1 Oktober
Musikgeschmack ist doch subjektiv, oder?
Leider ist Musickum momentan geschlossen, da der entstandene Traffic das Budget des Betreibers überstiegen hat, vielleicht findet sich ja ein neuer Sponsor.
Grundsätzlich höre ich Musik, die mir gefällt. Tut eigentlich jeder. Doch woher neue Inspiration nehmen? Zu meinen pubertierenden Zeiten ist man in die Diskothek gegangen um dort neue Einflüsse zu bekommen und zu bekannten Dingen abzugehen. Da musste man sich aber mit dem anschreien des Plattenauflegers begnügen, der je nach Laune den entsprechenden Titel offenbart hat. Eine weitere Möglichkeit war das Radio, das aber rein Mainstreamorientiert ausgelegt war und den Geschmack der breiten Masse befriedigte, so wie heute eben auch. WDR 1 hieß da noch nicht Einslive und in der festen Zeit von 13:00 bis 14:00 konnte man den aktuellen Charts lauschen. So war man zwar auf dem laufenden, leider nicht nach meinem Geschmack.
Das Internet bietet da ganz neue Möglichkeiten, es macht den Musikgeschmack zur einer Ansammlung von objektiven Daten, die ich last.fm sei dank auch entsprechend zur Verwertung preisgebe. So ist dann auch der Überblick links entstanden. Bei Musickum kann das jeder auch mal selbst versuchen. So verrät mir der Open mind Index, wie breit gefächert mein Musikgeschmack ist, 123 ist da gar nicht mal schlecht (glaub ich). In der Tortengrafik und der anschließenden Liste wird dann deutlich, welche Genres der Musik ich bevorzuge.
Ist dann nun schon objektiv gesehen mein Musikgeschmack? Nein. Warum nicht?
Zunächst einmal kann der Benutzer selbst die von ihm gespielten Lieder in ein Genre einordnen, da werden überschneidungen deutlich, denn medieval, folk und mittelalter sind bei mir das gleiche. Allein die Einordnung in ein Genre geschieht doch schon subjektiv. Nur weil New Wave draufsteht muss es mir lang noch nicht gefallen um gleich zum nächsten Punkt zu kommen. Wenn es 1.000.000 Lieder geben würde, die unter New Wave kategorisiert sind, gefallen mir bestenfalls 10%. Theoretisch, also subjektiv.
Annahme: Wir geben immer mehr persönliche Daten, Geschmack und Nutzungsverhalten preis und profitieren dabei von den scheinbar sinnvollen Features. Nehmen wir mal an, alles was wir kaufen, hören, sehen, fühlen und nutzen wird zu Datenerhebung herangezogen, wäre es demnach möglich, das mir eine entsprechende Software ein Musikstück offenbart, das mir gefallen MUSS? Ich denke nicht. Solange unsere Gefühle und Emotionen nicht berechenbar sind bleibt uns das erspart, denn das bestimmt unseren Musikgeschmack.
Die einzigen, die von der zunehmenden Profilisierung persönlicher Daten profitieren sind die Werber und Produktmanager die meinen mit gezielten Werbeaktionen unseren Geschmack vorausschauen zu können. Meinen treffen sie nicht. Wie ich jetzt von einem zufällig gefundenen last.fm Goodie auf meinem Musikgeschmack komme, weiß ich auch nicht genau, ist aber eh subjektiv ;)
(Quelle: Gefunden bei Everyday is Halloween)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Ansichtssache
Schlagwort: 80er, Dark Wave, last.fm, musik, new wave


hat bereits 7 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Oktober 2008 um 11:53:
…hmmm, also ich habe gerade mal den Musickum-Test gemacht und hatte einen Index von 103. Ich hätte eine höhere Zahl erwartet. Der Vergleich der analysierten Genres mit meinem Platten/CD-Schrank (knapp 2.500 verschiedene Werke, nicht 2.500 gleiche CDs wie beim Produzenten von Vanilla Ninja ;) ) lässt mich aber vermuten, dass die Messung nicht ganz exakt ist, da viele Genres, die mir gefallen trotzdem nicht angegeben wurden. Wahrscheinlich ist die wirklich sehr magere DB von Last.fm schuld, die einige Musik, die mir gefällt und die nicht zwingend auf Majors erscheint, nicht indexiert. Ein zweiter Grund: Ich benutze Last.fm lediglich als Webradio-Ersatz und habe beim Hören meiner Musik noch nie den Player Daten an Last.fm versenden lassen.
Fazit: Messungen sind immer nur so gut, wie die Datenquelle :) Aus Musickum könnte man mehr machen, wenn neben dem Last.FM-Profil noch verschiedene andere Daten erhoben würden. So könnte man bspw. eine zufällig generierte Liste mit Künstlernamen anzeigen, aus der ausgewählt werden muss, ob man den Künstler kennt und wie man dessen Musik findet. Dann würde man auch an Randbereiche kommen, die nicht in Last.fm abgedeckt sind…
hat bereits 1742 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Oktober 2008 um 18:23:
Ich denke, das ist der Knackpunkt. Ich benutze last.fm genau anders herum. Da ich die meiste Musik zuhause höre, habe ich ein entsprechendes Plugin für meinen Player installiert. Erstaunlicherweise kennt last.fm auch sehr unbekannte Künstler, die leider im Webradio, so wie du es benutzt, nicht beworben werden. Für mich ist er mehr als Datenbank und Statistikprogramm relevant, neue Musik lerne ich nicht über last.fm kennen, bis jetzt jedenfalls noch nicht. Als Webradio Ersatz habe ich laut.fm kennengelernt, bei dem der User ein Radio betreiben kann. Da lernt man das ein oder andere neue Stück über die Auswahl des Genres kennen, obwohl auch hier das Angebot an Genres begrenzt ist.