27 Januar

Der Graf und sein Produkt: Scheinheilig - Geschoren um zu erleben?

Kategorie: Szene im Blick — Jahrgang: 201140 Kommentare

Der Graf von UnheiligDas Jahr des Gra­fen, das Jahr von Unhei­lig. 2010 hat nie­mand die Szene so pola­ri­siert wie diese Band. Ver­ra­ten füh­len sie die, die der einst unbe­kann­ten Band über Jahre treu geblie­ben sind weil sie Unhei­lig als Iden­ti­fi­ka­tion genom­men haben. Ver­kauft füh­len sich die ande­ren, die einst auf klei­nen inti­men Fes­ti­vals und Club­kon­zer­ten den noch unpo­pu­lä­ren Aache­nern zuju­bel­ten. Wer vom Schat­ten in das Licht tritt, darf sich nicht wun­dern wenn die Sonne ihn blen­det. Der Erfolg von Unhei­lig auf dem sub­jek­ti­ven Prüf­stand der Szene-Integrität. Schein­hei­lig ist nicht nur der Titel einer Videoparodie.

Nach einem Bei­spiel­lo­sen Mar­ke­ting­feld­zug erreicht das Album »Große Frei­heit« im letz­ten Jahr Platz 1 der Album Charts und erhält im Laufe des Jah­res 6fach Pla­tin. Im August löst es Her­bert Grö­ne­mey­ers Album »Ö« an der Spitze der am längs­ten auf Platz 1 befind­li­chen Alben ab und wird letzt­end­lich zum erfolg­reichs­ten Album der Jah­res 2010 gekürt. Was zunächst als musi­ka­li­sche Dis­kus­sion begann, ist nun in einem hand­fes­ten Szenee­klat angekommen.

Musi­ka­lisch reiht sich das Album naht­los in das musi­ka­li­sche Kon­zept der Band ein, es ist ein biss­chen pop­pi­ger als der Vor­gän­ger, hält aber alle Ele­mente für ein gutes Unheilig-Album bereit. Wäh­rend der Graf in »Fern­weh« die Stär­ken sei­ner Stimme aus­spie­len kann, ist »Hei­matstern« wie­der eine schöne Bal­lade mit soli­dem Text, der durch­aus den Ansprü­chen aus ver­gan­ge­nen Stü­cken gerecht wer­den kann. Mit »Für immer« sichert man sich geschickt auch eine Posi­tion in den Play­lis­ten der Clubs. Doch das Album bleibt Geschmacks­sa­che und erin­nert mich mit dem rest­li­chen Inhalt an eine jugend­lich unbe­denk­li­che Ver­sion von Ramm­stein, bei der man die Flam­men­wer­fer gegen Ker­zen aus­ge­tauscht hat. Das Stück »Gebo­ren um Leben« steigt in Win­des­eile auf die vor­de­ren Chart-Position und wird zum Zank­ap­fel einer gan­zen Szene.

Aber machen wir uns nichts vor: Mit Gothic hat Unhei­lig eigent­lich nichts gemein­sam. Doch wo passt man denn nun hin­ein? »Wenn, dann in die schwarze Szene – denn da komme ich her. Da waren die ers­ten Men­schen vor zehn Jah­ren, die auf die Lie­der auf­merk­sam gewor­den sind, die mir den ers­ten Applaus geschenkt haben.»1Die Szene lebt von der Ver­ein­nah­mung, Musik die zur Szene passt, wird in der Szene gespielt — da rei­chen auch eine tiefe Stimme und melan­cho­li­sche Texte mit viel Herz­schmerz völ­lig aus.  Das Unhei­lig nichts mit Gothic-Musik gemein­sam hat, lässt sich daher nur auf die Wur­zeln des musi­ka­li­schen Genre zurück­füh­ren.  »Schwarze Szene« oder »Gothic« sind höchst sub­jek­tive Ein­schät­zun­gen einer höchst hete­ro­ge­nen Szene.

Das Kind der Szene nabelt sich ab, wird erfolg­reich und sorgt für viel Leid bei den ver­meint­li­chen Eltern. Der Graf sieht seine Wur­zeln in der Szene, weil er dort die ers­ten offe­nen Ohren fand. Einer Kate­go­ri­sie­rung sei­ner Musik ent­zieht er sich aber, ver­weist auf mög­lichst weit aus­ein­an­der­lie­gende Quel­len sei­ner Inspi­ra­tion und stif­tet so natür­lich nur noch mehr Verwirrung.

Wenn ich ein Lied mache, das härter ist, dann möchte ich, dass sich das wie Rammstein anhört. Die haben es einfach geschafft, es auf den Punkt zu bringen – das ist für mich Metal der Neuzeit. Ansonsten finde ich aber auch die Texte von Herbert Grönemeyer klasse. Er kann mit wenigen Worten sehr schöne Bilder aufbauen. Der Ursprung der Unheilig-Musik ist aber in meiner Kindheit zu finden. Damals habe ich Filmmusik von Hans Zimmer, Ennio Morricone oder Bill Conti nachgespielt und meine eigene Version daraus komponiert.2

Eine Angst die er mit vie­len Künst­lern teilt, denn für die bedeu­tet eine musi­ka­li­sche Zuord­nung Stig­ma­ti­sie­rung und die Angst, nie wie­der aus der Ecke her­aus zu kom­men. Es sei mir ver­zie­hen das ich die Musik von Unhei­lig als kit­schige Pop-Musik emp­finde, eigent­lich immer schon. Glück­li­cher­weise teilt der Graf meine Ein­schät­zung: »Ich finde Kitsch gut. Ich brau­che Kitsch. Den Tan­nen­baum zu Weih­nach­ten will ich bunt und schrill. Öko-Weihnachtsbäume finde ich lang­wei­lig. Ich möchte bei Fil­men ein rich­ti­ges Happy End. So ist es auch mit Bal­la­den. Ich weiß, dass eine Bal­lade gut ist, wenn ich wei­nen muss. Es muss Emo­tion da sein.»3 Zur Not nimmt man auch mal einen Kin­der­chor, der wirkt immer.

Leben und leben las­sen. So habe ich Unhei­lig immer betrach­tet, das ein oder andere Stück finde ich sogar recht gelun­gen. Musik ist doch Geschmacks­sa­che, ein höchst sub­jek­ti­ves Erleb­nis ohne den Anspruch auf All­ge­mein­gül­tig­keit. Ent­we­der gefällt einem die Musik oder sie gefällt einem nicht.

Doch was das Mar­ke­ting aus den Unhei­li­gen machte, sorgt bei mir für regel­mä­ßi­gen Brech­reiz. Es beginnt damit, das sich der offi­zi­elle Unheilig-Fanclub im Früh­jahr 2010 auf­löst und damit der Dis­kus­sion eine neue Dimen­sion ver­leiht. Wäh­rend des­sen rollt die Ver­mark­tungs­ma­schine unter Voll­dampf. Auto­gramm­stun­den in Elek­tro­märk­ten, jede Woche Auf­tritte bei RTL2 und RTL, Unzäh­lige Inter­view mit der BILD Zei­tung. »Und woher bezieht der Pop-Adelige seine gräf­li­che Unter­wä­sche? Der Graf: „Ich habe zwölf Paar schwarze Socken und zwölf Unter­ho­sen, die ich täg­lich wech­sele. Die Marke ist mir völ­lig egal. Haupt­sa­che, es kneift nicht.»4 Eine Spen­den­ak­tion für die Opfer in Haiti wird von Unhei­ligs »Gebo­ren um zu leben« beglei­tet, im Big Bro­ther Con­tai­ner oder bei der Soap GZSZ prä­sen­tiert sich der Graf einer ganz neuen Zielgruppe.

Die Ver­kaufs­zah­len stei­gen, der Graf wird immer gefrag­ter. Kon­takt­lin­sen und schwarze Fin­ger­nä­gel wei­chen dem beschei­de­nen und zurück­hal­ten­den Image. »Meine Kon­takt­lin­sen trage ich schon seit drei Jah­ren nicht mehr, weil es auf Dauer höl­lisch weh­tut, diese Din­ger in den Augen zu haben. Und die Nägel sind seit vier Jah­ren nicht mehr lackiert, weil es mir irgend­wann zu blöd war, jeden Mor­gen im Hotel­zim­mer zu sit­zen und die Fin­ger schwarz zu lackie­ren.»5 Er gibt sich got­tes­fürch­tig, lehnt die Kir­che als Insti­tu­tion ab. »Ich bin extrem reli­giös« und »…aber ich sehe mich eher als reli­gi­ons­frei an« erschei­nen im nahezu sel­bem Satz6

Er bie­tet eine mas­sen­taug­li­che Mischung aus Beschei­den­heit und Mys­te­rium und prä­sen­tiert sich, seine Band und seine Musik zu jeder Gele­gen­heit, ohne aus­zu­wäh­len ob es pas­send ist oder nicht. Popu­la­ri­tät um jeden Preis. Er ver­kauft das, was sich die Szene einst auf die Fah­nen geschrie­ben hat. Abseits des Main­stream die gesell­schaft­li­chen Werte in Frage zu stel­len, zu zei­gen das man es ablehnt an der lau­ten und kom­mer­zia­li­sier­ten Welt teil­zu­neh­men. Gefühle wir­ken geheu­chelt wenn man sie zu jeder Gele­gen­heit einspielt.

