19 Dezember

Musik Online: Von Urlaub und Jobs

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang: 20082 Kommentare

farin_urlaub-croppedUrhe­ber­recht ist nicht nur undurch­sich­tig son­dern scheint auch undurch­dring­bar. Was urhe­ber­recht­lich geschützt ist und was nicht, scheint in der Hand der Musik­in­dus­trie zu lie­gen, die den Gesetz­ge­ber durch ihre Markt­macht immer wie­der zu offen­bar halb­her­zi­gen Novel­lie­run­gen zwingt. Der deut­sche Nor­malu­ser (NU) ist ein geset­zes­treuer Bür­ger, der nicht vor­sätz­lich beab­sich­tigt diese zu bre­chen. Lei­der wird es dem NU immer schwe­rer gemacht, nichts falsch zu machen. Mario Six­tus fragt: Ist jeder Nut­zer ein Pirat? Obwohl er damit ein wenig Licht in die schier end­lose Dun­kel­heit zu brin­gen ver­sucht, scheint immer noch nicht klar, was zu tun ist. Was tun, wenn kei­ner kauft? lie­fert löb­li­cher­weise auch gleich ein paar Vor­schläge. Doch wo bleibt der Künstler?

In einem Inter­view der FAZ mit dem Musi­ker Farin Urlaub (Die Ärzte), das ich bei der Hasen­farm ent­deckt habe, geht der Künst­ler kurz auf die Ver­mark­tung von Musik über das Inter­net eingeht.

Braucht es heute noch Plattenkonzerne, wenn die Musik übers Internet verkauft wird?

[...] Der schlaue Steve Jobs hat mit seinem iPod ganz schlechte Bedingungen für Künstler zur Norm gemacht. Das Wenige, was der digitale Vertrieb kostet, steht in keinem Verhältnis zu dem, was Apple einstreicht. Reich wird man als Band damit nicht, deswegen muss man das Geld mit Konzerten und Merchandising reinholen. Ich glaube, wir landen in Zuständen wie vor 100 oder 120 Jahren: Musik an sich ist wertlos. Nur das Konzert oder die gedruckte Note kostet etwas.

Ganz unrecht hat Farin Urlaub nicht. Trotz mas­si­ver Bemü­hun­gen um eine Preis­re­gu­lie­rung ande­rer Unter­neh­men beharrt Apple auf die von Steve Jobs pro­kla­mier­ten 99 Cent für einen Musik­down­load. Hier nutzt Apple seine Markt­macht aus und zwingt die Kon­kur­renz zu dras­ti­schen Preis­nach­läs­sen. Der Ein­druck, das Kunst und Krea­ti­vi­tät zum Gegen­stand freier Markt­wirt­schaft ver­kommt, wird stärker.

Quelle: Jupiter Research / Spiegel Online

Quelle: Jupi­ter Rese­arch / Spie­gel Online

Es blei­ben als rund 8 Cent für den Künst­ler über, des­sen Song dann etwa 40000 mal im Monat gekauft wer­den müsste, damit er nach deut­schen Maß­stä­ben 1.800€ Netto sein Leben bestrei­tet. Die Musik­fir­men haben aber in der glei­chen Zeit etwa 18.000€ umge­setzt. Es ist und bleibt aber nur ein Rechen­bei­spiel, des­sen Pra­xis­taug­lich­keit wahr­schein­lich frag­lich ist.

Jetzt schon lei­det die Qua­li­tät der Musik erheb­lich, so wer­den Pla­giat­vor­würfe immer lau­ter und Cas­ting­shows fokus­sie­ren offen­bar die Ein­nah­men durch Wer­bung anstatt die Qua­li­tät der Pro­duk­tion zu ver­bes­sern. Was soll ein Lied kos­ten oder soll gar nur das ganze Album zum Kauf ange­bo­ten wer­den? In einem Inter­view mit Die­ter Gorny stellt die­ser sich schüt­zend vor die Künstler.

Wie sichert denn das Urheberrecht diese Märkte?

Ein Künstler kann frei entscheiden, ob er sein Werk der industriellen Verwertung zuführt oder nicht. [...] Sonst wäre das, was kreatives Eigentum genannt wird, so allgemein verfügbar, dass sich ökonomische Prozesse nicht mehr in Gang setzen ließen. Das würde am Ende dazu führen, dass ein Künstler oder eine Künstlerin sagt: "Wenn ich keine Chance habe, mit meiner Kunst meinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann mach ich das auch nicht mehr."

Inter­es­sant, denn eben die­ses Ver­tre­ter der Musik­in­dus­trie bekommt ja den größ­ten Bat­zen vom Kuchen des Online­ver­kaufs ab und för­dert nur Kunst, die sich aus finan­zi­el­ler oder per­sön­li­cher  Sicht zu för­dern loh­nen. Künst­ler fin­den Wege, sich und ihre Musik gewinn­brin­gend zu ver­mark­ten, der jüngste Trend zeigt, das immer mehr Künst­ler den Weg zu Selbst­ver­mark­tung nut­zen und sich so den Umweg über die Major-Labels spa­ren. Einige set­zen gezielt auf das Medium Inter­net und sor­gen bei den »unmensch­li­chen« Plat­ten­fir­men für ein äußerst mensch­li­ches Gefühl, Angst.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Ansichtssache
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2 Kommentare

  1. Wie­der­mal ein tol­ler Bei­trag und ein tol­les Jahr zu Ende! Ich wollte mich bei Dir für die unter­halt­sa­men aber auch infor­ma­ti­ven Bei­träge bedan­ken und wün­sche dir ein Fro­hes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich fahre jetzt erst­mal in Urlaub! Bis denne…

  2. Kein Pro­blem, es freut mich, dass Dir der Bei­trag gefal­len hat. Schön das du ein tol­les Jahr gehabt hast, meins war auch nicht so schlecht.

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  1. […] in mei­nem Arti­kel über Musik Online: Von Urlaub und Jobs geschrie­ben habe, wer­den die Künst­ler in vie­len Fäl­len durch die extrem nied­rige Preisstruktur […]