Viele Szenen bleiben von der Anklage verschont, da man ihnen beim besten Willen keine Rechtsorientiertheit unterstellen mag. Manche Szenen wurden derart von rechts unterwandert, dass diese daran zerbrachen. Beste Beispiele hierfür wäre die Skinhead-Bewegung.
In diesem schwarz-bunten Haufen brodelt der Vorwurf und schwappt von Mal zu Mal stärker an die Oberfläche. Ob die Aufschreie objektiv begründet oder nur einer subjektiven Wahrnehmung verschuldet sind, wer vermag das schon zu sagen? Dennoch sei nicht zu übersehen, dass wirklich rechte Gesinnungen innerhalb dieser schwarzen Schafe existieren. Nicht bei der Masse, aber bei Einzelnen innerhalb der Masse. So etwas lässt sich nicht ausschließen. Weder hier noch in der Nachbarschaft.
Doch diese gilt es herauszufiltern. Alle diese Kameraden, die das Stroh wiederkäuen, das man in den Köpfen der Sympathisanten von NPD und Konsorten vorfindet. Diese gilt es zu selektieren, zu kritisieren und rechts liegen zu lassen. Damit der letzte Rest Kunst und Kultur innerhalb dieser Nachtschatten-Szene alleine einen Platz für Provokation bietet und nicht zum Forum der Propaganda verkommt.
Es ist nur bedauerlich, dass man dahingehend bevormundet wird. Denn statt ihrer Ahnungslosigkeit mit Schweigen nachzukommen, meckern viele Außenstehenden die Medien voll. Und sprechen einem damit so ganz nebenbei die eigene geistige Leistung ab. Nämlich das Vermögen, selbstständig selektieren, hinterfragen und differenzieren zu können.
Das alte Leid der ewigen Vorwürfe, der ewig gleichen Argumente, die längst ihre Erklärung gefunden hatten, doch aus mir unbekannten Gründen an den Köpfen der Ankläger abprallen, keine Beachtung beigemessen bekommen und schlichtweg bis zur nächsten Anklage überhört werden. So dass man auf radikalen Seiten zumeist nur anhand der Rechtschreibregeln die Aktualität der Schmähschrift definieren kann. Gerade bei geschätzten Interpreten wie Kirlian Camera oder Laibach wird man das Gefühl nicht los, dass bei den Anklagepunkten innerhalb der 30 Jahre einfach nur das Datum erneuert worden war.
Doch was ist dran an der Beschuldigung, wir würden innerhalb der schwarzen Szene unserer schwarzen Vergangenheit huldigen? Im Grunde nichts. Da jeder, der pauschal wettert, im Grunde nur zwei Sparten im Blickfeld hat: Nämlich die des Elektrokraches, für die hier einmal stellvertretend und sehr grob der EBM herhalten muss und der Neofolk, Militay Pop oder Martial Industrial. Womöglich noch die metallic schimmernde Ecke. Doch im Metal bin ich nicht involviert.
Alle anderen Schwarzkittel, die ebenso am Pranger stehen dürfen, haben im Grunde nichts damit zu tun. Und niemand würde auch ernsthaft auf den Gedanken kommen und anhand eines gekalkten Burgfräuleins, eines barocken Frackträgers, eines Hosen-Shirt-Fönfrisur-Stino-Schwarzen, eines Mittelalterlichen, Batcave, Dunkel-Punks oder von mir aus auch eines Cybers rechtsradikale Erscheinungen feststellen zu müssen.
Somit sollen nun die beiden Buh-Mann-Sparten an den Pranger gestellt und mit dem Fallobst der Argumente beworfen werden. Um einmal zu sehen, wie gut diese Argumente mit dem Mund gefangen werden können. Das Erstaunliche dabei ist, dass trotz der Unterschiedlichkeit der beiden Gruppierungen, die Argumente zumeist denselben Inhalt besitzen.
Anklagepunkte gegen den EBM -stellvertretend-
Neonazikonformes Auftreten »Springerstiefel. Glatze. Hosenträger«
Eines der liebsten Szenebegriffe meiner Geh-doch-einfach-spielen-Kategorie sind »Springerstiefel« Ledertreter = Springerstiefel, so die allgemeine Logik, auch bei denen, die es eigentlich wissen müssten. Ich achte seit 13 Jahre darauf und fand Doc Martens, Undergrounds, Bondage London, Rangers, Shellys, Black & White Boots, New Rocks und weiß der Geier. Aber Springerstiefel sah ich vielleicht eine Handvoll. Zugegeben, da bin ich Pedant. Doch wer mit Marken protzt, sollte diese auch einhalten.
Wie auch immer. Das Argument ist durchaus berechtigt. Zumindest, was den gemeinen Wald- und Wiesen-EBMler in freier Wildbahn betrifft. Denn diesen neben ein Exemplar der Rechts-Proleten gestellt und die Gemeinsamkeiten sind augenscheinlich. Robustes Schuhwerk, pragmatisch martialisch anmutende Garderobe und ein Haarschnitt, der nicht nur die Kopfform, sondern auch die Erscheinung eines Raufbolds abrundet.
Aber kann man dem damit verbundenen Umkehrschluss zum Pauschal-Nazi wirklich zustimmen? Immerhin würde es das Ego des Nationalsozialisten mehr als nur peripher tangieren, wenn man ihm allein anhand der Klamotten “ebenbürtig” werden würde. Zumal dieses Erscheinungsbild auch mitnichten im Neonazismus begründet liegt. Da der Neonazi seinen Ahnen in nichts nachstand und weiterhin fleißig vorhandene Stilbilder vereinnahmte.