Zu behaup­ten, Unhei­lig hätte je ein ande­res Ziel ver­folgt als den Erfolg, irrt sich. Schon im Sep­tem­ber 2006 tritt Unhei­lig bei der Doku-Soap »Frank, der Wed­ding­pla­ner« auf Pro7 auf, 2009 fin­det man den Gra­fen bei »Mie­ten, Kau­fen, Woh­nen« auf VOX, doch erst 2010 explo­diert die Ver­mark­tung.  Bleibt die Frage, ob die Fans von einst nicht unehr­lich zu sich selbst sind und der Band ihren Erfolg nicht gön­nen, für den sie lange und hart gear­bei­tet haben.

Es bleibt aber auch die Frage wie weit man für sei­nen Erfolg gehen darf. Unhei­lig hat mei­ner Ansicht nach diese Grenze deut­lich über­schrit­ten, mit ihrer Sucht nach Erfolg und der bei­spiel­lo­sen Medi­en­prä­senz haben sie sich und ihre Inhalte ver­kauft. Wer so weit geht, dem darf man dann auch schon mal den Ver­rat der eige­nen Ideale ankrei­den, inso­fern die Band um den Gra­fen jemals wel­che hatte. In einem Inter­view auf laut.de beschreibt Eis­bre­cher Sän­ger Alex Wes­selsky seine Ein­drü­cke so:

Was mich viel eher stört, ist die Tatsache, dass man mit der Nummer "Geboren Um Zu Leben" einen auf Betroffenheit macht, um Spendengelder für Haiti zu sammeln. Das ist meiner Meinung nach zynisch und menschenverachtend. Das ist RTL-Marketing auf der untersten Schiene. Ich versteh auch nicht, wie man allen Ernstes zu Big Brother gehen kann. Damit disqualifiziert sich meines Erachtens nach jeder. Egal ob Künstler, Politiker oder was auch immer. Man muss doch nicht jeden Dreck mit machen, nur um Platten zu verkaufen. Die ganze Vermarktungskampagne, die da gerade mit Unheilig läuft, finde ich echt scheiße und peinlich. So was regt mich wirklich auf. Das hat aber nichts mit der Musik zu tun.

Auch gute Freund­schaf­ten sind nicht für die Ewig­keit. Wenn sich einer von bei­den in eine andere Rich­tung ent­wi­ckelt wie man selbst, ist es manch­mal bes­ser die Freund­schaft zu been­den, ein letz­ter Freund­schafts­dienst, den man sei­nem Gegen­über erwei­sen sollte. Soll­tet ihr eure Defi­ni­tion von Gothic um die Band gebaut haben ist es ver­ständ­lich das die­ses Kar­ten­haus nun ein­stürzt, habt den Mut die Kar­ten neu zu ord­nen — dar­aus lässt sich noch viel­mehr machen.


(via Micha-Schmidt)

(danke an Sabrina-Kirnapci)

(Bild­quelle: SpreePIX Ber­lin, CC-Lizenz BY-NC-ND)
  1. Inter­view in der Augsburger-Allgemeinen Zei­tung vom 05.01.2011: Der »Graf« von »Unhei­lig« im Inter­view []
  2. Aus einem Inter­view der Augs­bur­ger All­ge­meine: Der »Graf« von »Unhei­lig« im Inter­view, vom 05.01.2011, abge­ru­fen am 27.01.2011 []
  3. Aus dem Arti­kel Unhei­lig — Gothic-Graf fin­det »Kitsch gut« auf relevant.at vom 19.04.2010, abge­ru­fen am 27.01.2011 []
  4. Aus ein dem Arti­kel »Warum tra­gen sie Slip­per, Herr Graf?«, abge­ru­fen am 27.01.2011 auf bild.de []
  5. Aus einem Inter­view mit tz-online.de: Raus aus der Gruft. rein in die Charts, vom 04.01.2011 abge­ru­fen am 27.01.2011 []
  6. Aus einem Inter­view mit der Gie­ße­ner Zei­tung: »Ich bin ein ganz nor­ma­ler Typ« vom 24.03.2010, abge­ru­fen am 27.01.2011 []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Szene im Blick
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40 Kommentare

  1. Inter­es­san­ter Arti­kel. Ich geb zu, Unhei­lig nie gehört zu haben und es auch nicht vor­zu­ha­ben, aber alle Haus­frauen in mei­ner Bekannt­schaft 40+ hören es und sind in den Gra­fen »ver­knallt«. Das hat für mich schon Wend­ler Aus­maße.
    Die Musik spricht mich über­haupt nicht an, aber ich kann ver­ste­hen, dass sich die alten Fans irgend­wie ver­ra­ten füh­len. Man ver­bin­det mit Musik ja auch immer eine gewisse per­sön­li­che Ver­bun­den­heit. Wenn die dann auf ein­mal in den Charts und jeder dritt­klas­si­gen Fern­seh­show sieht, dann hin­ter­fragt man das schon.
    Ande­rer­seits muss man sehen, dass die Leute von ihrer Musik leben wol­len und des­we­gen immer danach aus sind, ihre Ein­nah­men zu stei­gern. Wie man das aller­dings macht, sollte man immer abwägen.

  2. Ich habe den das erste Mal 2005 oder 2006 (weiß nicht mehr genau) auf einem wini­gen Mini-Popel-Festival hier in der Nähe gese­hen. Und ich weiß noch dass eine Bekannte neben mir stand und meinte »Ohhh! Gleich kommt „der Graf” und der ist sooo toll!!! Hach, Seufz…!«.

    Ich kannte den nicht, und fand den Typ total unsym­pa­thisch und die Musik furcht­bar als er dann end­lich auf der Bühne war, wäh­rend so ein paar Mädels neben mir in den Anhimmel-Modus ver­fie­len… (mir unver­ständ­li­cher Weise).

    Da ich den nicht mag, ist der mir auch rela­tiv egal… und wer es hören mag, der soll es tun (jedem was er will). Wobei ich aber wirk­lich graue Haare bekomme sind mili­tante Immer-Noch-Verfechter bei so Sachen… Wenn man da sagt dass man den blöd fin­det kommt gerne mal ein *mimimi* nur weil der Erfolg hat ist der jetzt doof oder was *mimimi* — das ich den schon vor­her nicht mochte spielt dann plötz­lich keine Rolle…

  3. Unhei­lig mochte ich noch nie so wirk­lich. Ich hörte mir zwar immer ein paar Songs an, aber ich war schnell gelang­weilt, weil mich diese Kit­sch­nu­an­cen die schon an Schla­ger erin­nern echt genervt haben. Ich habe auch noch nie ver­stan­den, warum die Goths um mich herum immer so von Unhei­lig schwärm­ten. Ich hörte mich eben anfangs rein, weil ich dachte:»Na, muss ja sei­nen Grund haben, dass die so hoch­ge­lobt wer­den« aber ich wurde sehr schnell bit­ter ent­täuscht. Bei mir kom­men auch kei­ner­lei Emo­tio­nen hoch, wenn ich diese Musik höre. Sofern man Lan­ge­weile von Emo­tio­nen trennt.

    Dass Unhei­lig irgend­wann einen sol­chen Boom aus­lö­sen war mir schon sehr sehr lange klar. Mich wun­dert es sogar, dass es so lange gedau­ert hat. Kit­schige Musik die man irgend­wie als Düs­ter ver­packt hat lässt sich wun­der­bar vermarkten.

    An und für sich, wäre es mir Wurscht, wenn nicht alle Welt jetzt mei­nen würde, sie müss­ten sich schwarz anzie­hen und Gothic sein, nur weil sie Unhei­lig hören und von ande­rer Musik aus dem Genre nichts wis­sen wol­len. Sicher­lich kann es natür­lich sein, dass jetzt viele einen Ein­stieg in die Szene fin­den, aber ich hatte das Pech eben auf oben genannte zu tref­fen. Und das nervt mich…

    Im übri­gen: Als ich mein Pfle­ge­prak­ti­kum in einem Alten­heim machen musste, wurde ich den gan­zen Tag mit Nino De Angelo beschallt. Und irgend­wie kann ich mir nicht hel­fen, aber man könnte mei­nen, die bezie­hen ihre Texte aus der selbe Quelle: http://www.magistrix.de/lyrics/Nino%20De%20Angelo/Engel-Der-Nacht-76556.html

    ;D

  4. Unhei­lig war ein Thema, das mir letz­tes Jahr rich­tig schwer im Magen lag.

    Ich oute mich hier­mit als Unheilig-Fan.

    Zumin­dest war ich das, bevor das mit dem gan­zen Medi­en­zir­kus begann. »Frei­heit« war eines mei­ner »Einstiegs-Songs« in die Szene und viele der älte­ren Stü­cke haben mich durch schwere Zei­ten beglei­tet. Rich­tig »Fan« wurde ich wohl nach sei­nem Auf­tritt aufm WGT 2008 — dort wurde Pup­pen­spie­ler vor­ge­stellt und es war schwei­n­e­heiß in der Halle, was mich da so begeis­tert hat, dass er n paar Fla­schen Was­ser und Becher dabei hatte und diese ins Publi­kum gereicht hat — da hat jeder mal n paar Schlu­cke genom­men (was sicher nicht beson­ders hygie­nisch war *g* — aber die Geste und das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl mit den ande­ren Fans fand ich so toll).

