11 Mai

Der eigene Körper als Uniform

Kategorie: Hintergründe, Szene im Blick — Jahrgang: 201030 Kommentare

Es ist noch keine Dekade her, da wurde die Uni­form wie­der zum Trend. Als Ver­kör­pe­rung des mili­tä­ri­schen Ursprungs und als Pola­ri­sie­rung zu des­sen Bedeu­tung war die Uni­form schon in den Ursprün­gen der Gothic-Bewegung Mit­tel zum Zweck der Pro­vo­ka­tion. In der Fetisch Szene als sexu­elle Sti­mu­la­tion ent­deckt, mün­de­ten Über­schnei­dun­gen mit der Gothic-Szene in einer neuen Uni­for­mi­tät ohne jedoch den sexu­el­len Hin­ter­grund voll­ends zu über­neh­men. »Ein star­ker sexu­el­ler Reiz geht mit Sicher­heit auch schlicht davon aus, daß wenn auch unter­schwel­lig, eine Uni­form immer auch etwas dar­stellt, das im eige­nen Kon­text Macht und Gewalt beinhal­tet. Zum ande­ren ist es sehr reiz­voll, sich selbst mit­un­ter sehr vor­teil­haft in einer Uni­form zu prä­sen­tie­ren, somit wird die eigene ero­ti­sche Aus­strah­lung zum inspi­ra­ti­ven Reiz.»1 Mitt­ler­weile gehört die Uni­form zum guten Ton der Szene und ist belieb­tes Mit­tel zu Pro­vo­ka­tion und keh­ren den Sinn in das Gegenteil.

Ver­folgt man Dis­kus­sio­nen und The­men in Foren und Blogs, so scheint der männ­li­che Gothic als Syn­onym für schlanke, ja fast andro­gyne Män­ner zu ste­hen. Wirft man ein Blick in die Welt der Mode, so wird deut­lich das in den letz­ten Jah­ren die Standard-Kleidergrößen der Män­ner immer wei­ter geschrumpft sind. Der bri­ti­sche Schau­fens­ter­pup­pen­her­stel­ler Rootstein gilt seit Jah­ren als die Mess­latte für den soge­nann­ten Stan­dard. 1967, der »Klas­si­ker« Ober­kör­per 42″ (52), 33″ Hosen­größe — 1983, der »Mus­kel­mann« 41″ (51) Ober­kör­per, 31″ Hosen­größe — 1994, den »Schwim­mer«, 38″ (48) Ober­kör­per, 28″ Hosen­größe und letzt­end­lich 2010 den »Homme Nou­veau«, mit 35″ (45) Ober­kör­per und 27″ (!) Hosen­größe2.

Ein Bild, das ich teile. Aus Twiggy wird Thinny, das männ­li­che Gegen­stück. Dünn ist »in«. In der Gothic-Szene ist der eigene Kör­per schon lange zu einer Uni­form ver­kom­men. Wenn man den Anfor­de­run­gen nicht ent­spricht, hat man keine Chance der Akzep­tanz. Pro-Ana und Pro-Mia sind nicht mehr allein den Frauen vor­be­hal­ten son­dern ist Abbild geleb­ter Eman­zi­pa­tion gewor­den, aus krampf­haf­ter Indi­vi­dua­li­sie­rung wird sub­tile Uniformität.

Wer hat eigent­lich damit ange­fan­gen »dünn« inner­halb der Szene zu eta­blie­ren? »Diese wei­ter­ent­wi­ckelte Art der Andro­gy­ni­tät fin­det zu Beginn vor allem in spe­zi­el­len Sze­nen, wie z.B. der Gothic– oder New-Romantic-Szene, große Ver­brei­tung. Andro­gyne Per­so­nen gel­ten hier schon früh als Sex­sym­bole, was z.B. an David Bowie beob­ach­tet wer­den kann.»3 In der frü­hen Gothic-Szene war immer schon ein Hang zum schlan­ken, ja sogar zum dün­nen zu beob­ach­ten. Peter Mur­phy, And­rew Eldritch, Ian Cur­tis set­zen mit Röh­ren­jeans und kör­per­be­ton­ten Schnit­ten  ihre dün­nen Kör­per in Szene und schu­fen das Stil­bild des dün­nen Grufties.

Doch mitt­ler­weile scheint mir aus der Stil­vor­lage ein Dogma gewor­den zu sein. Was mir an der Szene immer gefal­len hat war die Akzep­tanz unter­ein­an­der, ob dick oder dünn, krumm oder gerade, hübsch oder häss­lich — in der Gothic-Szene fand jeder sei­nen Platz und die Mög­lich­keit sich trotz ver­meint­li­cher Defi­zite in Szene zu set­zen. Was zunächst über die Klei­dung ein­ge­schli­chen hat »Was muss ich tra­gen um dazu­zu­ge­hö­ren?« wird mitt­ler­weile ein »Wie muss mein Kör­per sein um dazu­zu­ge­hö­ren?«

Schlank zu sein ist nicht immer eine Beloh­nung, kör­per­li­che Fülle nicht immer Häss­lich. Fangt nicht an das gestörte Bild der Mode­welt in die Szene zu tra­gen und wer­det end­lich wie­der indi­vi­du­ell anders, so wie ihr seid. Nicht wie es euch Kata­loge und Maga­zine aus der bun­ten Welt sug­ge­rie­ren. Macht die Szene schwarz und abwechs­lungs­reich, span­nend und unter­schied­lich und ertränkt nicht das was man frü­her The­ma­ti­sierte in äußer­li­che Oberflächlichkeit.

Susie Orbach schreibt in einem inspi­rie­ren­den Arti­kel: »Boys, young men, men of all ages are being cap­ti­va­ted by the new visual gram­mar which pus­hes men to pout and pos­ture. The more it is there, and the more we suc­cumb, the lar­ger will men’s girths become and the big­ger the pro­fits of those com­pa­nies pray­ing on trans­for­ming men’s bodies. Don’t do it, guys. Reject this new uni­for­mity. Dare to be as phy­si­cally robust and varied as you always were. Don’t fall into being the latest bait in the bree­ding of body inse­cu­rity

(Bild­quelle: The Guar­dian)
  1. Quelle: Inter­view Fetisch Uni­form aus dem IKONEN-Magazin mit Susanne, einer Ham­bur­ger Uni­form­fe­ti­schis­tin []
  2. Quelle: Manor­exic Man­ne­quins von David Col­man, 2.5.2010, New York Maga­zine []
  3. Flo­rian Kre­mer: Andro­gyne Geschlech­ter­bil­der in der Pop­mu­sik, Juli 2006, Seite 3 []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Hintergründe, Szene im Blick
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30 Kommentare

  1. Ich kann das nicht nach­voll­zie­hen, wieso viele Leute den­ken, sie müss­ten in eine bestimmte Hosen­größe pas­sen, nur weil es diese »plötz­lich« gibt. Ande­rer­seits glaube ich aber nicht, dass die Mode schuld daran ist, dass Män­ner und Frauen in eine Ess­stö­rung rut­schen, … ich denke, es ist nur um ein Beträcht­li­ches »ein­fa­cher« gewor­den, eben die­ses ver­meint­lich pas­sende »Ven­til« zu fin­den für die eige­nen Schwie­rig­kei­ten. Und die muss man auch erst mal erken­nen und ein­se­hen. Jeden­falls habe ich über die Jahre den Ein­druck gewon­nen, dass die Schwarze Szene eine große Anzie­hungs­kraft auf Men­schen mit z. B. psychischen/seelischen Schwie­rig­kei­ten hat. Das »fins­tere Äußere«, dunkle Musik, usw. … alles Aus­drucks­for­men für die Abgründe der Seele. Klar, dass da auch Leute mit ´ner Ess­stö­rung finden.

