1 Februar

Streitfach Religion und Ethik

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20093 Kommentare

kampagnenlogo_080930Für die Freie Wahl zwi­schen dem Reli­gi­ons­un­ter­richt und dem Fach Ethik in der Stadt Ber­lin spricht sich der Ver­ein Pro-Reli e.V. in einem Volks­be­geh­ren aus. Der Ver­ein schlägt mit sei­nen Argu­men­ten viele Befür­wor­ter, aber auch viel Geg­ner auf den Plan. Er möchte das die Schü­ler selbst ent­schei­den an wel­chem Unter­richt sie teil­neh­men möch­ten. Nur so könne eine Ein­fluss­nahme des Staa­tes auf den Wil­len der Kin­der ver­mie­den wer­den.  In Ber­lin ist Ethik Pflicht­fach und Reli­gion kann frei­wil­lig dazu­ge­wählt wer­den. Das die Initia­tive die Mei­nun­gen in Geg­ner und Befür­wor­ter spal­tet, dürfte klar sein. Pfar­rer Frie­ling­haus aus der Gemeinde am Gen­dar­men­markt in Ber­lin gilt als Geg­ner und möchte, das alles so bleibt wie ist. Wie der Spie­gel berich­tet, ver­passte ihm jetzt seine eigene Kir­che einen Maul­korb, indem sie ihn an seine Loya­li­tät erin­nerte, der umstrit­tene Pfar­rer gibt seit dem keine Inter­views mehr.

Bis zum 21. Januar 2009 hat die Initia­tive 307.000 Unter­schrif­ten gesam­melt und damit sein Ziel erreicht, am 7. Juni die­ses Jah­res kommt der Gesetz­ent­wurf bei den Ber­li­nern Bür­gern zur Abstim­mung, ob das aber Modell­cha­rak­ter für das ganze Land haben wird ist fraglich.

Ist es über­haupt rich­tig, den Schü­lern die Wahl zu über­las­sen? Kön­nen Kin­der schon für sich selbst ent­schei­den, oder über­neh­men sie die Mei­nung der Eltern und sind schlicht­weg zu jung für eine Ent­schei­dung? Als ich zu Schule gegan­gen bin, hatte ich keine Wahl, Reli­gion war Pflicht­fach. Inwie­weit das Ein­fluss auf meine spä­tere Ein­stel­lung zu Reli­gion genom­men hat, ver­mag ich nicht wirk­lich zu beur­tei­len. Gerne hätte ich aber schon in der Schule mehr über andere Reli­gio­nen erfah­ren, lei­der blieb mir das bis zur Berufs­schule, in der das Fach Reli­gion bes­ser inter­pre­tiert wurde, ver­wehrt. So formte sich im Laufe der Zeit ein ande­res Welt­bild, die Sicht­weise auf Reli­gio­nen ver­än­derte sich.

Eine unre­li­giöse Schul­aus­bil­dung ist mei­ner Mei­nung nach ein Muss in unse­rer Mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaft, schon in der Schule sollte par­tei­lose Welt­of­fen­heit ver­mit­telt wer­den. Dabei sehe ich die Rolle der Kir­che nicht als über­holt an, son­dern als wich­ti­gen Teil unse­rer Kul­tur. Sie darf nur nicht den Anspruch erhe­ben All­ge­mein­gül­tig zu sein.

(Bild­quelle: Pro-Reli)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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3 Kommentare

  1. Wenn ich da an meine Schul­zeit zurück­denke (das Thema hat­ten wir ja schon­mal hier) fällt mir dazu nur ein, dass Ethik oder Reli­gion oft kein Unter­schied ist, denn es hängt vom Leh­rer ab. Ich habe sowohl sehr gute Reli­gi­ons­leh­rer erlebt, deren Fach mehr mit Ethik zu tun hatte als das, was man bei man­chem Ethik-Lehrer erlebt. Zumal ich mir immer einen leich­ten Kotz­krampf ver­knei­fen muss, wenn Ethik und Reli­gion in einen Topf gewor­fen wer­den. Ethik befasst sich in ers­ter Linie mit Moral, die Reli­gio­nen mit dem Glau­ben. Zwar hat eigent­lich jede Reli­gion ihre mora­li­schen Grund­sätze, doch in mei­nen Augen erset­zen diese keine moderne Ethik.