    Mja… und dann ging das mit »Gebo­ren um zu leben« los. Es klingt viel­leicht kin­disch oder/und ego­is­tisch, aber es stößt mir auf »meine« Musik mit »Nor­ma­los« tei­len zu müs­sen. Sogar meine Schwie­ger­mut­ter hört jetzt Unhei­lig *augen­roll*. Wenn man mich fragt »Gönnst du dem Kerl den Erfolg nicht?« würd ich sagen »Nicht auf diese däm­li­che Art und Weise mit Big Bro­ther und GZSZASP z.B. sind auch erfolg­reich und müs­sen nicht auf so ne Stufe abstei­gen (naja gut, die haben ja diese rie­sige Merchandise-Maschine, was n ande­res Thema ist)…

    Mein Ober-Aufreger: Frü­her kos­tete ne Kon­zert­karte von ihm um die 20 Euro — jetzt um die 40. Das erscheint mir ein­fach ziem­lich »haben, haben, haben«-mäßig… Nach der 10-Jahres-Tour jetzt noch ne »Heimreise-Tour« zu machen find ich auch blöd…

    Blöd, blöd, blöd

    Zurück bleibt eine ärger­li­che und belei­digte Tanja.

  5. Guter Bei­trag.
    Ich komme zwar nicht aus der schwar­zen Szene, bin aber tief im Rock ver­wur­zelt und finde mich sehr deut­lich im Folk-(Mittelalter) Rock wie­der, höre Heavy Metal, gedie­ge­nen Rock. Eben Rock, Rock, Rock.
    Den­noch bin ich erst durch Große Frei­heit auf den Gra­fen auf­merk­sam gewor­den. Gebo­ren um zu Leben gefiel mir ganz gut, auch wenn es etwas schla­ger­mä­ßig daher­kommt. Die CD an sich fand ich bis auf drei vier Aus­nah­men ganz gut (Das Meer ist wirk­lich super).
    Auch habe ich die Dis­kus­sion um die Szene beob­ach­ten. Siehe z.B. hier.
    Ich kenne nur diese eine CD von Unhei­lig, gönne der Band natür­lich auch Erfolg, aber ich sagte damals schon, dass z.B. The Dome eine etwas komi­sche Aus­wahl der Bühne war.

    Man muss immer abwä­gen, wo und wie man auf­tritt. Und seine Wur­zeln und ers­ten (treuen) Fans darf man nie­mals ver­ges­sen.
    Do

  6. »Du macht nur Gothic­scheiße« … »Ach so…« Ich lach mit tot. :-) Ja, der Graf hat die schwarze Szene –zumin­dest die dort vor­han­de­nen Fans der ers­ten Stun­den — wohl ziem­lich ent­täuscht. Ich könnte jedoch wet­ten, dass fast jeder andere Künst­ler der Szene ganz genauso han­deln würde, wenn die Mög­lich­keit bestünde, mit der Musik rich­tig Kohle zu machen.

  7. @orphi: Denke ich nicht unbe­dingt. Klar, Sub­way to Sally und In Extremo sind auch bei Raab auf­ge­tre­ten, aber nie­mals (mei­nes Wis­sens nach) bei The Dome oder GZSZ — ich glaube, sie wür­den das auch nie­mals tun.

  8. Heuni, da wäre ich mir nicht so sicher…

  9. Ha, auf so einen Arti­kel hier bei spon­tis habe ich ja schon gewar­tet, wenn ich ehr­lich sein soll :D

    Ich per­sön­lich habe 2005 zum ers­ten Mal was von Unhei­lig gehört, weil mein dama­li­ger Freund dar­auf abfuhr und ich dachte mir »Gut, hörst du auch mal rein, viel­leicht ist gefälltst dir ja«. Tja, Pus­te­ku­chen, ich fand die Musik schon damals schlimm und konnte auch nicht ver­ste­hen, wie dann spä­ter als ich in Sach­sen gewohnt habe, so viele Bekannte und Freunde auf den Gra­fen abfuh­ren. Für mich hat er nichts magi­sches oder in-den-Bann-ziehendes, ich finde ihn per­sön­lich lang­wei­lig.
    Und jetzt geht er mir erst recht auf die Ner­ven, mein Freund ich haben neu­lich einen Clip bei youtube gese­hen, wo er im ARD-Frühstücksfernsehen auf­trat um mal wie­der »Gebo­ren um zu leben« vor zutra­gen. Und was die Texte betrifft…für mich abso­lu­ter Kitsch, Geschwülste und Pomp, ein biß­chen auf düs­ter machen– fer­tig.
    Irgendwo habe ich mal eine sehr schöne Bezeich­nung für Unhei­lig gele­sen: »Gothic-Analogkäse für die ganze Familie«

    @Tialda
    Ich kann dich ver­ste­hen, meine Mut­ter und mein Stief­va­ter fah­ren jetzt auch auf Unhei­lig ab…irgendwo stört mich das, dass sie Musik hören von einem, der noch vor 5 Jah­ren auf der über­füll­ten Park­bühne beim WGT 2006 auf­ge­tre­ten ist. :D

  10. Ich hab mich ja immer gefragt, was Unhei­lig mit Gothic oder über­haupt irgend einer Szene zu tun haben. Das ist (zumin­dest alles, was ich von ihnen kenne, und das sind mitt­ler­weile schon so einige Songs) Schla­ger der typisch-kommerziellen Sorte. Dass die Band teil­weise ein wenig Gothic-Themen behan­delt und sich damit von den Flip­pers oder ande­ren Schla­ger­bands abset­zen, mag ja sein, trotz­dem ist das auf Erfolg gebü­gelte Kitschmusik.

    Wer die Band hören mag, soll das gern tun. Man sollte sich nur nichts vor­ma­chen, was das Ein­ord­nen der Musik angeht.

  11. Unhei­lig war meine ers­tes »schwar­zes« Kon­zert gemein­sam mit Stof­fel. Ich gebe zu, ich war total begeis­tert von dem Kon­zert, der Atmo­sphäre, ein­fach dem gan­zen drum und dran. Die logi­sche Folge war für uns, dass wir uns alle CD´s (natür­lich in limi­tier­ter Auf­lage) gekauft haben und sehn­süch­tig auf den nächs­ten Kon­zerter­min im nord­deut­schen Raum gewar­tet haben. Bei einem die­sen Kon­zer­ten in Ham­burg in der Markt­halle durf­ten wir sogar wäh­rend der Auto­gramm­stun­den nach dem Kon­zert bei ihm sit­zen, mit ihm und sei­nem Team plau­dern und viele Kon­zert­bil­der aus sei­nen Alben anschauen. Es war ein­fach Freude pur an sei­ner Musik im Rah­men eines ent­spre­chen­den klei­nen Publi­kums zu erle­ben.
    Aber lei­der sollte es wie von dir beschrie­ben kom­men. Der Graf wurde immer »grö­ßer« und bei einem Kon­zert in Han­no­ver im Capi­tol wur­den schon mehr Ein­tritts­kar­ten ver­kauft, so das die von mir wohl­füh­lende Atmo­sphäre nicht gewähr­leis­tet wer­den konnte. (das war dann auch unser letz­tes Hal­len­kon­zert mit dem Gra­fen und wird es auch blei­ben).
    Auf­grund sei­ner Ver­mark­tung hat sich unse­rer Gefühl in schwe­rer Ent­täu­schung gewan­delt und wenn wir beim wöchent­li­chen Ein­kauf aus der Edeka-Musikbox den Gra­fen als Begleit­mu­sik hören passt das alles nicht mehr.

    Ich oute mich eben­falls als Unheilig-Fan, jedoch nur bis zum Pup­pen­spie­ler und als wir mit ca. 1000 Besu­chern in den klei­nen Hal­len mit dem Gra­fen gemein­sam fei­er­ten durften.

    Btw: Ich gön­nen dem Gra­fen den Erfolg und die viele Kohle, die er sich in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ver­dient hat… aber bitte ohne meine Unterstützung.

  12. Puh, Unhei­lig… Was hab ich von denen mit­be­kom­men?
    – Ich hab in einem Club hin und wie­der zu Maschine getanzt, fand ich ganz nett.
    – Ich hab 2005 oder 2006 mal gehört, die sol­len auch manch­mal auf Viva lau­fen.
    – Ich habe mit­be­kom­men, dass sie bei die­ser Hochzeitsplaner-Sache waren.

    Das ist dann auch schon mein Bezug dazu — hat mich nie all zu groß inter­es­siert. Als emo­tio­na­ler Mensch hasse ich es wie die Pest, wenn jemand schein­bar emo­tio­nale Musik macht, deren Emo­ti­ons­ge­halt aber immer wei­ter zu sin­ken scheint, je mehr Lie­der man hört und je mehr man ein­fach merkt: Das ist nicht ehr­li­che Emo­tion, das ist Kon­zept. Schema F bedie­nen um dem Kun­den das nächste Pro­dukt zu lie­fern.
    Will­kom­men im Schlager.

