
drizzd — Fotolia.com
Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund eine Begebenheit, die sich auf einem »schwarzen« Festival zugetragen hat. Auf welchem weiß ich nicht mehr und ich habe auch vergessen, wie es zu besagter Situation kam, aber das spielt eigentlich auch keine Rolle.
Mein Freund, seines Zeichens ein Gothic/Gruftie der ersten Stunde, war nur mit einem schlichten, schwarzen T-Shirt, einer schwarzen Jeans und Doc Martens bekleidet — wenig Schmuck, kein Kajal, kein Schnickschnack. Auch das Haupthaar war mangels Masse eher zweckmäßig gestaltet.
Er kam ins Gespräch mit einer Gruppe jüngerer Gothics, die allesamt im durchgestylten Gothic-Outfit erstrahlten und sich bestens mit der Szene auskannten — zumindest mit der, die sie in den einschlägigen Szene-Magazinen in Wort, Bild und Werbeanzeige präsentiert bekommen hatten.
Im Laufe des Gesprächs sah einer der jüngeren Gothics meinen Freund von oben bis unten an und sagte schließlich:
»Du bist doch eh nicht true, so wie du aussiehst!«
Die anderen stimmten zu und die kleine Versammlung löste sich dann auch bald auf. Zurück blieb ein nachdenklicher, schwarz gekleideter Mann mittleren Alters, der schon in den 80ern in den aufkommenden Szene-Clubs auf The Cure getanzt hatte, und der nun etwas verwirrt aus dem unechten, schwarzen Outfit blickte.
Als wissensdurstige Alt-Gruftis schlugen wir im Internet nach, was denn »true« und »untrue« Gothics sind, fanden jedoch keine eindeutigen Antworten. Dafür aber viele eher scherzhaft gemeinte Tests zum Thema (einfach mal nach »True Goth«, »True Gothic« oder »Real Gothic« googeln).
Außerdem stellten wir staunend fest, dass das True-Untrue-Ding offensichtlich so wichtig ist, dass sich auch einige Musiker und Bands dieses Themas angenommen haben — wenn auch teilweise eher ironisch.
Hier drei der entdeckten Songs:
Mode Moderne - Real Goths
Libitina - Gothic People
(Cover des Songs "Common People" von Pulp)
Sing along with the gothic people,
sing along and it might just get you through,
laugh along with the gothic people,
laugh along even though they’re laughing at you,
and the stupid things that you do.
Because you think Goth is so cool.
Santa Hates You - Feuerball
Ich pflege meine Schattenhaut nur mit Schattencreme
Ich baue mir ein Ego aus kaltem Schattenlehm
Hinter meiner Schattenmauer lauert mein Schattenschmerz
Die anderen sind Pseudoschatten, sagt mein Schattenherz.
Ich persönlich habe nun noch immer nicht herausgefunden, was ein »True Gothic« und was ein »Untrue Gothic« ist. Ich stelle jedoch fest, dass es im Großen und Ganzen zwei Fraktionen gibt. Auf der einen Seite stehen die Abbilder der gestylten Gothics und Bands aus den Szene-Magazinen. Auf der anderen Seite stehen die eher schlicht gekleideten Szenegänger — viele davon der älteren Generation zugehörig. Beide Fraktionen halten die jeweils andere Fraktion für »untrue«.
Auch ich kann mich von dem Gedanken nicht ganz frei machen, dass diejenigen, die im kostspieligen Plastik-, Lack– und-Leder-Outfit auf Festivals gehen — schlimmstenfalls sogar zum Bäcker, um Brötchen zu holen — ziemlich »untrue« sind.
Das Lustige/Traurige/Dämliche dabei ist: Keine der Fraktionen kann schlüssig erklären, was denn überhaupt »true« ist. Ich auch nicht! Gibt es überhaupt ein »True Goth-Outfit«, eine »True Goth-Meinung«, True Goth Music« oder eine »True Goth-Lebenseinstellung«?



hat bereits 36 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 09:31:
Ich kenn die »true« und »untrue« Sache nur aus dem Metalbereich. Beim Gothic hab ichs ehrlich gesagt noch nie gehört.
Und selbst beim Metal ist es meist immer ein bisschen scherzhaft gemeint, wenn es um Dinge geht, die irgendwie so gar nicht metal sind.
hat bereits 29 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 10:02:
Ich kannte diese Ausdrücke bis dato eigentlich auch nur aus dem Metal Bereich (hauptsächlich BM), aber ich kann mir gut vorstellen, dass es das in so ziemlich jeder Szene gibt, wahlweise mit wechselnden Bezeichnungen.
Für jüngere Generationen, die eine Fülle an Klamotten und anderem Material über Internet und Co. bestellen können, sind natürlich die Leute, die einfach in schwarzer Jeans herumlaufen natürlich völlig szenefremd, schließlich bekommt man es in den einschlägigen Läden anders vorgelebt.
Für ältere Generationen, die es sich mittlerweile leisten können ohne Kajal zum Briefkasten zu laufen, ist die junge Szene hingegen viel zu weit vom eigentlichen Ideal entfernt, die Betonung liegt nur noch auf Äußerlichkeiten und nicht mehr der Gesinnung.