Es mag richtig sein, dass diese Art der Kleidung eine brachiale Ausstrahlung besitzt und nicht gerade für Sympathie bei den Schwiegereltern sorgt. Doch nicht jeder Kahlschlag auf dem Kopf lässt auf ein NPD-Plakat im Hirn schließen. Wäre dem so, dann müssten unsere zwei Privilegsparteien um deren Gunst buhlen. Ebenso wenig, wie einer Weltanschauung einer Kleidungsart untersteht, unterliegt eine Art der Kleidung einer Weltanschauung. Doch gegen die Kleider-machen-Leute-Hysterie wird man so schnell nicht ankommen.
Unterpunkt »Wehrmachtsuniformen«
In der Tat. Der Uniformitätsfetisch nahm – gegenüber der altbekannten Uniformität – seit dem Jahre 2000 merklich zu. Warum auch immer, das soll nicht das Thema sein. Das Problem bei Uniformen ist allerdings, dass hier die Regel »Kennt man eine, so kennt man alle« nicht greift.
Auch wenn viele Gegenstimmen dieses zumeist meinen und in jedem paramilitärischen Waffenrock gleich einen Bezug zur Wehrmacht, SS, SA oder dem BDM sehen wollen. Ungeachtet dessen, dass viele der Uniformen zumeist völlig willkürlich zusammengestellt wurden. Einige Modelle habe auch nie Kasernenhofstaub im Zwirn kleben gehabt, sondern wurden einzig für den Katalog oder den Interpret entworfen. Und wer maßt sich an, dass er auf Anhieb die Schnitte den verschieden Gruppierungen und Epochen zuordnen kann? Ich behaupte einmal, dass dieses die wenigsten der Schreihälse können.
Selbst wenn man die Stoffe von anno 1942 aufträgt… Solange man nicht mit einschlägigen Symbolen und damaligen Militärlametta behangen ist, gibt es nichts zu beanstanden. Und selbst, wenn so manche Fantasiesymbole darauf getackert wurden, die der damaligen Ästhetik verdächtig nahe kommen, muss der Betrachter eben genau hinschauen und sich dessen bewusst sein, dass der Begriff der »Überidentifizierung« nicht von ungefähr kommt. Vorausgesetzt der jeweilige Träger verfügt ebenso über den nötigen Sachverstand.
NS-Ästhetik der Interpreten
Wer Uniformen automatisch mit der rechten Gesinnung oder NS-Ästhetik gleichsetzt, macht sich nicht nur innerhalb der Bundeswehr eine Menge Freunde, sondern auch in sämtlichen anderen Sparten, die nach einer Uniform verlangen. Im 3ten Reich war der Uniformitätsfetisch natürlich recht ausgeprägt. Doch so war es in jeder Epoche. Warum ist eine Uniform demnach zwangsläufig ein Indiz für neonationalsozialistische Gesinnung? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aufgrund der schwarzen Farbe? SS-Uniformen waren schwarz, zugegeben.
Aber das waren ebenso die Uniformen des Lützowsches Freikorps. Die Britische Polizei steckt in black uniforms, ebenso das U.S. Police Department –neben dem bekannten Blauton- and the Fire Department und diverse Sondereinsatzkommandos sowieso.
Rechtsradikales Gedankengut innerhalb der Musik
Eines der Argumente, dem ich zumeist mit ambivalenten Gefühlen gegenüberstehe. Es ist amüsant, zu erleben, wie überaus zielsicher so manche Schlagworte noch immer Schalter im Kopf umlegen und damit schlagartig für Entrüstung sorgen. Auf der anderen Seite ist das aber auch beschämend und sollte im Grunde jedem peinlich sein. Stattdessen wird man von dem Fehlinterpretierer noch durch dessen Glauben an seine moralische Überlegenheit gereizt.
Natürlich darf man anfangs innehalten. Darf sich skeptisch fragen, wie das denn nun bitte zu verstehen sei. Darf und soll die Botschaft hinterfragen. Außerhalb des Kontext und des Leumundes analysieren. Doch letztendlich sollte wieder alles zusammen für die politische Ausrichtung der Aussage gewertet werden.
Wer ein »Hitler« äußert, muss dabei noch lange nicht zum »Heil« den rechten Arm heben, sondern kann dieses ganz neutral aus dem geschichtlichen Zusammenhang heraus tun. Jede Dokumentation, die kommentarlos dahingehende Großaufmärsche und feurige Führerreden aufzeigt, wird dennoch als Kulturgut bewertet. Denn den Rechtsruck offenbart allein die dahinter steckende Ideologie, der damit dargebrachte Gedanke, und nicht alleine die Nutzung von medialen Zeitzeugen.
Anklagepunkte gegen den Neofolk –stellvertretend-
Während man dem EBMler, der entweder mit Bier in der Pranke grinsend über den Rasen wankt oder heiter vor der Bühne herumhopst, ansieht, dass dieser mit Politik wirklich kaum etwas zu tun haben will, hüllt sich der Neofolker zumeist in überhebliches Schweigen und macht sich somit schon aus Prinzip recht verdächtig.
Soweit ich das beurteilen kann, ist die Sparte Neofolk wirkliche das braune Schaf der Szene schlechthin. Wobei ich jetzt nicht die unterschwellige Debatte aufgreifen möchte, ob dieses Volk überhaupt dazugehören darf, will oder sollte.
Uniformität »Hitlerjugend-Ästhetik«
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Interpreten und Hörer innerhalb des Neofolks eine Art der Kleidung an den Tag legen, die auch innerhalb der NPD-Jünger nicht selten angetroffen wird. In dunklen sowie erdigen Farben gehaltene Hosen, Hemden und Binder. Zudem noch die Haare in klassischer 40er-Jahre-Manier geschnitten, gelegt wie gescheitelt. Da können schon einmal Verwechslungen entstehen. Zumal sich einige aus dem Bereich Neofolk nicht entblöden und bewusst mit ihrer schwarzen Sonne prahlen, einem der wenigen Symbole, das nicht geklaut worden war, sondern einzig innerhalb des Reiches entstand.