    @Robert: Du hast es schon gesagt: Der Sinn kehrt sich ins Gegen­teil. Erst war die Gothic­be­we­gung der Aus­druck der Seele, jetzt wird der Kör­per immer mehr Mit­tel zum Zweck, damit man sich in die Gothic­szene (Vor­sicht, Sar­kas­mus:) quet­schen kann. Und dem Geschmacks­dik­tat fol­gen lei­der auch immer mehr Män­ner. Mir fällt dazu im Grunde nix Neues ein.

    Ich kann mir vor­stel­len, dass es mit Ess­stö­run­gen zumin­dest in einem Punkt ganz ähnlich ist wie bei der Schi­zo­phre­nie: Ziem­lich viele Leute tra­gen die Anla­gen in sich, die in eine Schi­zo­phre­nie mün­den kön­nen, aber nur bei ver­gleichs­weise weni­gen zei­gen sich dann auch die Sym­ptome. Da »muss« man u– U. schon nach­hel­fen, bei­spiels­weise mit Dro­gen­kon­sum. Und so gibt es wahr­schein­lich auch ver­dammt viele Leute, deren Selbst­be­wusst­sein eigent­lich recht schwach ist, aber nicht jeder von denenn hat des­halb eine Ess­stö­rung, es braucht schon einen Aus­lö­ser. Soll hei­ßen, man muss erst mal auf die Idee kom­men, eine Diät anzu­fan­gen … »Dank« diver­ser Pro-Ana-Seiten muss ja kei­ner mehr auf (th)inspiration ver­zich­ten. Dabei bezweifle ich aber, dass z. B. eine aus­ge­wach­sene Mager­sucht so ein wun­der­schö­ner Spaß ist.

    Erst hat man über die Sterb­lich­keit nach­ge­dacht ohne dabei drauf­ge­hen zu »wol­len«, … inzwi­schen wird sie nach­ge­macht, aber der Ver­stand wird aus­ge­schal­tet.
    Viel­leicht wol­len man­che in der Szene auch tat­säch­lich aus­se­hen wie der Tod.
    Der macht ja bekann­ter­ma­ßen auch alle gleich.

    Gruß, Mischa­Sol­eil

  2. @Robert: gilt auch umge­kehrt, kör­per­li­che Fülle ist auch keine Beloh­nung und schlank muß auch nicht häß­lich sein.

  3. So … dann melde ich mich als bis­her »stil­ler Mit­le­ser« auch mal zu Wort ^^.
    Die Szene ist genau wie der Rest der Gesell­schaft mitt­ler­weile einem Mode-Diktat unter­wor­fen und sie grenzt sich da, was die Art und Weise angeht, kaum noch ab. Ich habe beob­ach­tet, dass die Szene in den letz­ten 10 Jah­ren gene­rell immer ober­fläch­li­cher gewor­den ist und man mitt­ler­weile sagen kann, dass der Spruch »Sub­stance over style« sich in »Style over sub­stance« ver­kehrt hat. Wenn man wei­ter­hin sagt, dass die schwarze Szene eine große Attrak­ti­vi­tät für Leute mit psy­chi­schen Pro­ble­men bzw. labile Per­sön­lich­kei­ten besitzt, so stimmt das heute auch mehr denn je, da Tabu­the­men mitt­ler­weile in der Musik nicht nur wie frü­her ange­spro­chen son­dern regel­recht »aus­ge­schlach­tet« wer­den und in Folge des­sen auch die Akzep­tanz für labile Per­sön­lich­kei­ten und psy­chisch Kranke wei­ter steigt (wobei ich Letz­te­res durch­aus gut finde.). Neben irgend­wel­chen Schön­heits­idea­len steigt hier aber mit der Akzep­tanz auch die Glo­ri­fi­zie­rung von Psy­cho­knäck­sen. Wenn man zB mal bedenkt, wie stark die Rit­ze­rei zeit­weise »in Mode« gekom­men ist und wie viele Leute den­ken, sie müss­ten depres­siv sein um mit dazu zu gehö­ren, dann kann man nur den Kopf schüt­teln. Der Zulauf an labi­len Leu­ten ver­stärkt gleich­zei­tig mit der Akzep­tanz eben auch die Glo­ri­fi­zie­rung. Man kann von einer Art »Psychoknacks«-Mainstream spre­chen. Vor ein paar Jah­ren war Bor­der­line »schick«, jetzt sind es eben Ess­stö­run­gen in Ver­bin­dung mit unge­sun­den Schön­heits­idea­len.
    Das Gefähr­li­che daran ist der Nach­ah­mungs­ef­fekt. Es gibt tat­säch­lich viele Leute, die zB Rit­zen oder Hun­gern um dazu zu gehö­ren. Der Knacks kommt dann sozu­sa­gen mit dem Ver­hal­ten, auch wenn er vor­her nicht da war. Ist ähnlich, wie wenn man in eine Sucht gerät. Gefällt mir alles über­haupt nicht …

  4. @synapsenpogo: Ich will gar nicht wis­sen, in wel­cher kran­ken und ver­que­ren Szene Du Dich bewegst. Aber auf jeden Fall soll­test Du aus der­sel­ben raus!

  5. @Vizioon: Es ist die glei­che Szene, in der auch du dich bewegst … »Augen auf« hilft!
    (No offense!)

  6. @Synapsenpogo: Yop. Dabei wer­den dann auch oft diese Stö­run­gen auf ein paar signi­fi­kante Merk­male redu­ziert, die nicht ein­mal zwin­gend gege­ben sein müs­sen: dürr = Mager­sucht (Betrof­fene kann durch­aus auch noch nor­mal­ge­wich­tig sein) und Bor­der­line = rit­zen. Das selbst­ver­let­zende Ver­hal­ten ist ein Teil­kri­te­rium von ins­ge­samt acht (oder neun) Kri­te­rien von denen für eine Borderline-Störung min­des­tens fünf erfüllt sein müs­sen. In eine Esstö­rung kann man wohl durch­aus durch Nach­ah­men dann tat­säch­lich rein­ras­seln, aber bei Per­sön­lich­keits­stö­run­gen oder ande­rem bin ich mir da nicht sicher.

