Horst Köhler ist als Bundespräsident zurückgetreten, das kam für die meisten sehr überraschend. Das ZDF Heute-Journal berichtete gestern »Köhler von Bloggern zu Fall gebracht?« und brachte die Gedanken der deutschen Blogosphäre auf einen Nenner: »Als Horst Köhler auf dem Heimflug von Afghanistan ein Interview über mögliche Gründe für Bundeswehreinsätze gab, erwartete niemand, welche Folgen das haben würde. Bis sich ein Blogger empörte.«
In einem panischen Anflug von Repräsentationslosigkeit wurde eilig die absurdesten Namen für eine mögliche Nachfolge in den Raum geworfen. Auch Ursula von der Leyen, die als gelernte Ärztin schon Gesetze zur Zensur auf den Weg brachte, wurde als mögliche Kandidatin gehandelt. Wieder empörte sich Blogger, doch diesmal waren sie nicht allein — denn auch bei politischen Kollegen schien dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Während ich mich noch in meiner eigenen Polemik verfing und die Schlagzeile Vom Bock zum Gärtner zum Präsidenten kreierte, machte sich Jens Berger von Telepolis daran, ein Artikel zu meinen Gedanken zu verfassen, wirklich nett von ihm. So komme ich wenigstens nicht in geschlechtliche Erklärungsnot, denn eigentlich wäre sie ja Präsidentin und auch eine Zibbe, das weiblich Gegenstück zum Ziegenbock.
Wenn Ursula von der Leyen wirklich Kandidatin für das höchste Amt des Landes werden sollte, wäre dies die ultimative Bankrotterklärung der politischen Klasse. Sie wäre nicht nur eine Notlösung, sondern eine glatte Fehlbesetzung.
Niemand käme auf die Idee, die aparte Blondine auch nur in die Nähe einer wie auch immer gearteten intellektuellen Prädisposition zu rücken. Ursula von der Leyen wäre eine Sockenpuppe der Kanzlerin in Schloss Bellevue. Das hat das Land nicht verdient, das hat das Volk nicht verdient, das hat aber auch das ehrenwerte Amt des Präsidenten nicht verdient.
Wie will die Politik gegen Politik(er)verdrossenheit vorgehen, wenn sie alles in ihrer Macht stehende tut, sie zu fördern? Horst Köhler ist zurückgetreten, weil er sein Amt durch freche Schmähkritik der Medien verletzt sah. Eine Präsidentin von der Leyen wäre freche Schmähkritik für das Amt des Präsidenten. Kann man eigentlich auch als Staatsbürger zurücktreten, wenn man sich verschaukelt fühlt?
Die Tagesschau weiß zu berichten, das Zensursula nun doch nicht als nächste Bundespräsidentin in Schloß Bellevue ziehen wird, nun scheint der Name Christian Wulff die Runde zu machen, »der ja auch irgendwie eine Zukunft braucht, wenn das mit dem Kanzler werden nicht klappt.« Das sehe ich so ähnlich wie Markus von Netzpolitik. Erleichterung? Nicht bevor weißer Rauch aus dem Bundestag emporsteigt und der Name von der Leyen von der Bildfläche verschwindet. Was zurückbleibt ist das Gefühl der Erleichterung und ein Bestätigung, denn nach diesem Vorfall wird die Diskussion um den Einfluss der deutschen Blogosphäre neu entfacht werden müssen.



hat bereits 257 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2010 um 19:28:
Köhler ist aus nichtigen Gründen zurückgetreten. Zensursula, oder Wulff, der evangelische Missionierer?„Irgendwie tut mir alles drei nicht recht gefallen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Juni 2010 um 19:09:
Eigentlich warte ich darauf das endlich weißer Rauch aufsteigt. Gauck ist für mich bis jetzt der beste Vorschlag, einen perfekten Kandidaten wird es wohl auch nicht geben. Aber es schon fast furchtbar, welche Vorschläge aus den politischen Lagern in die Runde geschossen werden.