Aber warum wird mit der Kleidung gleich der Nationalsozialismus assoziiert? Warum wirkt auf den Betrachter das edle Schwarze automatisch braun? Sind doch ein ordentlich geknöpftes Hemd und ein Binder gesellschaftlich anerkannte Markenzeichen für Klasse und Seriosität.
Es sind wohl die feinen Nuancen, die einen wie die FDJ-Version des Jungvolkes wirken lassen. Doch auch hierbei muss man sich der Scheuklappen-Interpretation beschuldigen lassen. Denn der Stil der 40er Jahre darf nicht nur als Erscheinungsbild der NS-Sympathisanten gesehen werden. Wer diesen Denkfehler begeht, verherrlicht jenes Regime, indem er dessen Widersacher unterschlägt. Edelweißpiraten und Wandervögel beispielsweise ordneten sich auch dem Zeitgeist unter und trugen, trotz ihrer mal mehr und mal weniger deutlichen Abgrenzung zur NS-Kleidungsordnung, den Stil der 40er Jahre. Logischerweise. Und jene Gruppen sind es, die so manchen als Inspiration für das Wesen des Neofolks dienen.
Runen
Dass die Initiatoren des 3ten Reichen sämtliche bedeutungsschwere Symbole aus ihren eigentlichen Zusammenhang rissen und in die braune Schmiere ihrer Ideologie tauchten, ist ja kein Geheimnis mehr. Doch ob es gerechtfertigt ist, diese Symbole nun auf ewig dahingehend zu brandmarken, darüber streiten sich noch die Geister.
Auch wenn die Germanen nur etwas mehr als 100 Jahre die Runenschrift genutzt hatten, so stehen diese Zeichen doch noch immer für die alte Zeit dessen, was man heute großflächig Mittel- bzw. Nordeuropa nennen könnte.
Auch wenn innerhalb der 12 Jahre des Tausendjährigen Reiches mit deren Ausstrahlung Schindluder betrieben worden war, so stehen die Runen doch für mehr. Nämlich für knapp 700 Jahre Mystik, Kult und Kulturerbe.
Eine Zeit, zu der sich viele hingezogen fühlen. Sei es in Anlehnung an die vergangenen Germanen oder sei es aufgrund der Bedeutung für Esoterik oder Naturmystik. Und auch wenn das Erscheinungsbild ein recht brachiales ist, so ist der Neofolk dahingehend thematisch zumeist hoffnungslos verkitscht.
Deutschkult
Das ist etwas, was ich ebenfalls nie verstanden habe. Warum ist die Pflege der deutschen Sprache, das Rezitieren von Gedichten, von lyrischen Gedanken oder die Anspielung an germanische Mythologie ein »Deutschkult negativer Art«
Rechts kann ja vieles sein. Aber definitiv nicht das Besinnen auf vergangene Werte, Kunst und Kultur. Da allgemein bekannt sein dürfte, wie der Rechtsorientierte die Begriffe wie Werte, Kunst und Kultur definiert.
Was ist falsch daran, sich seiner Wurzeln zu erinnern und diese nicht als Firlefanz von Vorgestern abzuwinken, sondern wiederzubeleben? Und wenn es eben auf verklärt romantische Art und Weise ist, dann solle es so sein.
Alleine eine Tatsache ist hierbei verständlich. Nämlich, dass diverse Interpreten auch innerhalb brauner Liedgutsammlungen auftauchen. Doch wer kann sich seine Fans aussuchen? Niemand.
Man kann gegen Verstöße bei Sampler-Erwähnung klagen. Man kann solche Kasper aus seinen Konzerten werfen oder in der Presse seine Antipathie kundtun. Doch los wird man diese nicht. Da diese ebenso bildungsresistent sind wie jene, die noch immer mit denselben Argumenten Verbote aussprechen wollen.
Rechte Themen
Mitunter schwingt ein Hang zu nationalen oder patriotischen Gedanken innerhalb der Texte mit. Doch wer sich einmal herablässt und bekennenden braunen Barden á la Frank Rennicke oder Annett Müller bei Gitarrenzupfen lauscht, der wird schnell einen Unterschied feststellen.
Das, was im Neofolk besungen wird, ist die Heimat als Landstrich. Die Anmut des Zuhauses. Die Frage nach der Identifikation mit seinem Vaterland…klingt rechts. Kann es auch sein, aber dann hat es nichts mehr mit Neofolk im Sinne der Folklore zu tun. Dann erklingt schlichtweg platte Propaganda auf Schulhof-CD-Niveau, die von jedem gemieden wird, der dem Neofolk seine Würde beibehalten will.
Natürlich kann manchem der Hang zum Patriotismus und zur Heimatliebe schon als zu treudeutsch erscheinen. Doch dieser soll dann einfach schweigend weghören. Da diese Meinungsverschiedenheit noch lange keine Unterstellung zum Rechtsruck rechtfertigt.
Ansonsten drehen sich die Texte um schlichte Naturnähe bis hin zu spirituellen Sinnfragen. Von dem Vortrag alter Geschichten bis hin zu neuzeitlichen und stellenweise politischen Hinterfragungen. Alles Sichtweisen die dem rechten Liedermacher gar nicht erst in den Sinn kommen. Da diese zu sehr damit beschäftigt sind, die Ehre des deutschen (gefallenen) Volkes zu verklären. Den Ausländer, Aufständigen und Politiker zu verwünschen und der alten Reichspropaganda neue Worte zu verleihen. Zumal es denen auch kaum einfallen würde, Europa zu besingen. Zumindest ist mir ein solcher Titel noch nicht untergekommen.
