27 April

Leichtfertiger Umgang mit Symbolen rechter Ideologien

Kategorie: Hintergründe, Szene im Blick — Jahrgang: 201014 Kommentare

Es ist auf Fes­ti­vals und Groß­ver­an­stal­tun­gen der schwar­zen Szene wie bei­spiels­weise dem bevor­ste­hen­den WGT 2010  in Leip­zig immer wie­der eine Ent­de­ckungs­reise. Zwi­schen geschnitz­ten Figu­ren, Stö­cken und Wand­schmuck für den ambi­tio­nier­ten Gothic-Haushalt fin­den sich ver­mut­lich auch unzäh­li­gen Schmuck­stände mit in Sil­ber gegos­se­nen Pen­ta­gram­men, kel­ti­schen Kreu­zen und Dra­chen eben auch Tris­ke­len, Runen und Schwarze Sonnen.

Ich möchte kei­nen, der meint sich der­ar­ti­gen Schmuck um den Hals hän­gen zu müs­sen in eine poli­ti­sche Schub­la­den drän­gen. Die indi­vi­du­elle Aus­drucks­form der eige­nen Per­sön­lich­keit ist viel­fäl­tig und auch mir beson­ders wich­tig. Ein ver­meint­lich Kon­tro­ver­ses Sym­bol auf Tasche oder Jacke oder als Schmuck an Fin­gern oder am Hals reicht nicht für eine Ein­ord­nung der poli­ti­schen Gesin­nung aus. Doch die Nai­vi­tät und Belie­big­keit, mit der einige Leute immer wie­der sol­che Sym­bole ein­set­zen ist erschre­ckend und lässt mich zuwei­len am Ver­stand besag­ter Sze­ne­gän­ger zweifeln.

Die Schwarze Sonne ist ein popu­lä­res Bei­spiel für den leicht­fer­ti­gen Umgang mit Sym­bo­len. Erin­nern wir uns an die Ver­wen­dung der Sonne auf der »Obsor­ge­karte« für das WGT 2009, die beim Grab­stein­schub­ser anschau­lich doku­men­tiert ist. Was ist an der schwar­zen Sonne ver­kehrt?  »Die Schwarze Sonne ist ein Sym­bol aus zwölf in Ring­form gefass­ten gespie­gel­ten Sieg-Runen. Vor­lage für das Sym­bol ist ein ähnli­ches Boden­or­na­ment in Gestalt eines Son­nen­ra­des, das in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus von der SS im Nord­turm der Wewels­burg ein­ge­las­sen wurde»1 Zur Zeit des drit­ten Rei­ches wurde die­ses Sym­bol nie für offi­zi­elle Pro­pa­ganda ver­wen­det, was den rela­tiv schwa­chen Bekannt­heits­grad zu erklä­ren ver­mag, aber trotz­dem kei­nen Zwei­fel an des­sen Her­kunft offen lässt. Die Nazis selbst erschu­fen das Sym­bol als Zei­chen für ihren Orden der »art­ge­mä­ßen Reli­gion« treuer SS-Anhänger und diente den Mör­dern als Zen­trum für ihre bizar­ren Hul­di­gun­gen der eige­nen Rasse.

Warum sollte man sich als die­ses Sym­bol um den Hals hän­gen oder damit eine Ein­tritts­karte gestal­ten? Ich weiß es nicht. Die Szene-Esoteriker umhül­len das Sym­bol gerne mit sei­ner ursprüng­li­chen Bedeu­tung und sehen in ihm die Ver­kör­pe­rung der »inne­ren Sonne« des Trä­gers. Dabei ist das völ­lig über­flüs­sig, denn es gibt genug andere Sym­bole, die für die glei­che Bedeu­tung ste­hen — so zum Bei­spiel der Stern auf zahl­rei­chen Tarot Kar­ten oder eben eine schwarze Sonne selbst.

Sym­bole sind nicht mei­ner Mei­nung nach nicht frei zu inter­pre­tie­ren. Sym­bole sind mit Bedeu­tun­gen auf­ge­la­den die sich der Trä­ger in guter und in schlech­ter Hin­sicht zu Eigen macht. Mög­lich dass das Haken­kreuz ein altes Son­nen­sym­bol (Swas­tika) ist, doch die Bedeu­tung hat sich tief­grei­fend ver­än­dert der seine Ver­wen­dung im ursprüng­li­chen Sinne absurd erschei­nen lässt. Ja, es war dem drit­ten Reich mög­lich die­ses 1000 Jahre alte Sym­bol durch Blut, Krieg und Mord inner­halb kür­zes­ter Zeit voll­stän­dig umzu­deu­ten, wir kön­nen uns damit kri­tisch aus­ein­an­der­set­zen, sollte aber den leicht­fer­ti­gen und unre­flek­tierte Umgang damit ablehnen.

Aus­blick WGT 2010

Bli­cken für das WGT 2010 ein wenig in die Zukunft. Da behän­gen sich wie­der unzäh­lige schwarze Gesel­len mit Pen­ta­gram­men, Hello Kitty Zei­chen, Kreu­zen, Sanskrit-Schriftzügen und Runen, Toten­köp­fen, Fle­der­mäu­sen, Thors Ham­mer und kel­ti­schen Kno­ten in einer Belie­big­keit, das es mir das Blut in den Adern gefrie­ren lässt. Je blau­äu­gi­ger man sich mit sol­chen Sym­bo­len schmückt, desto leich­ter machte man es den Nazis ganz offen in Erschei­nung zu tre­ten und trotz­dem unent­deckt in der Masse unter­zu­ge­hen. Die Bedeu­tung der Sym­bole wird von vie­len Trä­gern schlicht und ein­fach unter­schätzt, schwingt aber beim Betrach­ter und spä­tes­tens bei der Öffent­li­chen Zur­schau­stel­lung ein­fach mit. Gerade auf dem WGT sollte man sich der Bedeu­tung der Sym­bole auch im popu­lä­ren Sinne sehr bewusst sein.

Sehr oft resul­tiert die­ses zur Schau stel­len aus Unwis­sen­heit, aus der Tat­sa­che, das auch Musi­ker oder Bands sich die­ser Sym­bo­lik bedie­nen. Schon Sioux­sie & The Bans­hees oder auch DAF bedien­ten sich dem Mit­tel der Pro­vo­ka­tion um mit den Ideo­lo­gien künst­le­risch zu bre­chen, ihren Inhalt in einen neuen Kon­text zu set­zen um damit den Zuhö­rer zur Gedan­ken­auf­nahme zu ani­mie­ren. Genauso wie Lai­bach heute das Publi­kum pro­vo­zie­ren nach­zu­den­ken und dabei sehr stra­te­gisch vor­ge­hen, denn das ist wich­tig um nach­hal­tig und wir­kungs­voll pro­vo­zie­ren zu kön­nen. Mit Nazi-Symbolik zu pro­vo­zie­ren nur um über­haupt zu pro­vo­zie­ren ist genauso dumm wie Sym­bole nur ein­fach zu ver­wen­den, weil sie gut zum Out­fit pas­sen. Hier liegt die Pflicht auch bei den Künst­lern selbst, ihre grund­sätz­li­che poli­ti­sche Hal­tung klar zu defi­nie­ren, bevor man sich mit einer sol­chen The­ma­tik beschäftigt.

Pro­vo­ka­tion durch Bewe­gun­gen am rech­ten Rand in Sym­bo­lik oder Aus­drucks­form sind kein adäqua­tes Mit­tel Publi­kum zu gewin­nen oder die Ver­kaufs­zah­len zu stei­gern und wenn ich mir die Werke oder das auf­tre­ten man­cher Bands anschaue, wird mir Angst und Bange wie das zumeist junge Publi­kum damit umgeht.

Offene Briefe

Lei­der macht es die Tref­fen & Fest­spiel­ge­sell­schaft für Mit­tel­deutsch­land mbH, der Ver­an­stal­ter des WGT  nicht bes­ser. Der Ein­satz der schwar­zen Sonne in der Wewels­bur­ger Anord­nung auf der Obsor­ge­karte zum WGT 2009 sorgte bei vie­len Besu­chern für eine Welle der Empö­rung. Auch Künst­ler wie ASP oder Oswald Henke drück­ten in offe­nen Brief ihren Unmut über diese leicht­fer­tige Ver­wen­dung des Sym­bols aus: »Die Band ASP möchte in kei­ner Weise mit poli­tisch frag­wür­di­gen Bot­schaf­ten und deren Ver­brei­tung in Ver­bin­dung gebracht wer­den oder diese still­schwei­gend hin­neh­men und dis­tan­ziert sich hier­mit aus­drück­lich von der durch oben erwähn­tes Sym­bol erzeug­ten Poli­ti­sie­rung des Fes­ti­vals.»2, Oswald Henke greift den Brief der Band ASP auf und ergänzt: »Daher dis­tan­zie­ren sich auch die Grup­pen HENKE und fetisch:MENSCH aus­drück­lich von die­ser Art der Poli­ti­sie­rung des Fes­ti­vals. Sehr bedenk­lich fin­den wir in die­sem Zusam­men­hang auch die Tat­sa­che, dass eine Dis­kus­sion die­ses The­mas im offi­zi­el­len Internet-Forum des WGT unter­bun­den wird. »3 und spricht damit einen wei­te­ren wich­ti­gen Punkt an.