Fazit einerseits: die Szene ndert sich, bleibt nur die Frage, ob sich die Bedeutungen von Begriffen wie »true« und »untrue« ebenfalls mitändern, je nach dem welche Gruppe im Augenblick in der Szene am dominantesten ist.
Fazit andererseits: sollten nicht grad die älteren Generationen sich von ebendieser Etikettierung loseisen können?
Persönliches Fazit: in welche der beiden Sparten gehöre ich eigentlich bzw. will ich mich da irgendeiner Altersgeneration überhaupt fest anschließen? Ich sage eher nein. Ich schwebe lieber zwischen den Dingen… ^^;
hat bereits 333 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 10:38:
Ich glaube, das ist eine aktuelle Szeneerscheinung, quasi neu aufgekommen. True ist ja heutzutage vieles.
Mir ist das sowas von egal, ich begebe mich nicht in einen Wettbewerb um die größte/beste/echteste Gothiness. Falls es sowas überhaupt gibt. Wer setzt die Maßstäbe bitteschön? Ich habe dafür keine, außer einem: True Goth is from the inside. Und das kann man einem nun mal nicht von außen ansehen.
hat bereits 126 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 11:07:
Oh ja, diese Frage nach dem »True Gothic« kenne ich wohl. Gute Freunde, die Baujahr 198X sind, haben mich in dieses Schubladendenken eingeführt. Mir ähnelt es dem Versuch sich abzugrenzen, den wir in den frühen 90ern auch schon hatten. Zugrunde liegt dem Ganzen m.E. Arroganz als vermeindliche Szene-Attitüde. Die Kommerzialisierung trägt dazu vielleicht auch bei. Nur, wer sich die teuren Markenstiefel, Korsetts und Brokatstoffe leisten kann, ist »true«. Jeans und T-Shirt kann ja jeder!
Wir sind dazu übergegangen, immer wenn diese Schere im Kopf auftaucht lautstark zu proklamieren: »Alles Poser! Nur ich bin »true«!«
hat bereits 328 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 12:49:
Diese beiden Kategorien, die, nebenbei gesagt, in meiner Liste der Erbärmlichkeits-Anglizismen recht weit oben stehen, kannte ich auch eher aus dem Bereich des Spottes.
Somit wurden alljene mit dem Prädikat »true« belegt, die auf Krampf sowie ohne Sinn oder Verstand sämtliche Klischees bedienen wollten.
Dafür werde ich die beiden Worte ja noch dulden. Doch sollte mir ein Pimpf dieses in ernsthafter Diskussion wirklich an den Kopf werfen, so sähe ich mich gezwungen, diesen laut lachend von mir zu schubsen.
Doch nachdenklich stimmt das einen schon. Vielleicht sollte man als alter Sack beginnen, derart »untrue« daherzukommen, dass dieses schon wieder »true« wird. Man will ja auch dazugehören…theoretisch. Vielleicht.
Oder um es mit den besser gewählten Worten von »Santa hates you« zu sagen: Hauptsache man ist eine »Schattensau in Schattenunterhosen«
hat bereits 16 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 13:51:
Wer hat’s erfunden?
Nicht die Schweizer, nein Manowar ham’s erfunden.
Und ich fand es schon damals, als ich noch vorrangig Metal hörte, bemerkenswert dämlich und peinlich.
Dass man nun den Begriff aus einem anderen Genre übernimmt, macht es noch einmal eine Nummer absurder.
hat bereits 378 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 13:59:
Interessant. Dann scheint das Ganze wohl aus dem Metal-Bereich rübergeschwappt zu sein. Wir machen uns aus der Geschichte auch immer einen Scherz und werfen bei Gesprächen hier und da slangkonform ein:
Mann, du bist total untrue, ey! :-)
hat bereits 8 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 14:36:
So wie die Geschichte hier geschildert wird und es auch in den Kommentare anklingt, scheint es sich bei der True-Untrue-Frage vor allem um ein Generationenthema zu handeln, über das man als 197X verwundert (erhaben?) den Kopf schüttelt.