Nachwort
Ich persönlich habe Freude an diesen Vorurteilen. Vor einigen Jahre konnte man mich damit zu Worten der Rechtfertigung und einer persönlichen Stellungnahmen animieren. Doch heute…
Heute grinse ich innerlich über den Luxus, als Wandler innerhalb dieser beider Sparten, noch einen Rest Provokation zu besitzen. Etwas, das noch im Dunkeln liegt. Womöglich ist das noch ein Relikt von postpubertärem Trotz, der mich dazu veranlasst. Doch ich nahm diese ganze Szene-Aufklärungskampagne die ganzen Jahrzehnte nur mit Widerwillen wahr und freue mich daher, dass diese Ausleuchtung noch nicht überall hin vorgedrungen ist.



hat bereits 143 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2011 um 13:24:
Hachja, ein schwieriges wie auch interessantes Thema, das ich noch nie in solcher Ausführlichkeit behandelt gesehen habe.
Ich denke, man muss sich hier unbedingt bewusst machen wie sehr die Geisteshaltung Gothic als solches selbst für rechte Unterwanderung verantwortlich ist, wenn das Vorhandensein brauner Strömungen in der Szene verstanden und unterbunden werden soll.
Ich spreche hierbei nicht von dem Verhalten irgendwelcher Szenemitglieder, sondern von der Anziehungskraft, die gewisse inhaltliche Aspekte des schwarzen Treibens auf die Menschen hat.
Reaktionäre Nostalgie -- das ist einer der Kernpunkte der Gothic-Bewegung im späten 18. Jahrhundert. Die Anti-Aufklärungs-Haltung mit dem Abwenden von den Idealen der römisch-griechischen Antike und (anfänglich) natürlich der modernen Wissenschaft äußerte sich primär in einer romantisch verklärten Nostalgie für alles, was man meinte in der eigenen (germanischen) Vergangenheit zu finden, was so herrlich fremd und anders, so mysteriös und auch heroisch daherkam.
Nur sekundär führte das zu einer herrlich sehnsuchtsvollen Düsternis die all dem innewohnte, und das Ergründen der dunklen Tiefen der menschlichen Psyche kam höchstens als tertiärer Punkt noch dazu.
Sollte es einen da wirklich verwundern, dass dieses romantisierende Zuwenden zu einer verzerrten, idealisierten Form der eigenen Vergangenheit Nährboden für nationalistisches Gedankengut sein kann? Es wäre eigentlich reichlich kurzsichtig, das nicht zu erkennen.
Die komplette (und nicht nur die schwarze) Romantik mit ihren (pseudo-)mittelalterlichen Stoffen in z.B. den deutschen Opern hat leider oft einen schalen Beigeschmack vom “Völkischen”, den ich für meinen Teil nur zu gerne ausblende.
Natürlich werden jetzt einige die Augen rollen und sich fragen, warum ich immer mit diesen ollen Kamellen anfange, auf die sich die moderne Gothic-Szene in ihrer Entstehung nie ausdrücklich bezogen und sie wohl auch nicht intendiert hat.
Doch es muss nicht ausdrücklich und intendiert sein um vorhanden zu sein. Die schwarze Szene steht alles in allem in der legitimen Tradition des Gothic, ob sie es will oder nicht, und man muss nur einmal wirklich die Augen aufmachen und sich umschauen um zu sehen, dass die Romantik in allen Ausprägungen bei uns so lebendig ist wie nirgendwo sonst:
Heute wie vor 250 Jahren gibt es eine enorm große Strömung von Menschen, die ein mehr oder minder verzerrtes Bild der Vergangenheit hegen und pflegen und damit vielleicht auch ein Stück weit Realitätsflucht betreiben.
Wenn Goth-Kid XYZ davon säuselt wie toll doch das Mittelalter war, mit all seinen heren Idealen und den heroischen Rittern, dann belächelt man das in der Regel.
Fügt man dem Satz jedoch nur ein kleines Wörtchen hinzu und schmachtet den “heroischen deutschen Ritter” an… ja, dann weicht einem prompt das Lächeln und ein Unwohlsein macht sich breit, dabei war der Schritt nur ein ganz kleiner (und ein inhaltlich betrachtet nichtmal unlogischer).
Gruftis schwelgen gern in der eigenen mitteleuropäischen Vergangenheit -- und nicht selten wird dabei idealisiert.
Mittelalter, Barock, Viktorianik,… sucht euch was aus.
Der Schritt vom ästhetischen Idealisieren zum sozialen/politischen Idealisieren ist dabei kleiner als den meisten von uns lieb ist. Und sollte es einen da wirklich wundern wenn der nächste Schritt der zu verkorksten Ideologien ist?
Versteht mich nicht falsch!
Ich sage nicht: Wir sind selbst schuld, also müssen wir das akzeptieren. Keineswegs!
Ich sage nur: Wir müssen damit anfangen vor der eigenen Haustüre zu kehren und dürfen nicht so blind sein und behaupten, die Rechten würden uns böswillig von außen her unterwandern -- dafür bieten wir selbst einfach zu viel eigenen Nährboden, wenn natürlich auch gänzlich ungewollt.
Alles was wir tun können ist genau das, was auch außerhalb unserer Szene versucht wird. Für Aufklärung sorgen, Aktionsbereitschaft zeigen und klar machen: Bis hier her und nicht weiter, wir als heterogene Bewegung werden uns nicht ideologisieren lassen!
hat bereits 21 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2011 um 15:35:
Und immer wieder in regelmäßigen Abständen wird dieses Thema hier und dort behandelt. Ob im WGT Forum “Rechte raus” oder “Nazi Band auf dem WGT” tituliert wird…
“Hachja, ein schwieriges wie auch interessantes Thema, das ich noch nie in solcher Ausführlichkeit behandelt gesehen habe.”