Bis heute gibt es kein zwei­fel­freies Dementi Sei­tens des Unter­neh­mens. Mit wabern­den Halb­wahr­hei­ten ver­sucht man die Ange­le­gen­heit zu rela­ti­vie­ren: »Symbol­struk­tu­ren, gespie­gelt in der Iris des Auges, dem Fens­ter zur Welt, reflek­tie­ren ein ural­tes Sym­bol der Son­nen­fins­ter­nis, von den Ger­ma­nen als « Inne­res Licht », das Licht der Erkennt­nis, der Erleuch­tung, der Knos­pung etc. ver­ehrt. Armi­nus ( nach Luther »Her­mann « genannt ) erscheint als figu­ra­ti­ves Spie­gel­bild, ver­ewigt in Stein.»2 Weder ent­spricht das Sym­bol auf der Karte der ursprüng­li­chen Dar­stel­lung, noch hat Armi­nus his­to­ri­schen Bezug zur Ver­wen­dung des Symbols.

Ein sol­ches Sym­bol hat auf einer Ein­tritts­karte, sei es für den Cam­ping­platz oder für das Tref­fen selbst, nichts ver­lo­ren. Es gab keine wei­te­ren State­ments, ent­spre­chende Ein­träge von besorg­ten Besu­chern wur­den im offi­zi­el­len WGT Forum ein­fach gelöscht. »Wenn wir die Augen ganz fest zuma­chen, nicht hin­se­hen und ein­fach war­ten, wird sich das Pro­blem wie­der lösen« könn­ten die Ver­ant­wort­li­chen gehofft haben. Ich fürchte, sie wer­den Recht behalten.

Hoff­nung

Sich mit kon­tro­ver­sen Sym­bo­len zu schmü­cken ist Aus­druck per­sön­li­cher Frei­heit, man sollte sie jedoch mit Inhalt fül­len. Wie viele Men­schen wohl den Unter­schied zwi­schen einem Pen­ta­gramm und einem Dru­den­fuß ken­nen? Ich wünschte man würde wie mehr schwar­zen See­len begeg­nen für die Sym­bole nicht nur cool aus­se­hen, son­dern auch eine Bedeu­tung haben, denn das war auch mal die ursprüng­lich Inten­tion der Gothic-Szene. Sich über die Bedeu­tung in his­to­ri­scher und eige­ner Ansicht aus­zu­tau­schen kann sehr erqui­ckend sein  und ebnet den Weg für wei­te­ren Wis­sens­durst. Wer jetzt noch schnell vor dem WGT seine heiß gelieb­ten Anhän­ger mit Hin­ter­grund ver­se­hen möchte, kann sich auch hier im Blog umschauen oder aber auch Google bemühen.

(Bild­quelle: me via Wiki­pe­dia unter CC-Lizenz)

  1. Quelle: Arti­kel zur Schwarze Sonne bei Wiki­pe­dia []
  2. Quelle: Home­page der Band ASP mit dem offe­nen Brief vom 11. Juni 2009 [] []
  3. Quelle: Home­page von Oswald Henke mit dem Brief vom 05. Juli 2009 []

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe, Szene im Blick
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14 Kommentare

  1. Ich steh der Sache ganz anders gegen­über: Ein Sym­bol bedeu­tet das, was der Trä­ger damit aus­drü­cken will und nicht das, was der Rest der Welt damit sagen will. Abge­se­hen vom Haken­kreuz finde ich jeg­li­ches Ver­bot bescheu­ert, beschis­sen und geis­tig hirn­am­pu­tiert wie die meis­ten Gesetze die sich unsere Poli­ti­ker aus dem geis­ti­gen Rek­tum zie­hen. Es ist ja nicht so, dass die meis­ten Nor­mal­bür­ger über­haupt wis­sen wür­den, was alles ver­bo­ten ist:

    - Odal­rune
    – Kel­ten­kreuz
    – Sig­rune
    – Wolfs­an­gel
    – Toten­kopf der SS
    – Gauabzeichen

    Um nur die zu nen­nen, die nicht einer spe­zi­el­len Orga­ni­sa­tion (die übri­gens teil­weise erst nach dem drit­ten Reich ent­stan­den sind) zuge­ord­net sind. Übri­gens steht mei­nes Wis­sens nach die Schwarze Sonne nicht auf der Liste mit den Ver­bo­ten und die Sig-Runen muss man sich schon stark rein­den­ken. Glei­ches gilt für die Tris­ke­le die übri­gens in der BDSM-Szene als Erken­nungs­zei­chen dient, zumin­dest laut Wikipedia.

    Ansons­ten bleibe ich dabei: Jeman­den »NAZI« ins Gesicht brül­len weil er sich irgend ein Wort mit S in Runen irgendwo hin­schreibt ist blöd, hirn­ris­sig und typisch deutsch. Wir soll­ten viel mehr end­lich anfan­gen mit der Ver­gan­gen­heit ver­nünf­tig umzu­ge­hen statt sie uns gegen­sei­tig immer wegen Klei­nig­kei­ten vor die Nase zu halten.

    Alter­na­tiv: Macht den Bun­des­ad­ler bitte auch ver­fas­sungs­feind­lich! Danke!

  2. inter­es­sant, dass gerade eng­li­sche punks in den »frü­hen jah­ren« gerne nazi­sym­bole tru­gen war mir bekannt, da gabs dann aber auch keine wischiwaschi-erklärungen, son­dern war ein­deu­tig reine pro­vo­ka­tion. macht das tra­gen nicht bes­ser, aber wenigs­tens die erklä­rung.
    ich denke, wer meint sym­bole tra­gen zu müs­sen, wel­che ihn für andere ein­deu­tig einer gewis­sen gesin­nung zuord­nen, muss damit leben, dass leute genau dies tun. wenn jemand bei­spiels­wiese als skin­head rum­läuft, wird er mit der unwis­sen­heit der leute rech­nen müs­sen, die ihn dann für einen nazi hal­ten — ist trau­rig, aber rea­li­tät. ent­spre­chend würde ich eine ver­an­stal­tung mit obi­gem sym­bol auf einer offi­zi­el­len karte als nazi-veranstaltung deuten.

  3. @Thomas: Schön wie­der was von Dir zu lesen :) Zu Thema: Ich habe mir fast gedacht, das du so denkst und es geht mir auch nicht um Ver­bote, denn was ver­bo­ten ist wird nur attrak­ti­ver. Es geht, wie in dei­nem ers­ten Satz, um die Sym­bo­lik, die sich der Trä­ger mei­ner Mei­nung nach zu Eigen macht je stär­ker sie das Sym­bol belastet.

    Und ich möchte auch nie­man­den ver­bie­ten sich genau damit zu schmü­cken, ich möchte nur, das man drü­ber Nach­denkt und die Sym­bole mit Hin­ter­grund füllt und den Toten­kopf des SS (bei­spiels­weise) nur cool fin­det. Ver­bote brin­gen über­haupt nichts, Sorg­lo­sig­keit im Umgang damit ist idea­ler Nähr­bo­den für rechte Ideo­lo­gien wie ich finde.

    Ansons­ten bleibe ich dabei: Jeman­den „NAZI” ins Gesicht brül­len weil er sich irgend ein Wort mit S in Runen irgendwo hin­schreibt ist blöd, hirn­ris­sig und typisch deutsch. Wir soll­ten viel mehr end­lich anfan­gen mit der Ver­gan­gen­heit ver­nünf­tig umzu­ge­hen statt sie uns gegen­sei­tig immer wegen Klei­nig­kei­ten vor die Nase zu halten.

    Dem stimme ich voll­kom­men zu und das hatte ich ja auch Ein­gangs so erwähnt. Ich finde es eben genauso blöd sich mit der Rune zu schmü­cken, ohne sie deren Bedeu­tung bewusst zu sein.