    Das war aber in mei­nen Ohren eben schon immer so.
    Ich habe daher nicht den Ein­druck (wie offen­bar viele Fans), dass Unhei­lig an sich sich irgend­wie geän­dert oder ver­kauft hät­ten um einen neuen Markt zu erschlie­ßen. Es ist die glei­che leicht ver­dau­li­che Schla­ger­suppe wie immer, nur hat man das jetzt im gro­ßen Stil bewor­ben und ist sich dabei für nichs zu schade.

    Was soll’s also? Ich ver­stehe eh nicht, warum das jemals irgend­wer als irgend­wie gothic ange­se­hen hat.
    Das eine oder andere Lied mag ich nach wie vor ganz gerne. Aber ich mag ja auch Falco, Cold­play und Polar­kreis 18…

    In die­sem Sinne: Mumu! Schniedelwutz! :)

  13. @Heuni
    Schlim­mer als Raab geht ja wohl nicht mehr. Und:
    Der Clip »„Out of Sight« von Zer­a­phine ist in Koope­ra­tion mit Bur­ger King ent­stan­den und dort auch auf dem haus­ei­ge­nen Chan­nel gelau­fen. Ooomph haben die Fashion Show des Ham­bur­ger Mode-Labels Elf­Craft beglei­ten, bei dem ein ein­fa­ches Arm­band locker 1500 Euro kos­tet und es gibt viele wei­tere Bei­spiele. Musi­kern ist es egal, wer die Musik hört. Jeder Fan — ob Main­stream oder Szene — ist will­kom­men, weil Fans die Musik mögen und kau­fen und zu den Kon­zer­ten kom­men. Und je mehr Fans erreicht wer­den, desto bes­ser. Musi­ker sind keine Hei­li­gen, die die Welt ver­bes­sern wol­len son­dern krea­tive Men­schen, die mit ihrer Bega­bung Geld ver­die­nen wol­len statt einen All­tags­job zu machen und im Pro­be­raum zu versauern.

  14. Unhei­lig hat mir frü­her viel mit sei­nen Tex­ten gege­ben und ich war jedes­mal froh wenn ich auf sei­nen Kon­zer­ten die mys­ti­sche Ath­mo­sphäre genie­ßen konnte und danach bei belie­ben noch mit ihm reden. Schließ­lich ging er frü­her noch nach jedem Kon­zert unter die Leute um zu zei­gen wie unglaub­lich wich­tig sie ihm doch sind.
    Ich habe ihn aller­dings nie wirk­lich als Gothic ange­se­hen, aber das er die schwarze Szene so aus­ge­nutzt hat ist erbäm­lich. Ganz zu schwei­gen davon wie er sich auf der Bühne immer zum Affen macht.…

    Der Blog ist super geschrie­ben und die Lola Angst Par­odie genial

    @orphi: fin­dest du das nicht etwas zu pau­schal? Ich bin mir sehr sicher das nicht alle jedem Angebo nach­sprin­gen. Und was ist schlimm daran wenn Oomph Edel-Mode-Shows beglei­tet? Finde es gibt einen kla­ren Unter­schied ob man bei RTL in den Wer­bun­gen rumhopst oder auf sol­chen Luxus Events spielt

  15. @Cookie

    Ich zitiere aus Roberts Artikel:

    »Er ver­kauft das, was sich die Szene einst auf die Fah­nen geschrie­ben hat. Abseits des Main­stream die gesell­schaft­li­chen Werte in Frage zu stel­len, zu zei­gen das man es ablehnt an der lau­ten und kom­mer­zia­li­sier­ten Welt teilzunehmen.«

    Edel-Mode-Shows, Bur­ger King und RTL-Werbung, Ste­fan Raab und wasau­chim­mer… fällt alles in eine Kate­go­rie, wenn man oben genann­tes Zitat betrach­tet. Was sich die Szene auf die Fah­nen geschrie­ben hat (hat sie das über­haupt?), haben sich die Künst­ler noch lange nicht auf die Fah­nen geschrie­ben. Oder wie Robert in mei­nem Blog so nett for­mu­lierte:
    Es ist nicht alles schwarz, was glänzt.

  16. Ich finde Du bringst das rich­tig schön auf den Punkt. Ich habe auch eine zeit­lang Unhei­lig gehört, finde »Frei­heit« und »Sage Ja« immer noch sehr gut und hatte auch schon das Ver­gnü­gen den Gra­fen anno dazu­mal auf dem M’Era Luna zu tref­fen und ihn dort als sehr net­ten Men­schen erlebt.
    Die ganze Ver­mark­tung ging mir bis­wei­len aller­dings ziem­lich am Aller­wer­tes­ten vor­bei, so sehr hing ich nicht an der Band. Wenn man aus Sonic Sedu­cer und Zillo dann erfährt, dass er soweit geht die schwarze Szene zu ver­leug­nen bro­delt es auch in mir, aber ich habe mich nie per­sön­lich mit Unhei­lig als Band oder Künst­ler iden­ti­fi­ziert, höchs­tens mit ein paar aus­ge­wähl­ten Lie­dern.
    Aller­dings sehe ich es auch als Armuts­zeug­nis an, wenn man von RTL oder gar RTL2 seine Medi­en­prä­senz bezie­hen muss. Diese Sen­der stel­len, für mich zumin­dest, das untere Ende der Medi­en­in­te­gri­tät dar. Das Herr Alex (von Eis­bre­cher) selbst eine Sen­dung auf DMax hat sei mal dahin­ge­stellt (ich kenne den Sen­der nicht, hörte aber von Freun­den, dass ihnen die Auto­sen­dung, die er da hat, echt gut gefällt und schließ­lich benutzt er sich nicht, um seine Musik zu ver­mark­ten!), aber sonst gebe ich ihm voll­kom­men recht.
    Aber inter­es­sant ist es, dass er in dem von Dir zitier­ten Teil seine Mei­nung wirk­lich klar äußert. In der aktu­el­len Zillo steht das sehr harm­los dar… Zu dem gan­zen Medi­en­rum­mel kann ich mich aller­dings nicht so äußern, da ich kein Fern­seh schaue und des­halb nicht mit­be­komme, was RTL und Kon­sor­ten so trei­ben. Ich find’s aller­dings schade, dass ein Szene-Magazin wie Zillo es immer noch nötig sieht, mit dem Gra­fen die Ver­kaufs­zah­len anzu­kur­beln und ihn des­we­gen groß auf die Titel­seite zu setz­ten. Wenn er mit der Szene nichts mehr zu tun haben will, dann soll er das so hand­ha­ben. Mei­ner Mei­nung nach braucht die Szene ihn eben­so­we­nig. Also warum mehr um ihn küm­mern als um eine Lady gaga oder einen Jus­tin Biber?

  17. Ich gestehe ich fand Unhei­lig frü­her auch mal ganz toll. Mit Ramm­stein, Man­son und den Death­stars wohl so meine Ein­stieg. Für das mir bekannte war es abso­lut magisch, düs­ter, etc. Als dann aber irgend­wann Pup­pen­spie­ler raus­kam war ich schon schwer ent­täuscht und ver­wun­dert, dass diese extrem weich­ge­spülte Art so wenig Men­schen gestört hatte. Die bei­den Vor­gän­ger Alben hat­ten wenigs­tens noch etwas von NDH, Electro-Rock zu tun und waren für mich damals die tolls­ten Alben über­haupt. Auch auf Kon­zer­ten fand ich es toll, dass es so »Fan-nah« war. Was dann aber mit Pup­pen­spie­ler begann war schon übel…

    Wer sich heute über »Gebo­ren um zu leben« beschwert, aber »An dei­ner Seite« immer­noch so toll fin­det, kann ich dsa Schlager-argument auch nicht ernst­haft abnehmen…

    Was aber noch viel schlim­mer ist, dass sich soge­nannte »Szene Maga­zine« (also die schwar­zen Bra­vos) sich so dar­auf stür­zen mit wech­sel­sei­ti­ger Bezie­hung von Fes­ti­vals und ande­ren grö­ße­ren Medien ihre eige­nen Umsätze in die Höhe schrauben.

    Aus­ser­dem jetzt auf Opfer machen und den Fans vor­wer­fen, sie fin­den ihn nur doof, weil er keine Kon­takt­lin­sen mehr trägt und sich nicht mehr die Fin­ger lackiert finde ich auch unter aller Sau. Wenn man seine Musik so auf Schla­ger trimmt und vor dem Fern­se­hen und Radio so die Beine breit macht, braucht man sich nicht zu wun­dern. Und wenn soger im kino im Vor­spann groß den Gra­fen für RTL II Wer­bung machen sehe, das geht ein­fach gar nicht… Über die Medien beschwe­ren und jetzt jeden Dreck mit­zu­ma­chen ist ein­fach unglaub­wür­dig. Genauso wie er frü­her mal sagt, er fin­det es bescheu­ert eine Sin­gle vor dem Album raus­zu­brin­gen, weil es ja nur Kom­merz wäre. Achja Geld lässt vie­les vergessen…

    PS. Ich glaube nicht, dass sich jeder Künst­ler für alles her­ge­ben würde. David Tibet oder Art­haud Seth als Auf­tritt bei GZSZ oder the Dome„? Kann ich mir echt (glück­li­cher­weise) nicht vorstellen.

