17 März

Streitfall Computerspiele

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20094 Kommentare

screenshots_cod4Nicht erst seit der Tra­gö­die in Win­nen­den sind Com­pu­ter­spiele wie­der in den Mit­tel­punkt des öffent­li­chen Inter­es­ses gerückt. Mitt­ler­weile behaup­ten zwar die wenigs­ten soge­nann­ten Exper­ten, das Gewalt­ta­ten auf Com­pu­ter­spiele zurück­zu­füh­ren sind, sie sol­len aber den sowieso schon labi­len Men­schen nicht gerade för­der­lich sein. Wenn sich aber gleich jeder labile Mensch zu einer Gewalt­tat hin­rei­ßen las­sen würde, der einen Ego-Shooter spielt, wären wir mei­ner Ansicht nach schon im Chaos versunken.

Schön, das es den Deut­schen Kul­tur­rat gibt, der sich als Bera­ter der Poli­tik in eben genann­ten gesell­schaft­lich rele­van­ten Kul­tur­fra­gen äußert. Immer­hin hat man schon akzep­tiert, das Com­pu­ter­spiele ein Teil die­ser Kul­tur sind, oder sein kön­nen. Vor gar nicht allzu lan­ger Zeit hat man da noch ganz anders gespro­chen. Jetzt hat eben die­ser Kul­tur­rat ein Buch her­aus­ge­bracht, das sich mit eben die­sen Fra­gen aus­ein­an­der­setzt, 46 Nam­hafte Auto­ren hat es gebraucht ein 140 Sei­ten star­kes Werk zu ver­öf­fent­li­chen, das übri­gens kos­ten­los als PDF Datei gele­sen wer­den kann.  Die zen­tra­len Fra­gen, die sich das Buch stellt möchte ich jedoch nicht unkom­men­tiert lassen.

  • Sind Com­pu­ter­spiele »Kul­tur­gü­ter« oder han­delt es sich hier­bei um »Schund«?
    Com­pu­ter­spiele sind nicht nur Güter son­der eine Jugend­kul­tur als sol­che, die auch als eine eigen­stän­dige behan­delt wer­den sollte.
  • Soll­ten Com­pu­ter­spiele stren­ger kon­trol­liert wer­den oder rei­chen die beste­hen­den Jugend­schutz­be­stim­mun­gen aus?
    Schwie­rig. Kon­trolle und Ver­bote haben gerade für Jugend­li­che einen erhöh­ten Reiz und sind wohl eher als kon­tra­pro­duk­tiv anzu­se­hen. Ohne Kon­trolle geht es wohl den­noch nicht, denn wo Geld zu holen ist, trei­ben sich auch schwarze Schafe herum.
  • Soll­ten qua­li­ta­tiv hoch­wer­tige Com­pu­ter­spiele von der öffent­li­chen Hand geför­dert wer­den oder soll es der Markt rich­ten?
    Unbe­dingt. Com­pu­ter­spiele kön­nen genau wie Filme als künst­le­ri­sches Medium benutzt wer­den und sollte durch öffent­li­che Hand geför­dert wer­den. So ermög­licht man guten und krea­ti­ven Ideen einen Platz in der hart umkämpf­ten Spielebranche.

Liest man den §131 unse­res Straf­ge­setz­bu­ches scheint die Sach­lage klar, ledig­lich die Ein­ord­nung in die­sen durch ent­spre­chende Behör­den scheint nicht immer nach­voll­zieh­bar und wirkt oft will­kür­lich. Wer will, macht ein Stöck­chen draus und teilt mir seine Mei­nung mit, oder schreibt davon in sei­nem Blog — ich würde mich freuen.

§131 Strafgesetzbuch - Wer Schriften, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt, verbreitet, öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht, einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(Bild­quelle: Sot­his Spiel­wiese)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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4 Kommentare

  1. Da ich ja vor nicht allzu lan­ger Zeit aus Frust über die Indi­zie­rungs­po­li­tik in Deutsch­land mei­nen Gamer-Blog geschlos­sen habe muss ich hier wohl zwangs­läu­fig mei­nen Senf dazu geben.

    Am meis­ten scho­ckiert mich ja der Unter­schied der zwi­schen Fil­men und spie­len gemacht wird. Die SAW-Reihe fei­ert unge­hin­dert ihren Erfolg, dabei wird doch dort mit einem rela­tiv unein­deu­ti­gen Gut/Böse-Schema gear­bei­tet und auch hier wird mun­ter Fol­ter dar­ge­stellt. Ob es jetzt mein sub­jek­ti­ves Emp­fin­den ist, dass man Jigsaw nicht als »den Böse­wicht« bezeich­nen kann, da seine Taten ja nicht aus purer Mord­lust began­gen wer­den kann ich nicht beur­tei­len, da fällt es mir in den meis­ten Spie­len leich­ter zu sagen wer jetzt der wirk­lich Böse ist.