    @tobi: Sicher­lich, wer sich mit ein­deu­ti­gen Zei­chen schmückt muss mit geteil­tem Echo rech­nen. Vor­aus­ge­setzt, der Trä­ger weiß über­haupt um die Bedeu­tung. Nimm als Bei­spiel Thor’s Ham­mer. Ein schö­nes Schmück­stück wie ich finde. Ich weiß aber das es von rech­ten für ihre Zwe­cke miss­braucht wird (Der Ham­mer rei­nigt das Volk) und kenne auch die ursprüng­li­che Bedeu­tung und kann so reflek­tiert damit umge­hen. Doch was ist mit denen, die den Ham­mer ein­fach nur »geil« finden?

  4. Im Prin­zip ist es rich­tig, dass der Ver­an­stal­ter fahr­läs­sig han­delt, wenn er ein dop­pel­deu­ti­ges Sym­bol benutzt. Denn selbst, wenn er es womög­lich bes­ser weiß und das Sym­bol allein in sei­ner eins­ten Deu­tung ansieht, so muss den­noch der vor­han­dene Ruf­mord mit ein­be­zo­gen wer­den. Zumin­dest außer­halb der bra­chia­len Pro­vo­ka­tion. Nur hat sol­che Pro­vo­ka­tion nichts auf Ein­tritts­kar­ten ver­lo­ren. Das ist in Deutsch­land nun ein­mal nüch­ter­ner Fakt.
    Aber gleich­zei­tig halte ich diese Sym­bo­läch­te­rei für schein­hei­lig. Denn auch ich kann mich nicht mit dem Gedan­ken anfreun­den, dass so „alt­ehr­wür­dige“ Sym­bole durch diese 12 Jahre dun­kelste deut­sche Geschichte ihrer ver­wur­zel­ten Bedeu­tung beraubt wer­den. Aber der Punkt wes­halb ich das schein­hei­lig finde, ist der, dass die­ses Schick­sal nur aus­ge­such­ten Sym­bo­len wider­fährt. Natür­lich klebt an dem Hacken­kreuz oder der Wolfs­an­gel Blut. Aber auch das Chris­ten­kreuz kann auf einige Epo­chen bli­cken, an denen die­ses Zei­chen eben­so­we­nig für Nächs­ten­liebe stand. Den­noch wird es wei­ter­hin mit Stolz getra­gen und die Blut­fle­cken wei­ter­hin selig grin­send mit Weih­was­ser bespren­kelt. Oder das eiserne Kreuz. Der Ver­dienst­or­den für Krieg­hel­den, stra­te­gi­sche Schläch­ter und mor­dende Befehls­die­ner dient heute als reha­bi­li­tier­tes Bun­des­wehr­ab­zei­chen. Bzw. der Dienst­grad des Haupt­feld­we­bels. Wenn das nicht die ver­bo­tene Othala-Rune dar­stellt, dann weiß ich auch nicht. Die staat­li­che Ver­wen­dung ist plötz­lich legi­tim. Ohne des­sen Geschichte und ein­fach als Neu­trum. Wahr­schein­lich die Aus­nahme, wel­che die Regel bestä­tigt. Oder mein Temp­ler­kreuz. Ich glaube, dass jeder spon­tan die Schat­ten­sei­ten der Kreuz­züge und die­ses Rit­ter­or­dens auf­zäh­len kann. Den­noch darf man die­ses Sym­bol rei­nen Gewis­sens tra­gen.
    Natür­lich gilt es nicht die Nazi-Zeit damit zu ver­harm­lo­sen. Ich möchte nur sagen, dass es etwas unüber­legt ist, allein eben­sol­che Sym­bole reflex­ar­tig zu brand­mark­ten. Denn nicht nur die NS-Symbolik besitzt in ihrem Fun­da­ment einen groß­zü­gig ange­leg­ten Leichenkeller.

    Zudem, wie schon gesagt, ödet es mich an, wenn diese Sym­bole nur auf die weni­gen Jahre des „Tau­send­jäh­ri­gen Rei­ches“ degra­diert wer­den. Man bie­tet denen nicht ein­mal den Hauch einer Chance zur Reha­bi­li­tie­rung. Kann bzw. darf es wirk­lich sein, dass eine so kurze Epo­che, wel­che das Sym­bol gestoh­len hatte sowie den Sinn per­ver­tierte, in alle Ewig­keit aus­schlag­ge­bend für des­sen Bedeu­tung sein kann. Das ist der fal­sche Weg. Man begnügt sich allein mit dem Ver­bot der Sym­bole. Sieht darin die Schul­dig­keit gegen­über der eige­nen Geschichte getan und lehnt sich ent­spannt zurück. Die­selbe Logik wurde bzgl. der Web­sei­ten­sper­rung kri­ti­siert. Ein und die­selbe Logik. Man sieht kein Hacken­kreuz mehr auf der Straße, also ist man beru­hig. Obwohl die Dru­cke­reien im Kel­ler flei­ßig „Mein Kampf“ ver­brei­ten (wobei begeis­ter­ten Lesen die­ses Buches eh nicht mehr zu hel­fen ist). Der Schwarz­markt mun­ter die Wohn­zim­mer mit NS-Schmuckelementen füllt und in so man­chen Köp­fen das Hacken­kreuz nie ver­schwun­den war. Ich per­sön­lich habe kein Pro­blem damit, wenn jemand eine schwarze Sonne trägt. Ehr­lich gesagt ist es mir egal. Ein Hacken­kreuz oder eine Wolfs­an­gel in mei­nem Blick­feld eben­falls und Runen sowieso. Kann es mir jemand erklä­ren, völ­lig los­ge­löst von den schwach­sin­ni­gen Latri­ne­pa­ro­len des Natio­nal­so­zia­lis­mus, so ist deren Benut­zung für mich akzep­tiert. Ein Pro­blem habe ich damit, wenn mir jemand, völ­lig sym­bol­frei am Rever, sein ns-symbollastiges Den­ken auf­schwat­zen will. Ein sym­pa­thi­scher Holo­caust­leug­ner im Anzug ist näm­lich weit­aus gefähr­li­cher als ein Rudel dumpf­hirni­ger Neo­na­zisch­lä­ger mit ein­ge­stick­ter Reichs­kriegs­flagge am Rücken. Das dahin­ge­hende Den­ken gilt es aus­zu­mer­zen, nicht die Sym­bole. Schließ­lich lehrt uns die Gegen­wart, dass das eine nicht gleich­zei­tig das andere beinhal­ten muss. Davon ein­mal abge­se­hen machte ich die Beob­ach­tung, dass die Gesel­len, wel­che mit dem ns-lastigen Sym­bol beläs­ti­gen, zumeist zu blöd sind, um die­ses sach­ge­recht zu repro­du­zie­ren. Und dabei schon dazu bei­tra­gen diese Dinge zu par­odie­ren. Und darin liegt womög­lich auch die bes­sere Lösung. Wenn es die­ses Land end­lich ein­mal begrei­fen würde, dass es wert­vol­ler ist diese Sym­bole mit einem gesun­den Maß an Gleich­gül­tig­keit zu betrach­ten, anstatt diese noch immer so eif­rig in eine Dis­kus­sion der geschicht­li­chen Erb­last zu hül­len, so würde die­sen end­lich jeg­li­cher Reiz, jeg­li­che Macht zur Pro­vo­ka­tion und/oder Ver­herr­li­chung genom­men werden.

