1 Dezember

Tankstellenpsychologie

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 200910 Kommentare

SpritpreiseTat­ort: Eine Tank­stelle auf der Aache­ner Straße in Mön­chen­glad­bach. Es gibt kein durch­kom­men mehr, die Autos ste­hen Stoß­stange an Stoß­stange und war­ten dar­auf, tan­ken zu kön­nen. Mitt­ler­weile blo­ckie­ren sie auch schon die Straße und den angren­zen­den Fahr­rad– und Fuß­gän­ger­weg weil sich immer mehr Autos in die Reihe der war­ten­den hän­gen. Und warum? Nein, hier macht keine Par­tei Wer­bung und zahlt für ein paar Stun­den die Mine­ral­öl­steuer, auch umsonst ist der Sprit nicht und von einem leicht beklei­de­tem Tank­stel­len­ser­vice auch keine Spur. Wie konnte ich das nur über­se­hen, der Sprit ist hier natür­lich viel günstiger!

Viel güns­ti­ger? Wenn ich an der regel­mä­ßi­gen Schlange der war­ten­den vor­bei­fahre beschäf­tigt mich immer die Frage, ob hier nie­mand wirk­lich rech­nen kann, denn die Erspar­nis kann wirk­lich nicht rie­sig sein, soweit habe ich das mal im Kopf über­schla­gen, wäh­rend ich an der lee­ren Tank­stelle den 2 Cent teu­re­ren Sprit in mei­nen Tank lau­fen lasse. Nach­dem ich 4 Käs­ten Cola gekauft und in mein Auto gela­den habe komme ich wie­der an der immer noch vol­len Tank­stelle vor­bei. Der rote Punto mit dem Ramm­stein Heck­auf­kle­ber, den ich vor 30 Minu­ten schon gese­hen habe wie er sich ein­reihte, ist jetzt fer­tig und fährt zufrie­den wei­ter. Ob der Geld gespart hat?

Die Freie Tank­stelle bie­tet den Kraft­stoff Ben­zin für 1,32€ an (ich runde die 131,9 Cent jetzt fre­cher­weise mal auf), die etwa 900m ent­fernte und völ­lige leere Mar­ken­tank­stelle für 1,34€. Gehen wir jetzt von einem durch­schnitt­li­chen Tank­vo­lu­men von 45l1 aus, so beträgt der Preis für eine kom­plette Tank­fül­lung 59,4€ bei der freien Tank­stelle und 60,30€ bei der Mar­ken­tank­stelle, macht also eine Erspar­nis von 90 Cent.

Aber die Schlange vor der Tank­stelle ist lang und die Außen­tem­pe­ra­tur etwa 4 Grad an die­sem kal­ten 1. Dezem­ber. Wäh­rend man also 30 Minu­ten gedul­dig dar­auf warte end­lich der nächste zu sein, lässt man den Motor lau­fen, den es ist kalt und die Hei­zung funk­tio­niert sonst nicht wirk­lich, immer­hin hat es sich dann gelohnt etwa 1km wei­ter zu fah­ren und dem gro­ßen Ölmulti zu zei­gen wie man bil­lig tankt!

Ein durch­schnitt­li­ches Kraft­fahr­zeug ver­braucht etwa 1l/h im Leer­lauf und etwa 7,9l/100km2, rech­net man das auf die 30 Minu­ten War­te­zeit und die 900m grö­ßere Ent­fer­nung um, so schrumpft die Erspar­nis um 77 Cent3 auf 13 Cent. Die ver­lo­rene Zeit las­sen wir jetzt mal völ­lig unbe­rück­sich­tigt. Bei einem Preis­un­ter­schied von 2 Cent für je 1l Kraft­stoff spa­ren wir also effek­tiv 13 Cent. Wow! Da kann man end­lich mal wie­der ohne schlech­tes Gewis­sen zum Bäcker fahren.

Viel­leicht sollte man sich ein­fach mal dar­über Gedan­ken machen, warum man Geh– und Fuß­wege blo­ckiert und die Umwelt mit unnö­ti­gen Abga­sen belas­tet und seine Zeit damit ver­schwen­det einem unsin­ni­gen Spar­ge­fühl nach­zu­kom­men. Der Wech­sel des Auto­ver­si­che­rers, des Strom– oder Gas­an­bie­ters hätte sicher­lich mehr Erspar­nis gebracht. Nicht das mich einer falsch ver­steht, ich liebe freie Tank­stel­len in pri­va­ter Hand. Denn hier gibt es noch Ben­zin, Super und Super Plus und nicht den schwach­sin­ni­gen Pre­mi­um­sprit den kein Mensch braucht. Wer auf den Geschmack gekom­men ist, Sprit zu spa­ren sollte sich diese Sprits­par­tips verinnerlichen.

(Bild­quelle: j_m_z/flickr.com, Sprit­preise sym­bo­lisch, nicht aktuell)
  1. Klein­wa­gen haben mei­ner Erfah­rung nach ein Tank­vo­lu­men von etwa 30l, ein Mit­tel­klas­se­auto etwa 40-50l und bei einem Audi A4 sind es 70l, natür­lich gibt es auch hier kei­ner­lei Gren­zen nach oben []
  2. Quelle: Spritmonitor.de []
  3. 0,5l Kraft­stoff in der hal­ben Stunde kos­ten beim gemit­tel­ten Sprit­preis von 1,33€ also 67 Cent, für die 900m Fahr­stre­cke kom­men noch­mal rund 10 Cent (7,9l/100km = 0,071l/900m -> 1l = 133 Cent ergibt 9,4 Cent/0,071l) hinzu, Ver­schleiß und Gas­pe­dalaus­ras­ter las­sen wir mal außen vor. []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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10 Kommentare

