2 Januar

Tote Hose in der Schule

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20099 Kommentare

529px-campinofernsehturm7697Wer jetzt glaubt in der Schule sei nichts los, der irrt. Die Pun­ke­mi­nen­zen der Toten Hosen gaben sich auf Ein­la­dung des Maga­zins Spies­ser an der Regine-Hildebrandt-Schule die Ehre und ver­such­ten sich in der Rolle von Aus­hilfs­leh­rern. Doch anstatt den neu­gie­ri­gen Schü­lern etwas über Musik und ein Leben als Punk zu berich­ten, haben sich Cam­pino, Breiti und Andi die Reli­gion als Fach aus­ge­sucht. Gott und die Welt soll für die jun­gen Schü­ler nicht nur Gedan­ken­an­stoss, son­dern auch Infor­ma­ti­ons­aus­tausch sein.

Schnell wird klar, das kaum ein Schü­ler an Gott glaubt son­dern die meis­ten den wis­sen­schaft­li­chen Ansatz ver­tre­ten und einen Beweiß sehen möchte. Zu aller erstau­nen ent­pup­pen sich die 3 Punks aus Düs­sel­dorf als Mis­sio­nare des Glau­bens und lie­fern den Jugend­li­chen auch plau­si­ble Erklärungen.

Die drei erklä­ren den Schü­lern die Bedeu­tung des Sonn­ta­ges und füh­ren die Jugend­li­chen mit geschick­ten Fra­gen nach dem Weih­nachts­fest auf das Glatt­eis. Die Schü­ler ver­ste­hen, das ohne den Glau­ben die Welt nicht die wäre, in der wir leben und auch heute noch ein wich­ti­ger Bestand­teil mora­li­scher und ethi­scher Grund­sätze sind. Kirch­li­cher Fana­tis­mus, der in vie­len Reli­gio­nen und Epo­chen aus­ge­übt wurde, hat damit nichts zu tun.

[...] Aus diesen und anderen Gründen war die Religion keine Spielerei, sondern Notwendigkeit, um ethische Grundsätze und ein Moralgefühl zu entwickeln. Was mich auch immer nachdenklich macht: Egal wie verschieden die Kulturen sind - alle haben irgendwas, woran sie glauben. Das allein sollte einen stutzig machen, ob da nicht ein bisschen mehr dahinter steckt. Dass muss dann nichts mit evangelisch oder katholisch zu tun haben. (Spiesser Nov 2008, S.14)

Das Plä­do­yer für den Glau­ben ist jedoch ein­deu­tig und für viele Über­ra­schend, man sollte die All­ge­mein­heit des Aus­sage so ste­hen las­sen und nicht fälsch­li­cher­weise auf irgend­eine Kir­che bezie­hen. Gut gemacht meine Her­ren! Den Jugend­li­chen die Augen zu öffnen und trotz­dem Spiel­raum für indi­vi­du­elle Ent­schei­dun­gen zu las­sen ver­dient mei­nen Respekt, von soviel Offen­heit kann sich das deut­sche Schul­sys­tem eine Scheibe abschneiden.

(Bild­quelle: Wikipedia.de)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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9 Kommentare

  1. Bah, ich weiß schon warum ich die immer schon sub­op­ti­mal fand -.- Ist ja pein­lich…
    Dann doch lie­ber die zum Glück nicht immer (?) ernst­zu­neh­men­den Ärzte :)
    (erst ab 1:45 wirk­lich) gut

    Naja, aber ich muss sagen, so wirk­lich toll kann ich das wirk­lich nicht finden…ich habe auch einen echt genia­len Reli-Lehrer, stu­dier­ter Theo­loge und evan­ge­li­scher (!) Pfar­rer, aller­ding kann er es voll und ganz akzep­tie­ren, wenn man unglau­big ist oder noch auf der Suche ohne einen mit sei­ner Welt­an­sicht so voll zu eiern, dass es die­sen Missionars-Toutch bekommt…

    Ich finde das ein­fach ziem­lich ekel­haft, die­ar­men Schü­ler auf den Besuch freu­dig zu machen und dann sowas -.-
    Nai Nai…

    Ent­schul­dige bitte meine Schreib­feh­ler ich lieg schon im Bett und bin kurz vorm einschlafen… :)

  2. Nicht nur, dass sie inzwi­schen eigent­lich fast nur noch musi­ka­li­schen Son­der­müll pro­du­zie­ren, sie sprin­gen auch auf den Zug der neuen christ­li­chen Tak­tik auf um in jedem Häuf­chen Unwis­sen­heit gleich eine Mini-Religion zu sehen.