    Wie gesagt. Es soll die NS-Zeit nicht ver­herr­licht wer­den. Auch wenn das sich noch immer dar­über erei­fern wei­ter­hin zu zu gro­ßer Ver­herr­li­chung bei­trägt. Aber Geschichte bleibt nun ein­mal Geschichte. Rück­wir­kend kann kei­ner der armen Teu­fel geret­tet wer­den. Aber solange ich von diver­sen Kanz­le­rin­nen dazu genö­tigt wer­den bei der USA-Flagge in Jubel aus­zu­bre­chen, solange ver­stehe ich die Ver­ban­nung der Par­tei­flagge nicht. Denn unab­hän­gig von der exak­ten Aus­zäh­lung der Opfer blei­ben es beid­sei­tig die exakt glei­chen wehen­den Sym­bole staat­lich orga­ni­sier­ter Men­schen­ver­ach­ter.
    Davon ein­mal abge­se­hen, los­ge­löst von der poli­ti­schen Bedeu­tung besit­zen jene Sym­bole ein fas­zi­nie­ren­des Design. Die Aus­strah­lung wurde damals rein auf Anzie­hungs­kraft geformt und hat bis heute nichts davon ver­lo­ren. Aber wie gesagt: rein von der Gestal­tung her. Mag es als unfein oder naiv gel­ten, Sym­bole unab­hän­gig von jeg­li­cher Bedeu­tung anzu­se­hen, so muss ja den­noch nicht alles dem poli­tisch ori­en­tier­ten Inter­pre­ta­ti­ons­zwang zum Opfer fal­len. Manch­mal dient der Strich wirk­lich nur der Ästhe­tik und nicht der Bedeu­tung.
    Letzt­end­lich möchte ich hier dem Haupt­ar­gu­ment Recht geben: Nichts ist schlim­mer, als wenn daher­ge­lau­fene Dödel bedeu­tungs­träch­tige Sym­bole zum Mode­schmuck dekla­rie­ren. Denn diente doch der Schmuck seit Mensch­heits­ge­den­ken nicht der Zierte, son­dern der Aus­sage. Ein Punkt, den viele ver­ges­sen zu haben schie­nen. Ich weiß auch nicht, wo sol­che Gestal­ten ihr Ego her­neh­men, aber ich würde mich beim Schau­tra­gen von Ele­mente, deren Bedeu­tung ich mir unsi­cher bin, recht unwohl füh­len. Erst hin­ter­fra­gen, dann tra­gen. Denn ich bin bei­spiels­weise ein der­art unan­ge­neh­mer Zeit­ge­nosse, der schnell ein­mal das Thema auf den Schmuck lenkt und recht höh­nisch wer­den kann, wenn er hin­ter dem Tra­gen kei­nen Gedan­ken erkennt.

  5. Die Dis­kus­sion um die schwarze Sonne hab ich im WGT Forum mit ver­folgt, ansons­ten wäre mir da nichts auf­ge­fal­len — weder ich noch meine Bekann­ten zel­ten, haben daher auch keine der Obsor­ge­kar­ten in der Hand gehabt.

    Die Gründe die die Ver­ant­wort­li­chen hat­ten, die­ses Sym­bol zu ver­wen­den, hät­ten mich auch inter­es­siert, gerade weil das Thema »rechts« so ein Reiz­wort in der Szene ist und eigent­lich hätte klar sein müs­sen daß es ent­spre­chende Reak­tio­nen gibt. Ande­rer­seits fal­len die Reak­tio­nen auch gern mal unre­flek­tiert und über­trie­ben aus, des­we­gen sind sol­che Dis­kus­sio­nen schnell ner­vig. Umso ange­neh­mer finde ich den Arti­kel, da er gebüh­rend Kri­tik übt ohne sich im Radi­kal­kurs zu verrennen.

    Ich halte das Ver­wen­den von Sym­bo­len aus rei­nen Mode­zwe­cken auch für naiv und unpas­send, egal wel­cher Sym­bole man sich bedient. In dem spe­zi­el­len Fall ist es natür­lich beson­ders hei­kel. Daß immer mehr alter, heid­ni­scher Sym­bole von Rech­ten ein­ge­nom­men wer­den ist eine ärger­li­che Sache, da hier ein­fach Miß­brauch betrie­ben wird.

    Aber auch die Gegen­seite bekle­ckert sich nicht mit Ruhm wenn sie eigent­lich unver­fäng­li­che Sym­bo­lik man­gels Aus­ein­an­der­set­zung damit als Zur­schau­stel­lung Rech­ten Gedan­ken­gu­tes betrachten.

    Beson­ders nega­tiv sind mir in dem Zusam­men­hang die Vor­fälle am WGT 2007 in Erin­ne­rung. Beson­ders auch aus dem Grund weil ich bei dem Kon­zert, vor dem sich die Antifa auf­ge­stellt hatte und Besu­cher regel­recht beläs­tigt hat, selbst gewe­sen bin. Eine Freun­din die spä­ter dran war hat per SMS noch rüber­ge­funkt daß da Leute ange­pö­belt wer­den, wobei ich mir noch nicht allzu viel gedacht hatte, spä­ter stellte sich raus daß Leute die irgend­wel­che Runen an Schmuck oder Klei­dung hat­ten erst ange­macht wur­den, dann ging man dazu über Bands­hirts, die für die Antifa-Herrschaften vor Ort für schlecht befun­den wur­den, den Trä­gern vom Kör­per zu rei­ßen. Bei Indy­me­dia tauchte ein haar­sträu­ben­der Text auf, bei dem die Band »Storm­fa­gel« die eben bei die­sem Kon­zert mit dabei war, wegen dem Namen gleich mal als rechts­ex­treme Gruppe abge­stem­pelt wurde. Mal nach­schauen was die für eine Musik machen — unwich­tig, der Name sagt ja alles — beson­ders wenn man ihn dann auch falsch übersetzt.

    Ich hab eini­ges davon erst im Nach­hin­ein mit­be­kom­men, ich war wohl schon drin bevor die »nette« Gruppe auf­tauchte, und als ich raus wollte war da gene­rell so viel Mensch daß ich geschaut hab Land zu gewin­nen — mit weni­ger hoher Men­schen­dichte. Im Nach­hin­ein hab ich auch einen argen Schre­cken bekom­men, da man offen­bar ab einem gewis­sen Punkt sogar Samt­lap­pen im Visier hatte, ohne sich noch groß an Sym­bo­len zu ori­en­tie­ren deren rechte Bedeu­tung mühw­sam an den Haa­ren her­bei­ge­zo­gen wurde. Immer­hin war ich auch allein unter­wegs an dem Tag. Und dann gab es auch noch die Sache mit dem Ziegelstein …

    Irgend­wann tauchte dann noch ein Text auf, in dem die unglaub­li­che Theo­rie auf­ge­stellt wurde, daß die Lieb­ha­ber von his­to­ri­schen Gewän­dern inner­halb der Szene, durch ihre Hin­wen­dung zu alten Epo­chen auto­ma­tisch auch für so alt­mo­di­sche Ideo­lo­gien wie die Rechte anfäl­lig sind und daher eh latente Nazis sind.
    … also da hats nicht nur mir die Schuhe ausgezogen.

    Ich mag auch Sachen wie Neo­folk und Mili­tary Pop, bin aber poli­tisch so unin­ter­es­siert daß man das schon wie­der kri­ti­sie­ren könnte ;)
    Natür­lich gibt es gerade in die­sen Musik­sti­len schwarze Schafe, da muss man sich aber auch die Mühe machen sich näher damit zu befas­sen, es gibt Bands aus die­sem Genre die ich auch gar­nicht abkann. Ein eben­falls nega­ti­ver Umstand ist daß auch unpo­li­ti­sche Bands durch ihr Auf­tre­ten oder die The­men die sie ver­ar­bei­ten, rechts gesinn­tes Publi­kum anzie­hen, und so in Ver­ruf kom­men. Da kommt halt viel auf ein­mal zusam­men das das Kraut fett macht …

    Ich kenne halt auch Aus­sa­gen wie »du weißt aber schon daß das ne rechte Band ist?« wenn ich mir ein Neo­folk Kon­zert anse­hen möchte, und der Satz kommt dann eh von Leu­ten die nach­bab­beln was sie mal wo auf­ge­schnappt haben, daher bin ich da etwas sensibel.

    Man sollte die­ses dunkle Kapi­tel der Geschichte nicht tot­schwei­gen, da stimme ich auch zu. Aber auch andere Natio­nen haben in ihrer Geschichte mas­sig Dreck am Stecken …

    Zu oben genann­ten Vor­komm­nis­sen: ich such mal bei Inter­esse die Links aus dem Netz raus, ich muss da aber auch erst wie­der nachgraben.