1. So schwierig ist dieses Thema meines erachtens gar nicht, wenn man sich für diese Musik und Kultur interessiert und nicht mit den von Medien vorgebrachten Vorurteilungen und Gehirnwäsche-ähnlichen Methoden “verseucht” ist
2. Für alle, die dieses Thema interessiert, empfehle ich hier das Buch “Looking for Europe” ein Buch, das die Hintergründe und falschen Aussagen darlegt
“Soweit ich das beurteilen kann, ist die Sparte Neofolk wirkliche das braune Schaf der Szene schlechthin. Wobei ich jetzt nicht die unterschwellige Debatte aufgreifen möchte, ob dieses Volk überhaupt dazugehören darf, will oder sollte.”
Mit solchen Aussagen wäre ich vorsichtig. Ich kenne einige aus dem sog. Neofolk-Bereich und ich kenne keinen Einzigen, der da “braun” wäre. Es gibt kein “braunes Schaf” in der schwarzen Szene. Die gesamte Szene ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, überall gibt es braune, vom Mittelalter-Hüpfer (wenn man sie denn dazu zählen will) bis zu den Alt-Grufties. Nur weil da mehr konservatives Gedankengut vorherrscht und für den deutschen Durchschnittsbürger etwas seltsam anmutende Ästhetik, kann man hier nicht von nem Nazi-Magneten sprechen.
Deswegen wundert es mich, dass hier die umstrittensten Künstler gar nicht auftauchen. Wie oft hab ich schon gehört, Death in June würden in „Rose Clouds of Holocaust“ den Genozid an den Juden leugnen… Wie oft musste ich mir schon anhören was für ein Hardcore-Rassist Boyd Rice sei. Wie oft hab ich schon Halbwahrheiten über Sol Invictus, Kirlian Camera, Blood Axis oder Ostara gehört… Es wird einfach immer nur das so betrachtet wie es der einfache Leser zu verstehen hat. Sprich Propaganda, darauf folgt manchmal sogar ein Auftrittsverbot, Zensur oder Gewalt. Da fragt sich doch wer hier der „böse Mensch“ ist. Die friedlichen Künstler die manchmal provozieren, manchmal einfach nur ihre Heimatverbundenheit oder Interesse ausüben oder die Linksfaschisten von Antifa und Co., welche mit extremen und letztendlich faschistischen Methoden versuchen ihre „Gegner“ zu bekämpfen.
In manchen Dingen bin ich auch „against the modern world“ wie es SI mal formulierte. Ich vermeide das Handy soweit es geht und sitze nicht den ganzen Tag vor der Glotze. Ich mag auch Filme von Fritz Lang und mag die Riefenstahl-Ästhetik. Uniformen sind schön, Runen auch und ich bin froh in Deutschland leben zu dürfen und finde es ein schönes Land. Ein Freund der EU und von der amerikanischen Politik bin ich auch nicht. Bin ich deshalb ein „braunes Schaf“?
Die Menschen müssen endlich dieses schwarz-weiss denken aufgeben. Ein zurück gekämmter Seitenscheitel lässt genaus wenig auf die politische Einstellung schließen wie ein Irokesenschnitt. Doch was hier immer wieder reizt, bestimmte Stile zu verbinden und den rechts-links-schwarz-weiss Denker zu verwirren. Ich habe einen Iro und hab ein Death in June Shirt im Schrank hängen. Spätestens hier kommen schon die ersten ins stocken. Hmmm welche Schublade? Ganz einfach, in die Schublade: Freiheit! Jeder darf und soll das tun was er will ohne einen anderen direkt zu verletzen (wo wir wieder bei Crowley wären;) )
Seid froh, dass die schwarze Szene Menschen jeglicher Politik beheimatet von gelb, schwarz, rot, orange, grün bis total unpolitisch. Das hat sonst keine Szene geschafft und dass ist auch heute noch etwas was mich besonders an der Punk-Szene stört. Deshalb geniest die Vielfalt die wir haben!
hat bereits 153 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2011 um 16:18:
Danke für Deinen Artikel! Meiner Meinung nach ist die Szene in Sachen politischer Orientierung kein Querschnitt der Gesellschaft, sondern auch hier eine (heterogene) Subkultur. Gerne würde ich es mir einfach machen und behaupten, daß alle die Runen und 30er/40er Jahre-Militäruniformen nur aus künstlerischem oder ästhetischem Antrieb vorgeführt werden. Es gibt Musikrichtungen innerhalb der schwazen Szene, die auch eine große Fangemeinde bei Rechtsradikalen hat. Und das wird dann zum Problem, wenn diese sich darüber freuen kann, dass sie auch noch in eindeutigen Outfits und mit verfassungsfeindlichen Symbolen auf den Konzerten erscheinen kann, ohne weiter aufzufallen.
Wir (es waren mehrere Augenpaare) haben z.B. auf dem Amphi 2007 eine große Gruppe von ‘Blood and Honour’ Mitgliedern gesehen, die mit Runen, abgewandelten Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen auf ihren Kleidungstücken posierten. Der auf dem Rücken flächig tätowierte Schriftzug “Blood and Honour” des Anführers dieser Gruppe wurde bei einigen Konzerten offen gezeigt, ansonsten unter einem schwarzen Poloshirt verdeckt.
