30 Mai

Hey, Gothic! Bist du true oder untrue?

Kategorie: Szene im Blick — Jahrgang: 201129 Kommentare

drizzd — Fotolia.com

Vor eini­ger Zeit erzählte mir ein Freund eine Bege­ben­heit, die sich auf einem »schwar­zen« Fes­ti­val zuge­tra­gen hat. Auf wel­chem weiß ich nicht mehr und ich habe auch ver­ges­sen, wie es zu besag­ter Situa­tion kam, aber das spielt eigent­lich auch keine Rolle.

Mein Freund, sei­nes Zei­chens ein Gothic/Gruftie der ers­ten Stunde, war nur mit einem schlich­ten, schwar­zen T-Shirt, einer schwar­zen Jeans und Doc Mar­tens beklei­det — wenig Schmuck, kein Kajal, kein Schnick­schnack. Auch das Haupt­haar war man­gels Masse eher zweck­mä­ßig gestaltet.

Er kam ins Gespräch mit einer Gruppe jün­ge­rer Gothics, die alle­samt im durch­ge­styl­ten Gothic-Outfit erstrahl­ten und sich bes­tens mit der Szene aus­kann­ten — zumin­dest mit der, die sie in den ein­schlä­gi­gen Szene-Magazinen in Wort, Bild und Wer­be­an­zeige prä­sen­tiert bekom­men hatten.

Im Laufe des Gesprächs sah einer der jün­ge­ren Gothics mei­nen Freund von oben bis unten an und sagte schließlich:

»Du bist doch eh nicht true, so wie du aussiehst!«

Die ande­ren stimm­ten zu und die kleine Ver­samm­lung löste sich dann auch bald auf. Zurück blieb ein nach­denk­li­cher, schwarz geklei­de­ter Mann mitt­le­ren Alters, der schon in den 80ern in den auf­kom­men­den Szene-Clubs auf The Cure getanzt hatte, und der nun etwas ver­wirrt aus dem unech­ten, schwar­zen Out­fit blickte.

Als wis­sens­durs­tige Alt-Gruftis schlu­gen wir im Inter­net nach, was denn »true« und »untrue« Gothics sind, fan­den jedoch keine ein­deu­ti­gen Ant­wor­ten. Dafür aber viele eher scherz­haft gemeinte Tests zum Thema (ein­fach mal nach »True Goth«, »True Gothic« oder »Real Gothic« googeln).

Außer­dem stell­ten wir stau­nend fest, dass das True-Untrue-Ding offen­sicht­lich so wich­tig ist, dass sich auch einige Musi­ker und Bands die­ses The­mas ange­nom­men haben — wenn auch teil­weise eher ironisch.

Hier drei der ent­deck­ten Songs:

Mode Moderne - Real Goths

Libitina - Gothic People
(Cover des Songs "Common People" von Pulp)

Sing along with the gothic people,

sing along and it might just get you through,

laugh along with the gothic people,

laugh along even though they’re laug­hing at you,

and the stu­pid things that you do.

Because you think Goth is so cool.

Santa Hates You - Feuerball

Ich pflege meine Schat­ten­haut nur mit Schattencreme

Ich baue mir ein Ego aus kal­tem Schattenlehm

Hin­ter mei­ner Schat­ten­mauer lau­ert mein Schattenschmerz

Die ande­ren sind Pseu­do­schat­ten, sagt mein Schattenherz.

Ich per­sön­lich habe nun noch immer nicht her­aus­ge­fun­den, was ein »True Gothic« und was ein »Untrue Gothic« ist. Ich stelle jedoch fest, dass es im Gro­ßen und Gan­zen zwei Frak­tio­nen gibt. Auf der einen Seite ste­hen die Abbil­der der gestyl­ten Gothics und Bands aus den Szene-Magazinen. Auf der ande­ren Seite ste­hen die eher schlicht geklei­de­ten Sze­ne­gän­ger — viele davon der älte­ren Gene­ra­tion zuge­hö­rig. Beide Frak­tio­nen hal­ten die jeweils andere Frak­tion für »untrue«.

Auch ich kann mich von dem Gedan­ken nicht ganz frei machen, dass die­je­ni­gen, die im kost­spie­li­gen Plastik-, Lack– und-Leder-Outfit auf Fes­ti­vals gehen — schlimms­ten­falls sogar zum Bäcker, um Bröt­chen zu holen — ziem­lich »untrue« sind.

Das Lustige/Traurige/Dämliche dabei ist: Keine der Frak­tio­nen kann schlüs­sig erklä­ren, was denn über­haupt »true« ist. Ich auch nicht! Gibt es über­haupt ein »True Goth-Outfit«, eine »True Goth-Meinung«, True Goth Music« oder eine »True Goth-Lebenseinstellung«?

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Sabrina berichtet bei Spontis hauptsächlich über "schwarze" kulturelle Themen jenseits von Klamotten und Musik. Sie ist weniger optimistisch und weit weniger diplomatisch als der Wizard of Goth (Robert) und dennoch stets um die Rettung der letzten Reste "schwarzer Kultur" bemüht. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Szene im Blick
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29 Kommentare

  1. Ich kenn die »true« und »untrue« Sache nur aus dem Metal­be­reich. Beim Gothic hab ichs ehr­lich gesagt noch nie gehört.
    Und selbst beim Metal ist es meist immer ein biss­chen scherz­haft gemeint, wenn es um Dinge geht, die irgend­wie so gar nicht metal sind.

  2. Ich kannte diese Aus­drü­cke bis dato eigent­lich auch nur aus dem Metal Bereich (haupt­säch­lich BM), aber ich kann mir gut vor­stel­len, dass es das in so ziem­lich jeder Szene gibt, wahl­weise mit wech­seln­den Bezeich­nun­gen.
    Für jün­gere Gene­ra­tio­nen, die eine Fülle an Kla­mot­ten und ande­rem Mate­rial über Inter­net und Co. bestel­len kön­nen, sind natür­lich die Leute, die ein­fach in schwar­zer Jeans her­um­lau­fen natür­lich völ­lig szen­e­fremd, schließ­lich bekommt man es in den ein­schlä­gi­gen Läden anders vor­ge­lebt.
    Für ältere Gene­ra­tio­nen, die es sich mitt­ler­weile leis­ten kön­nen ohne Kajal zum Brief­kas­ten zu lau­fen, ist die junge Szene hin­ge­gen viel zu weit vom eigent­li­chen Ideal ent­fernt, die Beto­nung liegt nur noch auf Äußer­lich­kei­ten und nicht mehr der Gesinnung.