  6. Diese dama­lige WGT-Aktion, auch wenn das jetzt etwas am Thema vor­bei­geht, war wirk­lich ein Mus­ter­bei­spiel. Bis dato ver­hielt ich mich zu die­sen Antifa-Aktionen noch recht neu­tral, da ich vor lan­ger Zeit selbst ein­mal mit die­sem Volk sym­pa­thi­sierte. Aber seit jenem WGT 2007 haben die es für mich ver­schis­sen. Und es war mir dahin­ge­hend auch egal, dass diese Hohl­bir­nen intern von alt­ge­dien­ten Anti­fas zusam­men­ge­schis­sen wur­den. Es war mir auch egal, dass sich diese dafür ent­schul­di­gen. Denn wenn die­ser unor­ga­ni­sierte Hau­fen anschei­nend nichts mehr zusam­men­be­kommt als die inner­städ­ti­schen Haus­wände mit Paro­len zu beschmie­ren und sogar auf die „eige­nen Leute“ los­geht, dann hört der Friede auf. Zudem ist der­ar­tige Gewalt und Anpö­be­lei wirk­lich das erbärm­lichste Mit­tel für die Inter­es­sen­durch­set­zung.
    Ich weiß nicht, wo die damals noch rum­spuk­ten. Ich durfte jeden­falls am Werk II die Men­ta­li­tät des heu­ti­gen Links­ra­di­ka­len erle­ben. Und seit­dem ist mir die­ser Pöbel ebenso ange­nehm wie die braune Brut. Denn poli­ti­sche Radi­ka­li­tät scheint pau­schal ein Indiz für mas­si­ven Den­krück­gang zu sein. Dazu star­tete ich übri­gens auf einer ande­ren Platt­form vor vie­len Mon­den ein Thread …an des­sen Ende befin­det sich auch eine Ver­knüp­fung zu der spä­te­ren Dis­kus­sion bei indy­me­dia, wel­che ich mit stei­gen­der Belus­ti­gung ver­folgte. Aber ich schätze, dass so etwas vor­kommt, wenn man das Hirn nicht zum den­ken son­dern zum weg­sau­fen und das Maul­werk nicht zum hin­ter­fra­gen, son­dern zum paro­le­brül­len benutzt. Denn wie sagt man so schön: „Wer zu weit links steht kommt recht wie­der raus“ Ich hoffe jeden­falls, dass diese Aktion den letz­ten ver­nunft­be­gab­ten Anti­fas die Augen öffnete.

    Jeden­falls fühle ich mich eben­falls im Neo­folk und Mili­tary Pop zuhause und kann ehr­lich gesagt als das Geschwätz dar­über nicht mehr hören. Zudem belei­digt es auch in gewis­ser Hin­sicht den Intel­lekt. Denn es wird einem offen­bar nicht zuge­traut, dass man musi­zie­rende Rechts­den­ker inner­halb die­ser Sparte erken­nen kann. Nun gut, viel­leicht kann das so ein anstands-iro-tragender Aldi­bier­rülps nicht ver­ste­hen, weil er es sich sel­ber erklä­ren las­sen muss. Aber man­che sind wirk­lich dazu fähig, braune schwarze Schafe her­aus­zu­fil­tern und rechts lie­gen zu las­sen. Das ändert aber nichts an der Tat­sa­che, dass diese Musik im Grund­ge­dan­ken eine rein unpo­li­ti­sche Ästhe­tik wider­spie­gelt. Und ich kann ver­ste­hen wenn es man­che Inter­pre­ten ein­fach leid sind, sich andau­ernd erklä­ren und recht­fer­ti­gen zu müs­sen. Ich selbst würde dann sel­ber auf stur schal­ten oder mich zum Sar­kas­mus hin­rei­ßen lassen.

    Zumal es ja nicht nur die Sym­bo­lik ist, die sol­chen Gestal­ten bit­ter auf­stoßt. Es reicht ja schon, wenn man nicht rum­rennt wie der letzte Punk, um Skep­sis zu ern­ten. Ich brau­che dazu keine schwarze Sonne. Nicht ein­mal Runen. Ich schaffe das auch wenn mein Gür­tel eine ganz neu­trale Kop­pel besitzt. Mein Hemd in der Hose steckt, anstatt läs­sig rum­zu­flat­tern. Wenn ein Bin­der den obers­ten geschlos­se­nen Knopf abdeckt, anstatt dass diese leger offen steht. Und mein Schuh­werk im Som­mer nicht als Flip­flop zu erken­nen ist, son­dern das Abbild ergibt, dass der geneigte Bür­ger fälsch­li­cher Weise als „Sprin­ger“ zu erken­nen glaubt. Somit diene ich schon allein als wan­delnde Ein­mann­sym­bo­lik. Sämt­li­che Ele­mente sind neu­tral, gesell­schaft­lich aner­kannt und in gewis­ser Hin­sicht sogar sti­lis­tisch hoch­wer­tig. ;) Aber kei­ner erkennt das Schwarz als schick an, son­dern sieht es nur im Braun­ton. Da jeder nur das sieht, was er sehen will.

  7. Die dama­lige WGT-Aktion finde ich bis heute inter­es­sant: Wie schafft es ein Hau­fen bier­doo­fer Punks beim WGT vor einer Kon­zert­halle Leute aus der schwar­zen Szene anzu­ma­chen ohne die nächs­ten zwei Wochen mit dem Suchen ihrer Zähne zuzu­brin­gen? Die dama­lige Dis­kus­sion im WGT-Forum hat mir dann einen leich­ten Schim­mer davon gege­ben: Die eine Hälfte der schwar­zen Szene hält die andere Hälfte schein­bar für brau­nen Abfall der gern von ein paar Hohl­bir­nen auf die Nase bekom­men darf. Waren ja auch fast nur Leute in SS-Uniform unter­wegs auf dem dama­li­gen WGT (zuge­ge­ben, ich habe ein paar Uni­for­men gese­hen, die waren aber dann doch eher an die Rus­sen ange­lehnt, immer­hin hat damals dann einer ganz stolz ein Foto raus­ge­kramt auf dem ein Nie­der­län­der in SS-Uniform zu sehen war).

    Ich muss ganz ehr­lich sagen, dass mir unter ande­rem diese Dis­kus­sion damals den Ruck raus aus der Szene gege­ben hat. Mir ist noch immer schlei­er­haft, wie eine Szene sich als unpo­li­tisch bezeich­nen kann, dann aber mal in die­ses oder in jenes Extrem schlägt nur um im nächs­ten Moment die Anhän­ger die sich in die fal­sche Rich­tung leh­nen in Grund und Boden zu kri­ti­sie­ren. Da ist es auf der einen Seite okay, wenn Bands wie Welle:Erdball oder Nacht­mahr mit der Haken­kreu­z­arm­binde rum­spie­len, wenn aber ein Mittelalter-Freak eine Sig-Rune um den Hals hän­gen hat, dann darf man ihn aus­schlie­ßen und Bei­fall klat­schen, wenn ein paar Anifa-Klappspaten ihm auf die Wikin­ger­rübe haun.

    Ich muss ganz ehr­lich sagen, dass ich mit die­sem Links­drall der Szene ein ziem­li­ches Pro­blem habe (hatte) und eigent­lich Poli­tik nicht als Drei-Schubladen-System (Links / Rechts / Doof weil unpo­li­tisch) sehe son­dern es doch viel mehr um ein ent­spre­chen­des Thema geht. Es mag zu weit für die­sen Bei­trag gehen, Robert möge mir ver­zei­hen, aber ist es nicht auch all­ge­mein so, dass man schon den Nazi-Stempel auf der Stirn hat, wenn man Kri­tik am Asyl­recht oder dem Ver­hal­ten von Migran­ten etc. übt? Oft reicht es doch schon, wenn man NICHT sagt, dass man einen dicken Hau­fen auf Deutsch­land setzt und ja viel lie­ber in USA/Schweden/Norwegen/Frankreich/Sonstwo leben würde?

    Im Grunde ist das Thema doch zu unsin­nig um dis­ku­tiert zu wer­den. Mir ist lie­ber einer brennt sich ein dickes Haken­kreuz in die Stirn als dass er im Desi­gne­r­an­zug nen Migran­ten zu Brei schlägt. Und darum geht es im Grunde doch: Gewalt! Sym­bole scha­den kei­nem, egal ob es eine Haken­kreuz oder ein Davids­stern ist, egal ob er getra­gen wird weil es »cool« ist oder weil man die ent­spre­chen­den Hin­ter­gründe hat. Das Pro­blem an der Sache sind die, die drauf­schla­gen weil jemand ein sol­ches Sym­bol trägt oder der wegen einer Ideo­lo­gie die mit einem Sym­bol ver­knüpft ist ande­ren mit Gewalt begegnet.

  8. Ich kann mich dir nur ganz betont anschlie­ßen, was das freie und per­sön­li­che Inter­pre­tie­ren eines Sym­bols angeht. Man MUSS sich ein­fach mit der Viel­falt an mög­li­chen Bedeu­tun­gen aus­ein­an­der­ge­setzt haben, bevor man sich mit etwas schmückt, denn eine davon wird es sein, die die Men­schen damit aso­zi­ie­ren, wenn sie einen so etwas tra­gen sehen.