Es ist oftmals nicht einfach, aber ich habe mittlerweile eine ganze Reihe von Fotobeweisen von Hakenkreuzen und Wehrmachts-Accessoires auf den Festivals der vergangenen Jahre gesammelt. Auf einem Pop-Konzert wäre das Tragen solcher Symbole undenkbar.
Ich persönlich habe keine Lust, auf Veranstaltungen zu gehen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssen. Ich will auch keine anderen parteipolitischen Aktivitäten auf unseren Festen.
Zunächst sehe ich die Verantwortung bei den Künstlern. In anderen Szenen klappt das auch ganz gut. Immer, wenn man als Künstler mitbekommt, dass unintendiert auch verfassungsfeindlich gesinnte Menschen zu den Konzerten kommen, ist eine klares ablehnendes Statement im Laufe des Auftritts angesagt.
Mir wäre es auch nicht geheuer, wenn Hells Angels, Banditos oder Gremium bei unseren Festivals zu den Stammgästen zählen würden.
hat bereits 365 Kommentare abgegeben und schrieb am 4. Juni 2011 um 18:50:
Zu Karnstein:
[...]Sollte es einen da wirklich verwundern, dass dieses romantisierende Zuwenden zu einer verzerrten, idealisierten Form der eigenen Vergangenheit Nährboden für nationalistisches Gedankengut sein kann? Es wäre eigentlich reichlich kurzsichtig, das nicht zu erkennen.[...] Der Schritt vom ästhetischen Idealisieren zum sozialen/politischen Idealisieren ist dabei kleiner als den meisten von uns lieb ist. Und sollte es einen da wirklich wundern wenn der nächste Schritt der zu verkorksten Ideologien ist?
In der Tat. So wie man aus der Szene hinausschreit, so strömt das Volk ein.
Und für viele ist diese Zuwendung eine Art Einstiegsdroge. Sie finden Gefallen daran und wollen immer mehr.
So genügt einem das Nibelungenlied mit dem glitzernden Rhein bei Mondenschein nicht mehr. Man will hören, wie toll doch der Rhein das ganze Jahr über glänzt. Dass dieser schöner ist als alle anderen Flüsse.
Dass deutsche Flüsse überhaupt das Beste sind. Dass man stolz sein kann, über einen solchen Fluss zu fahren.
Irgendwann klingt auch das zu lau und man findet gefallen daran, zu hören, dass ausländische Flüsse nichts taugen. Aber ausländische Fährmänner die deutschen Flüsse belagern. Wie unschön man das findet, da doch soviel deutsches Blut in diese Flüsse floss und die nun einfach so drüber schippern.
Irgendwann hört man in Liedern, dass vom Land Brücken gebaut werden, aber nur für die ausländischen Fährmänner…und schon rutscht man in eine dekadente Ideologie. Schleichend und fließend.
Aber das liegt an jedem selbst. Jeder kann frei entscheiden inwieweit er sich dem Patriotismus hergibt. Wie stark er diesen zum Nationalismus werden lässt und ob er dann einen weiteren Schritt zum Nationalsozialismus geht.
Ich für meinen Teil höre mir ganz gerne an, wie schön doch der Rhein ist -um dieses Gleichnis einmal fortzuführen- Ich bin auch »Stolz« darauf, dass der Rhein durch mein Heimatland fließt. Doch weitere Radikalisierungen stoßen bei mir auf Ablehnung.
So wie es auch für die meisten eine gut überlegte Grenze gibt. Es fallen aber nur alljene Kasper auf, die diese Grenze längst überschritten haben. Diese werden fokussiert, pauschalisiert und nötigen damit den ganzen Rest zur Erklärung.
Zu Epitaph89:
[...]»Looking for Europe«[...]
Dieses wurde mir schon von einigen Seiten empfohlen. Bis dato kenne ich es allerdings nur auszugsweise. Doch so, wie das Buch momentan gehandelt wird, wird das wohl noch eine Weile so bleiben. Aber es steht definitiv ganz oben auf meiner Liste.
[...]»Soweit ich das beurteilen kann, ist die Sparte Neofolk wirkliche das braune Schaf der Szene schlechthin.[...]«
Mit solchen Aussagen wäre ich vorsichtig.[...]
Da gebe ich auch Recht. Rückwirkend ist das wohl missverständlich ausgerückt.
Denn es beinhaltet nicht meine Erfahrung/Meinung bezüglich Neofolk, sondern die allgemein landläufige Stimmung gegenüber jenen Gesellen.
Grast man diverse Artikel, Foren oder Standpunkte ab, so geht der Neofolk mit dem Braunverdacht einher. Dieses wollte ich damit sagen.
[...]Deswegen wundert es mich, dass hier die umstrittensten Künstler gar nicht auftauchen.[...]
Um einmal recht schnöde zu antworten: Ich wollte keinen Roman verfassen oder dieses mit Videoaufzeichnungen zu einem Konzertabend werden lassen.
Es sollte nur ein grober Überblick über die gängigsten Argumente entstehen. Würde man auf die Intentionen und Hintergründe, auf die Aussage oder Erscheinung jeweiliger Interpreten eingehen, so würde das den Rahmen in doppelter Form sprengen. Da sämtliche dahingehende Galionsfiguren, sei es im »Eletro« oder »Folk«, jeweils einen separaten Artikel rechtfertigen, verdienen und füllen würden.
[...]Da fragt sich doch wer hier der „böse Mensch“ ist. Die friedlichen Künstler die manchmal provozieren, manchmal einfach nur ihre Heimatverbundenheit oder Interesse ausüben oder die Linksfaschisten von Antifa und Co., welche mit extremen und letztendlich faschistischen Methoden versuchen ihre „Gegner“ zu bekämpfen.[...]