  18. Unhei­lig. Nun gut, ich kenne das Pro­jekt seit dem Zeit­punkt des ers­ten Albums Phos­phor. Als seine Graf­schaft 2001 noch als Neo-Nosferatu durch das Musik­vi­deo von »Sage ja« fin­gerte. Und muss sagen, dass ich diese gan­zen Debat­ten –all­ge­mein, also nicht hier im Blog per­sön­lich neh­men, denn zum lesen kam ich noch nicht– mit deren Begrün­dun­gen beschä­mend finde. Zum einen für das Schwarz­volk, dass zumeist mit der argu­men­ta­ti­ven Stärke eines trot­zi­gen Kin­des anrückt, den man den Lolli klaute. Und zum ande­ren aber auch für den Gra­fen, der mit diver­sen Aktio­nen den Stil sei­nes Pro­jek­tes vehe­ment untergräbt.

    Wie in dem Arti­kel schon her­vor­geht, fand Unhei­lig in der schwar­zen Szene sein ers­tes gro­ßes Gehör. Ob die­ses durch pas­sen­den Zufall oder durch gewollte Pro­vo­ka­tion geschah, sei dahin­ge­stellt. Er wurde in die Szene inte­griert und ließ sich inte­grie­ren. Denn im Grunde passte er gut hin­ein, auch wenn es für mich von Album zu Album immer sen­ti­men­ta­ler gewor­den war.
    Doch woher nimmt nun der gemeine Fan das Recht her­aus, den Künst­ler nur für sich zu bean­spru­chen. Ihm das Dik­tat der Sze­ne­treu­heit auf­zu­er­le­gen und kate­go­risch die Wei­ter­ent­wick­lung zu ver­bie­ten.
    Der einste Fan­club ent­blö­det sich nicht ein­mal, das Weg­las­sen der Kon­takt­lin­sen und die neu­er­dings unla­ckier­ten Fin­ger­nä­gel als Kri­tik­punkt anzu­ge­ben. Was bitte soll der Unfug. Sieht einer von denen denn noch so aus wie vor neun Jah­ren. Wo bleibt das Anrecht auf per­sön­li­che Ver­än­de­rung. Oder motzt man auch jeden voll, nur weil die­ser die Fri­sur und die Schuhe ändert. Und selbst wenn das heißt, dass der Graf nächs­tes Jahr mit Sta­lin­schnau­zer und Alt­män­ner­haar­kranz auf­taucht, das hat nicht zu inter­es­sie­ren.
    Man­che schei­nen auch ver­ges­sen zu haben, dass man als Inter­pret nicht nur zur per­sön­li­chen Belus­ti­gung Musik macht. Da kann ich mich drei­mal über die Dreis­tig­keit des Inter­pre­ten, doch tat­säch­lich Geld ver­die­nen zu wol­len, empö­ren. Aber das ist und bleibt auch eine ver­ständ­li­che Inten­tion. Selbst für den gitar­re­klim­pern­den Sozi­al­päd­ago­gen auf dem Fest der freien Evan­ge­len.
    Wer erfolg­reich in sei­ner Kunst ist, der soll auch Anrecht auf die­sen Erfolg haben. Und gerade in der Zeit der offen­kun­di­gen Schwarz­bren­ne­rei liegt der Preis für die musi­ka­li­sche Leis­tung nun ein­mal ver­stärkt in der Gage. Und diese darf über­all ent­ge­gen genom­men wer­den, wo sie ange­bo­ten wird. Sofern er es mit sich selbst ver­ein­ba­ren kann. Denn dass der Graf zuerst auf die schwarze Szene stieß, heißt ja nicht, dass er dort blei­ben muss oder ver­trag­lich an genau diese Tugen­den und genau diese Fans gebun­den ist. Kunst ist all­ge­mein­gut. Als eli­tär darf sich der Fan höchs­tens dann anse­hen, wenn er nur zu einem klei­nen Rah­men von Lieb­ha­bern zählt. Aber nicht, wenn er starr­köp­fig, bockig sowie schein­hei­lig die Kunst nur für sich vereinnahmt.

    Und ich weiß wovon ich rede. Den­sel­ben Unfug gab ich zum Thema Oomph! von mir. Die­selbe däm­li­che Hal­tung. Jeder der nicht weiß wovon ich rede, der ver­glei­che ein­mal die Alben bis zur »Unrein« mit denen danach. Von Ram­steins Inspi­ra­tion mit text­li­chem Genia­li­täts­ver­dacht zu BRAVO-Pop im Gewand der Schmal­spur­ly­rik. Aber was soll´s. Ich finde es scheiße. Aber ich werde ja nicht gezwun­gen mich dau­er­haft mit einem Musik­pro­jekt zu iden­ti­fi­zie­ren. Genau­so­we­nig ist das Pro­jekt mir irgend­wel­che Ver­pflich­tun­gen schul­dig. Denn der Künst­ler muss sich nur vor zwei Din­gen recht­fer­ti­gen. Vor der Kunst und vor der Glaub­haf­tig­keit sei­ner Per­son (gegen­über sei­nem Ver­ständ­nis von Kunst) Die Angriffs­lust des Fans sollte sich nur dann ent­fa­chen, wenn ethi­sche Nor­men gebro­chen wer­den. Ansons­ten sollte man bei Nicht­ge­fal­len ein­fach von sei­nem Recht zu schwei­gen gebrauch machen. Wobei ich zugebe, dass mir das in vie­ler­lei Hin­sicht auch schwer fällt…

    Soviel dazu.
    Ich schätze einige Stü­cke von Unhei­lig sowie ich einige aber auch reflex­ar­tig weg­kli­cke, um nicht in den öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln einem Lach­an­fall zu erlie­gen oder damit iden­ti­fi­ziert zu wer­den. Aller­dings kann ich auch nicht ver­ste­hen, wie man sich einer­seits ein solch edles Images auf­baut –was auf­grund des Erschei­nungs­bil­des und der Musik sicher­lich so vor­ge­se­hen war– und ander­seits für einen solch deka­den­ten Medi­en­schiss wie Big Bro­ther sein Werk ver­ma­chen kann oder freu­dig mit BILD plau­dert.
    Die Sache ist nur die, dass auf den CDs das Universal-Logo pran­gert. Und ich glaube nicht, dass sich die­ses Label ein­zig und allein damit begnügt, die Sil­ber­linge zu pres­sen. Wer unter ver­trag steht, der geht Ver­pflich­tun­gen ein. Wel­che das in wel­chem Aus­maß sind, dass wis­sen aller­dings nur die bei­den Unter­schrei­ben­den. Somit kann man­ches sei­nem Wil­len ent­wach­sen sein, muss aber nicht.

    Ich ver­stehe es auch nicht, warum man um sich solch eine Atmo­sphäre auf­baut und dann durch der­art banale Medi­en­prä­senz zunichte macht. Das das Unver­ständ­nis liegt nicht darin begrün­det, weil es die Gothik-Band Unhei­lig war, die auf Sze­ne­fes­ti­vals spielt. Das Unver­ständ­nis ent­steht dar­aus, dass es ein­fach nur Unhei­lig ist. Selbst wenn die­ser seit eh und je auf »The­Dome« gespielt hätte, wäre ich ebenso skep­tisch. Aber nichts­des­to­trotz sind auch dort seine Fans. Und sind das Fans unte­rer Klasse…Unterfans oder was. Was macht die Schwarz­fans zu etwas beson­de­ren, dass es nur die­sen zusteht Unhei­lig auf der Bühne zu sehen.
    Unhei­lig hat Cha­risma, auch wenn es auf­grund der musikalisch-textlichen Weich­spü­lung immer mehr ver­liert. Aber die­ses Cha­risma wird stel­len­weise auf der­art bil­lige Weise ver­hö­kert, dass es schon fast an Medi­en­pro­sti­tu­tion grenzt. Das gebe ich ja auch zu. Aber nur die­ser Kon­text sollte kri­ti­siert wer­den. Nur der Wider­spruch von Kunst und dahin­ge­hen­den Kom­merz. Und nicht ein­fach über Kunst und Kom­merz wettern.