    Fazit einer­seits: die Szene ndert sich, bleibt nur die Frage, ob sich die Bedeu­tun­gen von Begrif­fen wie »true« und »untrue« eben­falls mit­än­dern, je nach dem wel­che Gruppe im Augen­blick in der Szene am domi­nan­tes­ten ist.
    Fazit ande­rer­seits: soll­ten nicht grad die älte­ren Gene­ra­tio­nen sich von eben­die­ser Eti­ket­tie­rung los­ei­sen können?

    Per­sön­li­ches Fazit: in wel­che der bei­den Spar­ten gehöre ich eigent­lich bzw. will ich mich da irgend­ei­ner Alters­ge­ne­ra­tion über­haupt fest anschlie­ßen? Ich sage eher nein. Ich schwebe lie­ber zwi­schen den Dingen… ^^;

  3. Ich glaube, das ist eine aktu­elle Szeneer­schei­nung, quasi neu auf­ge­kom­men. True ist ja heut­zu­tage vieles.

    Mir ist das sowas von egal, ich begebe mich nicht in einen Wett­be­werb um die größte/beste/echteste Gothi­ness. Falls es sowas über­haupt gibt. Wer setzt die Maß­stäbe bit­te­schön? Ich habe dafür keine, außer einem: True Goth is from the inside. Und das kann man einem nun mal nicht von außen ansehen.

  4. Oh ja, diese Frage nach dem »True Gothic« kenne ich wohl. Gute Freunde, die Bau­jahr 198X sind, haben mich in die­ses Schub­la­den­den­ken ein­ge­führt. Mir ähnelt es dem Ver­such sich abzu­gren­zen, den wir in den frü­hen 90ern auch schon hat­ten. Zugrunde liegt dem Gan­zen m.E. Arro­ganz als ver­meind­li­che Szene-Attitüde. Die Kom­mer­zia­li­sie­rung trägt dazu viel­leicht auch bei. Nur, wer sich die teu­ren Mar­ken­stie­fel, Kor­setts und Bro­katstoffe leis­ten kann, ist »true«. Jeans und T-Shirt kann ja jeder!
    Wir sind dazu über­ge­gan­gen, immer wenn diese Schere im Kopf auf­taucht laut­stark zu pro­kla­mie­ren: »Alles Poser! Nur ich bin »true«!«

  5. Diese bei­den Kate­go­rien, die, neben­bei gesagt, in mei­ner Liste der Erbärmlichkeits-Anglizismen recht weit oben ste­hen, kannte ich auch eher aus dem Bereich des Spottes.

    Somit wur­den all­jene mit dem Prä­di­kat »true« belegt, die auf Krampf sowie ohne Sinn oder Ver­stand sämt­li­che Kli­schees bedie­nen woll­ten.
    Dafür werde ich die bei­den Worte ja noch dul­den. Doch sollte mir ein Pimpf die­ses in ernst­haf­ter Dis­kus­sion wirk­lich an den Kopf wer­fen, so sähe ich mich gezwun­gen, die­sen laut lachend von mir zu schubsen.

    Doch nach­denk­lich stimmt das einen schon. Viel­leicht sollte man als alter Sack begin­nen, der­art »untrue« daher­zu­kom­men, dass die­ses schon wie­der »true« wird. Man will ja auch dazugehören…theoretisch. Viel­leicht.
    Oder um es mit den bes­ser gewähl­ten Wor­ten von »Santa hates you« zu sagen: Haupt­sa­che man ist eine »Schat­ten­sau in Schattenunterhosen«

  6. Wer hat’s erfunden?

    Nicht die Schwei­zer, nein Mano­war ham’s erfunden.

    Und ich fand es schon damals, als ich noch vor­ran­gig Metal hörte, bemer­kens­wert däm­lich und peinlich.

    Dass man nun den Begriff aus einem ande­ren Genre über­nimmt, macht es noch ein­mal eine Num­mer absurder.

  7. Inter­es­sant. Dann scheint das Ganze wohl aus dem Metal-Bereich rüber­ge­schwappt zu sein. Wir machen uns aus der Geschichte auch immer einen Scherz und wer­fen bei Gesprä­chen hier und da slang­kon­form ein:

    Mann, du bist total untrue, ey! :-)

  8. So wie die Geschichte hier geschil­dert wird und es auch in den Kom­men­tare anklingt, scheint es sich bei der True-Untrue-Frage vor allem um ein Gene­ra­tio­nen­thema zu han­deln, über das man als 197X ver­wun­dert (erha­ben?) den Kopf schüt­telt.
    Mei­nes Erach­tens ist sie Aus­druck von ado­les­zen­ten Such­be­we­gun­gen nach der eige­nen Iden­ti­tät, um sich in Zei­ten, wo man alle 1–2 Jahre den Musik-, Klei­dungs– und Lebens­stil (und oft auch den Freun­des­kreis) ändert, gegen­über Eltern, Main­stream und ande­ren Suchen­den hin abzu­gren­zen. Neh­men wir es den Jün­ge­ren also nicht übel…
    Wenn man sich mit 30+ aller­dings immer noch (ernst­haft) mit die­ser Frage aus­ein­an­der­setzt, könnte das auf ein Peter-Pan-Syndrom hinweisen :-)

