24 März

Pflaster für Dunkelhäutige - Reloaded

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang 2009

brown-fingers

Im Dezem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res 2008 berich­tete ich in mei­nem Blo­g­ar­ti­kel Fund­sa­che: Pflas­ter für Dun­kel­häu­tige über die unglaub­li­che und unmög­li­che Ver­pa­ckung eines Pflas­ters für Dun­kel­häu­tige Men­schen. Kurz dar­auf hat sich Tears in sei­nem Bei­trag Poli­ti­cal Cor­rect­ness aus­führ­lich Gedan­ken zur rich­ti­gen Begriff­lich­keit gemacht, denn Dun­kel­häu­tige oder Schwarze, irgend­wie hat man das Gefühl, es klingt immer irgend­wie falsch. Am 5. März die­ses Jah­res fand sich dann ein neuer Kom­men­tar unter die­sem Bei­trag, in dem eine Bea­trice Pfis­ter doch tat­säch­lich behaup­tete, sie sei die Erfin­dern des beschrie­be­nen Pflas­ters zu sein und habe mit dem Ver­pa­ckungs­de­sign des Her­stel­lers nichts zu tun. Ein nicht funk­tio­nie­rende Link stärk­ten in mir die Annahme, das die­ses Kom­men­tar nicht der Wahr­heit entspricht.

So habe ich eine Weile recher­chiert und nach­ge­forscht. Offen­bar han­delte es sich bei der Ein­gabe der Home­page von Bea­trice um einen Tipp­feh­ler, denn in der Tat betreibt sie eine ent­spre­chende Web­seite, auf dem sie eben die­ses Pflas­ter auf eine ganz andere Weise bewirbt.  Nach­dem ich ihr eine per­sön­li­che E-Mail geschrie­bene habe, auf die ich auch prompt Ant­wort bekam war ich von der Echt­heit ihrer Aus­sage überzeugt.

In der fol­gen­den und inter­es­san­ten Dis­kus­sion erläu­tert sie ihre Ziele und die Idee hin­ter dem Pflas­ter genauer, es wird jedoch auch deut­lich wie nega­tiv sich diese Ver­pa­ckung auf ihr Image aus­ge­wirkt hat und wie geschä­digt sie sich dadurch fühlt.  Ihre eigent­li­che Ziel­gruppe, die 8 Mil­lio­nen euro­päi­schen Schwar­zen (und damit ist dies­mal die Haut­farbe gemeint), haben sich ent­spre­chend dafür bedankt. Auf der Suche nach einem geeig­ne­ten Her­stel­ler für ihre Idee befand man bei Hansa­plast, ihre Idee hätte keine Markt, so das sie dann bei Chemo­plast gelan­det ist, der das Ver­pa­ckungs­de­sign ohne ihr Wis­sen änderte und für ent­spre­chen­des Desas­ter sorgte.  Das die allein­er­zie­hende Mut­ter von die­sem Vor­ge­hen nicht begeis­tert war, brau­che ich wohl nie­man­dem näher zu erläutern.

Ich finde, Bea­trice Pfis­ter hat gezeigt, das sie den offe­nen Dia­log sucht und zumin­des­tens mich von ihrem Pro­dukt über­zeugt, auch wenn ich die fal­sche Haut­farbe habe. Wie­viel Herz hin­ter die­ser Idee steckt wird in der Emo­tio­na­li­tät ihrer Bei­träge deut­lich. Wie schwer man es heut­zu­tage hat, eine gute Idee an seine Ziel­gruppe zu brin­gen, kann ich wohl nicht nach­voll­zie­hen, zumal das ganze auch eine exis­ten­zi­elle Grund­lage bie­ten soll. Bea­trice steu­ert nun ent­ge­gen und bie­tet die Pflas­ter selbst zum Ver­kauf an und wagt damit einen neuen Anfang den ange­schla­ge­nen Ruf ihrer Idee wie­der in Ord­nung zu brin­gen. Einen ent­spre­chen­den objek­ti­ven Blo­g­ar­ti­kel bin ich ihr schul­dig, das sie irgend­wann mit ihrer Idee Erfolg haben wird, davon bin ich überzeugt.

