1 Dezember

Tankstellenpsychologie

Verfasst von Diskussion: 10 Kommentare

Tatort: Eine Tankstelle auf der Aachener Straße in Mönchengladbach. Es gibt kein durchkommen mehr, die Autos stehen Stoßstange an Stoßstange und warten darauf, tanken zu können. Mittlerweile blockieren sie auch schon die Straße und den angrenzenden Fahrrad- und Fußgängerweg weil sich immer mehr Autos in die Reihe der wartenden hängen. Und warum? Nein, hier macht keine Partei Werbung und zahlt für ein paar Stunden die Mineralölsteuer, auch umsonst ist der Sprit nicht und von einem leicht bekleidetem Tankstellenservice auch keine Spur. Wie konnte ich das nur übersehen, der Sprit ist hier natürlich viel günstiger!

Viel günstiger? Wenn ich an der regelmäßigen Schlange der wartenden vorbeifahre beschäftigt mich immer die Frage, ob hier niemand wirklich rechnen kann, denn die Ersparnis kann wirklich nicht riesig sein, soweit habe ich das mal im Kopf überschlagen, während ich an der leeren Tankstelle den 2 Cent teureren Sprit in meinen Tank laufen lasse. Nachdem ich 4 Kästen Cola gekauft und in mein Auto geladen habe komme ich wieder an der immer noch vollen Tankstelle vorbei. Der rote Punto mit dem Rammstein Heckaufkleber, den ich vor 30 Minuten schon gesehen habe wie er sich einreihte, ist jetzt fertig und fährt zufrieden weiter. Ob der Geld gespart hat?

Die Freie Tankstelle bietet den Kraftstoff Benzin für 1,32€ an (ich runde die 131,9 Cent jetzt frecherweise mal auf), die etwa 900m entfernte und völlige leere Markentankstelle für 1,34€. Gehen wir jetzt von einem durchschnittlichen Tankvolumen von 45l1 aus, so beträgt der Preis für eine komplette Tankfüllung 59,4€ bei der freien Tankstelle und 60,30€ bei der Markentankstelle, macht also eine Ersparnis von 90 Cent.

Aber die Schlange vor der Tankstelle ist lang und die Außentemperatur etwa 4 Grad an diesem kalten 1. Dezember. Während man also 30 Minuten geduldig darauf warte endlich der nächste zu sein, lässt man den Motor laufen, den es ist kalt und die Heizung funktioniert sonst nicht wirklich, immerhin hat es sich dann gelohnt etwa 1km weiter zu fahren und dem großen Ölmulti zu zeigen wie man billig tankt!

Ein durchschnittliches Kraftfahrzeug verbraucht etwa 1l/h im Leerlauf und etwa 7,9l/100km2, rechnet man das auf die 30 Minuten Wartezeit und die 900m größere Entfernung um, so schrumpft die Ersparnis um 77 Cent3 auf 13 Cent. Die verlorene Zeit lassen wir jetzt mal völlig unberücksichtigt. Bei einem Preisunterschied von 2 Cent für je 1l Kraftstoff sparen wir also effektiv 13 Cent. Wow! Da kann man endlich mal wieder ohne schlechtes Gewissen zum Bäcker fahren.

Vielleicht sollte man sich einfach mal darüber Gedanken machen, warum man Geh- und Fußwege blockiert und die Umwelt mit unnötigen Abgasen belastet und seine Zeit damit verschwendet einem unsinnigen Spargefühl nachzukommen. Der Wechsel des Autoversicherers, des Strom- oder Gasanbieters hätte sicherlich mehr Ersparnis gebracht. Nicht das mich einer falsch versteht, ich liebe freie Tankstellen in privater Hand. Denn hier gibt es noch Benzin, Super und Super Plus und nicht den schwachsinnigen Premiumsprit den kein Mensch braucht. Wer auf den Geschmack gekommen ist, Sprit zu sparen sollte sich diese Spritspartips verinnerlichen.

  1. Kleinwagen haben meiner Erfahrung nach ein Tankvolumen von etwa 30l, ein Mittelklasseauto etwa 40-50l und bei einem Audi A4 sind es 70l, natürlich gibt es auch hier keinerlei Grenzen nach oben []
  2. Quelle: Spritmonitor.de []
  3. 0,5l Kraftstoff in der halben Stunde kosten beim gemittelten Spritpreis von 1,33€ also 67 Cent, für die 900m Fahrstrecke kommen nochmal rund 10 Cent (7,9l/100km = 0,071l/900m -> 1l = 133 Cent ergibt 9,4 Cent/0,071l) hinzu, Verschleiß und Gaspedalausraster lassen wir mal außen vor. []