Meines Erachtens ist sie Ausdruck von adoleszenten Suchbewegungen nach der eigenen Identität, um sich in Zeiten, wo man alle 1–2 Jahre den Musik-, Kleidungs– und Lebensstil (und oft auch den Freundeskreis) ändert, gegenüber Eltern, Mainstream und anderen Suchenden hin abzugrenzen. Nehmen wir es den Jüngeren also nicht übel…
Wenn man sich mit 30+ allerdings immer noch (ernsthaft) mit dieser Frage auseinandersetzt, könnte das auf ein Peter-Pan-Syndrom hinweisen :-)
hat bereits 22 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 16:57:
Sehr schöner Artikel! Denn irgendwie zeigt es das Problem, das ich mit der Szene habe. Ich selbst trage meist eher schwarz, aber natürlich nicht nur, interessiere mich zum Teil für bestimmte Literatur, aber nicht nur und höre dementsprechende Musik…aber eben nicht nur! Zwar bin ich jung und hab somit keine 80er Bewegung mitbekommen, aber ich frage mich immer, ob ich mich irgendwie als Gruftie bezeichnen könnte. Ich mache es nicht, weil irgendwie jeder das anders auslegt. Ich sehe nur immer Gothics, die mir so als reines Klischee erscheinen, die sich so geben, als würden sie sich NUR mit diesem Kram beschäftigen und jeder, der sich auch mit anderen Dingen beschäftigt ist somit »untrue«. Aber man ist doch nicht untrue, nur weil man nicht in irgendwelchen Szene-Shops seine Kleidung kauft oder auch mal Musik hört, die nicht gerade düstere Texte haben. Aber es gibt Gothics, die vermitteln mir das irgendwie. Ich persönlich weiß nicht, ob ich mich einer Szene zuteilen könnte, aber ich muss auch dazu sagen, ich hab — außer in einer kurzen Phase in der Pubertät, wo ja jeder rumspinnt — nie großartig drüber nachgedacht, ob ich in irgendeine Szene reinpasse. Denn im Endeffekt ist man ja immer noch man selbst und ich finde keiner hat irgendwie die Fähigkeit jemanden so zu kategorisieren.
hat bereits 227 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 18:19:
Lässt mich an die Situation denken, als mich mal jemand fragte, warum ich mich Gothic nenne obwohl ich noch nichtmal Blutengel höre.……
ähm genauuuu das sagt er einem Pikesträger der Cure, Fields, Sisters und Konsorten hört, also da läuft ja irgendwas falsch o.O
Also ich bin ja schonmal kein Pseudoschatten ;D
hat bereits 3 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 20:45:
Ohh, das kenne ich zu gut. Das erste Mal, als ich in einem normalen Outfit (BLUE Jeans, schwarzes T-Shirt) in einem meiner Stammlden war, den ich seit der Eröffnung besuche. Ich gebe ja zu, dass ich im Alltag nur noch sehr selten komplett schwarz geleidet bin und so auch mal in die Disco gehe, da ich viele Clubbetreiber und Türsteher seit 14 Jahren kenne und jahrelang Partyfotografie für Clubs gemacht habe.
Naja ich laufe halt so am Eingang vorbei, wo ein Türsteher ein paar aufgestylte Kiddies aufgrund ihres Alters nicht reinlässt. Naja, erstmal wurde der Türsteher beschimpft, dass sowas »untrue»es wie ich reinkomme, während den »true»esten und »evil»sten der Zutritt verweigert würde. Als ich es dann auch noch wagte zu lachen, wurd ich auch noch im Namen von Satan verflucht *g*.
Naja, ich muss mich jetzt halt damit abfinden untrue und auch noch verflucht zu sein.
Kann mir einer von euch helfen wieder true zu werden? ;)
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 30. Mai 2011 um 21:26:
Ganz einfach: true sind nur die, denen es schnuppe ist, ob sie true oder untrue sind ;)
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 00:02:
Also ich persönlich bin Baujahr 1990 und habe somit (leider!!) nichts von der 1980er-Ur-»Grufti«-Bewegung mitbekommen. Dass ältere Szenegänger an dem klischeebeahfteten Nachwuchs Anstoß findet, kann ich durchaus verstehen. Auch ich finde diese Ich-bin-so-böse-und-trage-nur-schwarz-und-gehe-niemals-ungeschminkt-aus-dem-Haus-Teens ebenfalls lächerlich, aber was solls.(Ich persönlich beglücke meine Umwelt des öfteren mit Jogginghose und Augenringen) Es gibt immer eine Generation, die die andere belächelt und diese wiederum wird sich über die nächste lustig machen usw.
Ich persönlich lieeebe Shopping, aber das betrifft auch andere Lebensbereiche ;) Natürlich kaufe ich gern in speziellen Läden ein oder bestelle in Onlineshops.
Eine Freundin von mir, die um einige Jahre älter ist als ich und somit länger ein Teil der Szene ist, meinte neulich zu mir-ich öffnete gerade meinen übervollen Kleiderschrank– wie toll wir-also die junge Generation-es hätten, heutzutage so viele Einkaufsmöglichkeiten zu haben.
Zum Thema Musik und Lifestyle möchte ich mich nicht auslassen, da sonst mein Beitrag einem Roman gleichkommen würde, bzw. ich wahrscheinlich zu sehr vom Thema abschweifen würde :P Grundsätzlich möchte ich an die Alt-Gruftis (sorry, ich nenn euch einfach mal so) nur ein bisschen Toleranz gegenüber uns »Küken« appellieren– die Szene befindet sich permanent im Wandel und ergo auch ihre Mitglieder. Die Ästethik ist mehr in den Vordergrund gerückt und einer ach so monotonen Zeit-die 80er waren ja verhältnismäßig bunt, wenn nicht sogar grell– kann ein hübsches Samtmieder oder ein wallender Tüllrock (und meinetwegen auch die ein oder andere Cyberbrille) ein erfrischender Anblick sein ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 05:22:
Eine interessante Frage. Im Grunde ist das doch nichts anderes, als die eigene Existenz oder die Idealvorstellung von dem was die Szene ausmacht, also »true« zu sein, auf andere zu kopieren. Wer nicht in das Raster passt, fällt durch. Ich selbst kann mich auf von der Fragestellung, was True oder Untrue ist, nicht freimachen.