    Über die ethi­schen Grund­sätze von Reli­gio­nen will ich mich jetzt nicht aus­las­sen, diese haben ja durch­aus ihren Sinn. Dass der Rest um die­sen Glaubens-Mist aber vor­sint­flut­lich ist, das steht auf kei­ner der Fah­nen den die »Wir sind Papst«-Idioten in den Wind halten.

    Mir stellt sich nach wie vor immer wie­der eine frage: Sind Men­schen wirk­lich so gro­ßer Abschaum, dass sie ohne Angst vor einer Hölle oder Hoff­nung auf irgend­wel­che geschlechts­neu­tra­len Jung­frauen jedem der ihnen über den Weg läuft den Schä­del ein­schla­gen wür­den? Ver­mut­lich ist die Ant­wort »Ja«, dann wirds aber Zeit für kol­lek­ti­ven Selbst­mord einer gan­zen Spezies.

    Achja, was ist damit? Alles nur Schall und Rauch oder doch eine plötz­li­che Erleuch­tung (für mehr Christ­lich­keit und beschis­sene Musik)?

  3. Eure Kom­men­tare sind meine Hoff­nung für eine Spur mehr Dis­kus­si­ons­freude in der deut­schen Blo­go­sphäre, danke schonmnal.

    @Kitty Khaos: In der Tat, die Toten Hosen als Reli­gi­ons­leh­rer ein­zu­set­zen finde ich auch gemein, die Schü­ler hatte sicher­lich etwas ande­res erwar­tet. Ich finde aber das was die Hosen dort gesagt haben sehr hilf­reich für die Fin­dung der eige­nen Welt­an­schau­ung. Für mich hätte die Worte ruhig noch etwas deut­li­cher aus­fal­len kön­nen. Ich spiele dabei auf den christ­lich gepräg­ten Unter­richt auf deut­schen Schu­len an. Warum kann man Glaube, Reli­gion oder Kir­che nicht frei von christ­li­chen Dog­men unter­rich­ten? Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel, aber mei­ner Mei­nung nach haben Pfar­rer als Leh­rer keine aus­rei­chende Qua­li­fi­ka­tion unvor­ein­ge­nom­men von der Mate­rie zu erzählen.

    @Tears: Musi­ka­lisch kann ich den Hosen schon lange nicht mehr fol­gen, einige Lie­der gefal­len mir ganz gut, aber Fan war ich nie und werde ich auch nie wer­den. Ich teile deine Mei­nung und sehe den Papst selbst als Ver­kör­pe­rung eines neu­zeit­li­chen katho­li­schen Fana­tis­mus. Nichts desto trotz halte ich deine Auf­fas­sung der »Aus­rot­tung« für sub­op­ti­mal, denn ein kol­lek­ti­ver Selbst­mord ist unwahr­schein­lich, son­dern eher ein gegen­sei­ti­ges Abschlach­ten. Außer­dem liegt es ja auch letzt­end­lich an uns, den Kin­dern und Jugend­li­chen Werte und ethi­sche Grund­sätze zu ver­mit­teln, auch OHNE Kirche.

  4. Ich stelle ein­fach mal ganz blöd die Frage in den Raum: Wes­halb muss man Werte in einem Fach mit dem Namen »Reli­gion« ver­mit­teln? Ich kann mich nur auf die Erzäh­lun­gen von frü­he­ren Klas­sen­ka­me­ra­den stüt­zen, aber selbst im Fach Ethik wurde dort größ­ten­teils über ver­schie­dene Reli­gio­nen gere­det und eigent­lich rein gar­nicht über ethi­sche Kon­flikte dis­ku­tiert oder all­ge­mein den Schü­lern beige­bracht war eigent­lich selbst­ver­ständ­lich jeder aus dem Eltern­haus mit­be­kom­men sollte: Eine gewisse Por­tion Anstand.