Diese Frage stellte ich mir auch oft genug. Begleitet von einem treffenden Spruch »Wer zu weit links steht, kommt rechts wieder raus«
In vergangenen Zeiten wetterte ich ebenso überzeugt auf linker Seite, wie ich heute das politische Neutrum markiere. Da ich irgendwann verstand, dass sich beide Radikalitäten in nichts nachstehen. Die Worte sind anders, aber die Art und Weise ist der gleiche Mist.
Der Mittelweg, das Abwiegen der Argumente und selber hinterfragen ist wohl ein guter Weg, wenn auch anstrengend und nie im Sinne solcher Ideologen.
Doch wenn man die Erfahrung machen durfte, dass einen Immigranten sowie auch Rechten zusammentreten wollen, dann fällt es schwer, irgendeine einseitige Stellung zu beziehen.
Letztendlich kann die Frage nach »gut« oder »böse« nur bei jedem Einzelnen getroffen werden. Je nach Argument, Weitblick und Gewaltbereitschaft.
Ich unterhielt mich mit Linken und Rechten und konnte deren Anschauung nachvollziehen. Deren Argumente als plausibel erachten. Ebenso unterhielt ich mich mit Linken wie Rechten und dachte dabei nur eines »Ihr beschränktes Pack«
Ebenso ist es eine Frage der Betrachtungsweise. Aber man sollte bedenke, dass man seine Argumente noch immer der Frage nach Pro und Kontra zu unterziehen hat.
[...]Ich mag auch Filme von Fritz Lang und mag die Riefenstahl-Ästhetik. Uniformen sind schön, Runen auch und ich bin froh in Deutschland leben zu dürfen und finde es ein schönes Land. Ein Freund der EU und von der amerikanischen Politik bin ich auch nicht. Bin ich deshalb ein „braunes Schaf“?[...]
In den Augen derer, die nur auf die dahingehenden Schlagworte achten schon. Und das ist der Punkt. Man weiß, dass man bei einem abendlichen Gedanken mehr Sachverstand verbreitete als ein Frank Rennicke in einem kompletten Best-Of-Album. Und dennoch ist man für viele ein solcher Musikkonsument.
[...]Seid froh, dass die schwarze Szene Menschen jeglicher Politik beheimatet von gelb, schwarz, rot, orange, grün bis total unpolitisch. Das hat sonst keine Szene geschafft [...] Deshalb geniest die Vielfalt die wir haben![...]
Im Grunde ein interessanter Punkt. Da werde ich einmal drüber nachdenken.
zu tobikult:
[...]Wir (es waren mehrere Augenpaare) haben z.B. auf dem Amphi 2007 eine große Gruppe von „Blood and Honour” Mitgliedern gesehen, die mit Runen, abgewandelten Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen auf ihren Kleidungstücken posierten. Der auf dem Rücken flächig tätowierte Schriftzug »Blood and Honour« des Anführers dieser Gruppe wurde bei einigen Konzerten offen gezeigt, ansonsten unter einem schwarzen Poloshirt verdeckt.[...] Es ist oftmals nicht einfach, aber ich habe mittlerweile eine ganze Reihe von Fotobeweisen von Hakenkreuzen und Wehrmachts-Accessoires auf den Festivals der vergangenen Jahre gesammelt.[...]
Amphi 2007…dann können die nur von Feindflug angelockt worden sein. Nichtsdestotrotz liegt das Problem dann aber beim Veranstalter. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser bei dahingehender Akzeptanz oder fahrlässigen Übersehen, nicht einen auf den Deckel bekommt.
Was die Symbole angeht, so ist das immer ein Streitpunkt. Da ein Symbol ist nur so bedeutsam ist, wie der dahinter steckende Gedanke. Gerade das Hackenkreuz verdeutlicht dieses. Wobei ein solches Ding an einer Wehrmachtsuniform kaum auf den Bezug zu tibetanischem Buddhismus hindeutet. Das ist schon richtig.
Ich muss gestehen, dass ich bei Flohmärkten auch von Material aus dieser Zeit magisch angezogen werde. Ebenso Dinge aus der Kaiserzeit. Aber nicht, weil ich denke »Boar geil, verbotenes Nazizeug« Sondern einfach wegen dem geschichtlichen Aspekt in seiner analytischen Form.
Die damaligen Symboliken waren auf Macht geeicht. Auf Stärke, Ausstrahlung, schlichtweg heroisch. Alles wurde auf diese Emotionen hin konzipiert. Und zwar so gut, dass die Ausstrahlung schier zeitlos wurde und somit manche der nachfolgenden Generationen noch immer in den Bann zieht.
Einfach nur aufgrund der Ausstrahlung und dem Wissen um die Zeit, weniger aufgrund von Sympathie bezüglich der damaligen Staatsführung. Einziger Hacken bei der Sache: Man kann niemanden in den Kopf schauen. Wer trägt der Kreuz mit Stolz und wer nicht…?
[...]Zunächst sehe ich die Verantwortung bei den Künstlern. In anderen Szenen klappt das auch ganz gut. Immer, wenn man als Künstler mitbekommt, dass unintendiert auch verfassungsfeindlich gesinnte Menschen zu den Konzerten kommen, ist eine klares ablehnendes Stat¬ment im Laufe des Auftritts angesagt.[...]
Ich bin nicht ganz davon überzeugt, dass man die Verantwortung in erster Linie den Künstlern überlassen sollte. Denn warum soll sich der Künstler dafür »Entschuldigen« dass manche Gestalten einfach zu blöd zum Denken sind.
