17 März
Streitfall Computerspiele
Nicht erst seit der Tragödie in Winnenden sind Computerspiele wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Mittlerweile behaupten zwar die wenigsten sogenannten Experten, das Gewalttaten auf Computerspiele zurückzuführen sind, sie sollen aber den sowieso schon labilen Menschen nicht gerade förderlich sein. Wenn sich aber gleich jeder labile Mensch zu einer Gewalttat hinreißen lassen würde, der einen Ego-Shooter spielt, wären wir meiner Ansicht nach schon im Chaos versunken.
Schön, das es den Deutschen Kulturrat gibt, der sich als Berater der Politik in eben genannten gesellschaftlich relevanten Kulturfragen äußert. Immerhin hat man schon akzeptiert, das Computerspiele ein Teil dieser Kultur sind, oder sein können. Vor gar nicht allzu langer Zeit hat man da noch ganz anders gesprochen. Jetzt hat eben dieser Kulturrat ein Buch herausgebracht, das sich mit eben diesen Fragen auseinandersetzt, 46 Namhafte Autoren hat es gebraucht ein 140 Seiten starkes Werk zu veröffentlichen, das übrigens kostenlos als PDF Datei gelesen werden kann. Die zentralen Fragen, die sich das Buch stellt möchte ich jedoch nicht unkommentiert lassen.
- Sind Computerspiele »Kulturgüter« oder handelt es sich hierbei um »Schund«?
Computerspiele sind nicht nur Güter sonder eine Jugendkultur als solche, die auch als eine eigenständige behandelt werden sollte. - Sollten Computerspiele strenger kontrolliert werden oder reichen die bestehenden Jugendschutzbestimmungen aus?
Schwierig. Kontrolle und Verbote haben gerade für Jugendliche einen erhöhten Reiz und sind wohl eher als kontraproduktiv anzusehen. Ohne Kontrolle geht es wohl dennoch nicht, denn wo Geld zu holen ist, treiben sich auch schwarze Schafe herum. - Sollten qualitativ hochwertige Computerspiele von der öffentlichen Hand gefördert werden oder soll es der Markt richten?
Unbedingt. Computerspiele können genau wie Filme als künstlerisches Medium benutzt werden und sollte durch öffentliche Hand gefördert werden. So ermöglicht man guten und kreativen Ideen einen Platz in der hart umkämpften Spielebranche.
Liest man den §131 unseres Strafgesetzbuches scheint die Sachlage klar, lediglich die Einordnung in diesen durch entsprechende Behörden scheint nicht immer nachvollziehbar und wirkt oft willkürlich. Wer will, macht ein Stöckchen draus und teilt mir seine Meinung mit, oder schreibt davon in seinem Blog — ich würde mich freuen.
§131 Strafgesetzbuch - Wer Schriften, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt, verbreitet, öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht, einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(Bildquelle: Sothis Spielwiese)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: Computerspiele, Ego-Shooter, Gewalt, zensur


hat bereits 207 Kommentare abgegeben und schrieb am 17. März 2009 um 19:11:
Da ich ja vor nicht allzu langer Zeit aus Frust über die Indizierungspolitik in Deutschland meinen Gamer-Blog geschlossen habe muss ich hier wohl zwangsläufig meinen Senf dazu geben.
Am meisten schockiert mich ja der Unterschied der zwischen Filmen und spielen gemacht wird. Die SAW-Reihe feiert ungehindert ihren Erfolg, dabei wird doch dort mit einem relativ uneindeutigen Gut/Böse-Schema gearbeitet und auch hier wird munter Folter dargestellt. Ob es jetzt mein subjektives Empfinden ist, dass man Jigsaw nicht als »den Bösewicht« bezeichnen kann, da seine Taten ja nicht aus purer Mordlust begangen werden kann ich nicht beurteilen, da fällt es mir in den meisten Spielen leichter zu sagen wer jetzt der wirklich Böse ist.