  5. Wenn wir in der Real­schule (die ich bis 1989 besuchte) vom Reli­gi­ons­un­ter­richt frei­ge­stellt waren, muss­ten wir auch die­ses Omi­nöse Fach Ethik bele­gen. Frei­ge­stellt wur­den wir nur, wenn die Eltern nicht in der Kir­che waren oder man selbst alt genug waren aus besag­ter Insti­tu­tion aus­zu­tre­ten. Selbst­ver­ständ­lich waren anders­ar­tige Reli­gio­nen nicht-christlicher Natur auch vom Reli­gi­ons­un­ter­richt frei­ge­stellt, wenn sie das dann woll­ten. Lei­der konnte ich nicht ver­mei­den dem Reli­gi­ons­un­ter­richt bei­zu­woh­nen, denn meine Eltern hät­ten mir damals etwas ande­res erzählt.

    Ich ver­stehe das Wort Anstand jetzt in die­sem Zusam­men­hang nicht, was höchst­wahr­schein­lich daran liegt, das ich keine klare Defi­ni­tion im Kopf habe, kannst du viel­leicht erläu­tern, was in dei­nem Sinne »Anstand« bedeu­tet?
    Lei­der sind viele Eltern mit den Erzie­hungs­auf­ga­ben über­for­dert und kön­nen über­haupt kei­nen Bei­trag zur Ent­wick­lung reli­giö­ser Weit­sicht lie­fern. Ob es an man­geln­der Intel­li­genz liegt, oder an feh­len­der Zeit ist frag­lich. Bei vie­len sind es aber immer noch die Fes­seln der eige­nen Erziehung.

  6. Nun, ich emp­finde es als »Anstand« ande­ren nicht den Schä­del ein­zu­schla­gen, kein frem­des Eigen­tum zu beschä­di­gen, nicht zu steh­len… das ganze bla… bla… dass man in den 10 Gebo­ten fin­det. Aber zuge­ge­ben, das Wort ist etwas schlecht gewählt, mir viel aber spon­tan nichts ande­res ein.

    Ich habe selbst, mehr oder weni­ger frei­wil­lig auch bis zum Ende der Real­schule den ev. Reli­gi­ons­un­ter­richt besucht. Anfangs, weil meine Eltern es so woll­ten, spä­ter dann mehr zur per­sön­li­chen Belus­ti­gung und weil die Ethik-Lehrerin mir mehr wider­strebt hat als den Reli­gi­ons­leh­rer mit Bemer­kun­gen und Aktio­nen aus der Fas­sung zu bringen.

    Einen Licht­punkt hatte ich dann an der Berufs­schule: Einen Reli­gi­ons­leh­rer, der weder sich selbst noch seine Reli­gion son­der­lich ernst genom­men hat. Hier hatte ich die Wahl zwi­schen einer lang­wei­li­gen Frei­stunde oder sehr inter­es­san­tem Unter­richt und einem abso­lut welt­of­fe­nen Leh­rer wie ich ihn weder davor noch danach je wie­der erlebt habe. Im Grunde zwar Off-Topic, aber immer­hin auch ein Zei­chen, dass ich mich mit der The­ma­tik mehr beschäf­tigt habe als nur mal besof­fen in einer Kir­che cam­piert zu haben.

    Nun, wor­auf ich eigent­lich hin­aus will: Ich kann abso­lut nicht nach­voll­zie­hen, wozu eine Reli­gion, ins­be­son­dere wenn sie im kirch­li­chen Kreis und nach kirch­li­chen Vor­ga­ben aus­ge­übt wird, gut sein soll. Allein die Frage, wel­cher Gott nun der ein­zig Rich­tige ist bringt doch die meis­ten reli­giö­sen Men­schen in Erklärungsnot.

    Inter­es­sant und vor­al­lem ziem­lich aus­schlag­ge­bend bei einer sol­chen Dis­kus­sion wäre die Frage, wie viele Straf­ta­ten aus Angst vor einer gött­li­chen Strafe nicht began­gen wer­den und im Gegen­zug, wie viele Straf­ta­ten (wohl meist Morde) reli­giös moti­viert sind. Lei­der wird man dazu wohl kaum ver­läss­li­che Zah­len finden.

  7. Mir fällt es zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch sehr schwer mir vor­zu­stel­len wie viele Men­schen durch Du sollst nicht töten davon abge­hal­ten wur­den es tat­säch­lich nicht zu tun und wie vie­len Men­schen im Namen eines Got­tes oder Reli­gion getö­tet wur­den. Das der Mensch sich gerne mal gegen­sei­tig umbringt, ist kein Geheim­nis. Ob eine Reli­gion ent­schei­dend zu Erfolg und zur Ver­hin­de­rung die­ser Tat­sa­che beige­tra­gen sei ein­mal dahin gestellt, gerade wenn die Gesamt­ge­schicht­li­che Ent­wick­lung der Kir­chen und Reli­gio­nen betrach­ten wer­den doch aus Fak­ten schnell Interpretationen.

