1 Oktober

Musikgeschmack ist doch subjektiv, oder?

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20082 Kommentare

Lei­der ist Musickum momen­tan geschlos­sen, da der ent­stan­dene Traf­fic das Bud­get des Betrei­bers über­stie­gen hat, viel­leicht fin­det sich ja ein neuer Sponsor.

Grund­sätz­lich höre ich Musik, die mir gefällt. Tut eigent­lich jeder. Doch woher neue Inspi­ra­tion neh­men? Zu mei­nen puber­tie­ren­den Zei­ten ist man in die Dis­ko­thek gegan­gen um dort neue Ein­flüsse zu bekom­men und zu bekann­ten Din­gen abzu­ge­hen. Da musste man sich aber mit dem anschreien des Plat­ten­auf­le­gers begnü­gen, der je nach Laune den ent­spre­chen­den Titel offen­bart hat. Eine wei­tere Mög­lich­keit war das Radio, das aber rein Main­strea­m­o­ri­en­tiert aus­ge­legt war und den Geschmack der brei­ten Masse befrie­digte, so wie heute eben auch. WDR 1 hieß da noch nicht Eins­live und in der fes­ten Zeit von 13:00 bis 14:00 konnte man den aktu­el­len Charts lau­schen. So war man zwar auf dem lau­fen­den, lei­der nicht nach mei­nem Geschmack.

Das Inter­net bie­tet da ganz neue Mög­lich­kei­ten, es macht den Musik­ge­schmack zur einer Ansamm­lung von objek­ti­ven Daten, die ich last.fm sei dank auch ent­spre­chend zur Ver­wer­tung preis­gebe. So ist dann auch der Über­blick links ent­stan­den. Bei Musickum kann das jeder auch mal selbst ver­su­chen. So ver­rät mir der Open mind Index, wie breit gefä­chert mein Musik­ge­schmack ist, 123 ist da gar nicht mal schlecht (glaub ich). In der Tor­ten­gra­fik und der anschlie­ßen­den Liste wird dann deut­lich, wel­che Gen­res der Musik ich bevorzuge.

Ist dann nun schon objek­tiv gese­hen mein Musik­ge­schmack? Nein. Warum nicht?

Zunächst ein­mal kann der Benut­zer selbst die von ihm gespiel­ten Lie­der in ein Genre ein­ord­nen, da wer­den über­schnei­dun­gen deut­lich, denn medi­eval, folk und mit­tel­al­ter sind bei mir das glei­che. Allein die Ein­ord­nung in ein Genre geschieht doch schon sub­jek­tiv. Nur weil New Wave drauf­steht muss es mir lang noch nicht gefal­len um gleich zum nächs­ten Punkt zu kom­men. Wenn es 1.000.000 Lie­der geben würde, die unter New Wave kate­go­ri­siert sind, gefal­len mir bes­ten­falls 10%. Theo­re­tisch, also subjektiv.

Annahme: Wir geben immer mehr per­sön­li­che Daten, Geschmack und Nut­zungs­ver­hal­ten preis und pro­fi­tie­ren dabei von den schein­bar sinn­vol­len Fea­tures. Neh­men wir mal an, alles was wir kau­fen, hören, sehen, füh­len und nut­zen wird zu Daten­er­he­bung her­an­ge­zo­gen, wäre es dem­nach mög­lich, das mir eine ent­spre­chende Soft­ware ein Musik­stück offen­bart, das mir gefal­len MUSS? Ich denke nicht. Solange unsere Gefühle und Emo­tio­nen nicht bere­chen­bar sind bleibt uns das erspart, denn das bestimmt unse­ren Musikgeschmack.

Die ein­zi­gen, die von der zuneh­men­den Pro­fi­li­sie­rung per­sön­li­cher Daten pro­fi­tie­ren sind die Wer­ber und Pro­dukt­ma­na­ger die mei­nen mit geziel­ten Wer­be­ak­tio­nen unse­ren Geschmack vor­aus­schauen zu kön­nen. Mei­nen tref­fen sie nicht. Wie ich jetzt von einem zufäl­lig gefun­de­nen last.fm Goo­die auf mei­nem Musik­ge­schmack komme, weiß ich auch nicht genau, ist aber eh subjektiv ;)

(Quelle: Gefun­den bei Ever­y­day is Hal­lo­ween)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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2 Kommentare

  1. …hmmm, also ich habe gerade mal den Musickum-Test gemacht und hatte einen Index von 103. Ich hätte eine höhere Zahl erwar­tet. Der Ver­gleich der ana­ly­sier­ten Gen­res mit mei­nem Platten/CD-Schrank (knapp 2.500 ver­schie­dene Werke, nicht 2.500 glei­che CDs wie beim Pro­du­zen­ten von Vanilla Ninja ;) ) lässt mich aber ver­mu­ten, dass die Mes­sung nicht ganz exakt ist, da viele Gen­res, die mir gefal­len trotz­dem nicht ange­ge­ben wur­den. Wahr­schein­lich ist die wirk­lich sehr magere DB von Last.fm schuld, die einige Musik, die mir gefällt und die nicht zwin­gend auf Majors erscheint, nicht inde­xiert. Ein zwei­ter Grund: Ich benutze Last.fm ledig­lich als Webradio-Ersatz und habe beim Hören mei­ner Musik noch nie den Player Daten an Last.fm ver­sen­den lassen.

    Fazit: Mes­sun­gen sind immer nur so gut, wie die Daten­quelle :) Aus Musickum könnte man mehr machen, wenn neben dem Last.FM-Profil noch ver­schie­dene andere Daten erho­ben wür­den. So könnte man bspw. eine zufäl­lig gene­rierte Liste mit Künst­ler­na­men anzei­gen, aus der aus­ge­wählt wer­den muss, ob man den Künst­ler kennt und wie man des­sen Musik fin­det. Dann würde man auch an Rand­be­rei­che kom­men, die nicht in Last.fm abge­deckt sind…

  2. Ich denke, das ist der Knack­punkt. Ich benutze last.fm genau anders herum. Da ich die meiste Musik zuhause höre, habe ich ein ent­spre­chen­des Plu­gin für mei­nen Player instal­liert. Erstaun­li­cher­weise kennt last.fm auch sehr unbe­kannte Künst­ler, die lei­der im Web­ra­dio, so wie du es benutzt, nicht bewor­ben wer­den. Für mich ist er mehr als Daten­bank und Sta­tis­tik­pro­gramm rele­vant, neue Musik lerne ich nicht über last.fm ken­nen, bis jetzt jeden­falls noch nicht. Als Web­ra­dio Ersatz habe ich laut.fm ken­nen­ge­lernt, bei dem der User ein Radio betrei­ben kann. Da lernt man das ein oder andere neue Stück über die Aus­wahl des Gen­res ken­nen, obwohl auch hier das Ange­bot an Gen­res begrenzt ist.

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