  1. Das kenne ich doch nur zu gut. Hier beim nächen gro­ßen Super­markt bei dem wir immer ein­kau­fen ist eben­falls eine sol­che Bil­lig­tank­stelle. Erspar­nis eben­falls so im Bereich von zwei oder drei Cent. Ich bekomm immer wie­der nen hal­ben Anfall wenn ich nach dem Ein­kau­fen ver­su­che vom Park­platz zu kom­men denn die Tank­stelle befin­det sich quasi genau dort: Auf dem Park­platz. Da ste­hen sie dann mun­ter rum die Pfen­nig­fuch­ser, teil­weise schon um die Kurve und im Zick-Zack und als nor­ma­ler Ein­käu­fer darf muss man sich dann erst­mal durch die war­ten­den Autos einen Weg suchen und erst­mal ver­su­chen zu erken­nen, wer da eigent­lich jetzt in der Schlange der Tanke steht und wer, wie ich, ver­zwei­felt ver­sucht aus dem Park­platz zu kom­men. Ist fast schon nor­mal, dass man die Vor­fahrt genom­men bekommt oder sie jeman­den selbst aus­ver­se­hen nimmt, weil kein Mensch es versteht.

    Dabei hab ich etwa eine ähnli­che Rech­nung im Kopf wie du. Je nach­dem wie viel bil­li­ger das Ben­zin ist (es gab auch schon Tage, da waren es 5 Cent…) bleibt da min­des­tens eine halbe Stunde War­te­rei um nach­her maxi­mal 2 Euro gespart zu haben. Ich hab aller­dings anders­herum gerech­net: Den Sprit­ver­brauch beim War­ten habe ich nicht berech­net son­dern ein­fach mal gesagt: Bei nem Stun­den­lohn einer Putz­frau von sagen wir acht Euro die Stunde hätte man lie­ber ne halbe Über­stunde schie­ben sol­len, dann hätte man nach dem Tan­ken an der nor­ma­len Tank­stelle sogar noch zwei Euro mehr im Geld­beu­tel als nach dem Tan­ken an der Bil­lig­tanke. Rich­tig Spass macht es, wenn man das auf den Stun­den­lohn der Leute umrech­net, die nen dicken BMW oder Mer­ce­des fah­ren und sicher keine Klos bei McDo­nalds putzen…

  2. Stimmt, wenn man den zeit­li­chen Auf­wand noch mit­rech­net fällt es noch kras­ser aus. Man steckt aber nicht im ein­zel­nen drin, schließ­lich kann man ja noch total viele sinn­volle Dinge wäh­rend der War­te­zeit machen. Tele­fo­nie­ren um zu klä­ren was man am glei­chen Abend isst, oder das Hand­schuh­fach auf­räu­men — manch­mal kann man auch beherzt in der Nase popeln, soll ja befreien. Ich habe das heute mor­gen mal gerech­net, weil ich das immer schon mal machen wollte, klar das ich davon natür­lich berichte :)

  3. Mit dem Handy tele­fo­nie­ren ist an der Tank­stelle doch ver­bo­ten :P

  4. An der Tank­stelle ja, aber auch in der Warteschlange?

  5. Die gefähr­li­chen Strah­len die Ben­zin anzün­den kön­nen rei­chen doch sicher über 10 Kilo­me­ter. Nein, ernst­haft: Das ist tota­ler Schwach­sinn, du kannst dein Handy auch wäh­rend des Tele­fo­nie­rens in nen Ben­zin­ka­nis­ter wer­fen und es pas­siert nichts.

  6. Die gan­zen Pfen­nig­fuch­ser soll­ten ein­fach mal die Zeit die sie dort in der Schlange ste­hen mit ihrem Lohn verrechenen.

    Was ver­dient man so in einer hal­ben Stunde ? Das gegen­rech­nen und dann den Gewinn oder Ver­lust ver­rech­nen und gut ist.

    @ Han­dy­dis­kus­sion : Da pas­siert nichts. Man sollte mal über­le­gen was ein PKW so an Tech­nik hat die even­tu­ell strahlt und wenn es so schlimm wäre dürfte man nicht mal mit einem PKW auf die Tank­stelle fah­ren. Der Motor hängt offen im Motor­raum und ist even­tu­ell warm. Daran könnte sich schliess­lich auch was dran entzünden.

  7. Inter­es­san­ter Bei­trag, aber ich hoffe doch in dei­nem eige­nen Inter­esse sehr, dass du nicht in Wahr­heit ein Auto fährst, das pro Kilo­me­ter 7,9l verbraucht.

  8. Nein, Roberts Auto »ver­braucht« natür­lich nicht so viel, aller­dings lau­fen rund 7,85 Liter Ben­zin je Kilo­me­ter aus einem Leck im Tank. Da Robert aber grund­sätz­lich gei­zig ist sieht er es nicht ein so ein klei­nes Loch stop­fen zu las­sen, das in sei­nen Socken ist dop­pelt so groß und die sind trotz­dem noch bequem. *duck und renn*

  9. @Muriel: Oops :) Natür­lich auf 100km nicht auf einem km, habe das ent­spre­chend ver­bes­sert. Vie­len Dank für da auf­merk­same lesen.

    @Thomas: Ich habe keine Löcher in den Strümp­fen weil ich total deka­dent bin und ein kaput­tes paar gleich ent­sorge. Von Geiz kei­ner Spur :)

  10. Schnell bezah­len und ein kur­zer Griff ins Kühl­re­gal und eine Cola raus­ge­zo­gen. Die kos­tet 2,-€ (hal­ber Liter) aber schließ­lich hat man ja beim Tan­ken genug gespart.
    Strange! Das Thema Auto genießt in Deutsch­land ja ohne­hin eine Son­der­stel­lung und hat oft nichts mit Ver­nunft zu tun.

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