Was ist eine Petition? Das lateinische petitio sagt dazu unter anderem Ersuchen. Eine Petition ist die Möglichkeit des Bürgers der Politik Vorschläge zu machen und Gesetze zu bewegen. Früher waren dazu viele aktive Menschen mit Stift und Papier notwendig, heute macht man auch das Online. Die Internetseiten des Deutschen Bundestages bieten die Möglichkeit, sich nach vorheriger Anmeldung seinem demokratischen Grundrecht (Artikel 17 GG) nachzukommen. Die sogenannten ePetitionen. Erreicht eine öffentliche Petition innerhalb der ersten 3 Wochen mehr als 50.000 Mitzeichner wird der Petent, also der, der die Petition eingebracht hat, vor einem Ausschuss angehört.
Soweit eine Zusammenfassung der Wikipedia-Inhalte, doch was bringen diese Petitionen? Im Falle der Internetsperren wohl nicht allzu viel, denn das Gesetz wurde ja dennoch verabschiedet, oder? Öffentliche Aufmerksamkeit ist das Schlüsselwort, mittlerweile dürfte es kein Geheimnis mehr sein, das eine Recherche in der Liste der zur Verfügung stehenden Petitionen die Schlagzeilen von Morgen stehen und so wundert es mich nicht, wenn die Medien die populären Petitionen aufgreifen und darüber berichten. Ein erwünschter Effekt, denn dadurch partizipieren in der Regel noch mehr Menschen, was eine Multiplikation der Wirksamkeit bedeutet.
Nach entsprechendem öffentlichen Interesse, kippten dann auch noch einige Ergebnisorientierte Wahlkämpfer kurz vor der Wahl ihre Meinung um die Mitzeichner für sich zu gewinnen, denn schließlich hätte man so rund 135.000 Wähler zusätzlich zu verbuchen. Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, denn das Gesetz ist gegessen und die Wahl ist gelaufen, eine gewisse Resignation durchaus nachzuvollziehen. Doch genau hier sollte man sich seines "alten" Accounts bei den Online-Petitionen bedienen und diesen rege nutzen.
Demokratie von zu Hause, wie praktisch. Natürlich treibt das auch einige kuriose Sprößlinge, so fordert ein Petent die Einführung einer Wahlpflicht um alle Bürger an die Urne zu zwingen, andere fordern das Verbot von Xenon-Scheinwerfern oder einen Fahrrad-TÜV. Doch einige Petitionen sind so ernst wie das Leben und können sich meiner Teilnahme gewiss sein:
Beispielsweise der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen, über die auch jüngst die Netzpolitik im Rahmen der Open Access Kampagne berichtete: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen« (Quelle: Petition vom 20.10.2009)
Oder auch die Petition, mit der man erreichen möchte, das die erste Abmahnung kostenlos ist und dem Abgemahnten das Recht einräumt seinen eventuellen Fehler zu korrigieren: »Abmahnungen im Internet sollen in Zukunft eine für den beklagten kostenlose Vorstufe bekommen. Der Abmahner soll mit dem Beklagten in Kontakt treten und diesem seinen Abmahngrund mitteilen und diesem so eine Möglichkeit geben um diesen möglichen Verstoß innerhalb von einer Frist zu beseitigen.« (Quelle: Petition vom 10.11.2009) Meine Stimmen haben sie, nicht allein weil auch ich ganz aktuell durch eine solche Abmahnung zur Kasse gebeten werden soll. Aber dazu an anderer Stelle und später mehr.
Solltest DU noch keinen Account haben, wird es höchste Zeit einen anzulegen, denn zwischen unzähligen Accounts für »Soziale« und wesentlich nutzlosere Dienste fällt dieser eine gar nicht auf. Anmelden, mitzeichnen — kostet auch nichts. So einfach ist das. Jeden Tag ein bisschen Demokratie ist wie ein Jungbrunnen der eigenen Meinung. Wenn sich dann daraus der Wille nach Veränderung entwickelt, geht auf die Strasse oder in den Hörsaal und kämpft für euer Recht, es gibt noch viel zu wenige Studenten die den Mund aufmachen. Den »Überlebenden« der 68er Bewegung entlockt ihr höchstens ein müdes lächeln.
Wenn ihr das lieber nicht machen wollt, ist das eure Entscheidung, aber meckert dann nachher nicht rum.



hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 1. Dezember 2009 um 12:21:
Was die Mitbestimmung des Volkes angeht, hinken die Deutschen echt hinterher… (Siehe Volksentscheid zum Flughafen Tempelhof oder die PRO-Reli Kampagne) Oft schreien sie ob der Ungerechtigkeit und Stimmlosigkeit, die die deutsche Politik dem Bürger zumutet, aber wenn es darauf ankommt, schlafen oder faulenzen die meisten lieber. Nach mir die Sinflut…so in der Art reagieren viele, wenn das Anliegen eines Volksentscheides sie nicht interessiert! Wie phantasielos doch unsere Gesellschaft ist, in der man sich noch nicht einmal in die Belange eines anderen, (und damit sind nicht die Extravaganzen kleiner Gruppen von Freaks gemeint) hineinversetzen kann. Hat denn noch nie jemand vom Zünglein an der Waage oder dem berühmten Tropfen, der das Fass überlaufen läßt, gehört?
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Dezember 2009 um 01:56:
@frankenfeld: Stimmt, deswegen ja auch mein Beitrag. Wenn schon so wenige aktiv Beteiligung zeigen, dann wenigstens ein bisschen was von zu Hause aus. Besser als gar nichts. Die Studentenproteste beispielsweise sind berechtigt, aber wirken ein wenig »winzig«. Guck Dir mal einen Campus einer großen Uni an, wieviele weiter studieren und wieviele sich beteiligen. »Ich finde die Proteste gut, endlich wird mal was getan! Aber ich muss jetzt weiter in die nächste Vorlesung.