  9. Sehr schö­ner Arti­kel! Denn irgend­wie zeigt es das Pro­blem, das ich mit der Szene habe. Ich selbst trage meist eher schwarz, aber natür­lich nicht nur, inter­es­siere mich zum Teil für bestimmte Lite­ra­tur, aber nicht nur und höre dem­ent­spre­chende Musik…aber eben nicht nur! Zwar bin ich jung und hab somit keine 80er Bewe­gung mit­be­kom­men, aber ich frage mich immer, ob ich mich irgend­wie als Gruf­tie bezeich­nen könnte. Ich mache es nicht, weil irgend­wie jeder das anders aus­legt. Ich sehe nur immer Gothics, die mir so als rei­nes Kli­schee erschei­nen, die sich so geben, als wür­den sie sich NUR mit die­sem Kram beschäf­ti­gen und jeder, der sich auch mit ande­ren Din­gen beschäf­tigt ist somit »untrue«. Aber man ist doch nicht untrue, nur weil man nicht in irgend­wel­chen Szene-Shops seine Klei­dung kauft oder auch mal Musik hört, die nicht gerade düs­tere Texte haben. Aber es gibt Gothics, die ver­mit­teln mir das irgend­wie. Ich per­sön­lich weiß nicht, ob ich mich einer Szene zutei­len könnte, aber ich muss auch dazu sagen, ich hab — außer in einer kur­zen Phase in der Puber­tät, wo ja jeder rum­spinnt — nie groß­ar­tig drü­ber nach­ge­dacht, ob ich in irgend­eine Szene rein­passe. Denn im End­ef­fekt ist man ja immer noch man selbst und ich finde kei­ner hat irgend­wie die Fähig­keit jeman­den so zu kategorisieren.

  10. Lässt mich an die Situa­tion den­ken, als mich mal jemand fragte, warum ich mich Gothic nenne obwohl ich noch nicht­mal Blu­ten­gel höre.……
    ähm genau­uuu das sagt er einem Pikes­trä­ger der Cure, Fields, Sis­ters und Kon­sor­ten hört, also da läuft ja irgend­was falsch o.O

    Also ich bin ja schon­mal kein Pseu­do­schat­ten ;D

  11. Ohh, das kenne ich zu gut. Das erste Mal, als ich in einem nor­ma­len Out­fit (BLUE Jeans, schwar­zes T-Shirt) in einem mei­ner Stamml­den war, den ich seit der Eröff­nung besu­che. Ich gebe ja zu, dass ich im All­tag nur noch sehr sel­ten kom­plett schwarz gelei­det bin und so auch mal in die Disco gehe, da ich viele Club­be­trei­ber und Tür­ste­her seit 14 Jah­ren kenne und jah­re­lang Par­ty­fo­to­gra­fie für Clubs gemacht habe.
    Naja ich laufe halt so am Ein­gang vor­bei, wo ein Tür­ste­her ein paar auf­ge­stylte Kid­dies auf­grund ihres Alters nicht rein­lässt. Naja, erst­mal wurde der Tür­ste­her beschimpft, dass sowas »untrue»es wie ich rein­komme, wäh­rend den »true»esten und »evil»sten der Zutritt ver­wei­gert würde. Als ich es dann auch noch wagte zu lachen, wurd ich auch noch im Namen von Satan ver­flucht *g*.
    Naja, ich muss mich jetzt halt damit abfin­den untrue und auch noch ver­flucht zu sein.
    Kann mir einer von euch hel­fen wie­der true zu werden? ;)

  12. Ganz ein­fach: true sind nur die, denen es schnuppe ist, ob sie true oder untrue sind ;)

  13. Also ich per­sön­lich bin Bau­jahr 1990 und habe somit (lei­der!!) nichts von der 1980er-Ur-»Grufti«-Bewegung mit­be­kom­men. Dass ältere Sze­ne­gän­ger an dem kli­schee­be­ah­fte­ten Nach­wuchs Anstoß fin­det, kann ich durch­aus ver­ste­hen. Auch ich finde diese Ich-bin-so-böse-und-trage-nur-schwarz-und-gehe-niemals-ungeschminkt-aus-dem-Haus-Teens eben­falls lächer­lich, aber was solls.(Ich per­sön­lich beglü­cke meine Umwelt des öfte­ren mit Jog­ging­hose und Augen­rin­gen) Es gibt immer eine Gene­ra­tion, die die andere belä­chelt und diese wie­derum wird sich über die nächste lus­tig machen usw.
    Ich per­sön­lich lieeebe Shop­ping, aber das betrifft auch andere Lebens­be­rei­che ;) Natür­lich kaufe ich gern in spe­zi­el­len Läden ein oder bestelle in Online­shops.
    Eine Freun­din von mir, die um einige Jahre älter ist als ich und somit län­ger ein Teil der Szene ist, meinte neu­lich zu mir-ich öffnete gerade mei­nen über­vol­len Klei­der­schrank– wie toll wir-also die junge Generation-es hät­ten, heut­zu­tage so viele Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten zu haben.
    Zum Thema Musik und Life­style möchte ich mich nicht aus­las­sen, da sonst mein Bei­trag einem Roman gleich­kom­men würde, bzw. ich wahr­schein­lich zu sehr vom Thema abschwei­fen würde :P Grund­sätz­lich möchte ich an die Alt-Gruftis (sorry, ich nenn euch ein­fach mal so) nur ein biss­chen Tole­ranz gegen­über uns »Küken« appel­lie­ren– die Szene befin­det sich per­ma­nent im Wan­del und ergo auch ihre Mit­glie­der. Die Äste­thik ist mehr in den Vor­der­grund gerückt und einer ach so mono­to­nen Zeit-die 80er waren ja ver­hält­nis­mä­ßig bunt, wenn nicht sogar grell– kann ein hüb­sches Samt­mie­der oder ein wal­len­der Tüll­rock (und mei­net­we­gen auch die ein oder andere Cyber­brille) ein erfri­schen­der Anblick sein ^^

  14. Eine inter­es­sante Frage. Im Grunde ist das doch nichts ande­res, als die eigene Exis­tenz oder die Ide­al­vor­stel­lung von dem was die Szene aus­macht, also »true« zu sein, auf andere zu kopie­ren. Wer nicht in das Ras­ter passt, fällt durch. Ich selbst kann mich auf von der Fra­ge­stel­lung, was True oder Untrue ist, nicht freimachen.