    Da sind viele Leute ein­fach nur unin­for­miert und fin­den psy­chi­sche Stö­run­gen cool …, was weiß ich, wel­che Filme die gese­hen haben.

    @Vizioon: Klar, schlank oder fül­lig, jedem gefällt sowohl an sich sel­ber als auch an ande­ren was ande­res und ein paar Kilo zu viel oder zu wenig bedeu­ten auch nicht immer gleich eine Ess­stö­rung. Das wäre die glei­che ober­fläch­li­che Art die Leute auf was (ver­meint­lich) Vor­han­de­nes zu redu­zie­ren, wie es umge­kehrt wohl immer mehr mit der Szene geschieht, nur dass da die Leute den »Szene-Inhalt«. Oft auch im wahrs­ten Sinne des Wor­tes, indem sie sich sel­ber weg­hun­gern um dazu­zu­ge­hö­ren. Wer dünn und andro­gyn aus­se­hen möchte und dann aber auch wie­der auf­hö­ren kann mit der unge­sun­den (Nicht-)Essweise: Ok, wieso nicht. Weiß nicht, ob da tat­säch­lich allzu viele die Bremse recht­zei­tig finden.

  7. @MischaSoleil: Ich wollte auch nicht behaup­ten, dass man übers Rit­zen Bor­der­li­ner wird und mir ist durch­aus bewusst, das Rit­zen nicht auto­ma­tisch Bor­der­line bedeu­tet, wie auch Bor­der­line nicht zwin­gend mit Rit­ze­rei ver­bun­den sein muss. Das hätte ich viel­leicht deut­li­cher schrei­ben sol­len ^^.
    Aber Rit­zen kann durch­aus zur Sucht wer­den, auch wenn man sozu­sa­gen aus »Spaß« damit anfängt, weil man damit ein Ver­hal­tens­mus­ter erlernt, dass sich ver­selbst­stän­di­gen kann.

    Aber Hun­ge­rei kann durch­aus eine Esstö­rung erzeu­gen, so wie auch Diä­ten und der Frust damit in einer Sol­chen mün­den »kön­nen« ( nicht »müs­sen«) und viele psy­chi­sche Krank­hei­ten wer­den oft Rea­li­tät, wenn man sie sich lange genug einbildet.

    (Außer es sind neu­ro­lo­gi­sche Erkran­kun­gen, die haben ja kör­per­li­che Ursachen.)

    Man sollte nie die Kraft der Ein­bil­dung unterschätzen.

  8. @Synapsenpogo: Don´t worry, ich hab dir nicht unter­stellt, dass du das nicht sel­ber weißt. ^^
    Aber wenn ich das mal so böse sagen darf: Viel­leicht goo­geln ja diverse Kid­dies, die wis­sen wol­len, was man tun muss um Gothic zu sein, auch mal aus Ver­se­hen hier­her … *harrharr*

    Ein­bil­dungs­kraft nicht unter­schät­zen? Damit wären wir dann bei Hypo­chon­dern … *bitte nicht auch das noch. das ist nicht gothic. echt nicht. heul*

  9. @MischaSoleil:

    Hypo­chon­drie kann durch­aus bizarre For­men anneh­men ^^.
    Wor­auf ich aber eher mit der »Ein­bil­dung« hin­aus wollte:

    Der Geist bzw. die Seele (oder wie auch immer man es nen­nen will) hat Macht über den Kör­per. Das sieht man zB anhand von kör­per­li­chen Beschwer­den, die nach­weis­bar vor­han­den aber durch die Psy­che initi­iert sind, also psy­cho­so­ma­ti­schen Beschwer­den.
    Wenn man sich lange genug ein­bil­det man habe Depres­sio­nen, dann bekommt man sie unter Umstän­den auch irgend­wann wirk­lich, denn wenn der Geist schon den Kör­per beein­flus­sen kann, kann der Geist auch sich selbst beeinflussen.

    Dazu kommt die Sache mit der nega­ti­ven Erwar­tungs­hal­tung bzw. der »Self-fullfilling Prophecy«.

    Das hat mit Hypo­chon­drie eigent­lich gar nicht mal so viel zu tun.

  10. @Synapsenpogo: Stimmt schon soweit. Ich glaube trotz­dem nicht, dass sich Prä­gun­gen in der Kind­heit, die die Funk­ti­ons­weise bestimm­ter Gehirn­areale ver­än­dern oder (teil­weise) unter­bin­den (was unter­schied­li­che Per­sön­lich­keits­stö­run­gen zur Folge haben kann), sich auch spä­ter durch Nach­ah­mung her­bei­füh­ren las­sen. Ich denke in man­chen Fäl­len dann schon eher en Hypo­chon­drie oder noch eher an die His­trio­ni­sche Per­sön­lich­keits­stö­rung. Ich glaube, bei Leu­ten, die lange genug bestimmte Stö­run­gen nach­ah­men, liegt eigent­lich was viel­leicht ande­res aber mit­un­ter durch­aus ähnli­ches zugrunde.

    Soll mich kei­ner falsch ver­ste­hen, meine Kom­men­tare rich­ten sich nicht gegen tat­säch­lich Betrof­fene irgend­ei­ner Stö­rung o. ä.

    Ich habe aber auch nicht viel übrig für Leute, die gar nicht genug Pro­bleme haben kön­nen, echte oder vor­erst ver­meint­li­che …
    Ich dachte ja lange Zeit, es ginge in der Gothic-Bewegung auch zum Groß­teil darum, sich mit dem, was einen beschäf­tigt, aus­ein­an­der­zu­set­zen, ein Stück weit zu hin­ter­fra­gen usw. Und wer sich nur noch wei­ter in Schwie­rig­kei­ten rein­rei­tet, anstatt sich dahin­ter­zu­klem­men, dass sich was bes­sern kann, der setzt sich mei­ner Mei­nung nach nicht damit aus­ein­an­der.
    Sich was abzu­gu­cken und so lange nach­zu­ma­chen, bis man echte Pro­bleme hat, finde ich im Grunde ein­fach nur bescheuert.

  11. @MischaSoleil: Naja was aber Fakt ist, ist dass man sein Gehirn bewusst bzw. unbe­wusst durch­aus noch pro­gram­mie­ren kann wenn du so willst. Kind­heits­prä­gun­gen haben zwar einen weit­aus stär­ke­ren Ein­fluß, weil zu der Zeit noch fri­sche neu­ro­nale Ver­bin­dun­gen ent­ste­hen, aber ein Trauma bei­spiels­weise kann auch nach der Kind­heit noch starke Aus­wir­kun­gen auf die Psy­che haben. Ebenso auch jeg­li­che andere äußere Ein­flüsse. Wäre dem nicht so, wären wir eine Gesell­schaft, die kom­plett geis­tig gesund wäre und in der jeder mit dem Leben psy­chisch gese­hen gleich gut zurecht kommt, weil nie­mand am Leben scha­den nähme. Es gibt unglaub­lich viele Ver­hal­tens­mus­ter die sehr schwer zu durch­bre­chen sind … warum ist das so? Wieso exis­tie­ren Süchte? Wieso gibt es Burn-Outs? etc. etc.