10 Kommentare

  1. Das kenne ich doch nur zu gut. Hier beim nächen großen Supermarkt bei dem wir immer einkaufen ist ebenfalls eine solche Billigtankstelle. Ersparnis ebenfalls so im Bereich von zwei oder drei Cent. Ich bekomm immer wieder nen halben Anfall wenn ich nach dem Einkaufen versuche vom Parkplatz zu kommen denn die Tankstelle befindet sich quasi genau dort: Auf dem Parkplatz. Da stehen sie dann munter rum die Pfennigfuchser, teilweise schon um die Kurve und im Zick-Zack und als normaler Einkäufer darf muss man sich dann erstmal durch die wartenden Autos einen Weg suchen und erstmal versuchen zu erkennen, wer da eigentlich jetzt in der Schlange der Tanke steht und wer, wie ich, verzweifelt versucht aus dem Parkplatz zu kommen. Ist fast schon normal, dass man die Vorfahrt genommen bekommt oder sie jemanden selbst ausversehen nimmt, weil kein Mensch es versteht.

    Dabei hab ich etwa eine ähnliche Rechnung im Kopf wie du. Je nachdem wie viel billiger das Benzin ist (es gab auch schon Tage, da waren es 5 Cent…) bleibt da mindestens eine halbe Stunde Warterei um nachher maximal 2 Euro gespart zu haben. Ich hab allerdings andersherum gerechnet: Den Spritverbrauch beim Warten habe ich nicht berechnet sondern einfach mal gesagt: Bei nem Stundenlohn einer Putzfrau von sagen wir acht Euro die Stunde hätte man lieber ne halbe Überstunde schieben sollen, dann hätte man nach dem Tanken an der normalen Tankstelle sogar noch zwei Euro mehr im Geldbeutel als nach dem Tanken an der Billigtanke. Richtig Spass macht es, wenn man das auf den Stundenlohn der Leute umrechnet, die nen dicken BMW oder Mercedes fahren und sicher keine Klos bei McDonalds putzen…

  2. Stimmt, wenn man den zeitlichen Aufwand noch mitrechnet fällt es noch krasser aus. Man steckt aber nicht im einzelnen drin, schließlich kann man ja noch total viele sinnvolle Dinge während der Wartezeit machen. Telefonieren um zu klären was man am gleichen Abend isst, oder das Handschuhfach aufräumen – manchmal kann man auch beherzt in der Nase popeln, soll ja befreien. Ich habe das heute morgen mal gerechnet, weil ich das immer schon mal machen wollte, klar das ich davon natürlich berichte :)

  3. Mit dem Handy telefonieren ist an der Tankstelle doch verboten :P

  4. An der Tankstelle ja, aber auch in der Warteschlange?

  5. Die gefährlichen Strahlen die Benzin anzünden können reichen doch sicher über 10 Kilometer. Nein, ernsthaft: Das ist totaler Schwachsinn, du kannst dein Handy auch während des Telefonierens in nen Benzinkanister werfen und es passiert nichts.

  6. Die ganzen Pfennigfuchser sollten einfach mal die Zeit die sie dort in der Schlange stehen mit ihrem Lohn verrechenen.

    Was verdient man so in einer halben Stunde ? Das gegenrechnen und dann den Gewinn oder Verlust verrechnen und gut ist.

    @ Handydiskussion : Da passiert nichts. Man sollte mal überlegen was ein PKW so an Technik hat die eventuell strahlt und wenn es so schlimm wäre dürfte man nicht mal mit einem PKW auf die Tankstelle fahren. Der Motor hängt offen im Motorraum und ist eventuell warm. Daran könnte sich schliesslich auch was dran entzünden.

  7. Interessanter Beitrag, aber ich hoffe doch in deinem eigenen Interesse sehr, dass du nicht in Wahrheit ein Auto fährst, das pro Kilometer 7,9l verbraucht.

  8. Nein, Roberts Auto “verbraucht” natürlich nicht so viel, allerdings laufen rund 7,85 Liter Benzin je Kilometer aus einem Leck im Tank. Da Robert aber grundsätzlich geizig ist sieht er es nicht ein so ein kleines Loch stopfen zu lassen, das in seinen Socken ist doppelt so groß und die sind trotzdem noch bequem. *duck und renn*

  9. @Muriel: Oops :) Natürlich auf 100km nicht auf einem km, habe das entsprechend verbessert. Vielen Dank für da aufmerksame lesen.

    @Thomas: Ich habe keine Löcher in den Strümpfen weil ich total dekadent bin und ein kaputtes paar gleich entsorge. Von Geiz keiner Spur :)

  10. Schnell bezahlen und ein kurzer Griff ins Kühlregal und eine Cola rausgezogen. Die kostet 2,-€ (halber Liter) aber schließlich hat man ja beim Tanken genug gespart.
    Strange! Das Thema Auto genießt in Deutschland ja ohnehin eine Sonderstellung und hat oft nichts mit Vernunft zu tun.

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