    Post scrip­tum: Die Par­odie finde ich bis zur Minute 1:30 rich­tig gut gemacht. Aber dann ver­strickt sie sich nur in Däm­lich­keit. Schade eigent­lich. Hätte gut wer­den kön­nen. Denn gerade der Name »Schein­hei­lig« hat auf mehr kon­struk­tive Kri­tik hof­fen las­sen, als der eines quä­ken­den Sheepworld-Flüchtlings mit Kas­tra­ti­ons­phan­ta­sien.
    Lola Angst ent­zieht sich auch etwas mei­nes Ver­ständ­nis­ses von Humor. Viel­leicht muss ich es mir aber auch erst erklä­ren lassen…

  19. Ich muss sagen, Unhei­lig war mir immer rela­tiv egal, ich hab sie nie son­der­lich gehört. Was ein­fach daran liegt, dass sie zu bal­la­den­las­tig sind und ich steh nicht wirk­lich auf Bal­la­den.
    Diese Ableh­nung der frü­he­ren Fans inter­pre­tiere ich zunächst immer so, dass sie sich auf den Schlips getre­ten füh­len, weil ihre Musik sonst immer etwas beson­de­res war, womit sie sich von der Masse abhe­ben konn­ten. Wird eben­diese Band jetzt plötz­lich mas­sen­taug­lich, macht es wohl kei­nen Spaß mehr, sie zu hören. So habe ich oft den Ein­druck. Anders­rum kann ichs auch irgend­wie ver­ste­hen, ich bin auch von vie­len Mas­sen­hy­pes genervt.
    Ich habe viel gele­sen, sie wür­den ihre Musik nun auf die Masse aus­rich­ten. Auch das finde ich nicht. Wenn ich mir das alte Zeug und das Neue von ihnen anhöre, ist es aber auf einer ähnli­chen Linie, klar, nie genau gleich, aber jeder ent­wi­ckelt sich irgend­wann in eine Rich­tung. Siehe nur Sub­way To Sally… frü­her doch eher Folk, jetzt eher bra­chia­ler Metal.
    Für die Fans ist es natür­lich auch unge­wohnt: Wie ein Inter­net­be­kann­ter mal sagte, er kam sich schwarz ange­zo­gen auf dem Unhei­lig Kon­zert falsch vor, weil eben mitt­ler­weile viele Nor­ma­los ihre KOn­zerte besu­chen.
    Musik­tech­nisch sehe ich das nicht so eng, was die Band da treibt. Aber diese mediale Pro­sti­tu­tion geht wirk­lich etwas zu weit. Mal auf irgend­nem Fernseh-Musik-Event zu erschei­nen, wäre glaub ich auch halb so wild, aber wie geschrie­ben, Soaps und andere Fern­seh­auf­tritte.. mit aller Gewalt ins Fern­se­hen. Im Grunde find ich auch das nicht schlimm, wenn er meint, er muss das machen, ich kann das nicht beein­flus­sen. Tat­sa­che ist nur, dass es nervt.
    Ich bin irgend­wie ins­ge­samt zwie­ge­spal­ten, viel­leicht weil ich diese Band nie wirk­lich gehört habe, wenn das irgend­wann eine Band tut, die ich höre, hab ich viel­leicht eine andere Mei­nung dazu.
    Alles in allem denke ich mir aber, man sollte sei­nen Musik­ge­schmack nicht von sowas abhän­gig machen. Wenn einem die Musik gefällt, ist es doch egal, dass die Band stän­dig in den Medien ist. Man kann sie doch den­noch hören, auch wenn man dann nicht mehr zwin­gend anders ist. Und nur, weil diese Band nicht mehr einem bestimm­ten Genre zuzu­schrei­ben ist, auf­zu­hö­ren sie zu hören, obwohl man die Musik doch mag, ist doch eigent­lich däm­lich. Sol­che Leute kann ich als Goth dann ein­fach nicht ernst neh­men, weil ich dachte in der schwar­zen Szene ginge es darum, man selbst zu sein und nicht immer zwin­gend gegen den Mainstream.

  20. Gut geschrie­ben. Das der »Main­stream« sich einer ehe­mals ganz ordent­li­chen Band bemäch­tigt und diese dann den Kom­merz bis über jeg­li­che Schmerz­grenze hin­aus betreibt, dazu muss man nichts mehr sagen. Die wah­ren Idio­ten sind aber Fes­ti­val­ver­an­stal­ter wie FK Scor­pio die ein schö­nes Fes­ti­val wie das M’era Luna mit soet­was in die BLÖD-RTL-etc.-Gosse zie­hen. Ich war letz­tes Mal wirk­lich ent­setzt über Teile des Publi­kums. Nur noch Belie­big­keit, wohin man auch blickt …

  21. Was mich an sol­chen Dis­kus­sio­nen immer stört, ist der selt­same Hei­li­gen­schein, der da immer über die Schwarze Szene gezau­bert wird. Die Bands spie­len auf Fes­ti­vals für wenig Geld vor Leu­ten, die kurz vor­her eine Menge Geld für ihre Out­fits in teu­ren Szenelä­den, die ihrer­seits Mar­ke­ting betrei­ben und vom Kom­merz leben, gelas­sen haben. Die­ses Geld haben diese Leute wahr­schein­lich über­wie­gend in Fir­men ver­dient, die sich ziem­lich ein­deu­tig FÜR den Kom­merz aus­spre­chen und sicher auch nicht vor Wer­bung und Mar­ke­ting im Main­stream zurück­schre­cken. Anschlie­ßend gehen diese Leute noch kurz bei McDoof essen — andere Läden haben ja nicht mehr auf — und zu Hause zie­hen sich die meis­ten Leute dann noch kurz vorm Schla­fen das Spät­pro­gramm der bösen Unterschicht-Sender rein — natür­lich nur, um sich hin­ter­her dage­gen aus­zu­spre­chen. Nur ein sehr klei­ner Teil der »Szene« lebt das, was sich die Gothics »angeb­lich« auf die Fah­nen geschrie­ben haben.

    Als Künst­ler würde ich mich dann auch irgend­wann fra­gen, ob ich eigent­lich bescheu­ert bin, wenn ich für das Freizeit-Gewissen des Publi­kums auf Geld ver­zichte, das ich gut gebrau­chen könnte.

  22. @orphi: „Ich könnte jedoch wet­ten, dass fast jeder andere Künst­ler der Szene ganz genauso han­deln würde, wenn die Mög­lich­keit bestünde, mit der Musik rich­tig Kohle zu machen.“

    Ich ver­su­che mir gerade vor­zu­stel­len, wie Rudy Ratz­in­ger (:Wumps­cut:) bei Car­men Nebel auftritt… ;-)

    Meinst Du nicht, dass es einige Musi­ker gibt, die ihre Kunst als rei­nes Hobby betrach­ten und gar keine Lust haben, rie­sige Tour­neen mit zig Auf­trit­ten zu absol­vie­ren, um dabei mög­li­cher­weise die Lust an der Musik zu ver­lie­ren? Ich muss zuge­ben, dass ich diese Hoff­nung durch­aus habe.

  23. @Marcus
    Doch, klar gibt es Musi­ker, denen ihre Musik so wich­tig ist, dass sie sich nicht von einem Major Label ver­bie­gen las­sen wol­len. Des­we­gen hatte ich extra »fast jeder andere Künst­ler« geschrie­ben. Und von denen, die mit dem Kom­merz grund­sätz­lich kein Pro­blem haben, wer­den sicher auch nicht alle einem Wer­be­ver­trag mit RTL zustimmen.

    Aber man sollte in Musi­ker nicht immer so viel hin­ein inter­pre­tie­ren und sie als die Hüter der Moral anse­hen, nur weil sie sinn­volle Texte für ihre Songs schrei­ben. Und man sollte nicht sel­ber »schein­hei­lig« sein und ver­ges­sen, dass man im teu­ren Out­fit mit einer Cola in der Hand schon mit­ten­drin steckt im Kom­merz. Dar­auf wollte ich hinweisen.

  24. Ein Pro­blem ent­steht in ers­ter Linie, wenn ein Inter­pret seine Musik nicht für sich ste­hen lässt, son­dern ein die Musik unter­stüt­zen­des Image erschafft. Wenn sich die­ser Künst­ler dann ent­ge­gen sei­nem Image ver­hält, ist der Ärger der Fans sicher­lich nach­voll­zieh­bar. Aber natür­lich hast Du recht, dass man als Kon­su­ment nicht so blau­äu­gig sein und zu viel in das Han­deln eines Musi­kers hin­ein­in­ter­pre­tie­ren sollte. Viele Musi­ker spie­len eben wie Schau­spie­ler auch nur eine Rolle, wobei hier ebenso der eine oder andere Kon­su­ment nicht zwi­schen Rolle und Mensch unter­schei­den kann.

    Musik ist emo­tio­nal. Und obwohl man einem Musi­ker ggf. den Erfolg gönnt, gibt es gewisse Hand­lungs­wei­sen, die einem die Musik ver­lei­den kön­nen, auch wenn sich an der Musik selbst nichts geän­dert haben mag. Der rein kom­mer­zi­elle Erfolg sollte hier jeden­falls nie­mals aus­schlag­ge­bend sein.

  25. @orphi
    Per­sön­lich trenne ich Künst­ler und Szene — klar gehört gothic etc. zu der schwar­zen. Aber es ist nur ein Bestand­teil und nicht umbe­dingt ein essen­ti­el­ler. Man kann ebenso die Musik hören ohne sich der Szene zu »beken­nen« wie umge­kehrt. Es ist mehr eine Lebenseinstellung/Überzeugung. Musik ist meist etwas Per­sön­li­ches mit dem sich Leute ausdrücken/artikulieren — und ich hab gro­ßen Respekt vor den Leu­ten die eben dies schaf­fen. Aber dürf­ten nur Künst­ler in einer Szene auf­tre­ten die die Prin­zi­pien die­ser auch ver­tre­ten wäre es nicht nur eng­stir­nig son­dern auch reich­lich leer auf Festivals.