    Ich denke schon, dass man sich selbst durch Nach­ah­mung umpro­gram­mie­ren kann, auch wenn man es nicht bewusst tut.

    Im Prin­zip ist fast jeder Knacks den man haben kann (außer kör­per­lich oder toxisch induziert)eine Selbstum­pro­gram­mie­rung, nur in dem meis­ten Fäl­len eben keine bewusste.

  12. @Synapsenpogo: Naja, Pro­gram­mie­rung im »harm­lo­se­ren« Sinne, wobei ich jetzt nicht wirk­lich harm­los meine, aber mnir fehlt gerade das rich­tige Wort. Bei »Pro­gram­mie­run­gen« des Gehirns wären wir ja sonst alle im Bereich (schwers­ter) Dis­so­zia­tion. Begriffe wie bewusst, halb­be­wusst, unter­be­wusst, …*ächz* … und bewusst … wer­den oft nicht ganz kor­rekt benutzt. Aber dar­auf will ich eigent­lich gar nicht hin­aus und ich soll end­lich auf­hö­ren, dau­ernd dagegenzureden. ^^

    Im Grunde hast du schon recht, man kann sich durch­aus kras­ses Zeug soweit ange­wöh­nen, bis man tat­säch­lich in genau die­ser Scheiße steckt … Ich will den Leu­ten garan­tiert nicht ihre Pro­bleme und Trau­mata abspre­chen, egal wie alt die Leute sind, ich ver­su­che halt an die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit zu appel­lie­ren. Sollte ab einem bestimm­ten Alter mög­lich sein. Ich habe den Ein­druck, viele ren­nen ein­fach nur noch dem hin­ter­her, was am meis­ten auf­fällt, egal, wie absurd … Ich muss da blö­der­weise immer an den Duracell-Hasen denken. ^^

    Was jetzt den Mager­kult in der Szene betrifft: Ich glaube nicht, dass die Leute nicht wis­sen, was sie tun. Sie rech­nen viel­leicht nur auf­grund von Selbst­über­schät­zung und Unin­for­miert­heit nicht mit dem, was sie dann tat­säch­lich erwar­tet! Dass dem ein ange­knacks­tes Selbst­wert­ge­fühl zugrunde liegt, das bezweifle ich gar nicht. Aber man kann nicht ein Leben lang nur nach Grün­den suchen, warum andere(!) dann alles zu akzep­tie­ren hät­ten, wäh­rend man sel­ber alles dran­setzt um zu zer­stö­ren. Im Falle des Abma­gerns (wenn man par­tout keine pro­fes­sio­nelle Hilfe in Anspruch neh­men will oder »kann«) genauso wie bei der »Ver­ober­fläch­li­chung« der Szene. Und ich meine da tat­säch­lich die Nach­ah­mer, die im Grunde keine Ahnung haben, was sie da evtl. anlei­ern. Das wirft ein übles Bild auf die Szene und auch auf tat­säch­lich Betrof­fene irgend­wel­cher Stö­run­gen. Ich denke, man muss nicht alles haben … *greetz*

  13. @Synapsenpogo: Sry, aber da liegst Du ziem­lich dane­ben. Mal abge­se­hen davon, daß Du von depres­si­ven Erkran­kun­gen keine Ahnung hast. Denn das sind Krank­hei­ten und keine Ein­bil­dun­gen.
    Und all­ge­mein: Ich ver­stehe immer noch nicht, warum ihr Rit­zer (immer­hin Per­so­nen mit extre­men psy­chi­schen Stö­run­gen) und Mage­süch­tige (auch das eine extreme psy­chi­sche Stö­rung) in die Gothic-Szene inte­grie­ren wollt. Es han­delt sich um Krank­heits­bil­der, die jeweils einer sehr indi­vi­du­el­len Behand­lung bedür­fen. Und die mit der Gothic-Szene in etwa gar nichts gemein­sam habe.

  14. @Vizioon: Viel­leicht soll­test du mal lesen was ich TATSÄCHLICH geschrie­ben habe, anstatt Dinge zu kri­ti­sie­ren, die ich defi­ni­tiv NICHT geschrie­ben habe.*g*
    Du scheinst dazu zu nei­gen, das zu her­aus­zu­le­sen, was du her­aus­le­sen willst.

    1. Ich bilde mir übri­gens ein, von depres­si­ven Erkran­kun­gen schon ein wenig Ahnung zu haben. *g*
    (Wieso ich da jetzt Grin­sen muss, behalte ich ein­fach mal für mich *rofl*)

    2. Ich habe nie behaup­tet, dass psy­chi­sche Erkran­kun­gen gene­rell Ein­bil­dun­gen sind.
    Ich habe ledig­lich die Hypo­these geäu­ßert, dass ein­ge­bil­dete, psy­chi­sche Erkran­kun­gen bzw. nach­ge­ahmte, psy­chi­sche Erkran­kun­gen zum Teil in tat­säch­li­chen Erkran­kun­gen resul­tie­ren kön­nen, wenn man die Ein­bil­dung oder das Nach­ah­men lange genug betreibt.

    3.Zu den Ritzern:

    Davon abge­se­hen ist mir auch klar, das »Selbst­ver­let­zen­des Ver­hal­ten (SVV)« auf eine ernst­hafte psy­chi­sche Erkran­kung hin­deu­ten kann, es kommt eben nur nicht aus­schließ­lich in Ver­bin­dung mit Bor­der­line vor, son­dern kann auch zum Symptom-Spektrum einer ande­ren psy­chi­schen Grund­er­kran­kung gehö­ren. Abge­se­hen davon, muss Rit­zen in einer Borderline-Symptomatik nicht ent­hal­ten sein, um sie zu einer Borderline-Symptomatik zu machen.

    Es gibt aber durch­aus eben AUCH »Pseudo-Ritzer«, die den­ken, dass es zum guten Ton in der Szene gehört und die sich ihr Pro­blem mei­ner Mei­nung nach sozu­sa­gen selbst her­an­züch­ten. Rit­zen kann wie Hun­gern zur Sucht werden.

    4.Was die »Inte­gra­tion« von »Rit­zern« und »Mager­süch­ti­gen« angeht:

    Die Szene hat die­sen Men­schen gegen­über im Gan­zen eine grö­ßere Akzep­tanz und Tole­ranz. Das bedeu­tet, dass Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen in der Szene für gewöhn­lich nicht oder eher sel­te­ner aus­ge­grenzt wer­den als in ande­ren Krei­sen. Und das finde ich grund­sätz­lich im mensch­li­chen Sinne positiv.

