24 Dezember

Schwarze Weihnachten

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20082 Kommentare

Heute ist Hei­lig­abend, Höhe­punkt und Finale des 3 mona­ti­gen Kosum­ter­rors. Die letz­ten und ganz har­ten stür­zen sich noch ein­mal bis zur Mit­tags­zeit in die Städte und Kauf­tem­pel um auch noch das letzte Geschenk zu besor­gen. Erwach­sene Män­ner strei­ten sich an der Gemü­se­aus­lage um die schein­bar letzte, weih­nacht­lich rote Paprika. Auch ich werde mich noch ein letz­tes mal in das Getüm­mel stür­zen, denn es fehlt immer noch der Weih­nachts­baum — den kau­fen wir aber immer erst am hei­li­gen Abend, so will es eine uralte und von mei­nem Vater über­lie­ferte Fami­li­en­tra­di­tion. Er sagt, die gibt´s dann bil­li­ger. Aha. Das es dann nur noch die ver­krüp­pel­ten und defor­mier­ten gibt, hat er mir ver­schwie­gen, aber Tra­di­tion ist Tradition.

Schwarze Weih­nach­ten gibt es übri­gens nicht, mei­ner Erfah­rung nach sind an Weih­nach­ten alle gleich. Punks hocken unterm Weih­nachts­baum und gröh­len Weih­nachts­lie­der, wäh­rend wir Gothics am Advents­kranz sit­zend ein leben­des Kan­nin­chen opfern.  Ist natür­lich Blöd­sinn, auch wenn sich das der ein oder andere so vor­stel­len mag, denn gerade an Weih­nach­ten ist kaum jemand gerne allein. In die­sem Punkt stimme ich Lordy zu und zähle mich zu sei­ner drit­ten Kate­go­rie der Weihnachtstypen.

Viel unge­wöhn­li­cher geht es dabei in ande­ren Län­dern zur Sache. In Aus­tra­lien bei­spiels­weise, fällt Weih­nach­ten mit­ten in den Som­mer und auf den Phil­ip­pi­nen dau­ert das Fest vom 16. bis zum 24.12. Die Japa­ner fei­ern Weih­nach­ten auch, es ist ihnen aber nicht so wich­tig wie der Neujahrstag.

In der Volks­re­pu­blik China, dem Land aus dem 90% unse­rer Weih­nachts­de­ko­ra­tion kommt, ist der 25.12. kein gesetz­li­cher Fei­er­tag und Weih­nach­ten fin­det dort eher im inof­fi­zi­el­len Rah­men statt. Trotz Zen­sur set­zen sich aber auch immer mehr west­li­che Gepflo­gen­hei­ten ein, so das in den gro­ßen Zen­tren immer häu­fi­ger Weih­nachts­de­ko­ra­tio­nen anzu­tref­fen sind. In Argen­ti­nien müs­sen die Kin­der bis zum Drei­kö­nigs­tag war­ten um die Süßig­kei­ten in ihren Schu­hen zu finden.

In Ita­lien ver­bin­den sich moderne Tra­di­tio­nen mit ritu­el­len Über­res­ten aus römi­scher Zeit. Die heid­ni­schen Satur­na­lien fal­len mit dem christ­li­chen Advent zusam­men und die fest­li­che Zeit dau­ert tra­di­ti­ons­ge­mäß bis zur Erschei­nung des Herrn, den Weih­nachts­mann nen­nen die Ita­lie­ner Babbo Natale. In Kata­lo­nien wird ein gro­ßer Holz­klotz mit einem Tuch ver­deckt. Dann wird mit Stö­cken auf den Klotz ein­ge­schla­gen bis die­ser die Geschenke her­aus­rückt, Kin­der sin­gen dazu den Holz­klotz­song Caga tie. Die spa­ni­sche Weih­nachts­lot­te­rie hat eine 200 jäh­rige Tra­di­tion auf dem Buckel und ist damit die älteste der Welt. In die­sem Jahr ist El Gordo (Der Dicke) ins­ge­samt 2 Mil­li­ar­den Euro schwer.

Die Rus­sen fei­ern Weih­nach­ten am 7. Januar und begrüs­sen nicht den Weih­nachts­mann son­der Väter­chen Frost (Ded Moros) und seine Enke­lin Schnee­flöck­chen (Sne­gu­rotschka). Die Legende besagt, das eine von drei Pfer­den gezo­gene Troika den Kin­dern die Geschenke bringt. Iwe­li­ene und ihre pol­ni­schen Lands­leute ver­spei­sen ver­mut­lich zu Weih­nach­ten den tra­di­tio­nel­len Karp­fen, die ande­ren 12 Gerichte sind vege­ta­risch und auf die 12 Apos­teln zurück­zu­füh­ren. Für uner­war­te­ten Besuch ist immer ein Gedeck mehr als nötig auf dem Tisch hergerichtet.

In den Nie­der­lan­den hat man so seine ganz eige­nen Ideen zum Weih­nachts­fest, obwohl der Sin­ter­klaa­savond (Niko­laus­abend) wich­ti­ger ist. Rein musi­ka­lisch haben die Hol­län­der die Nase aber ganz weit vorne und beglück­ten uns 1995 mit die­sem Song:

In die­sem Sinne wün­sche ich allen Besu­chern ein fro­hes Weih­nachts­fest 2008, geniesst die Ruhe und ver­bringt Zeit mit den Men­schen, die euch am meis­ten bedeuten.

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: , , , , , ,

Verwandte Artikel

2 Kommentare

  1. Schö­ner Bei­trag. Auf jeden Fall. Und danke für die Ein­bin­dung mei­nes neuen Projektes.

    Ich wün­sche dir dann mal auf die­sem Wege schöne Fei­er­tage bei dei­nem per­sön­li­chen Fest der Fami­lie und Liebe ;).

  2. Das Weih­nachts­fest war den Umstän­den ent­spre­chend wirk­lich schön. Lei­der ist Spon­ti­li­en­chen 3 Tage zuvor erkrankt und konnte so nicht wirk­lich aktiv bei­tra­gen. Wer noch­mal behaup­tet Män­ner seien weh­lei­di­ger als Frauen, den sollte man Kiel­ho­len. Abge­se­hen davon war wirk­lich viel Liebe im Spiel, auch beim schmü­cken des … indi­vi­du­el­len Weih­nachts­bau­mes. (Sel­ber schuld, ich musste ja auch erst am 24. einen Baum holen) — Ich kann nur hof­fen das Dein Weih­nach­ten noch schö­ner gewe­sen ist.

Schreibe einen Kommentar

Hilfe bei der Kommentareingabe?

Trackbacks

  1. […] ich bereits 2008 über ein den Mythos eines schwar­zen Weih­nachts­fes­tes geb­loggt habe, möchte ich diese Idee pas­send zum bevor­ste­hen­den Fest noch ein­mal aufgreifen […]