    Zu der Oomph! Sache: Natür­lich stel­len auch sol­che Edel Ver­an­stal­tun­gen einen Bruch dar aber ich finde es bei wei­tem nicht so dra­ma­tisch wie bei Unhei­lig. Der Graf Pus­tete zu Wer­be­be­ginn vor dem gro­ßen RTL Logo in seine Hände. Das hat nicht­mal ent­fernt was mit Würde, Musik oder sei­nen alten pseudo Prin­zi­pien zu tun. Einer­seits gönn ich ihm Erfolg, ande­rer­seits sind mir die Mit­tel zuwi­der und mir per­sön­lich ist er ein­fach nicht­mehr sym­pa­tisch. Aber ich werd keine Hass– und Leid­Tria­den in die Welt schreien oder auf­hö­ren meine Unhei­lig Pull­over zu tra­gen — schließ­lich ist seine Musik wei­ter­hin gut (bzw. die selbe) und nicht für RTL und kon­sor­ten »ver­än­dert« worden.

    @Guldhan: Der Kom­men­tar ist eigent­lich schon ein eige­ner Blog — stimm aber größ­ten­teils zu. Und hatte bei Schein­hei­lig auch mehr erwar­tet — aber ich bezweifle das sich der NDR über­haupt mit der Per­son Graf aus­ein­an­der­ge­setzt hat^^

  26. @Foxxi: Ich gehe auch auf Mit­tel­al­ter­märkte und freue mich immer, Leute aus der Szene zu sehen. Aber auch dort lau­fen Fami­lien rum, die »nor­mal« geklei­det sind und nicht zur Szene gehö­ren (ich gehöre auch nicht zur Szene in dem Sinne).
    Aber von Belie­big­keit an allen Ecken zu reden, finde ich etwas eng­stir­nig.
    Klar wenn bspw. Night­wish mit Once einen gro­ßen Erfolg hat und Brit­ney Spears Tee­nies auf den Kon­zer­ten rum­lau­fen, ist dies ner­vig, aber eben nicht zu ändern.

    Wor­auf ich aus bin ist nur eine Sache: Nie­mand ist belie­big, jeder hat sei­nen Cha­rak­ter und ist ein Indi­vi­duum an sich. Jeder ist anders.

  27. Gerade auf der Zillo-Webseite entdeckt:

    Unhei­lig: Ver­ehrt — Ver­dammt — Ver­mark­tet: Kon­tro­verse Dis­kus­sion zu einem Phä­no­men! Mei­nun­gen, Ansich­ten und Ana­ly­sen dazu in der Februar-Ausgabe!

    Das Thema scheint wohl sehr viele Leute zu beschäftigen.

  28. Hi!

    Frü­her habe ich Unhei­lig sehr
    gerne gehört — vor allem die Alben
    »Das 2. Gebot« und »Zel­lu­loid«.
    Ich war auch hier in der Nähe vor
    Jah­ren auf einem Unheilig-Konzert.
    Die Bühne war sehr klein, die Anzahl
    der Kon­zert­be­su­cher über­schau­bar
    und ich konnte locker in der ers­ten
    Reihe ste­hen. *g* Das Kon­zert war toll,
    ich hab damals viel mit­ge­sun­gen -
    nur die Büh­nen­per­for­mance des Gra­fen
    fand ich etwas selt­sam. Aber das tat ja
    der Musik kei­nen Abbruch. ;)

    Dann ging ja irgend­wann die­ser wahn­sin­nige
    Medi­en­zir­kus um Unhei­lig los und ich
    dachte erst­mal WTF??? o.0 Nicht daß ich
    es Bands all­ge­mein nicht gön­nen würde,
    irgend­wann auch mal kom­mer­zi­el­len Erfolg
    zu haben — aber SO? Plötz­lich war der Graf
    omni­prä­sent, egal ob nun im TV oder in
    Zeit­schrif­ten oder sogar im Radio — kei­ner kam
    mehr an ihm vor­bei irgend­wie. Und beim
    Bumsvision-Songcontest war irgend­wie auch
    von vorn­her­ein klar, wer am Ende das Ren­nen
    machen würde. Dabei war das Lied ja so
    lang­wei­lig!!! Aber der Graf hätte auch genau­so­gut
    »Alle meine Ent­chen« sin­gen kön­nen und
    hätte trotz­dem haus­hoch gewon­nen — ein­fach
    weil er eben der Graf ist und BLA. -.-
    Und dann noch die Num­mer bei Car­men Nebel
    usw… Zum Kotzen…

    Trotz­dem wird es für mich immer ein paar
    Lie­der von Unhei­lig geben, die ich auch
    wei­ter­hin mag. Wie zB »Schutz­en­gel«, »Maschine»
    oder »Zeig mir, daß ich lebe«. Ein aus­ge­wie­se­ner
    Unheilig-FAN war ich indes­sen nie — Unhei­lig
    war ein­fach eine Band unter vie­len, die ich
    gerne hörte. Schade drum.

    Dunkle Grüße. :)
    Melle

  29. Vie­len Dank für eure zahl­rei­chen und wirk­lich inter­es­san­ten Kom­men­ta­ren, auf der eine Seite bestä­ti­gen sie mich in der Annahme, das das Thema immer noch pola­ri­siert, zum ande­ren bekommt man einen wirk­lich gelun­ge­nen Ein­blick in die Mei­nung anderer.

    Für mich ging es nie darum Unhei­lig als gute oder schlechte Band zu bezeich­nen, denn die Musik ist sicher­lich Geschmacks­sa­che. Ebenso finde ich es nicht »Ungo­tisch« zur Musik der Band zu tan­zen, träu­men oder engum­schlun­gen auf der Tanz­flä­che zu kuscheln.

    Es ging und geht mir um die bei­spiel­lose Härte, mit der man »Große Frei­heit« pro­mo­tet hat. Das finde ich per­sön­lich rich­tig wider­lich. Die Gothic-Szene ist im Kern betont unkom­mer­zi­ell ori­en­tiert und hat sich in gewis­ser Weise die Ableh­nung der lau­ten und bun­ten Welt auf die Fah­nen geschrie­ben. Für die war Unhei­lig immer schon ein rotes Tuch, vor allem seit dem begin­nen­den Ausverkauf.

    Ich gönne jeder Band den Erfolg, auch in finan­zi­el­ler Hin­sicht. Wirk­lich. Mir stellt sich nur die Frage zu wel­chem Preis man das macht. Unhei­lig ver­kauft sich, ihre Musik und die Texte die ihnen viel­leicht mal etwas bedeu­tet haben an alle die ihn haben wol­len. Und damit ver­kau­fen sie auch die Fans, die sie zu ihren Wur­zeln zäh­len, das muss ihnen bewusst gewe­sen sein.

    Wie aus den vie­len Kom­men­ta­ren hier zu lesen ist, sind ja auch viel EX-Fans dabei, die meine Annahme tei­len. Für die einen hat sich die Musik schon im Vor­feld ver­än­dert und fin­det in »Große Frei­heit« nur ihre ober­fläch­li­che Voll­kom­men­heit, für die ande­ren ist die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Beweg­grund der Band den Rücken zu kehren.

    Wel­cher Grund darf nun mora­lisch gel­ten? Nur der Erfolg recht­fer­tigt mei­ner Ansicht nach keine Abkehr und bei Unhei­lig sehe ich das Zusam­men­spiel zwi­schen der »Ent­wick­lung« in der Musik, dem Mar­ke­ting und dem dadurch gene­rier­ten Erfolg.

    »Belie­big­keit« ist ein gutes Stich­wort. Seien wir doch mal ehr­lich, die Gothic-Szene war immer schon sehr Ver­ein­nah­mend. Lie­der, Künst­ler und Klänge wur­den begeis­tert in der Szene emp­fan­gen, ohne das sich die Künst­ler in irgend­ei­ner Weise zur Szene zäh­len wür­den. Das war mei­ner Ansicht nach immer schon eine GUTE Eigen­schaft der spä­te­ren Szene, das man sich nicht auf einen Stil der Musik fixiert hat. Daher kann man in DIESEM Sinne nicht von Belie­big­keit spre­chen, oder?
    Ande­rer­seit trifft die­ses Wort den Kern eines Pro­blems. Die Bands auf der Bühne gro­ßer Fes­ti­vals wir­ken in der Tat Belie­big und aus­tausch­bar und unter­schei­den sich meist nur in der Wahl der mög­lichst gruf­ti­gen Büh­nenout­fits. »Gothic ist so beliebt, komm lass uns sol­che Musik machen« scheint dahin­ter zu ste­hen. »Irgend­wann fres­sen die schon was wir ihnen ver­kau­fen.« — Belie­big­keit, oder?