    Diese Erkran­kun­gen haben für die Gothic-Szene eigent­lich nur fol­gende Relevanz:

    Man fin­det sie dort sehr häu­fig und weit­aus häu­fi­ger, als in ande­ren Krei­sen. Nicht weil es dazu­ge­hört, son­dern weil die Szene für psy­chisch labile Men­schen ein­fach attrak­ti­ver erscheint, da die­sen Erkran­kun­gen eine grö­ßere Tole­ranz und Akzep­tanz ent­ge­gen­ge­bracht wird (was durch­aus posi­tiv zu bewer­ten ist).

    So … habe ich jetzt alle (UN-)Klarheiten besei­tigt? *g*
    Ansons­ten gebe ich dir noch den freund­li­chen Tipp auf dei­nen Blut­druck zu ach­ten und ein­fach noch­mal zu lesen, was ich jeweils geschrie­ben habe, bevor du dich wie­der aufregst.

  15. @MischaSoleil: Vie­len Dank für deine inter­es­san­ten Kom­men­tare. Natür­lich ist die schlank/dick Fas­zi­na­tion ins Gegen­teil umkehr­bar und liegt immer im Auge des Betrach­ters. Aber genau das wollte ich damit auch aus­drü­cken. Schlank zu sein nur um angeb­li­che Akzep­tanz zu erfah­ren ist sicher­lich der fal­sche Weg. Außer­dem möchte ich dei­nen Gedan­ken­gang noch ein Stück wei­ter hin­ter­fra­gen, sind psy­chi­sche Pro­blem mitt­ler­weile ein Teil der Selbst­in­sze­nie­rung? Ritze als Mode? Ich glaube in dei­nem letz­ten Kom­men­tar bringst du genau meine Gedan­ken dazu auf den Punkt.
    Bli­cken wir mal in die USA, da hat jeder mit zuviel Geld min­des­tens einen The­ra­peu­ten für irgend­was und darin wer­den wir hof­fent­lich nicht enden. Genau wie du die Gothic-Szene für etwas hälst, was Dinge hin­ter­fragt, halte (oder hielt) ich sie auch für eine Pro­blem­lö­sungs­ori­en­tierte Szene, in die man nicht nur Pro­bleme hin­ein­trägt, son­dern durch Gesprä­che löst. Tief­schür­fende Gesprä­che, wie man sie mitt­ler­weile nur noch in his­to­ri­schen Büchern nach­le­sen kann, gibt es doch kaum noch. Anfang der 90er haben wir uns Nächte um die Ohren gehauen um zu dis­ku­tie­ren, ob sich eine Band wirk­lich Silke Bisch­off nen­nen darf, ob Dro­gen­kon­sum ein Weg zu Selbst­er­fah­rung sein kann und ob Selbst­mord feige oder mutig ist.

    @Synapsenpogo: Schön das du die Stille durch­bro­chen hast! Kon­di­tio­nier­tes Ver­hal­ten ist nicht immer ein Segen, völ­lig rich­tig. Pro­ble­ma­tisch finde ich imm­mer die eigene Wahr­neh­mung der Dinge, ohne Impulse von Außen würde man­chen doch gar nicht die Kon­se­quenz der eige­nen Hand­lung bewusst wer­den. Das gilt für Ess­stö­run­gen genauso wie für das Rau­chen. Ich denke aber, das die eigene »Umpro­gram­mie­rung« mit stei­gen­dem Alter immer schwie­ri­ger wird, da stei­gen­des Selbst­be­wusst­sein in fal­scher Selbst­ein­schät­zung mün­den kann. Je gewohn­ter eine Ver­hal­tens­weise ist, desto schwie­ri­ger ist es, sie wie­der loszuwerden.

    @Vizioon: Wir wol­len die Krank­heits­bil­der nicht inte­grie­ren, die Gothic-Szene ist immer schon eine Art von Sam­mel­be­cken diver­ser Psy­chi­scher Stö­rungs– und Krank­heits­bil­dern gewe­sen. Das liegt wohl an der düs­te­ren, mor­bi­den und zuwei­len depres­si­ven Grund­stim­mung die Musik, Text und Ästhe­tik zum Aus­druck brin­gen. Mit­ein­an­der zu tun haben sie da noch nichts. Viel­leicht sind Krank­heits­bil­der mitt­ler­weile zur Mode­er­schei­nung ver­kom­men »Rit­zen«, scheint nicht mehr einen ein­fa­chen Krank­heits­bild zu zuord­nen zu sein. Es mag sein, das die Summe der Dinge für Men­schen mit Krank­hei­ten einen leich­te­ren Zugang bie­tet. Da ich selbst nicht betrof­fen bin, möchte ich mir keine wei­te­ren Hypo­the­sen erlauben :)

  16. @Robert: Muss geste­hen, ich habe erst mit ca. 21 Jah­ren, also nach 2000 zum Schwarz­sein gefun­den … ^^ Was Silke Bisch­off betrifft: Da habe ich auch erst recht spät davon mit­ge­kriegt, aber in dem Punkt, was der Name soll, waren wir uns irgend­wann mal einig. XD

    Ja, Rit­zen oder Hun­gern, weil´s ver­meint­lich schick ist … Ich glaube, das ist ein sehr schma­ler Grat, wahr­schein­lich haben auch die »Nach­ah­mer« ihre Pro­bleme, sonst kämen sie erst gar nicht auf die Idee, das Pferd quasi von hin­ten auf­zu­zäu­men. Trotz­dem habe ich für diese »Vor­ge­hens­weise« dann nicht all­zu­viel Akzep­tanz übrig. Ob psy­chi­sche Pro­bleme ein Teil der Selbstin­ze­nie­rung sind? — Hm, bei bestimm­ten Stö­run­gen bestimmt. Und umge­kehrt, da ist die Selbstin­ze­nie­rung ein Teil der Stö­rung. Also schön mit­ein­an­der ver­wach­sen … Ich denke, man kann seine psy­chi­schen Pro­bleme durch­aus aber auch auf posi­tive Weise nach außen tra­gen, ich denke da z. B. gerade an Sopor Aeter­nus. Ich will also nicht gesagt haben, dass Selbstin­ze­nie­rung in punkto Psy­cho­knacks immer »krank« sein muss.

