1 Februar
Streitfach Religion und Ethik
Für die Freie Wahl zwischen dem Religionsunterricht und dem Fach Ethik in der Stadt Berlin spricht sich der Verein Pro-Reli e.V. in einem Volksbegehren aus. Der Verein schlägt mit seinen Argumenten viele Befürworter, aber auch viel Gegner auf den Plan. Er möchte das die Schüler selbst entscheiden an welchem Unterricht sie teilnehmen möchten. Nur so könne eine Einflussnahme des Staates auf den Willen der Kinder vermieden werden. In Berlin ist Ethik Pflichtfach und Religion kann freiwillig dazugewählt werden. Das die Initiative die Meinungen in Gegner und Befürworter spaltet, dürfte klar sein. Pfarrer Frielinghaus aus der Gemeinde am Gendarmenmarkt in Berlin gilt als Gegner und möchte, das alles so bleibt wie ist. Wie der Spiegel berichtet, verpasste ihm jetzt seine eigene Kirche einen Maulkorb, indem sie ihn an seine Loyalität erinnerte, der umstrittene Pfarrer gibt seit dem keine Interviews mehr.
Bis zum 21. Januar 2009 hat die Initiative 307.000 Unterschriften gesammelt und damit sein Ziel erreicht, am 7. Juni dieses Jahres kommt der Gesetzentwurf bei den Berlinern Bürgern zur Abstimmung, ob das aber Modellcharakter für das ganze Land haben wird ist fraglich.
Ist es überhaupt richtig, den Schülern die Wahl zu überlassen? Können Kinder schon für sich selbst entscheiden, oder übernehmen sie die Meinung der Eltern und sind schlichtweg zu jung für eine Entscheidung? Als ich zu Schule gegangen bin, hatte ich keine Wahl, Religion war Pflichtfach. Inwieweit das Einfluss auf meine spätere Einstellung zu Religion genommen hat, vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. Gerne hätte ich aber schon in der Schule mehr über andere Religionen erfahren, leider blieb mir das bis zur Berufsschule, in der das Fach Religion besser interpretiert wurde, verwehrt. So formte sich im Laufe der Zeit ein anderes Weltbild, die Sichtweise auf Religionen veränderte sich.
Eine unreligiöse Schulausbildung ist meiner Meinung nach ein Muss in unserer Multikulturellen Gesellschaft, schon in der Schule sollte parteilose Weltoffenheit vermittelt werden. Dabei sehe ich die Rolle der Kirche nicht als überholt an, sondern als wichtigen Teil unserer Kultur. Sie darf nur nicht den Anspruch erheben Allgemeingültig zu sein.
(Bildquelle: Pro-Reli)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: Ethik, religion, Schule


hat bereits 207 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Februar 2009 um 04:10:
Wenn ich da an meine Schulzeit zurückdenke (das Thema hatten wir ja schonmal hier) fällt mir dazu nur ein, dass Ethik oder Religion oft kein Unterschied ist, denn es hängt vom Lehrer ab. Ich habe sowohl sehr gute Religionslehrer erlebt, deren Fach mehr mit Ethik zu tun hatte als das, was man bei manchem Ethik-Lehrer erlebt. Zumal ich mir immer einen leichten Kotzkrampf verkneifen muss, wenn Ethik und Religion in einen Topf geworfen werden. Ethik befasst sich in erster Linie mit Moral, die Religionen mit dem Glauben. Zwar hat eigentlich jede Religion ihre moralischen Grundsätze, doch in meinen Augen ersetzen diese keine moderne Ethik.
Nur mal so als These: Wird ein Jugendlicher der nicht an Gott glaubt, aber im Religionsunterricht sitzt sich von »Gott findet stehen scheiße und du kommst dafür in die Hölle« beeindrucken lassen? Ich glaube eher nicht. Bei Ethik geht es um den empathisch Charakter einer solchen Tat. Wenn man Religion als Ersatz für Ethik ansieht, dann könnte man auch ein Paragraphen-Fach starten in dem runtergepredigt wird, was denn nun alles verboten ist in unserem schönen Land.
Dass Religion meiner Meinung nach an einer Schule grundsätzlich nichts zu suchen hat (außer im Geschichtsunterricht) muss ich wohl nicht erwähnen. Wer Gott will, der soll seinen Arsch in Richtung Kirche schwingen oder sich daheim mit Bibeln einmauern. Denn auch wenn unser Staat partnerschaftlich mit der Kirche arbeitet (der nächste der sagt Deutschland sei säkular bekommt eins auf die Nase), es reicht doch wenn die Kirchensteuer vom Staat kassiert wird, an Schulen hat die Kirche nichts zu suchen — oder allerhöchstens wertungsfrei unterrichtet.
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Februar 2009 um 09:31:
Auf der einen Seite finde ich es nicht schlecht, wenn man die Kinder selbst entscheiden lässt, was sie machen möchten. Aber ich muss auch sagen, dass es vor allem in einem schwierigen Alter häufig dazu kommt, dass sich die Schüler für ihre Religion schämen. Sie gehen dann lieber in Ethik, weil sie da einfach in einer Phase sind, in der sie nichts mit der Religion zu tun haben. Darum finde ich nicht, dass man sie selbst entscheiden lassen sollte. Wenn sie eine Religion haben dann sollen sie auch den passenden Unterricht dazu besuchen. Das finde ich ist die beste Lösung zu diesem Thema.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Februar 2009 um 13:34:
@Tears: Selbstverständlich ist die Ausfüllung des Unterrichts vom Lehrkörper abhängig. Ist der Lehrer scheiße, ist es der Unterricht auch. Die Auslegung des Begriffs Ethik, gerade im Bezug auf Verbote ist schwierig. Ich denke, Ethik sollte Gesellschaftlich Dogmen erklären und nicht predigen um so den Jugendlichen eine eigene Sensibilität zuzugestehen. Deine Letzter Absatz deckt sich perfekt mit meiner Meinung, wir gehen sozusagen Da Core Wie Leonardo Di Caprio in Catch me if you can schon anmerkte.
@Christian: Eigentlich muss ich Dir zustimmen, die völlige Entscheidungsfreiheit der Kinder finde ich dennoch etwas weit gegriffen, jetzt nicht unbedingt auf die Unterrichtsproblematik bezogen. Meist ist es doch so, das die Eltern zunächst die Religöse Entwicklung vorgeben und das Kind über einen langen Zeitraum prägen, man sollte die heranwachsenden also vielleicht nicht direkt ins kalte Wasser stürzen, sondern ihnen Werkzeuge an die Hand geben die elterliche Religion zu beleuchten und so seine eigene Schlüsse zu ziehen.