasse ich ja sowieso schon 24/7 über­wa­chen und das Tele­fon wird sicher auch bald wie­der anzapf­bar. Hab ich ver­ges­sen, dass man mich über mein Handy fast jeder­zeit auf wenige Meter genau orten kann? Darf man nicht? Ist denen nur noch nicht ein­fal­len. Ich könnte jetzt noch ein paar Dinge aus mei­ner Schatz­kiste suchen, hoffe aber, dass das reicht um dir zu zei­gen, was hier falsch läuft. Wenn ich die Liste wei­ter fort­setze lässt sich Robert womög­lich nen RAF-Stern auf die Stirn ste­chen, das wol­len wir ja aber nicht, oder? :D

  10. Nein, einen RAF-Stern lasse ich mir nicht stechen :)

    Wenn ich mir eure Kom­men­tare so durch­le­sen, kann ich jeder eurer Mei­nung im Grunde nach­voll­zie­hen. Ich möchte jedoch ergän­zen, das wir es in der Hand haben, uns zu weh­ren. Jeder Form von fried­li­chem Pro­test ist erlaubt. Wurde eine Peti­tion zu beginn noch belä­chelt ist sie heute in aller Munde und ent­larvt Poli­ti­ker ein wei­te­res mal als Pole­mi­ker. Anders als »Damals« oder »Drü­ben« kön­nen wir uns weh­ren ohne gleich um Leib und Leben zu fürch­ten und davon soll­ten wir Gebrauch machen!

    Einen sehr guten Arti­kel gibt es dazu im Spie­gel (!) — Gene­ra­tion C64

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Trackbacks

  1. […] Ahnung? Keine Mei­nung? Nach­dem ich bereits ein­deu­tig zu The­ma­tik Zen­sur von Kinderporno-Websites Stel­lung bezo­gen habe, möchte ich eine Infor­ma­ti­ons­samm­lung zusam­men­stel­len, die unin­for­mier­ten oder unsi­che­ren Menschen […]

  2. […] wie leicht man even­tu­elle Sper­ren wie­der umge­hen kann. Manch einer möchte Frau von der Leyen sogar wie­der in die Müll­tonne ste­cken. Das wich­tigste im Kampf gegen diese däm­li­che Zen­sie­rung sind aber Argu­mente, am bes­ten von denen, […]