    True oder Untrue darf sich nicht nur auf das Aus­se­hen bezie­hen, das wäre fatal und beruht auf Schub­la­den­den­ken. Ich denke, wenn die schwarze Fas­sade mit Hin­ter­grund gefüllt ist, habe ich nichts dage­gen ein­zu­wen­den einen »True« Stem­pel drauf­häm­mern, wenn es denn unbe­dingt sein muss. Dabei spielt es keine Rolle, in wel­cher Aus­prä­gung man denkt, oder ob dar­aus eine Lebens­weis­heit ent­steht. So ist ein Cyber, der sich mit Sci­ence Fic­tion, Endzeit-Romanen oder auch der Phi­lo­so­phie dahin­ter beschäf­tigt ebenso true wie der Gothic, der sich mit Mys­tik, Reli­gion und Okkul­tis­mus beschäf­tigt. Lei­der gibt es mitt­ler­weile in jedem Lager (das ist hier in den Kom­men­ta­ren bereits ange­klun­gen) Mode­er­schei­nun­gen, die sich zum fei­ern ein­fach nur ver­klei­den wol­len und das, ja das ist dann tat­säch­lich »untrue«.

  15. @parasita
    Stimmt, so rich­tig »ernst­haft« darf man sich im fort­ge­schrit­te­nen Erwach­se­nen­al­ter damit wirk­lich nicht aus­ein­an­der­set­zen, aber offen­sicht­lich hat der Main­stream so sehr Ein­zug gehal­ten in die Szene, dass man ver­sucht — so wie du es auch geschrie­ben hast — , sich durch Begriffe wie »true« und »untrue« abzu­gren­zen. Die Frage ist nur, auf wel­cher Seite da der Main­stream mehr hängt ;-). Sicher keine welt­be­we­gende Ent­wick­lung, aber doch ein Thema, wie ja auch die Kom­men­tare zei­gen. Was ist echt? Was ist unecht? Wann werde ich inner­halb der Szene akzep­tiert? Wann werde ich aus­ge­schlos­sen? Aller­dings ist das selbst­ver­ständ­lich eher ein »Pro­blem« der jün­ge­ren Gene­ra­tion. Des­halb ist es aber nicht weni­ger wich­tig. Es ist näm­lich sehr schade, wenn nette Men­schen mit Tief­gang der Szene fern­blei­ben, weil sie eine stink­nor­male Hose tra­gen und sich nicht eimer­weise weiße Farbe ins Gesicht schmieren.

    @Celina
    Genau das ist der Punkt! Oder bes­ser: Einer der Gründe für die­sen Bei­trag. Du kannst mit einer fast 100prozentigen Sicher­heit davon aus­ge­hen, dass die älte­ren Gruf­ties — sicher auch wegen des fort­ge­schrit­te­nen Alters und der Lebens­er­fah­rung — weit mehr Inter­es­sen haben als die »schwar­zen« Klischee-Themen. Dazu gehö­ren auch die von dir ange­spro­che­nen ande­ren Musik­rich­tun­gen und ande­ren Lite­ra­tur­rich­tun­gen. Es gehö­ren sogar teils ungruf­tige Ein­sich­ten und Ansich­ten dazu. Es ist abso­lu­ter Blöd­sinn, Inter­es­sen oder Über­zeu­gun­gen über Bord zu wer­fen oder so zu ver­bie­gen, dass sie in ein Kli­schee pas­sen. Außer­dem muss nie­mand X-Tra-X Kla­mot­ten anzie­hen, die er nicht mag, nur um »dazu« zu gehö­ren. Jeder sollte den Mut haben, ehr­lich zu blei­ben und bei­spiels­weise Lack-Minirock und Vam­pir­ro­mane doof zu fin­den. Wir sind alle unter­schied­li­che Men­schen mit unter­schied­li­chen Vor­lie­ben und Inter­es­sen. Das darf und muss auch inner­halb der Szene so blei­ben, ohne dass irgend­wer mit dem Label »untrue« vor die Tür gesetzt wird.

    @Schatten
    Warum nennst du dich eigent­lich Gothic, wenn du kein Blu­ten­gel hörst? Du Pseudoschatten! :-)

    @Arne
    Das beweist dann wohl, dass gerade die jün­gere Gene­ra­tion für das True-Untrue-Thema anfäl­lig ist und damit kei­nes­wegs eine Lebens­ein­stel­lung, den Musik­ge­schmack oder sonst­was meint son­dern schlicht die Klamotten.

    Um wie­der »true« zu wer­den und den Fluch los­zu­wer­den, musst du 10 umge­drehte Rosen­kränze beten und anschlie­ßend das Blut eines bei Voll­mond geschlach­te­ten Meer­schwein­chens trin­ken. Achte dar­auf, dass du dabei eine sünd­haft teure Bondage-Lackhose und Demonia-Schlagmichtot-Stiefel trägst, sonst wirkt es nicht. Wenn du auf Num­mer Sicher gehen willst, soll­test du dabei Text­zei­len aus Twi­light mur­meln und anschlie­ßend die neue Blutengel-CD hören. ;-)

    @ Anita

    YES! :-)

    @ klei­ner­aupe
    Es ist schon rich­tig, dass man den Wan­del der Zeit und der Mode berück­sich­ti­gen muss, was gerade den Alt-Grufties oft schwer fällt. Auch die Tat­sa­che, dass heute eher gekauft statt sel­ber gemacht wird, ist logisch. Ich kaufe meine schwar­zen Kla­mot­ten man­gels Talent zum Nähen ja auch. Wenn aller­dings die Kla­mot­ten aus Szenelä­den zum Sta­tus­sym­bol wer­den und alle ande­ren, die schlichte schwarze Klei­dung tra­gen, aus­ge­schlos­sen wer­den, dann sind wir wie­der mit­ten im Main­stream, weit weg von einer Szene, die sich einst als Sub­kul­tur eben gegen die­sen ober­fläch­li­chen Kon­sum­ter­ror gestellt hat. Samt­mie­der und Tüll­rock sind ebenso Aus­druck eines per­sön­li­chen Geschmacks wie ein schlich­tes T-Shirt und Jeans. Bei der Cyber­brille muss ich aller­dings ein wenig schlu­cken, was aller­dings nicht an der Brille son­dern an der damit ver­bun­de­nen Musik und dem Gymnastik-Knicklicht-Terror auf der Tanz­flä­che liegt. Ach ja: Außer­halb der Darkwave-Szene waren die 80er ver­dammt bunt und grell, das stimmt. :-)

    @Robert
    Grund­sätz­lich stimme ich zu. Aller­dings muss sich ein »schwar­zer« Sze­ne­gän­ger nicht zwangs­läu­fig mit Mys­tik, Reli­gion und Okkul­tis­mus beschäf­ti­gen. Aber das hast du sicher auch nicht so gemeint, oder?