True oder Untrue darf sich nicht nur auf das Aussehen beziehen, das wäre fatal und beruht auf Schubladendenken. Ich denke, wenn die schwarze Fassade mit Hintergrund gefüllt ist, habe ich nichts dagegen einzuwenden einen »True« Stempel draufhämmern, wenn es denn unbedingt sein muss. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Ausprägung man denkt, oder ob daraus eine Lebensweisheit entsteht. So ist ein Cyber, der sich mit Science Fiction, Endzeit-Romanen oder auch der Philosophie dahinter beschäftigt ebenso true wie der Gothic, der sich mit Mystik, Religion und Okkultismus beschäftigt. Leider gibt es mittlerweile in jedem Lager (das ist hier in den Kommentaren bereits angeklungen) Modeerscheinungen, die sich zum feiern einfach nur verkleiden wollen und das, ja das ist dann tatsächlich »untrue«.
hat bereits 378 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 09:20:
@parasita
Stimmt, so richtig »ernsthaft« darf man sich im fortgeschrittenen Erwachsenenalter damit wirklich nicht auseinandersetzen, aber offensichtlich hat der Mainstream so sehr Einzug gehalten in die Szene, dass man versucht — so wie du es auch geschrieben hast — , sich durch Begriffe wie »true« und »untrue« abzugrenzen. Die Frage ist nur, auf welcher Seite da der Mainstream mehr hängt ;-). Sicher keine weltbewegende Entwicklung, aber doch ein Thema, wie ja auch die Kommentare zeigen. Was ist echt? Was ist unecht? Wann werde ich innerhalb der Szene akzeptiert? Wann werde ich ausgeschlossen? Allerdings ist das selbstverständlich eher ein »Problem« der jüngeren Generation. Deshalb ist es aber nicht weniger wichtig. Es ist nämlich sehr schade, wenn nette Menschen mit Tiefgang der Szene fernbleiben, weil sie eine stinknormale Hose tragen und sich nicht eimerweise weiße Farbe ins Gesicht schmieren.
@Celina
Genau das ist der Punkt! Oder besser: Einer der Gründe für diesen Beitrag. Du kannst mit einer fast 100prozentigen Sicherheit davon ausgehen, dass die älteren Grufties — sicher auch wegen des fortgeschrittenen Alters und der Lebenserfahrung — weit mehr Interessen haben als die »schwarzen« Klischee-Themen. Dazu gehören auch die von dir angesprochenen anderen Musikrichtungen und anderen Literaturrichtungen. Es gehören sogar teils ungruftige Einsichten und Ansichten dazu. Es ist absoluter Blödsinn, Interessen oder Überzeugungen über Bord zu werfen oder so zu verbiegen, dass sie in ein Klischee passen. Außerdem muss niemand X-Tra-X Klamotten anziehen, die er nicht mag, nur um »dazu« zu gehören. Jeder sollte den Mut haben, ehrlich zu bleiben und beispielsweise Lack-Minirock und Vampirromane doof zu finden. Wir sind alle unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben und Interessen. Das darf und muss auch innerhalb der Szene so bleiben, ohne dass irgendwer mit dem Label »untrue« vor die Tür gesetzt wird.
@Schatten
Warum nennst du dich eigentlich Gothic, wenn du kein Blutengel hörst? Du Pseudoschatten! :-)
@Arne
Das beweist dann wohl, dass gerade die jüngere Generation für das True-Untrue-Thema anfällig ist und damit keineswegs eine Lebenseinstellung, den Musikgeschmack oder sonstwas meint sondern schlicht die Klamotten.
Um wieder »true« zu werden und den Fluch loszuwerden, musst du 10 umgedrehte Rosenkränze beten und anschließend das Blut eines bei Vollmond geschlachteten Meerschweinchens trinken. Achte darauf, dass du dabei eine sündhaft teure Bondage-Lackhose und Demonia-Schlagmichtot-Stiefel trägst, sonst wirkt es nicht. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst, solltest du dabei Textzeilen aus Twilight murmeln und anschließend die neue Blutengel-CD hören. ;-)
@ Anita
YES! :-)
@ kleineraupe
Es ist schon richtig, dass man den Wandel der Zeit und der Mode berücksichtigen muss, was gerade den Alt-Grufties oft schwer fällt. Auch die Tatsache, dass heute eher gekauft statt selber gemacht wird, ist logisch. Ich kaufe meine schwarzen Klamotten mangels Talent zum Nähen ja auch. Wenn allerdings die Klamotten aus Szeneläden zum Statussymbol werden und alle anderen, die schlichte schwarze Kleidung tragen, ausgeschlossen werden, dann sind wir wieder mitten im Mainstream, weit weg von einer Szene, die sich einst als Subkultur eben gegen diesen oberflächlichen Konsumterror gestellt hat. Samtmieder und Tüllrock sind ebenso Ausdruck eines persönlichen Geschmacks wie ein schlichtes T-Shirt und Jeans. Bei der Cyberbrille muss ich allerdings ein wenig schlucken, was allerdings nicht an der Brille sondern an der damit verbundenen Musik und dem Gymnastik-Knicklicht-Terror auf der Tanzfläche liegt. Ach ja: Außerhalb der Darkwave-Szene waren die 80er verdammt bunt und grell, das stimmt. :-)
@Robert
Grundsätzlich stimme ich zu. Allerdings muss sich ein »schwarzer« Szenegänger nicht zwangsläufig mit Mystik, Religion und Okkultismus beschäftigen. Aber das hast du sicher auch nicht so gemeint, oder?