  30. @Robert

    Und damit befin­den sich diese Bands auf Fes­ti­vals in bes­ter Gesell­schaft, denn sie spie­len mitt­ler­weile nicht mehr vor einer Sub­kul­tur son­dern vor einem Publi­kum, das zum gro­ßen Teil den Main­stream in Schwarz lebt. So fin­det zusam­men, was zusam­men gehört. Jede Sub­kul­tur wurde irgend­wann ver­mark­tet und dadurch ad absur­dum geführt. Heute gibt es nicht nur Mode­la­bels son­dern auch viele andere Mainstream-Angebote, die das Schild »Punk« tra­gen. Diese Ent­wick­lung — aktu­ell in der Schwar­zen Szene — lässt sich nicht mehr aufhalten.

    An die­ser Stelle könnte man dann die direkte Über­lei­tung zum neuen Blog­bei­trag »Zwi­schen Resi­gna­tion und Hoff­nung« machen.

  31. @orphi: Die Spaß­ge­sell­schaft hat vor eini­ger Zeit Ein­zug in die schwarze Sub­kul­tur gehal­ten, was der Atmo­sphäre diver­ser Ver­an­stal­tun­gen sicher­lich – zumin­dest aus mei­ner Sicht – kei­nes­falls för­der­lich war. Trotz­dem geht meine Ten­denz Rich­tung Hoff­nung. Es gibt sie näm­lich noch, die Fes­ti­vals und Par­tys ohne Kar­ne­vals­ver­klei­dun­gen und quietsch-bunte Out­fits. Es gibt auch noch Künst­ler, die zu unan­ge­passt sind, um mas­sen­taug­lich ver­mark­ten zu wer­den. Und der eine oder andere Kom­men­tar in die­sem Blog zeigt mir, dass es noch viele Men­schen gibt, die Ideale ver­tre­ten und das von wem auch immer gege­bene Hirn benutzen.

  32. @orphi: Auch wenn ich dei­nen Hang zum Rea­lis­mus schätze, so kann ich Dir nicht ganz zustim­men. Sicher­lich las­sen sich die Ent­wick­lun­gen nicht auf­hal­ten, man muss sie aber nicht mit tra­gen. »Jede Sub­kul­tur wurde irgend­wann ver­mark­tet und dadurch ad absur­dum geführt.« Des­halb sollte man sich von Begriff­lich­kei­ten lösen ohne aber die Wur­zeln außer Acht zu las­sen. »Gothic« ist ein Begriff der beliebt, dann lächer­lich wird. Und wenn wir ein­mal mit­ten in der Lächer­lich­keit ste­cken, trennt sich die Szene-Spreu vom Wei­zen. Denn lächer­lich, waren wir in den Augen der Gesell­schaft schon in den 80ern.

    @Marcus: Ich unter­schreibe dei­nen Hang zu Hoff­nung und dei­nen »uner­schüt­ter­li­chen« Opti­mis­mus, ich ticke ähnlich, auch wenn ich damit nicht immer Recht habe/hatte. Ich denke wir wür­den uns blen­dend verstehen ;)

  33. @Robert: Lei­der wird die­ser Opti­mis­mus mit zuneh­men­der Lebens­dauer in vie­len Berei­chen doch immer wie­der auf eine harte Probe gestellt. Bei der täg­li­chen Zei­tungs­lek­türe fällt es nicht leicht, Hoff­nun­gen in Bezug auf die Mensch­heit am Leben zu hal­ten. Aber das ist ein ande­res Thema. Zumin­dest im Bereich der schwar­zen Sub­kul­tur gibt es glück­li­cher­weise immer wie­der Erleb­nisse und Momente, wel­che mich opti­mis­tisch in die Zukunft bli­cken lassen…

  34. @Marcus
    Diese Momente gibt es auch außer­halb der schwar­zen Sub­kul­tur. Ich denke, es ist ein Trug­schluss, zu glau­ben, dass sich in der Szene beson­ders umsich­tige oder soziale oder enga­gierte oder tief­sin­nige Men­schen bewe­gen. Ich kenne viele Leute die­ser Art, die mit »Schwarz« abso­lut nix am Hut haben. Genauso habe ich viele Leute in Schwarz getrof­fen, die mit die­sen Eigen­schaf­ten nicht kom­pa­ti­bel sind.

    @Robert
    Die Hoff­nung stirbt zuletzt,was? ;-)

  35. @orphi: Natür­lich gibt es auch außer­halb der Szene hoff­nungs­volle Momente und Erleb­nisse. Ich bezog mich mit mei­ner Aus­sage auch haupt­säch­lich auf „sze­ne­ty­pi­sche Pro­bleme“. Mir fällt da bei­spiels­weise der Ein­zug der Spaß­ge­sell­schaft in die Szene ein. Selbst­ver­ständ­lich gibt es auch abseits der schwar­zen Sub­kul­tur Men­schen, die ihr Gehirn ver­wen­den, nicht auf Kom­mando fröh­lich sind und Dinge hin­ter­fra­gen. Diese Begeg­nun­gen zau­bern mir dann auch immer ein Lächeln auf mein Gesicht. Doch in Betrach­tung der Gesamt­heit des all­täg­li­chen klei­nen und gro­ßen Wahn­sinns auf die­ser Welt mutet das wie ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein an. Was mich natür­lich nicht davon abhält, eine gewisse Hoff­nung auf­recht­zu­er­hal­ten. Zumin­dest im „Klei­nen“. Die Hoff­nung auf Poli­ti­ker in höhe­ren Ebe­nen, wel­chen das Wohl der Bür­ger und nicht die eigene Macht wich­tig ist oder sozial den­kende Wirt­schafts­bosse darf man hin­ge­gen getrost ad acta legen.

  36. Ich muss Mar­cus recht geben, auch ich beziehe mich hier zunächst nur auf die Szene. Kon­kret: Ich finde immer wie­der schwarze Per­len in der Masse der gleich­ge­schal­te­ten. Das lässt die Hoff­nung in mir auf­flam­men das es doch mög­lich sein muss, der Szene wei­ter­hin ein biss­chen was mit­zu­ge­ben und auch dar­aus zu lernen.

    Wir müs­sen uns vor der Resi­gna­tion hüten. »Wir kön­nen Doch nichts ändern.« Ist der Anfang vom Ende. »Die Hoff­nung stirbt zuletzt…« GENAU so ist ist es, ich bin unver­bes­ser­lich und hoff­nungs­los optimistisch ;)

  37. http://www.youtube.com/watch?v=hbrbwNfT18o&feature=related

    Otto wollte wohl auch mal ;D

  38. Gute Cover­ver­sion, die würde auch für den aktu­el­len Gothic-Friday tau­gen, ist wesent­lich bes­ser als das Ori­gi­nal — mei­ner beschei­de­nen Mei­nung nach natürlich ;)

  39. Tja, auch meine Wenig­keit mochte den Gra­fen einst­mals sehr. Dann kam, was kam. Ich kam aus dem Stau­nen nicht mehr raus. Schwarz wurde bunt, ich ver­liess ein Kon­zert und kehrte dem »neuen« Gra­fen seit­dem den Rücken. Der »alte« Graf ist wei­ter­hin hie und da Teil mei­nes Musik­le­bens und wer weiss, viel­leicht gibt es ja mal ein »Back to the roots«? Chan­cen ver­dient jeder! ;-)

  40. und wer weiss, viel­leicht gibt es ja mal ein »Back to the roots«? Chan­cen ver­dient jeder! ;-)

    Dahin­ge­hend kann ich nur auf die Rezen­sio­nen der all­be­kann­ten Ver­kaufs­platt­form ver­wei­sen. Und ich kann die Nega­tiv­kri­tik ver­ste­hen. Hörte ich doch soeben inter­es­se­hal­ber hin­ein. Doch als mir die­ser Xavier Nai­doo als Co-Sänger in den Kopf­hö­rer schnulzte war end­gül­tig Schluss mit lus­tig. Und jeder weiß, wie tole­rant ich in Bezug auf Musik bin.…

    Ich weiß nicht, aber im Ver­gleich zu solch´ plat­ter Besinn­lich­keit ist Neo­folk der reinste Knusperbass-Industrial.

    Davon ein­mal abge­se­hen, wer ein­mal sei­nen Weg gefun­den, gelebt und ver­gol­den las­sen hat, der schaut nur noch sel­ten zurück. Somit darf auf ein »Back to the roots« lange gewar­tet wer­den. Vor allem nach dem nun erschie­nen Album.
    Zudem erlebte ich es bis jetzt nur ein ein­zi­ges mal, dass ein Musik­pro­jekt wie­der zu sei­nen Wur­zel zurück­kehrte. Sämt­li­che Inter­pre­ten, deren Schaf­fen sich immer wei­ter von mei­nem Geschmack ent­fernt hat­ten, blie­ben auch wei­ter­hin auf Abstand.

    Ich für mei­nen Teil werde jeden­falls auch die fol­gen Alben des Gra­fen als »Jen­seits wei­te­ren Inter­es­ses« ein­stu­fen und mir mit Ambassador21 die Ohren frei bla­sen, denn Nai­doos Kla­gestimm­chen will ich nicht im Kopf behalten.

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Trackbacks

  1. Laura P. schreibt:

    RT @TopsyRT: Der Graf und sein Pro­dukt: Schein­hei­lig — Gescho­ren um zu erle­ben? http://bit.ly/i5GRvm