  16. She is chlin­ched inside a cor­set
    she is dres­sed to be decei­ved
    all so per­fect in her make-up
    she belie­ves to be uni­que
    (Ordo Rosa­rius Equi­li­brio — Long lives and little men)

    Das sind nun­mal die ech­ten Gruf­ties, damit müs­sen wir uns abfin­den. Pikes, Patchouli und tou­pierte Haare sind nun­mal nix gegen die neu­este Mode der schwar­zen New Yor­ker, da kann man nicht mit­hal­ten. Die wah­ren Goths sind nun­mal der Graf und Herr Pohl, da kom­men auch Peter Mur­phy, Robert Smith und Carl McCoy nicht dage­gen an. Aus­ser­dem kennt die heute eh fast nie­mand mehr.

    Zu düs­ter darfs ja auch nicht mehr sein. Mir hat da mal jmd erzählt, dass ein DJ in nem selbst­er­nann­ten Gothic Club kein Sopor Aeter­nus oder Joy Divi­sion spie­len wollte, weil das zu düs­ter sei. Ich glaube das sagt alles aus.… Leicht­ver­dau­li­che, leicht­kon­su­mier­bare Ware will das Volk! Nach­schmin­ken statt Nachdenken!

  17. @Parasita Ja da gebe ich dir voll­kom­men recht. Das mit den Knick­licht­gruf­tis wollt ich nicht so sagen, aber ja-es ist wirk­lich zu einem ner­vi­gen Hype aus­ge­ar­tet. Solange sie, wie Robert meinte, sich enrst­haft mit Futu­ris­mus und auch Sozi­al­kri­tik aus­ein­an­der­set­zen und das in ihrer Klei­dung wie­der­ge­ben, dann ist das völ­lig ok. Aber lei­der ver­klei­den sich viele nur und sind eigent­lich um kei­nen Deut bes­ser als die gan­zen Atzen-Party-Fraktion.
    Und ich gebe dir eben­falls recht, was den Mar­ken­ter­ror betrifft. Ich meine, wenn mir von Xtra was geällt, dann kauf ich es mir. Aber genauso lass ich mich bei New Yor­ker und Co. bli­cken. Und zwar nicht, weil icher­picht drauf bin, ein bestimm­tes Label zu tra­gen, son­dern ein­fach nur, weils mir gefällt. Und »Brand-whores«, die sich nur durch ihre Kla­mot­ten defi­nie­ren, sind mir sowieso schon immer suspekt gewe­sen. Die kön­nen einem echt leid tun, wahr­schein­lich müs­sen sie was kompensieren ;)

  18. Wie ihr ja alle mehr oder weni­ger wisst, lege ich regel­mä­ßig Musik auf, und komme dadurch auch viel mit den Gäs­ten in Kon­takt, dar­un­ter auch viele, die weit aus älte­rer sind als ich :) habe ich eigent­lich schon mal erwähnt, dass ich mit mei­nen 24 Len­zen die Jüngste im Ball­saal bin?
    Wie dem auch sei, auch wenn viele der Alt­ein­ge­ses­se­nen sich, ver­gli­chen mit dem »Nach­wuchs« schlicht anzie­hen, würde mir nie im Traum ein­fal­len, die als »untrue« zu bezeich­nen (schon allein wegen dem unglaub­lich hohen musi­ka­li­schen Wis­sen, dass viele an den Tag legen), nur weil sie mal keine Lust auf Rüschen­hemd oder Leder­hose haben.
    Viele von ihnen haben sich »aus­ge­tobt«, tre­ten jetzt lege­rer auf– also keine arschlan­gen, blauen Haare mehr oder ein Rie­se­niro bzw. Turm.
    Und mal abge­se­hen davon, muss ein schickes/herausgeputztes Aus­se­hen noch lange nicht bedeu­ten, dass die betref­fende Per­son auch was im Kopf hat, bzw. für die Gothic mehr ist als »geile Lackklamotten«.

    Mich wer­den sicher­lich auch einige als nicht »true« anse­hen, weil ich kei­nen Under­cut oder der­glei­chen habe (ich mag an mir vol­les Haar lie­ber ^^), nicht mehr­fach gepierct bin, und weiß Gott nicht die teu­ers­ten und ede­les­ten Stoffe am Leibe trage…und so rich­tig nähen kann ich auch nicht– abge­se­hen von ein paar Klei­nig­kei­ten wie Umhänge, Taschen usw. Aber wisst ihr was? Damit kann ich gut leben ;)

    Noch was zum Thema »Musik­aus­wahl in Clubs«, weil das Epitaph89 erwähnt hatte: Ich hab keine Hem­mun­gen Sopor Aeter­nus, Die ver­bann­ten Kin­der Evas, uralte Lacrimosa-stücke (Der Ket­zer lässt grü­ßen!), aber auch Lie­der von Fields of the Nephilim (btw, einer mei­ner abso­lu­ten Favo­ri­ten), The March Vio­lets, Love like Blood und Joy Divi­sion auf zule­gen.
    Wem das alles zu »düs­ter« und »gruf­tig« ist: Da vorne ist die Tür *lach*