hat bereits 21 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 10:30:
She is chlinched inside a corset
she is dressed to be deceived
all so perfect in her make-up
she believes to be unique
(Ordo Rosarius Equilibrio — Long lives and little men)
Das sind nunmal die echten Grufties, damit müssen wir uns abfinden. Pikes, Patchouli und toupierte Haare sind nunmal nix gegen die neueste Mode der schwarzen New Yorker, da kann man nicht mithalten. Die wahren Goths sind nunmal der Graf und Herr Pohl, da kommen auch Peter Murphy, Robert Smith und Carl McCoy nicht dagegen an. Ausserdem kennt die heute eh fast niemand mehr.
Zu düster darfs ja auch nicht mehr sein. Mir hat da mal jmd erzählt, dass ein DJ in nem selbsternannten Gothic Club kein Sopor Aeternus oder Joy Division spielen wollte, weil das zu düster sei. Ich glaube das sagt alles aus.… Leichtverdauliche, leichtkonsumierbare Ware will das Volk! Nachschminken statt Nachdenken!
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 14:38:
@Parasita Ja da gebe ich dir vollkommen recht. Das mit den Knicklichtgruftis wollt ich nicht so sagen, aber ja-es ist wirklich zu einem nervigen Hype ausgeartet. Solange sie, wie Robert meinte, sich enrsthaft mit Futurismus und auch Sozialkritik auseinandersetzen und das in ihrer Kleidung wiedergeben, dann ist das völlig ok. Aber leider verkleiden sich viele nur und sind eigentlich um keinen Deut besser als die ganzen Atzen-Party-Fraktion.
Und ich gebe dir ebenfalls recht, was den Markenterror betrifft. Ich meine, wenn mir von Xtra was geällt, dann kauf ich es mir. Aber genauso lass ich mich bei New Yorker und Co. blicken. Und zwar nicht, weil icherpicht drauf bin, ein bestimmtes Label zu tragen, sondern einfach nur, weils mir gefällt. Und »Brand-whores«, die sich nur durch ihre Klamotten definieren, sind mir sowieso schon immer suspekt gewesen. Die können einem echt leid tun, wahrscheinlich müssen sie was kompensieren ;)
hat bereits 57 Kommentare abgegeben und schrieb am 31. Mai 2011 um 15:20:
Wie ihr ja alle mehr oder weniger wisst, lege ich regelmäßig Musik auf, und komme dadurch auch viel mit den Gästen in Kontakt, darunter auch viele, die weit aus älterer sind als ich :) habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich mit meinen 24 Lenzen die Jüngste im Ballsaal bin?
Wie dem auch sei, auch wenn viele der Alteingesessenen sich, verglichen mit dem »Nachwuchs« schlicht anziehen, würde mir nie im Traum einfallen, die als »untrue« zu bezeichnen (schon allein wegen dem unglaublich hohen musikalischen Wissen, dass viele an den Tag legen), nur weil sie mal keine Lust auf Rüschenhemd oder Lederhose haben.
Viele von ihnen haben sich »ausgetobt«, treten jetzt legerer auf– also keine arschlangen, blauen Haare mehr oder ein Rieseniro bzw. Turm.
Und mal abgesehen davon, muss ein schickes/herausgeputztes Aussehen noch lange nicht bedeuten, dass die betreffende Person auch was im Kopf hat, bzw. für die Gothic mehr ist als »geile Lackklamotten«.
Mich werden sicherlich auch einige als nicht »true« ansehen, weil ich keinen Undercut oder dergleichen habe (ich mag an mir volles Haar lieber ^^), nicht mehrfach gepierct bin, und weiß Gott nicht die teuersten und edelesten Stoffe am Leibe trage…und so richtig nähen kann ich auch nicht– abgesehen von ein paar Kleinigkeiten wie Umhänge, Taschen usw. Aber wisst ihr was? Damit kann ich gut leben ;)
Noch was zum Thema »Musikauswahl in Clubs«, weil das Epitaph89 erwähnt hatte: Ich hab keine Hemmungen Sopor Aeternus, Die verbannten Kinder Evas, uralte Lacrimosa-stücke (Der Ketzer lässt grüßen!), aber auch Lieder von Fields of the Nephilim (btw, einer meiner absoluten Favoriten), The March Violets, Love like Blood und Joy Division auf zulegen.