6 Kommentare

  1. Hmm, ich ver­stehe die Pro­ble­ma­tik nicht. Warum müs­sen denn Ver­let­zun­gen der Haut­farbe ange­passt wer­den? Als ich mich das letzte Mal auf­fäl­lig ver­letzt habe, hätte die Farbe des Pfas­ters abso­lut null bewirkt, da ich mir mit­hilfe mei­nes über­ra­gen­den Geschicks in zwei Fin­gern, bis auf den Kno­chen so ziem­lich alles durch­trennt habe, was da so exis­tiert.
    Der Ver­band wäre in jeder Farbe auf­fäl­lig gewe­sen. Was ich also nicht ver­stehe, warum muß es eine Abgren­zung geben? Machen wir doch alle Pflas­ter grün! Damit erüb­rigt sich doch die, aus mei­ner Sicht, ziem­lich unsin­nige Auf­tei­lung. Man trägt ja kein Pflas­ter, weil es Spaß macht, son­dern weil es not­wen­dig ist.

  2. Wären alle Pflas­ter grün, dann würde ich auch kei­nen Sinn darin sehen Pflas­ter für andere Haut­far­ben her­zu­stel­len. Da Pflas­ter aber auf Unschein­bar­keit getrimmt sind und auf die mit­tel­eu­ro­päi­sche Haut­farbe ein­ge­stellt sind finde ich es durch­aus sinn­voll auch für andere Haut­far­ben Pflas­ter zu ent­wi­ckeln — warum auch nicht?

  3. Genau getrof­fen! Natür­lich ver­stehe ich, daß wenn es Pflas­ter für mit­tel­eu­ro­päi­sche Haut gibt, es ent­spre­chende Farb­va­ri­an­ten für dun­kel­häu­ti­gere, oder even­tu­ell auch asia­ti­sche Haut­far­ben gibt, ich ver­stehe nur grund­sätz­lich nicht, warum ein Pflas­ter Tarn­farbe haben sollte.
    Immer­hin tut eine Ver­let­zung weh, also wäre es doch posi­tiv, sie farb­lich (z.B. grün) zu kenn­zeich­nen, um eine gewisse Rück­sicht in die­sem Bereich hervorzurufen.

  4. Ehr­lich gesagt habe ich mir vor dem Ent­de­cken der lächer­li­chen Ver­pa­ckung im Ursprungs­bei­trag auch noch keine Gedan­ken über far­bige Pflas­ter gemacht. Natür­lich erschei­nen far­bige Pflas­ter ja auch irgendwo sin­nig, Trans­pa­rente Pflas­ter sind jedoch die ele­gan­teste Methode, denn denen ist die Haut­farbe eigent­lich egal ;)

  5. Also ich bin nicht gerade der Freund davon, wenn mich jeder anspricht „Oh, hast du dir in den Fin­ger geschnit­ten?” und im Grunde ver­wende ich Pflas­ter auch nur, wenn es unbe­dingt sein muss: Drei Stun­den die Zähne zusam­men­bei­ßen und kein Pflas­ter auf­kle­ben ist för­der­li­cher für den Hei­lungs­pro­zess als die Wunde mit dem eige­nen Schweiß schön feucht zu halten.

    Bunte Pflas­ter gibt es ja, nen­nen sich Kin­der­pflas­ter und sind nicht nur grün son­dern meis­tens sogar schön bunt, mit Disney-Motiven etc. — also wenn schon auf­fäl­lige Pflas­ter, dann aber rich­tig. Wobei mir gerade die Idee kommt, man könnte doch „schwarze Pflas­ter” (Schwarz im Sinne von #000000) her­stel­len, Gruf­tis kau­fen doch alles was trve ist :)

    EDIT: Bock­mist, da hab ich doch gerade fest­ge­stellt, dass du die Idee schon in dei­nem alten Ein­trag hat­test. Mein Hirn scheint ein Sieb zu sein.

  6. Ideen zu Pflas­tern hätte ich da schon… und immer­hin wirst Du ange­spro­chen… kann ja eine Mög­lich­keit zu wei­ter­füh­ren­den Kon­tak­ten sein :)

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