  19. Ich spre­che hier mal lie­ber von Authen­ti­zi­tät als von »Truen­ess«, das nimmt der Sache den doch etwas lächer­li­chen, teil­weise iro­ni­schen Beige­schmack, ist zumal die Frage nach der »Truen­ess« ja eigent­lich nichts ande­res als eine Frage nach Authen­ti­zi­tät, was an sich auch erstein­mal nichts schlech­tes ist. Das Pro­blem ist nur, dass es hier keine all­ge­mei­nen Maß­stäbe gibt, woran man das beur­tei­len könnte bzw. wie Robert schon gesagt hat jeder ein­fach seine eige­nen Vor­stel­lun­gen und Anfor­de­run­gen auf andere über­trägt. Für den einen ist es die Zustim­mung zu bestimm­ten Ansich­ten oder Wer­ten, für andere ist es der Preis der Kla­mot­ten, das Alter der Lieb­lings­bands, die Länge der Zuge­hö­rig­keit, die Höhe der Turm­fri­sur, alles mög­li­che und in allen mög­li­chen Kom­bi­na­tio­nen.
    Eigent­lich ist das auch gut so, denn wer soll sonst ent­schei­den, wel­che Eigen­schaf­ten wich­tig sind außer man selbst? Die Sache ist nur die, dass sich bei die­ser Frage so man­cher lie­ber auf diverse Hochglanz-Heftchen und Szene-Läden ver­lässt, die natür­lich bevor­zugt auf wirt­schaft­lich Ver­wert­ba­res set­zen. Zudem ist es ja auch wesent­lich ein­fa­cher, jeman­den anhand sei­ner Hülle zu beur­tei­len, schließ­lich braucht es dazu nur einen kur­zen Blick, ansons­ten müsste man sich ja mit dem Men­schen aus­ein­an­der­set­zen…
    Ich denke, dau­er­haft glück­lich wird man in die­sem Fall nur, wenn man sich selbst true… äh treu bleibt anstatt irgend­wel­chen vor­ge­ge­be­nen Idea­len hin­ter­her­hetzt, da diese in aller Regel sowieso von nur kur­zer Bestän­dig­keit sind.
    Die enorme Diver­si­tät inner­halb der schwar­zen Szene macht die Ange­le­gen­heit noch­mal schwie­ri­ger, da ein­zelne Unter­grup­pen unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen an »erwünschte Eigen­schaf­ten« haben, die sich auf andere nicht über­tra­gen las­sen, aber even­tu­ell trotz­dem ange­wen­det werden.

    Es wurde hier bereits davon gespro­chen, dass die ganze Trueness-Geschichte eine aktu­elle Szeneer­schei­nung sei. Dazu kann ich nicht viel sagen, da sich ein Groß­teil der ange­spro­chene Zeit mei­nem direk­ten Erle­ben ent­zieht, aber äußere die Ver­mu­tung, dass die Sache aus der gewach­se­nen Größe und Bekannt­heit der Szene resul­tiert. Hat es frü­her viel­leicht schon gereicht, sich allein durch schwarze Klei­dung und ein paar musi­ka­li­schen Vor­lie­ben von der All­ge­mein­heit abzu­gren­zen, ist diese eigene kleine schwarze Welt inzwi­schen so groß gewor­den, dass manch einer das Bedürf­nis hat, sich inner­halb die­ser noch­mals abzu­gren­zen um sich eine eigene Iden­ti­tät auf­zu­bauen, indem eben bestimmte Maß­stäbe ange­setzt werden.

    Ach übri­gens, wer wirk­lich true ist, schreibt nicht »true« son­dern »trve« :P

  20. Nun, meine Erfah­run­gen decken sich mit denen die schon bemerk­ten daß die »true«-Rufe oft von­sei­ten aus­ge­spro­chen jun­ger Sze­ne­gän­ger kom­men, die dank ober­fläch­li­cher Beschäf­ti­gung nicht viel wei­ter kom­men als die teu­ren Sze­ne­mar­ken­kla­mot­ten und irgend­wie verpo(h)lter Mucke *dre­ckig grins* — ein jahr spä­ter ist die Phase dann meist vor­bei und man wen­det sich dem nächs­ten Trend zu.

    So ist die Sache mit dem »true« für mich auch gerne ein Begriff der äusserst iro­nisch benutzt wird.

    »Authen­ti­zi­tät« finde ich hat damit wenig zu tun, sehe ich aber bei­leibe für das an was wirk­lich der wich­ti­gere Aspekt ist — egal ob Grufti oder Hip­pie, es ist immer schade wenn Men­schen sich ver­stel­len müs­sen um irgendwo »dazu« zu gehö­ren oder sich irgend­wie bes­ser zu füh­len. Ist dann eher ein Zei­chen von man­geln­dem Selbst­wert­ge­fühl oder geis­ti­ger Unreife.
    Authen­ti­zi­tät äussert sich nicht in der Marke die auf mei­nen Kla­mot­ten steht oder dem Preis dafür, es äussert sich mehr darin ob ich meine Kla­mot­ten danach wähle wie ich mich wohl fühle. Was mich in gewis­ser Weise aus­drückt. Da sind mir dann die optisch ach so lang­wei­li­gen Trä­ger von schwar­zen Hosen und Shirts auch lie­ber als die selbst­er­nann­ten Hob­bya­ris­to­kra­ten die sich in mei­ner Szen­ein­ter­nen Split­ter­gruppe ärger­li­cher­weise genauso rum­trei­ben wie super Freunde mit glei­chen Inter­es­sen und Vor­lie­ben.
    Ich habe schon viele Ver­tre­ter der schlich­ten Sorte ken­nen­ge­lernt weil sie dan­kens­wer­ter Weise ebenso vor­ur­teils­frei auf mich zuka­men und erst­klas­sige Gesprä­che geführt über Musik und Goth und die Welt. Für mich ist das dann auch der Idealzustand.

    Nein »true gothic« gibt es nicht und kei­nem steht es zu über andere zu urtei­len was »true« ist und was nicht. Aber bei rei­ner Spaß– und Par­ty­men­ta­li­tät und den Mar­ken­fe­ti­schis­ten tue ich mir dann ein­fach schwer so ein Indi­vi­duum als »vom glei­chen Schlag« anzu­se­hen. Keine Frage des true oder untrue son­dern der Authen­ti­zi­tät — wer krampf­haft ver­sucht in sei­ner schwar­zen ver­klei­dung »true« aus der Wäsche zu gucken, erreicht mit sei­ner Aus­strah­lung oft doch das Gegenteil.