    Ich per­sön­lich habe gerade an kon­tro­ver­sen Sym­bo­len ein ganz beson­de­res Inter­esse. Es ist ein­fach immer inter­es­sant zu sehen, wie vor­be­las­te­ten die Men­schen sein kön­nen, und wie über­rascht dann widerum, wenn sie einen Blick hin­ter die Cli­chees werfen.

    Aber auch das ver­meint­li­che Wis­sen von »Auf­ge­klär­ten« ist oft ziem­lich fest­ge­fah­ren und kennt nur einen Fokus, den sie Populär-Quelle XYZ ent­nom­men haben.
    Z.B. das Pen­ta­gram: Dass wir es hier mit nichts bösem zu tun haben ist ja heute den meis­ten klar, aber gerade in schwar­zen Krei­sen hört man dann doch immer wie­der, es sei ein Schutz­sym­bol, weil man es irgendwo im Inter­net mal auf­ge­schnappt hat (das stimmt ja auch, ist aber doch immer in einem kul­tu­rel­len und zeit­li­chen Kon­text zu betrach­ten). Und auch inter­es­sant, wie viele Leute auf ein­mal argu­men­tie­ren, es sei ein Sym­bol für Venus (man hat das natür­lich nicht ein­fach ohne Hin­ter­fra­gen aus Dan Browns Roma­nen ent­nom­men, nein nein…).

    Dass das »umge­drehte« Pen­ta­gramm aber den­noch eine Erfin­dung der »Sata­nis­ten« sei, liest man aber immer noch häu­fig, teils sogar sei­tens der Kir­che… Als hätte das Umdre­hen eines Sym­bols jemals das Inver­tie­ren der damit sym­bo­li­sier­ten Werte ange­zeigt (siehe Petrus­kreuz).
    Sol­che Annah­men kom­men­tiere ich immer gerne mit einem Bild der Markt­kir­che in Han­no­ver:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9b/Marktkirche_St._Georgii_et_Jacobi.jpg

    Mein per­sön­li­ches Inter­esse gilt aber ganz beson­ders der Swas­tika, die ich für ein optisch aus­ge­spro­chen schö­nes Sym­bol halte. Du hast 100%ig recht, es ist den Nazis gelun­gen, im Hand­um­dre­hen das Sym­bol ver­mut­lich für immer zu ver­der­ben, aber gerade des­halb werde ich auch nicht müde, den Leu­ten zu zei­gen, wel­che Fülle an (aus­schließ­lich äußerst posi­ti­ven!) Bedeu­tun­gen die Men­schen der Swas­tika zu ver­schie­de­nen Zei­ten und an ver­schie­de­nen Orten zuge­mes­sen haben.
    Zum einen, weil ich es ein­fach extrem schade fände, wenn es auf immer und ewig gebrannt­markt bliebe (dafür ist es auch heute noch vie­len Men­schen, wie etwa Bud­dhis­ten, viel zu wich­tig). Und zum andern auch, um dem Sym­bol durch das Ent­mys­ti­fi­zie­ren etwas von sei­ner Kraft (in den Köp­fen der Men­schen) zu neh­men. Wenn man ein Sym­bol immer ver­teu­felt und tabui­siert, dann muss man sich nicht wun­dern, wenn hohle Pseudo-Nazis (ja, in der Regel »Pseudo-«, nicht­ein­mal »Neo-«) auch in 100 Jah­ren noch Spaß daran haben, es an Wände zu schmie­ren und Leute damit zu scho­ckie­ren.
    Und außer­dem macht es auch ein­fach Spaß, den brau­nen Dumpf­bir­nen unter die Nase zu rei­ben, dass ihr komi­scher Füh­rer sogar bei ihrem Lieb­lings­sym­bol wie­der ein­mal über­haupt nichts ori­gi­nä­res voll­bracht, son­dern wie­der ein­mal nur alten Kram abge­kup­fert hat (Muss doch frus­trie­rend für so einen Zementschä­del sein, zu sehen, dass »Neger« und »India­ner« schon viel frü­her Haken­kreuze benutzt haben).

    Aber zurück zum eigent­li­chen Thema:
    Wenn ich so ein dümm­li­ches Gela­ber von ver­meint­li­chen »ger­ma­ni­schen« Sym­bolb­e­deu­tun­gen wie »inne­res Licht« und wei­te­ren Bull­s­hit lese kommt mir echt die Galle hoch. Nicht nur, weil es völ­lig unhalt­ba­rer unhis­to­ri­scher Blöd­sinn ist (»die Ger­ma­nen« hat­ten in ihrer heid­ni­schen Zeit noch keine Schrift­kul­tur und daher wis­sen wir quasi nichts über dama­lige Sym­bo­lik), son­dern weil es genau wie der pseudo-wissenschaftliche romantisch-verkitschte Bock­mist klingt, den Leute wie Guido von List und andere selbst ernannte Wis­sen­schaft­ler und Ras­sen­theo­re­ti­ker im 19. und frü­hen 20. Jahr­hun­dert ver­zapft haben.
    Kurzum: Ein sol­ches Schön­fa­seln klingt selbst noch deut­lich brau­ner, als es den Leu­ten offen­bar bewusst ist.

  9. @Guldhan: Ich denke, das man hier auch nicht pau­scha­li­sie­ren kann. Ich möchte mit mei­nem Arti­kel errei­chen, das viel­leicht eine Min­der­heit der Men­schen (die die­sen über­haupt liest) sich kri­tisch mit dem Aus­ein­an­der­set­zen, mit dem sie sich schmü­cken. Ich habe nichts gegen Sym­bo­lik aus wel­cher Epo­che auch immer, aus der Zeit der Ger­ma­nen oder der Zeit des Nazi-Regimes. Der Umgang damit setzt aber, wie du bereits fest­stellst, einen gewis­sen Intel­lekt vor­aus, den ich lei­der nur bei einem Bruch­teil der Trä­ger aus­ma­chen kann.

    Hier sind auch die Künst­ler in der Pflicht, die sich gerade im Neo­folk The­ma­tisch dort bewe­gen. Seien es Sol Invic­tus, Death in June oder auch Kir­lian Camera, ich schätze den Umgang mit die­ser The­ma­tik, doch lei­der geben die Künst­ler dar­über hin­aus oft kein gutes Bild ab und hül­len sich in Bedeu­tungs­schwan­gere Texte anstatt grund­sätz­lich Stel­lung zu bezie­hen. Ent­we­der sind sie es leid dar­über zu reden, oder ihnen fehlt die Akzep­tanz, das auch leich­ter zu beein­flus­sende Men­schen ihre Musik hören.

    Ich teile deine Mei­nung, das Extreme Aktio­nen jeder Rich­tung, die auf Gewalt basie­ren nutz­los und kon­tra­pro­duk­tiv sind. Doch ohne Pro­test keine not­wen­dige Sen­si­bi­li­tät, oder?

    @Rosa: Es geht mir auch nicht um Poli­ti­sie­rung einer unpo­li­ti­schen Szene. Eigent­lich geht es mir darum, das auch so zu bewah­ren. Denn durch den leicht­fer­ti­gen Umgang mit Sym­bo­len, die man der Pro­vo­ka­tion wegen trägt, ohne wirk­lich zu wis­sen was dahin­ter­steckt, begüns­tigt doch eine Poli­ti­sie­rung mei­ner Mei­nung nach. Warum also die schwarze Sonne in Form des Zei­chens der Wevels­burg nut­zen, wenn eine schwarze Sonne als Sonne selbst die glei­che alchi­mis­ti­sche Bedeu­tung hat? Ging es der Gothic-Szene nicht immer schon um eine Pro­vo­ka­tion im Ästhe­ti­schen Sinne?

    Auch ich mag Neo­folk (Military-Pop weni­ger) in all sei­nen Facet­ten und sehe ihn als Berei­che­rung des Musi­ka­li­schen Ober­be­griffs »Gothic«. Ich finde es gut wenn sich die Künst­ler mir bri­san­ten The­ma­ti­ken Aus­ein­an­der­set­zen und dar­über das Publi­kum zum den­ken anre­gen. Den Pro­fit­ori­en­tier­ten »Industrial«-Produktionen ist es zu ver­dan­ken, das aus Uni­form, Nazi­sym­bo­lik und dem ein­bin­den Mili­tä­ri­scher Reden ein Mit­tel gewor­den ist, mög­lichst schlechte Musik in den Fokus der Öffent­lich­keit zu rücken. Das kotzt mich an. Mir wird schlecht von dem gan­zen Mist den man­chen Acts auf der Bühne reprä­sen­tie­ren. Aber das nur am Rande :)

    @Thomas: Ich ver­zeihe Dir :) Du stehst zu dei­ner Mei­nung und das ist auch gut so. Es muss nicht immer mei­ner Mei­nung sein, aber auch das ist gut so. Migra­ti­ons­po­li­tik und Asyl­recht sind nicht meine Fach­ge­biete und wer­den mei­ner Mei­nung nach in Deutsch­land über­stra­pa­ziert. Das dies dann Nähr­bo­den für Par­teien am rech­ten Spek­trum ist, scheint unaus­weich­lich. Auch wenn für Dich eine Dis­kus­sion unsin­nig erscheint, für mich ist es gerade das, was uns von der Gewalt fern­hält. Denn wenn die Argu­mente aus­ge­hen, die Bereit­wil­lig­keit zu Dis­kus­sion ver­sagt, man »Müde« wird dar­über zu reden, ist eine andere Form der Mei­nungs­äu­ße­rung nicht weit, oder?