    Aber ich denke, es kann auch kei­ner erwar­ten, dass es (in der Gothic-Szene) all­ge­meine Akzep­tanz fin­det, wenn die Selbstin­ze­nie­rung dann ProAna-Seiten, wahl­weise Pro­Cutty aus­wirft … Ich habe schon oft genug gele­sen und gehört, dass Leute, die mit der Szene im Grunde nix zu tun haben, Gothic und ProAna als zusam­men­ge­hö­rig(!) sehen, weil ihre Töch­ter­chen … naja, erpar ich mir das jetzt. Ich meine, sowas macht doch die Runde und wird sich eher ins »all­ge­meine Gedächt­nis« bren­nen als ver­nünf­tige Erklä­run­gen zur Schwar­zen Szene. Ist halt spek­ta­ku­lä­rer und somit auch ein bes­se­rer Angriffs­punkt. Ich erlebe das also eher nicht so, dass die Szene jetzt mehr Akzep­tanz von außen erfährt als frü­her. Frü­her waren wir alle Sata­nis­ten, die min­des­tens(!) Kat­zen schlach­ten und heute sind wir alle Selbst­zer­stö­rer. Außer Sze­ne­gän­ger mit Über­ge­wicht. Die schlach­ten wei­ter­hin Kat­zen. Scheiß drauf. *grins*

  17. @MischaSoleil: Jede Zeit hat ihre Kli­schees, offen­bar fällt es der Gesell­schaft leich­ter, Pro­bleme die sie nicht ver­ste­hen auf Jugend­kul­tu­ren zu schie­ben, die sie eben­falls ver­ste­hen. So ergibt das wenigs­tens für sie einen Sinn. Mit Sopor Aeter­nus und dem »nach außen« tra­gen sprichst du einen ganz inter­es­san­ten Ein­fluss an. Umgangs­sprach­lich würde ich sagen, das einige der Bands, die stell­ver­tre­tend für den Begriff Gothic ste­hen, nicht mehr alle Lat­ten am Zaun haben. Neh­men wir das pro­mi­nen­teste Bei­spiel Ian Cur­tis der ja letzt­end­lich Selbst­mord began­gen hat, oder auch Robert Smith, dem Selbst­mord­ge­dan­ken immer unter­stellt wur­den. Viele Künst­ler kom­pen­sie­ren ihre psy­chi­schen Pro­blem in Krea­ti­vi­tät, was auch oft in unglaub­li­chen Wer­ken mün­det. Kurt Cobain sei an die­ser Stelle auch mal genannt. Du sagst es schon, es ist alles mit­ein­an­der ver­strickt und das ebenso undurch­sich­tig wie der Geist selbst.

  18. @Robert: Auch schon wach …? Yop, so einige Künst­ler haben wohl auch einen gewal­ti­gen Psy­cho­knacks und es würde was feh­len, wenn die sich mit ihren z. T. echt kru­den ^^ Ein­fäl­len nicht raus­ge­traut hät­ten. Aber schau dich mal um, eine Cas­ting­show nach der nächs­ten, und wer nicht die Aus­sicht hat auf´s Berühmt­wer­den, der probiert´s oft erst gar nicht mit Krea­ti­vi­tät, und sei es nur für sich sel­ber und den eige­nen Freun­des­kreis. Das reicht den Leu­ten heute anschei­nend nicht mehr. (Aus­nah­men gibt´s zum Glück immer!) Naja, alles oder nichts.

    Es dau­ert bestimmt auch län­ger und ist oft viel müh­se­li­ger, sich hin­ter die Instru­mente, das Mikro­fon, den Zei­chen­block oder was auch immer zu klem­men, bis sich dann end­lich mal sowas wie ein »Glücks­ge­fühl« ein­stellt. Mit Fas­ten oder Rit­zen geht´s jeden­falls erst­mal schnel­ler, an einen Adre­na­lin­schub oder ver­gleich­ba­res zu kom­men. Und wenn man dann noch ein paar Gleich­ge­sinnte fin­det, die das genauso »cool« fin­den … naja. Das schnelle Hoch­ge­fühl und die schnelle Auf­merk­sam­keit. Mit ein biss­chen Pech flaut das dann genauso schnell wie­der ab und es geht von vorne los … Bis man so rich­tig in der Schei*e sitzt.

    Mit Krea­ti­vi­tät oder mit (im wei­tes­ten Sinne) ver­nünf­ti­gen Hob­bies usw. dauert´s halt län­ger, bis sich eine Art Sta­bi­li­tät, eine Art »Glück« ent­wi­ckeln kann, beson­ders, wenn man eh auf der Suche ist und Schwie­rig­kei­ten hat. Aber es wirkt auch nach­hal­ti­ger. Es ist eben nur vie­len zu lang­wei­lig, weil´s nicht zackig genug pas­siert. Die Leute soll­ten sich und ihren Res­sour­cen eine Chance geben, anstatt sich ihrer zu berau­ben. (Bin ich eigent­lich noch beim Thema oder schon offtopic? ^^)

  19. @Synapsenpogo:
    Zu Punkt 1: ich habe keine Ahnung, was Du mit Dei­ner sehr sub­ti­len Kri­tik andeu­ten willst.
    Zu Punkt 2: Hypo­these!
    Zu Punkt 3: Pseudo-Ritzer? Also nur so tun als ob?
    Zu Punkt 4: Ich finde es bedenk­lich, wenn man Tole­ranz als Akzep­tanz von psy­chi­schen Stö­run­gen defi­niert. Ich würde den­je­ni­gen immer noch mehr eine The­ra­pie vor­schla­gen, als »werde doch Goth«.
    Abge­se­hen davon hab ich mich nicht auf­ge­regt, und mein Blut­druck ist nor­mal.
    @Robert: Viel­leicht dis­tan­ziere ich mich damit von der Szene, aber weder Rit­zen noch Mager­sucht noch Depres­sion (im Sinne des Krank­heits­bilds) hatte, nach mei­nem Ver­ständ­nis, etwas mit Gothic zu tun. Zu der Zeit, als ich mit der Szene Kon­takt bekam, waren sogar viele Mädels und auch einige Jungs, stark über­ge­wich­tig, sie ritz­ten nicht, und waren, soweit ich das beur­tei­len kann, nicht depressiv.

  20. http://www.youtube.com/watch?v=TBwmGVjfbH8&feature=PlayList&p=66010C111E0D21F4&playnext_from=PL&playnext=1&index=46

  21. @Vizioon:

    Damit will ich andeu­ten, dass du dir nicht die Mühe machst das zu lesen, was ich wirk­lich geschrie­ben habe, son­dern etwas hinein-interpretierst, dass da fak­tisch gar nicht geschrie­ben steht.
    Ich ver­stehe auch nicht, wes­we­gen du gleich an die Decke gehst *g*, vor allem auch noch ohne jeg­li­chen Grund.

    Zu Punkt 2:

    Dass es eine Hypo­these ist, habe ich nir­gendwo bestritten.

    Aber mir ist schon öfter zu Ohren gekom­men, dass Leute, die bei­spiels­weise aus »Auf­merk­sam­keits­geil­heit« oder »Gel­tungs­be­dürf­nis« anfin­gen zu Rit­zen (das meine ich mit »Pseudo-Ritzerei«) irgend­wann nicht mehr damit auf­hö­ren konnten.

