19 September

Reizüberflutung und Wahrnehmung

Kategorie: Ansichtssache, Vernetzt — Jahrgang: 20082 Kommentare

End­lich bringt es mal jemand auf den Punkt. Mir geht es schon lange gegen den Strich, dass Inter­net­auf­tritte gro­ßer Por­tale nur so über­quel­len mit Infor­ma­tio­nen und Mög­lich­kei­ten, der User bekommt davon nicht mal einen Bruch­teil mit. Glaubst du nicht? Jana Jor­dis, Rai­ner Lie­ser und Thors­ten Bie­den­kapp haben einen kur­zen Film gemacht, in dem sie Pas­san­ten baten, deren Lieb­lings­in­ter­net­seite zu beschrei­ben, ohne dabei den Namen der Seite zu nen­nen. Wie schwie­rig das ist, habe ich auch gleich ges­tern Abend noch an mei­nen Arbeits­kol­le­gen aus­pro­biert, die Ergeb­nisse waren sehr ähnlich, so ein biss­chen wie bei Tabu, bei dem man den gesuch­ten Begriff umschrei­ben muss, ohne spe­zi­elle Schlag­wör­ter zu nennen.

Mei­ner Mei­nung nach ist das auch das Erfolgs­re­zept von Google. Es zeigt nur das nötigste an, bie­tet aber eine Fülle von Mög­lich­kei­ten, wenn man diese braucht.  Thors­ten Bie­den­kapp zieht dazu in sei­nem Blog ganz eigene Schlüsse. Ich fand es im übri­gen ebenso schwer, die von den Pas­san­ten beschrie­be­nen Sei­ten zu iden­ti­fi­zie­ren, ledig­lich 3 Tref­fer konnte ich lan­den, die Lieb­lings­sei­ten mei­ner Arbeits­kol­le­gen konnte ich eben­falls nicht erra­ten. Aber macht euch sel­ber ein Bild:

Es wird deut­lich, wie sehr Reiz­über­flu­tung die Wahr­neh­mung trübt. Das Auge hat gar nicht genug Zeit einen Bereich zu fixie­ren, da der Blick stän­dig auf andere Dinge gelenkt wird, man gewinnt oft den Ein­druck, das die Infor­ma­tio­nen inner­halb eines Webauf­trit­tes im Zwei­kampf ste­hen und sich dar­über strei­ten, wer von Ihnen nun der wich­tigste ist.

(Quel­len: Gefun­den bei Basic­t­hin­king, Blog von Thors­ten Bie­den­kapp, »Ich sehe was, was Du nicht siehst« von Thors­ten Bie­den­kapp bei Vimeo)

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache, Vernetzt
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2 Kommentare

  1. Hey Robert, vie­len Dank für Deine Bericht­er­stat­tung über mei­nen Film :) Inter­es­sant, dass Du mei­nen Aus­füh­run­gen zur Reiz­über­flu­tung noch ein paar wesent­li­che Punkte hin­zu­fü­gen konn­test. Ich habe Zugang zu einem Eye­tra­cker, der Blick­kur­ven zuver­läs­sig auf­zeich­net. Viel­leicht werde ich das in einem mei­ner nächs­ten Videos auf­grei­fen und mal ein Expe­ri­ment dazu star­ten, wel­che Ele­mente auf einer Web­site eigent­lich am häu­figs­ten mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren, und ob sich das Prin­zip auf andere Portale/Seiten über­tra­gen lässt.

  2. Die Idee mit dem Eye­tra­cker ist sicher­lich reiz­voll, auch wenn damit bereits in der Ver­gan­gen­heit ent­spre­chende Ver­su­che unter­nom­men wur­den.(http://www.heise.de/newsticker/Auf-der-Suche-nach-der-perfekten-Homepage–/meldung/94270)
    Ich denke das Auge allein ist aber kein zuver­läs­si­ger Indi­ka­tor für eine gute oder schlechte Inter­net­seite, son­dern viel­mehr die dar­aus resul­tie­rende Wahr­neh­mung. Gerade bei Por­ta­len ist es schwer ein brei­tes Publi­kum anzu­spre­chen, so hat doch jede Gene­ra­tion einen ganz eige­nen Blick­win­kel, zeig doch mal einem Senior die MyS­pace Seite sei­nes Enkels. Ein inter­es­san­ter Ansatz wäre das Ziel­grup­pen­ori­en­tierte Design eines Por­tals oder Inter­net­seite, das über das Alter des Besu­chers eine ent­spre­chende Auf­be­rei­tung der Daten erzeugt.

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