    Gewalt und Aggres­sion aus der Gesell­schaft zu ent­fer­nen ist wohl das schwie­rigs­ten Unter­fan­gen über­haupt. Mei­ner Mei­nung ist jeder Mensch im Grunde gewalt­be­reit, das liegt wohl in unse­rer Natur. Indi­vi­du­ell ist die Schwelle der eige­nen Kon­trolle. Es ist doch wich­tig für die Aggres­sion ein Ven­til zu eröff­nen das ohne Gewalt gegen­über ande­ren aus­kommt. Ich ver­mute ja, das deine Art zu schrei­ben eine Art Ven­til für Dich ist, mit dem du Frust und Aggres­sion abbaust. Aber gut, das ist nur einer Vermutung.

    @Karnstein: Sym­bole stan­den schon immer im Wan­del der Zeit. Wäh­rend für die meis­ten popu­lä­ren Bedeu­tun­gen die Kir­che ver­ant­wort­lich ist, wurde durch den Buch­druck erst­mals die Mög­lich­keit gege­ben ande­res Gedan­ken­gut zu ver­brei­ten und fest­zu­hal­ten. Und das wurde glück­li­cher­weise aus­gie­big benutzt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Bedeu­tung eines Sym­bols immer wie­der, weil sie durch Insti­tu­tio­nen, Reli­gio­nen oder Gesell­schaf­ten über­nom­men wer­den um in einem neuen Kon­text zu erstrah­len. Das Pen­ta­gramm ist ein sehr gutes Bei­spiel. Die Viel­fäl­tig­keit sei­ner Bedeu­tung scheint enorm.

    Der Dru­den­fuß auf der Kir­che ist ein schö­nes Bei­spiel. Es wurde wegen einer bestimm­ten Bedeu­tung dort ange­bracht, andere Bedeu­tun­gen wur­den nicht berück­sich­tigt. Swastika’s geht es genauso, viel­leicht gehört die Ver­wen­dung durch die Nazi’s in 200 Jah­ren nur noch zum Wis­sen eines Lexi­konein­trags. Solange dem aber nicht so ist, sollte man sich der zumin­des­tens hier­zu­lande bri­san­ten Bedeu­tung bewusst sein nicht den blau­äu­gi­gen spie­len, wenn die Wir­kung dar­auf kon­tro­vers erscheint.

  10. Zu Karn­stein:

    […]Mein per­sön­li­ches Inter­esse gilt aber ganz beson­ders der Swas­tika, die ich für ein optisch aus­ge­spro­chen schö­nes Sym­bol halte.[…]

    Dies ist auch ein Punkt, den ich ver­trete. Vor eini­ger Zeit unter­hielt ich mich mit einem Freund über das Thema Reich­sad­ler und wir kamen beide zu dem Schluss, dass das Deutsch­fe­der­vieh jener Epo­che wirk­lich am sti­lis­tisch ein­drucks­volls­ten wirkt. Zumin­dest wenn man es im Ver­gleich zu den ande­ren Wap­pe­nad­lern sieht. Wie eben dem des ers­ten Rei­ches, des deut­schen Bun­des, der Wei­ma­rer Repu­blik, der BRD und vom heu­ti­gen Gesamt­deutsch­land. Platz 2 wäre für mich noch der BRD-Adler der 70´er Jahre. Aber der Reich­sad­ler sticht her­vor und besitzt eine eigene Anzie­hungs­kraft. Ins­ge­samt ist die Fas­zi­na­tion der NS-Symbolik dahin­ge­hend leicht zu erklä­ren. Denn zum einen ist sie bes­tes Mit­tel zur Skan­dal­bil­dung und bes­ter Aus­druck für den trau­ri­gen Glau­ben an die dama­li­gen Schrif­ten. Aber zum ande­ren wur­den die Sym­bole zur dama­li­gen Zeit auf Mas­sen­wirk­sam­keit und Wir­kung hin zweck­ent­frem­det bzw. erdacht. Ein­mal alle sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen Argu­mente aus­ge­klam­mert war das 3. Reich auch eine Hoch­burg der Selbst­in­sze­nie­rung. Bis zum kleins­ten Detail auf die dama­lige Men­ta­li­tät hin ange­passt und auf eine erfolg­rei­che Gleich­schal­tung hin kon­zep­tio­niert und cho­reo­gra­phiert. Somit ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Sym­bole noch heute eine gel­tende Macht und Anzie­hung besit­zen. Jener neu­mo­di­scher Hum­bug wie bei­spiels­weise die Codes aus Zah­len und Buch­sta­ben, wel­che von der Bedeu­tung her den­sel­ben Glau­bens­in­halt sym­bo­li­sie­ren, las­sen den geneig­ten Bür­ger rela­tiv kalt. So ist der Hit­ler­gruß noch immer auf­se­hen­ser­re­gen­der als die 88.
    Ich bin jeden­falls froh, dass der Bun­des­ver­fas­sungs­schutz sein Grif­fel von der Wolfs­an­gel, dem Kel­ten­kreuz, dem Tris­kele bzw. Tomoe gelas­sen hat. Denn bei einem Pau­schal­ver­bot die­ser Sym­bole wäre ich echt sauer gewesen.

    Zu Robert:

    […]Ent­we­der sind sie es leid dar­über zu reden, oder ihnen fehlt die Akzep­tanz, das auch leich­ter zu beein­flus­sende Men­schen ihre Musik hören. […]