    Ich finde das bestä­tigt meine Hypo­these, denn da hät­ten wir dann min­des­tens ein soge­nann­tes Zwangs­ver­hal­ten, was man durch­aus als künst­lich erwor­bene psy­chi­sche Erkran­kung betrach­ten kann.

    Zu Punkt 3:

    Nicht nur »so tun als ob« son­dern Rit­zen, weil man zB denkt »es gehöre dazu«.

    Und eben nicht, weil man ver­sucht, sich bei­spiels­weise von Druck zu befreien, sich evtl. zu bestra­fen, sich bzw. sei­nen Kör­per durch den Schmerz wie­der spü­ren zu kön­nen etc. (was mög­li­che Gründe für Rit­ze­rei sein können).

    Oder eben als zweite Vari­ante: demons­tra­ti­ves Rit­zen aus Auf­merk­sam­keits­geil­heit bzw. um Mit­leid zu erzeu­gen. Ent­we­der dadurch, dass man es dann tut (das Rit­zen), wenn es jemand bemer­ken könnte (was man beab­sich­tigt) oder absicht­lich an Kör­per­stel­len, die für gewöhn­lich gut zu sehen sind.

    Das kann zB ähnlich funk­tio­nie­ren wie ange­droh­ter Selbst­mord, soge­nann­ter »Pseudo-Suizid« um ent­we­der Mit­leid zu erha­schen oder Leute zu mani­pu­lie­ren (»Emo­tio­nale Erpres­sung«).
    Diese Leute gibt es durch­aus und dass kannst du nicht bestreiten.

    In bei­den Fäl­len muss vor­her keine psy­chi­sche Erkran­kung vorliegen.

    Kann man mit der Rit­ze­rei dann nicht mehr auf­hö­ren, hat man sich ein selbst-schädigendes Ver­hal­ten ange­wöhnt, dass außer Kon­trolle gera­ten ist, denn sonst könnte man damit aufhören.

    Unter­halte dich mal mit Leu­ten, die beruf­lich mit psy­chisch Kran­ken zu tun haben, die wer­den dir das aus der Pra­xis bestä­ti­gen können.

    Zu Punkt 4:

    Es geht und ging nie darum, ob Rit­zen bzw. Mager­sucht zu Gothic gehö­ren.
    Hast du das jetzt end­lich mal gerafft? *g*

    Es geht darum, dass die Szene psy­chisch Kran­ken mit mehr Tole­ranz begeg­net. psy­chisch Kranke wer­den ganz gerne mal aus­ge­grenzt, weil der Umgang mit ihnen auf­grund der Krank­heit schwie­rig sein kann (aber nicht muss).

    Nie­mand hat hier behaup­tet, dass man psy­chisch krank sein muss, um ein Goth zu sein.
    Die Szene geht mit dem Thema nur offe­ner und unver­krampf­ter um als der Rest der Gesell­schaft, weil das Thema nicht so stark tabui­siert wird. Und das ist auch gut so.
    Infol­ge­des­sen ist die Szene für psy­chisch Kranke beson­ders attrak­tiv, weil sie sich bzw. ihre Krank­heit nicht ver­ste­cken müs­sen, was bedeu­tet, dass es einen hohen Zulauf gibt.

    Noch­mal zum Thema Integration:

    JA! Bitte! … Ich finde Aus­gren­zung näm­lich ziem­lich Kacke!

  22. @MischaSoleil: Obwohl es für mich per­sön­lich abwe­gig ist durch Rit­zen Glücks­ge­fühl zu emp­fin­den, ver­stehe ich was du meinst. Prin­zi­pi­ell ist aber nichts unmög­lich, Wil­lens­kraft vor­aus­ge­setzt. Spaß ohne Alko­hol, Ent­flie­hen ohne Dro­gen und Glück ohne Rit­zen. Nicht jedem fällt das sicher­lich leicht, aber es ist mög­lich. Viel­leicht hat sich auch mit dem bes­se­ren Eigen­ver­ständ­nis das »Pro­blem« der Uni­for­mi­sie­rung von selbst erle­digt. Daher bist auch noch nicht Off-Topic, son­dern im Laufe der Kom­men­tare zeich­net sich doch die indi­vi­du­elle Art der Kom­men­ta­to­ren ab, gegen ein per­sön­li­che Uni­form entgegenzuwirken.

    @Vizioon: Viel­leicht habe ich mich blöd aus­ge­drückt. Rit­zen, Mager­sucht und alle ande­ren Pro­bleme haben auch nichts mit Gothic zu tun. Die The­ma­tik der Szene wirkt aber auf eben die­sen Men­schen sehr anzie­hend. Ich habe nur ver­sucht zu schil­dern, was die Szene mei­ner Mei­nung nach so anzie­hend macht.

    @Synapsenpogo: Mir fällt auf, das alle hier das glei­che mei­nen, sich aber unter­schied­lichst aus­drü­cken, was auf mich per­sön­lich irgend­wie fas­zi­nie­rend wirkt. Ich denke du sprichst mit Inte­gra­tion einen wich­ti­gen Punkt an, wobei ich jedoch ergän­zen möchte, das Inte­gra­tion auch als sol­che gelebt wer­den muss, den die geht über eine schnöde Akzep­tanz hin­aus. Das die Szene mit dem Thema offe­ner und unver­krampf­ter umgeht ist mei­ner Mei­nung nach zwie­späl­tig, denn in den letz­ten Jah­ren ist die doch immer wei­ter zu Spaß-Kultur mutiert die auf andere kei­ner­lei Rück­sicht mehr nimmt. Aus­gren­zung ist Kacke, so ist es :)

    Ganz frech gefragt: Wenn Aus­gren­zung Kacke ist, warum schließt man sich dann einer Szene an die sich selbst aus­grenzt? Gemein­sa­mes Aus­gren­zen mit dem Ziel der Inter­es­sen­gleich­heit? Ich wollte immer schon so sein wie ich wollte. Heute grenze ich mich ganz bewusst aus und möchte mit dem übli­chen der Gesell­schaft wenig zu tun haben. Para­dox irgend­wie das man sich selbst bewusst aus­grenzt aber selbst gegen die Aus­gren­zung ist, oder?