    Extrem stö­rend finde ich auch die Zen­sur die betrie­ben wird und die es einem auch als Erwach­se­nen teil­weise schwer macht an die unge­schnit­tene Fas­sung zu kom­men. Mehr Auf­klä­rungs­ar­beit bei Eltern und Leh­rern hätte mehr Sinn, denn was bringt es Spiele unter die Laden­theke zu ver­ban­nen wenn die Eltern ihren Kin­dern die Spiele trotz­dem kau­fen oder, noch eine Num­mer schlim­mer, wenn dann das Spiel eben ille­gal aus dem Inter­net gezo­gen wird? Der aktu­elle Stand scha­det im Grunde ledig­lich der Wirt­schaft (Importe, zu denen ich auch greife) und nervt die erwach­se­nen Spie­ler durch die lan­gen Lie­fer­zei­ten bzw. treibt die Leute direkt auf Download-Seiten.

    Am stö­rens­ten finde ich aller­dings die Unklar­heit und die man­gelnde Kon­se­quenz mit der Spiele behan­delt wer­den. Als Bei­spiel: Dead Space hat in der unge­schnit­te­nen Fas­sung ein »ab 18″-Siegel bekom­men, obwohl dort nicht nur die Alien-Gegner ver­stüm­melt wer­den MÜSSEN son­dern auch einige Men­schen in Sze­nen recht grau­sam ster­ben und das zer­stü­ckeln von mensch­li­chen Lei­chen for­ciert wird. Die Uncut-Fassung von Left 4 Dead ist dage­gen auf dem Index gelan­det… klar, auch hier wird auf mensch­li­che Geg­ner (bzw. Zom­bies) geschos­sen, auch hier wer­den Glied­ma­ßen ampu­tiert, doch es ist nicht der Haupt­spiel­in­halt und bereits getö­tete Geg­ner kön­nen nicht noch wei­ter »zer­legt« wer­den. Wo ist da bitte die Logik? Wer hat da wel­chen schwar­zen Kof­fer bekommen?

  2. Rein per­sön­lich: Ich emp­finde die »SAW«-Serie als ziem­lich abscheu­lich. Ich ver­stehe abso­lut nicht, wo der Reiz liegt.
    Grund­sätz­lich sehe ich das Pro­blem im sozia­len Bereich, denn wenn Kin­der (aus Sicht der Eltern) sich nur am PC beschäf­ti­gen, dann sollte Eltern auf­pas­sen. Denn nur aus­ser­halb der PC-Welt kann man erfah­ren, daß selbst… (was darf ich denn schrei­ben ;))… ALö­cher Men­schen sind. Und wenn man als mög­li­cher­weise labi­ler Tee­nie sehr viel Zeit am PC (oder PS oder XBox) mit ent­spre­chend rea­lis­ti­schen Games ver­bringt, dann glaube ich schon, daß so das RL mit Games ver­schwimmt. Lei­der weiß ich auch kein Rezept, die Eltern zu sensibilisieren.

  3. @Tears: Erst­mal vie­len Dank für dei­nen aus­führ­li­chen Kom­men­tar, dem ich in vol­lem Umfang zustim­men möchte, wenn­gleich ich auch kei­ner­lei greif­bare Kon­zepte vor­wei­sen kann dem Pro­blem Herr zu wer­den, geschweige denn Tipps für die Erzie­hung zu geben. Wie sollte man ein Spiel behan­deln? Wo ist die Grenze zu zie­hen? Wie auf wen geschos­sen wird um die­sen zu töten spielt eigent­lich keine Rolle, was mir ein biss­chen Angst macht, ist der Rea­lis­mus­wahn der Spiele­in­dus­trie, Ster­ben muss echt aus­se­hen, Schau­plätze authen­tisch, Waf­fen soll­ten auch so exis­tie­ren. Wo bleibt denn da die Phan­ta­sie oder der Fan­tasy­fak­tor?
    @Vizioon: Ich denke, das beste was Eltern tun kön­nen, ist ihre Kin­der ernst zu neh­men und sich mit den Din­gen, die das Kind spielt, zu beschäf­ti­gen. Zum einen ist es häu­fig über­trie­bene Angst der Eltern oder feh­lende Infor­ma­tion. Häu­fig ist es aber auch, das Kin­der und Jugend­li­che aus Zeit­man­gel sich selbst über­las­sen wer­den und die feh­lende Aner­ken­nung bei einem fal­schen Umfeld suche. Kin­der­er­zie­hung sollte viel­leicht etwas erns­ter genom­men wer­den und die Bil­dungs­kon­zepte wei­ter moder­ni­siert wer­den. Die­ses Thema halte ich gerade in Zei­ten von Infor­ma­ti­ons­über­fluss für wich­tig. Jedoch sollte Auf­merk­sam­keit nicht mit Kon­troll­wahn ver­wech­selt werden.

  4. So unge­fähr meinte ich das. Lei­der ver­ste­hen Eltern immer weni­ger, was Ihre Kin­der tun, und ich kann ihnen das noch nicht mal vor­wer­fen, denn die PC-Welt wird für »unbe­tei­ligte« immer schwe­rer zu ver­ste­hen. Wenn ich Kin­der hätte, würde ich Ihnen den Zugriff defi­ni­tiv beschränken…naja, ich könnte es, und ich habe ja auch leicht reden, da ich keine Kin­der habe.
    Ich ver­mute aber, das auch beim Fall T.K. irgend­et­was mit der Kom­mu­ni­ka­tion nicht gestimmt hat… denn spon­tan geht so was nicht und ent­wi­ckelt sich es auch nicht.

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  1. […] Robert hat sich auch zu dem Thema Com­pu­ter­spiele aus­ge­las­sen. Wie ich finde sehr lesens­wert. Bookmarken […]