Extrem störend finde ich auch die Zensur die betrieben wird und die es einem auch als Erwachsenen teilweise schwer macht an die ungeschnittene Fassung zu kommen. Mehr Aufklärungsarbeit bei Eltern und Lehrern hätte mehr Sinn, denn was bringt es Spiele unter die Ladentheke zu verbannen wenn die Eltern ihren Kindern die Spiele trotzdem kaufen oder, noch eine Nummer schlimmer, wenn dann das Spiel eben illegal aus dem Internet gezogen wird? Der aktuelle Stand schadet im Grunde lediglich der Wirtschaft (Importe, zu denen ich auch greife) und nervt die erwachsenen Spieler durch die langen Lieferzeiten bzw. treibt die Leute direkt auf Download-Seiten.
Am störensten finde ich allerdings die Unklarheit und die mangelnde Konsequenz mit der Spiele behandelt werden. Als Beispiel: Dead Space hat in der ungeschnittenen Fassung ein »ab 18″-Siegel bekommen, obwohl dort nicht nur die Alien-Gegner verstümmelt werden MÜSSEN sondern auch einige Menschen in Szenen recht grausam sterben und das zerstückeln von menschlichen Leichen forciert wird. Die Uncut-Fassung von Left 4 Dead ist dagegen auf dem Index gelandet… klar, auch hier wird auf menschliche Gegner (bzw. Zombies) geschossen, auch hier werden Gliedmaßen amputiert, doch es ist nicht der Hauptspielinhalt und bereits getötete Gegner können nicht noch weiter »zerlegt« werden. Wo ist da bitte die Logik? Wer hat da welchen schwarzen Koffer bekommen?
hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. März 2009 um 19:43:
Rein persönlich: Ich empfinde die »SAW«-Serie als ziemlich abscheulich. Ich verstehe absolut nicht, wo der Reiz liegt.
Grundsätzlich sehe ich das Problem im sozialen Bereich, denn wenn Kinder (aus Sicht der Eltern) sich nur am PC beschäftigen, dann sollte Eltern aufpassen. Denn nur ausserhalb der PC-Welt kann man erfahren, daß selbst… (was darf ich denn schreiben ;))… ALöcher Menschen sind. Und wenn man als möglicherweise labiler Teenie sehr viel Zeit am PC (oder PS oder XBox) mit entsprechend realistischen Games verbringt, dann glaube ich schon, daß so das RL mit Games verschwimmt. Leider weiß ich auch kein Rezept, die Eltern zu sensibilisieren.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. März 2009 um 17:36:
@Tears: Erstmal vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, dem ich in vollem Umfang zustimmen möchte, wenngleich ich auch keinerlei greifbare Konzepte vorweisen kann dem Problem Herr zu werden, geschweige denn Tipps für die Erziehung zu geben. Wie sollte man ein Spiel behandeln? Wo ist die Grenze zu ziehen? Wie auf wen geschossen wird um diesen zu töten spielt eigentlich keine Rolle, was mir ein bisschen Angst macht, ist der Realismuswahn der Spieleindustrie, Sterben muss echt aussehen, Schauplätze authentisch, Waffen sollten auch so existieren. Wo bleibt denn da die Phantasie oder der Fantasyfaktor?
@Vizioon: Ich denke, das beste was Eltern tun können, ist ihre Kinder ernst zu nehmen und sich mit den Dingen, die das Kind spielt, zu beschäftigen. Zum einen ist es häufig übertriebene Angst der Eltern oder fehlende Information. Häufig ist es aber auch, das Kinder und Jugendliche aus Zeitmangel sich selbst überlassen werden und die fehlende Anerkennung bei einem falschen Umfeld suche. Kindererziehung sollte vielleicht etwas ernster genommen werden und die Bildungskonzepte weiter modernisiert werden. Dieses Thema halte ich gerade in Zeiten von Informationsüberfluss für wichtig. Jedoch sollte Aufmerksamkeit nicht mit Kontrollwahn verwechselt werden.
hat bereits 259 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. März 2009 um 18:40:
So ungefähr meinte ich das. Leider verstehen Eltern immer weniger, was Ihre Kinder tun, und ich kann ihnen das noch nicht mal vorwerfen, denn die PC-Welt wird für »unbeteiligte« immer schwerer zu verstehen. Wenn ich Kinder hätte, würde ich Ihnen den Zugriff definitiv beschränken…naja, ich könnte es, und ich habe ja auch leicht reden, da ich keine Kinder habe.
Ich vermute aber, das auch beim Fall T.K. irgendetwas mit der Kommunikation nicht gestimmt hat… denn spontan geht so was nicht und entwickelt sich es auch nicht.