  21. Nur um das viel­leicht etwas kla­rer dar­zu­stel­len: Mit Authen­ti­zi­tät meinte ich in mei­nem vor­her­ge­hen­den Ein­trag zunächst nicht die Authen­ti­zi­tät eines Men­schen an sich, son­dern wollte erst ein­mal ver­su­chen klar­zu­stel­len, was mit »Truen­ess« gemeint sein könnte und wollte damit einen Begriff fin­den, der eben nicht so häu­fig nur iro­nisch gebraucht wird. Denn schließ­lich meint der­je­nige, der sich durch die Worte »Du bist untrue« meint über andere erhe­ben zu müs­sen im Prin­zip ja nichts ande­res als »Du bist kein authen­ti­scher Goth (oder was auch immer)«. Aber dass das objek­tiv gese­hen auf­grund von feh­len­den Maß­stä­ben (und nicht nur des­we­gen) Unsinn und dazu oft­mals noch ober­fläch­lich ist wurde ja schon zu genüge dargestellt.

  22. Die Auf­fas­sung von »True« und »Untrue« sind über­ra­schend viel­fäl­tig, ebenso wie die Sze­ne­auf­fas­sung selbst. Inter­es­sant finde ich den Ansatz, das »True« den Sze­ne­gän­ger vom Fashion­vic­tim unter­schei­det, als die Wochen­end­gruf­ties von denen, die sonst auch so rum­lau­fen, wobei sich das natür­lich wie­der auf äußere Merk­male beschränkt.

    Wie jemand die bei­den Begriffe auf unter­schei­det, es blei­ben Schub­la­den. Das ist jetzt nicht etwas pau­schal nega­ti­ves, son­dern nur die Reak­tion auf Reiz­über­flu­tung, die mitt­ler­weile auch inner­halb der Szene statt­fin­det. »Kann ich mir das als Sze­ne­be­stand­teil vor­stel­len?« — »Würde ich das auch so kom­bi­nie­ren?« — »Gefällt mir die Musik?« Was einem gegen alle Stri­che geht, wird in die Schub­lade »Untrue« gesteckt, da wo es auch hin­ge­hört. Nie­mand muss sich dafür schä­men Men­schen zunächst so zu beur­tei­len, man sollte ledig­lich davon Abstand gewin­nen, die eige­nen Ansich­ten als »True« Maß­stab anzu­se­hen, ohne den Blick stän­dig neu zu schär­fen und Dinge die »Untrue« gewe­sen sind, wei­ter­hin kri­tisch hinterfragt.

  23. Hm…

    Naja, ich muss sagen, gerade auch seit ich die­sen Blog lese hab ich häu­fig das Gefühl, dass die­je­ni­gen als »true« emp­fun­den wer­den die Pikes und Vogel­nest tra­gen, am bes­ten aus den 80ern kom­men, usw.

    »Untrue« die dur­schnitt­li­che Glühwurmfraktion.

    Mag sehr ver­ein­facht aus­ge­drückt sein, ich weiß dass der eine oder andere durch­aus dif­fe­ren­zier­ter hat, aber das ist das Bild, was sich bei mir im Kopf bildet.

    Denn jede Dis­kus­sion dar­über, ob z.B. Cybers über­haupt Goth sind, und nicht doch eher übrig geblie­bene Raver, ist doch im über­tra­ge­nen Sinne eine Dis­kus­sion um »truen­ess«, selbst wenn man sie nicht mit die­sem Wort betitelt.

    Ver­mut­lich gibts keine wirk­li­che Ant­wort, nur Mei­nun­gen die zurück­blei­ben und irgend­was hinterlassen.

    Und ja, ich geb zu, ich grü­bel lei­der auch oft genug ob ich über­haupt ein Teil des Gan­zen bin, oder nicht doch in mei­ner eige­nen Schub­lade umher­se­gel.
    Naja…gut, theo­re­tisch ist jeder ein Indi­vi­duum, aber auch ein sozia­les Wesen dass sich irgendwo dazu­ge­hö­rig füh­len möchte.…ob das nun ne Sub­kul­tur ist, ein sim­pler Freun­des­kreis, die Familie…was auch immer.

    Selbst wenn man weiß, dass auch das Grü­beln dar­über zu kei­nem Ergeb­nis führt kommt gele­gent­lich diese Rast­lo­sig­keit wie­der zum Vor­schein. Jetzt könnt ich sagen: »Als Rast­lo­ser kann man sich in der schwar­zen Szene viel­leicht doch per­fekt ne kleine Nische suchen«… aber das wäre zu einfach.

  24. Hey zu dem Thema mal eins.
    Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt « Bist du ein Gothic?« Hat mich doch sehr zum nach­den­ken gebracht.
    Dazu müsste man doch erst­mal defi­nie­ren kön­nen was ist Gothic?
    Kann mir die Frage jemand expli­zit beant­wor­ten?
    Ich denke nicht! Außer, dass viel sich irgendwo auch über die Musik defi­nie­ren, krea­tiv sind udn sich mit The­men beschäf­ti­gen über die ein »Nor­mal­sterb­li­cher« nicht nach­den­ken will. Im End­ef­fet ist es doch immer eine Aus­le­gungs­sa­che und eine der Lebens­ein­stel­lung.
    Also kann man abschlie­ßend sagen true und untrue sind größ­ten­teils Quark. Ich gehöre nun auch zu der jün­ge­ren Gene­ra­tion kleide mich auch ab und an mal gern schick heißt:
    –Kor­sage
    –langer/kurzer Rock
    –shirts mit Kor­sa­gen­op­tik
    –Stie­fel
    Geht, aber auch gern gemütlich.

    Höre sehr gerne ältere Sachen wie the Cure und bin auch dank­bar für jeden, der mir schöne Musik zei­gen kann *mit dem Zaun­pfahl wink* ;D.
    Außer­dem bin ich ein Schrei­ber­lein aus Lei­den­schaft. Ande­rer­seits mag ich auch »Sze­neun­ty­pi­sche« Sachen und geh auch gern mal mit mei­nen »Nor­ma­los« schlittschuhlaufen.