Man hat als Künstler einzig die Verantwortung, dass die Aussage erkennbar sein muss. Gegen Fehlinterpretationen ist aber nicht einmal die klarste Aussage gewappnet. Hierbei sollte vielleicht besser der Veranstalter für eine klare Abgrenzung sorgen. Frei nach dem Motto »Du kommst hier nicht rein«
Feindflug beispielsweise. In jedem Album prangert ihre Stellungnahme.
»Use your brain and think about it« steht ebenso auf diversen T-Shirts. Deren Titelbezeichnungen sind einstimmig, legen die Aussage derart geradlinig dar, dass man gar nicht anders kann, als die Kritik darin zu sehen. Und dennoch stehen diese noch heute auf der Staatsfeindliste von (linken) Moralaposteln ganz weit oben.
Somit habe ich sogar Verständnis dafür, wenn manche der erklärungen überdrüssig sind oder dieses von vornherein nur allzu sporadisch tun.
hat bereits 386 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Juni 2011 um 08:56:
Es ist mein ganz persönliches Empfinden ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber ich mag Uniformen und den ganzen Militärkram -- optisch, symbolisch und auch musikalisch -- absolut nicht.
Für mich hat das auch nichts mit der Schwarzen Szene zu tun. Als Teil der Performance auf der Bühne mit sinnvollem Hintergrund sind Uniformen und Militärlametta -- von mir aus auch Hakenkreuz und ähnliche Symbole -- in Ordnung. Als Freizeit- oder Party-Outfit finde ich das Ganze jedoch nicht besonders erbaulich.
Ich geh nicht auf eine schwarze Party oder auf ein Festival, um dann in einem optischen “Kriegsumfeld” zu landen, das mir Gleichschritt, Gehorsam und auch irgendwo Gewalt suggeriert. Das ist nicht “meine” Szene und es gefällt mir nicht. Ich fand es auch schon in den 80ern Mist, mit Symbolen wie dem Hakenkreuz provozieren zu wollen.
Richtig ist jedoch -- und das ist ja die Aussage des Artikels -- dass nicht alles “Braun” ist, was militärisch aussieht oder mit einer gewissen Liebe zum Heimatland verbunden ist.
hat bereits 357 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Juni 2011 um 11:38:
Danke Sabrina, da haben wir absolut die selbe Meinung und Empfindung. Daher mach ich es mir mal einfach und schließe mich deiner Aussage 100%ig an. Ohne eigenen Senf, denn kürzer und treffender kriege ich es sowieso nicht hin.
hat bereits 365 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Juni 2011 um 21:03:
Soviel zum Pathos. Dachte ich immer, dass Uniformen die Mädels magisch anziehen.
Das Geschmachte, wenn der Kerl in voller Montur von seiner BW-Dienstzeit wiederkam.
Uniform = starker Kämpfer, Krieger, Beschützer u.s.w.
Entweder stimmt etwas nicht mit meinem Weltbild oder Ihr beiden seid nicht repräsentativ.
Zu orphi:
[...] Es ist mein ganz persönliches Empfinden ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber ich mag Uniformen und den ganzen Militärkram — optisch, symbolisch und auch musikalisch — absolut nicht.[...]
Ich bitte darum. Nichts ist schlimmer als inhalts- wie geistlose Sympathie. Besser man weiß warum man dagegen ist, als dass man nicht weiß, warum man dafür ist.
Davon einmal abgesehen erachte ich Uniformen in ihrer »reinen« Form auch als weniger alltagstauglich. Doch nicht aufgrund der Assoziation von Gewalt, Gehorsam und Gleichschritt, sondern einfach, weil es für mich albern ist.
So manche Ausgangsuniform ausgenommen, blieb eine solche Kluft zumeist innerhalb des Wirkungskreises. Und wurde nicht an jeder Ecke präsentiert, um sein Ego zu puschen. Abgesehen von Zeremonien…zu denen aber keine Clubabende zählten.
Der Grund, weshalb auf alten Fotos Kerle des Öfteren in Uniform abgelichtet sind, ist einfach der, dass diese damals das beste Kleidungsstück im Haus gewesen war. Und man keine 20 Bilder am Tag von sich machen konnte. Sich somit entsprechend der damaligen Mentalität recht präsentieren wollte.
Doch es wirkt auf mich lächerlich, wenn ein Bubi mit Waffenrock, Reiterstiefeln und Schirmmütze vor mir herumturnt. Da könnte ich mir auch die Fingernägel schwarz lackieren, Kajalzirkelein ins Gesicht zaubern, mich in einen Lackrock zwängen und würde ebenso authentisch wie ernstzunehmend wirken.
Ich bin eher Freund des paramilitärisch angehauchten oder eben jener »40er-Jahre-Gardarobe« Das wirkt auch nicht so künstlich oder gestellt. Aber aufgrund dessen wohl brauner, als eben eine überspitzte Uniform.
hat bereits 386 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Juni 2011 um 22:29:
Doch doch… ich mag durchaus Kämpfer, Krieger und mitunter sogar Beschützer. Allerdings nur solche, die selber denken und nicht solche, die sich einem Kollektiv unterwerfen, dessen Führer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Macht und wirtschaftliche Interessen verfolgen und darüber hinaus wahrscheinlich noch meinen, dass ihre Werte besser sind als die Werte aller anderen.Ein Kollektiv, das mit Gewalt handelt und Leid, Tod und Zerstörung hinterlässt.
Die Kämpfer, die ich meine, brauchen keine Uniform. Nicht einmal eine schwarze! Hugh, ich habe gesprochen ;-) und übergebe an Thomas D.
http://www.youtube.com/watch?v=SfkwZEL6E9g
hat bereits 357 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Juni 2011 um 23:52:
Vielleicht nicht repräsentativ. Kann sein. Aber Uniform setze ich nicht gleich mit Beschützer. Törnt mich jedenfalls ziemlich ab.