    Es geht mir per­sön­lich ja nicht um den Glau­ben oder eine Reli­gion, son­dern um die Fähig­keit, Dinge für sich selbst und mög­lichst objek­tiv zu ent­schei­den. Das ist dem Men­schen aber nicht in die Wiege gelegt son­dern sollte von den Eltern, den Schu­len und dem gesam­ten Bil­dungs­sys­tem so gelebt wer­den. Das Eltern zunächst für ihre Kin­der ent­schei­den halte ich nicht für ver­werf­lich, auf die Kin­der über­tra­gene Eng­stir­nig­keit schon. Alle Kir­chen haben ihre Berech­ti­gung, solange es frei­wil­lig ist und keine Nach­teile entstehen.

  8. Also was das angeht, wegen dem Streit der drei gro­ßen Reli­gio­nen (Chris­ten, Juden­tum und Islam)kann ich nur die Ring­pa­ra­bel »emp­feh­len« (http://www.judentum-projekt.de/lessingweb/Ringparabel.htm).

    Ich denke die­ses Thema ist zu mäch­tig und zu alt, als das wir hier auf eine Ant­wort kom­men könn­ten.
    Ich finde per­sön­lich eine Reli­gion an sich nicht schlimm, solange die Per­so­nen diese Reli­gion für sich leben und keine ande­ren Leute da mit rein­be­zie­hen.
    Durch die Schule auf der ich bin bin ich eigent­lich fast nur im Kon­takt mit Chris­ten, habe sogar eine sehr gute Freun­din dorrt gefun­den…
    Aller­dings was mich an Reli­gio­nen stört, ist, dass sie sich dadurch immer alles sehr ein­fach machen.
    Bekommt ein jun­ger, unschul­di­ger Mensch Krebs so sind die Wege Got­tes unergründlich…das kann es ein­fach nicht gewe­sen sein…

    Über den Papst müs­sen wir denke ich erst gar nicht reden, rede ich hier von Chris­ten gehe ich von sol­chen aus die nach der evan­ge­eli­schen Lehre leben und nicht nach die­ser ver­al­te­ten, eng­stir­ni­gen, ver­stopf­ten, pädo­phi­len, trü­ge­ri­schen, fal­schen Politiker-Religion.
    Ich meine Luther hat schon um 1509 gemerkt, dass da ganz hef­tig was faul ist…

    Werte denke ich auch nicht, dass diese über Reli­gion ver­mit­telt wer­den soll­ten. Man sollte gene­rell die Fächer Reli­gion und Ethik ein­fach über­ar­bei­ten und Ethik nicht als Alter­na­tiv­fach anbie­ten, son­dern als nor­ma­les Neben­fach, denn das soll­ten (!)eigent­lich(!) The­men sein, die in jeder­manns All­tag wich­tig und bedeu­tend sind.
    Reli­gion sollte aller­dings wei­ter­hin jeder­zeit abwähl­bar sein.

    Das ein Pfar­rer nicht refle­xi­ons­fä­hig genug ist um zu unter­rich­ten kann ich ansons­ten auch nur bestä­ti­gen. Mein Leh­rer ist da denke ich schon eine große Aus­nahme.
    Aller­dings sind evan­ge­li­sche Pfar­rer gene­rell auf­ge­schlos­se­ner als katholische.

  9. Dei­nen zwei­ten Satz finde ich beson­ders tref­fend. Was Jahr­hun­der­te­lang gelebt wurde, wer­den wir nicht groß ändern kön­nen. Trotz­dem finde ich die Aus­ein­an­der­set­zung damit mehr als wich­tig, denn auch wenn nur wenige auf die­ser Welt den Durch­blick haben, es wer­den immer mehr und wir tra­gen unse­ren klei­nen Teil dazu bei, das ver­schafft mir per­sön­lich ein gutes Gefühl.
    Logisch irgend­wie, denn sonst würde ich ja kei­nen Web­log betrei­ben und meine Mei­nung in die Welt hin­aus­po­sau­nen :) Ich bin auch der Mei­nung, das es für das »Pro­blem« keine ulti­ma­tive »Lösung« gibt, denn beide Worte kön­nen nicht den Glau­ben beschrei­ben. Man kann nur seine eigene Lösung finden ;)

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