    Was die Inter­pre­ten angeht so kann auch ich nicht in deren Köpfe schauen, aber mög­lich wären alle von dir ange­brach­ten Aspekte. Diese Sache ist nur die, dass selbst sämt­li­che Stel­lung­nahme nichts hilft. Beste Bei­spiel dafür sind Feind­flug. In jeder Hülle pran­gert deren Stan­dard­text der Kon­zept­er­klä­rung. In jedem zwei­ten Inter­view wird sich dis­tan­ziert, erklärt und gerecht­fer­tig, die Titel­na­men spre­chen im Prin­zip schon eine deut­li­che Spra­che und sie neh­men an Dis­kus­sio­nen gegen Rechts teil. Den­noch bleibt die­ses hin­sicht­lich der brei­ten Mas­sen wir­kungs­los. Sowie man Namen, The­men und Auf­tre­ten nicht völ­lig inter­pre­ta­ti­ons­frei gestal­tet, hat man hier zu Lande wohl keine Chan­cen. Zumin­dest solange man sich nicht „Nazis raus“ auf die Stirn täto­wiert und das zer­schla­gene Hacken­kreuz auf den Hin­tern brennt. Eine semi­per­me­able Mem­bran im Den­ken des Durch­schnitt­deut­schen, wel­che zwar die ver­däch­tig rechts­wir­kende Infor­ma­tion unge­hin­dert durch­lässt, gar ver­stärkt, alle ande­ren Infor­ma­tio­nen aber abblockt. Es prallt vom Kopf ab, fällt zu Boden und wird beim nächs­ten Ver­bal­vor­marsch tie­fer in die Erde getreten…als wenn es nie dage­we­sen wäre.
    Oder Kir­lian Camera; so habe ich von denen bzw. von Angelo Berg­a­mini auch ab und zu Stel­lung­nah­men gefun­den. Aller­dings muss man bei denen, gegen­über Feind­flug, schon etwas suchen. Davon ein­mal abge­se­hen, wel­cher braune Inter­pret rezi­tiert in sei­nen Titeln gerne und offen­kun­dig beschö­ni­gend Texte jüdi­scher Auto­ren. Jeden­falls finde ich, dass sich Kunst nur dann erklä­ren muss, wenn sie zu Recht beschul­digt wer­den kann. Aber nur des Ver­dach­tes wegen ist es albern, da dabei der Kunst­ge­danke getre­ten wird. Kunst darf pro­vo­zie­ren, pola­ri­sie­ren und Kunst darf sich inter­pre­tie­ren las­sen. Kunst sollte einen nie­mals bei der Hand neh­men und in den ste­ri­len Gang der Erleuch­tung zer­ren. Und wenn es man­chen Inter­pre­ten ein­fach egal ist, dass sie auch in poli­ti­schen Gefil­den bemerkt wur­den, so ist das solange zu akzep­tie­ren, wie die Inter­pre­ten die­ses nicht bewusst ver­stär­ken. Bes­tes Bei­spiel hier­für wäre Orplid. Auch beschimpft, da sich diese auf rech­ten Liedsammel-CDs befan­den und bei der Hörer­schaft aus Kame­ra­den auf reges Gehör stie­ßen. Oplid äußerte dage­gen kurz sei­nen Unmut und dann war es gut. Denn diese ver­ste­hen sich als unpo­li­tisch und somit ist es denen, kon­se­quen­ter weiße, egal. Und solange ich bei den Inter­pre­ten weder in Tex­ten noch in Aus­sa­gen brau­nes Gedan­ken­gut finde, bin ich fried­lich. Gegen­über manch ande­ren, bei denen ganz andere Asso­zia­tio­nen durch den Kopf geis­tern. So ist jeder, der nicht gegen Rechts wet­tert auto­ma­tisch Sym­pa­thi­sant. Ein Den­ken, dass allzu sel­ten selbst Kri­tik ern­tet. Da doch Sym­pa­thie und Gleich­gül­tig­keit einen gewis­sen Unter­schied dar­stel­len.
    Ebenso der Kopf von Trai­rii, der mit dem nett wir­ken­den Satz alles und nichts als Stel­lung­nahme sagte: “Art is never only left or right, nor is it only black or white. Life is not that sim­ple.”
    Anders zum Bei­spiel bei Death in June. Auf der einen Seite sym­pa­thi­siert er mit dem Schwein­chen Dick in SA-Uniform und eckt auch so ab und zu an. Auf der ande­ren Seite unter­nimmt er auch eini­ges dafür, um sich gegen sei­nen Ruf zu stel­len. Was soll man also den­ken? Am bes­ten nichts. Wird rech­tes Gedan­ken­gut über die Musik (ver­herr­li­chend) über­tra­gen, so ist die­ser Inter­pret zu kri­ti­sie­ren und mund­tot zu machen. Ist dem nicht der Fall und hält der Inter­pret auch so den Mund, so kann er den­ken was er will. Meine Mei­nung. Es ist jeden­falls eine Schande, dass von man­chen Schrei­bern und Medien Bands auf­grund des unüber­leg­ten Ver­dach­tes wegen ebenso behan­delt wer­den wie ehr­lich brau­nes Dreck­s­pack à la Frank Ren­ni­cke. Nur das letz­te­rem der Spieß­ru­ten­lauf zu Recht trifft.

    […]Doch ohne Pro­test keine not­wen­dige Sen­si­bi­li­tät, oder?[…]

    Natür­lich ver­ebbt jeder Kri­tik­punkt ohne Pro­test. Und ich will auch den Pro­test als sol­chen nicht unter­bin­den. Ganz im Gegen­teil. Denn ein gekonn­ter Pro­test ist das ein­zige Mit­tel, um eine Gesell­schaft vor ihrer Ent­glei­sung zu bewah­ren. Oder seine Rechte ein­zu­for­dern. Aber was für Pro­teste gibt es denn noch? Die letz­ten wirk­lich maß­geb­li­chen und gedenk­wür­di­gen waren im Novem­ber 1918 bzw. 1989. Und zu wel­chem Resul­tat; wenn man das letz­tere Datum ein­mal her­nimmt. Noch heute wird in zu vie­len Köp­fen zwi­schen bei­den Him­mel­sphä­ren getrennt. Ich glaube, das deut­sche Volk ist nicht mehr pro­test­fä­hig. Es wer­den große Stamms­ti­sch­re­den geschwun­gen, aber es pas­siert nichts. Ent­we­der wird nur Rasen platt­ge­tre­ten oder die Red­ner die­nen als Allein­un­ter­hal­ter oder der Pro­test wird zum Bolz­platz der Grob­schläch­ti­gen. Alles dreies bil­det aber keine Grund­lage für Pro­teste zur Sen­si­bi­li­sung. Ein­fach nur Grund­lage zum kur­zen Fru­st­ab­las­sen und sich toll­füh­len. Sowie ein Pro­test zu sinn­lo­ser Gewalt aus­ar­tet, sowie ein Pro­test ohne dazu­ge­hö­ri­ges Hin­ter­grund­wis­sen und Dif­fe­ren­zie­rung ins Leben geru­fen wird und sowie er die Bot­schaft falsch ver­packt, wird die­ser nichts wert sein. Und diverse Aktio­nen der letz­ten Jahr­zehnte bewei­sen dieses.

  11. Kurz zurück zum Thema. Wie ich gerade erfuhr schaffte es der Ver­an­stal­ter seit einem Jahr noch nicht eine gelun­gene Stel­lung­nahme abzu­ge­ben. Was defi­ni­tiv der schwer­wie­gendste Feh­ler sein wird. Denn wenn man schon „unacht­sam genug war“ ein wirk­lich NS-lastiges Sym­bol zu nut­zen –denn wie Robert schon schrieb geht diese Art der Dar­stel­lung allein auf die Wewels­burg zurück– dann sollte man nicht auch noch Feh­ler Num­mer 2 bege­hen und sich in Schwei­gen hül­len.
    Es wäre ein­mal inter­es­sant zu sehen wel­che Kreise die­ses even­tu­ell für das WGT nach­sich­zie­hen würde. Oder ob es in ein paar Jah­ren nur noch als Faux­pas in der Erin­ne­rung verstaubt.

  12. Ich will nicht hof­fen das es als Erin­ne­rung ver­blasst, schließ­lich erlangte das Thema ja neu­er­li­che Aktua­li­tät. Zum Pro­test von 89: Ich denke das war auch eine jah­re­lan­gen, schwe­lende Ent­wick­lung bei dem sich unheim­lich viele Men­schen einig waren. Heute ist Einig­keit nur noch eine Phrase aus der Natio­nal­hymne, die am ech­ten Leben weit vor­bei­geht. Die Poli­tik lebt vor, wie man ein gan­zes Land durch interne Zan­ke­reien kon­se­quent igno­riert. Hier wird auch immer nur geme­ckert anstatt gehan­delt und die bra­ven Bür­ger tun es ihnen gleich.
    Ich halte daher die These, das die Deut­schen nicht mehr Pro­test­fä­hig sind für frag­wür­dig, denn bis­lang gab es nicht wirk­lich etwas, was eben diese Einig­keit erzeugt.

  13. »Ich bin jeden­falls froh, dass der Bun­des­ver­fas­sungs­schutz sein Grif­fel von der Wolfs­an­gel, dem Kel­ten­kreuz, dem Tris­kele bzw. Tomoe gelas­sen hat. Denn bei einem Pau­schal­ver­bot die­ser Sym­bole wäre ich echt sauer gewesen.«

    Oh, das auf jeden Fall. Ich per­sön­lich würde mich dann ver­mut­lich sogar straf­bar machen mit mei­nem Triskelion-Tattoo :)

  14. Das Täto­wie­ren ist nach mei­nen Infor­ma­tio­nen auch nicht straf­bar, son­dern nur das öffent­li­che prä­sen­tie­ren. Das Tris­ke­lion wird sicher­lich nicht ver­bo­ten wer­den, viel­leicht in eine der Nazi­fi­zier­ten Abwand­lun­gen. Wer weiß was die Zukunft bringt, in der Ver­gan­gen­heit wärst du sicher­lich mit dei­nem Haut­bild sicher­lich auf­ge­fal­len und hät­test dir je nach Kul­tur­kreis eine Menge Respekt verdient ;)

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Trackbacks

  1. bauernhof schreibt:

    Leicht­fer­ti­ger Umgang mit Sym­bo­len rech­ter Ideo­lo­gien – Spon­tis Web­log: Ein Track­back zu fol­gen­dem Bei­trag ist ang… http://bit.ly/deQTJA

  2. biotechpunk schreibt:

    Leicht­fer­ti­ger Umgang mit Sym­bo­len rech­ter Ideo­lo­gien in der Musik­szene: http://bit.ly/a3yFhQ nicht alles ist cool nur weil alle es tragen