  23. @Robert: Hm …, Wort­fin­dungs­stö­rung? *g*
    Sich abgren­zen vom Aus­gren­zen. Klingt cooler. ^^

  24. @Synapsenpogo: Grund­sätz­lich, stimmt viel­leicht. Ich gehe aber nicht an die Decke (das würde sich anders anhören/lesen), und was lei­der auch stimmt, ich habe es etwas »über­le­sen«.
    Zu 2: Ich ver­stehe ein­fach nicht, inwie­fern »Rit­zen« eine Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit gene­rie­ren kann. Ich kenne kei­nen »Rit­zer«, und bin dar­über nicht wirk­lich unglück­lich
    Zu 3: Ich denke, es liegt schon ein Stö­rung vor, wenn man sei­nen Selbst­mord oder sein Rit­zen andeu­tet oder ankün­digt oder vor­täuscht.
    Zu 4: Tole­ranz wird mei­ner Ansicht nach zu oft mit Akzep­tanz gleich­ge­setzt.
    @Robert: Jeder grenzt sich aus, in mehr oder weni­ger dif­fe­ren­zier­ten Gren­zen. Ich sags mal ein­fach, der eine mag Blonde, der andere Schwarz­haa­rige, der eine eher Schlanke, der andere eher Üppige. Und ich stimme Dir zu, die Gothic-Szene lebt mit von der Aus-/Abgrenzung, aber auch da wird es immer schwie­ri­ger, es klar abzugrenzen.

  25. @Vizioon:

    Ich zitiere dich mal:

    »Ich ver­stehe ein­fach nicht, inwie­fern „Rit­zen” eine Sze­ne­zu­ge­hö­rig­keit gene­rie­ren kann.«

    Habe ich das irgendwo behaup­tet? Jetzt mal ehr­lich! Zeig mir bitte eine Text­stelle, die auch nur ansatz­weise in diese Rich­tung aus­leg­bar wäre, ohne ihren Sinn kom­plett falsch ver­stan­den zu haben! *g*

    Ich zitiere dich weiter:

    »Zu 3: Ich denke, es liegt schon ein Stö­rung vor, wenn man sei­nen Selbst­mord oder sein Rit­zen andeu­tet oder ankün­digt oder vortäuscht.«

    Gut, da kann man tat­säch­lich unter­schied­li­cher Mei­nung sein, aber ich ver­trete da durch­aus einen ande­ren Standpunkt.

    »Zu 4: Tole­ranz wird mei­ner Ansicht nach zu oft mit Akzep­tanz gleichgesetzt.«

    Kommt drauf an. Tole­ranz ist das Min­deste, Akzep­tanz ist besser.

  26. @MischaSoleil: Gele­gent­lich, meist vor dem erste Kaffee :)

    @Vizioon: Viel­leicht ist das auch der Grund für die Strei­tig­kei­ten inner­halb der schwar­zen Gemeinde, die Ver­mi­schung der Stile wird ja haupt­säch­lich von außen hin­ein­ge­tra­gen so das das Bedürf­nis nach »inter­ner« Aus­gren­zung wei­ter wächst.

    @Synapsenpogo: »Kommt drauf an. Tole­ranz ist das Min­deste, Akzep­tanz ist bes­ser«. Ich sehe das anders, was aber haupt­säch­lich an der unter­schied­li­chen Wort­de­fi­ni­tion liegt. Akzep­tie­ren und dann Tole­rie­ren, denn die wiegt mei­ner Mei­nung nach schwe­rer. Etwas zu akzep­tie­ren, oder anders aus­ge­drückt, ein­fach hin­zu­neh­men fällt mir leich­ter, als es dar­über hin­aus auch zu ver­ste­hen, also zu tolerieren.

  27. Habs nach­ge­schla­gen:

    Mei­nes Wis­sens bedeu­tet akzep­tie­ren etwas wirk­lich zu akzep­tie­ren *g*.
    Etwas zu tole­rie­ren heißt eher es »hinzunehmen«.

    Ich tole­riere zB Vie­les, akzep­tiere hin­ge­gen viel weni­ger Dinge.

  28. So genau wol­len wir es mal nicht neh­men, denn Tole­ranz heißt für mich auch: »Gemeint ist damit heute häu­fig auch die Aner­ken­nung einer Gleich­be­rech­ti­gung unter­schied­li­cher Indi­vi­duen.« Wäh­rend Du mit dei­ner Defi­ni­tion eher meinst: »Es wird deut­lich, dass Akzep­tanz auf Frei­wil­lig­keit beruht. Dar­über hin­aus besteht eine aktive Kom­po­nente, im Gegen­satz zur pas­si­ven, durch das Wort Tole­ranz beschrie­be­ner Dul­dung. Akzep­tanz drückt ein zustim­men­des Wert­ur­teil aus und bil­det dem­nach einen Gegen­satz zur Ableh­nung.«

    So denke ich, das ich die Worte nach mei­ner Defi­ni­tion nutze ohne dabei die Bedeu­tung des Wor­tes als sol­ches abzu­leh­nen. Aber wie gesagt, ich ver­stehe was du meinst und nach Dei­ner Defi­ni­tion hast du völ­lig recht. Wir mei­nen das selbe (oder das gleiche?)

  29. Ohne mich jetzt in die ent­stan­dene Dis­kus­sion ein­zu­klin­ken nur kurz zum eigent­li­chen Beitrag:

    Ich habe hier glück­li­cher­weise noch nicht in der Form die Erfah­rung gemacht, dass eine kör­per­li­che Uni­for­mie­rung wirk­lich Ein­zug gehal­ten hätte. Wenn ich hier in Clubs unter­wegs bin sehe ich jeden­falls ziem­lich viele mehr oder weni­ger über­ge­wich­tige Leute und nicht nur sol­che Hun­ger­ha­ken wie mich selbst.

    »Pro­ble­ma­tisch« (und das auch eher rein optisch) ist für mich da eher eben die Uni­for­mi­tät in der Klei­dung: Als »schwarze« Frau MUSS man heute eben ein­fach ein enges Lack­o­ber­teil tra­gen, oder bes­ser noch rei­nes Netz und dar­un­ter nur einen BH oder gar ein­fach mit Iso­lier­band abge­klebte Nip­pel. Ob man sich das ästhe­tisch gese­hen leis­ten kann wird dabei außer Acht gelas­sen, sodass sich Lack-Presswurst und Lack-Presswurst reiht.

    Ich ver­stehe ein­fach nicht, warum die Leute so wenig Kör­per­be­wusst­sein haben und ein­fach das anzie­hen, was man eben anzu­zie­hen hat. Ich z.B. habe in mei­ner gewichts­mä­ßig extrems­ten Phase (etwa 62kg bei 180cm Größe) ums Ver­re­cken keine Netz­hem­den getra­gen, weil ich mich ein­fach zu dünn fand und es ein­fach nicht mehr gut aussah.

  30. @Karnstein: Selbst­be­wusst­sein und das eigene Gefühl vor Ästhe­tik ist ein schwie­ri­ges Thema und dürfte auch im Falle der »Press­würste« an einem merk­wür­di­gem Selbst­emp­fin­den oder ein gestör­ten Wahr­neh­mung lie­gen. Aber prin­zi­pi­ell stimme ich Dir zu, ich sel­ber kann da auch nicht mehr hin­schauen wenn die ein­zige Pro­vo­ka­tion darin liegt, mög­lichst wenig anzu­zie­hen. Da treibe ich mich lie­ber mit Schwarz­ro­man­ti­kern oder Trad­goths rum :)

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