    Letzt­end­lich ist es doch eigent­lich wich­tig, dass man sich mit sich selbst wohl­fühlt und das auch zei­gen kann… was die ganze Diss­ku­sion true oder untrue schon wie­der voll­kom­men sinn­los macht!

  25. Ich behaupte, dass die­ses True-/Untrue-Ding damals viel aus­ge­präg­ter war. Die Szene war viel klei­ner, da ach­tete man noch viel pin­ge­li­ger auf die äußere Erschei­nung. Natür­lich nannte man das nicht »trve«, aber die Form der Ableh­nung war die­selbe. Frü­her war nicht zwin­gend alles bes­ser. Aber viel­leicht hatte das die Szene »sau­be­rer« gehal­ten. Heute gibt man sich zwang­haft tole­rant. Das finde ich kaum annehm­ba­rer. Son­der­lich posi­tive Aspekte kann ich dar­aus näm­lich auch nicht ziehen.

    Dazu müsste man doch erst­mal defi­nie­ren kön­nen was ist Gothic? Kann mir die Frage jemand expli­zit beant­wor­ten? Ich denke nicht!

    Es gibt in tra­di­tio­nel­len Sze­nen zumin­dest gewisse Ori­en­tie­rungs­punkte, etwas das ich Basis­merk­male nenne. Grund­hal­tun­gen neue­ren Datums, wie »Gothic ist, was du draus machst«, sind dies­be­züg­lich eher weni­ger för­der­lich und haben aus der ursprun­g­li­chen Gothic-/Wave-Kultur nur einen unde­fi­nier­ba­ren Rum­mel­platz gemacht, aus dem kein sin­ni­ges, homo­ge­nes Sze­ne­bild mehr ersicht­lich wird.

    Wenn du heute jeman­dem ver­mit­teln wür­dest, dass du der »Schwar­zen Szene« ange­hörst — was sagt das denn letzt­lich noch aus? Die Grund­pfei­ler, auf denen sich das Ganze stützte, wur­den schon vor Ewig­kei­ten weggesägt.

  26. Wie du sagst @Death Disco
    Was sagt es heute aus wenn du der Szene noch ange­hörst. Wirk­lich nur auf die heu­tige Szene bezo­gen. Die Grund­pfei­ler feh­len und, dass ist der idio­ti­sche Punkt. Was ist eine Szene ohne Grund­pfei­ler? Das ist ver­dammt schade! Gut ich geb zu ich bin erst seit letz­tem Jahr »dabei«, aber ich finds schon inter­es­sant und sauge gie­rig auf was ich an Infor­ma­tio­nen und Hin­ter­grün­den bekom­men kann. Des­we­gen ist der Dia­log mit alten Hasen echt interessant.

  27. Kathi, bei unse­rem Gothic-Friday fin­dest du viel­leicht ein paar Anre­gun­gen, um diese Frage zu beantworten :)

  28. Beschnit­ten, aber noch vor­han­den. Die Grund­pfei­ler exis­tie­ren auch heute noch, gehen aber in der Viel­zahl der Split­ter­grup­pen ein­fach unter. Das Pro­blem ist heut­zu­tage noch viel größer.

    Ich möchte Death Dis­cos Zitat »Gothic ist, was du draus machst« ein­mal auf­grei­fen. Wir müs­sen uns ein­fach damit abfin­den, dass etwas wei­ter­ent­wi­ckelt wird und zum Teil auch mit Din­gen ange­rei­chert wird, die ein­fach nicht kom­pa­ti­bel sein kön­nen. Ich halte das für eine ganz nor­male Ent­wick­lung, in der auch die viel besag­ten (und immer noch schwer zu defi­nie­ren­den) Grund­pfei­ler exis­tie­ren kön­nen. Auch ich habe das Zitat an meh­re­ren Stel­len benutzt, denn ich denke, Gothic ist (oder ent­wi­ckelt sich zu) eine reine Kosumen­ten­kul­tur, in der es nicht darum geht zu erschaf­fen, nach­zu­den­ken oder mit­zu­wir­ken, son­dern nur darum, ein Motto für ein Party zu haben. Daher ist es für mich wich­tig, zunächst ein­mal dazu auf­zu­for­dern, »etwas dar­aus zu machen«, sich also mit dem was ist und war zu beschäf­ti­gen um für sich selbst Rück­schlüsse zu ziehen.

    Wenn wir uns hin­stel­len und sagen, die Grund­pfei­ler gibt es nicht mehr und frü­her war alles anders, dann hilft das nie­man­den. Es klingt auch stel­len­weise so, wie die hin­ter­her­heu­len an eine ver­lo­rene Zeit. Wir kön­nen auch kei­nen Rah­men vor­ge­ben, in der Gothic zu exis­tie­ren hat, denn seit der Ent­ste­hung sind nun­mal einige Dekade ins Land gezo­gen. Das, was die Jugend­li­chen heute zu ver­ar­bei­ten haben, passt nicht mehr zu dem was frü­her ver­ar­bei­tet wer­den musste.

    Ich glaube, dass eine Ver­bin­dung von dem »alten« und dem »mach was draus« immer noch die hoff­nungs­vollste Mög­lich­keit ist, das zu schüt­zen, was einem wich­tig ist. So freut man sich viel­leicht über wiss­be­gie­ri­gen Nach­wuchs, der sich nicht in alte Mus­ter fügen muss, son­dern einen Leit­fa­den erhält um etwas für sich dar­aus zu machen.

  29. @ASRianerin
    Danke für den Tipp

    @Robert Deine aus­sage unter­schreib ich sofort. War von mei­ner Seite zumin­dest etwas ungüns­tig aus­ge­drückt. Du hast also meine Gedan­ken eigent­lich auf dne Punkt gebracht.
    Mit dem Zusatz das man heute halt sel­te­ner Leute fin­den kann die einem ein biss­chen erzäh­len kön­nen. Über eben­jene »alte Zeit«

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