Wem das alles zu »düster« und »gruftig« ist: Da vorne ist die Tür *lach*
hat bereits 15 Kommentare abgegeben und schrieb am 1. Juni 2011 um 00:31:
Ich spreche hier mal lieber von Authentizität als von »Trueness«, das nimmt der Sache den doch etwas lächerlichen, teilweise ironischen Beigeschmack, ist zumal die Frage nach der »Trueness« ja eigentlich nichts anderes als eine Frage nach Authentizität, was an sich auch ersteinmal nichts schlechtes ist. Das Problem ist nur, dass es hier keine allgemeinen Maßstäbe gibt, woran man das beurteilen könnte bzw. wie Robert schon gesagt hat jeder einfach seine eigenen Vorstellungen und Anforderungen auf andere überträgt. Für den einen ist es die Zustimmung zu bestimmten Ansichten oder Werten, für andere ist es der Preis der Klamotten, das Alter der Lieblingsbands, die Länge der Zugehörigkeit, die Höhe der Turmfrisur, alles mögliche und in allen möglichen Kombinationen.
Eigentlich ist das auch gut so, denn wer soll sonst entscheiden, welche Eigenschaften wichtig sind außer man selbst? Die Sache ist nur die, dass sich bei dieser Frage so mancher lieber auf diverse Hochglanz-Heftchen und Szene-Läden verlässt, die natürlich bevorzugt auf wirtschaftlich Verwertbares setzen. Zudem ist es ja auch wesentlich einfacher, jemanden anhand seiner Hülle zu beurteilen, schließlich braucht es dazu nur einen kurzen Blick, ansonsten müsste man sich ja mit dem Menschen auseinandersetzen…
Ich denke, dauerhaft glücklich wird man in diesem Fall nur, wenn man sich selbst true… äh treu bleibt anstatt irgendwelchen vorgegebenen Idealen hinterherhetzt, da diese in aller Regel sowieso von nur kurzer Beständigkeit sind.
Die enorme Diversität innerhalb der schwarzen Szene macht die Angelegenheit nochmal schwieriger, da einzelne Untergruppen unterschiedliche Anforderungen an »erwünschte Eigenschaften« haben, die sich auf andere nicht übertragen lassen, aber eventuell trotzdem angewendet werden.
Es wurde hier bereits davon gesprochen, dass die ganze Trueness-Geschichte eine aktuelle Szeneerscheinung sei. Dazu kann ich nicht viel sagen, da sich ein Großteil der angesprochene Zeit meinem direkten Erleben entzieht, aber äußere die Vermutung, dass die Sache aus der gewachsenen Größe und Bekanntheit der Szene resultiert. Hat es früher vielleicht schon gereicht, sich allein durch schwarze Kleidung und ein paar musikalischen Vorlieben von der Allgemeinheit abzugrenzen, ist diese eigene kleine schwarze Welt inzwischen so groß geworden, dass manch einer das Bedürfnis hat, sich innerhalb dieser nochmals abzugrenzen um sich eine eigene Identität aufzubauen, indem eben bestimmte Maßstäbe angesetzt werden.
Ach übrigens, wer wirklich true ist, schreibt nicht »true« sondern »trve« :P
hat bereits 242 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Juni 2011 um 21:19:
Nun, meine Erfahrungen decken sich mit denen die schon bemerkten daß die »true«-Rufe oft vonseiten ausgesprochen junger Szenegänger kommen, die dank oberflächlicher Beschäftigung nicht viel weiter kommen als die teuren Szenemarkenklamotten und irgendwie verpo(h)lter Mucke *dreckig grins* — ein jahr später ist die Phase dann meist vorbei und man wendet sich dem nächsten Trend zu.
So ist die Sache mit dem »true« für mich auch gerne ein Begriff der äusserst ironisch benutzt wird.
»Authentizität« finde ich hat damit wenig zu tun, sehe ich aber beileibe für das an was wirklich der wichtigere Aspekt ist — egal ob Grufti oder Hippie, es ist immer schade wenn Menschen sich verstellen müssen um irgendwo »dazu« zu gehören oder sich irgendwie besser zu fühlen. Ist dann eher ein Zeichen von mangelndem Selbstwertgefühl oder geistiger Unreife.
Authentizität äussert sich nicht in der Marke die auf meinen Klamotten steht oder dem Preis dafür, es äussert sich mehr darin ob ich meine Klamotten danach wähle wie ich mich wohl fühle. Was mich in gewisser Weise ausdrückt. Da sind mir dann die optisch ach so langweiligen Träger von schwarzen Hosen und Shirts auch lieber als die selbsternannten Hobbyaristokraten die sich in meiner Szeneinternen Splittergruppe ärgerlicherweise genauso rumtreiben wie super Freunde mit gleichen Interessen und Vorlieben.
Ich habe schon viele Vertreter der schlichten Sorte kennengelernt weil sie dankenswerter Weise ebenso vorurteilsfrei auf mich zukamen und erstklassige Gespräche geführt über Musik und Goth und die Welt. Für mich ist das dann auch der Idealzustand.
