22 Februar

Kein Bock auf Nazis - Reloaded

Kategorie: Ansichtssache — Jahrgang 2009

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Die Zeiten, in denen Nazis das Aussehen der Skinheads kopierten um sich von der Gesellschaft auch rein optisch abzugrenzen, scheinen gezählt.  Obwohl immer noch von den Medien wegen ihrer Wirksamkeit gerne gezeigt, hat man dazugelernt. Mittlerweile infiltrieren und rekrutieren die Nazis in allen Teilen der Gesellschaft und sind als solche nicht mehr auszumachen. Sie nutzen die Musik um an die Jugendlichen heranzukommen und Interesse zu wecken, dabei steht zunächst nicht die Ideologie im Vordergrund, sondern die Musik.

Immer wieder versucht man, über das verteilen kostenloser CD´s den Kindern und Jugendlichen die Musik schmackhaft zu machen, um zunächst Bands und Musik populär zu machen und das dann entstehende Interesse auszunutzen ihre Nazi Ideologien zu verbreiten und als Liedtexte in die Köpfe zu pflanzen. Die Aktion Kein Bock auf Nazis hat zur Gegenbewegung die gleichnamige und kostenlose DVD in eine zweite Runde geschickt.  Darauf findet man die Stimmen einiger prominenter Künstler und eine sehr gut gemachte Dokumentation des rbb.

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Dabei erhebt der Inhalt der DVD zu kei­nem Zeit­punkt den Anspruch, den Blick auf eine Par­tei oder poli­ti­sche Orga­ni­sa­tion zu len­ken, son­dern ver­sucht, zur Akti­vi­tät auf­zu­ru­fen. Fet­tes Brot, Wir sind Hel­den, Die Ärzte und Mar­kus Kavka spre­chen neben vie­len ande­ren zum Teil deut­li­che Worte, wie mit einer Bedro­hung durch Nazis zu ver­fah­ren ist, was man tun kann und sollte. Es bleibt jedoch genug Spiel­raum um sich für einen eige­nen Weg gegen Nazis zu ent­schei­den. Die Doku­men­ta­tion wirkt sehr glaub­haft und die jet­zige, dar­ge­stellte Situa­tion in Deutsch­land sehr authentisch.

Was mir ein wenig fehlt, ist die Musik, denn obwohl pro­mi­nente Künst­ler in Inter­views ihre Mei­nung zum bes­ten geben, fehlt das eigent­lich inter­es­sante Medium, die Musik sel­ber. Selbst­ver­ständ­lich haben viele Künst­ler und Bands bereits ent­spre­chende Lie­der im Ange­bot, eine Bei­gabe bereits ver­öf­fent­lich­ter Lie­der hätte nicht gescha­det.  Was mei­ner Mei­nung nach ver­säumt wurde, kann You Tube wie­der wett­ma­chen, den Klas­si­ker der Ärzte — Schrei nach Liebe kann man sich bei­spiels­weise dort anschauen.

(Bild­quelle: Kein Bock auf Nazis)

6 Kommentare

  1. Ich habe mir die DVD auch geor­dert. Sogar meh­rere, damit ich diese auch noch ander­wei­tig ver­tei­len kann. Ich selbst fand sie sehr gut. Vor allem den Teil mit Mar­kus Kavka. Auch die Doku­men­ta­tion über die Situa­tion in Ber­lin war durch­aus inter­es­sant. Zwar war ich mir der Sachen bewusst, aber als Auf­klä­rung wirkt sie ein­fach sehr gut. „Schrei nach Liebe” wurde ja ange­spro­chen, aber gespielt wurde es nicht. Das stimmt.

    Auch ein But­ton ist bei mir am Hemd. Ich finde diese Aktion durch­aus gut. Und es ist auch die rich­tige Rich­tung. Man muss die Leute schließ­lich mit ihren eige­nen Waf­fen bekämpfen.

  2. Mir war es gänz­lich neu, dass die Waf­fen der Nazis Auf­klä­rung, Infor­ma­tio­nen und Fak­ten sind. Bis­her dachte ich immer, es wären Base­ball­schlä­ger, Paro­len und in ers­ter Linie das Aus­nut­zen von feh­len­den Per­spek­ti­ven bei Jugend­li­chen. Aber viel­leicht hab ich ja auch was über­se­hen bzw. die DVD nicht geguckt auf der ver­mut­lich Bela B. mit nem Base­ball­schlä­ger auf nen Skin­head ein­klopft und melo­disch „Nazis raus” brüllt…

  3. @Lordy: Ja, das die DVD musi­ka­lisch nicht umge­setzt wurde ent­täuscht mich ein wenig, denn so ist der Ver­such des Kamp­fes zwar ehr­bar, doch die Waffe der Musik ist ein mäch­ti­ges Instru­ment. Viel­leicht fasst man das als Anre­gung für die ReRe­loa­ded Ver­sion auf.
    @Tears: Selbst­ver­ständ­lich gehört das aus­nut­zen von feh­len­den Per­spek­ti­ven immer noch zum Arse­nal der Pro­pa­ganda, aber in den letz­ten Jah­ren haben die Neo­na­zis dazu­ge­lernt und beschrän­ken sich nicht nur auf die gleich Kli­en­tel. Ein Arti­kel im Uni-Spiegel berich­tet sogar von ernst­ge­mein­ten Anwer­bungs­ver­su­chen an unse­ren Unis. Das dabei keine hoh­len Paro­len, son­dern Infor­ma­tio­nen und Auf­klä­rung eine große Rolle spie­len ver­wun­derte mich auch zunächst, doch auch bei vie­len Stu­den­ten wirkt das, was bei Per­spek­tiv­lo­sen Jugend­li­chen ebenso wirkt, das aus­nut­zen von Vor­ur­tei­len und eige­ner Benach­tei­li­gung, wenn es dann noch von Mit­stu­die­ren­den ohne Glatze kommt ist die Infil­tra­tion perfekt.

  4. Ganz ehr­lich: Hätte die braune Brut wirk­lich die Mög­lich­keit unge­schönte Auf­klä­rung zu betrei­ben und damit Mit­glie­der zu wer­ben, wer könnte ihnen dann vor­wer­fen was sie den­ken und tun? Wären alle Aus­län­der kri­mi­nell, wür­den Homo­se­xu­elle ihrer Umwelt scha­den… was würde dege­gen spre­chen, wenn man sie bekämpft? Es ist doch nun­mal so, dass 99% von dem was in den Köp­fen die­ser Hohl­bir­nen rum­spukt maß­lose Über­trei­bung, ver­drehte Fak­ten und kom­plet­ter Stumpf­sinn ist.

  5. Ich stimme Dir zu, pro­ble­ma­tisch sind nur die 1% der brau­nen Brut, die sich poli­tisch enga­gie­ren, Ängste und Sor­gen der Men­schen zu ihrem Vor­teil nut­zen um dann ihre Poli­tik zu betreiben.

  6. Hab ich doch bei­nahe die­sen Bei­trag über­se­hen — Danke für den Tipp!

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