    Nur mal so als These: Wird ein Jugend­li­cher der nicht an Gott glaubt, aber im Reli­gi­ons­un­ter­richt sitzt sich von »Gott fin­det ste­hen scheiße und du kommst dafür in die Hölle« beein­dru­cken las­sen? Ich glaube eher nicht. Bei Ethik geht es um den empa­thisch Cha­rak­ter einer sol­chen Tat. Wenn man Reli­gion als Ersatz für Ethik ansieht, dann könnte man auch ein Paragraphen-Fach star­ten in dem run­ter­ge­pre­digt wird, was denn nun alles ver­bo­ten ist in unse­rem schö­nen Land.

    Dass Reli­gion mei­ner Mei­nung nach an einer Schule grund­sätz­lich nichts zu suchen hat (außer im Geschichts­un­ter­richt) muss ich wohl nicht erwäh­nen. Wer Gott will, der soll sei­nen Arsch in Rich­tung Kir­che schwin­gen oder sich daheim mit Bibeln ein­mau­ern. Denn auch wenn unser Staat part­ner­schaft­lich mit der Kir­che arbei­tet (der nächste der sagt Deutsch­land sei säku­lar bekommt eins auf die Nase), es reicht doch wenn die Kir­chen­steuer vom Staat kas­siert wird, an Schu­len hat die Kir­che nichts zu suchen — oder aller­höchs­tens wer­tungs­frei unterrichtet.

  2. Auf der einen Seite finde ich es nicht schlecht, wenn man die Kin­der selbst ent­schei­den lässt, was sie machen möch­ten. Aber ich muss auch sagen, dass es vor allem in einem schwie­ri­gen Alter häu­fig dazu kommt, dass sich die Schü­ler für ihre Reli­gion schä­men. Sie gehen dann lie­ber in Ethik, weil sie da ein­fach in einer Phase sind, in der sie nichts mit der Reli­gion zu tun haben. Darum finde ich nicht, dass man sie selbst ent­schei­den las­sen sollte. Wenn sie eine Reli­gion haben dann sol­len sie auch den pas­sen­den Unter­richt dazu besu­chen. Das finde ich ist die beste Lösung zu die­sem Thema.

  3. @Tears: Selbst­ver­ständ­lich ist die Aus­fül­lung des Unter­richts vom Lehr­kör­per abhän­gig. Ist der Leh­rer scheiße, ist es der Unter­richt auch. Die Aus­le­gung des Begriffs Ethik, gerade im Bezug auf Ver­bote ist schwie­rig. Ich denke, Ethik sollte Gesell­schaft­lich Dog­men erklä­ren und nicht pre­di­gen um so den Jugend­li­chen eine eigene Sen­si­bi­li­tät zuzu­ge­ste­hen. Deine Letz­ter Absatz deckt sich per­fekt mit mei­ner Mei­nung, wir gehen sozu­sa­gen Da Core Wie Leo­nardo Di Caprio in Catch me if you can schon anmerkte.
    @Christian: Eigent­lich muss ich Dir zustim­men, die völ­lige Ent­schei­dungs­frei­heit der Kin­der finde ich den­noch etwas weit gegrif­fen, jetzt nicht unbe­dingt auf die Unter­richts­pro­ble­ma­tik bezo­gen. Meist ist es doch so, das die Eltern zunächst die Reli­göse Ent­wick­lung vor­ge­ben und das Kind über einen lan­gen Zeit­raum prä­gen, man sollte die her­an­wach­sen­den also viel­leicht nicht direkt ins kalte Was­ser stür­zen, son­dern ihnen Werk­zeuge an die Hand geben die elter­li­che Reli­gion zu beleuch­ten und so seine eigene Schlüsse zu ziehen.

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