Nein »true gothic« gibt es nicht und keinem steht es zu über andere zu urteilen was »true« ist und was nicht. Aber bei reiner Spaß– und Partymentalität und den Markenfetischisten tue ich mir dann einfach schwer so ein Individuum als »vom gleichen Schlag« anzusehen. Keine Frage des true oder untrue sondern der Authentizität — wer krampfhaft versucht in seiner schwarzen verkleidung »true« aus der Wäsche zu gucken, erreicht mit seiner Ausstrahlung oft doch das Gegenteil.
hat bereits 15 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Juni 2011 um 00:34:
Nur um das vielleicht etwas klarer darzustellen: Mit Authentizität meinte ich in meinem vorhergehenden Eintrag zunächst nicht die Authentizität eines Menschen an sich, sondern wollte erst einmal versuchen klarzustellen, was mit »Trueness« gemeint sein könnte und wollte damit einen Begriff finden, der eben nicht so häufig nur ironisch gebraucht wird. Denn schließlich meint derjenige, der sich durch die Worte »Du bist untrue« meint über andere erheben zu müssen im Prinzip ja nichts anderes als »Du bist kein authentischer Goth (oder was auch immer)«. Aber dass das objektiv gesehen aufgrund von fehlenden Maßstäben (und nicht nur deswegen) Unsinn und dazu oftmals noch oberflächlich ist wurde ja schon zu genüge dargestellt.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Juni 2011 um 17:03:
Die Auffassung von »True« und »Untrue« sind überraschend vielfältig, ebenso wie die Szeneauffassung selbst. Interessant finde ich den Ansatz, das »True« den Szenegänger vom Fashionvictim unterscheidet, als die Wochenendgrufties von denen, die sonst auch so rumlaufen, wobei sich das natürlich wieder auf äußere Merkmale beschränkt.
Wie jemand die beiden Begriffe auf unterscheidet, es bleiben Schubladen. Das ist jetzt nicht etwas pauschal negatives, sondern nur die Reaktion auf Reizüberflutung, die mittlerweile auch innerhalb der Szene stattfindet. »Kann ich mir das als Szenebestandteil vorstellen?« — »Würde ich das auch so kombinieren?« — »Gefällt mir die Musik?« Was einem gegen alle Striche geht, wird in die Schublade »Untrue« gesteckt, da wo es auch hingehört. Niemand muss sich dafür schämen Menschen zunächst so zu beurteilen, man sollte lediglich davon Abstand gewinnen, die eigenen Ansichten als »True« Maßstab anzusehen, ohne den Blick ständig neu zu schärfen und Dinge die »Untrue« gewesen sind, weiterhin kritisch hinterfragt.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. Juli 2011 um 01:02:
Hm…
Naja, ich muss sagen, gerade auch seit ich diesen Blog lese hab ich häufig das Gefühl, dass diejenigen als »true« empfunden werden die Pikes und Vogelnest tragen, am besten aus den 80ern kommen, usw.
»Untrue« die durschnittliche Glühwurmfraktion.
Mag sehr vereinfacht ausgedrückt sein, ich weiß dass der eine oder andere durchaus differenzierter hat, aber das ist das Bild, was sich bei mir im Kopf bildet.
Denn jede Diskussion darüber, ob z.B. Cybers überhaupt Goth sind, und nicht doch eher übrig gebliebene Raver, ist doch im übertragenen Sinne eine Diskussion um »trueness«, selbst wenn man sie nicht mit diesem Wort betitelt.
Vermutlich gibts keine wirkliche Antwort, nur Meinungen die zurückbleiben und irgendwas hinterlassen.
Und ja, ich geb zu, ich grübel leider auch oft genug ob ich überhaupt ein Teil des Ganzen bin, oder nicht doch in meiner eigenen Schublade umhersegel.
Naja…gut, theoretisch ist jeder ein Individuum, aber auch ein soziales Wesen dass sich irgendwo dazugehörig fühlen möchte.…ob das nun ne Subkultur ist, ein simpler Freundeskreis, die Familie…was auch immer.
Selbst wenn man weiß, dass auch das Grübeln darüber zu keinem Ergebnis führt kommt gelegentlich diese Rastlosigkeit wieder zum Vorschein. Jetzt könnt ich sagen: »Als Rastloser kann man sich in der schwarzen Szene vielleicht doch perfekt ne kleine Nische suchen«… aber das wäre zu einfach.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Februar 2012 um 08:45:
Hey zu dem Thema mal eins.
Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt « Bist du ein Gothic?« Hat mich doch sehr zum nachdenken gebracht.
Dazu müsste man doch erstmal definieren können was ist Gothic?
Kann mir die Frage jemand explizit beantworten?
Ich denke nicht! Außer, dass viel sich irgendwo auch über die Musik definieren, kreativ sind udn sich mit Themen beschäftigen über die ein »Normalsterblicher« nicht nachdenken will. Im Endeffet ist es doch immer eine Auslegungssache und eine der Lebenseinstellung.
Also kann man abschließend sagen true und untrue sind größtenteils Quark. Ich gehöre nun auch zu der jüngeren Generation kleide mich auch ab und an mal gern schick heißt:
–Korsage
–langer/kurzer Rock
–shirts mit Korsagenoptik
–Stiefel
Geht, aber auch gern gemütlich.
Höre sehr gerne ältere Sachen wie the Cure und bin auch dankbar für jeden, der mir schöne Musik zeigen kann *mit dem Zaunpfahl wink* ;D.
Außerdem bin ich ein Schreiberlein aus Leidenschaft. Andererseits mag ich auch »Szeneuntypische« Sachen und geh auch gern mal mit meinen »Normalos« schlittschuhlaufen.
Letztendlich ist es doch eigentlich wichtig, dass man sich mit sich selbst wohlfühlt und das auch zeigen kann… was die ganze Disskusion true oder untrue schon wieder vollkommen sinnlos macht!
hat bereits 144 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Februar 2012 um 13:39:
Ich behaupte, dass dieses True-/Untrue-Ding damals viel ausgeprägter war. Die Szene war viel kleiner, da achtete man noch viel pingeliger auf die äußere Erscheinung. Natürlich nannte man das nicht »trve«, aber die Form der Ablehnung war dieselbe. Früher war nicht zwingend alles besser. Aber vielleicht hatte das die Szene »sauberer« gehalten. Heute gibt man sich zwanghaft tolerant. Das finde ich kaum annehmbarer. Sonderlich positive Aspekte kann ich daraus nämlich auch nicht ziehen.
Es gibt in traditionellen Szenen zumindest gewisse Orientierungspunkte, etwas das ich Basismerkmale nenne. Grundhaltungen neueren Datums, wie »Gothic ist, was du draus machst«, sind diesbezüglich eher weniger förderlich und haben aus der ursprunglichen Gothic-/Wave-Kultur nur einen undefinierbaren Rummelplatz gemacht, aus dem kein sinniges, homogenes Szenebild mehr ersichtlich wird.
Wenn du heute jemandem vermitteln würdest, dass du der »Schwarzen Szene« angehörst — was sagt das denn letztlich noch aus? Die Grundpfeiler, auf denen sich das Ganze stützte, wurden schon vor Ewigkeiten weggesägt.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Februar 2012 um 15:40:
Wie du sagst @Death Disco
Was sagt es heute aus wenn du der Szene noch angehörst. Wirklich nur auf die heutige Szene bezogen. Die Grundpfeiler fehlen und, dass ist der idiotische Punkt. Was ist eine Szene ohne Grundpfeiler? Das ist verdammt schade! Gut ich geb zu ich bin erst seit letztem Jahr »dabei«, aber ich finds schon interessant und sauge gierig auf was ich an Informationen und Hintergründen bekommen kann. Deswegen ist der Dialog mit alten Hasen echt interessant.
hat bereits 166 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Februar 2012 um 17:58:
Kathi, bei unserem Gothic-Friday findest du vielleicht ein paar Anregungen, um diese Frage zu beantworten :)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Februar 2012 um 22:28:
Beschnitten, aber noch vorhanden. Die Grundpfeiler existieren auch heute noch, gehen aber in der Vielzahl der Splittergruppen einfach unter. Das Problem ist heutzutage noch viel größer.
Ich möchte Death Discos Zitat »Gothic ist, was du draus machst« einmal aufgreifen. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass etwas weiterentwickelt wird und zum Teil auch mit Dingen angereichert wird, die einfach nicht kompatibel sein können. Ich halte das für eine ganz normale Entwicklung, in der auch die viel besagten (und immer noch schwer zu definierenden) Grundpfeiler existieren können. Auch ich habe das Zitat an mehreren Stellen benutzt, denn ich denke, Gothic ist (oder entwickelt sich zu) eine reine Kosumentenkultur, in der es nicht darum geht zu erschaffen, nachzudenken oder mitzuwirken, sondern nur darum, ein Motto für ein Party zu haben. Daher ist es für mich wichtig, zunächst einmal dazu aufzufordern, »etwas daraus zu machen«, sich also mit dem was ist und war zu beschäftigen um für sich selbst Rückschlüsse zu ziehen.
Wenn wir uns hinstellen und sagen, die Grundpfeiler gibt es nicht mehr und früher war alles anders, dann hilft das niemanden. Es klingt auch stellenweise so, wie die hinterherheulen an eine verlorene Zeit. Wir können auch keinen Rahmen vorgeben, in der Gothic zu existieren hat, denn seit der Entstehung sind nunmal einige Dekade ins Land gezogen. Das, was die Jugendlichen heute zu verarbeiten haben, passt nicht mehr zu dem was früher verarbeitet werden musste.
Ich glaube, dass eine Verbindung von dem »alten« und dem »mach was draus« immer noch die hoffnungsvollste Möglichkeit ist, das zu schützen, was einem wichtig ist. So freut man sich vielleicht über wissbegierigen Nachwuchs, der sich nicht in alte Muster fügen muss, sondern einen Leitfaden erhält um etwas für sich daraus zu machen.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Februar 2012 um 09:31:
@ASRianerin
Danke für den Tipp
@Robert Deine aussage unterschreib ich sofort. War von meiner Seite zumindest etwas ungünstig ausgedrückt. Du hast also meine Gedanken eigentlich auf dne Punkt gebracht.
Mit dem Zusatz das man heute halt seltener Leute finden kann die einem ein bisschen erzählen können. Über ebenjene »alte Zeit«